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Schloß Avalon. Dritter Band

Willibald Alexis: Schloß Avalon. Dritter Band - Kapitel 5
Quellenangabe
authorWillibald Alexis
titleSchloß Avalon. Dritter Band
publisherF. A. Brockhaus
year1827
correctorreuters@abc.de ohne Rechtschreibprüfung
senderbruce.welch@gmx.de
created20180307
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Viertes Capitel.

Hier ist ein Landsmann von Euch angekommen.
Ein muntrer Jüngling aus der Insel Cyprus.
Ihm folgen funfzig schmucke Rosse stattlich,
Auf denen wackre Cyprioten reiten,
Die er besoldet. Unser König hat
Mit offnen Armen ihn in Dienst genommen.

Die Zaubertragödie vom Fortunatus und seinen Söhnen, von Thomas Decker.

 

Der Prälat memorirte noch im festlichen Amtskleide am andern Morgen die Rede, welche er in dem Gespräch mit dem Könige vermittelst einer Wendung, auf die er sich schon in voraus freute, anbringen wollte, als Miß Anna eintrat, ihn abzuholen. Sie strahlte in jugendlicher Anmuth, daß selbst der von Sorgen anderer Art geplagte Oheim mit Wohlgefallen auf der Lieblichen verweilte. Sie hatte mit Geschmack die Uebertreibungen der Mode zu mildern gewußt; unter dem mäßig gereiften Atlasrock mit tausend Schleifen, Kanten, Blumen und Falten blickte der zierliche Fuß gerade so weit hervor, um die noch übrige Unförmlichkeit der Tracht zu verwünschen, welche nicht mehr von der reizenden jugendlichen Gestalt sehen ließ. Doch schwor der Prälat sie müsse bezaubern und sei für den Hof geboren.

»Durch die Kunst des Schneiders,« entgegnete Anna und hüpfte an den Spiegel, wo sie sich mit großer Gravität vor sich selbst verbeugte. »Doch nicht ganz Oheim,« sagte sie dann, »denn mein trefflicher Haarwuchs oder Haarbau, oder Haartouren ist eigene Erfindung oder Nachahmung, womit ich schon in Tennison-Castle einen irrenden Ritter so bezauberte, daß er seine Liebe für eine alte französische Mamsell ansah.«

»Ich wünschte, Anna, Du erwähntest, so lange wir in London sind, niemals des Ritters, noch des ärgerlichen Umstandes, der, wenn nichts schlimmeres, doch das Gelächter des Hofes auf uns zöge.«

»Bester Oheim, spielen wir denn in der Geschichte eine so lächerliche Rolle? Diese Bisamherren vom Hofe, die keine Festung der Schönheit für unüberwindlich halten, versteht sich durch ihr theures Selbst, sollen lernen wie eine Tennison aus dem Westen mit Männern verfährt, die taub sind auf ihre Bitten. Ich will mich auf ein erhöhtes Tabouret setzen, wie nur die geistreichen Damen und Prinzessinnen an Ludwigs Hofe und die ganze Begebenheit erzählen mit einer Moral für junge Leute am Ende.«

Der Oheim sah nach der Uhr: »Das Dejeuné wird angehn; ich wünschte, Anna, Du hörtest endlich auf die Vorstellungen deines nächsten Verwandten. Du bist selbst vernünftig genug die Thorheit Deiner Neigung zu dem rebellischen Brausekopf einzusehn, und weißt wie ich nie, sollte er auch wirklich noch leben, in die Verbindung mit einem Bettler und Geächteten willigen kann –«

»Das käme auf Erkundigung an,« fiel ihm Anna ins Wort, »ob er wirklich ein Bettler ist, und darum freue ich mich heut auf den Hofcirkel. Was gilt die Wette, ich finde eine Spur?«

Sir Alexander schlug die Augen weit auf, und öffnete den Mund weiter als er zu thun pflegte, und es klang, ob er es gleich nicht aussprach, wie: »Du wirst doch nicht?« dann aber ihre Hand mit einiger Wärme zwischen die seinigen drückend sagte er: »Wie mancher Kavalier aus den ersten Häusern würde Deine Hand, Anna, zu besitzen, für das Glück seines Lebens schätzen. Du brauchtest Deine Blicke nur umher zu werfen, Du brauchtest nur zu winken, und die Herzen –«

»Oheim!« rief Anna hoch erröthend, »einem jener schwächlichen Wüstlinge, die kaum den klaren Blick eines gesunden Mädchens ertragen, einen Kavalier, der aller Pflichten der Ritterschaft unkundig, die Frauen nur als Spielzeug betrachtet, einem erschlafften Helden, dessen ganze Kraft darin besteht, im Schlamm gebadete Witzeleien nachsprechen? Oheim, was soll ich mit einem solchen Mann, wenn die blutigen Zeiten kommen, die doch kommen müssen? Ich stecke ihn in meinen Frauenrock, und reite selbst zu fechten. Nichts davon; ich will über sie spotten, mich lustig machen über die Puppen, aber lieber eine Gräfin von Dorset werden, als eine ehrbare Gattin mit allen Ansprüchen auf den Titel meines Ehemanns, der nur ein ausgeputzter Strohmann ist.«

