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Schatzkästlein des Gevattersmanns

Berthold Auerbach: Schatzkästlein des Gevattersmanns - Kapitel 18
Quellenangabe
authorBerthold Auerbach
titleSchatzkästlein des Gevattersmanns
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
year1862
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171209
projectid129b741d
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Abgerissenes vom Communismus.

In einer großen Versammlung, wo viel von Garantie der Arbeit, von Veränderung des Besitzstandes und zuletzt gar von gleicher Vertheilung der Güter oder sogenannter Gütergemeinschaft die Rede war, sagte ein Mann, indem er mit einem Stocke auf die Rednerbühne trat: »Hier mit diesem Stocke kann ich Euch einen schlagenden Beweis von der Zweckmäßigkeit und leichten Durchführbarkeit in der Veränderung des Besitzstandes geben. Seht den Stock, es ist ein echtes spanisches Rohr, und hier oben ein goldglänzender Hundekopf als Griff. Ich will Euch aber nur ehrlich sagen, dieses Maul spricht auch: es ist nicht Alles Gold was glänzt. Denn dieser Kopf ist nicht von Gold, sondern von Bronze. Ich gehe also mit meinem Stocke gestern an der sogenannten Kornecke am Marktplatz vorbei, da ruft mir ein staatsweiser Eckensteher zu: »Wart' nur, jetzt kommt die Zeit, wo man dir deinen Stock mit dem Goldknopf wegnimmt.« Ich muß ehrlich bekennen, mich hat dieser Brudergruß eben nicht erbaut, sondern, offen gestanden, erschreckt: nicht weil ich mir eben viel aus dem Stock mache, obgleich er das werthe Andenken eines Freundes ist, ich würde ihn gern auf den Altar des Vaterlandes niederlegen, wenn gewisse andere Dinge auch dazu kämen. Warum mich aber der Zuruf erschreckte? Weil es mir wehe that, diesen Menschen durch die Lehren der Verführten und der Verführer zu solchem, wenn auch vielleicht nur scherzhaft gemeinten Zurufe verleitet zu sehen. Ich will die Zumuthung einstweilen für Ernst nehmen, und sage also: Gut, edler Bruder Eckensteher, hier hast du meinen Stock. Was willst du nun damit machen? Du kannst ihn nicht essen und nicht trinken, dich nicht damit kleiden, nicht darauf wohnen; du mußt ihn also zu Geld machen, um Speise und Trank, Kleidung oder dergleichen dafür zu bekommen. Du gehst damit also zum Nachbar Hans oder Peter, er soll dir den Stock abkaufen. Was soll der Nachbar Hans oder Peter mit dem Stock machen? Er wird ihn nur kaufen, wenn er damit spazieren gehen darf. Darf er das nicht, weil es ein aristokratischer Luxus ist, so wird er dich edlen Staatsweisen damit fortschicken; darf er es aber, so hat mein Stock nur den Besitzer gewechselt, es giebt also wieder einen Menschen, der mit einem scheinbar goldknaufigen Stock spazieren geht, und wieder einen, der an der Ecke steht und der ihn wieder nimmt und wieder verkauft, wenn sich noch einmal ein Käufer dazu findet.«

Es war dem Redner nicht verstattet, die Anwendung seiner Geschichte auszusprechen, ist aber auch nicht nöthig; es kann sie Jeder selber machen.

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