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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 37
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
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Pa-Sini-Jobu

Felszeichnung

In uralten Zeiten lebte einmal eine Bossofrau mit Namen Pa-Sini-Jobu. Damals gab es nur vier Dörfer und noch nicht mehr. Sie galt als die Ahnfrau eines unterhalb Djennes wohnenden Sorogio-Bossostammes, wurde uralt und verfügte über die wunderbarsten (magischen) Zauberkräfte. Als sie in das Alter kam, in dem die Frauen sonst heiraten, wies sie, Pa-Sini-Jobu, alle Freier zurück. Sie hatte keine Lust zu heiraten. Es waren aber immer viele Freier da, die sie gern erworben hätten. Wenn sie sich irgendwo niederließ, saßen immer zahlreiche junge Leute um sie herum und sprachen mit ihr. Wenn die jungen Männer kamen, setzte Pa-Sini-Jobu ihnen ausgezeichnete Speisen vor, Reis und Hammel, soviel sie nur begehrten. Es konnte aber niemand ohne die Erlaubnis Pa-Sini-Jobus ihr Haus verlassen. Wenn er aufstehen wollte, ohne gefragt zu haben, klebte er an dem kleinen Sitzschemelchen fest und war nicht ohne besondere Genehmigung der klugen Pa-Sini-Jobu von dieser Stelle zu entfernen.

Eines Nachts begab sich auch ein junger Bosso zu der schönen Frau. Auf dem Wege begegnete ihm der Lieblingshammel des Königshauses, und der junge Mann, der den Hammel für einen Schakal hielt, schoß das prächtige Tier einfach tot. Dann ging er zu Pa-Sini-Jobu und verbrachte bei ihr die Nacht bis zum anderen Morgen. – Dieser Hammel hatte aber eine gewisse Heiligkeit. Mit seinem Leben war das Glück des Königshauses verbunden.

Am anderen Morgen fand man den toten Hammel und brachte ihn in das Haus des Königs. Es entstand große Trauer. Die Frau des Königs weinte. Der König ließ ausrufen: »Wer hat den Hammel getötet?« Es wurde in allen Häusern gefragt: »Wer hat den Hammel getötet?« Aber niemand meldete sich, und es fand sich niemand, der ausgesagt hätte, wer den armen Hammel getötet habe.

Darauf ließ der König im ganzen Gebiete die Nachricht verbreiten: »Wem es gelingt, den Hammel wieder zum Leben zu bringen, den will ich nicht nur hoch ehren, sondern ich will ihn auch mit Gold, mit Sklaven, mit Vieh und allem so reichlich beschenken, daß ihm im Leben nichts mehr mangeln wird.«

Auch zu Pa-Sini-Jobu sandte der König eine Nachricht und ließ ihr sagen: »Bei dir verkehren viele Menschen. Sag allen, daß ich den, dem es gelingt, den Hammel wieder ins Leben zu rufen, überreich bedenken will.« Pa-Sini-Jobu sagte: »Ich werde es allen mitteilen und selbst mein Bestes geben, um einen Mann ausfindig zu machen, der diesen Hammel wieder lebendig machen kann.« Dann rief Pa-Sini-Jobu alle ihre Freunde zusammen und teilte ihnen mit: »Wem es gelingt, diesen Hammel wieder lebendig zu machen, den will ich selbst heiraten. Ich beanspruche dafür, daß ich mich ihm als Frau zu eigen gebe, kein Geld, keinen Schmuck, keinen Besitz. Aber ich will den Hammel lebendig sehen.« Da kamen von allen Himmelsrichtungen alle möglichen Menschen herbei, alle die Tungutu waren (das heißt Inhaber starker magischer Kräfte – »Zauberer« ist etwas anderes). Da waren einige, die konnten drei Tage lang unter dem Wasser bleiben. Da waren Leute, die konnten sich drei Tage lang unter der Erde aufhalten. Da waren Leute, die konnten sich in Tiere verwandeln. Jeder einzelne versuchte seine (magischen) Kräfte. Aber der Hammel blieb tot, er verweste allmählich und war nicht zum Leben zurückzurufen.