Chiffinch, der Maitre de Plaisir des vorigen Königs, hatte auch unter dem jetzigen seinen Einfluß beibehalten, da er ein sehr zuverlässiger Mann in allen Angelegenheiten war, wo Fürsten eben nicht die Diener des Staates zu brauchen pflegen. Obgleich seine kleine und bequeme Wohnung in einem Nebengebäude von Whitehall noch ganz auf alte Weise eingerichtet und dem Könige offen stand, konnte man doch dem Manne selbst nicht vorweren, daß er mit der Zeit nicht fortgeschritten wäre. Während früherhin seine Zimmer nur zu vertrauten Abendgesellschaften, kleinen Concerten und ganz besonders zu noch vertrauteren Zusammenkünften unter vier Augen gebraucht, wurden, sah man jetzt religiöse Versammlungen dort. Master Chiffinch hatte sich selbst auf den Wunsch des Königs von dem Vater Peter bekehren lassen, und war eben so eifrig Proselyten zu machen, als er den guten Wirth in den geistlichen Abendcirkeln spielte. Hier, wo der Geburtsunterschied schon beim seeligen Könige ganz beseitigt war, bildeten diese religiösen Clubbs, deren Mitglieder der Mehrzahl nach aus Jesuiten bestanden, den christlichsten Verein von Standesgleichheit. Der König verhandelte den Plan von der Bekehrung Englands am liebsten in diesem Zimmer, und es verstand sich von selbst, daß auch Frauen gern dabei gesehen wurden, obgleich die Wirthin Mistriß Chiffinch, bekannt aus unserm Peveril, der Meinung war, daß diese neue Mode, wie sie es nannte, unbequemer sei als die frühere. Als das thätigste Glied der Versammlungen zeigte sich Sunderland, den Vater Peter dafür auch oftmals als den bravsten Engländer dem Könige anpries.

Uebrigens hatte die Wohnung, der frommen Convente ungeachtet, ihre frühere Bestimmung nicht verloren, und Mistriß Chiffinch, die es wie eine ihr erzeigte Ehre betrachtete, wenn Zusammenkünfte anderer Art hier gefeiert werden sollten, zeigte sich alsdann so thätig und geschmackvoll, daß ihr die Gunst des neuen Monarchen nicht fehlte. Heute war ein größeres Dejeuné angeordnet, und aller Staat aufgeboten die Zimmer wohlgefällig zu decoriren. Da die Tageshelle wegen der vorgebauten Schloßflügel auch zur Mittagszeit nicht gehörig erleuchtend durch die kleinen Fenster drang, pflegte man die Nachtbeleuchtung selbst bei früheren Zusammenkünften einzuführen. Die reichen Kron- und Wandleuchter warfen im Krystallwiederschein ihren strahlenden Glanz auf die mit dem schwersten Lyoner Damast behangenen Wände, hier ein magisches Licht anzündend, während das verschwiegenste Dunkel nicht weit davon in den Nischen und Kabinetten herrschte. Die Fußteppiche schwellten elastisch unter den Tritten und feine Wohlgerüche zogen in sanften Rauchwolken durch die Zimmer, während ein unsichtbares Geisterchor das Gespräch zu begleiten schien.

Ohne von Wirthin oder Wirth empfangen zu werden, fand sich hier zu verschiedenen Thüren die Gesellschaft ein. Jeder geladene Gast suchte sich in dem Labyrinth der kleinen Zimmer den behaglichen Aufenthalt ohne andre Beschränkung der Willkür, als daß der erlauchte Anwesende nicht verlassen stehe. Jedoch konnte auch dieß nicht die Freiheit stören, indem der König wohl gern selbst zwischen den Gruppen umher streifte, und gelegentlich auf ihre Gespräche hörte, ohne zu verlangen, daß auf seine Gegenwart Rücksicht genommen werde. Geräuschlos, wie sie gekommen, pflegte dann die Gesellschaft zu verschwinden, und wenn in weniger Zeit die Tapeten abgehängt, die Kerzen ausgelöscht, die Vorhänge aufgezogen waren, und das Tageslicht in die leeren Gemächer drang, glaubte man es sei ein bedeutungsloses Zauberspiel neckender Elfen gewesen, wenn nicht der bald darauf folgende Sturz eines Ministers, ein neues Edikt gegen oder für die Glaubensfreiheit, die Erhebung eines Jesuiten und dergleichen die hier im mystischen Dunkel gesponnenen Intriguen ans Tageslicht gebracht hätten.

