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Schatzkästlein des Gevattersmanns

Berthold Auerbach: Schatzkästlein des Gevattersmanns - Kapitel 3
Quellenangabe
authorBerthold Auerbach
titleSchatzkästlein des Gevattersmanns
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
year1862
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171209
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Das Sparkassenbüchlein.

Freilich, sagte der Schlossermeister Werner in der Wasserstraße, freilich geschehen in unseren Tagen keine Wunder mehr, aber man steht doch manchmal an einem Abgrund, und eine Hand reißt Einen weg, die mehr Macht hat als eine einzelne Menschenhand, und wenn man sich dann besinnt, kommt's Einem wie ein Wunder vor. Mir schwindelt's noch, wenn ich dran denke, was aus mir hätte werden können, wenn nicht der heilige Geist, der in einem guten Menschen waltet, mich gepackt hätte, und wenn nicht noch Etwas an mir gewesen wäre, das er hätte packen können.

Ja, Nachbar Weber, die Jaquardstühle in eurer Gebildfabrik sind sehr kunstreich, und ich verstehe noch nicht wie Grund und Gebild zu gleicher Zeit gemacht wird; aber der große Webstuhl der Welt, in dem so ein menschlicher Lebenslauf nur ein einziger Faden ist, ist noch viel kunstreicher zusammengesetzt, noch viel schwerer auszukennen. Wenn man so einen menschlichen Lebensspinnfaden auszieht, sieht man an ihm, ebenso wie ich vor kurzem im Mikroskop am wirklichen Spinnenfaden gesehen habe, daß er siebenfach zusammengezwirnt ist. Ich will euch erzählen, wie ich gezwirnt worden bin, und fast hätte es einen dicken Knoten gekriegt oder wäre gar abgerissen.

Ihr wißt, ich bin als Waisenkind aufgewachsen, und hatte keinerlei Anhang in der Welt. Ich war ein junges leichtes Blut, als ich beim Zunftmeister in der Schulgasse als Geselle stand. Der Meister, ihr habt ihn ja noch gekannt, war ein stiller, behäbiger Mann, er sprach nicht viel um einen Groschen; dafür war's aber auch um so gewichtiger, wenn er nur nickte, oder einmal ein Wort an einen richtete. Als er mir den ersten Wochenlohn auszahlte, sagte er: »Peter, du hast genug an der Hälfte; das Andere behalte ich und lege es zusammen, bis wir's auf die Sparkasse thun können.« Und so geschah es auch. Wenn der Meister was sagte, hatte Keiner den Muth zu widersprechen.

Am Palmsonntag vor der Kirche ging er mit mir nach der Sparkasse. Mein Name wurde in ein großes Buch eingetragen, und ich bekam ein kleines Büchlein, drin stand wieder mit schönen Buchstaben mein Name, und auf dem zweiten Blatte mein erstes Ersparniß. Es waren sieben Thaler. Das Büchlein, es war in graugesprenkeltes glattes Papier eingebunden, war so sanft anzurühren, und war so fest bei einander, daß ich es so lieb hatte, ich kann es gar nicht sagen. So äußerte sich bei mir die erste kindische Freude etwas vor mich gebracht zu haben, und es giebt gewiß kein glücklicheres Gefühl, als sich zum erstenmale sagen zu können: du hast und bist noch etwas mehr als was da so herum läuft, es gehört noch etwas zu dir, was man dir nicht ansieht, und das hast du dir selber erworben.

Immer wieder hätschelte ich mein Büchlein, und las nach der Kirche gewiß hundertmal meinen Namen und mein Capital, und es kam mir sonderbar vor, daß der Name da drin mein ist, daß ich Peter Werner heiße, und daß die Zahl sieben Thaler das und das bedeutet, und daß ich das bin und das Alles zu mir gehört, und staunend ging mir's auf: wie es so seltsam und so wunderbar ist, daß ein Mensch dem andern auf etwas Geschriebenes hin sein Eigenthum giebt, und der bewahrt's ihm und giebt's ihm wieder, und noch mehr dafür. Es war mir, wie wenn ich jetzt erst auf die Welt gekommen wäre, und zum Erstenmal sähe, wie das Alles zusammenhängt.

Wohlgemuther habe ich noch keine Frühlingszeit gehabt, als jene vom Jahr 46, das auch ein gutes Weinjahr geworden ist. Wenn ich sah, wie Alles draußen so schön sproßte und wuchs, so mußte ich immer wieder denken: du hast auch einen Acker, wenn man ihn auch nicht sieht, und da wächst auch was drauf, und dein Acker – ist dein Sparkassenbüchlein.

