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Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen

: Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen - Kapitel 74
Quellenangabe
typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleSagen und Geschichten aus deutschen Gauen
publisherLoewes Verlag Ferdinand Carl
printrunDritte Auflage
editorJ. Baß
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080102
projectidb4fe387e
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Ludwig Bechstein

Nibelung von Hardenberg und der Zwerg Goldemar.

Im Jülicher Lande saß ein Edler, des Namens Nibelung von Hardenberg, dem gehörten die Schlösser Hardenberg, Hardenstein und Rauental, und bei ihm wohnte ein Zwergkönig oder Elbe, der hieß Goldemar. Der war dem Nibelung von Hardenberg und nicht minder dessen schöner Schwester sehr zugetan, gab Ratschläge und war hilfreich in allen Sachen. Obschon der Elb Goldemar sich nicht sehen ließ, vielmehr stets unsichtbar blieb, so ließ er sich doch deutlich wahrnehmen; er trank Wein mit dem Ritter, spielte mit ihm und seiner Schwester Brett und selbst mit Würfeln und spielte auch die Harfe gar wundersam, daß kein Mensch auf Erden ihr solche Töne entlocken konnte. Wollte Nibelung sich überzeugen, ob der Elbe wirklich bei ihm sei, so fühlte er nach dessen Hand, und die war sehr klein, zart, weich und warm.

Dieser Elbe trieb es so drei Jahre lang auf Hardenbergs Schlössern und beleidigte niemand. Da geschah es, daß er beleidigt wurde; denn die Hausgenossen, denen seine Anwesenheit unverborgen war, wurden von Neugierde geplagt, ihn zu sehen und zu erfahren, wie der Elbe aussehe. Da streuten sie heimlich Asche auf den Fußboden und Erbsen. Goldemar der Zwerg kam, sich nichts versehend, in den Saal und trat auf die Erbsen, glitt aus und fiel, und seine Gestalt drückte sich in der Asche ab. Die war aber gestaltet wie eines sehr jungen Kindes Gestalt, und die Füße waren ungestaltet. Da kam der Elbe Goldemar nimmer auf des Hardenbergs Schlösser. Er wandte sich anderswohin und entführte eine Königstochter, die hieß Hertlin. Die Mutter dieser Königstochter starb vor Leid über den Verlust ihrer Tochter; letztere aber ward durch den sieghaften Helden Dietrich von Bern, den alte Lieder feiern, befreit und von ihm geehelicht.

Manche sagen, daß dieses Bern, wovon der Held Dietrich den Namen geführt, nicht das Bern in der Schweiz, auch nicht das welsche Bern, Verona, gewesen, sondern das rechte Dietrichs-Bern sei Bonn gewesen; der älteste Teil dieser Stadt habe auch Verona oder Bern geheißen. Da in dieses rheinische Land und Gefilde so viele Taten Dietrichs von Bern fallen, von denen in alten Heldenbüchern viel zu lesen ist, so dürfte wohl etwas Wahres an der Sage sein. Der Gezwerg Goldemar aber hat, nachdem ihm Dietrich die Beute abgedrungen, die Riesen zu Hilfe gerufen und Berge und Wälder ringsum schrecklich verwüstet. Die Stadt Elberfeld soll ihren Namen von nichts anderem tragen, als von den Elben, auf deren Felde sie gegründet ward.

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