Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Leopold Frobenius >

Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 14
Quellenangabe
pfad/frobeniu/afrika/afrika.xml
typefairy
authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
projectidb44bb671
Schließen

Navigation:

Bubu Ardo Gallo

Felszeichnung

Bubu Ardo Gallo war ein Sproß der Ardofamilie. Er war König in Naene, in Massina. Seit seiner Kindheit hatte er nie Furcht gehabt. König Schechu Ahmadu kam ins Land und unterwarf viele Könige. Einige kamen freiwillig zu ihm und erhielten dann ihr Besitztum als Lehen aus seiner Hand. König Bubu Ardo Gallo wurde nicht angegriffen. Die Freunde kamen zu ihm und sagten: »Unterwirf dich doch auch, nimm die neue Lehre an.« Er sagte: »Ich will mich unter einer Bedingung unterwerfen.« Die anderen fragten: »Welche Bedingung ist das?« Er sagte: »Man soll nicht verlangen, daß ich Mohammedaner werde, daß ich in meinem Ort eine Moschee baue, daß meine Frauen daheim eingeschlossen werden – und ich will Besu weitertrinken.« König Schechu Ahmadu hörte das. Er sagte: »Das geht nicht. Bubu Ardo Gallo muß sich auch unter das Gesetz Mohammeds begeben.« Drei Jahre verhandelten sie hin und her.

Eines Tages ritt Bubu Ardo Gallo mit fünfzig Reitern aus. Er kam in das Dorf Tenekung, das der frühere König Bokala Amsala jetzt für Schechu Ahmadu verwaltete. Er hörte eine Frau schreien. Er fragte: »Was hat die Frau?« Die Leute sagten: »Die Frau hat im Streit mit einer anderen dieser einen Zahn ausgeschlagen. Das war gegen das Gesetz des neuen Kadi. Darauf erhielt sie fünfzig Schläge und ist nun gefesselt in Fußeisen.« Bubu Ardo Gallo sagte zu seinem Mabo (Kaste der Sänger und Weber, bei den Fulbe die Träger mündlicher Überlieferung): »Nimm ihr die Fußeisen ab, hebe sie hinter dich aufs Pferd und führe sie mit uns.« Es geschah so. Er kehrte heim.

Am anderen Tage machte sich Bubu Ardo Gallo auf den Weg in die gleiche Gegend und trieb Bokala Amsala alles Rindvieh fort. Bokala Amsala rief andere Bezirksverwalter Schechu Ahmadus und sagte zu ihnen: »Geht zu Bubu Ardo Gallo und sagt ihm, er soll nicht solche Sachen machen – denn er kann nicht gegen den Willen des neuen Königs aufkommen.« Die Freunde machten sich auf, gingen zu Bubu Ardo Gallo und sagten ihm das. Er antwortete: »Freunde, in meinem Land soll weder das neue Gesetz geübt noch eine Moschee aufgebaut werden. Ich will diese Gebete nicht hören und das Recht Schechu Ahmadus nicht anerkennen. Wenn ich tot bin, komme es wie es wolle.« Die Freunde kehrten zurück. Bokala Amsala berichtete alles an Schechu Ahmadu. Der Mabo Bubu Ardo Gallos aber sagte zu seinem Herrn: »Ist es nicht richtiger, wenn wir uns zu Galadio Hambodeju, dem Sohn Hambodejus, in das Land Konare zurückziehen?« Bubu Ardo Gallo antwortete: »Ich werde hier sterben.«

Schechu Ahmadu hörte die Klage Bokala Amsalas und rüstete den Krieg. Er rief siebentausend Reiter zusammen. Das waren alles seine Fulbe und nicht ein Dimadio darunter. Sie zogen nach Naene und umzingelten die Stadt. Sie rückten ganz dicht heran. Der Mabo stieg auf das Dach eines Hauses. Er rief Bubu Ardo Gallo und sagte: »Sieh, wie die Ebene gefüllt ist. Du hast die Sachen durcheinandergemengt und das sind die Folgen. Alle diese Leute sind Ritter und reine Fulbe, und es ist nicht ein einziger Dimadio (Höriger) darunter.« Bubu Ardo Gallo sagte: »Das macht nichts. Rüsten wir uns.« Sie stiegen herunter. Bubu Ardo Gallo hatte ein Pferd, das hieß Dennewell, und dieses Pferd ist bekannter geworden als alle anderen. Er schwang sich in den Sattel und sagte zu seinem Mabo Galosegene: »Spiele das Baudi.«

Galosegene spielte das Baudi. Bubu Ardo Gallo sagte: »Wie komme ich in das Baudi? Was muß ich heute tun, um in das Baudi zu kommen?« Galosegene sagte: »Du hast einhundertzwanzig Reiter. Das da draußen sind siebentausend Fulbe. Wenn du sie besiegst, dann wird man dich im Baudi rühmen.«

Bubu Ardo Gallo sagte: »Sie sollen sich verbreiten.« Er ritt heraus. Er sprengte zwischen die siebentausend. Er packte links zwei und schlug sie gegeneinander. Er packte rechts zwei und schlug sie gegeneinander. Er tötete viele. Er warf den Feind zurück. Er folgte dem Rest der siebentausend bis nach Tenekung. Dann sagte er: »Nehmt den gefallenen Feinden Pferde und Kleider.« Sieben Tage lang griffen die Leute Schechu Ahmadus Bubu Ardo Gallo an. An jedem der sieben Tage schlug er sie in die Flucht.

Unter den Rittern Schechu Ahmadus war ein Reiter mit Namen Samba Ali Sëidu. Der war berühmt wegen seiner Tapferkeit. Er sandte an Bubu Ardo Gallo eine Botschaft und ließ sagen: »Glaube nicht, daß es unter uns keine Tapferen gibt. Aber ich bin als Kind mit dir aufgewachsen und dir deswegen ausgewichen. Wäre das nicht, so würdest du sicherlich mit zehn Reitern nicht gegen mich aufkommen.« Bubu Ardo Gallo antwortete: »Das ist nicht wahr. Ihr seid nicht tapferer als wir.« Samba Ali Sëidu antwortete: »Gut, so erwartet mich morgen um zwei Uhr. Dann wird einer von uns beiden sterben.«

Danach bat Samba Ali Sëidu den Schechu Ahmadu um hundert Reiter. Der gab sie ihm. Er brach auf. Er sandte an Bubu Ardo Gallo die Nachricht: »Rüste dich.« Er kam nach Naene. Dort trafen sie zusammen. Dann stritten sie nach Fulbesitte, d. h. die Reiter kämpften gegeneinander, und die Ritter schlugen sich im Zweikampf. Die beiden Helden nahmen erst die Lanzen und schleuderten sie aufeinander. Die Lanzen zersplitterten. Dann nahmen sie die Schwerter und kämpften gegeneinander. Die Schwerter zersprangen.

Darauf wollte Bubu Ardo Gallo umkehren, Samba Ali Sëidu aber hatte noch einen goldenen Speer, den stieß er Bubu Ardo Gallo in den Rücken. Wer von einem silbernen oder goldenen Speer getroffen ist, stirbt. Bubu Ardo Gallo fiel vom Pferd und starb.

Die einen kehrten zurück und weinten. Die anderen kehrten zurück und lachten.

 << Kapitel 13  Kapitel 15 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.