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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 57
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
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Die Löwenfrau

Felszeichnung

Mama heiratete. Musa heiratete. Mamas Frau wurde schwanger. Musas Frau wurde schwanger. Mama sagte: »An dem Tage, an dem meine Frau niederkommen wird, werde ich am Boden Kauris ausstreuen. Über ihnen soll meine Frau gebären.« Musa sagte: »An dem Tag, an dem meine Frau niederkommen wird, werde ich am Boden ein Löwenfell ausbreiten. Über dem soll meine Frau gebären.« Mamas Frau kam in die Wehen. Mama streute auf dem Boden Kauris aus. Über ihnen gebar seine Frau.

Musas Frau kam in die Wehen. Musa nahm Erdnüsse und Guineakorn und ging damit in den Busch. Er ging in die Gegend, in der die Löwen sind. Musa traf da auf eine alte Frau. Die alte Frau sagte: »Was willst du?« Musa sagte: »Ich will das Fell eines Löwen.« Die alte Frau fragte: »Was bringst du?« Musa sagte: »Ich bringe Erdnüsse und Guineakorn.« Die alte Frau sagte: »So gib sie her!« Musa gab die Erdnüsse und das Guineakorn hin. Die alte Frau zeigte Musa den Platz eines Löwen. Die Löwin war ausgegangen. Es waren zwei junge Löwen da. Musa nahm die beiden jungen Löwen. Er ging mit ihnen nach Hause. In seinem Gehöft band er den einen jungen Löwen an. Den anderen jungen Löwen tötete er. Er zog ihm die Haut ab. Musa breitete die Löwenhaut auf dem Boden aus. Über der Löwenhaut gebar die Frau Musas.

Die Löwin kam an ihren Platz zurück. Die Löwin sah, daß ihre Jungen gestohlen waren. Die Löwin suchte die Spuren. Die Löwin fand Musas Weg bis zur Stadt. Am Ebang (Stadtwall) sagte die Löwin: »In dieser Stadt sind also meine Kinder!»Die Löwin ging in den Busch zurück. Die Löwin nahm ein Blatt. Sie schlug es. Das Blatt verwandelte sich in ein Kleid. Die Löwin selbst verwandelte sich in eine Frau. Die Frau schlug einen Stein. Der Stein verwandelte sich in einen Korb. Die Frau nahm den Korb auf den Kopf. Sie ging so in die Stadt.

Die Frau kam an einer Stelle vorbei, an der viele junge Männer in der Grube Lehm kneteten und Luftziegel formten. Ein junger Mann sah sie. Der junge Mann rief: »Die Frau soll bei mir schlafen!« Ein anderer sagte: »Nein, sie soll bei mir schlafen!« Jeder der jungen Leute wollte, daß die Frau zu ihm komme. Die Frau sagte: »Werft alle mit Steinen nach meinem Korb! Wer in den Korb trifft, bei dem will ich schlafen!« Die Frau setzte den Korb auf die Erde. Alle jungen Leute sagten: »Es ist recht!« Die jungen Leute begannen mit Steinen nach dem Korb zu werfen. Einer warf nach dem anderen seinen Stein. Es traf aber keiner hinein. Sie warfen alle. Es traf keiner. Nur Musa hatte noch nicht geworfen. Die Frau sagte: »Der Mann dort hat noch nicht geworfen!« Musa nahm einen Stein. Er warf den Stein nach dem Korb. Der Stein fiel in den Korb. Die jungen Leute riefen: »Die Frau wird bei Musa schlafen!« Die Frau sagte: »Ich werde im Hause Musas schlafen.«

