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Schöne wilde Welt

Richard Dehmel: Schöne wilde Welt - Kapitel 58
Quellenangabe
typepoem
booktitleSchöne wilde Welt
authorRichard Dehmel
firstpub1913
year1913
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleSchöne wilde Welt
created20040919
sendergerd.bouillon
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Die Kette

                                  Du hast mir eine Kette geschenkt.
Ich soll sie um meinen Nacken legen.
Ich werde sie tragen, um meinen stolzen Hals,
offen auf meiner Brust vor allen Leuten:
Du hast mir ja die Kette geschenkt.
Ich möcht auch heimlich mein Herz dran hängen;
Himmel, mein Herz, woran hängt es schon?
An den Blicken meiner treuen Frau,
an den Locken manches treulosen Fräuleins,
an den Schmucksachen, die sie zu Weihnachten wünschten,
den Schmetterlingen, die wir im Hochsommer haschten,
an den Zugvögeln, die jetzt über uns wegziehn,
den fremden Blumen, die sich jenseits der Meere
auf paradiesischen Bäumen schaukeln,
an dem unvergeßlichen Horizont meiner Heimat
und den feurigen Sternen nie erblickter Zenithe,
an alldem, alldem hängt mein Herz,
mein armes Herz. Sprecht, gütige Sterne:
wie fass ich soviel Reichtum zusammen? –
Du hast mir eine Kette geschenkt! – –
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