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Schön Lisbeth

Frances Hodgson Burnett: Schön Lisbeth - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorFrances Hodgson Burnett
titleSchön Lisbeth
publisherGreßner & Schramm
yearo.J.
translatorWalter Eichner
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140623
projectida588876d
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Achtes Kapitel. Wandlungen

Das nächste Mal, als Georgy sich allein mit Herrn Anstruthers traf, hielt sie ihm eine sehr strenge Gardinenpredigt über seine kurz angebundene Art und Weise.

»Ich wußte, daß es Ihnen wieder belieben würde, sich als Satiriker aufzuspielen und scharfe, bissige Reden zu führen,« sagte sie mit der anmutigsten Gereiztheit, die man sich vorstellen konnte – »aber ich habe doch nicht geglaubt, daß Sie so weit gehen würden, direkt grob zu werden, und am allerwenigsten habe ich geglaubt, daß jemand Lisbeth gegenüber sich so benehmen könnte! Lisbeth, die doch so gut und so selbstlos und so nett ist und die meine liebste Freundin ist.«

Hektor Anstruthers sah ihr fast traurig in das süße Gesicht.

»Ist sie gut und selbstlos und nett?« sagte er. Aber die Frage war keine Satire. Er stellte sie nur in einer Art von zarter Verwunderung an den unschuldigen Glauben des Mädchens.

»So wie sie giebt's ja doch niemand auf Erden; niemand, der so gut und brav ist, ausgenommen höchstens Mama selbst,« rief Miß Georgy mit Wärme aus. »Aber Lisbeths Güte geht über das gewöhnliche Niveau hinaus, und ich meine, daß dies der Grund ist, weshalb selbst Sie für dieselbe kein Auge haben, trotzdem Sie einen so weiten Blick haben und ein so kluger Herr sind. Ich meinesteils freue mich, daß ich kein Genie bin, wenn man, um ein Genie zu sein, blind sein muß gegen alles, bloß nicht gegen die Fehler von jemand, den man zu seinen Freunden zählt. Ach, Hektor!« rief sie, und eine plötzliche Regung von Mitleid rührte sich in ihrer zarten Brust, als sie seinen Augen begegnete. »Ach, Hektor! die Leute beneiden Sie oft und nennen Sie glücklich, aber es giebt Momente, – Momente, wo Sie mir – wo Sie mir aus tiefstem Herzen leid thun.«

»Georgy,« gab der junge Mann zur Antwort, nicht ganz imstande, ein Beben in seiner Stimme zu meistern – »es giebt solche Momente, wo ich mir selbst recht leid thue, mehr als Sie sich träumen lassen.«

»Wo Sie sich selbst leid thun?« sagte Georgy im Nu weich werdend. »Dann müssen Sie unglücklicher sein als ich dachte. Wenn man sich selbst leid thut, dann muß man in der That unglücklich sein. Aber warum ist dem so? Warum sollten Sie denn schließlich unglücklich sein müssen? Warum sollten Sie cynisch und allen Glaubens bar sein müssen, Hektor? Die Welt hat's doch sehr gut mit Ihnen gemeint, oder, wie wir meiner Meinung nach wohl besser sagen würden, Gott ist sehr gütig gegen Sie gewesen. Was haben Sie nicht erlangt, das Ihnen noch erwünscht sein könnte? Was entbehren Sie noch? Sie haben Geld, Sie haben Gesundheit, Sie haben Freunde. Ist's denn nicht einigermaßen undankbar, wenn Sie darauf beharren wollen, sich als grollender Löwe aufzuspielen, wo Ihnen doch so viel und dieses viel so reichlich beschert worden ist?«

»Ja,« gab Anstruthers düster zur Antwort. »Es ist in der That sehr undankbar.«

»Undankbar? Jawohl! das ist's auch, wenigstens ist das so meine Meinung!« antwortete Georgy hierauf, indem sie, wie sie es immer gern that, zweifelhaft mit dem Kopfe schüttelte. »Ach, Sie armer Mensch! Ich fürchte, ein bißchen Unglück ist's, was Ihnen not thut, und das zu sehen, das thut mir herzlich weh!«

Es war keine Merkwürdigkeit, daß Georgy Esmond allgemein beliebt war. Sie war eines von jenen liebreizenden Mädchen, die ausnahmslos auf ihre Mitmenschen einen guten Eindruck machen, eine gute Wirkung üben. Sie war selbst so gut und brav, so unschuldig, so ehrlich und rechtschaffen, so vertrauensvoll, daß sie wirklich die Atmosphäre zu versüßen schien, wohin sie auch immer den Fuß setzte.