Die heutige Assemblé war sehr zahlreich. Freundlich lächelnde Gesichter begegneten den Wandelnden an jeder Thürschwelle, und die herzlichsten Händedrücke und Blicke, als wollte die tiefste Seele sich mittheilen, wurden ausgetauscht. Konnte es auch anders sein, da die Worte Toleranz, Gewissensfreiheit, Heiligkeit des Glaubens auf aller Lippen schwebten. Der Dechant war der einzige Geistliche seiner Kirche, aber wie ausgezeichnet wurde er von den eifrigsten Römischen empfangen; wo er hin trat machte man ihm Platz gleich dem Könige und jeder schien geschmeichelt, den er anredete. Dabei wurde nie das Gespräch auf gehässige Controversen geführt, es schwelgte im Allgemeinen über solche Religionswahrheiten, die von jeder Kirche anerkannt waren. Sollten wir aber angeben, was in den Kabinetten und dunklern Fensternischen zwischen den Einzelnen verhandelt ward, würde auch der am besten unterrichtete Historiker in Verlegenheit sein, wie er diese Sprachverwirrung zur Harmonie eines Kunstwerks bringen sollte.

Unter den Staatsmännern, Kavalieren, Geistlichen von Auszeichnung und schönen und geistreichen Frauen wandelte, aller ihm erwiesenen Aufmerksamkeit unerachtet, der Dechant doch im Grunde einsam umher, denn die Furcht, wenn der König ihn anrede, in seiner eigenen Rede stecken zu bleiben, ließ ihn dieselbe fortwährend recitiren, so daß es, indem er die Lippen dabei bewegte, den Anschein gewann, als bete er einen Rosenkranz her. Gern postirte er sich deshalb, wo der König an ihm vorüber mußte, und war doch froh, wenn Jakob, ohne ihn zu sehen oder zu verweilen, vorüberging; denn wie gern verschieben wir den Moment einer feierlichen Entscheidung für das Leben, wenn er heran gekommen ist, ob wir gleich sehnlich zuvor seine Ankunft beschworen. Jacob hatte auch in der That seine Aufmerksamkeit auf einen interessanteren Gegenstand als Sir Alexander gerichtet. So wie Miß Anna in die Zimmer getreten, schien sie der Mittelpunkt der glänzenden Versammlung geworden. Die Damen fanden sich in ihrer Erwartung: eine schüchterne Landschöne, die Herren, welche mit ihrem komischen Abenteuer bekannt waren, in der getäuscht: ein keckes Mannweib zu finden. Unbefangen hatte sich Anna in den Kreis der Frauen gesetzt und jedem Kavalier Rede und Antwort gestanden. Entzückt flogen Staatsmänner und Ritter, wenn sie eine treffende Bemerkung von ihren Lippen erhascht, in die Winkel und theilten sich ihre eigenen Bemerkungen mit. Ueber Ebenmaaß, Fülle, Dauer und Anmuth ihres Körpers hatte man sich bald geeinigt, ebenso über die Kraft ihres Witzes, nur zankte man über die Absicht ihres Hierseins. Daß sie der Oheim, um vermöge ihrer Augen die Pfründe zu erhalten, mitgebracht, lag am Tage; die Kenner wollten indessen nicht zugeben, daß dies lebendige Geschöpf sich als Maschine gebrauchen lasse, und zwar von dem ergrauten Schwachkopf. Man rieth hier auf eine glänzende Partie, nach der sie angle, dort murmelte ein Lord mit bedeutungsvolleren Mienen: »mehr! mehr!«

»Sie könnte den Abendcirkeln neues Lüstre geben,« meinte ein Anderer, der darauf einging, »zumal hier, wo es schon an Wunder gränzt, wenn man zwischen den Kutten noch Seide- und Goldstoff sieht.«

»Pst!« züschelte die Mehrzahl mit verlängerten Gesichtern, und doch äußerte sich der Eine von den Besorgten unverhohlen: »Sie käme, trotz Frische, Schönheit und Witz nicht auf. War ihnen doch schon die Sedley zu witzig, und mußte fort.«

»Die Dorchester,« sagte der Andere, »war zu beißend, sie hat es sich selbst zuzuschreiben. Ein wenig nachgebend, und sie könnte noch regieren.«

»Sie soll wieder in London sein,« warf ein Dritter hin.

»Gebe ihr der Gott der guten Gesellschaft den Gürtel der Charis und etwas Besonnenheit; denn es thut in der That dem Hofe Noth nach einer Maitresse, die es versteht Maitresse zu sein. Ist es nicht eine Schmach für England, daß sich hier noch keine Montespan, keine La Valery, keine Maintenon bilden können? Wär nur ein Fünkchen Genie dagewesen, Carls Hof war der Ort, wo es die Roberts, die ihm Shaftsbury zuführte, die Cleveland, die La Guyn selbst, weit bringen konnten; da mußte eine Französin uns geschickt werden, und die Portsmouth die einzige sein, die sich mit Ehren nennen läßt!«

