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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 39
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Somba narrt die großen Tiere

Felszeichnung

Somba (Hase) ging zu Uobogo (dem Elefanten) und sagte: »Gib mir deine kleine Tochter; ich bin bereit, sie großzuziehen.« Uobogo war es zufrieden. Somba nahm die kleine Tochter des Uobogo mit nach Hause. Dort tötete er sie und lebte mehrere Tage von ihrem guten Fleisch. Eines Tages begegnete er Uobogo. Uobogo fragte: »Nun, wie geht es meiner kleinen Tochter?« Somba sagte: »Sie wächst; sie wächst. Man hat seine Freude an dem Kind.« Uobogo war zufrieden und ging weiter.

Somba ging zu Junde (dem Nilpferd) und sagte: »Gib mir deine kleine Tochter; ich bin bereit, sie großzuziehen.« Junde war damit einverstanden. Er übergab sie Somba. Somba nahm die kleine Tochter des Junde mit nach Hause. Dort tötete er sie und lebte mehrere Tage von ihrem guten Fleisch. Eines Tages begegnete er Junde. Junde fragte: »Nun, wie geht es meiner kleinen Tochter?« Somba sagte: »Sie wächst; sie wächst. Man hat seine Freude an dem Kind.« Junde war damit zufrieden.

Während drei Jahren trafen Uobogo und Junde Somba häufig. Sie fragten ihn dann stets, wie es ihren Töchtern ginge, und Somba antwortete ihnen stets, daß sie ausgezeichnet wüchsen und daß es ihnen vorzüglich ginge. Eines Tages sagte Somba zu Uobogo: »Höre einmal, deine Tochter wird mir nun nachgerade zu groß. Sie ist schon weit größer als du selbst bist. Du wirst also deine Schwierigkeiten mit ihr haben. Sie will auch nicht ohne weiteres die Flußuferwiese verlassen, in der sie nun drei Jahre lebte. Ich werde ihr also morgen eine Schnur um den Hals legen; ich werde dir das Ende der Schnur bringen, und du magst dann auf meinen Ruf anfangen, sie aus der Uferwiese in deinen Buschwald hinaufzuziehen.« Uobogo sagte: »Es ist gut so.«

Somba ging zu Junde und sagte: »Höre, Junde, deine Tochter wird mir nun nachgerade zu groß. Sie ist schon weit größer als du selbst bist. Du wirst also deine Schwierigkeiten mit ihr haben. Sie will auch nicht ohne weiteres die hochgelegene Buschsteppe verlassen, in der sie nun seit drei Jahren lebt. Sie sagt, sie fühle sich oben im Busch so wohl, daß sie nicht wieder zur Uferwiese zurückkehren will. Auch hat sie Angst vor dem Wasser. Ich werde ihr also morgen eine Schnur um den Hals legen; ich werde dir das Ende der Schnur bringen, und du kannst dann auf meinen Ruf hin anfangen, sie von der Buschsteppe zur Uferwiese herabzuziehen. Vielleicht gelingt es dir so.« Junde sagte: »Es ist gut so.«

Am anderen Morgen legte Somba eine lange und starke Schnur zurecht. Das eine Ende derselben brachte er dem Uobogo hinauf und sagte: »Faß das an! Wenn ich dir zurufe, kannst du beginnen, an der Schnur deine Tochter zu dir hinüberzuziehen. Aber warte meinen Ruf ab, ich will dem großen Mädchen noch ein wenig zureden.« Uobogo sagte: »Es ist gut.« Dann ging Somba zur Uferwiese herab, nahm das andere Ende der Schnur und trug es zu Junde in den Fluß hinab. Somba gab Junde das Ende der Schnur und sagte: »Faß das an! Wenn ich dir zurufe, kannst du beginnen, an der Schnur deine Tochter zu dir herunterzuziehen. Aber warte meinen Ruf ab; ich will dem großen Mädchen erst ein wenig zureden.« Junde sagte: »Es ist gut.«

Somba kehrte dann in die Mitte des Weges zwischen Wasser und Buschsteppe zurück und rief: »Zieht!« Es begannen Uobogo und Junde jeder an einem Ende der Schnur zu ziehen. Sie zogen so stark sie konnten. Einmal zog Uobogo Junde ein wenig aus dem Wasser auf die Uferwiese hinauf, einmal zog Junde Uobogo ein wenig aus der Buschsteppe zur Talwiese hinab. Während eines ganzen Tages zogen sie immer hin und her. Am Abend aber ermüdete Junde, und nun zog Uobogo den Junde aus dem Wasser über die Flußwiese hin zur Buschsteppe hinauf.