Der schlimmste Mann, wenn er ihren zarten, frischen, herzigen Reden zuhörte, bekam die Empfindung, daß die Welt schließlich doch so schlecht nicht wäre, und daß sich noch immer Milde und Sanftmut und Lauterkeit darin vorfänden, um durch den grellen Kontrast die Sünde noch schändlicher erscheinen zu lassen.

»Ein Mensch, der sich in ihrer Gesellschaft befindet,« so ging die Rede, »vergißt seine schlimmsten Eigenschaften.« Ebenso: »Sie bringt einem Manne das Gefühl bei, daß er seine Schattenseiten gern vor sich selber verbergen möchte.«

Die Wirkung, die sie auf Hektor Anstruthers hervorbrachte, war seltsamer und nicht ungefährlicher Art. Auch er schämte sich ihr gegenüber vor sich selbst, und sein Herz füllte sich, wenn er bei ihr war, mit zartem Sehnen und leiser Klage.

Wäre nicht die Erfahrung gewesen, die er mit Lisbeth gemacht hatte, so würde er dies Mädchen leidenschaftlich geliebt haben.

So wie die Verhältnisse lagen, würde die Neigung, die er für sie fühlte, niemals, wenn sie auch noch voller Bewunderung war, über den Grad einer brüderlichen Liebe hinausgehen.

Er nährte in einem fort den Wunsch, daß ihm das Schicksal Georgy bestimmt haben möchte; Georgy, die ihm die reinste und lieblichste aller jugendlichen Hausgöttinnen zu sein schien; Georgy, die sein Leben glücklich und rein und friedvoll gestaltet haben würde.

Wenn es bloß Georgy gewesen wäre statt Lisbeths!

Aber es war Lisbeth gewesen, und sein Altarfeuer war ausgebrannt und hatte ihm nichts hinterlassen als einen Haufen von kalter, grauer Asche.

Und doch konnte er, da er dies wußte, Georgy nicht gänzlich aufgeben. Der bloße Anblick ihres frischen, helläugigen Gesichts war ihm ein Bedürfnis, ein Beistand, ein Trost, und der Klang ihrer Stimme ein Balsam.

Er wurde täglich freundlicher, umgänglicher in seinem Wesen. Ihre herzlich gemeinten kleinen, echt mädchenhaften Ansprachen rührten und erwärmten ihn.

Während Lisbeth ihn böser gemacht hatte, machte Georgy Esmond ihn besser. Aber die Gefahr! die Gefahr drohte nicht für ihn – die Gefahr drohte für Georgy.

Der Tag dämmerte langsam herauf, wo die harmlose Freundschaft und Bewunderung, die dieses Mädchen für ihn hegte, sich zu einer anderen Empfindung ausgestaltete.

Als sie anfing, Mitleid mit ihm zu fühlen, da fing sie an, auf unsicherem Boden zu wandeln.

Sie hatte in ihrem Leben keine klägliche Erfahrung erlitten; sie fühlte keine untröstliche Leidenschaft; ihr Herz war noch frei von aller Prüfung, und seine augenscheinliche Neigung setzte es in schwachen Aufruhr, selbst ehe sie Verständnis für ihre Empfindungen gewann.

Sie meinte, ihre knospende Liebe wäre Mitleid, und ihre zarte Liebe wäre Mitgefühl.

Es war ihm, dem armen Gesellen, auf irgend welche Weise Herzeleid widerfahren, und das that ihr leid, darum that er ihr leid!

