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Sagen und Märchen Altindiens. 2. Band

Alois Essigmann: Sagen und Märchen Altindiens. 2. Band - Kapitel 7
Quellenangabe
typefairy
authorAlois Essigmann
titleSagen und Märchen Altindiens. 2. Band
publisherAxel Juncker Verlag
year1920
senderwww.gaga.net
created20050429
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Tilottama

In der Stadt der Daitia, der Vettern und ewigen Feinde der Lichtgötter, herrschte vor uralten Zeiten Nikumbas, ein Fürst unter den Seinen. Zwei heldenmütige Söhne, Sundas und Upasund geheißen, wuchsen ihm heran. Die Jünglinge waren tapfer, stark und erfahren in Führung jeglicher Waffe. Eines herrschsüchtigen Sinnes waren beide und eines grausamen Herzens, aber einander hielten sie Treue bis zum letzten Schwertschlag: Standen sie aller Welt auch mit Mißgunst gegenüber, füreinander schlugen die Herzen der Brüder lauter in Liebe und Freundschaft.

Fürchterlich waren die Unzertrennlichen allen Feinden des Stammes, aber auch mancher der Untertanen litt unter der Hoffahrt der Prinzen.

Da verschwanden sie eines Tages aus der Stadt, und lange wußte niemand Auskunft über ihr Verbleiben zu geben.

Sundas und Upasund waren auf die Höhen des wüsten Windhiagebirges gestiegen. In dieser schrecklichen, sturm- und wetterzerrissenen Einsamkeit hatten sie sich eine Klause gezimmert und pflogen, machtlüstern, der furchtbarsten Buße:

Wirren Haares, die Blößen mit Rinde bedeckt, streiften sie durch Dornicht und Dickicht rings im Gebirge. Wochenlang war der Wind ihre einzige Nahrung und das Blut des eigenen wunden Leibes ihr Trank. Dann wieder standen sie reglos in glühender Sonne, in Sturm und Gewitter, hoch auf die Zehen gereckt, die Arme starr in die Weite gestreckt und die Blicke irrlos in Allvaters Himmel gebohrt.

So zügelten sie ihren schweifenden Sinn und zwangen die Glieder, dem Geiste zu dienen.

Die Natur erschauerte im Schrecken vor der geistigen Kraft dieser Asketen, und der Windhiaberg erglühte unter der Last ihres Bußschatzes: bebend stieß er den schwarzen Atem aus weit geöffnetem Rachen, und glühender Geifer rann über seine gewölbte Brust.

Die Götter erschraken beim Anblick des keuchenden Berges. Sie fürchteten für das Gedeihen ihrer segensvollen Werke im Himmel und auf Erden, wenn Sundas und Upasund, die Daitiaprinzen, dem Schicksal durch Buße endlose Macht abringen würden. Sie sandten Göttermädchen und Spielleule nach dem Windhia, um die Gedanken der Büßer durch Spiel und Tanz von dem Höchsten abzulenken. Aber die beiden Säulenheiligen standen und hatten kein Auge für Anmut, kein Ohr für himmlische Klangfülle, denn all ihre Sinne ruhten in Brahma.

Indra sandte darauf den Frühling zu Berge. Der mußte rings um die Bußstätte den Wald mit Samt- und Seidenglanz, mit Silberschimmer und Sonnengold schmücken und die buntesten Kleinodien über all' diese Pracht verstreuen. Kosende Lüfte, schmeichelnde Düfte und schmetternder Vogelgesang suchten durch alle Sinne den Weg zu den Herzen der Büßer, aber, wie von undurchdringlichen Panzern, waren diese umschlossen vom Vorsatz, vor Brahma Gnade zu finden.

Wie aus Stein gehauen standen die Bußhelden, und ihre Augen sahen ins Blaue.

Da ließen die Götter in großem Zauberwerk die Schemen von Mutter und Schwester der Brüder vorbeijagen: Verfolgt und des Letzten beraubt, erschienen die flüchtigen Frauen und riefen ängstlich um Hilfe.