Ich war so in mir vergnügt, daß ich mir das Rauchen abgewöhnte. Ein wahrer Geiz war in mich gekommen, und ich ruhte und rastete nicht, bis ich wieder ein Anständiges beisammen hatte, und am Tage vor Jacobi trug ich wieder eine runde Summe hin, und der Finanzrath Menninger, der die Sparkasse aus Menschenfreundlichkeit mitverwaltete, wünschte mir Glück, und trug das Ausgehändigte ein mit den Worten: » Heute fünf Thaler erhalten

Aber seltsam! Als ich den zweiten Eintrag überlas, war meine Freude bei weitem nicht so groß als wie das Erstemal. »Es geht doch langsam,« dachte ich verstohlen in mir, »du brauchst lang, ehe du zu etwas Erklecklichem kommst –« aber ich hieß den Gedanken schweigen und war bald wieder lustig und guter Dinge.

Wenn ich am Tage, besonders aber Abends, an dem Gebäude vorüberging, darin die Sparkasse war, sagte ich fast laut vor mich hin: »So, da oben bist du, mein Geld, du ruhst Tag und Nacht nicht und verdienst dir Zinsen; das ist gut, es schafft jetzt noch Eins für mich, und ich will dir schon nachhelfen, will dir neue Rekruten schicken.«

Hätte ich das nur immer blos für mich hingesprochen! Aber ich sagte es bald auch meinem Nebengesellen, einem Pfälzer, der uns zugereist war, der zuckte die Achseln und lachte spöttisch über meine kindische Genügsamkeit.

»Was willst du mit dem Bettel anfangen?« sagte er. »Die reichen Leute allein, die haben's gut, die essen und trinken und schlafen und lassen derweil ihr Geld arbeiten, und wenn sie in der Frühe erwachen, so können sie guten Morgen Feierabend sagen. So lang man das nicht kann, ist man ein armer Schelm.« Ich kümmerte mich wenig um seine Worte, ich war ja nicht arm, und war auch kein Schelm; aber wie das so geht, es bleibt doch Etwas in Einem stecken. Es sind zweierlei Menschen in Jedem, und es kommt darauf an, welchen man anruft. Ich ließ mich verleiten, wieder ein bißchen zu rauchen, und auch sonst kleine Ausgaben nicht zu scheuen, ich wollte mein junges Leben genießen, und es dauert ja doch so lang, bis man auf diesem Weg etwas Erkleckliches vor sich gebracht hat. Dennoch war ich dabei nicht glücklich, und holte mir zu meinem Troste oft am Sonntag Morgen mein Sparbüchlein aus der Truhe und freute mich, daß das Alles da drin so feststeht und mir doch nicht durch die Finger laufen kann. Es war eine gedruckte Zinsenberechnung mit in dem Büchlein, und ich wollte ausrechnen, wieviel mein Reichthum bereits ertragen habe; sieben Thaler ertragen zu fünf vom Hundert jeden Monat zehn Pfennige, und fünf Thaler ertragen sechs Pfennige monatlich, und jenes im Jahr zehn Silbergroschen und sechs Pfennige, und dieses sieben Silbergroschen sechs Pfennige. Ja, das stand Alles da, aber ich hatte nicht zu gleicher Zeit, und gar nie am Ersten eines Monats, eingelegt, und mit den Tagen, Wochen und den Bruchtheilen konnte ich nicht auskommen. Mein Pfälzer dagegen war ein fertiger Rechner und Schreiber, er sagte mir auf Heller und Pfennig hin, was ich zu fordern hätte, und sang mir meinen ganzen Reichthum in der Weise des Jägers von Kurpfalz vor, warf mein Büchlein an die Decke, und rief: »da fliegt der ganze Reichthum Peter Werner's, des großen Capitalisten!«

Das Büchlein fiel aufs Angesicht, und mir war's als wär' es gekränkt. Ich hätte es gern um Verzeihung gebeten, als ich es abwischte; ich versteckte es in meine Truhe, und zeigte es fortan dem Nebengesellen nicht mehr.

Da brach gegen Weihnachten in der Stadt ein großer Brand aus, und ehe man Hülfe bringen konnte, schlugen die Flammen aus dem Hause, worin die Sparkasse war. Mir zitterte das Herz im Leibe, als ich das sah, und ich weinte, als ich hörte, daß das Hauptbuch verbrannt sei: mein ganzes Besitzthum war jetzt auf Einmal dahin. Mein Nebengeselle aber lachte mich aus, und sagte: »Du Narr, was weinst du? Der Staat hat ja die Sparkasse garantirt, und du hast ja deinen Schuldschein. Der Staat muß dich bezahlen.«

Ich war beruhigter, denn leider ist es ja so und noch jetzt unter gar vielen Menschen, daß sie meinen, was der Staat leisten muß, das kommt aus einem unsichtbaren Beutel, der vom Himmel herabhängt, aus dem man nur zu nehmen, und in den man nie hinein zu thun hat. Jetzt zeigte ich meinem Pfälzer wieder mein Büchlein, gab's ihm jedoch nicht in die Hand, und er fand Alles in Ordnung.