Weit fort lebte ein Mann namens Jena (oder Djena), der hörte von dem toten Hammel und glaubte als Tungutu über genügend Kräfte zu verfügen, um das schwierige Stück ausführen zu können. Er machte sich auf den Weg und kam zu Pa-Sini-Jobu. Pa-Sini-Jobu sagte: »Jena, ich habe schon von dir gehört und weiß, daß du über ganz besondere Kräfte verfügst. Nun ist hier ein ganz eigener Fall. Dieser Hammel ist vor kurzer Zeit erschossen und er soll wieder zum Leben erweckt werden. Wenn du das vollbringst, sollst du mich als Frau haben.«

Jena sah den Hammel an. In jener Nacht, als er erschossen wurde, waren Schakale gekommen und hatten das Tier angefressen und ein Stück herausgerissen. Außerdem war der Kadaver nun schon recht alt und in Verwesung übergegangen. Jena sah, daß die Sache sehr schwer war; außerdem wollte er die (magischen) Kräfte Pa-Sini-Jobus auf die Probe stellen, und so sagte er: »Es ist gar keine Schwierigkeit, diesen Hammel ins Leben zurückzurufen. Aber leider haben irgendwelche Raubtiere ein Stück der Leber herausgerissen. Wenn du mir nun diese Stücke zur Stelle schaffen kannst, dann kann ich den Hammel sogleich wieder ins Leben zurückrufen.«

Pa-Sini-Jobu sagte: »Wenn es sich um nichts anderes handelt, so ist die Angelegenheit sehr bald erledigt; denn es gibt nichts Einfacheres als das.« Sie rief einen Sklaven herbei und sagte: »Geh in den benachbarten Wald. Du findest dort die Reste einer sehr alten, zerstörten Stadt. Es steht daneben noch ein mächtiger Baobab (Affenbrotbaum). Neben dem Baobab ist im Boden eine tiefe Grube. In die Grube steige hinein. Du wirst darin zwei Schakale antreffen. Den beiden Schakalen sage, daß sie so schnell wie möglich zu mir kommen sollen.«

Der Sklave ging in den Wald. Neben dem Baobab war die tiefe Grube. Er stieg hinein und traf richtig darin zwei Schakale an. Er sagte zu ihnen: »Pa-Sini-Jobu befiehlt euch, sogleich zu ihr zu kommen.« Darauf machten sich die beiden Schakale auf den Weg und liefen so schnell sie konnten in das Dorf zu Pa-Sini-Jobu.

Pa-Sini-Jobu sagte: »Hier ist vor einiger Zeit der große Hammel des Königs in einer Nacht totgeschossen worden. Ihr seid vorbeigekommen und habt ein Stück der Leber herausgerissen. Ist es nicht so?« Die beiden Schakale sagte: »So ist es, und seitdem haben wir weder gekackt noch uns übergeben, so daß jeder noch das Stück, das er herausgerissen hat, im Leibe haben muß. Such also nur ein Mittel, uns zu entleeren, und du wirst die gesuchten Hammelteile finden.« Pa-Sini-Jobu sagte: »So übergebt euch auf der Stelle.« Die beiden Schakale würgten und brachen auch richtig die Masse heraus.

Der Auswurf war aber ganz unkenntlich, und Jena war weder imstande die Leber wieder herzustellen, noch vermochte er den Hammel wieder ins Leben zurückzurufen. Jena sagte zu Pa-Sini-Jobu: »Du hast mit deiner Geschicklichkeit und unter Anwendung deiner (magischen) Kräfte die verlorengegangenen Teile wieder herbeigebracht, so daß ich dich nicht genug bewundern kann und deine Überlegenheit ohne weiteres anerkenne. Aber ich bin nicht imstande, den Hammel wieder ins Leben zurückzurufen.« Damit kehrte Jena wieder in sein Land zurück.