Doch der Sinn der Gemarterten ruhte im Schoß des Gottgedenkens, und keinerlei Reiz einer lärmenden Welt kann den Weg zu dieser friedlichen Stille finden.

Der täuschende Spuk verschwand von der Stätte ernstester Sammlung, und Brahma trat vor die Büßer, welche so standhaft um seine Gunst geworben hatten.

Ehrfürchtig neigten sich Sundas und Upasund vor dem allmächtigen Vater der Welt und hoben ihre gefalteten Hände andächtig zur Stirne.

Huldvoll begrüßte sie Brahma als seine Getreusten.

Da richteten die Brüder sich stolz empor und Sundas sprach für beide:

»Allvater! da unsere standhafte Unterwerfung Gnade vor deinen Augen gefunden hat, so gewähre uns, was wir ersehnen, was wir in überirdischer Buße erflehten: Gib uns Unsterblichkeit – mehr – gib uns die Ewigkeit, wie nur du sie vor allen Göttern besitzt!«

»Töricht wünscht ihr und vermessen!« entgegnete Brahma, »und ich schlag' die Gewährung euch ab. Denn Wunschlose nur und Reine stehen über der Zeit und ihrer Welt! Ihr aber wollt herrschen! Mit furchtbarer Kraft habt ihr euer Werk vollendet, um Erde, Himmel und Hölle vor eurer Bußmacht zu beugen, darum wahr' ich die Dreiwelt vor euren gefährlichsten Träumen.

Ewiges Leben versag' ich, doch die Art eures Unterganges zu wählen, stell' ich euch frei!«

»Nun, so soll Totes nicht, noch Lebendiges über uns siegen, und jeder von uns dem anderen Bruder nur unterliegen können!« riefen die beiden schnell, nach einem Blick des Verstehens.

»Diesen Wunsch gewähre ich euch, denn eure Standhaftigkeit hat meine Gnade verdient!« sprach Brahma und verschwand vor den Augen der Beglückten.

Fröhlich stiegen nun Sundas und Upasund zu Tal und erreichten bald ihre Heimat.

Nikumbas war vor kurzem gestorben, und die Brüder herrschten nun gemeinsam über sein Reich.

Sie lebten in immerwährender Freude dahin, denn ihrer Unbesieglichkeit vor Göttern und Menschen blieb kein Wunsch versagt.

Fest reihte sich an Fest und Gelag' an Gelage; Sänger und Tänzerinnen gingen und kamen in ständigem Wechsel. Waren die Schatztruhen einmal leer, und konnte kein Bauer mehr fronen, so zogen die Brüder über die Grenze und schlugen jeden Gegner, der sich ihnen stellte. Nach wenigen Monden kehrten sie dann mit Beute beladen zurück und begannen vom neuen zu schwelgen in maßlosem Taumel.

Manches Jahr lebten Sundas und Upasund so, bis endlich Gewohnheit sie gegen alle Ausschweifungen abstumpfte, und Langeweile hei ihren Festen und Gelagen zu Gast war.

So ersättigt der Schwelgereien, sannen die Stolzen, dem währenden Leben neue Reize zu geben: Macht, endlose Macht, war das Ziel ihres ferneren Strebens.

»Brahma, der Herr über vergangene und künftige Welten ist, hält uns von seiner Ewigkeit fern, aber in dieser Welt wollen wir die Mächtigsten sein!« sprach einer zum andern. »Ist nicht Indra noch Herr der Dreiwelt und steht über uns, bis wir ihm seinen Himmel, die Erde und auch die Hölle entrissen haben! – Wandeln wir Daitias nicht durch Erde, Wasser, Luft und Feuer, wie unsere Vettern, die Lichtgötter? – Und wir beide? sind wir nicht unbesieglich? – Auf, Bruder, wir wollen die Dreiwelt erobern – Himmel, Hölle und Erde unserem Willen beugen!«

Darauf sammelten die stolzen Brüder ein gewaltiges Heer um sich, hießen die Priester des Landes reiche Opfer brennen und die günstigste Stunde zum Aufbruch erforschen.

