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Schein und Sein (zusätzliche Gedichte)

Wilhelm Busch: Schein und Sein (zusätzliche Gedichte) - Kapitel 6
Quellenangabe
titleSchein und Sein (zusätzliche Gedichte)
authorWilhelm Busch
typepoem
senderpom@imsd.uni-mainz.de (Klaus Pommerening)
modified20171101
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Was das Großmütterlein sang

            Surre, surre, surre!
Mein gutes Rädchen schnurre!
Für unser kleines Kätchen
Dreh mir ein feines Fädchen
So lang von hier bis Köllen,
Wohl mehr als tausend Ellen.
Wir wollen es winden
Und Docken von binden,
Meister Weber es geben,
Soll Leinen uns weben,
Das breiten wir beide
Auf blumige Heide,
Auf Anger und Wiesen
Und wollen es sonnen,
Benetzen und gießen
Aus Bächen und Bronnen.
Ach, komm, du lieber Sonnenschein,
Und bleiche unser Leinen rein.
Dann kriegt mein Herzenstäubchen
Wohl manch ein feines Hemd
Und Tüchlein oder Häubchen,
Bis daß ein Freier kömmt.
»Schön' guten Tag, Herr Freiersmann!
Was schaut er so mein Kätchen an?
Das Kätchen geben wir nicht her,
Und wenn's für tausend Taler wär'.«
»Ei, Mutter, nur nicht gleich geschmält!
Den hübschen jungen Knaben,
Den will und muß ich haben;
Den Krauskopf, den Krauskopf
Hab' ich mir auserwählt.«
»Und willst du denn ein Bräutchen sein,
So geb' ich meinen Segen drein.
So manches Blümlein wachsen mag
Von Ostern bis Michelistag,
So manches Körnlein, als man sät,
So mancher Halm in Ähren steht,
So vielmal Gutes wünsch' ich dir
Aus meines Herzens Grund herfür.
Und wenn die Pfeifen klingen,
Dann tanzen wir und springen;
Dann spring' ich wohl und tanz' ich
Von Danzig bis nach Nanzig –
Knipp, knapp!
Da reißt mein Faden ab!«

 


 

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