Als wir aber Nachts im Bett schliefen, weckte er mich und rief: »Peter, wir werden Beide reiche Leute, und wir können es auch dahin bringen, daß unser Geld für uns arbeitet, und wir thun gar nichts mehr als spazieren fahren.«

Ich meinte, er träume noch, aber er erklärte mir, daß wir beide nach Californien auswandern, wo man das Gold aus dem Boden gräbt. Das war mir schon Recht, aber ich wußte nicht, woher das Reisegeld nehmen. Da sagte er, daß mein Sparkassengeld dazu ausreiche. »Du hast es ja einen Bettel geschimpft?« fragte ich. »Das ist's nicht mehr,« erwiderte er, Licht anzündend. »Mir ist im Schlaf eingefallen, wie das zu machen. Komm, steh auf, gieb mir einmal dein Büchlein her.«

Mir war selber, als wenn die geschriebene Zahl sich durch ein Wunder in Hunderte und Tausende verwandelt haben könnte, ich sprang aus dem Bette, schloß meine Truhe auf und holte mein Büchlein.

»Richtig!« rief der Pfälzer. »Gut ist's! Prächtig! Das wird kein Mensch anders sehen. Hier steht: »Heute fünf Thaler erhalten.« Das Wort »heute« wird sonst nie geschrieben. Wirst sehen, wie ich hexen kann. Aus dem Wort »heute« mache ich »hundert.« Dann haben wir genug, und wir können mit Goldklumpen Fangball spielen.«

Ich zitterte am ganzen Leib und rief: »Das thue ich nicht! Das kannst du nicht! Das darf man nicht! Das kann man nicht!«

»Gieb her, ich will dir's zeigen,« sagte er.

Noch widerstrebte ich, aber der böse Geist regte sich als Neugier in mir, und ich sagte: »Wie willst du das machen? Probir' zuerst auf einem andern Papier, du verdirbst mir sonst mein Büchlein, und ich komme in Ungelegenheit und verliere noch das, was mir gehört.«

Die Feigheit des bösen Willens gab mir ein, das zu sagen; ich hoffte, daß er es nicht machen könnte, um dadurch von meinem bösen Gelüste erlöst zu werden, und wünschte doch wieder, daß er es könne. Man ist in solcher Lage wie besessen, wie vom Wirbelwind erfaßt.

»Gieb her!« schrie der Pfälzer, »und mach' mich nicht zornig, sonst zittert meine Hand, und ich verderbe es unnöthig.«

Ich konnte nicht mehr widerstreben. Ich preßte die gefaltenen Hände zusammen und stand zitternd dabei, wie er mit fester Hand in mein heiliges Büchlein hineincorrigirte, und als er, mit dem Munde die Tinte trocken hauchend, das Büchlein an sein Gesicht hielt, war's mir, als ob er meine Seele verschlinge. Ich wollte sehen, was er gemacht, aber er zeigte mir's noch nicht, und als er jetzt mit einem kleinen Messer radirte, spürte ich's, als ob man an meiner Seele schabte; aber jetzt schlug mir's wie eine Flamme aus dem Gesicht, und eine Stimme sagte: »Du bist reich und wirst noch tausendmal reicher.«

Ich las, da stand's: »Hundert fünf Thaler erhalten,« und kein Mensch, der nichts davon wußte, konnte merken, daß hier etwas geändert war, und das Hauptbuch war ja verbrannt.

Der Pfälzer zog mich jubelnd im Tanz auf der Bodenkammer umher, und rief immer: »Jetzt geht der lustige Tanz an und wird Lebenlang aufgespielt, und wir tanzen durch die Welt, lustig bis zum Kehraus.«

Wir lagen wieder im Dunkel in unserm Bett, und der Pfälzer verstand es, eine Welt voll Glanz und lauter Lustbarkeit vor mich hinzuzaubern. Ich war schon auf dem Meer, ich spielte schon Fangball mit Goldklumpen, ich fuhr in einer Kutsche mit vier Schimmeln, und auf dem hintern Sitz saß ein Bedienter, der reichte mir auf einen Wink immer frischgestopfte silberbeschlagene Meerschaumpfeifen mit brennendem Zunder obendrauf in den Mund, und ein Andrer schenkte mir Champagner ein, und meine Frau saß daneben und hatte einen grünen Schleier auf dem Hut ...

Mein Pfälzer schlief bald ein, er hatte sich stark verausgabt, mir allerlei Träume vorzumalen, und auch ich sank endlich in Halbschlaf; da durchzuckte es mich plötzlich, und ich wachte auf wie aus einem Rausche. Mir war ganz klar alles was geschehen war, meine Kiste stand ja offen, und ein heller Mondstrahl fiel schräg auf die glitzernde Decke meines Sparbüchleins und zitterte darauf. Ich sprang aus dem Bett. Nein, das darf nicht sein, lieber will ich Alles verlieren, ich zerreiße mein Kleinod. Aber seltsam! Mich dauerte das Büchlein, das ich so sehr geliebt hatte. Ich nahm es mit ins Bett und schlief endlich ein.

