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Schwarze Sonne Afrika

Leopold Frobenius: Schwarze Sonne Afrika - Kapitel 100
Quellenangabe
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authorLeo Frobenius
titleSchwarze Sonne Afrika
publisherWilhelm Heyne Verlag
isbn3453119932
year1996
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20091008
modified20140825
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Kabutondo

Felszeichnung

Vier Frauen gingen in den Wald, Holz zu hacken. Sie schlugen viel Holz. Eine Frau sagte: »Wir wollen es in Bündel binden.« Jede band ein großes Paket zusammen. Eine Frau sagte: »Wir wollen unsere Holzpakete auf den Kopf nehmen.« Drei Frauen nahmen ihre Holzstöße auf den Kopf und gingen heim. Die vierte Frau war zu schwach. Sie stand im Wald und konnte die Last nicht auf den Kopf heben. Sie stand im Wald. Da kam Tschilumitschikullu (alter Mann). Tschilumitschikullu fragte: »Was machst du in meinem Wald?« Die Frau sagte: »Ich bin schwanger und deswegen schwach. Wenn du das Holzbündel auf meinen Kopf hebst, dann will ich dir das Kind geben. Sobald es geboren ist, magst du es nehmen. Ist es ein Mädchen, so heirate es. Ist es ein Junge, so iß ihn.« Tschilumitschikullu hob ihr das Holzbündel auf den Kopf. Die Frau ging in das Dorf.

Nach zwei Monaten kam Tschilumitschikullu in das Dorf. Er fragte: »Ist das Kind geboren?« Sie sagten: »Es ist geboren, es ist ein Junge.« Tschilumitschikullu kam zu der Mutter und fragte: »Ist dein Sohn hier?« Die Frau entgegnete: »Er ist heute fortgegangen, aber er ist morgen wieder hier. Du kannst ihn daran erkennen, daß er Kabutondo heißt.« Tschilumitschikullu ging in den Wald zurück.

Am andern Tage kam Tschilumitschikullu wieder. Er ging auf den Dorfplatz. Die Kinder spielten auf dem Platze. Tschilumitschikullu spielte mit den Kindern Kreisel. Er fragte die Jungen: »Welcher von euch ist Kabutondo?« Tschilumitschikullu hatte alle Kinder um sich versammelt. Die Jungen antworteten alle zusammen: »Wir alle heißen Kabutondo!« Tschilumitschikullu ging zu der Mutter des Kindes. Er sagte: »Sie nennen sich alle Kabutondo!« Die Mutter sagte: »Komm morgen wieder. Du wirst Kabutondo, meinen Sohn, daran erkennen, daß er ein grünes Blatt hinter dem Ohr trägt.« Tschilumitschikullu ging in den Wald zurück.

Kabutondo sprach zu seinen Kameraden: »Meine Mutter liebt mich nicht; sie will mich dem Tschilumitschikullu ausliefern. Er wird mich an einem grünen Blatt erkennen, das ich hinter dem Ohr trage. Tragt morgen alle ein grünes Blatt hinter dem rechten Ohr!« Tschilumitschikullu kam am andern Tag. Er trat zu den Jungen. Er spielte mit ihnen Kreisel. Tschilumitschikullu sprach: »Wer von euch ist Kabutondo?« Die Jungen traten alle an ihn heran. Sie hielten alle ihren Kopf hin. Sie sprachen: »Wir alle sind Kabutondo, sieh, wir haben alle ein grünes Blatt hinter dem rechten Ohr!« Tschilumitschikullu ging zu der Mutter des Kindes. Er fragte: »Wo ist mein Kabutondo? Die Jungen tragen alle ein grünes Blatt hinter dem rechten Ohr.« Die Mutter sagte: »Tritt in mein Haus, du sollst Kabutondo noch heute erhalten. Er ist der Junge, der auf jene Dibuepalme steigen wird.« Tschilumitschikullu trat in das Haus der Mutter des Kindes. Die Kinder wußten es nicht.

Die Mutter des Jungen rief: »Kabutondo, steig auf jene Dibue und schlage mir die Spitze ab!« Kabutondo sagte: »Mach ich.« Kabutondo trat an den Baum. Er stieg am Baum empor. Er war am Baum oben angelangt. Tschilumitschikullu trat aus dem Hause. Er rief: »Jetzt kenne und habe ich dich!« Kabutondo sagte: »Gut, du hast mich, breite einen Sack zwischen deinen Armen aus, ich werde hinunterspringen in den Sack. Schließe aber die Augen!« Tschilumitschikullu war einverstanden. Er breitete einen Sack aus; er schloß die Augen. Kabutondo schlug mit einem Schlag die Spitze des Baumes ab. Sie fiel plung! in den Sack Tschilumitschikullus. Er band schnell den Sack zu und eilte mit dem Sack auf dem Rücken in den Wald.

Kabutondo sagte: »Meine Mutter liebt mich nicht; ich gehe zu Sambi (Fidi Mukullu, dem Schöpfer-Gott der Kassaiden).« Die Kinder riefen: »Wir gehen zu Sambi.« Die Kinder nahmen die Madimba, tanzten und sangen:

»Geh zu unserm Hause.
In den Wassertümpeln von Kabamba
Zu uns, sie haben getötet, sie haben getötet Hühner
Die Hühner töten, töten und sie sind tot.«

Die Kinder sangen und gingen in die Welt hinaus. Sie kamen an ein großes Wasser. Es war kein Boot da. Kabutondo rief: »Tande (Spinne), mach eine Brücke!« Tande machte schnell eine lange und starke Brücke. Kabutondo und die andern zehn Kinder gingen hinüber. Sie kamen an einen Wald, der war so zugewachsen, daß ein Durchgehen unmöglich war. Kabutondo rief zehn Elefanten. Die zehn Elefanten kamen und traten einen schönen Weg. Sie kamen an eine Stelle, die war mit Tuffi (menschlicher Unrat) so bedeckt, daß niemand hindurchkam. Kabutondo rief: »Hund, iß den Schmutz!« Es kam ein Hund, der fraß alles auf. Sie konnten auf dem Weg gehen. Sie kamen zu Fidi Mukullus Dorf. Fidi Mukullu nahm sie auf. Fidi Mukullu gab ihnen ein Haus und schickte ihnen Essen. Fidi Mukullu sagte: »Wenn es meine wahren Kinder sind, können sie nicht umkommen.« Fidi Mukullu schloß die Tür hinter den Jungen ab. Dann zündete er ihr Haus und alle Häuser seines Dorfes an.

Kabutondo rief zu Gulungwe (Antilope): »Grab einen Weg zwischen hier und draußen!« Gulungwe tat so. Alle Kinder waren mit Kabutondo gerettet. Fidi Mukullu sagte: »Es sind meine guten Leute!« Er ließ ein neues Dorf für sie bauen.

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