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Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen

: Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen - Kapitel 91
Quellenangabe
typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleSagen und Geschichten aus deutschen Gauen
publisherLoewes Verlag Ferdinand Carl
printrunDritte Auflage
editorJ. Baß
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080102
projectidb4fe387e
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Ludwig Bechstein

Die Seeräuber.

Es waren zwei Seeräuber, die auf der Elbe ihr Wesen trieben, von denen hieß der eine Klaes Störtebecker (Stürzebecher) und der andere Göde (Götke, Godeke) Michel, die waren zu Wasser und zu Lande gleich gefürchtet, und es gibt von ihnen sehr viele Lieder und Geschichten, wie von allen berühmten Räubern.

Den Störtebecker brachte eines Blankeneser Fischers schnöder Verrat samt seiner Bande in Gefangenschaft. Alle wurden nach Hamburg geführt und dort auf dem Graasbrook geköpft, es waren ihrer nicht weniger denn siebzig. Das Blut floß so hoch auf dem Richtplatz, daß der Scharfrichter bis an die Knöchel darin watete. Da riefen ihn einige Ratsherren an: »Nun, Meister, wie war Euch zumute bei dem vielen Köpfen?« Der Meister mochte wohl einen guten Trunk getan haben, er schwang sein Richtschwert hoch im Kreise überm Haupt und rief: »Hoho, ganz Wohl zumute, ihr gestrengen Herren! Ich könnte so fortköpfen, und wäre mir eine Lust, wenn der ganze hochweise Senat vor meine Schneide müßte!« – Solche Antwort nahm der hochweise Senat der Stadt Hamburg gar krumm und übel und mißfiel ihm so, daß er den kecken Schwätzer in Ketten legen und ihm darauf sein Haupt nach Spruch und Urteil abschlagen ließ.

Da nun die Hamburger den Störtebecker und seine Leute gefangen hatten, durchsuchten sie sein Schiff nach Schätzen, fanden aber nichts, und da sie nicht wollten, daß ein solches Raubschiff wieder in See steche und auf dem Meere oder der Elbe sich zeige, so verkauften sie es an einen Zimmermann als Wrack zum Zerschlagen und zur Alltagsnutzung. Wie nun der Zimmermann den großen Mast fällen wollte und ihn unten abzusägen begann, da stieß er auf etwas Hartes, wovon der Säge die Zähne stumpf wurden. Und siehe da, das Innere des Mastbaumes war Metall, eitel Kupfer. Der Zimmermann zeigte seinen Fund beim Magistrat an, und dieser unterzog nun den Dreimaster näherer Untersuchung. Siehe, da war der größte Hauptmast innen von gediegenem Kupfer, der zweite von Silber, der dritte von Gold. Das war ein guter Fang, und in den Rahen und Bramsegelstangen steckte auch noch allerlei Gutes verborgen. Der Zimmermann ward reichlich belohnt, und aus dem Golde wurde eine Krone verfertigt, die reichte um den Sankt Katharinenturm herum, so groß war des Goldes Fülle. In der Franzosenzeit und -herrschaft, an welche Hamburg nur mit einem Fluche denken kann, ist auch dieser Goldschatz vom Feinde genommen und vermünzt worden. Auf Jasmund in Rügen hatten Störtebecker und Göde Michel tiefe Höhlen. Noch werden in Hamburg vier Richtschwerter gezeigt, mit denen diese beiden und ihre ganze Bande enthauptet wurden.

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