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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 22
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
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senderwww.gaga.net
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Der große Jäger Kelle-serri

Felszeichnung

In sehr alten Zeiten lebte in dem Dorfe Sunga, das in Djenne-dugu (im Djennegebiet) gelegen ist, ein großer Jäger, der hieß Kelle-serri. Der Jäger Kelle-serri war aber auch ein großer Trinker, und er pflegte sich alle Abende zu betrinken. Eines Tages hatte er sich auch wieder betrunken. Da sagte er zu seinem Sohn Konni: »Geh in jener Richtung in den Busch. Da wirst du die Tiere treffen. Die Tiere feiern gerade ein Fest und tanzen. Geh hin und sieh dir das an.« Konni sagte: »Gut, ich werde gehen.«

Konni machte sich auf den Weg. Er lief in die Richtung, die der Vater ihm angegeben hatte. Er kam auch nach einiger Zeit an eine Stelle, da tanzten viele Koba. Die Koba-Antilopen waren aber nicht allein. Es waren da auch noch die Dschinn, das waren Geisterchen, die nicht höher waren, als ein Knie reicht, die auf dem Rücken eine Silbermütze trugen und in der Hand einen Wedel mit Zaubermitteln darin führten. Konni schoß auf eine Koba. Er traf sie; sie fiel. Ein kleiner Dschinn schlug die Koba aber mit seinem Wedel. Darauf sprang die getroffene Koba heil und lebendig auf. Der Dschinn rief: »Das hat dein Vater nicht gesagt«, und dann liefen alle Koba und Dschinn in den Busch (Ein »Beisitzender« erklärt, das wäre insofern falsch erzählt, als das nicht viele Koba und viele Dschinn gewesen wären, die hier tanzten, sondern daß da nur ein Dschinn und eine Koba ruhig des Weges gegangen wären. Erst nachher hätte Konni die vielen, und zwar tanzenden Koba und Dschinn getroffen. Andere »Beisitzende« stimmen dem zu und beginnen mit dem sonst sehr sicheren Erzähler einen Streit.)

Konni ging weiter. Nach einiger Zeit kam er an eine Stelle, da waren sehr, sehr viele Koba und Dschinn versammelt. Hier war ein sehr, sehr großes Tanzfest veranstaltet. Sowohl die Dschinn als die Koba hatten einen Balafon (Kalebassen-Pianino). Konni sah dem eine Weile zu. Dann nahm er seine Waffe und zielte nach einer trächtigen Büffelkuh. Das ungeborene Kälbchen im Bauch der Büffelkuh rief aber: »Töte nicht meine Mutter!« Dann ging Konni zu den Tanzenden hin. Er setzte sich am Boden nieder. Er schaute dem Spiel der Koba und Dschinn zu und hielt dabei den Bogen stets gespannt in der Hand.

Kelle-serri, der Vater Konnis, saß inzwischen daheim beim Topf mit Dolo und trank. Er sagte bei sich: »Mein Sohn Konni bleibt recht lange fort; ich werde ihm doch einmal nachgehen und sehen, was er macht.« Kelle-serri nahm seinen Bogen und die Pfeile und machte sich auf den Weg. Er folgte so lange, bis er dahin kam, wo die Koba und Dschinn tanzten und wo auch sein Sohn Konni saß. Konni erzählte dem Vater alles, was er gesehen hatte. Kelle-serri sagte: »Es ist gut. Wir wollen nun beide schießen. Wir wollen gleichzeitig schießen, du auf eine trächtige Kuh, ich auf einen Dschinn.« Die beiden schossen. Beide Pfeile trafen. Die trächtige Koba-Kuh und der Dschinn fielen tot zu Boden.

Die anderen Dschinn flohen. Sie nahmen ihr Balafon mit. Die Koba rannten so kopflos von dannen, daß sie ihr Balafon am Boden liegen ließen. Darauf sagte Kelle-serri: »Ich werde den silbernen Armring des getöteten Dschinn abstreifen. Den Armring und das Balafon wollen wir mit uns nehmen. Das andere lassen wir für heute liegen, denn es ist schon sehr dunkel. Morgen können wir zurückkommen und die Koba aufteilen.« Sie taten es und kehrten so in ihr Dorf zurück.

Am anderen Tage kehrten Kelle-serri und Konni zu der Stelle zurück. Sie fanden aber, daß Schakal und Geier die Koba gefressen hatten. Sie waren ärgerlich und wollten den Geier und den Schakal jagen und töten, sahen dann aber nur an einem Baum einen Büffel stehen. Sie nahmen ihre Pfeile und schossen nach dem Büffel. Sie töteten den Büffel. Sie sahen noch einen Büffel. Sie nahmen ihre Pfeile und schossen auch noch diesen Büffel. Sie töteten den Büffel. Der Vater sagte zu Konni: »Nun wollen wir aber für die nötigen Medikamente für Schakal und Geier sorgen, damit es uns nicht heute wieder so mit den Büffeln geht wie gestern mit den Koba.« Kelle-serri und Konni strichen nun starken Vogelleim auf die Zweige des Baumes, unter dem die getöteten Büffel lagen. Sie bauten rund herum Fallen für die Schakale. Dann gingen sie nach Hause.

Als sie am anderen Tage sich vorsichtig dem Platz näherten, sahen sie, daß die Schakale in den Fallen gefangen waren und daß die Geier auf den Baumzweigen festsaßen, von denen aus sie auf die Büffel hatten herunterfliegen wollen. Sie sahen in der Luft zwei kleine Kokako (Vögel mit hübschen Schnäbeln) herumfliegen. Sie hörten, wie ein alter Geier den Kokako zurief: »Kommt doch, meine beiden kleinen Dialli (Sänger) und helft mir. Singt mir ein hübsches Lied, damit die Jäger nicht alle Tiere töten können.« Die beiden Kokako taten es. Sie holten ihre Jägergitarre und begannen zu singen. Die beiden Jäger hörten und sahen es aber.

So lernten die Menschen die Jägergitarre (die Dusu-ngonni) und das Balafon kennen. Zuerst war die Gitarre in den Händen der Balo (Jägerstamm), die von den Fanne abstammen.

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