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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 53
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
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Der Saura

Felszeichnung

Ein Mann hieß Datoaba. Datoaba hatte sieben Söhne. Datoaba war 114 Jahre alt. Er hatte in seinem Leben 1000007 Rechtsstreitigkeiten in der Stadt. Er starb. Sein ältester Sohn sagte: »Wir haben nichts zu essen. Wir wollen an einen anderen Ort gehen.« Der jüngste Sohn sagte: »Verkauft mich nur an irgendeinen Reichen. Dann wird für uns alle gesorgt sein.« Die älteren Brüder sagten: »Das ist gut.« Die älteren Brüder brachten den jüngsten Bruder auf einen Markt. Es kam ein reicher Mann, der wollte einen Sklaven kaufen. Der reiche Mann war aus einer anderen Stadt. Der reiche Mann kaufte den jüngsten Bruder. Der reiche Mann zahlte das Geld für ihn und nahm ihn dann mit sich in seine Stadt.

Der reiche Mann kam mit dem jüngsten Bruder in seiner Stadt an. Der reiche Mann fragte den jüngsten Bruder: »Welche Art von Arbeit verstehst du am besten?« Der jüngste Bruder sagte: »Welche Arbeit meinst du?« Der reiche Mann sagte: »Kannst du die Farm bestellen?« Der jüngste Bruder sagte: »Nein, die Farm bestelle ich nie!« Der reiche Mann sagte: »Kannst du Kaufmann sein?« Der jüngste Bruder sagte: »Nein, Kaufmannsarbeit mache ich nie!« Der reiche Mann sagte: »Kannst du Vieh hüten?« Der jüngste Bruder sagte: »Nein, Hirtenarbeit mache ich nie!« Der reiche Mann sagte: »Kannst du Schmiedearbeit machen?« Der jüngste Bruder sagte: »Nein, Schmiedearbeit mache ich nie!« Der reiche Mann sagte: »Du kannst also keine Arbeit machen?« Der jüngste Bruder sagte: »Nein, solche Arbeit mache ich nie, wie du sie von mir haben willst.« Der reiche Mann fragte den jüngsten Bruder alle Tage, ob er eine Arbeit machen wolle. Der jüngste Bruder sagte: »Nein, diese Arbeit mache ich nicht.«

