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Gutenberg > Willibald Alexis >

Schloß Avalon. Zweiter Band

Willibald Alexis: Schloß Avalon. Zweiter Band - Kapitel 11
Quellenangabe
authorWillibald Alexis
titleSchloß Avalon. Zweiter Band
publisherF. A. Brockhaus
year1827
correctorreuters@abc.de ohne Rechtschreibprüfung
senderbruce.welch@gmx.de
created20180307
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Zehntes Capitel.

Die alten Zeiten – Sitten flohn,
Ein Fremder auf der Stuart Thron;
Als Sünde schilt in trüber Brunst
Der Frömmler seine heitre Kunst,
Jetzt Bankelsänger treibt ihn Noth
Zu betteln Thür für Thür um Brod.
Er spielt, einst horchte Königs Ohr,
Sein Lied dem Kreis der Bauern vor.

Lied des letzten Minstrel.

 

Es zeigte sich bald, daß der Liebling des englischen Volkes gegründetere Ansprüche auf das Mitleiden desselben, als auf seine Bewunderung habe. Man schonte ihn nicht auf dem Wege nach London. Indem man ihn wie im Triumphzuge der gaffenden Menge wies, mußte Monmouth erkennen, daß der Sieger ihn mehr als einen Verbrecher, denn als Sohn und Neffen eines Königs betrachte. Die Nachrichten aller im Westen von Kirk und Jefferies begangenen Grausamkeiten konnten den Kranken so beugen, daß der Anblick des Towers, der Klang des hinter ihm niederrasselnden Fallgitters, die Erinnerung an die ermordeten Freunde, deren Geister aus jedem Gitterfenster zu ihm sprachen, den letzten Funken des Stolzes erlöschten, und er die unterwürfigen Bitt-Briefe an den König schrieb, welche Jacob, um auch das ehrenvolle Andenken des Unglücklichen zu vernichten, sich beeilte durch die öffentlichen Blätter der Nation bekannt zu machen.

Robert Fletcher war es erst an einem entfernten Orte gelungen, Kleider aufzutreiben, um Monmouth aus dieser Gegend unerkannt fortzubringen. Ein Heuwagen sollte, in der Nähe wartend ihn vorläufig verbergen; aber als er die wohlbekannte Stelle nach der Mittagsstunde erreichte, als er schon von weitem den Graben aufgedeckt, die von Pferden aufgewühlte Erde und in weiter Ferne die abziehenden Reiterschaaren sah, war er selbst nicht fern von dem Entschlusse den letztern nachzurennen, und sich als Anhänger eines Unternehmens auszuliefern, das mit seinem Haupte gefallen war.

Der arme Bauer, der einzige der es, um des Namens Fletcher von Salton willen, gewagt, trotz aller Grausamkeiten, von denen die Gegend ringsum erschüttert ward, Wagen und Kleider zu besorgen, rettete ihn. Vom Anblick eines Trupps Dragoner geschreckt kam er zu Robert gelaufen und bat ihn auf seine Rettung bedacht zu sein, und selbst die dem Herzog bestimmten Kleider anzulegen. Robert lag auf dem Boden und sein oft wiederholtes: »Jetzt ist England ohne Hoffnung verloren!« preßte die Hände des Landmanns zum Gebet zusammen, das er wie getröstet mit den Worten schloß: »Der Gott, der seine reinen Verehrer bis dahin geschützt, wird sie ja noch ferner in England bewahren, und nicht an das Haupt des Einen das Wohl und Weh der Millionen geknüpft haben.«

Die Reiter verfolgten eine andere Richtung ohne auf den Heuwagen zu stoßen, den Robert als Fuhrknecht lenkte. Aber nicht einmal die Nacht über war es ihm vergönnt der Ruhe zu pflegen, welche der wackere Landmann ihm, die eigene Gefahr nicht beachtend, in seiner ärmlichen Hütte bereitete. Dragoner holten ihn um Mitternacht heraus und sein Wirth verdankte es nur der den Verfolgern einleuchtenden Armuth, daß man nicht auch ihn fortschleppte. »Des Lumpengesindels für den Galgen haben wir genug,« sagte der Wachtmeister, »und da doch nicht alle hängen können, muß man darauf sehen, nur solche übers Maas zu fangen, die sich loskaufen mögen.«