Der Hammel des Königs (König = Sembeng oder Kaneke) verweste und stank immer mehr. Die Frau des Königs weinte Tag und Nacht, weil er nicht mehr zum Leben zu erwecken war. Der König sandte noch einmal zu Pa-Sini-Jobu und ließ fragen: »Weißt du kein Mittel, den Hammel wieder lebendig zu machen?« Pa-Sini-Jobu ließ antworten: »Es ist gut. So will ich diese Sache denn selbst machen. Der Hammel soll wieder leben. Wenn das aber geschehen ist, so werde ich von dannen ziehen. Und ich werde niemals einen Bosso heiraten, denn die Männer meines Volkes vermögen nichts! Daher will ich nachher nichts mehr mit ihnen zu tun haben, sondern das Land verlassen.« Darauf ließ der König alle Kie (Spielleute, die Dialli der Mande) zusammenkommen, damit sie ihre Kalebassen schlügen. Die Kie nahmen rund herum Platz. In der Mitte ließ sich Pa-Sini-Jobu nieder. Infolge ihrer Eigenschaften als Tungutu hatte sie so lange Haare, daß sie weit, weit am Rücken herabfielen und sie so auf dem eigenen Haar statt auf einem Sessel oder einer Matte niedersitzen konnte. Diese Haare waren eine Folge ihrer (magischen) Kräfte. Die Kie begannen den Takt zu schlagen. Die Kie spielten. Sie spielten und sangen, schnell und immer schneller. Pa-Sini-Jobu begann in Begeisterung zu kommen. Ihre Kräfte erwachten. Die Kie spielten und sangen und schlugen den Takt schneller und schneller. Die Kräfte Pa-Sini-Jobus wuchsen. Pa-Sini-Jobu schrie auf! Die Kie schlugen den Takt. Pa-Sini-Jobu erhob sich, sie schwebte empor. Sie stieg empor bis zu den Wolken. In den Wolken verwandelte sich ihre Arme in Flügel, wie sie die großen Vögel haben, und dann sank sie langsam hernieder auf den Hammel.

Während sechs Tagen ruhte Pa-Sini-Jobu über dem Hammel. Während der Zeit bedeckte sie den Hammel mit ausgebreiteten Flügeln. Am siebenten Tag erhob sie sich. Der Hammel lebte.

Pa-Sini-Jobu verließ ihren Ort. Sie wollte mit den Leuten (ihres Landes) nichts mehr zu tun haben. Sie begab sich auf die Wanderschaft und kam in ein Land, in dem war nicht ein Mann König. In dem Land herrschte eine Frau, die Königin Na-Manj. Als Pa-Sini-Jobu sich dem Hauptort der Königin Na-Manis näherte, sandte sie eine Botschaft an die Herrscherin und ließ ihr sagen: »Pa-Sini-Jobu kommt, komm du ihr vor den Toren der Stadt entgegen.« Na Manj rüstete sogleich einen stattlichen Zug aus und machte sich auf den Weg und kam der herannahenden Tungutu entgegen. Sie begrüßte sie aufs freundlichste und sagte: »Ich habe von deinen magischen Fähigkeiten gehört. Tu mir die Freude an und bleibe eine Zeitlang bei mir, damit ich dir zeigen kann, wie ich dich verehre.«

Pa-Sini-Jobu sagte: »Du bist sehr freundlich. Ich werde eine Zeitlang bei dir bleiben.« Sie zog in die Stadt Na-Manjs ein. Die Königin tat ihr alles Gute an, was sie konnte. Alle Leute des Landes kamen, Pa-Sini-Jobu zu begrüßen, ihr Geschenke zu überbringen und sie zu ehren.

Na-Manj fragte nach einigen Tagen Pa-Sini-Jobu: »Willst du so freundlich sein, mir zu sagen, was du weißt?« Pa-Sini-Jobu sagte: »Ich weiß alles, was vorgegangen ist. Frage mich also, und ich will dir gern auf alle deine Fragen antworten.« Na-Manj sagte: »Ich habe eine Bitte. Hier in meiner Nachbarschaft ist ein Königreich, das wird von einem König regiert. Seine Leute kämpfen ständig gegen die meinen, und stets, zu welcher Tageszeit oder an welchem Ort es auch sein mag, stets siegen die Krieger jenes Königs. Ich weiß nicht mehr, was und wie wir etwas anfangen können. Da ist nun meine Frage, ob du, Pa-Sini-Jobu, uns in unserer Not gegen jenen König helfen kannst und willst.« Pa-Sini-Jobu sagte: »Das scheint mir so schwer nicht zu sein. Wenn du mit deinen Leuten nach jener Richtung wieder ausziehst, werde ich euch begleiten und werde dann sehen, was sich machen läßt.« Pa-Sini-Jobu sagte ferner: »Sorg dafür, daß wir dann einen schwarzen Stier, einen schwarzen Hammel, einen schwarzen Ziegenbock, einen schwarzen Kater und einen schwarzen Hahn bei uns haben. Das werde ich auf jeden Fall nötig haben, wenn ich mit euch zum Krieg ausziehen und euch helfen soll. Also sorg dafür.«

