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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 109
Quellenangabe
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typefairy
authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Die Fragelegende

Felszeichnung

Katukonko (der nicht fragt) und Netukonko machten gemeinsam eine Wanderung zu einem Freund in ein fernes Dorf. Katukonko sagte: »Wenn du etwas Absonderliches am Wege findest, so mußt du nicht immer gleich fragen: Weshalb und was?« Netukonko sagte: »Wenn ich etwas Absonderliches am Wege sehe, frage ich.« Katukonko sagte: »Frag nicht.« Netukonko sagte: »Ich frage doch.« Katukonko und Netukonko gingen.

Nach einiger Zeit kamen sie an einem Mann vorüber, der hatte seine Augen aus dem Kopf genommen und hatte sie an den Weg gelegt. Der Mann hatte eine Hacke in der Hand und hackte fleißig den Boden auf. Die Augen lagen am Wege. Netukonko sagte: »Was ist denn das?« Katukonko zog ihn fort und sagte: »Frag nicht, komm!« Nach einiger Zeit kamen sie an einem Mann vorüber, der hatte seine Knochen aus den Armen und Beinen genommen. Er hatte ein Beil, war an einer Palme emporgeklommen und schlug die Spitze ab. Er schlug nur mit der Haut, die Knochen lagen am Wege. Netukonko sagte: »Was ist denn das?« Katukonko zog ihn fort und sagte: »Frag nicht, komm!«

Nach einiger Zeit kamen sie an einer Frau vorüber, die hatte ihren Unterleib und die Beine zu Hause gelassen. Sie hatte eine Wasserflasche auf dem Kopf und ging zum Bach, um Wasser zu holen. Sie ging mit dem Oberleib, den Unterleib hatte sie zu Hause gelassen. Netukonko frage: »Was ist denn das?« Katukonko zog ihn fort und sagte: »Frag nicht, komm!«

Sie kamen zu dem Dorf des Freundes. Der Freund ließ sogleich Biddia (Brei) machen. Er ließ dazu Fische in Mafuta (Fett) sieden, um die Biddia einzustippen. Er tat aber nicht (wie dies üblich ist) Biddia und Fische in getrennte Schüsseln, sondern er stülpte die Biddia so über die Mafutafische, daß es aussah, als seien in der Schüssel nur Biddia und keine Fische. Die Freunde erhielten die Speisen und eine Wasserkanne. Sie sahen die Mafutafische nicht. Netukonko sagte: »Was ist denn das?« Katukonko sagte: »Laß doch, wir wollen wenigstens die Biddia essen.« Netukonko sagte: »Nein, ich lasse nicht nach. Das muß ich fragen.« Katukonko sagte: »Gut, wenn wir anfangen zu fragen, so wollen wir bei dem ersten anfangen. Wir wollen zurückgehen.« Beide gingen den Weg zurück.

Sie kamen wieder zu dem Mann, der die Augen beiseite gelegt hatte. Netukonko fragte: »Was ist das?« Der Mann sagte: »Ich bin hier allein. Wenn ich mir beim Erdhacken Erde in die Augen werfe, habe ich niemand, der sie mir reinigt. Da lege ich sie lieber während der Arbeit beiseite.« Sie kamen wieder zu dem Mann, der die Palmkrone abhackte und die Knochen der Arme und Beine beiseite gelegt hatte. Netukonko fragte: »Was ist das?« Der Mann sagte: »Ich könnte beim Klettern und Arbeiten von der Palme herunterfallen. Dann breche ich mir Arme und Beine. Ich lege also meine Knochen beiseite, bis ich meine Arbeit hier oben vollendet habe.« Sie kamen wieder zu der Frau, die das Wasser mit dem Oberkörper trug und die Beine mit dem Unterleib zu Hause gelassen hatte. Netukonko fragte: »Was ist das?« Die Frau sagte: »Mein Mann ist immer ärgerlich, wenn er mich nicht zu Hause hat, denn er braucht mich sehr oft. Darum lasse ich das, was er nötig hat, zu Hause (den Unterleib) und hole das Wasser nur mit dem Oberkörper. Ich vermeide so den Streit.« Sie kamen wieder zu dem Freund, der die Biddia bereitet und die Mafutafische darunter versteckt hatte. Netukonko fragte: »Was ist denn das, weshalb gibst du uns nur Biddia und Wasser und keine Mafutafische?« Der Freund lachte. Er sagte: »Es sind Mafutafische da.« Er hob die Biddia in die Höhe und zeigte die Mafutafische. Katukonko sagte: »Ich habe gesagt: ›Iß und frag nicht‹.« Netukonko sagte: »Ich weiß (aber) jetzt von dem Mann, der die Augen beiseite legt, von dem Mann, der die Knochen herausnimmt, von der Frau, die mit dem Oberkörper Wasser holt.«

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