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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 47
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
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Der Jäger und die Tierfrau

Felszeichnung

Ein großer Jäger war der Führer aller andern Jäger. Der Mann hatte zwanzig Frauen. Aber keine seiner Frauen wurde schwanger. Der Orisa dieses Jägers war Ogun (der Gott der Schmiede). Er opferte Ogun fleißig und bat um Kinder. Aber keine seiner Frauen wurde schwanger. Da ging der Jäger zu den Alufa (den Mohammedanern) und betete fleißig und trank nur Wasser. Aber keine seiner Frauen wurde schwanger. Darauf sagte er sich: »Mohammed ist nicht gut für mich. Ich will zu Ogun zurückkehren.«

Darauf bereitete der Jäger Ogun ein großes Opfer und sprach: »Wenn mein erstes Kind geboren wird, will ich dir auch einen Leoparden opfern.« Nachdem der Jäger dies dem Orisa Ogun versprochen hatte, vergingen keine drei Monate und alle seine zwanzig Frauen waren auch insgesamt schwanger. Als der Jäger das hörte, ging er voller Freude in den Busch. Er traf einen Leoparden. Er sagte: »Warte; wenn mein erstes Kind geboren wird, will ich Ogun einen Leoparden schlachten.« Er ging weiter und traf einen anderen Leoparden. Er sagte: »Warte; wenn mein erstes Kind geboren ist, will ich Ogun einen Leoparden schlachten.« Er ging weiter und traf einen anderen Leoparden. Er sagte: »Warte; wenn mein erstes Kind geboren ist, will ich Ogun einen Leoparden schlachten.« Er ging durch den Busch und traf viele Leoparden. Aber er tötete keinen. Er wollte warten, bis sein erstes Kind geboren war. Er sagte: »Ich kann euch nicht töten, bis meine Frauen geboren haben. Dann aber will ich es tun.«

Als die Zeit gekommen war, gebaren alle zwanzig Frauen Kinder. Als der Jäger das gehört hatte, nahm er seine Flinte und ging in den Busch, um für Ogun einen Leoparden zu töten. Er ging durch den Busch und sah keinen Leoparden. Er ging weithin durch den Busch und sah keinen Leoparden. Nirgends war ein Leopard zu sehen. Der Jäger lief überall umher und suchte, aber er konnte keinen Leoparden finden. An einem Baum traf der Jäger Ahun (die Schildkröte). Ahun fragte den Jäger: »Was suchst du?« Der Jäger sagte: »Ich habe Ogun einen Leoparden zu opfern versprochen, wenn ich ein Kind erhalte. Nun sind mir heute zwanzig Kinder geboren. Ich kann aber keinen Leoparden finden.« Ahun sagte: »Ich weiß einen Leoparden, der wohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern daheim. Jetzt ist die Mutter der Kinder zu Hause. Wenn sie aber weggegangen ist, kannst du die drei Kinder mitnehmen und für Ogun schlachten.« Der Jäger sagte: »Es ist gut. Ich werde wiederkommen.«

Als der Jäger wiederkam, sagte er: »Ist die Leopardenmutter jetzt bei den Kindern?« Ahun sagte: »Ich bin hier aufgestellt, darauf zu achten, daß niemand hineinkommt. Ich weiß also, daß die Leopardin nicht zu Hause ist. Komm! Ich werde es dir zeigen.« Ahun zeigte dem Jäger den Weg. Der Jäger fand die drei jungen Leoparden. Er nahm sie mit nach Hause. Er tötete sie für Ogun. Er pflockte ihre Felle zum Trocknen in der Sonne auf die Erde.

