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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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So war ich also in Basel. – Man sagt, hier sey vormahl eine hohe Schule gewesen, ein Sitz der Weisheit, ehe die Stadt ein Sitz der Handelschaft wurde; es ist meine Schuld, wenn sie jenes nicht jetzo noch 67 für mich war. Hier, wo vor den erschrockenen Sinnen mehrerer tausend Menschen der Vorhang einer unglückschwangern Zukunft sich aufzurollen begann; wo alle aus dem schläfrigen Leben des Berufs aufgeschreckt die Augen nur auf einen gemeinschaftlichen, in drohendem Dunkel liegenden Gesichtspunkt hefteten, und bald die Lebhaftigkeit augenblicklicher Hoffnung, bald die Ohnmacht der Verzagtheit den Schleyer der Convenienz von dem menschlichen Herzen hob; sollte da ein unbefangener Zuschauer nichts für sich selbst benutzen können, nicht bey großen Auftritten die Nichtigkeit gewöhnlicher kleiner Sorgen einsehen, nicht die Heiligkeit eines reinen Willens, seyen seine Aeußerungen auch noch so verschieden, als den ersten Vorzug des Menschen erkennen und preisen lernen?

Ich sah auf der einen Seite Eitelkeit und Selbstsucht den Namen des Gemeinsinns annehmen, und die Fahne der Vaterlandsliebe aushängen, um sich und andre damit zu täuschen; auf der andern Seite Neuerungen aller Art wie feindliche Truppen durch alle Thore der Stadt eindringen, und die abgelebte Staatskunst verdrängen, die sich unthätig in den alten Schlendrian einwiegen, nichts thun und mit offenen Augen blind seyn wollte.

Ich sah stolze Söldlinge einer fremden Macht Schmeicheleyen an die Schlechten und Drohungen gegen die Guten verschwenden, und nichtskostende 68 Versprechungen machen, an denen das Gift der Treulosigkeit klebte.

Ich sah aber auch und bewunderte den Muth und die Klugheit einiger Wenigen, die sich brüderlich vereinigt und den edlen Vorsatz gefaßt hatten, nicht dem unaufhaltbaren Drange der einbrechenden Fluthen sich entgegen zu stämmen, sondern dieselben dahin zu leiten, wo ihr Strom die mindeste Verheerung bewirken konnte, zerstörenden Leidenschaften entgegen zu arbeiten, und das Vordringen pöbelhafter Seelen zu verhindern; die deßwegen das undankbarste, beynahe dem Kreuzestode zu vergleichende Geschäft übernahmen, durch Aufopferung ihrer eignen Ruhe und Hintansetzung ihres bürgerlichen Leumunds mit verworfenen Menschen Brüderschaft zu machen, damit sie unschädlich werden, fremder Gewalt in ihren Wünschen zuvorzukommen, um den auswärtigen Einfluß abzuhalten, und die alten Väter des Staats mit Schonung zu ihrer Ruhe vorzubereiten, weil darin allein noch ihre Sicherheit bestand. Wackere Männer! Wenn auch eine geheime Lust am Vielwirken ihrem sinkenden Muth zu Hülfe kommen mußte, so hebt diese doch die redliche Absicht, ein größeres Uebel vom Vaterland abzuwenden, nicht auf; und wer wird ihnen, deren Zahl freylich wie aller Guten klein ist, nicht den Vorzug vor denen geben, die in einer solchen Lage des Vaterlandes sich unter jedes Joch schmiegen und glauben, mit unthätigem Fluchen unter einander ihre Ehre zu retten!


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