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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 49
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Himmelsleiter

Felszeichnung

Es war eine große Hungersnot. Niemand hatte etwas Rechtes zu essen. In der Stadt starben sechs Menschen, weil sie nichts zu essen hatten. Im Busch starben zweihundert Antilopen, weil sie nichts zu essen hatten. Die Ziegen (Ewure) schärften die Messer und leckten sie ab. Die Menschen fragten sie: »Weshalb eßt ihr die Messer?« Die Ziegen sagten: »Wir denken (stellen uns vor), es sei Jams, und das ist angenehm.« Es fiel Regen (Odjo). Die Hühner liefen hin und pickten die Tropfen auf. Die Leute fragten sie: »Weshalb eßt ihr Regentropfen?« Die Hühner sagten: »Wir denken (stellen uns vor), es sei Mais und das ist angenehm.«

Erri (Elefant) rief alle Tiere im Busch zusammen und sagte zu ihnen: »Wir wollen alle unsere Mütter, jeder die seine rufen und jeder soll seine Mutter töten, soll sie schlachten und aufessen.« Die Tiere sagten: »Es ist recht!« Alle Tiere gingen in den Busch. Jedes Tier rief im Busch seine Mutter und tötete sie, schlachtete sie dann und aß sie nach und nach auf.

Nur Ehoro (Kaninchen) tat nicht so. Ehoro rief seine Mutter und sagte: »Alle andern Tiere töten ihre Mütter, schlachten sie und essen sie auf. Ich will dich aber nicht töten. Ich will dich vor den andern Tieren verstecken, und du machst mir dann jeden Tag guten Jamsbrei zurecht.« Dann ging er mit seiner Mutter fort. Er versteckte sie nun ganz nahe am Himmel. Da machte Ehoros Mutter jeden Tag Jamsbrei, während Ehoro unten auf der Farm arbeitete. Wenn Ehoro ausgearbeitet hatte, ging er an die Stelle und sang: »Meine Mutter, schicke die Keke (Spindel).« Seine Mutter ließ die Spindel am Faden herab, dann setzte sich Ehoro schnell darauf und die Mutter zog ihn nach oben. Wenn Ehoro sich sattgegessen hatte, sang er: »Mutter! Mutter! Laß die Spindel herunter! Ich will wieder heruntergehen!« Dann fuhr er auf der Spindel am Spindelfaden wieder herab. So hatte Ehoro immer gutes Essen, während die andern Tiere hungerten.

Ahun sah, daß Ehoro immer gut zu essen hatte. Ahun schloß mit Ehoro Freundschaft. Ahun ging mit Ehoro auf seine Farm und half ihm arbeiten. Als sie von der Farm fortgingen, sagte Ahun zu Ehoro: »Du hast immer gut zu essen. Sage mir doch, wo der Platz ist, an dem du dein Essen gewinnst?« Ehoro sagte: »Wenn ich es dir sagen würde, würdest du es allen anderen Tieren erzählen. Du würdest herumlaufen und überall sagen: ›Ich weiß den Platz, an dem Ehoro viel Essen findet.‹« Ahun sagte: »Nein, ich will es niemand erzählen, ich verspreche es dir, ich will es niemand sagen!« Ehoro sagte: »So komm an die Stelle, dann werde ich es dir zeigen.«

Ahun lief nach Hause. Er nahm eine Tasche und versteckte sie in seinen Kleidern. Er kam nun mit Ehoro an der Stelle zusammen. Ehoro sang: »Meine Mutter, schicke die Spindel herab!« Seine Mutter ließ darauf die Spindel am Faden hinab. Dann setzte sich Ehoro schnell darauf, und die Mutter zog ihn nach oben. Als sie oben waren, setzte Ehoros Mutter ihnen eine große Schüssel mit Essen vor. Ehoro aß wenig. Ahun aber steckte immer nach einem Bissen für den Mund einen in die Tasche, bis auch die Tasche voll war. Als Ehoro und Ahun gegessen hatten, sang Ehoro: »Mutter! Mutter! Laß die Spindel hinunter, wir wollen wieder hinuntergehen!« Dann setzten sie sich auf die Spindel und fuhren wieder hinunter. Als sie unten waren, trennten sie sich. Ehoro ging auf seine Farm.

Ahun aber lief in den Busch zum Erri (Elefant) und sagte: »Laß alle, alle Tiere zusammenkommen. Ich weiß einen guten Platz, wo es viel Essen gibt.« Der Erri rief alle Tiere. Alle Tiere kamen zusammen. Als sie zusammengekommen waren, zog Ahun den Beutel mit der Speise Ehoros heraus und sagte: »Ist das nicht gute Speise?« Alle sagten: »Ja, das ist gute Speise.« Die Tiere sagten: »Gewiß ist das gute Speise.« Ahun sagte: »Wir alle haben unsere Mütter getötet, geschlachtet und aufgegessen. Nur Ehoro hat das nicht getan. Ehoro hat seine Mutter nahe am Himmel versteckt. Da macht sie ihm gute Speise. Jeden Tag fährt er zu ihr empor und läßt sich von ihr gute Speise geben. Wenn ihr wollt, können wir alle dahin gehen und es sehen!« Die Tiere sagten: »Gewiß wollen wir das sehen!« Ahun sagte: »So kommt mit!«

Alle Tiere gingen mit Ahun zu der Stelle. Als sie dort angekommen waren, sang Ahun: »Meine Mutter, schicke die Spindel herab.« Ehoros Mutter dachte, es sei Ehoro dort unten, der sang, und ließ die Spindel am Faden hinab. Alle Tiere setzten sich schnell darauf und wurden in die Höhe gezogen. Als sie oben angekommen waren, schlugen sie Ehoros Mutter tot und schlachteten sie.

Nach einiger Zeit hatte Ehoro seine Arbeit auf der Farm beendet. Er sagte (bei sich): »Ich bin hungrig und werde hingehen, um zu essen.« Er ging an die Stelle. Er sang: »Meine Mutter, schicke die Spindel herab!« Als die Tiere das hörten, ließen sie die Spindel hinab. Ehoro setzte sich darauf. Die Tiere zogen ihn hinauf. Dann töteten sie auch Ehoro selbst und schlachteten ihn. Sie aßen Ehoro und seine Mutter auf.

Jeder, der etwas zu verbergen hat, soll es bei sich behalten und niemand, auch nicht seinem besten Freund, erzählen.

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