Mit andern Unglücklichen, deren Zahl sich unterweges vermehrte, wurde Robert dem Orte zu geschleppt, wo das Schicksal ihm den Tod bestimmt hatte, denn ein geringeres Urtheil konnte er nicht erwarten. In Bridgewater, wo Oberst Kirk ohne weiteres Verfahren einige zwanzig Gefangene aufknüpfen lassen, grüßten ihn diese Schlachtopfer so an den Thoren hängend, daß Niemand, ohne ihre Leichen zu berühren, ein und aus konnte. Jefferies Name klang noch fürchterlicher als der des Obersten. Sein Kriminalverfahren beförderte ganze Schaaren mit einem Male zum Tode, obgleich sein beißender Hohn den Verdammten fürchterlicher klang als das Todesurtheil selbst. Für Robert wäre es möglich gewesen sich durch Nennung seines Namens aus der traurigen Gesellschaft zu befreien, um anderwärts mit mehr Ehren und Beobachtung der gesetzlichen Formen den Tod erwarten zu dürfen, doch verschmähte er diesen Ausweg. Er empfand eine Wollust des Schmerzes bei der Vorstellung unter der Menge erdrückt zu werden, wo das Blut so vieler gerühmten Paladine der englischen Freiheit umsonst auf den hohen Schaffotten versprützt worden. Dann kam wohl der Gedanke hinzu: »Einst werden sie fragen, wo blieb Fletcher von Salton? Und die Geschichte wird trauern, daß solcher Wille und solche Kraft ein solches Ende fand,« – allem er erröthete wieder, daß die Eitelkeit selbst unter Umständen, die ihre Nichtigkeit mehr als je aufdeckten, sich hervorthun könne.

Zum dritten Male führte der Zufall den Ritter nach dem Landsitze des Friedensrichters Sir Thomas Powle. Die Gerichtshalle, in deren dunkelstem Winkel die zwanzig Gefangenen zusammengepreßt standen, hatte indessen jetzt ein anderes Ansehn gewonnen. Sir Thomas Powles unglückliche Zweifel und Ungewißheit, mit welcher Partei er es nicht zu verderben habe, waren seit dem Treffen bei Sedgemoor völlig gewichen. Er war jetzt durchaus loyal, und feierte eben Oberrichter Jefferies und des Obersten Kirk Gegenwart durch ein schwelgerisches Gastmal. Die hungrigen und müden Gefangenen hatten durch die weit geöffneten Thürflügel freies Zusehn, wie ihre Henker im Uebermaas der Speisen und des Weines sich zur Gerichtssitzung vorbereiteten. Nach mehrstündigem Harren, das für die Gefangenen durch die zu ihnen hinunterschallenden Toasts noch qualvoller wurde, bewegten sich die Hauptpersonen von Weine glühend in den Saal herunter. Mit den Kerzen wurden jedoch noch feinere Weine herzugebracht, mit denen der Mund sich füllte, der eben ein Todesurtheil ausgesprochen hatte.

»Meine hochverehrten Gaste müssen verzeihen,« quickte der Friedensrichter, »daß ich keine honorablere Gesellschaft zur Abendunterhaltung herbeischaffen konnte; indeß giebt es manchen Burschen darunter, der für seinen König am Baume so gut figuriren wird, als man ihn in London auftreiben kann.«

Sir Thomas lachte. »Ein Schelm giebt's besser als er es hat,« sagte Kirk, und Jefferies betrachtete durch das volle Claretglas die Gefangenen.

»Wie die Burschen frisch aussehn, werther Sir Thomas. Man sprach von dem Elend der bleichwangigen Gesellen, aber ich bemerke weder Elend noch bleiche Wangen, im Gegentheil nichts als rothe Backen voller Verlangen nach der Lustparade fürs Vaterland.«

Der Friedensrichter belachte Jefferies Witz wie vorher den eigenen, und fuhr nur zu bedauern fort, daß nichts ausgezeichneteres aufzutreiben gewesen.

»Guter Sir Thomas, die Londoner müssen auch etwas haben als Stärkbrühe für ihre Loyalität. Es ist viel zu lange her, daß nichts Ordentliches dort gehangen hat, daß man ihnen wohl den Herzog und was ihm anhängt, gönnen mag.«

»Ich hätte es sehn mögen,« sagte Sir Thomas, »wie er vor dem Könige auf die Knie gefallen ist, sein peccavi herzustammeln, und ihn der König liegen ließ, ohne den Oheim zu Hülfe zu rufen. Oeffentlich hätte das aber geschehen sollen, um den rebellischen Geist zu demüthigen.«

»Es hätte gar nicht geschehen sollen; der König durfte ihn nicht vor sein Angesicht lassen, wenn er ihn nicht begnadigen wollte,« sagte Kirk.

Jefferies lachte: »Begnadigen, Oberst? Mich wundert wie ein Mann, wie Ihr, der selbst nichts von Gnade weiß, solch ein Wort im Munde führen kann. – Jacob den Tänzerkönig begnadigen! warum nicht selbst in die Schlinge kriechen. – Bekennen sollte er, wer seine Freunde sind, wer ihn ins Land gerufen, wer ihm Geld gegeben, damit man wüßte, an wen man sich halten könne. Das war die ganz politische Absicht, und da Monmouth den närrischen Ehrlichen gespielt, so kann es keine Menschenseele verwundern, wenn er sofort wieder in den Tower gesperrt worden, aus dem ihn Niemand als Jac Ketch, so lange Loyalität in England wohnt, herausholen wird.«

