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Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Schuld und Sühne - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorFjodr Dostojewski
titleSchuld und Sühne
publisherAufbau Verlag
year1956
translatorH. Röhl
senderwww.gaga.net
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
created20050727
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I

So lag er sehr lange. Mitunter wurde er halb wach und bemerkte in solchen Augenblicken, daß es schon längst Nacht sei; aufzustehen kam ihm gar nicht in den Sinn. Endlich nahm er wahr, daß die Morgendämmerung bereits angebrochen war. Er lag rücklings auf dem Sofa, noch ganz starr von der bisherigen Bewußtlosigkeit. Ein schreckliches, wildes Geheul schlug von der Straße her schrill an sein Ohr; dieses Geheul hörte er übrigens jede Nacht zwischen zwei und drei Uhr unter seinem Fenster, und es war auch jetzt die Ursache seines Erwachens gewesen. ›Aha! Da kommen auch schon die Betrunkenen aus den Kneipen‹, dachte er. ›Es ist zwei durch.‹ Plötzlich fuhr er auf, als ob ihn jemand vom Sofa in die Höhe gerissen hätte. ›Wie? Schon zwei durch!‹ Er setzte sich auf – und nun fiel ihm alles ein! In einer Sekunde erinnerte er sich wieder an alles.

Im ersten Augenblicke glaubte er, er würde wahnsinnig werden. Ein furchtbarer Frost überfiel ihn; aber dieser Frost kam von dem Fieber her, das sich schon längst während des Schlafes in seinem Körper entwickelt hatte. Jetzt packte ihn ein solcher Kälteschauer, daß ihm die Zähne klapperten und ihm alle Glieder steif wurden. Er öffnete die Tür und horchte; im Hause schlief alles fest. Erschrocken besah er sich selbst und alles ringsherum im Zimmer und begriff gar nicht, wie es nur möglich gewesen war, daß er gestern beim Nachhausekommen die Tür nicht zugeschlossen und sich in den Kleidern, ja sogar mit dem Hut auf dem Kopfe auf das Sofa geworfen hatte. Der Hut war heruntergerollt und lag auf dem Fußboden neben dem Kissen. ›Wenn nun jemand hereingekommen wäre, was hätte sich der gedacht? Gewiß, daß ich betrunken wäre, aber . . .‹ Er stürzte zum Fenster hin. Es war schon hell genug, und er musterte sich schleunigst, vom Kopfe bis zu den Füßen, vollständig, seine ganze Kleidung, ob auch nicht Blutspuren daran seien. Aber das ließ sich so auf dem Körper nicht gut ausführen; zitternd vor Frost, zog er alle Kleidungsstücke aus und untersuchte jedes von allen Seiten. Er wendete alles, bis auf den letzten Faden und Fetzen, hin und her, und da er sich selbst nicht traute, wiederholte er die Besichtigung dreimal. Aber es schienen keine Spuren vorhanden zu sein; nur da, wo die Hosen unten zerfasert waren und die Fransen herunterhingen, saßen an diesen Fransen dicke Klümpchen geronnenen Blutes. Er nahm sein großes Taschenmesser und schnitt die Fransen ab. Weiter schien nichts da zu sein. Da fiel ihm ein, daß der Beutel und die Pfandstücke, die er bei der Alten aus der Truhe herausgenommen hatte, immer noch sämtlich in seinen Taschen steckten! Er hatte bis jetzt noch gar nicht daran gedacht, sie herauszunehmen und zu verstecken. Nicht einmal jetzt hatte er sich daran erinnert, als er seinen Anzug revidierte. Wie war es nur möglich! Sofort zog er sie heraus und warf sie auf den Tisch. Nachdem er alles hervorgeholt und sogar die Taschen umgewendet hatte, um sich zu vergewissern, daß auch wirklich nichts darin geblieben sei, trug er den ganzen Haufen in eine Ecke. Dort hatte unten im innersten Winkel an einer Stelle die Tapete, die sich von der Wand abgelöst hatte, einen Riß; sofort stopfte er alles in dieses Loch unter die Tapete. ›Es ist hineingegangen; es ist nichts mehr zu sehen, auch der Beutel nicht!‹ dachte er erfreut, indem er langsam aufstand und stumpfsinnig nach der Ecke und dem Risse hinstarrte, der nun noch breiter klaffte. Da fuhr er wieder erschrocken zusammen: ›Mein Gott‹, flüsterte er verzweifelt, ›was ist nur mit mir? Heißt denn das verstecken? Versteckt man denn etwas so?‹

Er hatte ja allerdings nicht auf Wertgegenstände gerechnet; er hatte geglaubt, er würde nur Geld erbeuten, und darum nicht im voraus Verstecke zurechtgemacht. ›Aber worüber habe ich mich denn jetzt eben gefreut?‹ dachte er. ›Versteckt man denn etwas so? Wahrhaftig, aller Verstand läßt mich ja im Stiche!‹ Ganz matt setzte er sich auf das Sofa, und sogleich schüttelte ihn wieder ein unerträglicher Frostschauder. Neben ihm auf dem Stuhle lag der warme, aber jetzt schon ganz zerlumpte Winterüberzieher, den er als Student getragen hatte; den zog er mechanisch zu sich heran und deckte sich damit zu; sofort verfiel er wieder in Schlaf und Fieberphantasien. Er war bewußtlos.

Aber schon nach fünf Minuten sprang er wieder auf und fiel von neuem wie rasend über seine Kleider her. ›Wie konnte ich nur wieder einschlafen, wo doch noch nichts getan ist! Ich habe ja wahrhaftig die Schlinge unter der Achsel noch nicht abgemacht! Ich habe es vergessen! So etwas Wichtiges habe ich vergessen! Ein solches Beweisstück!‹ Er riß die Schlinge ab, riß sie schnell in Stücke und stopfte diese unter das Kissen zwischen die Wäsche. ›Stücke von zerrissener Leinwand werden ja doch wohl in keinem Falle Verdacht erregen, möchte ich meinen!‹ flüsterte er, mitten im Zimmer stehend, vor sich hin; und indem er seine Aufmerksamkeit so anstrengte, daß es ihn physisch schmerzte, begann er wieder ringsumher, auf dem Fußboden und überall, Umschau zu halten, ob er nicht doch noch etwas vergessen habe. Das Gefühl, daß alles, sogar das Gedächtnis, sogar die einfache Denkkraft ihn im Stiche lasse, quälte ihn in unerträglicher Weise. ›Wie? Fängt es wirklich jetzt schon an? Kommt wirklich jetzt schon die Strafe? Wahrhaftig?‹ In der Tat lagen die Fransen, die er von den Hosen abgeschnitten hatte, offen auf dem Fußboden, mitten im Zimmer, so daß sie der erste, der eintrat, sehen mußte. »Was ist denn nur mit mir!« rief er wieder ganz fassungslos.

