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Sämtliche Schriften - Band IV: 1927-1928

Carl von Ossietzky: Sämtliche Schriften - Band IV: 1927-1928 - Kapitel 144
Quellenangabe
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authorCarl von Ossietzky
titleSämtliche Schriften ? Band IV: 1927?1928
publisherRowohlt
seriesSämtliche Schriften
volumeBand IV
printrun1. Auflage
editorWerner Boldt, Renke Siems
year1994
isbn3498050192
firstpub1927-1928
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Ist Schacht geeignet?

Wenn man um die Jahrhundertwende einen Mann nennen wollte, der die inkarnierte Sozialreaktion war, so nannte man den Freiherrn von Stumm, den Despoten von Saarabien. Heute nennt man in gleicher Eigenschaft Herrn Hjalmar Schacht, der bald mit dem Vertrauen aller schaffenden Stände beladen als deutscher Reparationskommissar dem Feindbund die Stirn bieten soll.

Hjalmar Schacht ist in seine jetzige Rolle erst sehr spät aber dann sehr schnell und gründlich hineingewachsen. Der Währungskommissar vom Spätherbst 1923 war ein moderner sozial denkender Mann, der natürliche Widerpart Havensteins und Helfferichs, der Kandidat jenes linken Republikanertums, das man etwa in der ›Kreuzzeitung‹ den »Asphaltliberalismus« zu nennen pflegt, und das damals, weitestem Volksempfinden entsprechend, einen unverbrauchten Mann wünschte gegen die schwerindustriellen Cliquen und gegen die bösartige Fronde der vermotteten Reichsbankpaschas.

Die waren gegen den Eindringling aufs äußerste erbittert. Sie wünschten Helfferich, der noch heute in der nationalen Legende als Währungsstabilisator fortlebt. Und als der greise Havenstein, erschüttert über das frühe Ende der Inflation, sich in jenen Himmel begab, wo unter einem assignatengeschmückten Baldachin John Law zum Empfang harrte, da begegnete Schachts Kandidatur einem ungewöhnlich wilden Widerstand. Daß diese Resistenz mit erheblicher Schärfe durchgeführt wurde, das war auch damals nicht unbekannt, was für Formen sie indessen angenommen hatte, das ergibt sich erst heute aus ein paar Schriftstücken vom Dezember 1923, die uns ein liebenswürdiger Zufall auf den Tisch geweht hat.

Ich lasse die Dokumente hier folgen; sie bedürfen keiner Erläuterung.

»Reichsratsausschüsse II und V.
Berichterstatter: Staatsrat Dr. von Wolf.

Reichsbankdirektorium.

Berlin, den 17. Dezember 1923.

Auf das gefällige Schreiben
vom 14. Dezember 1923.

Nach reiflicher Prüfung sind wir einstimmig zu der Auffassung gelangt, daß der Währungskommissar Herr Dr. Schacht sich für den Posten des Reichsbankpräsidenten in keiner Weise eignet.

Herr Dr. Schacht war bisher in der Leitung von Kreditbanken tätig und ist in dieser Eigenschaft nach außen hin wenig hervorgetreten. Eine irgendwie hervorragende Stellung nahm er im Bankwesen nicht ein. Mit dem Betrieb einer Notenbank, der sich von dem Geschäftsbetriebe der Kreditbanken durchaus unterscheidet, hatte er bisher kaum eine Berührung; praktisch ist er damit nicht vertraut und theoretisch hat er sich unsres Wissens auf diesem Gebiete kaum betätigt. Vor allem aber vermissen wir an ihm die schöpferische Kraft, deren wir zur Wiederaufrichtung unsrer Währung bedürfen. Wie die ›Deutsche Allgemeine Zeitung‹ (Nr. 581 vom 14. diesen Monats) berichtet, hat er allerdings in Hamburg am 13. dieses Monats in einer über den Stand des Währungsproblems gehaltenen Rede sich dahin geäußert, daß es ihm gelungen sei, seit dem 20. November die Mark zu stabilisieren, eine seit Jahren zwar erhoffte, aber nie eingetretene Tatsache. Aber die hier mit Recht konstatierte Befestigung der Mark ist, wie jeder Kenner weiß, durchaus die Folge der Durchführung des Rentenbankprojekts, das bekanntlich nicht von Herrn Schacht, sondern von Herrn Dr. Helfferich herrührt, und dessen Verwirklichung Herr Dr. Schacht bekämpfte und zu hindern versuchte. Überdies hat grade er nach Einführung der Rentenmark sich mit Entschiedenheit dafür eingesetzt, daß der von der Reichsbank festgehaltene Dollarkurs über den Betrag von 4,2 Billionen hinaufgesetzt werde und er ist davon erst auf unsre dringenden Gegenvorstellungen hin abgekommen.