»Und jetzt Mylord,« hub der erste lächelnd mit aufgehobenem Zeigefinger an, »jetzt solche Reden beim Zustande der Königin!«

Man senkte die Köpfe, um die verzogenen Mundwinkel zu verbergen; indem rauschte Mistriß Chiffinch vorüber. Aus den vollen Zügen ihrer überreifen Schönheit lächelte der Triumph der Freude:

»Sirs!« sagte sie, mit der vertraulichen Miene erlernter Vornehmheit sich herabneigend. »Man gebe sich keine Mühe im diviniren. Die Dorset, lieber Gott, was will die Dorset machen? Aus den Augen aus dem Sinn. Unsere kleine Landdame vom Pastor, wo er her ist, trägt den Sieg davon. – Sehn Sie dort? – Eine Viertelstunde conversirt Majestät schon mit ihr, und wahrhaftig die Kleine hat Haken um ihn zu angeln. Die vollen runden Arme, alles fein gewölbt, die Füßchen mit den zarten Knöcheln: und wie sie geht, es ist eine Lust mit anzusehn. Churchill meinte vorhin, sie gliche mir als ich nach London kam. – Sehn Sie, jetzt legt sie den Arm in seinen. – Sirs! Unter uns, es war ein kluger Gedanke, und kommt von Niemand als Graf Sunderland. Ein charmanter Kavalier, der sich immer gleich bleibt. Adieu Sirs, Adieu!«

Unter den Paaren, welche die Zimmer durchkreuzten, sah man allerdings den Grafen Sunderland an Churchills Arme wohlgefällig dem Könige, wenn er mit Annen vorüberging, nachblicken; doch schien nicht dieselbe Stimmung auf allen Gesichtern zu herrschen. Vater Peters gerundetes Antlitz furchte sich etwas, als Pater Huddleston ihm im Winkel einige ernste Worte ins Ohr flüsterte.

»Ob die beiden ehrwürdigen Kahlköpfe auch über die Taille der neuen Helena Betrachtungen anstellen?« sagte Churchill. »Bei Gott sie ist ein Engel.«

»Man schreit jetzt,« entgegnete Sunderland »die blasse interessante Schönheit der Lady Wentworth als etwas bezauberndes aus; meines Erachtens kann sie gegen diese modeste Fülle, die feine Elasticität der Figur, das wohlgeregelte Spiel der Augen nicht Stich halten; es müßte denn der halbe Herzogslüstre, der ihr von Monmouth anklebt, den Zauber ausmachen.«

»Der vortrefflichste Witz, Sir,« lachte Churchill auf, »hättet Ihr Jacob in Lady Harriet verliebt gemacht.«

»Wenn sie Ihn in ihren Armen vergiften könnte, so zweifle ich nicht, die Heroine hätte sie ihm geöffnet.«

Jetzt stießen die beiden Staatsmänner auf die obenerwähnten Geistlichen. Man drückte sich mit seelenvollen Blicken die Hand.

»Ist das dieselbe Anna Tennison,« flüsterte Vater Peter dem Minister ins Ohr, »die Tochter des Republicaners, welche, nach dem Gerücht den Ritter von Salton gefangen gehalten, oder gar noch verbirgt?«

»Hochwürdiger Herr!« sagte Sunderland, die Hand des Beichtvaters zärtlich an die Brust drückend. »Keine Sorgen deshalb. Sie ist die Sanftmuth selbst, schon halb uns geneigt, und könnten wir durch Sie erfahren, wo der Ritter zu treffen, was möchte uns besseres diesen Abend begegnen? Ihr steht mir doch bei, Hochwürdiger, wenn ich den alten Pinsel so weit präparirt habe, daß der Acker gepflügt ist um den Saamen aus Eurer Hand zu empfangen?«

Sie schieden schweigend mit verbindlichen Gebärden, aber Vater Peter äußerte zu Huddleston: »Darin irrt Ihr zwar, Hochwürdiger Bruder, daß der Graf gegen uns cabaliren wolle, jedoch mag der treffliche Kavalier selbst von ihr betrogen werden, denn sie blickt so resolut, wie hier Niemand blicken darf.«

So eilten beide durch eine Nebenthür hinaus, Sunderland aber trat auf den Dechanten zu, und führte ihn mit einer vertraulichen Bewegung in die tiefere Fensterwölbung eines Kabinets. Beide setzten sich.

