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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 111
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Das Orakel der Yoruba

System des Ifa-Orakels. Oben die sechzehn Grundfiguren, die Odus. Aus dem geraden oder ungeraden Fall der geworfenen und aufgegriffenen Palmkerne ergibt sich eine Reihe von paarweisen oder einzelnen Strichen, von denen immer vier ein Odu (Hauptkopf) ausmachen. Jeder dieser Köpfe hat seinen Namen, jeder ein symbolisches Zeichen. – Unten links ein Ifabrett mit Verteilung der vier Hauptodus, rechts die Verteilung und Anlage der Hauptodus nach Maßgabe der vorgeschriebenen Himmelsrichtung. Die von Osten nach Westen verlaufende Linie gilt als »Hauptweg« und die von Süden nach Norden gezeichnete als »der zweite Weg«. Nach dem Glauben der Yoruba steht dem Osten der Gott Edschu vor, dem Westen der Gott Schango, dem Süden der Gott Obatalla und dem Norden der Gott Ogun.

Orakel der Yoruba

Der Babalawo, d. h. »Vater des Geheimnisses« liest aus dem Wurf der Palmkerne oder der Palmkernkette das Orakel. Er benötigt dazu ein Adjelle-Ifa, eine Ifaschale mit geschnitzten Motiven aus dem Alltagsleben; in sie werden die sechzehn Kerne, getränkt mit Nußöl und Maismehl mit Wasser, hineingelegt. Dann benötigt er ein Oqua-Ifa, ein Brett ähnlich einem unserer früheren Brotteller; oben ist ein dominierendes, z. T. tief in das Brett hineinragendes Antlitz geschnitzt, das wie ein Wächter über der Innenfläche thront; auf sie wird Holzmehl gestreut. Drittens benötigt er das Oquelle. Das ist eine Schnur, an der acht halbe Palmkerne befestigt sind und die an den Enden meistens in ein zierliches Perlenornament ausläuft. Derjenige, der das Orakel mit dem Oquelle befragen will, ergreift die Schnur in der Mitte, so daß nach den beiden Seiten je vier halbe Palmkerne herabhängen. Beim Hinwerfen der Schnur kommt es nur darauf an, welche von den Palmkernen mit der konvexen, welche mit der konkaven Seite nach oben fallen. Hieraus allein entsteht schon ein Odu oder eine Figur. Die Zeremonie des Palmkernwerfens wird in folgender Weise vorgenommen: Die sechzehn Palmnüsse heißen Iki und Aki. Außer ihnen wird noch eine siebzehnte Figur zu Hilfe genommen, die Oduso heißt und in Elfenbein geschnitzt ist. Sie stellt einen Kopf, und zwar den Kopf des Orakelbringers Edschu, dar, was man an dem hinten lang herunterhängenden Zopf erkennen kann. Die Figur steht neben dem Ifabrett und hält gewissermaßen die Wache über die Handlung des Babalawo und den Fall der sechzehn Iki. Der Babalawo bestreut das Ifabrett mit weißem Mehl. Er nimmt die sechzehn Ifakerne und wirft sie in die Luft, der linken Hand zu. Die linke Hand greift sie. Nun kommt es darauf an, ob die Zahl der gefangenen Kerne eine gerade oder ungerade ist. Wenn die linke Hand eine ungerade Zahl faßt, so werden zwei senkrechte Striche gezogen. War die Zahl eine gerade, so ergibt sich ein einzelner Strich, der mit dem Finger der rechten Hand auf dem Brett ausgeführt wird. Viermal wird geworfen und die Zeichen untereinander geschrieben. Die so entstehende Figur aus vier Zeichen wird als »Medji« oder »Paar« bezeichnet. Achtmal wird dieses Verfahren wiederholt, und zwar werden immer zwei Medji nebeneinander, also viermal zwei untereinander, gezeichnet. Die niedergeschriebenen Zahlen sind die Odus, die dem Tagesorakel vorstehen. Abgelesen wird das auf dem Brett in das Mehl gemalte Bild von rechts nach links. Jedes der Medji repräsentiert ein Odu, dieses wiederum besteht aus 16 Odus, von denen jedes aus weiteren 16 Odus zusammengesetzt ist. 16 x 16 x 16, also 4096 verschiedene Odus sind es insgesamt, und jedem werden bestimmte Weisheitssprüche zugeordnet. Die Odus sind die eigentlichen geistigen Faktoren in dem Orakel der Yoruba.

Der Priester, der das Orakel liest, wendet sich stets mit dem Gesicht nach Osten und legt das Brett immer in derselben Weise vor sich auf den Boden. Auf jedem Brett ist ein Antlitz dargestellt, auf das der betende Priester schaut, so daß er es zwischen sich und der Sonne hat. Dieses Antlitz heißt Edschu-ogbe; es entspricht genau dem Odu Nr. 1.

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