»Was Loyalität betrifft,« sprach Sir Thomas sich an die Brust klopfend, »so stehn englische Herzen genug um den Tower, die jeden Versuch zu seiner Befreiung hintertreiben werden, wenn nur keine Begnadigung – das, Mylord, könnte einen Mann kränken, dessen Herz sein Leben lang für die königliche Sache geschlagen hat.«

»Wie, Sir Thomas!« sagte Jefferies sich erhebend indem er den Rücken dem Gefangenen zugekehrt an die Schranken lehnte. Sein Auge schoß einen der vernichtenden Blitze auf den kleinen Friedensrichter, welche häufig die unglücklichen Gefangenen zum Geständniß brachten, oft auch, gleich dem Blick der Klapperschlange, Unschuldige zu solcher Angst trieben, daß sie nie Geschehenes bekannten. »Wie, stand nicht Euer Marstall jeder Zeit dem Herzoge von Monmouth offen, wenn er in rebellischer Absicht den Westen durchreiste? – Wir wissen Alles, was sich in diesen Grafschaften zugetragen hat, und auf Euern Namen, Sir Thomas, ist eine ganze Seite in diesem Buche vollgeschrieben.«

Sir Thomas Powle hatte sich an eine Stuhllehne gestützt. Die natürliche Richtung seiner Augen traf den Boden. Zuweilen wagte er sie wohl aufzuschlagen und den grimmig Lächelnden anzublicken, fuhr aber jedesmal wieder erschreckt zurück, während Jefferies an seiner Verlegenheit sich weidete. Sir Thomas stammelte viel was zur Entschuldigung dienen sollte, ihn aber, wenn Jefferies es der Mühe werth geachtet, auf die Worte zu merken, aufs neue ins Verderben hätte stürzen mögen. Indessen schloß er die verworrene Rede mit einem Zusatz, dessen vernehmbarer Sinn dahin lautete: wie es seine größte Lust sein würde, wenn der Oberrichter es nicht verschmähte, ebenfalls seinen Stall als den eigenen zu betrachten, um die Feinde des Vaterlandes zu verfolgen. Jefferies ließ ihn noch eine Weile in banger Erwartung schweben, bis er zu Kirk sprach:

»Was meint Ihr, Oberst, wenn ich die beiden Falben vor meinen Wagen spanne und den Hengst Achill zum Reitpferd wähle? Die beiden Rappen möchten sich für Euch vor der Fronte am besten schicken, wenn anders Eure Leute sich im Westen nicht anders remontiren.«

Kirk gab. seine Beistimmung, verlangte aber, Sir Thomas müsse neue Geschirre anfertigen lassen. Nachdem der Gepeinigte versichert, daß ihm keine Aufgabe für das Vaterland mehr Vergnügen mache, zog Jefferies eine Bleifeder heraus und flüsterte dem Friedensrichter zu:

»So wollen wir, was zwischen Euch und den protestantischen Zeugen, auch nachher mit Monmouth passirt, vor der Hand beseitigen, und erst wenn Alles im Westen gereinigt ist, den Vorfall wieder hier besprechen.«

Der arme Friedensrichter sah mit Schmerzen, daß selbst das Opfer seiner schönsten Pferde ihn eben so wenig als die andern Beweise seiner Loyalität ganz gesichert habe, er machte eine ungeschickte Verbeugung um die andere, und seine Furcht wurde nicht wenig vermehrt, als er die beiden ehrenwerthen Herren Sanson und Macnamara unter der Menge der Zuschauer gewahrte. Jefferies aber hatte jetzt die letzte Flasche Claret geleert und dachte daß es nun Zeit sei auch die Gefangenen abzufertigen.

»Nun, Ihr Bursche,« schnaubte er sie mit einigen hineingeschossenen Blicken an, »Ihr seht, daß es uns an Zeit mangelt, und werdet mir daher den Gefallen thun, uns nicht durch unnöthiges Läugnen aufzuhalten. Hängen müßt Ihr insgesammt, so wahr ich Jefferies heiße und England ein Königreich ist, darum erspart mir die Mühe der unnöthigen Faxen und erklärt Euch für schuldig. – Also schuldig? – Nicht? – Sie haben sich für schuldig erklärt, niedergeschrieben!«

»Ohne Untersuchung?« rief eine Stimme aus dem Haufen.

»Wer ist das naseweise Gesicht?« schrie der Oberrichter aufstehend, und leuchtete mit seinen Augen unter die Gefangenen, daß es überflüssig schien, als Diener Fackeln herbeibrachten. »Ist es nicht schon übergroße Sorgfalt Euch bei Namen aufschreiben zu müssen, Lumpen, die keine Namen führen?«

Eingeschüchtert von dem Machtgebot, mehr noch von der furchterregenden Gestalt des Unmenschen, bekannten sich von der ganzen Anzahl Zusammengetriebener Alle bis auf zwei als schuldig. Von diesen wies sich der Eine als einen Mann, aus, der allerdings einen Namen hatte, Robert erinnerte sich ihn unter den angesehenen Landbesitzern in Monmouths Heere gesehn zu haben. So thätigen Antheil er auch damals an dem Aufstande genommen, fand er doch in Jefferies einen milden Richter, und was merkwürdiger schien durch Sansons Fürbitten. Er ward gegen Bürgschaft entlassen, hatte aber freilich, wie man nachher erfuhr, sein ganzes Vermögen dem Oberrichter hingeopfert.