Der feindliche König wohnte auf einer Insel, die mitten in dem großen Fluß gelegen war, so daß sein Wohnsitz rings von Wasser umflutet war. Dieser große Fluß hieß Wie. In dem Flusse lebten drei Jine (dienstbare Geister). Diese drei Jine waren es, die dem König zu Siegen verhalfen.

Na-Manj zog mit Pa-Sini-Jobu und ihren Truppen nach dem Wiefluß hin. Sie hatten den schwarzen Stier, den schwarzen Hammel, den schwarzen Ziegenbock, den schwarzen Kater und den schwarzen Hahn bei sich. Gegenüber der Insel mit der Stadt des Königs ließ die Königin das Lager aufschlagen. Die Sklaven gingen an das Ufer, um Wasser zu schöpfen und ins Lager zu tragen.

Als die Jine die Sklaven kommen sahen, verwandelte der eine sich in einen Menschen und setzte sich am Ufer hin. Als ein Sklave kam, sagte er: »Bei euch im Zuge ist ein Tungutu mit Namen Pa-Sini-Jobu. Ist es nicht so?« Der Sklave sagte: »Ja, eine Frau dieses Namens ist bei uns.« Der Jine sagte: »So gehe zu ihr und sage ihr, sie möchte doch einmal an das Flußufer kommen, denn da sei jemand, mit dem sie sicher gern sprechen würde.« Der Sklave sagte: »Ich will das ausrichten.«

Der Sklave kam in das Lager zurück. Er suchte Pa-Sini-Jobu auf und sagte zu ihr: »Am Fluß ist jemand, den du sicher gern sprechen würdest. So hat er mir gesagt.« Die Tungutu machte sich sogleich auf den Weg und traf den Jine am Fluß. Der Jine sagte: »Du bist Pa-Sini-Jobu.« Sie sagte: »Das bin ich.« Der Jine sagte: »Ich ließ dir sagen, du würdest mich gern sprechen. Ich bin einer der drei Jine, die dieses Wasser hier beherrschen und dies Wasser hier auch gegen deine Freundin Na-Manj verteidigen müssen. Was geht dich der Zwist zwischen Na-Manj und diesem König an? Weshalb willst du dieser Sache wegen mit uns Streit anfangen?« Pa-Sini-Jobu sagte: »Na-Manj ist meine Freundin, und ich denke doch das Recht zu haben, meiner Freundin in ihren Angelegenheiten helfen zu können. Was dagegen gehen mich die Jine des Wie an? Wenn ihr eurem König gehorchen und ihm helfen wollt, na dann tut es doch! Wir werden ja sehen, wessen (magische) Kräfte größer sind!« Der Jine sagte: »Pa-Sini-Jobu, du bist sehr stolz, aber du bist nicht gut unterrichtet. Du bist eine Bossofrau. Was willst du in diesem Land Krieg führen? Du kannst es mir glauben, du kannst hier nichts, gar nichts ausrichten. Wir sind die Jine dieses Landes. Du bist eine fremde Tungutu, die groß und mächtig ist an anderem Ort, hier sicher nicht. Laß es, Pa-Sini-Jobu!« Die Frau sagte: »Nein, ich werde es nicht lassen. Ich werde sehen, was an deinen großen Worten Wahres ist.« Pa-Sini-Jobu wandte sich um und kehrte ins Lager zurück.