Da kam ihm ein sonderbarer Gedanke in den Sinn: vielleicht war auch sein ganzer Anzug blutig, vielleicht war eine ganze Menge Flecken daran; aber er sah sie nur nicht, bemerkte sie nicht, weil seine Denkkraft geschwächt und vermindert, sein Verstand verdunkelt war. Auf einmal fiel ihm ein, daß auch an dem Beutel Blut gewesen war. ›Ha, also muß in der Tasche auch Blut sein, da ja der Beutel damals, als ich ihn in die Tasche steckte, noch feucht war.‹ Eilig drehte er die Tasche um, und wahrhaftig! an dem Taschenfutter befanden sich Flecke, Blutspuren! ›Also versagen meine geistigen Fähigkeiten doch noch nicht ganz; also besitze ich doch noch Denkkraft und Gedächtnis, da ich dies überlegt und kombiniert habe!‹ dachte er triumphierend und atmete aus voller Brust tief und froh auf. ›Es war einfach eine vom Fieber herrührende Schwäche, eine momentane Geistesverwirrung!‹ sagte er sich und riß das ganze Futter aus der linken Hosentasche heraus. In diesem Augenblicke fiel ein heller Sonnenstrahl auf seinen linken Stiefel: an dem Strumpfe, der aus dem Stiefel hervorsah, schienen Blutspuren zu sein! Er zog den Stiefel aus: ›Wahrhaftig, es sind Blutspuren! Die ganze Strumpfspitze ist mit Blut getränkt!‹ Jedenfalls war er damals unachtsamerweise in die Blutlache hineingetreten. ›Aber was soll ich nun damit anfangen? Wo soll ich den Strumpf und die Fransen und die Tasche lassen?‹

Er raffte alles mit beiden Händen zusammen und stand mitten im Zimmer da. ›In den Ofen? Aber im Ofen werden sie zu allererst herumstöbern. Verbrennen? Aber womit? Ich habe ja nicht einmal Streichhölzer. Nein, das beste ist schon, ich gehe draußen irgendwohin und werfe alles weg. Ja, das beste ist, alles wegzuwerfen!‹ sagte er sich und setzte sich wieder auf das Sofa. ›Und zwar sofort, diesen Augenblick, unverzüglich . . .‹ Aber statt daß er dies tat, sank sein Kopf wieder auf das Kissen; wieder packte ihn jener unerträgliche eisige Schauder; wieder zog er den Winterpaletot auf seinen Körper. Längere Zeit noch, mehrere Stunden lang, flackerte in seinem Kopfe von Zeit zu Zeit der Gedanke auf: ›Sofort, ohne zu zaudern, muß ich irgendwohin gehen und alles wegwerfen, damit nichts mehr davon zu sehen ist; schnell, ganz schnell!‹ Mehrere Male richtete er sich auf dem Sofa auf und versuchte aufzustehen; aber er hatte nicht mehr die Kraft dazu. Schließlich machte ihn ein starkes Klopfen an der Tür wach.

»Mach doch auf! Lebst du noch oder nicht? Immer schläft er und schläft!« schrie Nastasja und schlug mit der Faust gegen die Tür. »Den ganzen lieben, langen Tag schläft er wie ein Faultier. Und er ist auch ein Faultier. Mach auf, sag ich. Es geht schon auf elf!«

»Vielleicht ist er gar nicht zu Hause«, sagte eine Männerstimme.

›Ha, das ist die Stimme des Hausknechts . . . Was will denn der?‹

Er sprang auf und setzte sich auf dem Sofa aufrecht hin. Das Herz klopfte ihm so stark, daß es ihm weh tat.

»Wer hat denn den Riegel vorgelegt?« erwiderte Nastasja. »Nun sieh mal einer, er hat angefangen, die Tür zuzuriegeln! Es könnte ihn ja einer wegstehlen! Mach auf, Mensch du, und werde endlich wach!«

›Was wollen die? Warum ist der Hausknecht da? Gewiß ist alles entdeckt. Soll ich Widerstand leisten oder aufmachen? Mag das Unheil seinen Gang nehmen . . .‹

Er erhob sich ein wenig, beugte sich vornüber und nahm den Riegel ab.

Sein ganzes Zimmer war von so geringen Dimensionen, daß man den Riegel abnehmen konnte, ohne vom Bette aufzustehen.

Richtig: an der Tür standen der Hausknecht und Nastasja.

Nastasja betrachtete ihn mit eigentümlich forschenden Blicken. Er selbst blickte mit verzweifelter und zugleich herausfordernder Miene den Hausknecht an. Der hielt ihm, ohne ein Wort zu sagen, ein graues, zweimal zusammengefaltetes Stück Papier hin, das mit gewöhnlichem Flaschenlack versiegelt war.

»Eine Vorladung, aus dem Bureau«, bemerkte er, als er ihm das Papier übergab.

»Aus was für einem Bureau?«

»Zur Polizei sollen Sie kommen, aufs Polizeibureau. Natürlich aufs Polizeibureau!«

»Aufs Polizeibureau? . . . Warum?«

»Weiß ich's? Sie werden vorgeladen, also gehen Sie nur hin!«

Er musterte ihn aufmerksam, sah sich um und machte kehrt, um wieder fortzugehen.

»Du bist wohl ganz krank geworden?« sagte Nastasja, ihn unverwandt ansehend. Auch der Hausknecht wendete für einen Augenblick den Kopf. »Er fiebert schon seit gestern«, fügte sie hinzu.

Raskolnikow entgegnete nichts und hielt das Schriftstück in der Hand, ohne es zu öffnen.

»Steh nur lieber nicht auf«, fuhr Nastasja fort; er tat ihr leid, als sie sah, daß er die Beine vom Sofa herunternahm. »Wenn du krank bist, so geh nicht hin. So eilig wird's ja nicht sein. Was hast du denn da in der Hand?«

Er blickte hin: in der rechten Hand hielt er die abgeschnittenen Fransen, den Strumpf und die Fetzen der herausgerissenen Tasche. So hatte er damit geschlafen. Als er später darüber nachsann, erinnerte er sich, daß er jedesmal, wenn er in der Fieberhitze halb wach geworden war, all diese Dinge von neuem fest in der Hand zusammengepreßt hatte und so wieder eingeschlafen war.

»Na, so was! Hat sich ein paar Lumpen zusammengesucht und schläft damit, wie wenn er einen Schatz hütete . . .«

Und Nastasja brach in ihr lautloses, krampfhaftes Gelächter aus.

Schleunigst schob er alles unter den Paletot und heftete einen starren, prüfenden Blick auf sie. Obwohl er zu vernünftigen Überlegungen in diesem Augenblicke nur sehr wenig fähig war, so sagte er sich doch, daß man mit einem Menschen, den man verhaften wolle, wohl anders verfahre. – ›Aber trotzdem . . ., die Polizei?‹

»Du solltest ein bißchen Tee trinken! Willst du welchen? Ich bringe dir welchen; es ist noch übrig . . .«

»Nein, . . . ich will hingehen, ich will gleich hingehen«, murmelte er und stellte sich auf die Füße.

»Du kommst ja wohl gar nicht die Treppe hinunter!«

»Ich will hingehen.«

»Na, wie du willst.«

Sie folgte dem vorangegangenen Hausknechte und ging weg. Sofort stürzte er ans Licht, um sich den Strumpf und die Fransen zu besehen. ›Flecken sind da, aber nicht sehr bemerkbar; es ist alles von Schmutz verdeckt, und die Farbe ist schon sehr matt geworden. Wer es nicht schon vorher weiß, sieht nichts. Nastasja hat gewiß von weitem nichts bemerken können; Gott sei Dank!‹ Dann erbrach er mit zitternder Hand die Vorladung und begann zu lesen. Er mußte lange lesen, bis er endlich den Sinn begriff. Es war eine gewöhnliche Vorladung aus dem Polizeirevier, er solle am heutigen Tage um halb zehn im Bureau des Revieraufsehers erscheinen.