»Ganz gewiß meint er die schlimmen Sachen, von denen er manchmal redet, so ernst nicht,« sagte sie zu Lisbeth. »Ich meine, diese satirische Art zu reden ist mehr eine schlimme Angewohnheit als irgend etwas anderes. Mama ist auch dieser Meinung, aber,« – und bei diesen Worten schlich sich eine leichte, schuldlose Nöte auf ihre Wangen – »wir haben ihn ja beide so gern, daß wir nicht anders können als beklagen, daß er in solche Gewöhnung verfallen ist.«

»Es ist wohl heutzutage so eine Art von Mode,« versetzte Lisbeth – sie fühlte wohl eilt gewisses Verlangen, zu diesem kurzen Austausch von Meinungen noch einen verletzenden kurzen Spott hinzuzufügen, aber um Georgys willen hielt sie mit ihm zurück.

Allerdings war ihr so etwas möglich gewesen!

Während sie vordem ihre Regungen niemals zurückgehalten oder eingedämmt, hatte sie es jetzt allmählich, seitdem sie dieses Mädchen kannte, gelernt.

Bei den zwei, drei Anlässen in dem ersten Stadium ihrer Bekanntschaft, wo sie ihrem bösen Geiste die Zügel hatte schießen lassen, da hatten der plötzliche Schmerz und die plötzliche Bewunderung, die sich auf Georgys Gesicht gemalt hatten, ihr einen so plötzlichen Stich gegeben, daß sie zu dem Entschlusse gelangt war, ihr unbilliges Wesen wenigstens in Gegenwart von diesem Mädchen fallen zu lassen.

Bisweilen hatte sie sogar den Wunsch gefühlt, milderen Herzens und weniger selbstsüchtig gewesen zu sein. Es war so unschön, so unerquicklich, sich just so zu sehen, wie sie war, sobald sie jene süße Atmosphäre atmete, von der ich gesprochen.

Georgy Esmond ward die Ursache, daß Lisbeth Crespigny bei mehr als einem Anlasse die Geduld mit sich verlor.

»Ich bin ein heuchlerisches Ding,« sagte sie zu sich. »Wenn sie wüßte, wer ich bin, was würde sie dann von mir denken? Was würde Mrs. Esmond sagen, wenn sie wüßte, wie kavaliermäßig ihre ›teure Lisbeth‹ jene drei liebevollen alten Seelen in Pen'yllan behandelt hatte? Ich erlange alles unter falschen Voraussetzungen.« Und eines Abends, als sie vor dem Spiegel saß und sich das Haar kämmte, da setzte sie zornig hinzu: »Ich bin durch und durch falsch und selbstsüchtig und glaube, sie werden mich wohl noch lehren, mich vor mir selbst zu schämen.«

So verhielt es sich auch thatsächlich.

Diese beiden herzigen Frauen, diese sanfte Mutter und ihre sanfte Tochter, lehrten sie, sich vor sich selbst zu schämen.

Sie wand sich voll Schmerzen unter dieser Überzeugung, denn sie fühlte, daß sich gegen ihre Wahrheit nichts sagen ließe.

Ihre Eigenliebe war verwundet, aber es kam der Tag, wo dieses vollkommene, hartnäckige Selbstvertrauen, welches das hauptsächliche charakteristische Merkmal von ihr war, nicht wenig erschüttert wurde.

»Ich würde ganz gern ein besseres Frauenzimmer werden,« pflegte sie in einer Art von hartnäckigem Verdrusse zu sagen. »Es ist tatsächlich so weit gekommen, daß ich ein besseres Frauenzimmer sein würde, wenn ich es könnte, aber ich kann es nicht. Es liegt nicht in mir. Ein gutes und braves Frauenzimmer zu sein, dazu bin ich nicht geboren worden.«

Je mehr sie mit Esmonds umging, desto mehr lernte sie.

Der Haushalt war ein so angenehmer und gemütlicher und war trauten Reizes und herzlicher Liebe so voll!