»Wie tief bedaure ich, Sir, daß der König noch immer nicht Gelegenheit gefunden, Ihren Vortrag zu hören. Kennte er den Genuß voraus, er würde keinen Augenblick zaudern. Wie muß dem würdigsten Vater unserer kirchlichen Gelehrsamkeit, unser buntes Treiben hier kleinlich und unwürdig erscheinen, gegen die erhabene Ruhe, der sich ein Geist, wie der Ihrige in der ländlichen Einsamkeit täglich erfreut! Wie fallen da alle Störungen der Eitelkeit hinweg! Wenn uns nichts als das Klingeln der Heerden ins Ohr tönt, die Birken vor dem Fenster rauschen, wie anders sprechen dort die Folianten voll Weisheit der Vorwelt zu uns, wie kann da der Mensch ganz Mensch sein.«

Sir Alexander verbeugte sich: »Majestät sind also doch unterrichtet von meinem Antrage und den Verheißungen seiner erlauchten Minister?«

»Wie!« rief Sunderland mit dem Blicke edler Entrüstung sich aufrichtend, »hielten Sie uns für solche Heuchler, wie die Hofmänner wohl in den Romanen geschildert sind, die jedem Clienten ein freundliches Gesicht zeigen, alles versprechen, und wenn die Thüre zugeschlagen, jede Sylbe vergessen haben. Der König weiß Alles –«

»Daß ich von der Majorität der Collegen die Zusicherung ihrer Stimme in der Tasche trage,« fiel der Dechant ein, »daß mir der Marquis von Halifax die königliche Einwilligung zugesagt, daß also nichts fehlt als die Förmlichkeit der Wahl und Bestätigung zum Präsidenten des Magdalenen Collegiums.«

»So wüßten Sie wirklich nicht« hub der Minister an, »daß die Fellows in voriger Woche, aus Furcht, daß Sir Alexanders sanfteres Gemüth sich vom Könige zur Milde gegen die Nicht-Anglicaner bewegen lasse, daß sie, uneingedenk ihres Versprechens, den starren Anglicaner Dr. Hough zum Präsidenten erwählt haben? Sie wüßten nicht, daß der König, aufs äußerste über diesen Trotz empört, geschworen hat, da sie den weisesten Gelehrten, den humanen Sir Alexander Tennison verworfen, ihre Wahl zu zerbrechen, und einen Römisch Katholischen zum Rector zu machen! Sehn Sie dort den ehrenwerthen Herrn Farmer, dem Majestät eben so freundlich zuwinkt, er ist neuerdings zum Schooß der Mutterkirche zurückgekehrt, und trägt die Bestallung in der Tasche.«

Der Dechant lehnte sich an den Stuhl: ein Papier, das ihm Sunderland zusteckte, und aus dem allerdings hervorging, daß Herr Farmer der Universität solle aufgedrungen werden, verscheuchte auch den letzten Zweifel zu Gunsten der Hoffnung. »So wäre die ganze Reise, alle Anstrengungen, alle treue Dienste wären umsonst; auch hier die Assemblé, es gäbe keine Mittel?«

»Doch, hochwürdiger Herr! Nur der starre Trotz und das Haften an Kleinigkeiten kann den König in Harnisch bringen. Ein Mann, wie Euer Hochwürden, der wesentliche von Nebenrücksichten zu unterscheiden weiß, der gern die Toleranzgesetze eines Monarchen, dem Gewissensfreiheit als das höchste Gut erscheint, verfochten hätte, wie hätte Majestät da ein Auge zugedrückt und gern Ihnen den Stuhl überlassen, doch jetzt, jetzt bedurfte es einer eclatanten That um Sie und den beleidigten König zu rächen.«

»Sie sprechen da von einem Auswege, Sir, und doch ist der Stuhl schon vergeben. Und wollte ich selbst laut predigen für die Toleranz, was hülfe dies jetzt?«

»Die Dienste, welche Sir Alexander dem päpstlichen Nuncius geleistet,« sagte lächelnd der Minister, »sind nicht auf Sand geschrieben. Eines Empfanges wie Euer Hochwürden konnte sich bisher kein Anglicaner an diesem Hofe rühmen, selbst Vater Peter, der fromme Mann, sprach zu Ihren Gunsten, und man sieht hier wie in der ganzen Stadt in Ihrem Benehmen eine wohlüberlegte Annäherung zu dem allgemeinen Systeme. Könnte nur Sir Alexander, einige kleinliche Vorurtheile überwindend, sich zu einer kühnen That entschließen, so wäre dies der Weg zu Ehren, gegen die eine Präsidentschaft in Oxford sehr geringfügig ist.«

Der Minister schwieg und ließ die Blicke sinken, der Prälat starrte ungewiß vor sich bin. Nach einer Pause ergriff jener die Hand des Geistlichen und rückte seinen Stuhl vertraulicher heran.

»Lassen Sie mich als Freund reden,« sagte er mit leiserer Stimme, »offen und rein, was dem Minister nicht erlaubt war. Heißt es denn Klugheit, in zerbrechlichem Kahne, einer Grille halber, dem reißenden Strome entgegen rudern? Halten Sie nicht mit Gewalt die Augen zu; die Zeit der protestantischen und freien Ideen ist jetzt für England vorüber, der Strom hat sich umgedreht; wende wer klug ist und das Leben lieb hat sein Fahrzeug, wenn er nicht den heroischen Kitzel empfindet: à la Russel und Sidney den Hals zu lassen. – Ich habe mich überzeugt, ich habe den Kahn bei Zeiten umgewandt, und möchte so nun gern würdige Freunde aus dem Verderben entreißen, dem sie bei dauernder Verstocktheit entgegen gehen.«

Der Dechant blickte noch immer starr vor sich hin, als fände er nicht den Ideensprung von den seinigen zu denen des Ministers, der nun fortfuhr.

