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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wir gingen mit einander in die Stadt. Vor dem Gasthofe verließ er mich, und ich traf da meinen Reisegefährten, voll freudiger Unruhe meiner wartend, an. O wie bedaure ich Euch, rief er mir entgegen, daß Ihr gestern zu Euerm Wiedertäufer gegangen und 88 nicht bey mir geblieben seyd; Ihr hättet alsdann gehört, was ich gehört habe.

Was habt Ihr denn gehört?

Ein Mann von hier, der französisch kann, ist von den Freyheitsfreunden ins Wadtland mit wichtigen Aufträgen gesandt worden, und gestern zurückgekommen; der erzählte mir und dem Wirthe die geheimsten Dinge, die er uns aber weiter zu verbreiten verboth.

Nun so begehre ich sie auch nicht zu wissen.

Mit Euch ist es nicht so gemeint. Der Schneider sagte uns . . .

Ist das eben der Gesandte? unterbrach ich ihn.

Ja, fuhr er fort; er sagte uns, daß daselbst das Nähmliche vorgehe, wie hier; daß dort schon wirklich Freyheitsbäume aufgerichtet worden, und daß dieß bald ein allgemeines Fest in der Schweiz werden solle; und daß es nicht nur darum zu thun sey, die alten Regierungen zu verändern, sondern gänzlich abzuschaffen und eine Volksregierung einzuführen.

Eine Volksregierung, fragte ich, was ist denn das? – Es ging ihm aber damit, wie mit den Menschenrechten, er kannte das Wort besser als seinen Sinn. – Hm! antwortete er, und suchte nach seinem Buche, eine Volksregierung ist, wenn das Volk regiert . . .

Und die Obrigkeit gehorcht? da wird's sauber zugehen!

Eine Volksregierung, las er nun aus dem Buche, 89 kann aber nur durch eine gänzliche Umwälzung zu Stande gebracht werden.

Wo das Unterste zu oberst kömmt, rief ich; Gott bewahre!

Das ist nun einmahl richtig, fuhr er fort, daß wir lange genug unter der Herrschaft des Despotismus gestanden, und die Zwingherren reich gemacht haben; jetzt bekommen wir Freyheit und Gleichheit und eine Regierung, durch welche allen unsern Beschwerden abgeholfen wird.

Hat dieß auch der Schneider gesagt?

Ja; und daß die wackern Wadtländer schon einen schönen Anfang dazu gemacht, indem sie, wie unsre in Gott ruhenden Vorältern alle ihre Landvogte aus dem Lande jagen. Dürften wir nur zu Hause bald ein Gleiches thun!

Glaubt Ihr, wir würden dann auch desto sanfter in Gott ruhen?

Freylich.

Desto früher vielleicht. – Aber Euer Landvogt, fuhr ich fort, wird doch für einen braven Mann angesehen.

Dafür hielten wir ihn bisher auch, war die Antwort, aber nun habe ich genug gehört, um zu wissen, daß auch er ein Verräther seyn muß.

Und ich hatte nun auch genug gehört, um den Unterricht zu schätzen, den der Schneider meinem Begleiter gegeben. 90


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