Als Uobogo ihn so weit gezogen und vor sich in die Buschsteppe geholt hatte, sagte er: »Was, du bist es, der am anderen Ende der Schnur den ganzen Tag über gezogen hat? Somba hatte mir gesagt, ich zöge meine Tochter!« Und Junde sagte zu Uobogo: »Was, du bist es, der am anderen Ende der Schnur den ganzen Tag über gezogen hat? Somba hatte mir gesagt, ich zöge meine Tochter!« Uobogo sagte: »Somba hat uns arg hintergangen. Wir wollen uns dafür an ihn halten. Ich will ihn überall auf dem hohen Land und in der Buschsteppe verfolgen.« Junde sagte: »Ja, wir wollen diesen Betrug nicht so hinnehmen. Ich will ihn überall, wo er auf den Uferwiesen oder am Uferrand herumläuft, aufstöbern und ihn, wenn ich ihn treffe, töten.«

Somba wußte sehr wohl, daß man ihn nun verfolgte. Er wußte, daß er in der Buschsteppe und im Uferwiesenland den beiden großen Tieren preisgegeben war. So lief er dann zu Njebaga, dem Kaiman. Er trat in dessen Höhle am Ufer und sagte: »Guten Tag!« Njebaga sagte: »Guten Tag, Somba, was machst du?« Somba sagte: »Ich bin gekommen, dich, meinen klugen Njebaga, um Rat zu bitten. Ich habe augenblicklich keine rechte Beschäftigung und will doch irgend etwas Nützliches unternehmen.« Njebaga sagte: »Das paßt ja ganz ausgezeichnet. Ich habe sieben Junge, sieben Töchter. Seitdem die geboren sind, kann ich nicht mein Haus verlassen, um mich draußen auf die Sandbank zu legen oder zu promenieren. Würdest du nun wohl die Wartung der sieben Töchter übernehmen, so könnte ich mich für einige Tage draußen auf die Sandbank legen. Du könntest mir die Kinder von Zeit zu Zeit bringen, und ich brauchte nicht selbst aufzupassen.«

Somba sagte: »Das ist gerade so etwas, wie ich es mir gewünscht habe. Ich will ausgezeichnet für deine sieben Töchter sorgen und will sie schnell zum Aufwachsen bringen.« Njebaga sagte: »Gut, so kannst du ihnen ja immer das Essen machen. Hier ist ein großer Kochtopf und hier sind Bohnen. Koch nur immer Bohnen, und wenn eine meiner Töchter Hunger hat und herankriecht, so gib ihr zu essen.« Somba sagte: »Das ist sehr einfach. Ich will das ordentlich und gut besorgen.« Njebaga also verließ die Höhle.

Somba setzte sich an den Bohnentopf. Wenn eins der kleinen Njebaga-Kinder herankam, so steckte er es einfach in den Kochtopf und ließ es kochen. Natürlich starb es. Wenn es tot war, nahm er es heraus und legte es auf die Seite. – Inzwischen lag Njebaga draußen vor seiner Höhle. Junde kam des Weges. Junde suchte Somba, um ihn zu töten. Njebaga, der dachte, der große Junde könne es auf seine Kinder abgesehen haben, sagte barsch: »Was willst du hier, Junde?« Junde sagte: »Ich suche die Schwester meines Vaters. Ich dachte, sie sei vielleicht hier.« Njebaga sagte: »Die Schwester deines Vaters kommt nie hierher; mach, daß du fortkommst.« Junde hatte vor Njebaga arge Angst. Er machte, daß er von dannen kam.

Njebaga rief zu Somba hinein: »Gib mir ein Kind, daß ich es an die Brust lege.« Somba gab eines der Kinder heraus. Da aber nicht mehr alle am Leben waren, so gab er jedes Kind zweimal. Als die Kinder zum zweitenmal an die Mutterbrust gelegt wurden, nahmen sie keine Milch mehr an, weil sie schon gesättigt waren. Njebaga sagte zu Somba: »Wie kommt das? Die ersten Kinder nahmen gut die Brust, diese aber weisen sie zurück!« Somba sagte: »Ich habe sie eben schon ausgezeichnet gut an die Bohnen gewöhnt. Du wirst sehen, sie werden alle sehr bald nur noch Bohnen essen wollen und dann ungemein schnell wachsen.« Njebaga sagte: »Es scheint ja, als ob du es vorzüglich verständest. Ich bin sehr zufrieden.«