+++

Der Meister fragte mich oft was mir fehle, ich sähe so verstört und übernächtig aus. Ich konnte es ihm nicht sagen, und wenn er und die Meisterin und die Kinder ein freundliches Wort mit mir sprachen, fuhr es mir wie ein zweischneidig Messer in die Seele: die denken noch immer, du seist brav. Die wissen nicht, was du gethan und was du noch thun willst, du betrügst sie um ihre Gutheit. Sie würden dich alle hinausjagen, wenn sie wüßten wer du bist. – Oft, wenn ich zu Tische saß, war mir, als müßte jetzt plötzlich ein Gerichtsdiener kommen, mich in Ketten legen und in ewige Gefangenschaft bringen. Ich hielt mir oft die Hand an den Mund und schrack plötzlich zusammen, denn ich fürchtete oft, daß ich unwillkürlich Alles ausspreche, was vorgegangen ist. Ich konnte gar nicht begreifen, wie ich die Worte zurückhalten kann, und was ist es denn, womit ich sie banne? Warum spreche ich das aus und nicht auch das Andere? Ich meinte oft, ich hätte schon Alles verrathen, ich wußte nicht mehr, was von mir bekannt und was verborgen ist. Wenn man mich etwas fragte, stotterte ich, denn ich mußte vorher die Worte und Gedanken wegschieben, die zuerst herauswollten.

Noch heutigen Tages habt ihr mir schon oft vorgeworfen, und meine Katherine neckt mich besonders gern damit, daß ich lieber Alles thue, als mir ein Geheimniß aufladen zu lassen. Und es ist wahr, wenn ich etwas habe, das ich verborgen halten muß, ist mir immer, als hätte ich ein Glas in der Tasche, und unversehens wird mir's zerschlagen. Könnt euch also denken, wie hart es mir wurde, ein schweres Geheimniß über mich selbst zu bewahren.

Daß ich von da an nichts mehr in die Sparkasse that, versteht sich von selbst, ja ich machte allerlei Umwege, nur um nicht durch die Straße zu gehen, in die jetzt die Kasse verlegt war.

Ich konnte mit Niemand von meiner Seelenqual reden, als mit dem Pfälzer, und als ich ihn einst in stiller Nacht fragte, ob er auch glaube, daß es Menschen gebe, die ein Verbrechen gethan und dennoch heiter und wohlauf lebten, da lachte er mich laut aus und wußte hundert Geschichten zu erzählen von Lug und Trug, und daß der ein Narr sei, der nicht nehme wo er nehmen könne.

Der Meister nahm noch mehrere Gesellen, denn wir hatten viel Arbeit bei der Einrichtung des neuen Zuchthauses, und jetzt waren so viele Fremde in der Schlafkammer und überall bei uns, daß ich mit dem Pfälzer selten ein heimliches Wort reden konnte. Nur als wir einst im Zuchthaus arbeiteten, sagte er zu mir: »Siehst du? Da herein kommen die dummen armen Teufel; wir, wir gehören zu den Großen, und wir fahren in Kutschen wie die Großen.«

Ich sah, wie die Welt nichts merkt von dem, was in Einem vorgeht, und eine gewisse Ruhe kam endlich über mich. Nur wenn die Kinder des Meisters bei herannahenden Weihnachten an Feierabenden hüpfend und springend plauderten: »Ich weiß was, aber ich darf's nicht sagen,« zuckte mir das wie ein Blitz vom Himmel, nein wie ein Schwert durch die Seele. Diese guten Kinder wußten von Bescheerungen, die für den Meister und uns Gesellen vorbereitet wurden, und ihr offenherziger Kindessinn spielte ein leichtes Verstecken mit ihrem Geheimniß, sie mußten wenigstens sagen, daß sie ein Geheimniß hatten, und sich dadurch die Last leichter machen, und ich – wie weit ab war ich von der Kindesunschuld, und ich, ich war ein geheimer Verbrecher, wenn auch noch nicht die ganze That geschehen war, ich war's in mir, vor meinem Gewissen, vor Gott.

Es war am Weihnachtsabend, ich stand an der Hausthüre, da kam das Dienstmädchen des Finanzraths Menninger, und sagte mir, ich solle gleich zum Finanzrath kommen und mein Werkzeug mitnehmen.

»Ich? Warum grade ich?«

»Ja du, grade du. Oder bist du zu gut dazu? Mach' hurtig und komm' gleich nach.«

»Nein, wart', ich geh mit.«

Als mir das Mädchen zuerst den Namen nannte, erschrack ich ins Herz hinein. Ist denn deine That schon jetzt bekannt, und mußt du schon jetzt mit heraus? Du wolltest ja warten bis zum Frühjahr.

