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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Bald kam der gestrige Mann. Ich machte ihm sogleich meinen Entschluß bekannt, ihrem Begehren zu entsprechen; nur, fügte ich hinzu, wäre es mir lieb, wenn sie mir ihre Aufträge, so viel es sich thun ließe, schriftlich gäben.

Er freute sich, und zog die Briefe schon fertig aus der Tasche. So gewiß hatten sie darauf gezählt, daß ich den Auftrag übernehmen würde.

Die Herren kennen mich besser als ich selbst, sagte 38 ich mit einiger Wärme; wenn ihr aller eurer Schritte so sicher seyd, so habt ihr gewonnen Spiel.

Er lächelte: Wer sich einen Anhang verschaffen will, muß es machen, wie der Apostel Paulus, und allen alles seyn können. Gestern waren wir anfänglich mit Euch nicht recht zufrieden; nachher sahen wir ein, daß Ihr folgerecht handelt, und desto eher seyd Ihr unser Mann! Andre, die wir mit Briefen abgeschickt haben, waren froh, wenn sie recht viel geheime mündliche Aufträge mitbekamen, Ihr wollt es anders, und wir geben sie Euch schriftlich. Es ist uns alles recht, wenn die Briefe nur sicher nach Basel kommen, und Ihr an unsern Freunden daselbst Gefallen findet, von welchen Ihr dann schon mehrers hören werdet, was Ihr jetzt weder Zeit noch Lust habt, von uns zu vernehmen.

Als wir uns zum Frühstücke gesetzt hatten, nannte mir der Mann noch die Nahmen seiner Genossen, die ich gestern Abend kennen gelernt, und machte mir eine Schilderung von denen, welche ich auf der Reise antreffen würde. Von mehrern hatte ich schon vor einigen Jahren, aber nicht so vortheilhaft, reden gehört.

Auch jetzt vernahm ich wieder manches, das mir noch einen ausgedehntern und bedeutendern Plan verrieth, als ich geahndet hatte. Besonders fiel mir auf, daß er einige Mahl von dem guten Vernehmen oder vielmehr von der Gunst sprach, worin sie bey einer auswärtigen hohen Macht stehen, die unsre 39 Regierungen weder zu lieben noch zu fürchten scheint. Er legte mir das Fragen darüber auf die Zunge, beging aber den Fehler vieler Leute, welche gern ein Geheimniß los wären, daß er mit abgebrochenen Worten und künstlichem Bedacht darauf hindeutete, welches niemals zutraulich zum Fragen macht, weil man daraus nicht recht klug wird, und jeder Vernünftige sich scheut, unpassende Fragen zu thun, und mit Geheimnissen blinde Kuh zu spielen. Er mußte sich also gefallen lassen, daß ich mit dem vorlieb nahm, was er mir sagte.

Ueber den unerlesenen Anhang allerley Volkes, den sie suchten, konnte ich mich nicht beruhigen, noch über den Leichtsinn der Versprechungen, die sie, wie er mir gestand, jedem zu machen genöthigt seyen. Das ist freylich ein unfehlbares Mittel einen Anhang zu bekommen, sagte ich, aber wenn ihr nicht in den Stand gesetzt werdet, diese Versprechungen zu erfüllen, so habt ihr euern Anhang gegen euch, er sieht sich als betrogen an, und dann müßt ihr es noch für ein Glück halten, wenn sie euch nur fluchen. Gelingt aber die Unternehmung, so wird euch die eigne Erfahrung lehren, was ihr schon aus fremdem Beyspiel wissen solltet, daß sich der große Haufe so stark in die Thüre drängt, die ihm zu Vortheilen aufgesperrt wird, daß kein guter Wille mehr fähig ist, sie zu schließen; und wenn ihr ihm neun drückende Beschwerden abnehmt, und die zehnte leichte nicht, so ist er nicht zufrieden. Auch giebt es allenthalben gute Köpfe mit bösen 40 Absichten, denen es daran liegen wird, euer helles Wasser trübe zu machen und zu erhalten, um darin nach Herzenslust fischen zu können.

Das alles haben wir uns auch mehrmahls gesagt, erwiederte er; in Basel, lieber Freund, werdet Ihr die Antwort darauf hören. Uebrigens müßt Ihr auch dieß noch beherzigen, daß der Mensch selten mit dem Kopf allein handelt, sondern auch das Herz einen Antheil an seinen Thaten hat, und im Herzen der Sitz, so wie der Liebe, also auch des Hasses ist. Ihr habt noch nie an Gut und Ehre und Freyheit gelitten; wir tadeln Euer kaltes Blut nicht, entschuldigt Ihr dagegen unsre Wärme!


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