»Sie würden lachen, wollte ein Laie dem Eingeweihten philosophisch auseinander setzen, wie ihn die Betrachtungen der wunderbaren Wege der Vorsehung dahin geführt, daß er den Schritt auch in sich vollkommen gerechtfertigt erblickt. Meine Göttin war von je die Vernunft; wo spricht sich aber diese deutlicher aus, in den herrschenden Verhältnissen! Daß es so geworden ist, zeigt daß es so werden mußte, was will der schwache Glaube und Wille des Einzelnen dagegen? – Noch vertraulicher zu reden: Es muß kommen, wie es gekommen ist, aber dem Könige kommt alles darauf an, daß ein gewichtiger Mann, ein Mann von eminenter Gelehrsamkeit, ein Mann, den die hohe Kirche schon wie ihren Hirten verehrt, daß ein solcher ausgezeichneter Mann der Sache selbst bei den Schwachen, den Schwankenden Ansehn giebt.«

»Ich soll katholisch werden, meinen Glauben abschwören!« fuhr jetzt der Dechant heraus. »Um zeitlicher Vortheile willen ein Scandal geben, das meinen Namen in Ewigkeit brandmarkt!«

Graf Sunderland puffte mit Aemsigkeit seine Handkrause: »Ich hielt Sir Alexander für aufgeklärt genug, über diese Modeworte hinaus zu sein. Katholisch werden? Abschwören? Brandmarken? ist davon die Rede? Zum Besten Ihrer Kirche gilt es einigen Adiaphora entsagen; entsagen dem Wenigen, um nicht Alles zu verlieren. Ich bin ein Freund der anglicanischen Kirche und wünsche nicht daß ihre Güter in die Hände der Sectirer oder Italiäner fallen. Sehn Sie dort unsern Hofmann der neusten Mode, William Penn, wie er mit langen Armen und festen Blicken vorübergeht. Nicht umsonst haben sich die Quäker der papistischen Duldung geneigt gezeigt. Sie hoffen auf die Pfründen der Anglicaner. Weigern wir uns länger, überzieht uns ein Schwarm hungriger Irländer und Römer. Und was geben wir denn hin? Ist denn nicht unsere anglicanische Kirche so nahe der römischen verwandt, daß die Sectirer sie für eins halten? Hat uns nicht Sir Alexander bündig in seinen Schriften bewiesen, daß unsere Bischöfe die echten canonischen Nachfolger des heiligen Petrus sind? Wir tragen dasselbe Chorkleid; laßt uns doch die Hand den Brüdern reichen, den ärgerlichen Streit zu vermeiden.«

»Es wäre gerathen, über diese Controverse eine öffentliche Disputation anzusetzen« sagte der bedrängte Dechant; »gern würde ich dort um der Wahrheit willen streiten.«

»Als hätte eine Disputation je zu etwas anderm geführt, als daß jeder Streitende noch fester in seiner Meinung wurde. Nein, hochwürdiger Herr, soll eine anglicanische Kirche bestehn, müssen wir anders ans Werk schreiten. Gleich wie aus dem Hader des allmächtigen Ludwig von Frankreich, des katholischsten aller Könige, mit dem Papst eine gallicanische Kirche im Entstehen ist, so Sir, wäre es ein leichtes, haben wir einmal aus Gefälligkeit den Papst anerkannt, uns wieder als gute Katholiken von ihm unter dem Schutz des Königs zu trennen, und aufs neue unsere anglicanische Kirche zu begründen. Es liefe alles auf einige Namensänderungen hinaus, der Friede wäre gesichert, und – die Männer, die vorangeschritten, könnten auf den Ruhm bei der Nachwelt zählen.«

Der Dechant war zu einem Entschluß gediehen. Fest erhub er sich von seinem Sitze: »Ich lasse meine Ansprüche auf die Rectorstelle fahren. Noch heute Mylord, kehre ich auf das Land zurück, um mit meinen Glaubensbrüdern für die Erhaltung unserer Kirche zu beten.«

»Als ob Sie dies noch könnten,« sagte Sunderland gleichfalls aufstehend. »Zu spät hochwürdiger Herr; Sie haben dem päpstlichen Nuncius durchgeholfen gegen einen protestantischen Gesandten, Sie sind der Procession in die Kapelle gefolgt, und wollen noch Protestant sein! Schon verflucht man Sie in allen protestantischen Betstunden, schon fliegt ihr Name, mit einem Anathema behangen, von den Kanzeln. Sie müssen zugreifen zu der einzigen Rettung oder sind verloren.«

