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Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen

: Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen - Kapitel 5
Quellenangabe
typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleSagen und Geschichten aus deutschen Gauen
publisherLoewes Verlag Ferdinand Carl
printrunDritte Auflage
editorJ. Baß
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080102
projectidb4fe387e
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Moritz Bermann

Die Bärenmühle.

In der Umgegend von Gundershofen im Elsaß soll eine Mühle stehen, die den Namen »Bärenmühle« führt. Der Name kommt auch sonst vor, zum Beispiel in der Nähe von Wien. Von dieser Mühle wird folgendes Abenteuer erzählt:

Damals gehörte die Mühle dem Meister Johann Wachtel. Es war demselben aber unmöglich, seine Müllerburschen länger als zwei Tage zu behalten, denn ein Bär besuchte jede Nacht die Mühle und jagte ihnen großen Schrecken ein. Da kam einmal ein starker und beherzter Bursche, namens Andreas Luftig, ein Mann, der durch seine außerordentliche Stärke in den Fäusten in der ganzen Gegend berühmt war, so daß kein Bursche mit ihm zu raufen wagte. Der hatte auch von dem Bärenspuk gehört und bot um guten Lohn und Kost dem Müller seine Dienste an. Er trat auch alsbald bei ihm ein und sollte schon in der nächsten Nacht mahlen.

Nun kam an diesem Abend der Müllermeister spät vor seinem Hause an, als ihn plötzlich der Bär überfiel. Wachtel war ein kräftiger Mann, der sich rüstig und mutig gegen seinen zottigen Gegner zur Wehr setzte; aber Meister Petz war ein gewaltiger Kumpan, der ihn bald überwältigt und zu Boden geworfen hatte. Als nun der Meister aus Leibeskräften um Hilfe rief, öffnete sich ein Fenster im ersten Stockwerk des Mühlengebäudes und heraus sah der neue Knecht des Müllers, Andreas Luftig. Der erkannte die gefährliche Lage, in welcher sein Herr sich befand; über die Stiege zu laufen oder die sämtlichen Knechte zu wecken, um dem Meister Beistand zu bringen, war des Zeitverlustes wegen nicht ratsam. Er besann sich daher nicht lange, sondern sprang flugs zum Fenster hinaus, hinab auf die Straße.

Der Sprung brachte ihn aber zufällig auf den Bären selbst, auf dem er wie auf einem Pferde zu reiten kam. Der Knecht schlang sogleich seinen rechten Arm um den Hals des Tieres und schnürte ihn mit seiner Riesenkraft dergestalt zusammen, daß Meister Petz den Müller losließ, da ihn das ungewohnte Halsband furchtbar einschnürte. Aber so leichten Kaufes sollte er nicht davonkommen. Luftig nahm auch seine andere Faust zu Hilfe, und in diesen beinahe eisernen Klammern erstickte endlich das Untier.

Der Müllermeister war gerettet und umarmte dankbar den wackeren Knecht, ihm jede Belohnung, die er haben wollte, zusagend. Der bescheidene Müllerbursche erbat sich indes nur die Haut des Bären zum Lohne, aus welcher er sich einen Pelz machen ließ, den er beständig am Leibe trug, mit dem Unterschiede, daß derselbe im Sommer an einer Stahlkette befestigt über die Schulter herabhing. Von diesem Schmucke erhielt er denn auch den Beinamen »Bärenhäuter« und trug denselben bis an sein seliges Ende.

Der Müller aber ließ den Bären an seiner Mühle abbilden, welche davon die Benennung »Bärenmühle« erhielt.

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