›Das ist ja noch nie dagewesen! Ich habe doch mit der Polizei nichts zu schaffen! Und warum gerade heute?‹ fragte er sich in qualvoller Ungewißheit. ›O Gott, wenn es nur schnell zu Ende wäre!‹ Er wollte sich schon auf die Knie werfen, um zu beten, lachte dann aber selbst, nicht über das Gebet, sondern über sich. Er zog sich eilig an. ›Wenn ich ins Unglück renne, mir ganz gleich! Ob ich den Strumpf anziehe?‹ überlegte er. ›Er wird dann im Staube noch schmutziger, und die Spuren verschwinden.‹ Aber kaum hatte er ihn angezogen, da riß er ihn auch schon wieder voll Ekel und Angst herunter. Nachdem er indessen überlegt hatte, daß er keinen anderen habe, zog er ihn doch wieder an – und lachte wieder auf. ›All solche Empfindungen sind rein konventionell, nur relativ, bloße Äußerlichkeiten‹, dachte er nur ganz flüchtig, wobei er aber am ganzen Leibe zitterte; ›nun habe ich ihn ja doch angezogen! Schließlich habe ich ihn ja doch angezogen!‹ Aber das Lachen ging sofort in Verzweiflung über ›Nein, das geht über meine Kraft . . .‹, dachte er. Die Beine zitterten ihm. ›Vor Angst‹, murmelte er vor sich hin. Der Kopf war ihm schwindlig und tat ihm weh von der Fieberhitze. ›Das ist eine List! Sie wollen mich durch diese List hinlocken und mich dann plötzlich überrumpeln‹, redete er zu sich weiter, als er auf die Treppe hinaustrat. ›Recht verdrießlich ist, daß ich fast im Fieber rede; wie leicht kann ich da irgendeine Dummheit sagen!‹

Auf der Treppe fiel ihm ein, daß er all die Wertsachen so mangelhaft verwahrt in der Höhlung hinter der Tapete zurückgelassen hatte. ›Und vielleicht benutzen sie gerade meine Abwesenheit zu einer Haussuchung‹, überlegte er und blieb stehen. Aber eine solche Verzweiflung, ja, man möchte sagen, eine solche herausfordernde Dreistigkeit seinem eigenen Verderben gegenüber hatte in seiner Seele Platz gegriffen, daß er mit der Hand eine Gebärde machte, als sei dies ja alles völlig gleichgültig, und weiterging.

›Nur schnell, so schnell wie möglich!‹

Auf der Straße herrschte wieder eine unerträgliche Hitze; diese ganzen Tage her war kein Tropfen Regen gefallen. Wieder Staub, Ziegel, Kalkdunst; wieder der üble Geruch aus den Kramläden und Kneipen, wieder auf Schritt und Tritt Betrunkene, finnische Hausierer und invalide Droschken. Die Sonne schien ihm blendend in die Augen, so daß ihm das Sehen Schmerz machte und der Kopf ihm ganz benommen war – die gewöhnliche Empfindung eines Fieberkranken, der plötzlich auf die Straße in den hellen Sonnenschein hinaustritt.

Als er an die Ecke kam, wo die »gestrige« Straße einmündete, warf er in qualvoller Unruhe einen Blick hinein, nach »jenem« Hause; . . . aber er wendete sofort die Augen wieder weg.

›Wenn sie mich danach fragen sollten, sage ich vielleicht einfach alles‹, dachte er, als er sich dem Polizeibureau näherte.

Das Bureau war von seiner Wohnung nur etwa fünf Minuten entfernt. Es hatte eben erst neue Räume bezogen, die im dritten Stock eines neuen Hauses lagen. In den alten Diensträumen war er einmal auf einen Augenblick gewesen; aber das war schon sehr lange her. Als er in den Torweg trat, sah er rechts eine Treppe, auf der ein ärmlich gekleideter Mann mit einem Büchelchen in der Hand herunterkam. ›Ein Hausknecht‹, sagte sich Raskolnikow, ›also ist hier das Polizeibureau.‹ Er ging aufs Geratewohl die Treppe hinauf. Sich bei jemand zu erkundigen, dazu hatte er keine Neigung.

›Ich werde hineingehen, mich auf die Knie werfen und alles erzählen‹, dachte er, als er zum dritten Stockwerk gelangte.

Die Treppe war schmal, steil und ganz mit Spülicht begossen. Alle Küchen aller Wohnungen in allen vier Geschossen gingen auf diese Treppe hinaus und standen fast den ganzen Tag offen. Daher war dort eine gräßliche Luft. Herauf und herunter kamen und gingen Polizisten, Hausknechte mit Büchern unter dem Arm und allerlei andre Leute beiderlei Geschlechts, die auf dem Bureau etwas zu erledigen hatten. Die Tür zu dem Bureau selbst stand gleichfalls sperrangelweit offen. Er ging hinein und blieb im Vorzimmer stehen, wo eine Menge einfacher Leute stand und wartete. Auch hier war eine furchtbar stickige Luft, und außerdem verbreitete der frische, noch nicht ordentlich trockene Anstrich der Zimmer mit unreinem Firnis einen Geruch, von dem einem übel werden konnte. Nachdem er ein Weilchen gewartet hatte, entschloß er sich, noch weiter, ins nächste Zimmer, zu gehen. Es waren lauter kleine, niedrige Räume. Eine schreckliche Ungeduld trieb ihn immer weiter. Niemand beachtete ihn. In dem zweiten Zimmer saßen, mit Schreiben beschäftigt, einige Schreiber, dem Äußeren nach eine sonderbare Gesellschaft, obwohl sie ein wenig besser gekleidet waren als er. Er wendete sich an einen von ihnen.

»Was willst du?«

Er zeigte die Vorladung, die ihm vom Bureau zugegangen war.

»Sie sind Student?« fragte der Schreiber nach einem Blick in die Vorladung.

»Ja, gewesener Student.«

Der Schreiber musterte ihn, jedoch ohne alle Neugier. Es war ein Mensch mit auffällig unordentlichem Haar und mit einem eigentümlich starren Blick.

›Von dem wird nichts zu erfahren sein; dem ist ja alles gleichgültig!‹ dachte Raskolnikow.

»Gehen Sie dorthin, zum Sekretär!« sagte der Schreiber und wies mit dem ausgestreckten Finger nach dem letzten Zimmer.

Er ging in dieses Zimmer hinein, das vierte in der Reihe; es war nur klein und gedrängt voll von Menschen; das Publikum war hier etwas besser gekleidet als in den andern Zimmern. Darunter befanden sich auch zwei Damen. Die eine, in ärmlicher Trauerkleidung, saß an einem Tische dem Sekretär gegenüber und schrieb etwas, was ihr dieser diktierte. Die andre Dame, eine sehr volle, stattliche Figur, im Gesichte purpurrot mit noch dunkleren Flecken, luxuriös gekleidet, am Halse eine Brosche in der Größe einer Untertasse, stand etwas abseits und wartete. Raskolnikow schob dem Sekretär seine Vorladung hin. Dieser sah sie flüchtig an und sagte: »Warten Sie ein wenig!« Dann fuhr er fort, sich mit der Dame in Trauer zu beschäftigen.