Der Reiche kehrte zurück zu den Brüdern. Er sagte zu den Brüdern: »Euer jüngster Bruder, den ihr mir verkauft habt, macht keine Arbeit. Ich kann ihn nicht gebrauchen. Gebt mir mein Geld zurück.« Die Brüder sagten: »Du hast nicht unsere Arbeit gekauft, sondern unseren Bruder.« Der Reiche sagte: »Der Bursche soll aber arbeiten!« Die Brüder sagten: »So bringe ihn zurück und nimm einen anderen von uns!« Der Reiche sagte: »Ihr seid alle von demselben Vater und derselben Mutter. Keiner von euch wird besser sein als euer Bruder. Gebt mir das Geld zurück!«: Die Brüder sagten: »Du hast recht! Wir sind alle von einem Vater und einer Mutter. Keiner von uns ist anders als der andere. Jeder von uns versteht die gleiche Arbeit wie der andere.« Der Reiche fragte: »Welche Arbeit versteht ihr denn?« Die Brüder sagten zu dem Reichen: »Kehr zurück an deinen Ort und frage unseren jüngsten Bruder. Er wird es dir sagen. Du hast einen guten Kauf getan.« Der Reiche verließ die Brüder. Der Reiche kehrte in seine Stadt zurück. Der Reiche kam zu dem jüngsten Bruder, den er gekauft hatte. Er sagte zu ihm: »Deine Brüder haben mir gesagt, ich solle dich fragen, welche Arbeit ihr versteht? Du sollst es mir sagen. Ich soll einen guten Kauf getan haben.« Der jüngste Bruder sagte: »Ich verstehe die Arbeit der Saura« (Müßiggänger, Hallodri). Der Reiche sagte: »Du bist also ein Sauramann?! Ich habe Arbeit für dich.« Der Reiche hatte vier Frauen. Zu der ersten Frau kam jede Nacht ein Mann, sie zu beschlafen. Der Mann stieg immer über die Mauer. Er stieg stets an der gleichen Stelle über die Mauer. Der Reiche sagte zu dem Sauratschi: »Meine erste Frau wird jede Nacht von einem Mann besucht. Kann man den nicht fangen?« Der Sauramann sagte: »Du kannst ihn schon fangen. Hol deine Hacke her.« Der Reiche holte die Hacke. Er hielt die Hacke dem Sauramann hin und sagte: »Hacke ein Loch!« Der Sauramann sagte: »Ich sagte dir schon, daß ich nicht arbeite. Hack dir dein Loch selbst!« Der Reiche sagte: »Wozu habe ich dich denn gekauft? Bist du nicht mein Sklave? Hast du nicht für mich zu arbeiten?« Der Sauramann sagte: »Du hast mich gekauft. Ich bin dein Sklave. Aber ich sagte dir schon, daß ich nicht arbeite. Wenn du dir den Beischläfer deiner ersten Frau fangen willst, so hack dir dein Loch selber.« Der Reiche begann sein Loch zu hacken. Er hackte es halbmannstief. Der Reiche sagte: »Ist es genug?« Der Sauramann sagte: »Nein, es ist nicht tief genug; es muß noch viel tiefer werden.« Der Reiche hackte das Loch tiefer. Er hackte es brusttief. Der Reiche sagte: »Ist es genug?« Der Sauramann sagte: »Nein, es muß noch tiefer werden.« Der Reiche hackte das Loch noch tiefer. Er hackte es mannstief. Der Reiche fragte: »Ist es genug?« Der Sauramann sagte: »Ja, jetzt ist es tief genug. Nun trag alle Erde weg.« Der Reiche sagte: »Du bist der Sklave. Trag du die Erde weg!« Der Sauramann sagte: »Ich sagte dir schon, daß ich nicht arbeite. Wenn du den Beischläfer deiner Frau fangen willst, trag deine Erde selbst fort.« Der Reiche trug die Erde fort, der Reiche holte auch Stroh. Der Reiche deckte die Grube zu. Der Sauramann sagte: »Nun stell in das Zimmer deiner Frau einen Stab und verstecke dich. Dann kannst du den Beischläfer deiner Frau fangen.« Der Reiche stellte in das Zimmer seiner ersten Frau einen Stock und versteckte sich in der Nähe. Der Sauramann sagte: »Nun ist alles gut. Fang du dir den Beischläfer deiner Frau. Ich werde mich auf mein Lager legen und schlafen.« Der Sauramann ging.

Als es dunkel war, kam der Beischläfer der ersten Frau des reichen Mannes an die Mauer. Er stieg auf die Mauer. Er sprang auf der anderen Seite herab. Er sprang auf das Stroh. Er fiel in die Grube. Der Reiche hatte sich in der Nähe versteckt. Er hörte den Fall. Er rannte in das Zimmer der ersten Frau. Er nahm den Stock, den er darin aufgestellt hatte. Er lief zu der Grube zurück. Er schlug den Beischläfer seiner Frau tot. Als der Reiche den Beischläfer seiner ersten Frau totgeschlagen hatte, lief er schnell in das Haus des Sauramannes. Der Sauramann schlief. Der Reiche weckte den Sauramann und sagte zu ihm: »Ich habe den Beischläfer meiner ersten Frau in der Grube gefangen und totgeschlagen.« Der Sauramann sagte: »Ruf deine Frauen. Laß Licht bringen. Zeige ihnen, wie du es machst, wenn die Frauen sich von Fremden beschlafen lassen. Sie werden es dann in Zukunft nicht mehr tun.« Der Reiche sagte: »Das ist gut!« Der Reiche ging hin. Er weckte die Frauen. Er nahm Licht. Der Reiche, die Frauen des Reichen und der Sauramann gingen zu der Grube. Der Sauramann hielt die Lampe darüber. Der Sauramann sagte: »Diesen Mann hast du totgeschlagen?« Der Sauramann hielt die Lampe tiefer hinab.