Wie stolz der brave alte Colonel auf seine hübsche Tochter war! Wie er sich weidete an ihren Triumphen und den Geschmack ihrer zahlreichen Bewunderer lobte! Wie entzückt er war, sie zu Abendgesellschaften zu führen oder auf die vornehmsten Bälle, und den Abend damit zu verbringen, daß er zusah, wie sie tanzte und sich freute und ihren lustigen kleinen Hof hielt – ohne daß er sich im geringsten darum bekümmerte, daß seine Gicht ihm leicht beschwerlich werden könnte, wenn er sich, statt in seinen großen Pantoffeln, in engen Schuhen bewegte.

Es war ihm vollauf genügend, daß dieses Mädchen ihre Freude hatte, und daß die Leute ihrem Liebreiz, ihrer Frische und Blüte Bewunderung zollten.

Und mit welcher Liebe das halbe Dutzend kleinerer Geschwister an ihrer Georgy hing, und was für ein Trost und was für eine Erleichterung und Stütze dieses Mädchen ihrer Mutter war!

Es war für Lisbeth Crespigny wahrhaft erziehend und bildend, diese Familie zusammen zu sehen. Es hatte sogar den Anschein, als ob sie nach und nach einigermaßen Georgys Art und Weise, für andere zu sorgen, annähme. Wie konnte sie denn zunächst anders, als sich für die gütigen Herzen zu interessieren, die so warm für sie schlugen!

Und während sie so allmählich zu einem liebreichen, leutseligen Charakter gelangte, besann sie sich auf Dinge und Umstände, die sie beinahe schon vergessen hatte. Wenn sie nicht geboren war, ein gutes und braves Weib zu werden: warum hätte sie nicht versuchen sollen, den Fall ein bißchen milder zu gestalten? so lautete die Frage, die ihre cynische Phantasie stellte.

Warum nicht den drei guten und braven alten Jungfern in Pen'yllan die Wohlfahrt ihrer neuen Erfahrung zu teil werden lassen? Es würde ja so geringe Störung und Mühe machen, ihre Herzen aufzuheitern.

So nahm sie, mit einem von Ungeduld nicht ganz freien Mitleid an sich selbst und an ihnen die Aufgabe auf sich, ihnen öfter und längere Briefe zu schreiben; und häufig, ehe ihre Briefe zum Abschluß gelangten, ward sie von gewisser Rührung ergriffen, und es geschah ihr sogar, daß sie um eine Wenigkeit liebenswürdiger und zutraulicher wurde, als es sonst ihre Gewohnheit war.

Bloß eine armselige, geringfügige Anstrengung war es, die ihr das gekostet hatte; aber die lieben, schlichten Herzen in Pen'yllan begrüßten die Veränderung mit der innigsten Freude, und Tante Millicent und Tante Clarissa und Tante Hetty vergossen heimlich, jede für sich, Thränen schwärmerischer Begeisterung – heimlich für sich, denn wenn sie sich offen ausgeweint hätten, so würde das ja ein wechselseitiges Zugeständnis gewesen sein, daß sie Lisbeths frühere Briese kalt und herzlos, oder doch wenigstens ganz und gar nicht nach ihrem Wunsche gefunden hätten.

»Ganz so, wie unseres lieben, lieben Philipps einziges Kind,« sagte Miß Clarissa, die gewöhnlich das Organ der Familie war. »Du weißt, wie oft ich die Bemerkung gemacht habe, Schwester Henrietta, daß unsere liebe Lisbeth in allen Hinsichten wie Bruder Philipp war, wenn sie auch zeitweilig vielleicht ein bißchen – nun ja, ein bißchen zurückhaltender gewesen sein mag. Von Natur ist sie ganz ohne Frage das liebreichste Geschöpf.

Jener glückliche und viel umschwärmte junge Mann, Herr Hektor Anstruthers, traf nicht allein öfters Miß Crespigny, sondern hörte auch sehr viel von ihr und über sie. Unvollkommen wie sie uns erscheinen mag, die wir zu Gericht über sie sitzen, waren der Namen ihrer Verehrer und Verehrerinnen doch Legion. Ihr freundschaftliches Verhältnis zu der Familie Esmond brachte sie in sehr lustige und vornehme Gesellschaft, in eine weit erlauchtere Gesellschaft, als das Beschützertum von Mrs. Despard ihr jemals hätte vermitteln können.