Unter diesen Umständen können wir aus seiner bisherigen Tätigkeit als Währungskommissar einen Grund für seine Qualifikation zum Reichsbankpräsidenten nicht entnehmen. Im Gegenteil, bei mehreren Verhandlungen, an denen wir beteiligt waren, haben wir an ihm die Festigkeit vermißt, deren es für die Durchführung eines bestimmten klaren Währungsprogramms unbedingt bedarf.

Dazu kommt der bekannte Vorgang in Brüssel. Die Schriftstücke, die auf diesen Vorgang sich beziehen, und die der Reichsbank seinerzeit amtlich zugingen, sind in dem der Reichskanzlei übermittelten Aktenstück vereinigt. Ihr Inhalt darf von uns als bekannt vorausgesetzt werden.

Die Akten ergeben zunächst, daß Herr Dr. Schacht, welcher der Dresdner Bank als (stellvertretender) Direktor angehörte, aber in die Bankabteilung beim Generalgouvernement berufen war, im Interesse der Dresdner Bank Anträge auf Überweisung belgischer Noten bei der Armeeintendantur gestellt hat. Damit verstieß er gegen die Pflichten, die ihm seine amtliche Stellung auferlegte. Wir möchten indessen diesen Verstoß nicht streng beurteilen, denn Herr Dr. Schacht gehörte eben seiner ganzen Ausbildung und bisherigen Tätigkeit nach nicht der Beamtenwelt, sondern der Geschäftswelt an, und es ist an sich denkbar, daß ein Geschäftsmann in solchem Falle sich für berechtigt halten mochte, so zu handeln, wie Herr Dr. Schacht tat. Viel bedenklicher und für uns entscheidend ist, daß er in der Referentenbesprechung vom 3. Juli 1915, über den Sachverhalt befragt, die dieserhalb an ihn gerichteten Fragen unaufrichtig beantwortete und am 5. Juli 1915, als die Unaufrichtigkeit seiner Angaben erwiesen war, sich durch eine »spitzfindige Auslegung« seiner Äußerungen zu rechtfertigen suchte. Seine Unaufrichtigkeit ergibt aber auch, daß das, was er im Interesse der Dresdner Bank getan hatte, ihm selbst offenbar nicht unbedenklich erschien, denn andernfalls hätte er sein Verhalten in der Referentensitzung offen zugegeben. Dementsprechend hat der Staatssekretär des Innern die Verfehlung des Herrn Dr. Schacht, der inzwischen sein Amt in der Bankabteilung niedergelegt hatte, durch den Bescheid vom 3. August 1915 getadelt, und mit Fug und Recht schließt der damalige Geheime Oberfinanzrat, jetzige Staatssekretär, Dr. Schröder seine aktenmäßige Aufzeichnung vom 6. Juli 1915 mit den Worten: Die (gegen Herrn Dr. Schacht festgestellte) »Verschleierung stellt einen solchen Mangel an Offenheit dar, daß ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit ihm mir nicht möglich erscheint«. Der ganze Vorgang ist in weiten Kreisen bekannt. Er schließt unsres Erachtens die Berufung des Herrn Dr. Schacht an die Spitze des Reichsbankdirektoriums aus, mag er ihn auch für andre Stellungen nicht disqualifizieren. Denn der Reichsbankpräsident muß unter allen Umständen eine absolut makellose Vergangenheit haben; seine unbedingte Uneigennützigkeit, Lauterkeit und Zuverlässigkeit darf nicht der leisesten Anzweiflung unterliegen, an ihm darf nicht das kleinste Stäubchen haften; andernfalls verliert er das Vertrauen in der Bevölkerung und die Autorität in der Geschäfts- insbesondere in der Bankwelt. Weiterhin aber verliert er auch die Autorität gegenüber der ihm unterstellten Beamtenschaft, deren unbedingt erforderliche Integrität Schaden leiden muß, wenn sie den an ihrer Spitze stehenden Mann selber nicht für unbedingt integer hält. Wir bitten, diese große und schwere Gefahr nicht zu unterschätzen; sie ist umso größer und schwerer, als die leidige, wie erwähnt schon jetzt in weiten Kreisen bekannte Angelegenheit für den Fall der Wahl des Herrn Dr. Schacht sicher zur Kenntnis der breitesten Öffentlichkeit gelangen wird.