Der Dechant schlug die Arme über den Kopf zusammen: »Ich will mich ganz in die Einsamkeit zurückziehn, bis es mir gelungen meinen reinen Eifer zu beweisen –«

»Bis man Ihnen die Weisung giebt außer Landes zu gehn, wie Dr. Burnet, und diese muß Ihnen der König geben, wenn er sich so von Ihnen getäuscht sieht. Aber erwarten Sie nicht Burnets freundliche Aufnahme am Haag; denn Oranien vergißt Ihnen niemals die seinem Ambassadeur zugefügte Schmach.«

»Aber, bei der Gnade des Himmels, setzten wir auch alle höhere Rücksichten bei Seite, was wird aus uns, wenn Oranien den Thron besteigt?«

Sunderland zog den Dechanten wieder tiefer ins Fenster zurück, und flüsterte ihm ins Ohr: »Er wird ihn nie besteigen. Es ist zwar richtig, daß der König schon tief im Mannesalter, auch die Königin kränklich und seit vier Jahren nicht niedergekommen ist; daß also in Privatverhältnissen keine Kinder, geschweige ein Sohn, zu erwarten wären. Allein bedenken Hochwürdiger, daß es das Wohl des ganzen Englands, des katholischen Englands gilt! Die Herzogin von Modena ist dreimal um das Gotteshaus von Loretto gerutscht, die ganze katholische Christenheit, versteht sich so weit sie Interesse dabei hat, liegt auf den Knien und die Königin selbst betet vor dem Heiligenschrein zu Holliesel in Wales. Da sieht denn doch auch ein Blinder ein, daß ein Wunder geschehen möchte; und wer an aller Wunderkraft zweifelt, der wird überzeugt, daß hier ein Wunder geschehen muß. Deshalb sein Sie ohne Furcht vor Oranien, und duplicirte sich das Wunder, daß er zum Thron käme, je nun, so giebt es immer Mittel was geschehn ist zu redressiren, und die anglicanische Kirche würde deshalb um kein Haar schlimmer, weil sie einige Jahre den Papst anerkannt hat.«

Eben ging der König durch das Kabinet, Miß Tennison neben ihm. Mit herablassender Freundlichkeit nickte der Erstere dem Dechanten zu, und Sunderland hielt dies für den geeigneten Moment seine Plane in's Werk zu setzen.

»Sir!« rief er, den Dechanten an der Hand vorziehend, »hier bittet ein würdiger Prälat um den Segen der Majestät, wenn er zur Einigkeit des christlichen Glaubens in Dero Reichen mitarbeiten will.«

»Immer Bedingungen,« sagte der König halb scherzend, »als ob ein getreuer Unterthan sich nicht blindlings der Gnade seines Königs übergeben könnte! Auch hier verschanzt sich eine holde Schöne mit Bedingungen über Bedingungen und will erst Gnade und Auskunft über irrende Ritter haben. Sir, ich weise Euch an meinen Beichtvater, da ich selbst mir vorgesetzt den Unglauben der kleinen Trotzigen zu beugen.«

Hinter dem Könige stand ein großer Mann, der seine ernsten Blicke auf dem Dechanten haften ließ. Obgleich nun William Penn in den Hofcirkeln den breiten Quäkerhut nicht auf dem Kopfe trug, war doch sein unhöflicher Ausdruck, wie Sir Alexander es nannte, für diesen so unangenehm, daß er ihm gern entwich. Wie viel mehr mußte dies jetzt der Fall sein, wo ein strafender Vorwurf in diesem unhöflichen Ausdruck, etwa, wie: »Willst Du Glauben und Ehre hingeben um Gut und Würden« zu liegen schien. Froh ihm zu entgehen folgte er deshalb dem Könige, der mit Annen in ein größeres Zimmer getreten war, als die Meldung eines Lakaien dort eine Unruhe erregte, ganz fremd diesen Cirkeln.

»Die Gräfin von Dorchester!« hörte man ihn dem Monarchen in's Ohr flüstern. Der König entfärbte sich. Es war seine eigene Intrigue gegen die Königin und die Priester, welche seine Geliebte aus Irland zurückgerufen hatte; ihre Erscheinung in diesem Momente glich aber der Contreintrigue einer feindlichen Macht. Schon als Miß Sedley hatte die Gräfin große Macht über Jacob ausgeübt, er fühlte sich beschämt, und die Beschämung brach in Unwillen aus. Die reizende Gräfin trat im vollen Gefühl ihrer Ueberlegenheit in die Cirkel, aus denen gerade diese Eigenschaft sie auf längere Zeit verbannt hatte, und in dem Augenblicke, wo der König eine ungeschickte Bewegung machte sich von Miß Tennison zu entfernen. Der König konnte beim Empfange Verlegenheit und Unwillen nicht meistern, und die Gräfin, in deren Augen Geist und Witz funkelten, bemerkte mit heimlicher Schadenfreude die Ursach. Der Hof ringsumher lauschte auf ein Schauspiel, aber Anna betrog ihn darum. Statt dem Winke des Königs zu folgen, blieb sie in seiner Nähe und ergriff nach der ersten Begrüßung zwischen Jacob und der Gräfin des Ersteren Hand, indem sie sich bittend zur Letzteren wendete.