Der Sauramann sagte: »Du hast den Saba (Thronfolger) totgeschlagen!« Der Reiche sagte: »Wen habe ich totgeschlagen?« Der Sauramann sagte: »Den Saba hat er getötet. Weshalb hast du den Saba totgeschlagen?«

Es waren da die vier Frauen des Reichen. Es kamen noch andere Leute. Der Reiche hielt dem Sauramann den Mund zu und sagte: »Schweig doch! Die Leute hören es!« Der Sauramann rief: »Weshalb hast du den Saba totgeschlagen! Jetzt willst du mir auch noch den Mund zuhalten? Ich will aber nicht schweigen. Ich will es aller Welt sagen!« Der Reiche sagte: »Ich will deinen Brüdern das Geld lassen, das sie für dich erhielten und will dich frei lassen! Aber schweig und geh!« Der Sauramann sagte: »Nein, ich will aller Welt sagen, daß du den Saba erschlagen hast!« Der Reiche sagte: »Ich will dir 500 000 Kaurimuscheln geben, aber schweig und geh!« Der Sauramann sagte: »Er hat den Saba totgeschlagen. Ich muß es ja aller Welt sagen und wenn er mir sein ganzes Geld und sein Gehöft schenkt.« Der Reiche sagte: »Ich schenke dir mein ganzes Geld und mein Gehöft. Aber schweig und geh!« Der Sauramann sagte: »Es soll mir recht sein! Aber trag den toten Saba aus meinem Gehöft!« Der Reiche sagte: »Es ist gut«. Der Reiche gab dem Sauramann all sein Geld. Er gab ihm sein Gehöft. Der Sauramann sagte: »Nun nimm den toten Saba und bringe ihn hinaus zu einer Schmiede. Ich will dir den Weg zeigen.« Der Sauramann ging voran. Der Reiche nahm den toten Saba auf den Rücken und folgte ihm. Der Sauramann ging in die Schmiede. Der Sauramann sagte: »Lehne den toten Saba hier gegen die Wand!« Der Reiche tat es. Der Sauramann sagte: »Du kannst jetzt gehen. Laß dich aber nicht wieder in meinem Gehöft sehen!« Der Reiche lief davon. Der Sauramann versteckte sich in der Nähe.

Gegen Morgen kam der Schmied in seine Werkstatt. Der Schmied sah den Mann an der Wand. Der Schmied sagte: »Wer ist da?« Der Mann an der Wand antwortete nicht. Der Schmied sagte: »Wer ist da?« Der Mann an der Wand antwortete nicht. Der Schmied sagte: »Das muß ein Dieb sein!« Der Schmied sprang auf den Mann an der Wand zu und gab ihm einen Stoß. Der Mann an der Wand fiel um. Der tote Saba fiel um. Der Sauramann sah es. Er ging von seinem Platz auf die Schmiede zu. Er fragte den Schmied: »Wen hast du erschlagen? Ach, du hast den Saba erschlagen!« Der Schmied sagte: »So sei doch still!« Der Sauramann sagte: »Weshalb soll ich still sein? Bald werden alle Leute wissen, daß du den Saba erschlagen hast!« Der Schmied sagte: »Ich will dir 500 000 Kauri geben, aber schweig!« Der Sauramann sagte: »Und wenn du mir 500 000 Kauri gibst, bleibt der tote Saba, den du erschlagen hast, doch hier liegen.« Der Schmied sagte: »Ich will dir 500 000 Kauri und zwei Pferde geben, aber schweig und sag mir nur, wie ich den toten Saba hier wegbekomme.« Der Sauramann sagte: »Bring erst das Geld und die Pferde in mein Haus. Dann werde ich es dir sagen!« Der Schmied brachte die 500 000 Kauri und die zwei Pferde in das Gehöft des Sauramannes, dann kam er wieder.