Die innere Angst und Verzweiflung sieht überall Gespenster und muß sie sehen. Es sind die bösen Geister des eigenen Herzens, die sie umtanzen. Nicht einmal der Gedanke konnte mich beruhigen, daß ja ein Gerichtsbote und nicht ein Dienstmädchen gekommen wäre, wenn man von meinem Verbrechen wußte.

Ich war voll Furcht, ich fürchtete überall, Jeden und Alles.

Ich ging mit dem Mädchen. Es war ein frisches, helles Wesen, in ihren Augen brannten schon die Weihnachtskerzen.

»Was siehst du mich so an?« fragte ich unterwegs.

»Mein Vater war auch Schlosser,« lautete die Antwort, »und er sagte oft: der Schlosser gehört zum Pfarrer und zum Doctor; dem Einen vertraut man seine Seele, dem Andern seinen Leib, und dem Schlosser sein Vermögen. Der heilige Petrus ist unser Zunftheiliger, und Viele halten seinen Himmelsschlüssel für nichts als für ihren Kassenschlüssel.«

»Du bist gescheidt, wie heißest du denn?«

»Wegen unserer Gescheitheit könnte ich Lise heißen und du Hans, aber ich heiße Kathrine.«

»Grad wie meine Mutter selig.«

Wir waren am Hause des Finanzraths angelangt. Ich stieg eine breite Treppe hinan, Alles war erleuchtet und durchwärmt. Ich wurde in ein Zimmer geführt, dessen Boden mit weichen Teppichen belegt war. An den Wänden hingen Bilder in breiten Goldrahmen, in der Mitte stand ein rothsammtnes Sopha mit blühenden Pflanzen bekränzt. So haben's die Reichen, dachte ich, und mir stockte das Herz.

Der Finanzrath brachte mir eine mit Gold eingelegte Schatulle und sagte: der Schlüssel sei abgebrochen, ich solle öffnen. Es war ein englisches Schloß, ich hatte keinen so kleinen Dietrich bei mir, und mußte wieder nach Hause um solchen zu holen. Als ich wieder auf die Hausflur zurückkam, sagte der Finanzrath:

»Kathrine, ich muß noch einiges vorbereiten, hast du jetzt Zeit, mit dem Schlosser hineinzugehen und bei ihm zu bleiben?«

»Ja wohl.«

Ich ging mit Kathrine in das Zimmer, und unwillkürlich sagte ich: »Da läßt sich's gut leben; aber du dauerst mich, wenn du von diesem Teppichboden wieder einmal weg mußt in einen kleinen eignen Haushalt.«

»Das hat noch gute Weile,« sagte Kathrine. »Aber ich sehe schon, warum du dir's herausnimmst, Anderen das Zeugniß zu geben, daß sie gescheidt seien, du hältst dich noch immer für eine Viertel-Elle gescheidter; das verstehst du aber noch nicht: man lernt in all der Herrlichkeit und Pracht, daß es Eins ist, ob man mit einem zinnernen oder einem vergoldeten Löffel ißt, auf dem Teppich oder auf dem selbstgewaschenen Boden herumläuft; es kommt drauf an, ob man in Fried' und Rechtschaffenheit lebt und ein gutes Gewissen hat.«

Der Dietrichbund fiel mir bei diesen Worten auf den Boden, und ich fand fast das Schlüsselloch nicht mehr, so flimmerte mir Alles vor den Augen, und Kathrine lachte mich aus, daß ich wohl nicht zu den Geschicktesten gehöre. Endlich, nach vielen Versuchen, drehte sich der Riegel, der Deckel hob sich, und wie Thau von der Sonne beschienen glitzerte es uns entgegen. Ein Diamantenschmuck lag auf blauem Sammet.

Kathrine wendete sich nach der Thür und rief ihrem Herrn, daß die Schatulle offen sei, aber kaum hatte dieser einen Blick in die geöffnete Schatulle geworfen, als er mir mit schwerem Griff die Hand auf die Schulter legte und rief: »Was ist das? Da fehlt ja die Brosche in der Mitte, mit den großen Diamanten.«

Ich zitterte wie Espenlaub. Der Dietrichbund in meiner Hand klirrte zusammen: »So ist es doch, man sieht dir's an, wer du bist? Man hat eine Probe mit dir gemacht, eine falsche Probe, und jetzt wirst du gleich in Ketten gelegt.« So sprach es in mir. Ich war nahe daran, auf die Kniee zu fallen. Da weckte mich die Stimme Kathrinens.

»Wie können Sie nur glauben? Ich war ja –«

»Ruhig, es kommt auch an dich, es wird sich zeigen. Du hast jetzt nichts zu reden. Nicht von der Stelle. Hier bleibst du,« erwiederte der Finanzrath. Er rief nach seiner Frau. Sie kam, und er erklärte ihr daß er sie mit dem Schmucke seiner seligen Mutter habe bescheeren wollen, daß aber hier Etwas vorgegangen sei, was sogleich untersucht werden müsse: es fehle die Hauptsache im Werthe von mehrern Hundert Thalern.

