Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Leopold Frobenius >

Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 54
Quellenangabe
pfad/frobeniu/afrika/afrika.xml
typefairy
authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
projectidb44bb671
Schließen

Navigation:

Wer lügt am besten

Felszeichnung

Ein Mann hatte drei Frauen. Die erste wurde schwanger und gebar einen Sohn. Die zweite wurde schwanger und gebar einen Sohn. Die dritte wurde schwanger und gebar einen Sohn. Die Söhne wuchsen heran. Seine Söhne wurden große, starke Männer. Der Vater fragte seine Söhne: »Welche Arbeit wollt ihr machen?« (Heißt also, welchen Beruf sie ergreifen wollen.) Der älteste Sohn sagte: »Ich werde es dir sagen, wenn du gestorben sein wirst.« Der zweite Sohn sagte: »Ich werde es dir sagen, wenn du gestorben sein wirst.« Der dritte Sohn sagte: »Ich werde es dir sagen, wenn du gestorben sein wirst.« Der Vater sagte: »Das ist nicht gut! Sagt es mir jetzt schon!«

Der erste Sohn sagte: »Wenn du gestorben sein wirst, werde ich herumgehen und Frauen beschlafen!« Der zweite Sohn sagte: »Wenn Vater gestorben ist, werde ich herumgehen und Krieg machen!« Der dritte Sohn sagte: »Wenn Vater gestorben ist, werde ich herumgehen und werde Kleider machen.«

Der Vater sagte zum ersten Sohn: »So geh, bring eine Frau und zeig, wie du es machen wirst!« Der erste Sohn ging hin. Er riß einen dicken Baum aus. Er trug ihn in das Haus seines Vaters. Er legte die Kleider ab. Er umfaßte den Baumstamm. Er zerspaltete ihn mit seinem Penis. Der Vater sagte: »Wenn du das so weiter machst, werden die Leute dich bald töten.«

Der Vater sagte zum zweiten Sohn: »So geh und zeig mir, wie du dein Werk ausführen willst.« Der zweite Sohn ging hinaus. Er nahm 200 Pfeile; er nahm 100 Bogen; er bestieg 2 Pferde. Dann ritt er aus dem Gehöft heraus und begann die Mauern des anderen Gehöftes zu beschießen. Er schoß die 200 Bogen ab. Die Mauern stürzten.

Der Vater sagte: »Wenn du das so weiter machst, werden dich die Leute bald zum Edsu machen.«

Der Vater sagte zu seinem dritten Sohn: »So geh, nimm Nadel und Zwirn und zeige mir, wie du es machen wirst.« Der dritte Sohn ging in das Haus. Er brachte Nadel und Faden. Er legte die Nadel unter einen Baum auf die Erde. Er stieg mit dem Faden auf den Baum. Er ließ vom Baum den Faden herab. Er ließ von oben den Faden durch die Öse fallen. Dann zog er die eingefädelte Nadel zu sich herauf. Der Vater sagte: »Wenn du so weiter machst, wirst du bald ein reicher Mann sein.«

Der Vater starb. Als er gestorben war, machte sich der älteste Sohn auf den Weg. Er ging ins Haussaland. Er traf unterwegs einen Mann. Er fragte den Mann: »Wo gehst du hin?« Der Mann sagte: »Ich gehe nach Bida.« Er fragte den Mann: »Was machst du in Bida?« Der andere sagte: »Ich bin ein Lügner. Ich bin der beste Lügner im Haussaland. In Bida wohnt ein Mann, der ist der beste Lügner im Nupeland. Ich will sehen, wer besser lügen kann. Ich will sehen, ob er mehr lügen kann als ich.« Der erste Sohn sagte: »Dann gehe ich mit dir nach Bida.« Sie machten sich auf den Weg nach Bida. Sie kamen nach Bida.

Der Nupelügner in Bida hörte, daß der Haussalügner unterwegs zu ihm sei. Der Bidalügner sagte: »Grabt mir ein tiefes Loch. Stellt viele Kalebassen hinein. Bringt mir Essen und Trinken. Ich werde mich in der Erdhöhle verstecken. Wenn der Haussalügner kommt, sagt ihm, daß ich in den Himmel gegangen sei, um ein Palaver mit Soko zu erledigen.« Die Leute gruben ein Loch. Sie stellten Kalebassen hinein. Der Nupelügner stieg hinein, sie deckten die Grube zu.

Der Haussalügner kam an. Die Leute des Nupelügners empfingen ihn in der Katamba. Der Haussalügner fragte: »Wo ist denn der große Nupelügner?« Die Leute sagten: »Der große Nupelügner ist in den Himmel gegangen. Er erledigt ein Palaver mit Soko (Gott).« Der Haussalügner sagte: »Zeigt mir doch den Weg zum Himmel.« Die Leute führten ihn zu der Erdgrube. Der Haussalügner beugte sich über die Decke. Unten schlug der Nupelügner die Kalebassen aneinander. Die Leute sagten: »Hörst du den Streit?« Der Haussalügner sagte: »Ja, ich höre es! Das ist gut gelogen.«

Der Haussalügner sagte: »Gebt mir zu trinken!« Die Leute des Nupelügners gingen morgens um 6 Uhr fort, um Wasser zu holen. Sie blieben den Tag über fort. Sie kamen abends um 6 Uhr wieder. Sie gaben dem Haussalügner eine kleine Kalebasse mit Wasser. Der Haussalügner sagte: »Um mir eine kleine Kalebasse voll Wasser zu bringen, braucht ihr vom Morgen um 6 Uhr bis abends um 6 Uhr?«

Die Leute des Nupelügners antworteten: »Wir wollten dir sehr gutes Wasser bringen. Deshalb sind wir zum Dreschplatz gegangen und haben von der Tenne (die bekanntlich der trockenste Platz im ganzen Gehöft ist) mit den Fingerspitzen einen Wassertropfen nach dem anderen aufgelesen und in die Kalebasse getan.« Der Haussalügner sagte: »Ihr lügt besser als ich und meine Leute!«

 << Kapitel 53  Kapitel 55 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.