Nach alledem lehnt das Reichsbankdirektorium die Berufung des Herrn Dr. Schacht einstimmig und entschieden ab. Wir bitten dringend und hoffen zuversichtlich, daß uns nicht eine Persönlichkeit als Präsident aufgezwungen wird, mit der auch uns, um die Worte des jetzigen Staatssekretärs, Herrn Dr. Schröder, zu gebrauchen, »ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten nicht möglich erscheint«. Wir halten uns für verpflichtet, unter diesen Umständen eindringlichst und ausdrücklichst noch einmal zu betonen, daß unsrer festen Überzeugung nach der von uns in dem Schreiben vom 4. dieses Monats vorgeschlagene Dr. Helfferich die einzige uns bekannte Persönlichkeit ist, welche die Qualifikation zum Reichsbankpräsidenten im vollsten Maße besitzt. Neben genauester theoretischer Kenntnis und neben Vertrautheit mit dem Geschäftsleben hat er allein die schöpferische Kraft, deren wir unbedingt bedürfen, um die deutsche Währung wieder aufzurichten. Das von ihm entworfene und zur Verwirklichung gebrachte Projekt der Rentenbank beweist dies. Er besitzt die Fähigkeit, auf der von ihm geschaffenen Grundlage einen Neubau zu errichten. Er besitzt in den Kreisen der Landwirtschaft, des Handels, der Industrie und der Bankwelt das erforderliche Vertrauen. Er besitzt unsres Wissens dies Vertrauen auch im Ausland. Daß er aus dem politischen Leben für den Fall seiner Ernennung zum Reichsbankpräsidenten ausscheiden würde, ist von uns bereits erwähnt. Bei der ganz außerordentlichen Wichtigkeit, welche der Neubesetzung des Postens nach Lage der Verhältnisse zukommt, können unsres Erachtens parteipolitische Erwägungen, die sich auf die Vergangenheit des Herrn Dr. Helfferich gründen, überhaupt nicht maßgebend sein; sie müssen zurücktreten, wo es sich um eine für den wirtschaftlichen Aufbau unsres Vaterlandes überaus wichtige, vielleicht entscheidende Frage handelt.

Wir richten deshalb an die Reichsregierung und die Regierungen der Länder die inständige und dringende Bitte, der Reichsbank in der schwierigsten Lage, in der sich vielleicht jemals eine Notenbank befunden hat, den Führer nicht zu versagen, dessen sie bedarf und dem sie mit Vertrauen folgen kann.

