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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 36
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
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Dunu Mussa und Maliki-Napon

Felszeichnung

Dunu Mussa war ein Tonjimu, das heißt ein Mann von außerordentlicher Klugheit und Zauberkraft. Er stammte aus der Familie Fonos. Eines Tages versperrte ein mächtiger Kaiman den Strom. Es war ein ungewöhnliches Tier. Der Kaiman pflegte mit seinem Schwanz die am Ufer stehenden Menschen oder auch Reiter durch einen Schlag nieder- und ins Wasser zu werfen und dann Mann und Pferd, Weib und Kind aufzufressen.

Dunu Mussa hatte einen Bruder, der hieß Kumba ti Mussa. Dunu Mussa sagte eines Tages zu seinem Bruder: »Ich will dieses Krokodil töten.« Kumba ti Mussa warnte ihn und sagte: »Laß es, Bruder, es ist ein ungewöhnliches und starkes Tier, du hast nicht genug Zauberkraft.« Dunu Mussa sagte: »Nein, heute werde ich ausziehen. Heute noch werde ich das Unternehmen beginnen.«

Dunu Mussa nahm seine Waffen und sein Gerät, machte sich auf und begab sich in das Dorf Taku. Der Häuptling von Taku hieß Maliki Napo. In Taku wurde ein großes Fest veranstaltet. Dunu Mussa sagte: »Ich bin ausgezogen, den großen Kaiman zu töten. Morgen werde ich euch aber erst ein Nilpferd töten und euch dessen Tochter bringen, damit ihr mit dem Flußpferdmädchen spielen und tanzen könnt.« Die großen Soroko hörten alle zu, wie Dunu Mussa das sagte.

Am anderen Morgen machte sich Dunu Mussa auf, um zunächst das Nilpferd zu töten. Er nahm seine Waffen mit und ging zu der Ruine des alten Dorfes Niapung. In der Ruine ging das alte Nilpferdweibchen umher. Die Tochter des Nilpferdes aber war mit Sattel und Zaumzeug versehen und lief, derart gesattelt, fröhlich umher. Dunu Mussa wollte die Alte töten. Das alte Flußpferd rief: »Laß mich doch leben!« Dunu Mussa sagte: »Ich habe dem Häuptling Maliki Napo versprochen, dich zu töten und deine Tochter in sein Dorf zu senden, damit die Kinder mit ihr tanzen und spielen können. Wenn ich nun die Pa (Lanze) hier nach dir werfe, will ich nicht, daß du auf dem Fleck stirbst, sondern du sollst erst noch bis Taku und bis vor die Haustür Maliki Napos laufen und dann erst sterben.«

Dann warf Dunu Mussa seine Lanze. Er zog sie unter Zaubersprüchen wieder heraus und befahl: »Nun geh bis zur Tür Maliki Napos. Dort stirb dann!« Er schlug dreimal auf das alte Nilpferd. Das alte Nilpferd lief von dannen. Dunu Mussa führte das Mädchen am Zügel hinterher. Er sagte: »Macht, daß ihr nach Taku kommt, denn ich will mich euretwegen nicht eines nichterfüllten Versprechens wegen zu schämen haben. Macht, daß ihr nach Taku kommt!« Die Flußpferde kamen bis nach Taku. Da fiel die Alte vor der Haustür Maliki Napos tot nieder. Dunu Mussa aber übergab das junge, gesattelte Nilpferd den Kindern zum Spielen. In Taku freute sich alle Welt. Man aß. Alle tranken. Die Kinder spielten mit dem gesattelten, kleinen Nilpferdmädchen. Dunu Mussa aber sagte: »Das habe ich nur getan, um Maliki Napo zu zeigen, was ich vermag. Nunmehr werde ich ausziehen und das große Krokodil töten.«