»Mylady erscheint als meine Fürbitterin. Ich halte die königliche Hand und sage alles, was der König zu mir gesprochen. Sir, Alles wiederhole ich und rufe die Gräfin als Richterin an –«

Die Rede diente nur des Monarchen Verlegenheit zu erhöhen, indem die Gräfin wechselweise ihn und die schöne Bittende fixirte: »Sprechen Sie, schöne Miß, daß wir sehen, ob der König in der Treue ein König oder ein Mann wie alle Männer ist –«

»Miß, was wir über den Glauben sprachen –« sagte Jacob.

»Werde ich doch nie profan machen,« entgegnete Anna; »allein die andere Zusage –«

»Will ich in einer so angenehmen Stunde nicht wieder zurücknehmen,« antwortete der König und wollte sich entfernen.

»Nein Majestät!« rief Anna, seine Hand ergreifend und sich vor ihm auf ein Knie niederlassend. »Nein, so treulos kann kein englischer König eine Dame verlassen, der er eben die schönsten Hoffnungen zuflüsterte!«

»Ein treffliches Kind!« murmelte Sir Alexander. »Jetzt bittet sie um die Pfründe für mich!«

Der König betheuerte, indem er sie aufzuheben strebte, alles zu erfüllen, was sie begehren könne, und die Knieende hob den Arm in die Höhe mit lauterer Stimme rufend. »So sprechen Sie, Sir, Gnade und völlige Vergebung aus, für den Ritter Robert Fletcher von Salton!«

Jacob sprach ein rasches: »Es sei!« das indessen wenig wie ein Gnadenwort klang, und Anna erhob sich schnell vom Boden, des Königs Hand ehrfurchtsvoll an die schönen Lippen drückend. »Die Gnade wirke tausendfältig auf das ganze Land und königliche Haus zurück!«

Gleich hinter der Gräfin war Vater Peter in den Saal getreten, und Sunderland hatte ohne Mühe auf dem Gesichte des Geheimerathes, der wenig von der Verstellungskunst seiner jesuitischen Brüder erlernt, gelesen, daß die Erscheinung der Dorchester sein Werk sei. Mit einer leisen Verwünschung gegen den frommen Mann, war eine Drohung über seine Lippen gegangen, und nachdem er sich kaum auf eine Minute entfernt, stand er wieder an der Schwelle, über welche der König, die Gräfin am Arme, eben trat. Ein Triumph leuchtete auf Annens Gesichte. Die Dorchester hatte ihr freundlich nach dem Vorfalle zugenickt, aber eine Wolke lag auf Jacobs Stirn und die untere Lippe zwischen den Zähnen. Die Gräfin hing an seinem Arm, es schien indessen, als wende er das Gesicht mit Absicht von dem ihrigen.

»Sir!« trat ihm Sunderland, sich verbeugend, entgegen, »schon seit einer Stunde harren die sieben Bischöfe auf das Gehör, das Euer Majestät ihnen zusagen ließ.«

»Sie sollen es erhalten, und sollen wieder hören eines Königs Stimme!« rief Jacob, und ließ den Arm der Gräfin fahren. Seine Augen blitzten, seine Hände ballten sich unwillkürlich; der genährte Unwille hatte einen Gegenstand gefunden, an dem er sich auslassen konnte. Die Gräfin flüsterte Churchill, dem sie den Arm reichte eine Bemerkung zu, über die beide lachen mußten, und Jacob schritt von dem demüthig gebeugten Sunderland begleitet der Thüre zu.

Hier trat ihm ein Mann, der den ernsten Beobachter während aller Vorfälle dieses Abends abgegeben in den Weg. Es war der spanische Gesandte Don Ronquillo.

»Sir!« sagte er sich tief verbeugend. »Darf ich die Warnung wiederhohlen, die ich als Bote meines Königs Euer Majestät schon zuraunte. Ihr Volk erblickt in den Bischöfen die Vertreter seines Glaubens; bedenken Sie, daß jede rasche That des Unwillens auf deren Häupter, alle Ihre Unterthanen trifft, bedenken Sie die Ruhe Englands, den Frieden Europas, und leihen Sie kein zu geneigtes Ohr den gefährlichen Einflüsterungen der Priester, auf deren Einfluß Ihr Volk mit Entsetzen blickt.«

Zornig sich umwendend sagte Jacob: »Ist es keine Sitte in Spanien, daß der König sich mit seinem Beichtvater beräth?«

»Ja Sir!« entgegnete der Gesandte, »und eben deshalb gehn unsere Sachen so schlecht.«

Der König schritt, ohne ein Wort zu erwiedern, hinaus.

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