Als diese gekommen war – es war finstere Nacht, und kein Lichtlein funkelte am Himmel – da brach das Heer der Götterfeinde mit gewaltigem Toben auf und Sundas mit seinem schrecklichen Bruder führte die Grimmigen durch die Lüfte gegen den Himmel.

Die Lichtgötter waren vor den heranbrausenden Scharen, deren furchtbare Waffen die Brahmanen des Daitiastammes geweiht hatten, aus ihren Wohnsitzen gewichen und hatten bei Allvater Brahma Schutz vor den Unbezwinglichen gesucht.

Die Nachtalben aber wüteten in Indras Himmel gegen die Genien und Geister, gegen Göttermädchen und Himmelskünstler. Alle Anmut und Schönheit fiel ihrem Grimme zum Opfer.

Als Sundas und Upasund den Himmel erobert hatten, fuhren sie mit dem siegestrunkenen Heer durch Schrunden und Schluchten abwärts zur Unterwelt. Schlangen und Riesen und was sich dem greulichen Zuge entgegenstellte, alles fiel unter den mordgierigen Waffen des finsteren Heerbanns.

Vom flammenden Throne Kapilas aus beherrschten die Daitiafürsten alles, was sich unter der Erde regte.

Dann zog das Daitiaheer zum drittenmal aus und schlug, von der Meeresküste gegen Mitternacht ziehend, alle Heere der Erde, die sich den Furchtbaren e ntgegenstemmten.

Sundas und Upasund waren die Herren der Dreiwelt, und nur die Götter waren, um Brahmas Thron ge- schart, ihrer unbändigen Machtgier entrückt.

Da sannen die Schrecklichen darauf, auch die Lichtgötter ihrer Herrschaft zu unterwerfen.

»Sieh!« sprach einer zum ändern, »was gibt den Göttern die Stärke? – Opfer sind's und Gebete und demütige Verehrung der Gläubigen! – Oh, wir wollen die Quellen der Kraft ihnen schließen! – Priester zünden die Opfer, Priester sprechen und lehren Gebete, Priester rufen die Stumpfen zu frommer Verehrung der Götter! – Auf, Bruder! laß uns die Priester vernichten – ausrotten bis auf den Letzten – und der Lichtgötter Macht wird ein Schilfrohr gegen die Speere der Unsern sein!«

Und nun zogen die Frevler durch Städte und Länder, suchten die frommen Diener der Götter an ihren Opferstätten, töteten jeden, der ihnen vors Schwert kam, und löschten die heiligen Feuer in Tempeln, Häusern und Hütten aus. Ja, in die dunkelsten Wälder folgten die Mörder den flüchtigen Priestern und würgten die Weisheit des Weda auf allen Wegen. Der einfältigste Klausner war nicht sicher vor ihrem Schwert, und nicht der weiseste Lehrer. Nicht der Waffen Gewalt, noch die größere Macht des verwünschenden Büßers tat ihrem Wüten Einhalt.

Ohne Geist und Vernunft lag die Erde verwüstet vor den unbesiegten Frevlern. Wenige, ach, allzu wenige von den frommen Lehrern der Menschheit waren dem greulichen Morden entronnen und bargen sich unter tausend Mühen und Leiden in fernen Wüsteneien. Aber in Löwen- und Tigergestalt, als Schlangen und schweifende Wölfe, folgten die Daitias ihnen auch dorthin und bedrohten ohne Unterlaß ihr kümmerliches Leben. Ragt doch göttliche Macht solange als ein Herz sie gläubig empfindet.

