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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 43
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Nachtflucht des Flötenbläsers

Felszeichnung

Ein Mann heiratete eine Frau. Sie hatten ein Kind, das war ein Sohn. Der Sohn wuchs heran. Der Vater fragte den Jungen: »Welche Arbeit macht dir Freude?« Der Sohn entgegnete: »Ich blase gerne Flöte.« Der Sohn bekam eine Flöte und blies immer Flöte (Ferre). Der Vater nahm den Jungen immer mit, wenn er auf die Farm ging. Der Junge blies auf dem Weg. Der Junge blies beim Ausruhen. Der Junge blies, wenn sie nach Hause gingen.

Eines Abends war der Junge mit seinem Vater von der Farm wieder fortgegangen, um nach Hause zu wandern. Sie waren schon ein Stück gegangen. Es begann schon dunkel zu werden. Der Junge sagte zu seinem Vater: »Ich habe meine Flöte vergessen. Ich muß noch einmal zurücklaufen.« Der Vater sagte: »Laß das bis morgen. Es wird Nacht bis du heimkommst. Man soll nicht nachts auf der Farm herumlaufen!« Der Junge sagte: »Ich muß aber zurückgehen, denn ich kann meine Flöte nicht liegen lassen.« Der Vater sagte: »Laß es!« Der Junge sagte: »Ich muß!« Der Junge lief zurück. Als er zur Farm zurückkam, war es Nacht, aber der Mond schien. Er sah, daß alle Tiere da waren. Die Tiere standen um die Flöte. Ein Tier nach dem anderen versuchte darauf zu blasen. Aber keines konnte es. Die Tiere sahen den Burschen. Der Elefant sagte: »Komm, Junge! Dir gehört die Ferre. Zeig uns, wie man die Ferre bläst.« Sie gaben ihm die Flöte. Der Bursche nahm die Flöte. Er begann die Flöte zu blasen. Der Elefant sagte zu dem Burschen: »Wir wollen auf und ab tanzen!« Der Elefant sagte zu dem Affen: »Bleib du bei dem Jungen, daß er nicht wegläuft!«

Der Junge blies die Flöte. Alle Tiere begannen zu tanzen. Die Tiere tanzten immer weiter fort. Als die anderen Tiere ganz weit fortgetanzt waren, sagte der Affe: »Nun blase für mich! Ich will auch ein wenig tanzen!« Der Junge blies für den Affen. Der Affe tanzte. Dann kamen die anderen Tiere zurückgetanzt. Der Leopard sagte: »So, nun blase für mich besonders. Der Affe soll solange bei dir bleiben!« Die anderen Tiere waren wieder weggetanzt. Der Leopard tanzte weg. Dann blieb auch der Affe nicht mehr da. Er tanzte auch weg. Als auch der Affe fortgetanzt war, begann der Junge wegzulaufen, so schnell er konnte.

Zwischen der Farm und seinem Vaterdorf waren sieben Hügel. Der Junge lief fort so schnell er konnte. Er kam ungehindert bis auf den vierten Hügel. Als er auf dem vierten Hügel war, kamen die Tiere auf den Spielplatz zurück.

Der Leopard fragte den Affen: »Wo ist der Junge? Ich sagte dir doch, auf ihn aufzupassen!« Der Affe sagte: »Ich sehe ihn nicht.« Die Tiere sagten: »Es muß jemand hinter ihm herlaufen und ihn zurückbringen.« Die Tiere sagten: »Der Elefant soll hinterherlaufen.« Der Elefant sagte: »Ich will nicht!« Die Tiere sagten: »Dann soll der Leopard hinter ihm herlaufen und ihn holen.« Der Leopard sagte: »Ich will nicht!« Die Tiere sagten: »Für dich hat er zuletzt geblasen! Du mußt ihn zurückholen!« Der Leopard sagte: »Gut, ich will hinlaufen, wenn Ulingini (Hauskatze) meinen Sack trägt und vor mir herlaufen will.« Die Tiere sagten: »Das muß die Hauskatze tun!«

Der Leopard und die Hauskatze machten sich auf den Weg. Ehe der Junge auf den fünften Hügel kam, war der Leopard mit der Hauskatze schon auf dem vierten. Vom vierten Hügel sah der Leopard den Jungen und er sang: »Aquode-Illide! Aquode-Illide!« (ein Zaubergesang, der den Jungen zwingen soll, langsam zu gehen, bis der Leopard ankommt). Als der Junge das hörte, sang er: »Ojiben-jakaja ferekujae oji!« (ein Zaubergesang, der den Wind veranlassen soll, ihn schnell zu seiner Mutter zu tragen.) Als der Junge das gesungen hatte, nahm ihn der Wind auf und setzte ihn vor der Tür des Elterngehöftes nieder. Der Leopard war ganz dicht hinter ihm. Seine Mutter war im Hause gerade mit dem Wäsche-Einseifen beschäftigt. Sein Vater war gerade mit dem Färben mit Indigo beschäftigt. Als der Junge nun in der Tür ankam und die Eltern den Leoparden hinter ihm sahen, spritzten sie die beschmutzten Hände gegen den Leoparden. So konnte der Leopard mit seinen Pranken nur noch am Rücken des Jungen herabfahren.

Von diesem Prankenstreich kommt es, daß die Menschen eine Vertiefung längs des Rückens haben. Von den Seifen und Indigospritzern kommen die Flecken des Leoparden.

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