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Schöne wilde Welt

Richard Dehmel: Schöne wilde Welt - Kapitel 51
Quellenangabe
typepoem
booktitleSchöne wilde Welt
authorRichard Dehmel
firstpub1913
year1913
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleSchöne wilde Welt
created20040919
sendergerd.bouillon
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Psalm zweier Sterblichen

Der Mann

        Göttin Zukunft,
mit gefesselten Händen hältst du
eine geschlossene Schriftrolle,
drin mein Schicksal verzeichnet steht.
Langsam, Tag für Tag,
ringe ich deinen Fingern
Zoll für Zoll die Urkunde ab,
Zeile für Zeile.
Bis der Augenblick kommt,
wo das entrollte Papier,
eh ich das letzte Wort noch las,
meinem erschöpften Arm entfällt;
und mit gefesselten Händen
gibst du den Winden zur Sage anheim,
was ich tat.

Das Weib
(von Ida Dehmel)

Schicksalsgöttin,
ich liege vor dir auf den Knieen.
Du hältst in deinen, ach, gefesselten Händen
eine goldene Tafel,
drin die Namen nur derer eingegraben stehn,
die Unvergeßliches taten.
Auf den Knieen, Schicksalsgöttin,
bitte ich dich:
Laß mich nicht ins Namenlose versinken!
Spreng deine Fesseln – oder
nur einen Augenblick
reich mir die goldene Tafel,
und neben die Runen der Helden und der Weisen
schreibe ich hinsinkend:
Ich liebte.
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