Raskolnikow atmete nun freier und leichter. ›Es ist sicher etwas anderes!‹ Er faßte allmählich Mut; mit aller Macht ermahnte er sich selbst, Mut zu haben und nicht den Kopf zu verlieren.

›Irgendeine Dummheit, irgendeine noch so geringe Unvorsichtigkeit, und ich kann mich ganz und gar verraten! Hm! . . . Schlimm, daß hier keine frische Luft ist‹, dachte er weiter. ›Eine schreckliche Atmosphäre . . . Der Kopf schwindelt mir noch mehr davon . . . und der Verstand auch . . .‹

Er fühlte, daß bei ihm Körper und Geist in arger Unordnung waren, und fürchtete, er werde sich nicht in der Gewalt haben. Er gab sich alle Mühe, sich mit seinen Gedanken an irgend etwas anzuklammern, an etwas ganz Nebensächliches zu denken; aber das wollte ihm schlechterdings nicht gelingen. Doch den Sekretär betrachtete er sehr angelegentlich; gern hätte er aus seiner Miene Schlüsse gezogen, seine Absichten erraten. Es war ein noch sehr junger Mann von etwa zweiundzwanzig Jahren, mit einem gebräunten, lebhaften Gesichte, das ihn älter erscheinen ließ, als er wirklich war; gekleidet war er modisch und stutzerhaft; dazu war er sorgsam frisiert, mit Nackenscheitel, und pomadisiert; an den weißen Fingern mit den sauber gebürsteten Nägeln trug er eine Menge von Ringen, auf der Weste eine goldene Uhrkette. Mit einem anwesenden Ausländer sprach er sogar ein paar Worte Französisch, und zwar nicht schlecht.

»Setzen Sie sich doch, Luisa Iwanowna«, sagte er lässig zu der geputzten Dame mit dem roten Gesichte, die immer noch stand, als wage sie sich nicht hinzusetzen, obgleich ein Stuhl neben ihr stand.

»Ich danke«, sagte sie auf deutsch und ließ sich sachte mit leisem Seidengeknister auf dem Stuhle nieder. Ihr hellblaues, mit weißen Spitzen besetztes Kleid umgab den Stuhl wie ein Luftballon und nahm fast das halbe Zimmer ein. Eine Wolke von Parfümduft verbreitete sich. Aber die Dame genierte sich offenbar, weil sie so viel Platz einnahm und so stark duftete; sie lächelte zwar in einer zugleich ängstlichen und unverschämten Art; jedoch ihre Unruhe war unverkennbar.

Die Dame in Trauer war endlich fertig und stand auf. Da trat geräuschvoll, mit sehr forschem Wesen und jeden Schritt mit eigentümlichen Schulterdrehungen begleitend, ein Polizeioffizier ein, warf seine kokardengeschmückte Uniformmütze auf den Tisch und setzte sich in einen Lehnstuhl. Als die geputzte Dame ihn erblickte, sprang sie hurtig von ihrem Platze auf und machte ihm mit besonderer Liebenswürdigkeit eine Anzahl von Knicksen; aber der Polizeioffizier schenkte ihr nicht die geringste Beachtung, und sie getraute sich nun nicht mehr, in seiner Anwesenheit wieder Platz zu nehmen. Es war der Stellvertreter des Revieraufsehers; sein rötlicher Schnurrbart war horizontal nach beiden Seiten lang ausgezogen; sein auffällig kleines Gesicht drückte außer einer gewissen Frechheit nichts Besonderes aus. Er sah Raskolnikow von der Seite einigermaßen mißbilligend an: der Anzug dieses Menschen war doch gar zu schäbig, und sein Benehmen schien mit diesem armseligen Äußern nicht recht im Einklang zu stehen. Raskolnikow hatte nämlich die Unvorsichtigkeit begangen, ihn zu lange und zu scharf anzustarren, so daß der so Fixierte ordentlich ärgerlich wurde.

»Was willst du?« schrie er; er mochte wohl erstaunt darüber sein, daß ein solcher Lumpenkerl überhaupt nicht daran dachte, unter seinen blitzenden Blicken in sich zusammenzukriechen.

»Ich bin hierher bestellt . . . durch Vorladung . . .«, antwortete Raskolnikow nachlässig.

»Die Vorladung ist in einer Schuldklage erfolgt«, warf der Sekretär eilig dazwischen, indem er von dem Schriftstücke, mit dem er beschäftigt war, aufblickte. »Er ist Student, und es soll von ihm Geld beigetrieben werden.« Er wandte sich an Raskolnikow: »Hier, lesen Sie das durch!« sagte er, indem er ihm in einem Aktenhefte eine Stelle zeigte und es ihm dann herüberwarf.

›Geld? Was für Geld?‹ dachte Raskolnikow. ›Also ist es jedenfalls nicht die andre Sache!‹ Er fuhr vor Freude zusammen. Es wurde ihm auf einmal unsagbar leicht ums Herz; er fühlte sich von einer schweren Last befreit.

»Und auf welche Stunde sind Sie vorgeladen, mein Herr?« schrie der Polizeileutnant, der ohne eigentlichen Grund immer mehr in seinen Ärger hineingeriet. »Sie sind auf neun Uhr herbestellt, und jetzt ist es schon weit nach elf Uhr!«

»Die Vorladung ist mir erst vor einer Viertelstunde gebracht worden«, entgegnete Raskolnikow laut und über die Achsel weg. Auch er fing nun an, ärgerlich zu werden, und fand sogar ein gewisses Vergnügen darin. »Es ist schon viel von mir, daß ich überhaupt gekommen bin; denn ich bin fieberkrank.«

»Schreien Sie nicht so!«

»Ich schreie nicht, ich rede ganz ruhig; aber Sie schreien mich an. Ich bin Student und lasse mich nicht so anschreien.«

Der Polizeileutnant wurde so wütend, daß er im ersten Augenblicke überhaupt kein Wort herausbringen konnte, sondern nur ein paar zischende Töne hervorsprudelte. Er sprang von seinem Platze auf.

»Schweigen Sie! Sie befinden sich hier in Amtsräumen! Ich verbitte mir Ihre Grobheiten, Herr!«

»Sie befinden sich doch auch in Amtsräumen«, rief Raskolnikow. »Aber trotzdem schreien Sie nicht nur, sondern Sie rauchen sogar eine Zigarette; eine Rücksichtslosigkeit gegen uns alle.«

Es war ihm ein wahrer Genuß, dem Polizeileutnant dies zu sagen.

Der Sekretär sah die beiden lächelnd an. Der hitzige Polizeileutnant war offenbar ganz verblüfft.