»Was hat der andere Bursche für Gründe anzuführen?« schnaubte Jefferies den Zweiten an, und Robert Fletcher trat mit ruhigem Trotz hervor, erklärend: Er verlange wie ein Engländer angeklagt und gerichtet zu werden, und werde nachher kein unnöthiges Wort verlieren.

Man hatte Beispiele, daß unmenschliche Richter, wie General Dalziel Gefangenen, welche ähnliche Antworten gegeben, mit dem Degenknopf ins Gesicht geschlagen, ein Verfahren, das sich aus dem trunkenen Zustande, in dem jene militairischen Gerichte über die Geächteten abgehalten wurden, erklären läßt. Oberst Kirk galt für einen Gemüthsverwandten des berüchtigten Generals; indem wie jener durch den Dienst in Moskau, dieser durch seinen Verkehr mit den Mauresken, als er Gouverneur von Tanger war, die barbarischen Grundsätze eines militairischen Despotismus eingesogen hatte, welche seinen Namen mit den schrecklichen Erinnerungen auf die Nachwelt gebracht haben. Kirk erhob sich und die Faust gegen Robert, der jedoch schwerlich einen solchen Schimpf ungeahndet hätte hingehn lassen, wenn nicht Macnamara plötzlich dazwischen gesprungen wäre.

»Halten Euer Gestrengen; der Mann ist bedeutender als er scheint, ob ich schon seines Gesichts mich nicht sogleich erinnern kann.«

Wie Robert trotzig dastand, mit unterschlagenen Armen, die Augen kühn auf die des Obersten gerichtet, erkannte dieser die Wahrheit von Macnamaras Bemerkung. Jefferies lächelte; als aber Robert einen durchdringenden Blick auf den Irländer warf, sprang dieser wie freudig überrascht von der Entdeckung eines Freundes auf den Ritter zu.

»Tausendmal Vergebung, Sir, daß ich vergessen konnte, wie ich schon so oft die Ehre hatte Euer Gnaden zu begegnen. Es geschah wahrhaftig nicht aus Geringschätzung, die alten Augen werden nur schwach in diesen Zeiten –«

»Wer ist es?« fuhr ihn Kirk an.

»Wer anders Sir, als der große Ritter Fletcher von Salton.«

Jefferies fuhr mit dem Lichte dem Gefangenen an's Gesicht. »Wahrhaftig, ich habe mich lange gefreut diesen trefflichen Abdruck des ehrenfesten Sidney wieder zu sehn, und freue mich doppelt, ihm denselben Dienst erweisen zu können.«

»Wenigstens,« sagte Robert, »sollt ihr mich eben so wenig vor dem Tode zittern sehn, als meinen großen Lehrer Algernon; und ich wünsche durch meinen Tod die Schande auszulöschen, die Monmouths Kniefall vor dem Tyrannen unserer guten Sache angethan.«

Jefferies nickte wohlgefällig mit dem Kopfe.

»Genügt das Geständniß, Bluthund, mich auf das Schaffot zu bringen?« fuhr Robert fort.

»Vollkommen, lieber Sir Robert.«

»Aber,« bemerkte der Friedensrichter bescheiden, »man weiß, daß dieser Ritter an der eigentlichen Rebellion in so fern weniger Theil genommen, als er vor der Schlacht von Monmouth selbst verbannt worden. Ich, als loyaler Unterthan, sollte nun glauben, daß man auch hier unterscheiden muß um dem Könige solche Gemüther zu retten, welche nicht ganz abgefallen sind –«

»Macht gar nichts aus,« fiel der ruhige Oberrichter mit seinen glänzenden Augen den Gefangenen liebäugelnd ein.

»Ob er aber nicht zu den Gefangenen gehört, die wir nach London senden müssen?« bemerkte Kirk.

»Warum sollen wir uns das Vergnügen nehmen lassen, oder vielmehr der guten Stadt Taunton,« entschied Jefferies. »Wo er dem Tänzerkönige huldigte, als aufmunterndes Beispiel für die guten Bürger, muß er jetzt auch als abschreckendes hängen; aber wenn es Euch trösten kann, Sir Robert, so nehmt das Versprechen eines Oberrichters mit unumschränkter Vollmacht, daß Ihr nicht allein hängen sollt.«

Obgleich die Hauptfeierlichkeit bis Taunton verspart wurde, ließ doch Jefferies von den Verurtheilten, welche seinem Richterzuge wie dem eines römischen Triumphators folgten, an jedem Orte Einige henken, wo er glaubte, daß ein solches Beispiel der Königlichen Sache oder ihm könne von Nutzen sein. Da jedermann für schuldig galt, in dessen Hause oder auf dessen Grund und Boden ein Geächteter betroffen ward, Denunciationen gegen Begüterte aber am liebsten gehört wurden, so verfehlten die Exemtionen vor den Thoren der Reichen selten ihren Endzweck und Jefferies galt für den Herrn nicht allein über das Leben sondern auch das Vermögen der Einwohner in den westlichen Grafschaften. Robert erfreute sich des traurigen Vorzugs des Ulyß in der Cyclopenhöhle, er ward bis zuletzt aufgespart.

