Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen

: Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen - Kapitel 52
Quellenangabe
typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleSagen und Geschichten aus deutschen Gauen
publisherLoewes Verlag Ferdinand Carl
printrunDritte Auflage
editorJ. Baß
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080102
projectidb4fe387e
Schließen

Navigation:

Aloys Wilhelm Schreiber

Kaiser Friedrich der Rotbart.

Um die Mitte des 12. Jahrhunderts baute Kaiser Friedrich der Rotbart zu Lautern im Wasgau aus roten Sandsteinen eine Pfalz, welche auf der einen Seite mit einer starken Mauer, auf der andern mit einem Fischweiher umgeben war. In dem Weiher pflegte der Kaiser manchmal zu fischen. Einstmals setzte er zwei Karpfen hinein, die mit einer goldenen Kette verbunden waren. Sie wurden lange nach des Kaisers Tod gefangen, und die Stadt Lautern nahm sie in ihr Wappen auf.

Nach einer Sage, die sich lange erhalten und auch allgemein verbreitet hat, soll Friedrich nicht in Palästina gestorben, sondern beim Baden im Wasser verschwunden sein und in einer tiefen Berghöhle bei Kaiserslautern sitzen. Um den Berg fliegt beständig ein Schwarm krächzender Raben, und wenn diese von dannen ziehen, wird der Kaiser wieder aus dem Berge hervorgehen zur Hilfe der durch die Sarazenen bedrängten Christenheit.

Ein Ritter von der benachbarten Burg Beilstein ließ sich's einst gelüsten, in die Höhle hinabzusteigen. Friedrich saß im Purpurmantel an einem steinernen Tisch, um welchen sein Bart schon zweimal herumgewachsen war; neben ihm lagen Schwert, Reichsapfel und Krone. An der Wand lehnte sein Schild, darauf war ein blutrotes Herz abgebildet, von einem weißen Pfeil durchstochen. Als der Ritter eintrat, schaute der Kaiser auf wie aus schwerem Traum und fragte: »Sind die Raben fort?« Als der Ritter es verneinte, versank er wieder in eine Art Schlummer.

Sein Enkel, Friedrich II., liebte gleichfalls den Aufenthalt bei Kaiserslautern. Im Jahre 1230 setzte er einen Hecht in den Kaiserswog oder Teich; an den Fisch steckte er vorher einen breiten goldenen Ring mit griechischer Inschrift. Dieser Ring war von gar kunstreicher Arbeit, denn er dehnte sich aus nach dem Wachstum des Fisches. Im Jahr 1479 soll Kurfürst Philipp den Hecht gefangen und auf seine Tafel nach Heidelberg haben bringen lassen. Der damalige Kanzler des Kurfürsten, Johann Cämmerer von Worms, Freiherr von Dalberg, übersetzte die Inschrift wie folgt:

»Ich bin unter allen Fischen der erste, welcher durch die Hände Kaiser Friedrich II. in diesen Wog gesetzt worden, den 5. Oktober 1230.«

Dieser Fisch, welcher demnach 267 Jahre lang in dem Weiher gesessen, soll 19 Fuß lang und 350 Pfund schwer gewesen sein. Zum Gedächtnis wurde derselbe im Schlosse zu Lautern abgemalt.

 << Kapitel 51  Kapitel 53 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.