»Das geht Sie gar nichts an!« schrie er endlich überlaut. »Geben Sie lieber die Auskunft, die von Ihnen verlangt wird! Zeigen Sie ihm doch einmal die Sache, Alexander Grigorjewitsch! Es ist eine Klage gegen Sie eingegangen. Sie bezahlen Ihre Schulden nicht. Sie scheinen ja ein nobler Patron zu sein!«

Aber Raskolnikow hörte nicht mehr auf ihn, sondern griff begierig nach dem Schriftstück, um möglichst bald ins klare zu kommen. Er las es einmal, zweimal durch, ohne es zu verstehen.

»Was steht denn eigentlich darin?« fragte er den Sekretär.

»Man verlangt von Ihnen Zahlung auf Grund eines Schuldscheines. Sie müssen entweder den Betrag einschließlich aller Gebühren, Strafgelder usw. entrichten oder eine schriftliche Erklärung darüber abgeben, wann Sie voraussichtlich imstande sein werden zu zahlen, und sich zugleich verpflichten, vor Zahlung sich nicht aus der Stadt zu entfernen und von Ihrer Habe nichts zu verkaufen oder zu verbergen. Der Gläubiger aber ist bei Nichtzahlung berechtigt, Ihre Habe zu verkaufen und mit Ihnen nach Maßgabe der Gesetze zu verfahren.«

»Aber . . . aber ich bin niemandem etwas schuldig.«

»Das ist nicht unsre Sache. Uns ist hier ein verfallener und in gesetzlicher Form protestierter Schuldschein über einhundertundfünfzehn Rubel zur Beitreibung zugegangen, den Sie der verwitweten Frau Kollegienassessor Sarnizyna vor neun Monaten ausgestellt haben und der von der verwitweten Frau Sarnizyna durch Kauf an den Hofrat Tschebarow übergegangen ist; wir fordern Sie deshalb auf, sich darüber zu erklären.«

»Aber das ist ja meine Wirtin!«

»Nun, was tut das zur Sache, daß sie Ihre Wirtin ist?«

Der Sekretär sah ihn mit einem herablassenden Lächeln an, in welchem einerseits Mitleid und Bedauern, andrerseits aber auch ein gewisses Gefühl des Triumphes zum Ausdruck kam, wie über einen Neuling, der zum ersten Male in die Lehre genommen wird. ›Nun‹, sagte sein Lächeln, ›wie ist dir jetzt zumute?‹

Aber was machte Raskolnikow sich jetzt aus einem Schuldscheine und aus der Beitreibung einer Forderung! Um so etwas brauchte er sich jetzt nicht zu beunruhigen; das verdiente überhaupt keine Beachtung. Er stand da, las, hörte, antwortete, stellte sogar selbst Fragen, aber alles rein mechanisch. Das Gefühl des Triumphes darüber, daß er vor dem Untergange bewahrt blieb, die Freude über seine Rettung aus der Gefahr, die ihn bedroht hatte, das erfüllte in diesem Augenblicke sein ganzes Wesen. Alles andre hatte den Platz räumen müssen: die Vorausberechnung der Zukunft, die Zergliederung der eigenen Empfindungen, das Aufgeben und Lösen von Rätseln, die quälenden Zweifel und die immer aufs neue auftauchenden Fragen. Dies war ein Augenblick ganz unmittelbar wirkender, rein animalischer Freude. Aber in ebendiesem Augenblicke spielte sich im Bureau eine Art von Gewitter mit Blitz und Donner ab. Der Polizeileutnant, der über Raskolnikows respektloses Benehmen immer noch sehr erregt und aufgebracht war und offenbar seine erschütterte Autorität wieder zu festigen wünschte, schüttete seinen ganzen Grimm über die unglückliche geputzte Dame aus, die ihn seit seinem Eintritte unausgesetzt mit einem außerordentlich dummen Lächeln angeblickt hatte.

»Ach du, du Person du, na ja, du bist die Richtige!« schrie er plötzlich aus vollem Halse (die Dame in Trauer war bereits weggegangen). »Was ist da bei dir in der vorigen Nacht passiert? Die Schweinerei und Liederlichkeit war ja wieder mal auf der ganzen Straße zu hören! Wieder mal Prügelei und Besoffenheit! Du spekulierst wohl aufs Arbeitshaus? Ich habe es dir ja doch gesagt, zehnmal habe ich es dir ja schon angekündigt, daß ich dich beim elften Male nicht wieder durchlassen werde! Aber du – immer und immer wieder! Du abscheuliches Frauenzimmer, du nichtsnutzige Person du!«

Raskolnikow ließ erstaunt das Schriftstück aus den Händen fallen und blickte ganz entsetzt die geputzte Dame an, mit der so wenig Umstände gemacht wurden. Aber bald begriff er, worum es sich handelte, und sofort fing diese ganze Geschichte an, ihm viel Spaß zu machen. Er hörte mit Vergnügen zu, so daß er sogar Lust bekam zu lachen, einmal über das andre Mal zu lachen . . . Es kitzelte ihn an allen Nerven.

»Aber Ilja Petrowitsch!« begann der Sekretär in beschwichtigendem Tone, hielt dann aber inne, um den richtigen Augenblick abzuwarten; denn wenn der Polizeileutnant einmal in Wut geraten war, konnte man ihn nur zurückhalten, wenn man ihn fest an den Händen packte; das wußte der Sekretär aus eigener Erfahrung.

Was die geputzte Dame anlangt, so zitterte und bebte sie anfangs bei dem gewaltigen Unwetter, das über sie herniederging; aber merkwürdig! je zahlreicher und kräftiger die Schimpfwörter wurden, um so liebenswürdiger wurde ihre Miene, um so bezaubernder ihr Lächeln dem grimmigen Polizeileutnant gegenüber. Sie trippelte an derselben Stelle umher, knickste ohne Unterlaß und wartete ungeduldig darauf, daß ihr endlich erlaubt würde, selbst ein Wort dazwischen zu reden. Und dieser Zeitpunkt kam.

»Lärm und Schlägerei haben bei mir ganz und gar nicht stattgefunden, Herr Hauptmann«, schwadronierte sie auf einmal los, so daß es klang, als ob Erbsen ausgeschüttet würden. Sie sprach das Russische zwar mit stark deutschem Akzent, aber doch fließend. »Gar kein Skandal ist bei mir gewesen, aber auch gar keiner, und sie waren schon betrunken, als sie zu mir kamen, und ich will alles erzählen, wie es war, Herr Hauptmann, und ich habe gar keine Schuld . . . Mein Haus ist ein durchaus anständiges, Herr Hauptmann, und es herrscht ein anständiger Ton darin, Herr Hauptmann, und ich bin immer, immer bemüht gewesen, daß kein Skandal entstände. Sie kamen aber schon ganz betrunken an und ließen sich dann noch drei Flaschen geben, und dann hob einer die Beine in die Höhe und fing an, mit den Füßen Klavier zu spielen, und das ist doch ganz und gar nicht schön in einem anständigen Hause, und er hat das ganze Klavier entzwei gemacht, und das ist doch ganz und gar keine Manier, und das habe ich ihm auch gesagt. Aber er ergriff eine Flasche und fing an, alle von hinten mit der Flasche zu stoßen. Und da habe ich schnell den Hausknecht gerufen, und Karl kam, und da hat er Karl ins Auge geschlagen, und Henriette hat er auch ins Auge geschlagen, und mich hat er fünfmal auf die Backe geschlagen. Und das ist doch kein taktvolles Benehmen in einem anständigen Hause, Herr Hauptmann, und ich habe geschrien. Und er hat ein Fenster nach dem Kanal zu aufgemacht und hat aus dem Fenster hinaus wie ein kleines Schwein gequiekt; das ist doch eine Schande. Wie kann man nur aus dem Fenster nach der Straße zu wie ein kleines Schwein quieken! O pfui, pfui, pfui! Und Karl hat ihn von hinten am Frack vom Fenster weggezogen, und da, das ist wahr, Herr Hauptmann, da hat er ihm seinen Frack zerrissen. Und da fing er an zu schreien, wir müßten ihm fünfzehn Rubel Schadenersatz bezahlen. Und ich habe ihm fünf Rubel für seinen Frack bezahlt, Herr Hauptmann. Und das war ein unfeiner Gast, Herr Hauptmann, und er hat den ganzen Skandal angerichtet! Und dann hat er gesagt: ›Ich werde über Sie eine große Satire drucken lassen; denn ich kann in allen Zeitungen alles mögliche über Sie veröffentlichen.‹«