»Es steht dir frei,« wendete er sich dann zu mir, »dagegen Einsprache zu erheben und es den Gerichten zu überlassen; andernfalls will ich dich selbst untersuchen, ob du nichts zu dir gesteckt, und meine Frau hier wird Kathrine untersuchen.«

»Mich? mich auch?« rief Kathrine, und der Gedanke, daß auch sie, die so frei und heilig, so aus dem Herzen gesprochen hatte, dem schmählichen Verdachte preisgegeben war, ließ mich vergessen, was ich mir vorzuwerfen hatte. Ich stellte mich fest hin, biß die Zähne übereinander, und man suchte mich aus.

Ich kann's nicht sagen, wie mir's war, und noch jetzt durchbebt es mich wie ein unnennbarer Schauer, wenn ich daran denke, wie ich an meinem ganzen Körper betastet und untersucht wurde. Ich kam mir vor wie ein Sklave, wie ein Thier, ich war kein Mensch mehr, ich war nicht mehr der ich bin. Und was noch von Vorwurf in meiner Seele gewesen, war verschwunden. Ein himmelschreiendes Unrecht war mir geschehen; klein, lächerlich, erbärmlich klein war das, was ich gethan, noch tausendmal mehr hätte ich thun können.

Freilich habe ich das erst später gedacht, denn noch größer wurde meine Pein, als auch Kathrine untersucht wurde. Das war eine Entwürdigung, die kein Mensch verantworten kann, und als die zweite Magd herbeikam und rief: Kathrine habe gewiß den Schmuck in ihrer Haarkrone versteckt, und als sie ihr nun die Haare aufnestelte, und Kathrine dastand mit aufgenestelten Haaren, todtenbleich, da verfluchte ich die ganze Welt, Vornehm und Gering, denn Alle sind darauf aus, einen unschuldigen Menschen zu verwüsten. Ja, und Unseresgleichen sind noch schlimmer als die Vornehmen, denn diese wissen nicht was sie thun, wenn sie unsere Ehre unter die Füße treten, aber die da, diese Nebenmagd, ist es nicht ein Fest, ein Triumph für sie, ihre Standesgenossin der Schande preiszugeben und selber dabei im Ehrenglanz zu stehen? Ja, ich verfluchte die ganze Welt, und mich und uns vor Allem.

Man fand natürlich nichts, und ich weiß nicht mehr was ich dachte, nur dessen erinnere ich mich noch, daß ich zur Kathrine sagte: »Trag's in Geduld, ich möchte dir's gern gut machen, was du wegen meiner ausgestanden.«

Fort raste ich, und wie ausgeraubt rannte ich durch die Straßen, ja meine Seele war wie aus dem Herzen geraubt. Ueberall brannten Lichter, überall war Weihnachtsfreude: mir war das innere Licht ausgelöscht.

Mein Pfälzer jubelte, als ich ihm das Geschehene berichtete. »Da siehst du nun« rief er, »da siehst du gutmüthiger Narr, was die Vornehmen mit uns anfangen. Wer nicht reich und nicht vornehm ist, ist ihnen weiter nichts als ein ungehenkter Dieb. Jetzt wirst du dir kein Gewissen mehr daraus machen, ihnen abzunehmen was du kannst.«

Die Schmach, die mir angethan war, half mir allerdings die innere Stimme beschwichtigen, und als ich Tags darauf müßig über die Straße gehe, die Glocken läuten, und ich verfluche eben wieder die Menschen, die jetzt zur Kirche gehen, und nicht daran denken, wie sie ein armes Herz gekränkt, da begegnet mir plötzlich Kathrine.

»Ich kann nicht in die Kirche gehen,« sagt sie zu mir. »Geh du auch für mich, und bete auch für mich, daß Gott unser Herz vor Bitterkeit und Haß bewahren möge, und vergieb du deinen Peinigern wie ich.«

Schnell war sie entschlüpft und ich ging zur Kirche. Ich mußte meinem Pfälzer etwas vorlügen, als ich's that. Ich betete für Kathrine, für mich konnte ich's nicht, und doch kam wieder etwas von Frieden über mich.

Ich lauerte fortan Kathrinen auf, wo ich konnte, aber sie hielt mir nicht Stand; nur Einmal sagte sie mir flüchtig, sie könne sich nicht mit mir abgeben, es würde uns aufgelauert, und es fiele neuer Verdacht auf uns.

Eines Samstag Morgens, ich stand in der Werkstatt und arbeitete an einem großen Doppelschloß für das Zuchthaus, da kam Kathrine, brachte ein Vorhängeschloß, zu dem sie den Schlüssel verloren habe, und sagte: ich solle es ihr zum Feierabend bringen.