Allmählich tötete Somba eine der Töchter des Njebaga nach der anderen, indem er sie in den Bohnentopf steckte und kochen ließ. Er machte aber kleine Kaimane aus Lehm, die waren sehr natürlich. Am anderen Tage sagte Njebaga: »Bring mir doch etwas zu essen heraus!« Somba brachte sogleich Bohnen mit etwas Fleisch von den jungen Njebaga-Töchtern. Njebaga aß. Njebaga sagte: »Du kochst ausgezeichnet. Ich verstehe, daß meine Töchter nur noch dein Bohnengericht und nicht mehr meine Milch haben wollen. Immerhin bring die Kinder ein wenig heraus und lege sie in die Sonne.« Somba brachte ein Lehmbildnis nach dem anderen heraus und legte sie alle in die Sonne. Njebaga sagte: »Meine Töchter sind ja ungemein gewachsen. Das ist ja ausgezeichnet. Bring sie mir doch noch ein wenig näher.« Somba sagte: »Verzeih einen Augenblick. Ich will nur schnell einmal ans Land springen, um zu kacken!« Somba sprang fort.

Vom Land aus rief Somba dem auf der Sandbank liegenden Njebaga zu: »War mein Bohnengericht nicht gut?« Njebaga antwortete: »Es war ausgezeichnet.« Somba rief: »Es waren auch deine eigenen Kinder darin gekocht!« Njebaga fuhr wütend auf. Somba rief: »Hüte nur gut die Lehmpuppen!« Njebaga sah die jungen Töchter auf der Sandbank näher an. Jetzt erkannte er, daß sie aus Lehm hergestellt waren. Er ging in die Höhle und fand darin die gekochten und beiseitegeworfenen Überreste seiner Kinder. Voller Wut machte er sich auf, Somba zu verfolgen. Somba aber versteckte sich in einem Grasbüschel. Njebaga konnte ihn nicht finden.

Seitdem versteckt sich Somba immer in Grasbüscheln, und seitdem stellen die Menschen Lehmbilder von Njebaga her. (Ich habe nie eines im Mossiland gesehen.)

Somba sagte (bei sich): »Jetzt verfolgen mich alle großen Tiere, wenn ich ihnen nicht Furcht mache.« Er fand da im Busch eine gefallene Antilope, die war innerlich ganz verfault, wimmelte von Würmern und stank weithin. Somba kroch in diesen stinkenden, ausgefaulten Kadaver, steckte seine Beine in die Antilopenbeine und ging in diesem Zustand dahin, wo Uobogo (der Elefant) war. Uobogo fragte: »Wer bist du denn?« Somba antwortete: »Ach, ich bin die Antilope.« Uobogo sagte: »Wie bist du denn in diesen Zustand gekommen? Du stinkst ja durch den ganzen Busch, und auf dir kriechen Würmer umher.« Somba sagte aus dem Antilopenkadaver: »Ich habe Somba geärgert, ich wußte nicht, daß er so starke Zaubermittel (kavogo) hat. Ich hatte ihn nur eben ein wenig geärgert, da sagte er zu mir: »Kafo« (Anmerkung: Bei den Mande kennt man ein gleich schlimmes Zauberelement. Man sagte dort Allami. Das Kafo scheint mir aber aus den Mandesprachen zu stammen und gleich »Sprich« zu sein), und ich verlor im selben Augenblick meine Gesundheit und meine Kraft!« Uobogo sagte: »Und nur auf den Ruf Kafo hin bist du in diesen ekelhaften Zustand gekommen?« Somba sagte aus dem Antilopenkadaver: »So ist es. Jetzt stinke ich und bin von Würmern zerfressen.« Uobogo sagte: »Man muß sich also vor Somba hüten?« Somba sagte: »Sein Kavogo ist schrecklich.«

Darauf kroch Somba in seiner stinkenden Antilopenhülle auf die Uferwiese, und dann wiederholte sich zwischen ihm und Junde das gleiche Gespräch. Nachher suchte er noch Njebaga zu gleicher Aufklärung auf. (In beiden Fällen wiederholte der Erzähler die Unterhaltung in selber Ausführlichkeit wie im Falle mit Uobogo). Danach streifte Somba aber am Flusse die schmutzige Antilopenhaut ab und wusch sich gründlich.

Als Somba sich gründlich gereinigt hatte, ging er hinauf in die Buschsteppe und sah sich um, ob er nicht irgendwo Uobogo (den Elefanten) sähe. Als er ihn erblickt hatte, ging er auf ihn zu und sagte: »Guten Tag, mein alter Uobogo, wie geht es dir denn?« Sobald aber Uobogo Somba sah, lief er von dannen und rief nur: »Ich weiß, du hast ein schreckliches Kavogo. Laß mich! Ich will dir gar nichts Schlimmes tun.«

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