»Also war es ein Schriftsteller?«

»Jawohl, Herr Hauptmann, und was ist das für ein unfeiner Gast, Herr Hauptmann, wenn er in einem anständigen Hause . . .«

»Na, na! Aber nun genug! Ich habe dir doch schon gesagt und immer wieder gesagt . . .«

»Ilja Petrowitsch!« sagte der Sekretär noch einmal bedeutsam.

Der Polizeileutnant warf ihm einen schnellen Blick zu; der Sekretär nickte leicht mit dem Kopfe.

»Also, hochverehrte Lawisa Iwanowna«, fuhr der Polizeileutnant fort, »das ist nun mein letztes Wort, und ich sage es dir zum letzten Male. Wenn bei dir in deinem anständigen Hause auch nur noch ein einziges Mal Skandal vorkommt, so soll dich der Teufel frikassieren, um mich eines gewählten Ausdrucks zu bedienen. Hast du's gehört? Also ein Literat, ein Schriftsteller hat sich in einem ›anständigen Hause‹ fünf Rubel für einen Frackschoß bezahlen lassen? Ja, so sind sie, diese Schriftsteller!« Dabei warf er einen verächtlichen Blick auf Raskolnikow. »Vorgestern war in einem Restaurant auch so ein Vorfall: einer hat zu Mittag gegessen und will nicht bezahlen. ›Ich werde eine Satire über Sie schreiben‹, sagt der Mensch. Wieder ein andrer hat vorige Woche auf einem Dampfschiffe die ehrenwerte Familie eines Staatsrates, Frau und Tochter, mit den gemeinsten Schimpfworten belegt. Aus einer Konditorei wurde neulich einer mit Schlägen hinausgeworfen. Ja, solche Sorte ist das, diese Schriftsteller, Literaten, Studenten, Maulreißer, . . . pfui! Aber du, mach, daß du wegkommst. Ich werde mal selbst bei dir nachschauen, . . . dann nimm dich in acht! Hast du's gehört?«

Luisa Iwanowna knickste eilig und liebenswürdig nach allen Seiten und zog sich knicksend zur Tür zurück; aber in der Tür stieß sie, rückwärts gehend, gegen einen stattlichen Polizeioffizier mit offenem, frischem Gesichte und prächtigem, dichtem, blondem Backenbarte. Es war der Revieraufseher Nikodim Fomitsch selbst. Luisa Iwanowna machte schnell einen ganz tiefen Knicks fast bis zur Erde; dann hüpfte und flatterte sie mit eiligen, kleinen Schritten aus dem Bureau hinaus.

»Na, haben Sie wieder mal Gepolter gemacht, Blitz und Donner, Wirbelwind und Orkan?« Mit diesen Worten wandte sich Nikodim Fomitsch liebenswürdig und freundschaftlich an Ilja Petrowitsch. »Haben die Leute Sie wieder geärgert? Sind Sie wieder mal hitzig geworden? Ich habe es schon auf der Treppe gehört.«

»Ach was!« erwiderte Ilja Petrowitsch vornehm lässig und ging mit ein paar Schriftstücken an einen andern Tisch hinüber; bei jedem Schritte zog er elegant die betreffende Schulter nach. »Da, sehen Sie nur: dieser Herr Schriftsteller, Student wollte ich sagen, d. h. gewesener Student, hat Schuldscheine ausgestellt, bezahlt aber nicht, räumt seine Wohnung nicht, fortwährend laufen Klagen gegen ihn ein – und dabei begehrte er auf, weil ich mir in seiner hohen Gegenwart eine Zigarette angesteckt hatte! Und er selbst läßt sich eine ganz gemeine Handlungsweise zuschulden kommen! Sehen Sie ihn nur an: da steht er in seiner ganzen verlockenden Pracht!«

»Armut ist keine Schande, liebster Freund! Aber ich weiß schon, wie's zusammenhängt. Sie sind ja bekanntlich das reine Schießpulver und sind mal gleich wieder bei einem scharfen Worte aufgeflammt.« Hier wendete sich Nikodim Fomitsch in liebenswürdigstem Tone zu Raskolnikow: »Sie haben ihm wahrscheinlich etwas übelgenommen und sich dann selbst nicht beherrschen können. Aber zum Übelnehmen hatten Sie keinen Anlaß; denn ich kann Ihnen sagen, er ist der netteste, anständigste Mensch der Welt, aber freilich Schießpulver, das reine Schießpulver! Gleich gerät er in Wut, braust auf, wird hitzig – aber dann ist's auch wieder zu Ende, alles wieder vorbei! Die Hauptsache aber bleibt doch immer sein goldenes Herz! Auch beim Regimente nannten sie ihn ›Leutnant Schießpulver‹ . . .«

»Und was war das für ein feines Regiment!« rief Ilja Petrowitsch, höchst befriedigt, daß man ihn so angenehm gekitzelt hatte, aber immer noch ein bißchen schmollend.

Es wandelte Raskolnikow die Lust an, ihnen allen etwas besonders Angenehmes zu sagen.

»Aber ich bitte Sie, Herr Hauptmann«, begann er, zu Nikodim Fomitsch gewendet, in sehr ungezwungenem Tone, »versetzen Sie sich einmal in meine Lage. Ich bin gern bereit, den Herrn um Entschuldigung zu bitten, wenn ich meinerseits einen Verstoß begangen haben sollte. Ich bin ein armer, kranker Student; die Armut drückt mich ganz zu Boden. Ich mußte die Universität verlassen, weil ich jetzt die Ausgaben nicht bestreiten kann; aber ich werde wieder Geld erhalten. Ich habe eine Mutter und eine Schwester im Gouvernement R . . ., diese werden mir Geld schicken, und ich werde bezahlen. Meine Wirtin ist eine brave Frau; aber weil ich meine Privatstunden verloren und ihr nun schon seit mehr als drei Monaten nichts bezahlt habe, ist sie so böse geworden, daß sie mir sogar kein Mittagessen mehr schickt. Und ich begreife gar nicht, was sie mit diesem Schuldschein will. Jetzt verlangt sie von mir Zahlung auf Grund dieses Schuldscheins; aber wie kann ich denn zahlen, sagen Sie selbst!«

»Aber das geht uns nichts an . . .«, warf der Sekretär wieder dazwischen.

