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Schwänke

Ludwig Aurbacher: Schwänke - Kapitel 15
Quellenangabe
titleSchwänke
authorLudwig Aurbacher
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typefarce
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Hans, blas's Licht aus

In Frankfurt lebte ein Weinhändler namens Mauskopf, der hat die Kunst verstanden, von der Armut sich Reichtum zu verschaffen. Wenn er nämlich von einem Winzer hörte, dass es mit dessen Vermögen auf die Neige gehe und zur Vergantung, so war er flugs bei der Stelle, wie ein Rabe, der um Sterbende kreiset, des Aases gewärtig.

Einstmals aber hat er doch eine falsche Rechnung gemacht Ein Winzer an der Bergstraße, wo gute Wein wächst, war drum und dran, den Garaus zu machen. Dies hatte unser Mauskopf gehört, als er sogleich zu dem Manne eilte, um ihm den Rest von seinen Weinen abzuknicken. Der Winzer, wie er das Begehren vernommen, machte nicht viel Worte und Umstände, sondern sagte bloß zum nebenan stehenden Knecht: »Hans, zünds Licht an!« Und er führte dann sogleich den Weinhändler in seinen größtenteils schon ausgeleerten Keller, wo Kraut und Rüben, Schaufeln und Hacken, leere Fässer und Gestelle kunterbunt untereinander lagen, so dass sich die Besuchenden kümmerlich durchwinden mussten bis in den tiefsten Hintergrund, wo noch ein volles Fass stand.

Der Winzer gab dem Kaufmann stillschweigend ein Glas zu kosten und diese fand den Wein vortrefflich und hoffte somit, einen guten Fang zu machen. Auf die Frage, was das Ohm koste, nannte der Winzer einen Preis, einen äußerst billigen. Der trügerische Kaufmann aber, der Mauskopf, bot einen Schandpreis. Was tat nun der Winzer?

Der Volksfreund kannte einen Landsmann, einen ehrenwerten Leinwandhändler aus den Stauden. Wenn diesem ein Kaufherr einen Spottpreis der Art auf seine Ware schlug, so kehrte er sich um, stellte sich in die Stubenecke und – indem er die Hände faltete und die Daumen im Kreisel spielen ließ – murmelte er zwischen den Zähnen: »Zorn, komm morgen! Zorn, komm morgen! Zorn, komm morgen!«, ungefähr wie es Kaiser Augustus getan, der, um den aufbrausenden Zorn zu unterdrücken, das griechische Alphabet herzusagen pflegte.

Unser Winzer aber tat anders: er sagte bloß: »Hans, blas's Licht aus!«, und er durchzog drauf mit Hansen den ihm wohlbekannten Keller ohne Gefährdung und kümmerte sich um den Kaufmann nicht weiter mehr. Dieser aber hatte nun seine liebe Not, wie er in der Finsternis durch den Wirrwarr aus dem Keller kommen sollte. Jetzt stolperte e über einen Kraut- und Rübenhaufen, dann fiel er über ein leeres Fass oder ein Gestelle, drauf rannte er an die Wand und kam zuletzt mit hinkenden Beinen, mit geschundenen Händen und mit Beulen am Kopf kümmerlich aus dem verfluchten Kellerloch.

Der Winzer aber war inzwischen schon aufs Feld gegangen und Hans hielt dem Kaufmann an der Kutsche das Leitseil hin und die Geißel, nachdem er ihm noch, aus »Unachtsamkeit«, damit ins Gesicht geritzt. Also musste er unverrichteter Dinge abziehen. Seit der Zeit geht in Frankfurt das Sprichwort, wenn man einen schnöden Handel nicht eingehen will: »Hans, blas's Licht aus!«

 


 

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