Entfesselt hob nun des Geistes Not: Gesetzlosigkeit und Sünde, ihr blutiges Haupt. Seit es keine Festtage mehr gab, gab es auch keine Arbeitstage mehr. Keine Gewalttat fand andere Sühne als höchstens die Rache, die neue Gewalttat. Ehelos lebte die Menschheit, ehrte die Väter nicht und erzog nicht die Kinder in Züchten. Keiner wollte gehorchen, niemand hatte die Kraft zu befehlen. Ehrfurcht, das ewige Band zwischen Göttern und Menschen, war zerrissen, und niemand durfte wagen, es wieder zu knüpfen. Häuser und Hütten verfielen, kein Pflug ging über die schlafende Erde und kein Hirte hatte eine Herde, sie zu betreuen. Die Lebenden starben in Not und Gewalt, und den Toten ward keine Bestattung. Ein weites Leichenfeld war die Erde, und Verwesung dampfte zum Himmel von dieser greulichen Schädelstätte.

Sundas aber und Upasund triumphierten: die Mächte der Finsternis hatten den Lichtgöttern die Dreiwelt entrissen.

Die guten Götter jedoch und Sonne, Mond und Sterne starrten entsetzt auf die Verwüstung ihres Werkes und suchten Hilfe bei Allvater Brahma.

Der Urvater saß in der weiten Halle seines Palastes auf hohem Thron. Rings umgaben ihn Himmelsheilige, Weise und Fromme, und neben Wischnu und Schiwa standen die Götter des Lichtes unter Indras Führung, die sieben Seher der Urzeit auch, und Sonne, Mond und Sterne.

Alle klagten voll Trauer ob des Verfalles der Welt; alle vertrauten der Weisheit des Allvaters und hofften Hilfe von ihm.

Schweigend vernahm der Ewige die Klagen, schweigend sann er über die Bitten der Götter.

Und der Tod jener Frevler ward im Herzen des Höchsten beschlossen.

»Wischwakarman, kunstreicher Bildner des Himmels, tritt vor!« sprach der Herr.

Der göttliche Gold- und Erzschmied trat aus den Reihen der Himmlischen und beugte sich ehrerbietig vor dem Befehlenden.

»Wähle aus Schönheit und Schätzen der Welt, was du brauchst, und bilde ein göttliches Weib!« sprach Brahma.

Anbetend erhob sich Wischwakarman und ging sogleich an die Arbeit.

Wie griff er sehnenden Herzens und gläubigen Mutes in alle Tiefen nach Schönheit!

Still und versonnen wählte er unter dem Besten: Hier nahm er des Elfenbeins Weiß, des Goldes leuchtenden Glanz, des Demanten Feuer, dort des Ametyhsten schimmernden Hauch, das Purpur des roten Rubins und das unergründliche Blau des Saphirs. Perlen gaben ihr glänzendes Matt und das lächelnde Gleichmaß der Form.

Eifrig schuf der Künstler an seinem Werke, griff tief in den Reichtum der himmlischen Welt und verschwendete vollen Herzens, was Allvaters Güte gewährt hatte.

Schön und herrlich ward zur Gestalt, was er trunkenen Auges in Träumen ersah. Und als das Götterweih vollendet war, da war an ihm nicht Makel noch Fehl zu finden.

Tilottama glich dem lachenden Glück und dem ewig wachen Begehren!

Stolz führte Wischwakarman sie vor Allvaters Thron. Dort neigte sich die Holde errötend und fragte demütiglich:

»Was befiehlst du, Herr, auf dessen Geheiß ich ward?«

Brahma sprach:

»Wandle die Sternenstraße entlang und tritt vor Sundas und Upasund hin. Entzünde in beider Herzen die heiße Flamme der brünstigen Liebe, der sehnenden, fressenden Gier, auf daß die Schrecklichen sich entzweien: Herrlich ist deine Gestalt und unwiderstehlich deine holde Anmut. Leicht wird es dir werden, die Welt aus der Not zu erlösen!«

»Ich gehe!" sprach Tilottama, hob die andächtig gefalteten Hände an die Stirn und umwandelte rechtshin den Thron des Hehren.

Auf die Schöne waren die Augen aller gerichtet. Schiwa, der Mahadewa, und Indra, der König der Götter, wollten den Blick nicht von dieser Vollendung wenden. Schiwa, der mit dem Anllitz gegen Mitternacht saß, verfolgte im Geiste den Rundgang des bezaubernden Weibes. Und sieh! wie es Morgen, Mittag und Abend durchschritt, so wuchsen dem Gotte drei neue Gesichter am Haupte.