Ich ging nach dem Hause des Finanzraths. Kathrine scheuerte die Treppe. Sie wischte schnell ihre Hand ab, reichte sie mir, und sagte: »Gottlob, wir sind Beide gerechtfertigt; es ist ein Brief und ein Päckchen von der Schwester des Herrn gekommen, worin sie schreibt; sie habe vergessen gehabt, die Brosche in die Schatulle zu thun.«

»Und der große Herr kommt nicht, und bittet mich um Verzeihung?« fragte ich.

»Er hat's thun wollen, nein,« sagte Kathrine stotternd, »er hat mir aufgetragen, ich soll dir's zu wissen thun.«

Ich sah, daß das nur eine Ausrede war, und Kathrine gestand mir's; aber sie beschwor mich, keinen Groll in der Seele zu hegen, ich solle eins ins andre rechnen, ich hätte gewiß schon einmal im Leben etwas gethan, was nicht an den Tag gekommen sei, wenn's auch nur ein kleines Unrecht gewesen wäre, und jetzt müsse ich auf andre Weise dafür büßen.

Ich hatte schon auf der Zunge, wieder ihre Klugheit zu loben, aber ich wagte es nicht mehr, und sagte nur: ich nehme das an. Kathrine freute sich darüber, und sagte mir ein Sprüchwort ihrer seligen Mutter, das ich sonst noch nie gehört habe, und das Sprüchwort paßte wie ein Wort vom Himmel: Wer Einen vor den Augen Anderer beschämt, nimmt ihm seine Sünden ab.

Welche brave Eltern mußte Kathrine gehabt haben, was hat sie mir nur in wenig Worten von ihrem Vater und ihrer Mutter erzählt!

Kathrine hatte keinen Diamantschmuck einer Mutter wie die Finanzräthin, aber das schönste Kleinod, das ein Kind reich in sich und wohlgefällig vor Anderen macht, ist ein guter Gedanke aus dem Herzen der Eltern, in ein gutes Wort gefaßt; das erbt sich fort von Kind aus Kindeskind, und braucht keine Schatulle.

Ich schämte mich innerlich vor Kathrine, und sagte ihr nur, ich wünschte, ihre Eltern wären noch am Leben, damit ich sie auch Vater und Mutter nennen dürfte.

Auf der Treppe des Finanzraths, wo ich in Angst, in Qual und Verzweiflung auf- und niedergegangen war, stieg ich jetzt in den Himmel; ein Fegefeuer im Herzen quälte mich noch, aber ich stand doch bei allen Seligen, die schon gestorben waren, und bei einer Glückseligen, die noch am Leben war, und die mir jetzt abermals die Hand reichte. Ich war ihrer nicht werth.

Das war nun eine doppelte Freude, die mir im Herzen lebte, als ich von Kathrinen wegging: sie war aus Zweierlei gemischt. Einmal war die Unschuld an den Tag gekommen, es war jetzt an dem großen Herrn, sich Vorwürfe zu machen; und dann hätte ich ihm gewiß dafür gedankt, denn nur durch ihn hatte ich ja Kathrinen kennen gelernt, und sie hatte mir versprochen zum Fastnachtsonntag mit mir zum Tanze zu gehen.

Fröhlicher war ich bis dahin in meinem Leben noch nicht gewesen als an diesem Fastnachtsonntag. Ich sagte Kathrine, daß ich ein großes Glück mache, und sie in einer Kutsche mit vier Schimmeln abhole: sie versprach mir, treu zu warten, wenn ich auch auf des Schusters Rappen daher käme. Noch wollte sich etwas in mir regen, wenn ich daran dachte, was ich noch zu thun hatte, um mein Ziel zu erreichen, aber Wein, Liebe und mein lustiger Kamerad halfen mir darüber weg.

Meine That ward immer geringer, denn ich hatte der Welt so viel zu vergeben, nicht sie mir.

Es war wieder am Palmsonntag Morgen, als ich auf das Drängen meines Kameraden endlich entschlossen war, mein Geld zu erheben, um dann in weiter Welt mein Glück, und mit diesem Kathrine zu erobern.

Die Sonne stand hell am Himmel, als ich nach dem Hause ging, in das jetzt die Sparkasse verlegt war. Ich wollte, daß der Pfälzer mich begleite, aber er ließ sich nicht dazu bringen.

Als ich gegen das Haus kam, pochte mir das Herz höher. Ein Buchfink saß auf dem Dachgesims und pfiff lustig; und wie man sich in solchen Augenblicken gern an einen Aberglauben hält, nahm ich mir ein Wahrzeichen, und sagte mir: »Pfeift der Vogel immerfort bis du ins Haus gehst, dann gehst du keck hinein, und es gelingt; hört er aber auf und fliegt fort, dann ist es ein Zeichen, daß du ins Unglück kommst, du kehrst noch um, verbrennst dein Buch und willst gar nichts.« Als ich näher gegen das Haus kam, hörte der Vogel wirklich auf, und flog davon. Ich zitterte, aber schnell faßte ich mich wieder, und dachte: »Pah! was soll der dumme Aberglaube? Wie kannst du dich nur an so was heften? Jetzt thust du es gerad und zum Trutz; nur frisch drauf los, es muß gelingen, und es gelingt.«

Ich trat in das Zimmer. Der Finanzrath Menninger stand hinter dem Tisch, und zahlte mehrere Einlagen aus, die erhoben wurden. Ein Anderer trug das Neueingezahlte ein. Daß gerade Menninger da war, das erschreckte mich anfangs, reizte mich aber gleich darauf wieder: das war ja der Mann, der eine so schwere Sünde an mir begangen hatte.

