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Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg

Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg - Kapitel 5
Quellenangabe
typefairy
authorKarl Müllenhoff
titleSagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg
publisherVerlag Bernd Schramm
printrun4. Auflage
editorKarl Müllenhoff
year1985
isbn3-921361-05-2
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130913
projectid21596ada
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Viertes Buch

 

Ich möchte mich der wundersamen Historien, so ich aus zarter Kindheit herübergenommen, oder auch, wie sie mir vorkommen sind in meinem Leben, nicht entschlagen, um kein Gold.

Dr. Martin Luther.

 

 

593. Ode un de Slang.

Andere als die hier angeführten Märchen bei Wisser, Plattdeutsche Volksmärchen (aus Ostholstein) Jena 1914; Wat Grotmoder verteilt, Bd. 1-3. 1904-09; Heim. 9. 10. 11 usw. Ferner R. Hansen, Dithmarsische Märchen in Zs. f. s.-h. Gesch. 7, 217 ff. G. F. Meyer, Heim. 19. 21. 22 usw. –
Bolte 1, 4.

Da weer enmal en Mann, de harr dree Töchter, un de jüngste de nömeden se Ode. Enmal do wuld he to Markt. Do froog he sine Döchter, wat he se mitbringen sull. Do sä de öldste, se wull en golden Spinnrad, de twete, se wull en golden Haspel hebben, Ode awer sä, se wull dat hebben, wat achter sinen Wagen hêrleep, wenn he wedder keem. Do koff de Vader denn op den Markt allens in, en golden Spinnrad för sine öldste Dochter, un en golden Haspel för de twete; as awer de Markt ut is, un he wedder to Huus faart, so loppt dar en Slang achter den Wagen; do nimmt he de för de Ode mit. He smitt se achter innen Wagen un lett se nös (nachher) vör de Huusdoer liggen. As nu Ode œwer de Del geit, so fangt de Slang an to sprêken un röppt: »Ode, lewe Ode, schall ik man op de Dêl?« »Wat«, seggt se, »mien Vader hett di bet an de Huusdœr mitnamen, un du willst ok noch op de Dêl?« awer damit lett se em doch in. – As se nu na êhr Kamer geit, so röppt de Slang wedder: »Ode, lewe Ode, schall ik man vör dien Dœr liggen?« »Ei wat«, seggt se, »mien Vader hett di bet an de Huusdœr brocht, ik heff di op de Del laten, un du willst noch vör mien Kamerdœr liggen? Doch et mag darum sien.« Nu wull se in de Kamer gaan, un maak de Kamerdœr apen, do röppt de Slang wedder: »Och Ode, lewe Ode, schall ik man in dien Kamer?« »Nu«, seggt se, »hett mien Vader di nicht bet an de Huusdœr mitnamen, heff ik di nicht op de Del laten un do vör de Kamerdœr leggt, un nu willst du noch mit in de Kamer? Awer wenn du tofreden sien wullt, so kumm man in, ligg nu awer still.« Damit so leet se de Slang in un fangt an sik uttotrecken. As se nu awer to Bett gaan wull, so röppt doch de Slang wedder un seggt: »Och Ode, lewe Ode, schall ik man in dien Bett?« »Nu wart et awer to dull«, seggt se, »mien Vader hett di bet an de Huusdœr mitnamen, ik heff di eerst op de Del brocht, do vör de Kamerdœr, do in de Kamer liggen laten, un nu willst du gaar noch bi mi int Bett? Awerst bistu verfraren, arm Ding, so kumm man herin un warm di.« Un do neem se de Slang bi sik int Bett. As de Slang awerst eerst bi êhr leeg, do verwandelt se sik mit enen Maal un word to'n vœrnêmen Prinzen un Ode word sien Fru.

Durch Herrn Advokat Griebel aus Heide.

*

 

594. Vom goldenen Klingelklangel.

Wisser 266 ff.; die Tochter wünscht sich »n par golln Klinglöd'«. Bolte 2, 236. 3, 42; Fußtritt zur Entzauberung: Nr. 598 (S. 418) und Heim. 11, 79. Bolte 2, 518 Anm.