Eine Aufzeichnung über die vom Zentralausschuß abgegebene Meinungsäußerung fügen wir bei. Dem Herrn Berichterstatter des Reichsrats haben wir im Interesse der Beschleunigung eine Abschrift dieses Schreibens zugehen lassen.

Reichsbank-Direktorium,
gez von Glasenapp.                   gez v. Grimm.

An den Herrn Staatssekretär in der Reichskanzlei, Berlin.« »Reichsbank

Berlin, den 17. Dezember 1923.

In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank, welcher die in der Anlage genannten Mitglieder des Zentralausschusses beziehungsweise Stellvertreter von Mitgliedern beiwohnten, gab der Vorsitzende den Erschienenen von dem Inhalt des Schreibens des Herrn Staatssekretärs der Reichskanzlei vom 14. dieses Monats Kenntnis, wonach das Reichsbankdirektorium ersucht wird, zu der Eignung des Währungskommissars Dr. Hjalmar Schacht zum Präsidenten des Reichsbankdirektoriums Stellung zu nehmen und eine gutachtliche Äußerung des Zentralausschusses der Reichsbank darüber herbeizuführen.

Es fand eine eingehende Besprechung über die Eignung des Herrn Dr. Schacht für diese Stellung statt. Dabei bat Herr von Siemens um Auskunft über Gerüchte, die sich an die frühere Tätigkeit des Herrn Dr. Schacht in Brüssel knüpften. Auf diese Anfrage hin brachte der Vorsitzende den von Herrn Geheimen Oberfinanzrat Schröder verfaßten Bericht vom 6. Juli 1915 und das Schreiben des Herrn Staatssekretärs des Reichsamt des Innern an Herrn Dr. Schacht vom 3. August 1915 zur Verlesung.

Im Verlaufe der Erörterungen sprachen sich für die Eignung des Herrn Dr. Schacht zum Reichsbankpräsidenten die Herren v. Mendelssohn, Kube und Kopetzky aus, während die Herren v. Schwabach, Dr. Salomonsohn, Baron v. Oppenheim, v. Siemens, Baltrusch, Jursch und Dr. Roesicke sich aus den verschiedensten Gründen gegen diese Kandidatur aussprachen.

Aus den Darlegungen dieser Herren ist hervorzuheben, daß Herr Freiherr v. Oppenheim erklärte, er halte sich für ermächtigt, namens des besetzten Gebiets, und zwar nicht allein namens der Banken, sondern auch namens der Industrie und des Handels ganz offen zu erklären, daß Herr Dr. Schacht im besetzten Gebiet nicht das Ansehen genieße, welches ein Reichsbankpräsident ihrer Ansicht nach haben müsse.

Herr v. Schwabach stellte schließlich den Antrag, durch Beschluß auszusprechen, daß der Zentralausschuß

  1. den Herrn Dr. Schacht für die Stellung des Reichsbankpräsidenten nicht für geeignet halte;
  2. nach wie vor der Meinung sei, daß Herr Dr. Helfferich der weitaus geeignetste Kandidat für dieses Amt sei.

Bei der Abstimmung wurde der Antrag zu 1 mit allen gegen die Stimmen der Herren v. Mendelssohn, Kube und Kopetzky, der Antrag zu 2 mit allen gegen die Stimme des Herrn Kube angenommen.

Verhandelt wie oben

gez v. Glasenapp.                               gez Schneider.

 

Zentralausschußsitzung vom 17. Dezember 1923, 4 Uhr nachmittags. (Anwesenheitsliste.)