Ich wartete still, der Angstschweiß rann mir über den ganzen Körper, mein Büchlein klebte mir in der Hand, als wolle es sich gar nicht von mir trennen.

Endlich kam die Reihe an mich, ich reichte still mein Buch hin, der Finanzrath schob die Brille von den Augen weg auf die Stirn, schaute eine Minute in das Büchlein, Alles war stumm, nur der gleichmäßige Pendelschlag der Uhr war vernehmbar, mein Herz pochte schnell wider die Brust.

»Sie haben gut gespart,« sagte endlich der Finanzrath, öffnete den Eingang des Tisches, und sagte: »Kommen Sie herein.«

Ich ging ihm nach in ein inneres Zimmer. Hier stand die offene Kasse.

»Wollen Sie Papier oder Silber?«

»Papier.«

»Groß oder klein?«

»Klein.«

Er gab mir ein Päckchen mit einem bedruckten Papierband, darauf stand: »100 Thaler.« Er ersuchte mich, nachzuzählen, während er das Uebrige ausrechnete, und dann zurecht legte. Ich konnte die einzelnen Thaler nicht auseinander legen, so zitterte ich, und als er sich umwendend fragte: »Ist's richtig?« nickte ich still. Er legte nun noch einzelnes Geld auf den Tisch; aber plötzlich sagte er, die Brille wieder vor die Augen schiebend: »Sind Sie nicht der Schlossergeselle, der zu Weihnachten in meinem Hause war?««

»Ja.«

»Das freut mich, Sie zu treffen. Ich habe mir schon oft Vorwürfe darüber gemacht, daß ich Sie noch nicht um Entschuldigung gebeten wegen des Verdachtes, den ich damals auf Sie warf, und der Sie augenscheinlich gekränkt hatte. Aber wie das geht: als ich es längere Zeit versäumt, redete ich mir ein, Sie seien nicht mehr in der Stadt. Ich bitte, nehmen Sie jetzt meine Entschuldigung an, und wenn ich Ihnen mit irgend Etwas dienen kann, soll es mit Freuden geschehen. Ich habe Ihnen Unrecht gethan, und Sie machen mir eine Freude, wenn Sie mich ... Was haben Sie? Ist Ihnen nicht gut? Was ist Ihnen?««

Ja, wer kann sagen, welch ein Gedränge in solchem Augenblick im Herzen ist? Da stand ich und hielt das Geld krampfhaft in der Hand, so viel hatte ich noch nie zwischen den Fingern gehabt, und vor mir auf dem Tisch lagen noch Münzen, die tanzten auf und nieder, und alles das ist mein. – Etwas in mir wollte frohlocken, aber ein Anderes riß mir Alles aus der Hand, und ich hätte gern meine Seele mit hingegeben. Daß der Mann, den ich hassen und um dessentwillen ich allen Menschen Uebles thun durfte, daß gerade dieser jetzt mit gutherziger Milde mich anfaßte, und mir eine Liebe zeigte, die sich keines Bekenntnisses, keiner Demüthigung scheut: das unterwarf mich, wo ich mich in Haß empört, und mich selbst verderbt hatte. Ich war besiegt und erlöst, denn ich sah meine Verworfenheit. Eine höhere Macht hatte mich besiegt, und in Zerknirschung mich hingetragen vor den Richterstuhl des Ewigen.

Ich fiel auf die Kniee, und schrie: »Nein! Nein! Ich bin ein schlechter Mensch. Nehmen Sie, nehmen Sie das Geld.«

Ich erzählte Alles.

Der Finanzrath war ein treuer, inniger Tröster; er sah meine Zerknirschung und richtete mich mit liebreichen Worten auf, aber in Einem hatte ich noch einen schweren Stand bei ihm: er wollte durchaus den Pfälzer dem Gericht übergeben, und nur die Erwägung, daß auch ich dadurch unvermeidlich ins Unglück käme, bestimmte ihn davon abzulassen.

Der Pfälzer wurde mit einem Zwangspaß in seine Heimath geschickt, meine Verlobung mit Kathrine ward im Hause des Finanzrathes gefeiert, aber noch ehe wir die Sparkasse verließen, wurde mein Buch verbrannt.

Der Finanzrath ist mir ein treuer Freund geworden, und hat mir geholfen, mich hier ansässig zu machen; und mein Theobald hat nur darum einen so vornehmen Namen, weil der Finanzrath sein Gevatter ist.

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