Am anderen Morgen machte sich Dunu Mussa mit seinen Waffen auf den Weg. Der Weg führte durch das Dorf Niani. Der Kaiman lag dahinter bei dem Dorfe Bina. In Niani war ein Djegu (Wassergeist der Bosso). Der Djegu fragte: »Wo willst du hingehen?« Dunu Mussa sagte: »Ich bin auf dem Wege nach Bina. Ich will den großen Kaiman töten.« Der Djegu sagte: »Ich werde dich aber hier nicht vorbeilassen. Du wirst hier nicht vorbeikommen.« Dunu Mussa sagte: »Laß mich nur vorbei. Ich weiß, du kannst nicht Eisen aneinanderschlagen hören. Ich will das also vermeiden. Der Kampf wird ja im Wasser vor sich gehen, und da wirst du nichts vom Eisen hören.« Der Djegu war ein Tegu, das heißt er war taub. Dunu Mussa wollte vorbeifahren. Der Djegu sagte: »Ich lasse dich nicht.« Dunu Mussa zog an seinem Boot. Der Djegu wollte es hindern. Dunu Mussa warf ihm die Kette um den Hals und schleppte ihn in das Dorf Niani.

Dann kehrte Dunu Mussa zum Ufer zurück. Er bestieg sein Boot und fuhr dahin, wo der Kaiman lag. Er sah den Kaiman. Er packte seine Lanze, um sie nach dem Kaiman zu werfen. Der Kaiman aber schlug mit dem Schwanz und schleuderte Dunu mit dem Boot ins Wasser. Als Dunu Mussa im Wasser lag, verschluckte ihn der Kaiman, ohne ihn aber mit dem Rachen und den Zähnen auch nur im geringsten zu verletzen. Dunu Mussa befand sich nun im Bauch des Kaimans und blieb sieben Tage darin.

Danach verkündete man im ganzen Land, daß Dunu Mussa von dem großen Kaiman verschluckt sein müsse. Die Soroko aber sagten: »Dunu Mussa hielt ja nur auf Maliki Napo und dessen Rat etwas. Auf uns hat er nicht gehört. Unsern Rat hat er nicht wissen wollen. Nun mag sein Freund Maliki Napo ihm helfen.« Maliki Napo hörte das und sagte: »Es ist gut.«

Dann rief Maliki Napo alle Soroko auf dem großen Platz zusammen und fragte, ob ein mit besonderen Zauberkräften Begabter dabei sei, der mehr könne als er. Dann begab er sich in sein Haus. Er sprach drinnen mit seinem Bammana-digi-da, das ist seinem Zaubertopf. Alle Leute konnten es draußen hören, wie er mit seinen Bammanadigi-da sprach. Maliki Napo schlachtete eine schwarze Ziege und brachte sie als Opfer dar. Dann zwang er unter Aufbietung aller seiner magischen Kraft den großen Kaiman aus dem Strome bei Bina nach Taku in seinen Hof. Der große Kaiman mußte kommen. Maliki Napo sprach zum Kaiman: »Nun übergib dich und speie den Dunu Mussa aus.« Darauf würgte der große Kaiman und spie den Dunu Mussa wirklich aus. Nun begannen alle Sorokoweiber auf Maliki Napo Lobgesänge zu erheben. Im ganzen Lande wurde Maliki Napo bekannt. Die Weiber lobten und verehrten ihn. Die Männer sahen ihn aber scheel an.

Da begann Maliki Napo den Neid seiner Genossen zu fürchten und so floh er nach Djenne und wurde Mohammedaner. Lange Zeit blieb er in Djenne. Dann wanderte er in sein Dorf zurück. Auf dem Rückweg kam er an einem Kaiman vorbei, der war so alt, daß ihm Gras auf dem Rücken wuchs. Der Kaiman wollte Maliki Napo verschlucken. Maliki Napo aber schlug mit einem Stab auf ihn. Da wurde dieser zu Stein. Der Stein hat den Namen: Jalunkurru. Man zeigt ihn noch heute. Darauf kam Maliki Napo glücklich nach Taku zurück.

Die Leute von Taku sind noch heute große Zauberer.

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