Das vor wenigen Tagen in Segen und Freude blühende Land schien ausgestorben, und es war Robert angenehm, daß sie Taunton, an das so viele schmerzliche Erinnerungen sich knüpften, bei Abend betraten. Der Taumel des Sieges und der Sicherheit, gesteigert durch den Trunk, ließ die Gefangenwärter nicht strenge in ihrer Pflicht sein. Wo man überall Menschen aufgreifen konnte, und die zitternden oder parteiischen Geschwornen mit dem Spruche »Schuldig« den Richtern entgegen traten, kam es wenig darauf an, wer gehenkt wurde, wenn nur die bestimmte Zahl vorhanden war. Jefferies und Kirk saßen bei einem feierlichen Gelage, dessen gräßliche Trinksprüche vom offenen Balkone herab unter dem Schmettern der Pauken und Trompeten in die erschütterte Stadt schallten. Mehrere Galgen von Fackeln erleuchtet waren vor dem Gelagshause aufgerichtet und eben als Robert den Markt betrat, ließ Jefferies das entsetzliche Experiment anstellen, welches allein sein Andenken mit ewiger Schmach bedecken würde. Einen halsstarrigen Gefangenen ließ er unter Aufsicht eines Arztes zu dreien verschiedenen Malen aufknüpfen und zu rechter Zeit wieder abschneiden, damit er durch die dreifach empfundenen Qualen des Todes zum Geständniß der Reue gebracht würde. Als der Unglückliche dreimal versicherte, er würde wieder für Monmouth ins Feld ziehen, ließ er ihn in Ketten aufhängen. Während jedem Tusch und dem Toast, welcher der Gesundheit des Königs gebracht wurde, mußte eine bestimmte Anzahl aufgeknüpft sein. Trotz des Lärmens aber schrie ein Gefangener so heftig, daß Kirk, oben davon gestört, an den Balkon trat, und sich fluchend nach der Ursach des Widerspruchs erkundigte.

»Ich bin der Major Holmes,« schrie der Unglückliche, den schon zwei Henker gefaßt hielten, »ich verlor einen Arm in der Schlacht und trage des Königs Pardon in der Tasche, untersucht die Sache –«

»Verdammter Rebell!« donnerte der vom Wein glühende Oberst hinunter, »dazu ist jetzt nicht Zeit. Erst abgefertigt dann wollen wir die Taschen durchsuchen.«

»Der König hat mir sein Wort gegeben Niemanden zu pardoniren,« erklärte Jefferies zu Kirks Beruhigung, und Holmes wurde zur Leiter geschleppt. Aber der starke Mann brüllte in entsetzlicher Todesangst; trotz des einen Armes riß er sich los, stürzte unter die Menge und vertheidigte sich wie ein homerischer Held gegen die Ueberzahl bis er erlag. Man meinte er sei, nachdem er in diesem Vertheidigungskampf das Leben ehrenvoll beendet, als Leiche auf das Gerüst gebracht worden. In seiner Tasche fand man später die ausgefertigte Begnadigung.

In einer Art Starrsucht hatte Robert dem fürchterlichen Schauspiele zugesehen. Mit einem Male sah er sich bei dem Auflaufe, den Holmes Widerstand verursacht, von seinen Wächtern verlassen. Die Menge drängte heran; er befand sich in ihrer Mitte, die Lust zum Leben erwachte. Er schlich mit zitternden Knieen, – dem Tode hoffte er fest entgegen getreten zu sein – dann rannte er Straße auf Straße ab, und fand doch erst am Ende der verschlossenen Stadt ein offenes Haus. Hineintreten und die Thür hinter sich zuschlagen war das Werk des Augenblicks.