Der Jine stieg wieder in den Fluß und rief seine Kameraden. Alle drei Jine kamen zusammen. Der Jine, der in Menschengestalt oben am Ufer war, sagte: »Ich habe mit Pa-Sini-Jobu lange gesprochen. Ich habe ihr abgeraten den Krieg für Na-Manj gegen den König unserer Insel zu führen. Aber sie ist zu stolz. Es ist nichts zu erreichen gewesen. Was wollen wir nun machen?« Die anderen beiden Jine sagten: »Was wollen wir jetzt machen?« Die Jine hatten einen Sklaven. Der Jinesklave sagte: »Wollt ihr mir erlauben, diese Sache zu erledigen?« Die drei Jine sagten: »Gut, mach du es!«

Der Jinesklave machte sich sogleich auf den Weg und begab sich in das Lager der Königin Na-Manj. Er suchte Pa-Sini-Jobu auf und sagte: »Du bist die große Pa-Sini-Jobu.« Die Tungutu sagte: »Ja, die bin ich.« Der Jinesklave sagte: »Ich bin nur ein ganz unbedeutender Sklave der Jine. Aber in welchem Verhältnis sie und ich stehen, kannst du daran sehen: Du hast hundertdreiundachtzig Jahre und ich bin nur sieben Jahre alt, und doch kenne ich weit mehr als du, kenne deinen Vater, deinen Großvater und nicht weniger als zehn Generationen deiner Vorfahren. Danach bemiß die Kraft meiner Jahre.« Pa-Sini-Jobu sagte: »Schwatz nicht.« Der Jinesklave sagte: »Spotte nicht. Glaub mir, es wird nicht gut sein, mit den Mannschaften der Königin Na-Manj zu nahe an den Fluß heranzurücken. Glaub mir, du wirst besser daran tun, deine Hände von dieser Sache zu lassen. Dieser Fluß Wie gehört den Jine, und die Jine werden sich ihre Rechte von einer Bossofrau nicht beeinträchtigen lassen.« PaSini-Jobu sagte: »Schwatz nicht, du kleiner Siebenjähriger, sondern mach, daß du von dannen kommst. Es wird soviel nicht mit dir auf sich haben.« Der Jinesklave sagte: »Ich habe alles getan, was ich tun konnte. Nunmehr ist es an dir, deinen Stolz zu erhalten.« Der Jinesklave ging und kehrte in den Wiefluß zurück.

Der Jinsesklave machte sich auf den Weg, suchte den König auf, der auf der Insel wohnte, und sagte zu ihm: »In einigen Tagen wird deine Feindin Na-Manj mit ihren Leuten und auch mit einer Tungutu herankommen und dich angreifen. Bleib dann mit allen deinen Leuten nur ganz ruhig. Tu, als merktet ihr es nicht, laßt sie schießen und stürmen. Rührt euch gar nicht. Was zu machen ist, das werde ich machen.« Der König sagte: »Es ist gut, wir werden uns so verhalten, wie du es wünschst.« Der Jinesklave ging zu seinen Herren und sagte: »Ich bitte euch, wenn jetzt der Kampf beginnt, zur Seite zu bleiben und nichts zu unternehmen, denn ich möchte diese Angelegenheit kurz und schnell erledigen.« Die drei Jine sagten: »Es ist gut; wir werden zur Seite gehen und nur zusehen.«

Nach sieben Tagen rückte Na-Manj mit den Kriegsscharen und Pa-Sini-Jobu an das Ufer des Wie und schlug gegenüber der Insel des Königs das Lager auf. Pa-Sini-Jobu sagte: »Nun sende mir die schwarzen Tiere an das Ufer hinab!« Na-Manj sagte: »Es soll sogleich geschehen!« Pa-Sini-Jobu ging zum Ufer hinab. Sie schnitt dem schwarzen Stier die Kehle durch und ließ das ausströmende Blut in den Fluß träufeln. Sie schnitt dem schwarzen Hammel die Kehle durch und ließ das ausströmende Blut in den Fluß träufeln. Sie schnitt dem schwarzen Bock die Kehle durch und ließ das ausströmende Blut in den Fluß träufeln. Sie schnitt dem schwarzen Kater die Kehle durch und ließ das ausströmende Blut in den Fluß träufeln. Sie schnitt dem schwarzen Hahn die Kehle durch und ließ das ausströmende Blut in den Fluß träufeln. Dann sagte sie zu den Leuten: »Nunmehr könnt ihr angreifen.«

Die Mannschaft der Königin Na-Manj ergriff ihre Waffen. Sie begann auf die Stadt des Königs zu schießen. Aus der Stadt des Königs kam keine Antwort. Die Mannschaft der Königin Na-Manj schoß weiter, immer wieder, bis alles Pulver verschossen war. Aber keine Antwort kam von der Insel des Königs. Die Königin Na-Manj sagte: »Jetzt wird es Zeit, über den Fluß zu gehen.«