»Gestatten Sie gütigst, gestatten Sie gütigst, ich bin ja darin ganz Ihrer Meinung, aber gestatten Sie mir gütigst, Ihnen darzulegen«, unterbrach ihn Raskolnikow wieder; er wendete sich aber dabei nicht an den Sekretär, sondern immer an Nikodim Fomitsch und bemühte sich, soviel er nur vermochte, seine Worte auch an Ilja Petrowitsch zu richten, obgleich sich dieser hartnäckig so stellte, als krame er in den Akten herum und beachte ihn in geringschätziger Weise gar nicht, »gestatten Sie auch mir gütigst, Ihnen meinerseits darzulegen, daß ich schon ungefähr drei Jahre bei ihr wohne, gleich von meiner Ankunft aus der Provinz an, und daß ich früher . . . früher . . . nun, warum soll ich es nicht eingestehen? Ich habe gleich am Anfange das Versprechen gegeben, ihre Tochter zu heiraten, ein mündliches, vollkommen freiwilliges Versprechen; . . . sie war ein junges Mädchen, . . . übrigens, sie gefiel mir sogar ganz gut, . . . wiewohl ich nicht eigentlich verliebt war, . . . mit einem Worte: die Jugend, die Jugend! Ich wollte also sagen, daß meine Wirtin mir damals viel Kredit gab und daß ich . . . nun ja, daß ich etwas leichtsinnig lebte . . .«

»Solche intimen Mitteilungen verlangen wir von Ihnen gar nicht, mein Herr, und wir haben auch keine Zeit, dergleichen anzuhören!« unterbrach ihn Ilja Petrowitsch grob und triumphierend; aber Raskolnikow in seinem Eifer ließ sich nicht hemmen, obwohl ihm jetzt auf einmal das Reden außerordentlich schwerfiel.

»Gestatten Sie mir bitte, Ihnen alles zu erzählen, . . . wie alles zusammenhing, und . . . der Reihe nach . . . Allerdings ist es eigentlich unnötig, das hier zu erzählen; darin bin ich ganz Ihrer Meinung . . . Aber vor einem Jahre starb dieses junge Mädchen am Typhus, und ich blieb wohnen, wie vorher, und als die Wirtin in ihre jetzige Wohnung zog, da sagte sie mir, und zwar freundschaftlich, sie schenke mir volles Vertrauen usw. . . ., aber ob ich ihr nicht einen Schuldschein über einhundertundfünfzehn Rubel ausstellen wolle; so hoch berechnete sie meine Schuld. Bitte zu beachten: sie sagte ausdrücklich, wenn ich ihr einen solchen Schein ausstellte, so werde sie mir wieder so viel Kredit gewähren, wie ich nur irgend wünschte, und niemals, niemals – das waren ihre eigenen Worte – werde sie von diesem Papiere Gebrauch machen, bis ich von selbst zahlen würde . . . Und jetzt, wo ich meine Privatstunden verloren und nichts zu essen habe, beantragt sie die Beitreibung. Was soll man dazu sagen?«

»Alle diese gefühlvollen Einzelheiten berühren uns hier gar nicht, mein Herr!« Damit schnitt ihm Ilja Petrowitsch in brutalem Tone das Wort ab. »Sie müssen eine Erklärung abgeben und eine Verpflichtung übernehmen; ob Sie aber verliebt waren, und überhaupt all diese pathetischen Erörterungen, das geht uns gar nichts an.«

»Na, seien Sie nur nicht zu hart«, murmelte Nikodim Fomitsch, setzte sich an einen Tisch und begann Schriftstücke zu unterschreiben. Er schien sich wegen der Schroffheit des andern zu schämen.

»Nun, dann schreiben Sie!« sagte der Sekretär zu Raskolnikow.

»Was soll ich schreiben?« fragte dieser recht grob.

»Ich werde es Ihnen diktieren.«

Raskolnikow hatte den Eindruck, als ob jetzt, nach seiner Beichte, der Sekretär ihn nachlässiger und geringschätziger behandelte; aber seltsam! ihm selbst war es auf einmal völlig gleichgültig geworden, was jemand über ihn dachte, und dieser Umschwung hatte sich in einem Nu, in einem Moment vollzogen. Hätte er nur ein wenig nachdenken mögen, so würde er sich sicherlich darüber gewundert haben, wie er eine Minute vorher mit ihnen in dieser Weise hatte sprechen und sich ihnen sogar mit seinen Gefühlen hatte aufdrängen können. Und ferner: wie war er denn überhaupt zu dieser gefühlvollen Stimmung gekommen? Jetzt dagegen – selbst wenn das Zimmer auf einmal mit seinen besten Freunden statt mit Polizeibeamten gefüllt gewesen wäre, auch dann hätte er wohl kaum ein vertrauliches Wort für sie in seinem Innern gefunden, so leer war plötzlich sein Herz geworden. Ein düsteres Gefühl qualvoller, grenzenloser Vereinsamung und Fremdheit hatte auf einmal von seiner Seele Besitz ergriffen. Nicht daß er sich durch seine Herzensergießungen vor Ilja Petrowitsch so erniedrigt hatte, nicht daß dieser Polizeileutnant in so demütigender Weise über ihn triumphiert hatte – das war es nicht, wodurch diese schnelle Umwandlung seiner Seelenstimmung herbeigeführt war. Oh, was kümmerte ihn jetzt sein eigenes, unwürdiges Benehmen und alles Ehrgefühl, was kümmerten ihn alle Polizeileutnants, deutschen Weiber, Geldbeitreibungen, Polizeibureaus usw. Und wenn man ihn jetzt zum Scheiterhaufen verdammt hätte, auch dann hätte er sich nicht gerührt, auch dann hätte er sogar kaum einmal das Urteil aufmerksam mit angehört. In ihm hatte sich etwas ihm ganz Unverständliches, Neues, Plötzliches und noch nie Dagewesenes vollzogen. Aber wenn ihm auch das Verständnis dafür abging, so empfand er doch klar und deutlich und mit aller Kraft des Empfindens, daß es ihm nicht mehr möglich war, sich mit gefühlvollen Mitteilungen oder überhaupt mit irgendwelchen Äußerungen an diese Leute im Polizeibureau zu wenden, und daß, selbst wenn er lauter eigene leibliche Brüder und Schwestern und keine Polizeileutnants um sich hätte, er sich nicht zu ihnen aussprechen dürfte, nie, wie auch immer sich das weitere Leben gestalten mochte; er hatte bis zu diesem Augenblicke noch nie eine derartige seltsame und fürchterliche Empfindung durchgemacht. Und was das Qualvollste dabei war: es war mehr Empfindung als Bewußtsein oder Erkenntnis; es war eine ganz unmittelbare Empfindung, peinvoller als alle, die ihm das Leben bisher gebracht hatte.

Der Sekretär begann, ihm das Schema der in solchem Falle üblichen Erklärung folgenden Inhalts zu diktieren: Ich kann nicht zahlen; ich verspreche, es dann und dann zu tun; ich werde die Stadt nicht verlassen, meine Habe weder verkaufen noch verschenken usw.