Er tappte eine dunkle Treppe hinauf; erst als er oben in ein mäßig erleuchtetes Zimmer trat, glaubte er die Wohnung wieder zu erkennen, in welcher er vor wenig Wochen Harriet angetroffen. Eine hochbejahrte Matrone erhob sich, aufgestört, doch nicht erschreckt durch den ungestüm Eindringenden, von ihrem Andachtsbuch. Während sie ihm das Licht entgegen hielt, sank er auf einen Stuhl nieder und preßte die Worte aus:

»Ich bin ein Verurtheilter – wollt Ihr mich retten so entschließt Euch bald, wollt Ihr mich verrathen, so eilt ehe ein Anderer zuvorkommt.«

Die Matrone blickte ihn lange staunend an. Robert legte es falsch aus:

»Ihr wartet, ob ich bitten werde, niederfallen und Euch die Knie umklammern. Nein, alte Frau, so werth ist mir nicht mehr dies schlechte hoffnungslose Leben, daß ich vor Jemand mich darum erniedrigen sollte.«

Die Alte faltete die Hände: »Ihr seid ein Fletcher – nicht, ein Fletcher von Salton?«

»Ihr wißt wer ich bin, gut, lauft hin, gebt meinen Namen an; es ist der letzte Werth, den Fletcher von Saltons Sohn auf Erden besitzt.«

»Also sein Sohn,« sagte die Matrone, »wohl glaube ich Euch schon in den kurzen Tagen Eures Glückes einmal gesehen zu haben, aber das sind auch die edlen Züge des alten Salton, die ich nie vergessen werde. Ich habe Euren Vater, Sir, oft in diesen Mauern als Gast und Freund meines Gatten bewillkommt, und ob ich schon über den Bund ihrer edlen Herzen zur Rebellion bittere Thränen vergoß, ob ich gleich den Geist verfluchen muß, der auch den Sohn des alten Salton zur selben Empörung hinriß, wird doch nie Oberst Leslys Wittwe einen Hülflosen angeben und niemals den Sohn eines Mannes verrathen, der so in der Furcht des Herrn wandelte, als Euer Vater.«

Robert wußte von der Freundschaft seines Vaters mit dem ermordeten Lesly, er wußte auch, wie dessen tugendhafte Gattin, obgleich immer eifrige Royalistin, häufig seine Wohlthäterin gewesen, und er schämte sich des rauhen Wesens, mit dem er einer Frau begegnet war, welche in Ausübung der Menschlichkeit zugleich gegen ihre Grundsätze stritt und ihr Leben in Gefahr setzte. Er drückte ihre Hand an seine Lippen und wollte, jetzt auf den Knieen, mit Betheuerungen seines Dankes beginnen, als sie ihn kräftig aufhob.

»Lieber junger Ritter. Ihr hattet Recht nicht knieen zu wollen vor einem Menschen um Euer Leben. Verspart das Niederfallen bis Euch der Geist treibt vor dem niederzusinken, vor dem wir alle Staub sind. Mögt Ihr ihm dann brünstig für das Leben danken, für das neu erweckte Leben, um das Ihr mit Recht keinen Menschen anflehen mochtet. Aber jetzt ist es nicht Zeit zum Danken oder Betheuern, sondern die Zeit zu benutzen, die er Euch zur Rettung geschenkt hat.«

Mit einer Umsicht welche den klaren Geist der würdigen Frau bekundete, ordnete sie in der schnellsten Zeit was Ihr zur Sicherung des Flüchtlings nöthig schien, an. Das Haus wurde verschlossen, die Fenstervorhänge wurden heruntergelassen, und in wenigen Minuten befand Robert sich in einer kleinen Dachstube nach dem Garten hinaus, die Matrone selbst hatte Erfrischungen herbeigebracht, die er lange entbehren müssen, und ein Bette stand für den Müden bereit. Es lebte noch eine alte Köchin im Hause, welche in allem mit ihrer Herrin vertraut schien, Mistris Lesly war aber nicht dahin zu vermögen, einer Dienerin die Geschäfte bei dem Gaste aufzutragen, den ihr, wie sie sich ausdrückte, Gott selbst zugesandt habe.

»Würdige Frau,« sagte Robert, als sie mit einer segnenden Bewegung ihm die Wohlthat einer ruhigen Nacht wünschte, »kennt Ihr auch die Last, die Ihr Euch aufgeladen, wißt Ihr, daß Ihr gegen des Königs Gesetz handelt, daß Euer eigenes Leben in Gefahr ist, wenn ein Bube Euch angiebt?«

Die Matrone antwortete den Blick aufwärts richtend, und der Flüchtling glaubte in der Würde ihrer Stellung in der Festigkeit und Herzlichkeit des Ausdrucks die Rede einer Heiligen zu vernehmen: »Und wenn, was ich Euch gethan, gegen die Gesetze aller Könige der Welt verstieße, so ist mir doch das Gesetz des Königs im Himmel heiliger. Es sagt die Lehre seines Sohnes, daß ich so handeln sollte, auch wenn das schwache Herz mich nicht schon dazu antriebe. Mein Leben aber ist stündlich in Gefahr, und guter Sir« – hier übermannte sie die Rührung und die Augen feuchteten sich, indem sie es aussprach – »seit mein einziges Kind bei Sedgemoor für seinen König gefallen ist, wüßte ich nicht, für welches Geschenk des Himmels ich inbrünstiger danken sollte, als wenn er mich schnell zu meinen Lieben nach oben abrieft.«

