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Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Christian Dietrich Grabbe: Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung - Kapitel 6
Quellenangabe
typecomedy
booktitleScherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung
authorChristian Dietrich Grabbe
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000397-0
titleScherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1827
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Vierte Szene

Ein andres Zimmer im Schlosse.

Der Teufel (tritt auf). Warte, Herr Baron! Hast mir ein Zimmer in deinem Schlosse gegeben, – werde mich zu rächen wissen! – Die Liddy will den Wernthal heiraten, – sie kommt dadurch unter die Haube, – Das verhindere ich oder ich wäre nicht der Teufel! – – Doch, ich begreife nicht, wie mir so kribbelig zu Mute ist! Ich fühle mich so verzagt, – so gerührt, – so wehmütig – Hol mich Gott, das Hufeisen an meinem Pferdefuße muß losgegangen sein! (Indem er die Tücher, womit er den Fuß umwickelt hat, losreißt und seinen Huf besieht.) Ach! ach! es ist nur zu wahr! der Beschlag ist fort! ist abgerieben! Kaum kann ich noch auf den Boden treten! Weh! Weh! – Da ist leider kein andrer Rat, als daß ich mich überwinden und einen Schmied herkommen lassen muß! (Er wickelt die Tücher wieder um und ruft dann.) Heda, Aufwartung!

Ein Bedienter (tritt herein). Was beliebt?

Teufel. Hör Er, lieber Freund! – wohnt hier im Dorfe ein Schmied?

Der Bediente. Es wohnen hier zwei, Euer Gnaden.

Teufel. So geh mein Sohn, und ruf mir denjenigen von den beiden, welcher am wenigsten lacht.

Der Bediente. Oho, so muß ich den dicken Konrad holen, denn der ist wieder erschrecklich triste geworden, seitdem man die alte Chaussee ausbessert. (Geht ab.)

Teufel. Ich Unglückskind! Wie bringe ich es nun dem Schmiede auf eine gute Art bei, daß ich einen Pferdefuß habe? Ich Unglückskind! ich Unglückskind! – Ha, er kommt! Courage!

Der Schmied (tritt herein). Euer Gnaden haben befohlen –

Teufel. Sind Sie der – der –

Schmied. Ich bin der Schmied des Dorfes. – Wo steht der Gaul, den ich beschlagen soll?

Teufel (hitzig). Herr, ich bin kein – – (Sich aufs Maul schlagend.) O ich Dummkopf! – Nehmen Sie Platz, Herr Schmied, nehmen Sie Platz! – Haben Sie eine Frau?

Schmied. Freilich habe ich eine.

Teufel. Gewiß ein braves Weib!

Schmied (seufzend). Nu, jeder hat seine schwachen Seiten!

Teufel (gleichfalls seufzend). Ja wohl!!

Schmied (aufstehend). Wenn Sie mir nun sagen wollten –

Teufel. Ha, Sie haben Eile, dringende Eile! Sind Familienvater! Tragen Stiefeln! Haben Füße! (Ihm an der Weste knöpfend.) Auch ich – auch ich habe keine Pferdefüße!

Schmied. Das glaube ich unbesehens, Euer Gnaden!

Teufel (mit großem Eifer). Ja, das glauben Sie mir unbesehens und besehens, Herr Schmied! Ich habe keine Pferdefüße, – keine, – sondern höchstens – (Leise, indem er die Worte »edel, moralisch, Christ« u.s.w. mit ungeheurer Anstrengung und unter heftigem Niesen herausbringt.) Herr Schmied, Sie sind ein e – es – edler, – mo – ralisch gebildeter Mann, ein from – mer, fleißig in die Kir – Kirschen – in die Kirche gehender – Christ, – Ihnen kann ich es vertrauen, – (indem er sein rechtes Bein hinter dem linken zu verstecken sucht) ich trage an dem rechten Beine einen Huf!

Schmied (mit forschbegierigen Blicken). Wie? was? einen Huf? Ei!

Teufel. Nein, nein, nein! Nicht sowohl einen Huf, als wie einen Roßfuß – oder vielmehr einen pferdeähnlichen, – das heißt menschenähnlichen – kurz, eine etwas dicke Fußsohle, welche sich in der Ferne, bei einem stumpfen Gesichte, beinahe wie ein Pferdehuf ausnehmen möchte!

Schmied (vor Neugierde stammelnd). Wenn – wenn Euer Gnaden mir die Fußsohle –

Teufel. Gleich, lieber Herr Schmied, gleich! – Aber riegeln Sie zuvor die Tür zu! – So! – (Er hat die Tücher von seinem Pferdefuße losgemacht, zeigt ihn dem Schmiede, und verbirgt sich sehr verschämt mit dem Schnupftuche das Gesicht.) Wenn Sie nun gütigst Ihr Eisen draufschlagen wollten!

Schmied (den Fuß in die Hand nehmend). Hören Sie, Herr, das ist keine Fußsohle, sondern ein Pferdehuf, wie ihn kein andrer Gaul – – keine andre Seele, wollt ich sagen, – in der ganzen Christenheit aufzuweisen hat!

Teufel (stets das Gesicht hinter dem Tuche; lispelnd). Beschlagen Sie, beschlagen Sie!

Schmied . Zum Glück habe ich ein Hufeisen von dem Umfange eines Kronleuchters in der Tasche. Das will ich Ihnen draufnageln, daß es eine Art hat! (Er beschlägt ihn.) Da! jetzt sitzt es fest!

Teufel (froh). Sitzt es?

Schmied . Es macht einen Gulden.

Teufel (für sich). Einen Gulden? ich müßte ein Narr sein! (Laut.) Schindbalg, weißt du auch wen du beschlagen hast? Ich bin der Satan, bin – (der Schmied läuft davon; der Teufel ruft ihm nach) bin fünfmalhunderttausend Jahr alt und noch drüber, habe deinen Großvater geholt, hoffe dich auch noch zu holen, drehe dir den Hals um, sobald du ein Wort von mir verlautbarst, und ich sollte dich bezahlen, du Galgenstrick? (Zurückkommend.) Wie der arme Sünder ausriß, als er meinen rechten Namen hörte! – Aber das muß ich ihm lassen, er hat mich vortrefflich bedient! Das Hufeisen sitzt mir wie angewachsen! Mich durchzuckt ordentlich ein Vollgefühl von Kraft! (Er scharrt mehrmals mit dem Pferdefuße hinter aus.) Nun will ich noch, um mich völlig zu restaurieren, ein Stündchen zu schlafen suchen, und dann mit verdoppeltem Eifer die Heirat hintertreiben! (Er setzt sich in einen Lehnstuhl und zieht ein Buch aus der Tasche.) Es ist doch gut, daß ich mein altes, unfehlbares Schlafmittelchen, Klopstocks Messias, mitgebracht habe! Ich brauche nur drei Verse darin zu lesen, dann bin ich so müde wie der Daus! (Das Buch aufschlagend.) Wo blieb ich doch das letzte Mal stehen? Ah, pag. 29. (Er liest zwei Verse und schläft ein.)

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