Musa nahm die Frau mit in sein Haus. In dem Haus hatte Musa sieben Hunde. Die Frau kam an Musas Haus. Die Frau sah den jungen Löwen, der an Musas Haus angebunden war; die Frau sah das Fell des getöteten Löwen. Die Frau sagte: »Du bist stark. Wie hast du den Löwen gewonnen, den du getötet hast?« Musa sagte: »Ich fand sie im Busch und brachte sie heim.« Die Frau sagte: »Was willst du mit dem lebenden jungen Löwen? Schenke ihn mir!« Musa fragte: »Was willst du (als Frau) damit machen?« Die Frau sagte: »Schenke ihn mir!« Musa sagte: »Nein, ich werde ihn dir nicht schenken, denn die Leute werden fragen, warum ich das getan habe.« Die Frau sagte: »Es ist gut.«

Die Frau schlief nachts im Hause Musas. Musa schlief. Die Frau wachte. Die Frau stand auf. Sie trat aus dem Hause. Sie band den jungen Löwen los. Der junge Löwe lief fort. Der junge Löwe lief in den Busch.

Die Frau ging in das Haus zurück. Sie legte sich neben Musa nieder. Es waren die Hunde noch mit im Zimmer. Die Frau dachte: »Nun werde ich Musa töten.« Die Hunde sagten zu der Frau: »Wenn du Musa tötest, töten wir dich!« Die Frau weckte Musa und sagte: »Deine Hunde lassen mich nicht schlafen.« Musa brachte alle seine Hunde heraus. Er legte sich hin. Er schlief wieder ein.

Die Frau dachte: »Nun werde ich Musa töten! Nun ist niemand mehr da.« Es stand ein Topf mit Sibi (magische Mittel) im Zimmer. Der Topf mit Sibi sagte: »Wenn du Musa tötest, töten wir dich!« Die Frau weckte Musa und sagte: »Dein Topf mit Sibi läßt mich nicht schlafen.« Musa brachte den Topf mit Sibi hinaus. Auf dem Wege aber fielen einige Tropfen der Flüssigkeit auf die Erde. Dann legte Musa sich wieder hin. Er schlief wieder ein.

Die Frau dachte: »Nun werde ich Musa töten! Nun ist niemand mehr da!« Die Sibitropfen aber sagten: »Wenn du Musa tötest, töten wir dich!« Die Frau weckte Musa und sagte: »Dein Haus läßt mich nicht schlafen!« Musa sagte: »Ich habe kein anderes Haus. Du mußt in diesem schlafen.« Er legte sich wieder hin. Er schlief wieder ein.

Der Hahn schrie. Sie standen auf. Musa trat aus dem Hause. Musa sah, daß sein Löwe nicht mehr da war. Musa sagte: »Wo ist mein Löwe?« Die Frau sagte: »Die Schnur ist zerrissen, da ist er fortgelaufen. Sieh hier das Strickende!« Die Frau sagte: »Ich werde jetzt gehen. Willst du mich begleiten?« Musa sagte: »Ja, ich will dich begleiten.« Musa wollte sein Pferd besteigen. Die Frau sagte: »Nein, auf dem Pferd darfst du nicht mitkommen, das tritt mich tot.« Musa sagte: »Dann werde ich nur einen Stock mitnehmen.« Die Frau sagte: »Du darfst keinen Stock mitnehmen, ich fürchte mich davor.« Musa nahm ein Kamel und bestieg es. Sie machten sich auf den Weg.

Sie kamen zu der Stelle, an der Musa die jungen Löwen mitgenommen hatte. Musa sagte: »Hier werde ich umkehren.« Die Frau sagte: »Es ist auch weit genug!« Musa wandte das Kamel um. Die Frau verwandelte sich in eine Löwin. Die Löwin sprang auf Musa zu. Musa trieb sein Kamel an. Er jagte zurück. Musa verlor seinen Turban. Die Löwin rief: »Nimm deinen Turban mit!« Musa sagte: »Ich brauche meinen Turban nicht.« Musa kam mit seinem Kamel bis an die Stadtmauer. Musa wollte durch das Tor reiten. Die Löwin packte mit den Vorderpranken gerade noch das Kamel am Hinterteil und riß Fleischstücke herab. So kommt es, daß die Hinterteile der Kamele dünner sind als die der Pferde.

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