»Aber Sie sind ja gar nicht imstande zu schreiben; die Feder fällt Ihnen ja aus der Hand«, bemerkte der Sekretär und blickte Raskolnikow verwundert an. »Sind Sie krank?«

»Ja, . . . mir ist schwindlig . . . Diktieren Sie weiter!«

»Es ist zu Ende. Unterschreiben Sie.«

Der Sekretär nahm das Schriftstück hin und beschäftigte sich wieder mit seinen andern Papieren.

Raskolnikow legte die Feder hin; aber statt aufzustehen und wegzugehen, setzte er beide Ellbogen auf den Tisch und preßte die Hände um seinen Kopf. Es war ihm, als würde ihm ein Nagel in den Scheitel geschlagen. Es kam ihm ein wunderlicher Einfall: sofort aufzustehen, zu Nikodim Fomitsch hinzutreten und ihm das ganze gestrige Ereignis zu erzählen, alles, bis auf die geringsten Einzelheiten, und ihn dann in sein Kämmerchen zu führen und ihm in der Ecke in der Höhlung die Wertsachen zu zeigen. Der Drang, dies zu tun, war so stark, daß er schon aufstand, um es auszuführen. ›Ob ich nicht gut täte, es wenigstens noch einen Augenblick zu überlegen?‹ ging es ihm durch den Kopf. ›Nein, ich tue es lieber ohne jedes Besinnen; dann bin ich die Last los.‹ Aber plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen: Nikodim Fomitsch redete eifrig zu Ilja Petrowitsch, und er hörte folgende Worte:

»Es geht nicht; sie müssen beide freigelassen werden. Erstens spricht alles gegen ihre Schuld; urteilen Sie selbst: Welchen Anlaß hatten sie, den Hausknecht zu holen, wenn sie die Tat begangen hatten? Um sich selbst zu denunzieren? Oder aus Schlauheit? Nein, das wäre nun doch schon überschlau! Und dann: den Studenten Pestrjakow haben die beiden Hausknechte und eine Bürgerfrau dicht am Torwege gesehen, gerade in dem Augenblicke, als er hineinging; er kam mit drei Freunden und trennte sich von ihnen unmittelbar beim Torwege, und dann erkundigte er sich bei den Hausknechten nach der Wohnung, während seine Freunde noch dabeistanden. Na, wie wird sich denn einer nach der Wohnung erkundigen, wenn er mit solcher Absicht kommt! Und Koch, der hat, bevor er zu der Alten ging, eine halbe Stunde unten bei dem Goldschmied gesessen und ist genau um dreiviertel acht von ihm zu der Alten hinaufgegangen. Nun halten Sie das einmal zusammen . . .«

»Aber erlauben Sie, wie erklärt sich denn der Widerspruch in ihren Angaben: sie sagen selbst, sie hätten geklopft, und die Tür sei von innen zugesperrt gewesen und als sie drei Minuten nachher mit dem Hausknecht hinaufkamen, stellte es sich heraus, daß die Tür offen war!«

»Das ist ja eben der Witz! Der Mörder saß jedenfalls drinnen und hatte den Riegel vorgelegt; und er wäre sicher dort abgefaßt worden, wenn Koch nicht die Dummheit begangen hätte, auch noch hinunterzugehen, um den Hausknecht zu holen. Und gerade diese Zwischenzeit hat der Mörder benutzt, um die Treppe hinunterzugehen, und er hat es auf irgendeine Weise fertiggebracht, an ihnen vorbeizuschlüpfen. Koch bekreuzigt sich mit beiden Händen und sagt: ›Wenn ich dageblieben wäre, dann wäre er herausgesprungen und hätte mich mit dem Beile totgeschlagen.‹ Er will ein Dankgebet für seine Rettung abhalten lassen, ha-ha-ha! . . .«

»Und den Morder hat niemand gesehen?«

»Wie soll man da einen sehen? Das Haus ist die reine Arche Noah«, bemerkte der Sekretär, der von seinem Platze aus zugehört hatte.

»Die Sache ist ganz klar, ganz klar!« rief Nikodim Fomitsch eifrig.

»Nein, die Sache ist sehr unklar!« entgegnete der hartnäckige Ilja Petrowitsch.

Raskolnikow ergriff seinen Hut und ging nach der Tür zu, aber er erreichte sie nicht . . .

Als er wieder zu sich kam, sah er, daß er auf einem Stuhle saß, daß ihn von rechts jemand stützte und auf der linken Seite ein andrer mit einem gelblichen Glase voll gelblichen Wassers stand und daß Nikodim Fomitsch vor ihm stand und ihn aufmerksam anblickte. Er stand vom Stuhle auf.

»Was ist denn mit Ihnen? Sind Sie krank?« fragte Nikodim Fomitsch in ziemlich scharfem Tone.

»Schon als er vorhin nachschrieb, konnte er kaum die Feder halten«, bemerkte der Sekretär, indem er sich wieder an seinen Platz setzte und sich von neuem an seine Papiere machte.

»Sind Sie schon lange krank?« rief Ilja Petrowitsch von seinem Platze aus, wo er nun gleichfalls in seinen Papieren kramte.

Auch er hatte natürlich den Kranken betrachtet, während dieser in Ohnmacht lag, war aber sofort wieder zurückgetreten, als er zu sich kam.

»Seit gestern«, murmelte Raskolnikow.

»Sind Sie gestern aus dem Hause gegangen?«

»Ja.«

»Krank?«

»Ja.«

»Zu welcher Zeit?«

»Zwischen sieben und acht Uhr abends.«

»Und wohin, wenn man fragen darf?«

»Auf die Straße.«

»Nun, Sie antworten ja sehr kurz und klar.«

Raskolnikow hatte seine Antworten in scharfem Tone hervorgestoßen; er war leichenblaß, schlug aber seine schwarzen, entzündeten Augen vor Ilja Petrowitschs Blick nicht nieder.

»Er kann sich kaum auf den Beinen halten, und Sie . . .« wollte Nikodim Fomitsch einwenden.

»Das tut nichts!« erwiderte Ilja Petrowitsch mit auffälliger Betonung.

Nikodim Fomitsch beabsichtigte, noch etwas hinzuzufügen; aber als er den Sekretär ansah, der gleichfalls seinen Blick unverwandt auf ihn richtete, schwieg er. Auf einmal schwiegen alle. Das machte einen seltsamen Eindruck.

»Nun gut«, schloß Ilja Petrowitsch. »Wir wollen Sie nicht länger aufhalten.«

Raskolnikow ging hinaus. Er konnte noch hören, wie nach seinem Fortgehen sofort ein lebhaftes Gespräch begann, aus welchem Nikodim Fomitschs fragende Stimme am lautesten heraustönte . . . Sobald er auf der Straße war, kam er wieder völlig zu sich. ›Eine Haussuchung, eine Haussuchung; sie werden sofort eine Haussuchung vornehmen!‹ sprach er vor sich hin und beeilte sich, nach Hause zu kommen. ›Die Kanaillen haben Verdacht auf mich!‹ Wieder packte ihn die Angst und schüttelte ihn vom Kopf bis zu den Füßen.

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