Indra aber bekam tausend blitzende Augen rings um den Scheitel. Tausendaug heißt er seither den Sängern, sowie Mahadewa der Viergesichtige heißt.

Lächelnd schritt Tilottama dahin und verschwand in der Ferne. Götter und Heilige aber wußten sich sicher geborgen im Schutze der Schönheit.

Der Daitiastamm war unter Sundas' und Upasunds Herrschaft mächtig geworden und hatte sich über die weite Erde verbreitet.

Die beiden Fürsten, die Götter, Menschen und allen Geist überwunden hatten, lebten auf den Trümmern der Welt gar herrlich und in Freuden. Wieder waren Gelage und Spiel des Tages Ergötzung: Das Laster der Ausschweifung entweihte die duftenden Gärten der Götter, und niedrige Gemeinheit besudelte die Paläste, die Wischwakarman den Himmlischen erbaut hatte. Aller Fesseln ledig, taumelte Begierde durch die Tage und Nächte des sieghaften Ungeistes.

Einst feierten die schrecklichen Brüder ein großes Fest auf den Höhen des Windhiagebirges, dort wo sie vor langen Jahren in Qualen geseufzt und all' ihre ausgelassene Herrlichkeit von Brahma ertrotzt und erbettelt hatten.

Oh, wie fühlten die Frevler sich wohl auf den schwellenden Kissen, gesalbt und gesandelt, in purpurner Seide, geschmückt mit funkelndem Geschmeide und umgeben von schönen Frauen, heiteren Gästen und preisenden Sängern.

Nein! kein Hauch erinnerte an die furchtbare Zeit der Buße!

Fröhlich hoben die Glücklichen ihre Becher und tranken einander zu mit freundlichen Blicken.

Da kam Tilottama blumenpflückend aus dem Walde geschritten.

Ruhig wandelte sie einher und sah nicht nach der zechenden Runde. Ein rotes Gewand schmiegte sich faltig um ihre herrlichen Glieder, und lockender Schmuck zierte ihr Haupt und Arme.

Leise summte sie eine heitere Weise, und der Wind trug die Töne mit einer Wolke köstlichen Duftes an die Tafel der Schwelger.

Da hoben Sundas und Upasund die weinschweren Augen und starrten die himmlische Schöne an.

Gierig sprangen beide empor und eilten an ihre Seite.

Sundas ergriff ihre rechte und Upasund ihre linke Hand.

»Meine Gattin soll sie werden!« riefen beide wie aus einem Mund.

»Meine! – nein, meine – dir Schwester bloß!« klang es erregter.

»Mein Weib!« »Nein, meines!« schrien die Starken einander ins weinrote Antlitz, und schon suchten die Hände am Gürtel die tödlichen Waffen.

Schreiend stürzten die Brüder gegeneinander, die goldenen Streitkolben funkelten im Abendrot – dann lagen, Bruder vom Bruder erschlagen, die Unbesieglichen tot auf der Erde.

Tilottamas Lachen klang silbern ins Schweigen des Entsetzens.

Frauen und Freunde der toten Frevler taumelten empor und flohen in sinnlosem Grauen bergabwärts. Flohen, und rissen alle Genossen des finsteren Daitiastammes mit auf die Flucht, bis sie die Dreiwelt weit hinter ihrem Rücken wußten.

Die Mauern der Daitiastadt nahmen sie auf und bargen sie vor der Rache der Lichtgötter.

Brahma aber, mit allen Göttern, erschien auf den Höhen des Windhia und ehrte das Weib, das die Welt den finsteren Mächten durch Anmut entrissen hatte, mit freundlichen Worten.

Dem Götterkönig gab er die Dreiwelt wieder, und Tilottama wandelt seither als schönster Stern durch des Himmels Blau, bis der Ewige das Ende der Welt hereinbrechen läßt.

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