Nach einiger Zeit kam die Leopardin nach Hause. Sie suchte ihre Kinder und fand sie nicht. Sie fragte Ahun: »Wo sind meine Kinder?« Ahun sagte: »Während du fort warst, kam der große Jäger und nahm sie mit. Ich bat ihn, sie hier zu lassen. Er kümmerte sich aber nicht darum, sondern nahm sie mit nach Hause in das Dorf.« Die Leopardin sagte zu ihrem Mann (dem Leoparden): »Komm, wir wollen unseren Jungen nachgehen!« Der Leopard sagte: »Ich mag nicht mitgehen. Er schießt mich auch noch!« Die Leopardin sagte: »Komm!« Der Leopard sagte: »Ich bleibe!« Die Leopardin sagte: »Dann gehe ich allein!«

Die Leopardin machte sich auf den Weg. Sie ging aus dem Busch, dem Ort zu. Als sie aus dem Busch in die Farm kam, legte sie alle Kleidung ab und wurde eine schöne Frau (in Menschengestalt). Die schöne Frau kam in das Dorf. Sie fragte einen Mann: »Wo wohnt hier der große Jäger?« Der Mann zeigte es ihr. Die Frau ging dahin. Sie kam an das Haus des großen Jägers und fragte: »Wohnt hier der große Jäger, der letzthin wieder drei Leoparden getötet hat?« Die Leute sagten: »Ja, der wohnt hier!« Die schöne Frau ging hinein. Sie traf den großen Jäger. Die schöne Frau sagte: »Bist du der erste der Jäger?« Der Jäger sagte: »Ja, der bin ich.« Die schöne Frau sagte: »Ich will heute bei dir schlafen.« Der Jäger sagte: »Es ist recht. Setz dich.« Nachher fragte der Jäger die schöne Frau: »Was willst du essen? Darf ich dir Leopardenfleisch anbieten. Ich habe davon.« Die schöne Frau sagte: »Ich esse nie Leopardenfleisch. Gib mir eine Suppe!« – Nachher schlief der Jäger mit der schönen Frau.

Die schöne Frau blieb fünf Tage bei dem ersten Jäger und schlief mit ihm. Am fünften Tage sagte sie: »Ich will nun heute heimgehen. Willst du mich ein wenig begleiten?« Der Jäger sagte: »Ja, ich will dich begleiten.« Er ging hinein und zog sein Jagdkleid (ein altes Kleid, mit dem die Jäger immer zur Jagd gehen und das auch seine Amulette enthält) an. Als er in dem Kleid wieder herauskam, sagte die schöne Frau: »So sollst du nicht mit mir gehen, als wenn du zur Jagd gingest. Geh zurück und lege dein gutes Kleid an.« Der Jäger ging zurück und legte seine Stadtkleider an. Im Hause sah er seine erste Frau. Die erste Frau sagte zu ihm: »Wenn du mit der schönen Frau fortgehst, nimm dir ja ein gutes Messer mit!« Darauf steckte der Jäger ein Messer zu sich und kam heraus. Die schöne Frau sagte: »So komm mit. Ich will dir mein Haus zeigen.«

Der Jäger ging mit der schönen Frau durch das Farmland. Als sie an den Busch kamen, sagte die schöne Frau: »Warte hier eine Weile. Ich komme sogleich wieder.« Sie trat in den Busch und legte die Kleider wieder an, die sie hier zurückgelassen hatte. Nun wurde wieder aus der schönen Frau eine Leopardin. Als sie wieder aus dem Busch kam, sagte der Jäger: »Jetzt sehe ich erst. Du bist eine Leopardin.« Die Leopardin sagte: »Das macht nichts aus. Komm nur bis an mein Haus.«

Der Jäger ging mit der Leopardin weiter. Sie kamen an das Haus, aus dem der Jäger neulich die drei jungen Leoparden genommen hatte. Sie kamen zu dem Leoparden hinein. Die Leopardin sagte: »Das ist der Jäger, der meine drei Kinder genommen hat.« Der Jäger sagte: »Ahun hat sie mir gezeigt.« Ahun sagte: »Nichts habe ich ihm gezeigt. Er hat das allein gefunden. Ich habe ihm noch gesagt: ›Geh hier fort!‹ Da hat er mich fortgejagt. Ich bin ihm mit meiner Frau entgegengekommen. Ich will euch zeigen, wie er es gemacht hat. Denkt einmal, ihr wäret Ahun und seine Frau. Legt die Hände vors Gesicht und werft euch vor mir nieder. Ich werde dann so tun, als sei ich der große Jäger.«

Der Leopard und die Leopardin legten darauf die Hände vors Gesicht und warfen sich vor Ahun auf die Erde. Der Jäger nahm sein Messer heraus und tötete sie alle beide. Er beschenkte Ahun reichlich und kehrte nach Hause zurück.

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