Sie eilte davon; Robert aber konnte, obgleich entkleidet und nach so langer Entbehrung zum erstenmal eines Bettes sich erfreuend, nicht schlafen. Die eigene Unsicherheit, Monmouths Loos, das Unglück des Vaterlandes ging ihm weniger in den wachen Träumen durch den Sinn, als das Etwas, das ihn zu einer Theilnahme für die alte Frau aufforderte, die er sich in diesem Grade nicht erklären mochte. Er gestand sich, daß sie glücklich wäre wenn sie stürbe, und doch vermochte er sich das Warum nicht anzugeben, denn hier paßte keiner von den Gründen, unter denen er sich den Tod als wünschenswerth dachte. Eine gewonnene Schlacht, wo der stolze Sieger auf der erhöhten Bahre liegend die Fahnen des Feindes, vor sich niedergestreckt erblickt; oder ein hohes Schaffot, beleuchtet von den Strahlen der aufgehenden Sonne, ein Held der Freiheit beugt den stolzen Nacken dem Beile des Tyrannen, nachdem er in einer begeisterten Rede zum Volke seinen unauslöschlichen Haß gegen den Despoten ausgehaucht hat, die Saat auf den Gesichtern der Menge erblickend; das waren die Bilder, die ihn bezauberten und unter denen er endlich zu einer kurzen Ruhe einschlief.

Ein starkes Pochen an der Hausthür weckte ihn. Die Traumbilder verwebten sich mit der Wirklichkeit. Er stand schon in den Kleidern als er die alte Hausmagd mit dem Schlüsselbunde hinuntersteigen hörte. Ihre Gebieterin gab ihr aus dem Schlafzimmer Anweisung, wenn es Einquartierung wäre, sie in das untere Zimmer zu geleiten, aber Robert hielt es für Pflicht gegen sich und seine Wirthin, diese Entscheidung nicht abzuwarten. Er stieg aus dem Fenster auf das Dach, ein niedriges Nachbardach verschaffte dem Geübten die Mittel so tief hinab zu klimmen, bis er durch einen gewagten Sprung sich in den Garten rettete. Er kannte von sonst her die Lage der Gärten an der alten Stadtmauer, und eilte gerade auf diese zu, als er sich von einem Manne aus einem erleuchteten Fenster beobachtet glaubte. Dies spornte ihn zu größerer Eile und ohne, wie es seine erste Absicht gewesen, am Ausgange abzuwarten was sich im Hause zutrage, stieg er auf die Mauer und vermittelst eines Birnbaumes in den Stadtgraben. Von dort streifte er, die Straßen vermeidend, über die Felder, so lange, bis der Tag ihn nöthigte einen Schlupfwinkel, der ihn verberge, zu suchen.

Im Jahr 1685 gab es noch mehr Wälder und haidige Moorgründe in den westlichen Grafschaften als dies hundert und vierzig Jahr später der Fall ist. Ein solcher Wald, der sogar noch auf den Namen Dickicht Anspruch machen konnte, gewährte ihm trefflichen Schutz und ließ ihn, während die Morgensonne ein so frohes Feld beschaute, als wüßte es nichts von allen Gräueln und Verfolgungen die darauf vorgingen, den stärkenden Nachtschlummer aus dem Hause der Matrone fortsetzen. Seine Absicht war, sich nordwärts nach Warwickshire durchzuschleichen, um hier vielleicht auf den Besitzungen seines Freundes Raleigh Schutz oder in einem der nördlichen Hafen Mittel zu finden aus dem Königreiche zu entkommen. Weiter indessen, als er glaubte, erstreckten sich die Verfolgungen. Mehrere Tage und Nächte irrte er in der Kreuz und Quere, fast nur von Wurzeln und Kornähren sich kümmerlich nährend, umher, und auch die Lagerstätten in den Kornfeldern und Haidebüschen wurden bei eingetretener nasser Witterung immer beschwerlicher.

Er wußte sich selbst nicht mehr anzugeben, wo er sei, als er am Abende eines naßkalten Tages in eine öde Thalgegend hinaustrat und von einer weiblichen Stimme angezogen den Windungen eines Baches folgte. Die Weise des gesungenen Liedes deutete auf einen verstörten Sinn, die Worte als er sie nachher vernahm bestätigten dies. Einem weiblichen Geschöpfe und einer Unglücklichen hoffte er sich ohne Gefahr anvertrauen zu können. Als er jetzt um ein schroffes Erdufer bog, sah er die Sängerin, ein jugendliches Wesen, an dem Rande des Baches sitzen. Ihr langes Haar hing ungekämmt herab zu beiden Seiten der blassen Stirn und um den entblößten Nacken. Die Arme ruhten unthätig im Schooße, während sie, den Oberleib vorgebeugt, den schnell vorüberrinnenden Bach mit dem starren Blick ihrer trockenen, glanzlosen Augen zu fesseln suchte. Der eine Fuß hing im Wasser, daß die Wellen mit ihm spielten, und es schien, als warte sie den Moment ab, wo der Geist des Wassers sie umfangen und als Braut zu sich hinab reißen werde. Ihr Lied aber, das sie in verschiedenen Unterbrechungen sang, lautete folgendermaßen:

Was rauscht die graue Weide?
   Was flüstert im Strauch?
Was sagen sich Beide
   Beim Windeshauch?
Mit Wolkenschatten
   Wehr eilend der Bach
Zwischen gelben Matten,
   Jeder Halm ruft »ach!«

Im Strauche da flüstert
   In der Weide rauscht
Mit allem verschwistert
   Was im Finstern lauscht,
Alles zerbricht er
   Der kalte Wind,
Und immer spricht er:
   »Verlornes Kind!«

Die graue Weide sagt mir:
   »Dein Vater ward nicht alt!« –
Der dürre Strauch klagt mir:
   »Deine Mutter ist kalt.« –
»Dein Buhle ist fort« plagt mich
   Immer rufend der Wind,
Und die Wolke immer fragt mich:
   »Wo ist Dein Kind?«

O hättest du Wind nicht
   Meinen Buhlen verscheucht.
Dann läge mein Kind nicht
   In den Wellen feucht,
Grau trüge wie die Weide
   Mein Vater sein Haar,
Meine Mutter in Freude
   Lebte manches Jahr.

Dann wäre mein Sinn nicht
   Wie das Irrlicht im Sumpf,
Mein Augenglanz hin nicht,
   Mein Ohr wär nicht stumpf;
Grün wäre die Weide
   Und Alles wär Lust,
Unter blumigem Kleide
   Schlüge Herz und Brust.

Nun wehe du Sturm nur
   Durch Weide und Strauch;
Erstarre den Wurm nur
   Am Halm jeder Hauch.
Ich gehe hinunter
   Zu meinem Kind,
Dann wehe nur munter
   Ueber die Wellen, o Wind.

Als sie den vortretenden Robert erblickte, sprang sie wie das aufgescheuchte Reh in die Höhe, und der Strahl des Auges, der auf ihn schoß, erweckte eine Erinnerung, ohne daß er sich jetzt besinnen konnte, wo er die Unglückliche einst gesehen. Er bat sie zu bleiben, eine Bitte, die aber gerade das Gegentheil bewirkte. Von einer hohen Uferspitze, kaum konnte er begreifen, wie sie dorthin gelangt, rief sie zu dem ihr Folgenden hinab:

»Flieht, flieht, ich kenne Euch gut, aber Ihr könnt nie mein Bräutigam werden, mein Bräutigam liegt im Wasser unten, und alles hat sich geändert seitdem der Mond blutig aufgegangen, drei blutige Mannsköpfe, denkt Euch, haben am Himmel gestanden!«

Als Robert ihr zu folgen versuchte, verdoppelte sie ihr Geschrei: »Zurück mein Bräutigam, zurück, zurück! – Drei Leichen müssen sie haben und es liegen erst zwei auf der Bahre, und Ihr habt einen so schönen Leib, seid auch kein Bauer, ein feiner Edelmann, flieht, flieht!«

Als Robert die Höhe erstiegen, war die Wahnsinnige verschwunden, auch zeigte sich keine Seele in der Nähe. Die Sonne war längst untergegangen und ein kalter Regen rieselte herab. Er freute sich daher, als er nach einer halbstündigen Wanderung auf einem einsamen Stoppelfelde einen Pferch erblickte, in dessen Roll-Karren er Schutz vor dem Ungestüm der Witterung fand. Der Schlaf übte bald sein oft gekürztes Recht über ihn aus, der Regen rieselte ohne ihn zu wecken über das Breterdach seines unbequemen Lagers, aber ein Geräusch, zwischen Brummen und Gesang in der Mitte, weckte ihn tief in der Nacht. Er kroch aus seiner Hütte heraus und sah ein seltsames Schauspiel. Der Himmel war zum Theil klar geworden und es brannten einige Feuer in der Nähe um welche mehrere in Mäntel gehüllte Gestalten hingekauert saßen. Im hellsten Flammenscheine aber standen drei schwarze Bahren, auf deren zweien Leichen in weißen Sterbehemden lagen. Darum knieten wieder Einige mit emporgestreckten Armen, als erflehten sie etwas vom Himmel. In diesem Augenblicke sah man den Flüchtling. Drei Männer, als Wächter ausgestellt, hatten den Schlaftrunkenen gefaßt und als man ihm einen Kienbrand ins Gesicht gehalten, rief es aus allen Mündern: »Ein Wunder! ein Wunder! – Der Himmel hat das Gebet erhört!« – »Er hat,« rief eine rauhe Stimme, »den Verderber selbst gesandt die Dreizahl der Leichen vollzumachen.«

Aus den Bewegungen der Männer konnte Robert nicht anders schließen als daß er bestimmt sei als Todter den ledigen Platz auf der dritten Bahre einzunehmen.

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