Der Sauramann sagte zu dem Schmied: »Nimm den toten Saba auf den Rücken! Komm mit!« Der Schmied lud sich den toten Saba auf. Der Sauramann ging voran. Der Schmied mit dem toten Saba auf dem Rücken folgte. Der Sauramann ging voran an die Stelle, wo die Leute ihre Indigograben hatten. Der Sauramann sagte: »Stell den toten Saba hier hin, dann geh!« Der Schmied stellte den toten Saba hin. Dann lief er weg. Nachts kam der Inhaber der Färbereien zu seinen Indigogruben. Der Färber rief: »Wer ist da?« Der tote Saba antwortete nicht. Der Färber nahm eine lange Rührstange und schlug gegen den toten Saba. Der tote Saba fiel um. Der Sauramann kam des Weges her. Der Sauramann sagte: »Was, du schlägst hier einen Mann tot, und ich muß gerade dazu kommen?« Der Färber sagte: »Nein, ich bitte dich! Ruf nicht so laut!« Der Sauramann sagte: »Und ist das nicht der Saba, den du da erschlagen hast?« Der Färber sagte: »Ruf nicht so laut! Ich will dir 100 Kleider schenken!« Der Sauramann sagte: »Und wenn du mir 200 Kleider gäbst, würden es die Leute erfahren, daß du den Saba erschlagen hast!« Der Färber sagte: »Ich will dir 200 Kleider geben, aber hilf mir, den Toten wegzuschaffen.« Der Sauramann sagte: »Bring die 200 Kleider in mein Gehöft, dann will ich dir helfen, den toten Saba fortzuschaffen.« Der Färber brachte die 200 Kleider in das Gehöft des Sauramannes, dann kam er zum Färberplatz zurück.

Der Sauramann sagte: »Nimm den toten Saba auf den Rücken!« Der Färber nahm den toten Saba auf den Rücken. Der Sauramann ging voran. Der Saba hatte immer Streitigkeiten mit dem Etsubaba gehabt. Der Sauramann ging zu dem Gehöft des Königs. Der Färber mit dem toten Saba auf dem Rücken folgte ihm. Der Sauramann ging voran in die Katamba. Der Sauramann sagte: »Stell den toten Saba an die Wand, dann geh!« Der Färber stellte den toten Saba an die Wand. Der Färber lief fort. Der Sauramann versteckte sich in der Nähe.

Gegen Morgen kamen zwei Pferdeburschen in die Katamba. Sie sahen den toten Saba an der Wand. Die Pferdejungen sagten: »Wer ist dort?« Der tote Saba antwortete nicht. Die Pferdejungen fragten: »Wer ist dort?« Der tote Saba antwortete nicht. Die Pferdejungen gingen hierauf zum Etsubaba. Die Pferdejungen sagten: »Unten in der Katamba steht ein Mann, der will nicht sagen, wer er ist.« Etsubaba sagte: »Fragt ihn dreimal. Wenn er dreimal nicht antwortet, so schlagt ihn tot!« Die Pferdejungen gingen wieder hinunter in die Katamba. Sie fragten den Mann: »Wer bist du?« Der tote Saba antwortete nicht. Sie fragten den Mann: »Wer bist du?« Der tote Saba antwortete nicht. Sie fragten den Mann: »Wer bist du?« Der tote Saba antwortete nicht. Darauf schlugen die Pferdejungen mit ihren Stöcken auf ihn, so daß der tote Saba umfiel. Die Pferdejungen sagten: »Diesen Mann haben wir totgeschlagen.« Der Sauramann hörte es. Er ging nach Hause.

Am anderen Morgen fragte Etsubaba: »Wer war der Dieb, der diese Nacht in meine Katamba kam und totgeschlagen wurde?« Die Leute sagten: »Es war der Saba, der dir schon immer viele Streitigkeiten machte. Er kam in dein Gehöft, um dich zu töten. Aber Gott ließ es nicht zu. Die Pferdejungen haben ihn totgeschlagen, ehe er das Schlechte begehen konnte.« Darauf ließ Etsubaba den Saba begraben. Der Sauramann war nun wohlhabend. Er ließ alle seine Brüder in die Stadt kommen.

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