Und nachdem sie diesen Vorteil für sich hatte, thaten ihre kleinen Besonderheiten das übrige.

Ihre mächtig großen, schattigen Augen, ihr kleines, blasses, pikantes Gesicht, die seltsame Herrschaft, die sie über sich übte, ihr Witz und ihre zahlreichen Talente und Fähigkeiten zogen die Menschen in ganz wunderbarer Weise an.

Sogar hartgesottene alte Stutzer, die zwei, drei Generationen von Schönheiten durchgelebt hatten, und die demzufolge satt und blasiert waren, fanden einen unbeschreiblichen Reiz an dieser kaustischen, schneidigen jungen Person, die, wenn man den gewöhnlich gültigen Maßstab anlegen wollte, in Wirklichkeit ganz und gar keine eigentliche Schönheit war.

Sie war zu klein, zu blaß, zu absonderlich: aber wo konnte man so große, veränderliche, dunkle Augen finden? wo einen so feinen, echt künstlerischen Geschmack? wo eine so dichte Masse des herrlichsten Haares? und wo eine solche Stimme?

»Und von all diesem ganz abgesehen,« lautete die Rede über sie – »fällt noch etwas anderes am meisten ins Gewicht. Man muß sie reden hören, beim Zeus! Sehen muß man, wie sie einen Mann am Gängelbande führen kann, wenn's ihr beliebt, sich die Mühe dazu zu nehmen: sehen muß man, wie wenig sie auf die schönen Redensarten giebt, von denen sich andere Frauen gern beeinflussen lassen. Tanzen muß man sie sehen, singen muß man sie hören, und dann erst wird man für sie Verständnis zu gewinnen anfangen. Ein Mann kann ihrer niemals überdrüssig werden: denn was sie in ihrer Laune sein will, das ist sie voll und ganz, und sie bleibt sich immer in jeder Faser gleich.«

»Das stimmt, der Himmel weiß es,« flüsterte Hektor Anstruthers bitter in sich hinein, während er den Blick durch das Zimmer nach ihr hinlenkte.

Sie stand bei Colonel Esmond und plauderte mit ihm. Die Lobesphrasen, die dem Munde des alten Denbigh entquollen, drangen ihm mit seltsamer Bedeutungskraft zu Ohren.

Sie konnte, so lange ihre Laune dauerte, freilich sein was und wie sie wollte; und damit war man eben mit ihr dann fertig.

Das hatte alles nichts auf sich.

Sie war genau so falsch, wenn sie ihre gefällige Rolle den Esmonds, alt und jung, gegenüber spielte, wie sie es war, wenn sie die Stutzerschar, die sie umschwärmte, animierte und an sich fesselte.

Georgy gegenüber spielte sie die Rolle der »Unschuld vom Lande«: das war die ganze Sache.

Sie war durch und durch böse.

Er fühlte dies alles an diesem Abend so recht tief und wahr, als er aus so vieler Männer Munde ihr Lob hörte, und er war demgemäß wild und aufgebracht.

Wie aber war es an dem nächstfolgenden Abend, als er bei Mrs. Despard vorsprach, um ihr einen kurzen Besuch zu machen, und die Sirene überraschte beim Lesen eines Briefes – eines Briefes von Miß Clarissa, den sie las in der wunderlichsten aller Stimmungen, las mit bleichem Antlitz, und während ihr schwere Tropfen an den Wimpern hingen?

Sie stellte sich nicht, als wenn sie diese Spuren ihrer Gemütsstörung verbergen wollte. Sie ließ sich nicht herbei, sich diese Mühe zu geben.

Augenscheinlich war ihr seine Anwesenheit als unzeitgemäß zuwider; aber sie sagte ihm mit Gleichgültigkeit und unbeirrter Ruhe guten Tag.

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