Mitglieder:
Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft Fürstenberg

Kommerzienrat Gustav Bardt
Bankier Carl Joerger
Hermann Kube
Kommerzienrat Clemens Löweneck in München
Bankier Franz v. Mendelssohn
Bankdirektor Henry Nathan
S. Alfred Frhr. v. Oppenheim in Köln

Dr. Gustav Roesicke in Görsdorf bei Dahme (Mark)
Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft Dr. Salomonsohn
Bankier Dr. P. v. Schwabach
Geschäftsinhaber der Darmstädter und Nationalbank G. v. Simon

Stellvertreter:
Bankier Fritz Andreae
Geh. Kommerzienrat Ed. Arnhold F. Baltrusch
Kommerzienrat Paul Boehme
Kommerzienrat Paul Herz
Stadtrat a.D. Jursch
Geh. Kommerzienrat W. Kopetzky
Geh. Kommerzienrat E. J. Meyer
Bankier Bruno Edler v. d. Planitz
Geh. Kommerzienrat Dr. Ravené
Bankdirektor Dr. Reinhardt
Bernhard Graf v. d. Schulenburg in Grünthal (Mark)
Rittergutsbesitzer Schurig in Markee bei Nauen
Carl Friedrich v. Siemens, Der Heinenhof bei Potsdam.«

Nur Herr von Mendelssohn, der altliberale Herr Kopetzky und der Gewerkschaftsvertreter Herr Kube sind damals für den Kandidaten der demokratischen Presse eingetreten.

Man kann Hjalmar Schacht den Mut nicht absprechen, schließlich nach erfolgter Wahl doch in diesen Löwenrachen gestiegen zu sein. Denn seine Herren Gegner beschränkten sich nicht auf eine sachliche Argumentation, sondern schreckten auch vor ehrenverdächtigenden Vorwürfen nicht zurück. Es ist ihm gelungen, sich in überraschend kurzer Zeit, ihr Vertrauen zu erwerben und die häßlichen Flecken vergessen zu machen, die damals noch seine Reputation in den Augen des Herrn v. Glasenapp ebenso verunzierten wie in denen des Herrn Karl Friedrich v. Siemens. Wenn es gilt, begangene Missetaten nicht durch Reue und Buße, sondern durch Werke zu sühnen, so ist es dem Reichsbankgouverneur Schacht geglückt, die Sünden zu tilgen, die der Bankier und Währungskommissar zu himmelschreienden Höhenmaßen gehäuft. Es ist wenigstens nicht bekannt, daß vor seiner Wiederwahl neulich solche Memoranden und Protokolle zirkulierten. Herr Schacht hat die bürgerliche Linke verlassen, er ist der Garant der Schwerindustrie, des sozialpolitischen Rückschrittlertums geworden. Er hat sich zur Kolonialpolitik bekehrt, er predigt öffentlich Sparsamkeit, während für die Erneuerung seiner amtlichen Wohnungseinrichtung eine sehr, sehr stattliche Summe ausgeworfen werden mußte. Innenpolitisch ein Vertreter schroffsten Herrentums, ein enragierter aber formloser und deshalb unkluger Klassenkämpfer der Großbourgeoisie, hat er in außenpolitischen Dingen kein Hehl daraus gemacht, daß er ein Gegner der wirtschaftlichen und politischen Verständigung ist und an Einsicht wenig die Leute überragt, die er vor fünf Jahren abgelöst hat. Wie er, der sich einen äußerst diktatorischen Verhandlungsstil angewöhnt hat und keine Debatte ohne Brüskierung der Partner beenden kann, den große diplomatische Gaben erfordernden Rang des deutschen Vertreters in den Reparationsverhandlungen einnehmen soll, das mögen diejenigen verantworten, die heute seine Kandidatur fördern, unter sich aber über seine Eignung den Kopf schütteln.

Die Reichsbank und ihre Leute haben Helfferich gewünscht. Sie haben ein Surrogat bekommen, das nach kurzer Zeit ganz und gar Farbe und Geschmack des Originals angenommen hat. Die oben wiedergegebenen Dokumente kennzeichnen eine bestimmte historische Situation, die lange überwunden ist. Die Abneigung gegen Hjalmar Schacht damals war ehrender für ihn als das üppige Vertrauen heute.

Die Weltbühne. 27. November 1928

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