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Schriften in eigener Sache

Ernst Barlach: Schriften in eigener Sache - Kapitel 5
Quellenangabe
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typemisc
authorErnst Barlach
booktitleProsa aus vier Jahrzehnten
titleSchriften in eigener Sache
publisherUnion Verlag Berlin
editorElmar Jansen
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090407
projectidf15596bf
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Über das Magdeburger Mal

Sie wünschen von mir einige Daten, deren Niederschrift mich im Umsehen in eine Auslegung der Darstellung meiner Absichten bei Herstellung der Arbeiten verwickelte, eine Darlegung, die ich am Ende entschlossen verwarf, indem ich mich in meiner Lage als Autor bloßgestellt fühle, wenn ich mit andern als künstlerischen Mitteln eine Beeinflussung der Meinungen versuchen wollte. Mein Teil ist getan. Was ich zu sagen hatte, ist von mir nicht anders zu leisten. Die meiner Aufgabe gebührenden Aufwendungen an Kraft und Hingebung sind bis zur äußersten Möglichkeit getan. Alles, was ich noch dazutun könnte, wird schwächer ausfallen, als ich im Werk vermochte. Dazu kommt, ich spreche für mich, wenn ich in Worten verdeutlichen wollte, was ich in plastischer Form zu sagen mich gedrungen fühlte.

Mein größtes und – wie ich hinzufügen muß – verantwortungsvollstes Holzbildwerk ist aus einer realistischen Bildvorstellung erwachsen. Im Dom gilt nicht die Rede des Alltags, das Wunder des Bogens schließt aus seinem Bereich das Wirkliche aus und fordert das Gleichnis. Die Wirklichkeitsgestalten meines Totenmals ordnen sich zum Einklang mit dem überwölbenden Bogen und bekennen sich als Individuen zu Gliedern einer übergeordneten Wirklichkeit, dienen bei allem Bleiben im Persönlichen einem Begriff des Gestaltseins über den menschlichen Bereich hinaus. Ihr Gewesenes ist durch Fugung und Linienführung zu einem Gewordenen eingegangen, sie nehmen an einem Ganzen teil, das durch sie ein verklärtes Leben empfängt, – nicht ohne ihnen wieder davon mitzuteilen. Die Erschütterung der Todgeweihten durch Leiden brachte ihnen nicht den Zusammenbruch, sondern ließ sie in eine höhere Sphäre hinaufgelangen, wo kein Sinnloses mehr schreckt, keine bittere Notwendigkeit immanentes Vertrauen begräbt. Zwar das Kreuz, das große Grabkreuz des Massentodes, ist schicksalhaft zwischen sie gestellt, zwar eint sie ein furchtbares Verhängnis, aber sie sind der schwersten Mahnung gewachsen.

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