In diesem Augenblick erhob sich der kleine Jinesklave aus dem Wasser. Er schwebte über dem Wasser. Darauf begann ihm die Zunge aus dem Mund zu wachsen. Sie wuchs immer weiter vor, so daß sie über das Gesicht auf den Hinterkopf zurückschlagen konnte. Dann wuchs die Zunge immer mehr in die Länge und in die Breite, so daß sie sich ausdehnte wie eine dicke Wolke. Plötzlich schnellte der kleine Jinesklave die gewaltige Zunge nach vorn und traf mit ihr auf einen Heerhaufen am Land. Soweit die Zunge reichte, wurde alles, was auf dieser Fläche vordem lebendig umherging, zerschmettert und zermalmt. Es blieb kein Leben auf diesem Boden. Der kleine Jinesklave nahm seine Zunge wieder empor und über den Kopf. Wieder schnellte er sie nach vorn. Wieder wurde ein Heerhaufen unter ihrem wuchtigen Schlag zertrümmert und zermalmt. Wieder zog er das mächtige Gebilde empor, mehrmals traf der Schlag der Riesenzunge auf das Volk Na-Manjs, dann war die Königin mit all ihren Leuten vernichtet, und von allen Menschen blieb nur noch die Bossofrau Pa-Sini-Jobu am Leben.

Der kleine Jinesklave aber ergriff die Frau, zog sie an sich und nahm sie mit sich unter den Spiegel des Wie. Da unten brachte er sie in sein Haus.

In seinem Haus sagte der kleine Jinesklave zu Pa-Sini-Jobu: »Dieses war notwendig und nicht zu vermeiden. Ich habe dir damit Bitteres zugefügt, aber du hast es nicht anders gewollt. Nunmehr aber will ich dir einiges von der (magischen) Kraft und der Kunst der Jine zeigen und will dir eröffnen, wo die Größe deiner Zukunft liegt. Sieh also hierher und merk auf das, was ich dir zeigen und was ich dich lehren werde.«

Der kleine Jinesklave nahm darauf drei Töpfe. Er sagte zu Pa-Sini-Jobu: »Du siehst, sie sind alle drei ganz leer.« Dann nahm er drei Deckel und deckte einen jeden über je einen Topf. Nach einiger Zeit hob er die Deckel auf, da waren alle drei Töpfe gefüllt. Der erste Topf war angefüllt mit Die (Blut). Der zweite Topf war angefüllt mit Jugu duo (Blättern). Der dritte Topf war angefüllt mit Tungu (Zaubermitteln, entspricht den Kirsi der Bammana). Jine fragte: »Weißt du, wozu alles dieses ist?« Pa-Sini-Jobu sagte: »Nein, ich weiß es nicht.«

Der kleine Jinesklave sagte: »Ich will es dir erklären. Merk dir's und vergiß nichts.«

Darauf berichtete der kleine Jinesklave von allen Krankheiten und allem Unglück und allem Wesen der Erde, und er setzte genau auseinander, wie dieser oder jener Sache beizukommen, wie jene Krankheit zu behandeln, wie einem Unglück zu steuern sei. Er setzte ihr auseinander, daß alles, was im Wesen der Erde bei Krankheit und Unglück Einfluß und Besserung schaffen könne, in diesen drei Töpfen enthalten sei.

Der kleine Jinesklave sagte zu Pa-Sini-Jobu: »Du hast Unrecht getan als Bossofrau. Denn die Bosso sollen fischen, ihre Landarbeit und ihre sonstigen Beschäftigungen ausüben. Sie sollen aber nicht in den Krieg ziehen. Die Bosso sind kein kriegerisches Volk und sollen sich mit kriegerischer Tätigkeit nicht abgeben. Danach richte dich in Zukunft. Nimm diese drei Töpfe mit dir und gehe in dein Land zurück! Verfahre mit dem Inhalt so, wie ich es dich gelehrt habe, und du wirst angesehener sein, als je eine Bossofrau vor dir es gewesen ist.«

Darauf gab der kleine Jinesklave der Pa-Sini-Jobu die drei Töpfe. Sie nahm sie und ging mit ihnen von dannen.

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