Ein König hatte drei Töchter. Als er nun einmal verreisen wollte, fragte er sie, was er ihnen denn mitbringen sollte. Da sagte die älteste Tochter, ein goldenes Spinnrad, die zweite wollte eine goldene Haspel haben, die jüngste Tochter aber bat um einen goldenen Klingelklangel. Als nun der König wieder nach Hause wollte und das goldene Spinnrad und die goldene Haspel hatte, da ward er sehr traurig, denn er wußte nicht, wie er den goldenen Klingelklangel bekommen sollte. Wie er nun so da saß und sehr weinte, kam ein alter Mann zu ihm und fragte: »Warum weinst du?« »Ach«, sagte der König, »ich weiß nicht, wo ich den goldenen Klingelklangel bekommen kann.« Da sagte der alte Mann: »Die goldenen Klingelklangel sind auf einem großen, hohen Waldbaum und ein großer Bär bewacht sie; aber wenn du dem Bären etwas versprichst, so gibt er dir einen.« Da ging nun der König in den Wald und suchte den großen Waldbaum, und wie er ihn fand und auch den großen Bären darunter antraf, so bat er ihn um einen goldenen Klingelklangel. Der Bär sagte: »Willst du mir das geben, was mir zuerst auf deinem Schlosse entgegenkommt, dann sollst du einen goldenen Klingelklangel haben.« Der König sagte ihm das zu, und der Bär versprach am andern Morgen aufs Schloß zu kommen und den goldenen Klingelklangel zu bringen. Als aber der Bär am andern Morgen kam, da begegnete ihm zuerst die jüngste Königstochter, die den goldenen Klingelklangel haben wollte. Der Bär wollte sie gleich mitnehmen, aber der König ward sehr betrübt und sagte: »Geh nur fort, sie soll gleich nachkommen!« Nun wollte der König aber dem Bären seine Tochter nicht geben, sondern er ließ ein anderes Mädchen ganz schmuck machen und schön anziehen, das war die Tochter von dem Schafhirten, und schickte die nach dem Bären. Als sie bei dem Bären ankam, da sagte der: »Geh auf den Baum!« und als das Mädchen hinaufgeklettert war, so sagte er: »Komm herunter und lause mich!« Der alte Bär meinte, daß es die jüngste Königstochter sei. Als die Dirne ihn nun lauste, fragte er: »Was tun dein Vater und Mutter wohl, wenn sie zu Hause sind?« »Sie hüten die Schafe und scheren sie«, antwortete das Mädchen. Da ward der große Bär schrecklich böse und sagte: »Du bist die rechte nicht! Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hulteripulter durchs ganze Land!« Und so brachte er sie wieder hin. Dem König ward sehr bange, aber er sagte zum Bären: »Wart nur ein bißchen, meine Tochter soll gleich kommen!« Darauf ließ er des Schweinhirten Tochter ganz schön anziehen und schmuck machen und gab sie dem Bären mit. Als sie nun bei dem großen Waldbaum ankamen, sagte der Bär: »Geh auf den Baum!« und als das Mädchen oben war, sagte er: »Komm herunter und lause mich!« Dann fragte er wieder: »Was tun dein Vater und Mutter wohl, wenn sie zu Hause sind?« Die Dirne dachte nicht daran und sagte: »Sie treiben Schweine in den Stall und füttern sie.« Da ward der Bär wieder böse und noch viel ärger als das erstemal und sagte: »Du bist die rechte nicht! Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hulteripulter durchs ganze Land!« und so brachte er sie wieder hin. Nun mutzte aber die arme Königstochter mit. Als sie darauf bei dem Baume angelangt waren, sagte der Bär wieder: »Steig auf den Baum!« und dann: »Komm herunter und lause mich!« Als die Königstochter nun den Bären lauste, fragte er: »Was tun dem Vater und Mutter wohl, wenn sie zu Hause sind?« »Sie sitzen bei Tafel und trinken den roten Wein«, antwortete die Königstochter. Da sagte der Bär: »Du bist die rechte!« und sie mußte nun bei dem Bären bleiben. Als sie aber schon artig lange bei ihm gewesen war, fragte der Bär sie, ob sie auch wohl einmal nach Hause wollte? »Ja«, sagte die Königstochter, »das täte ich gerne einmal.« »Komm«, sagte der Bär da, »denn wollen wir hin; aber ich will mich unter den Tisch legen, wenn du am Tische sitzst, und du sollst mir dann deinen Teller unter den Tisch halten, und wenn du gegessen hast, mußt du mit mir tanzen und mich hart auf den Fuß treten.« Das versprach íhm die Königstochter. Als sie nun bei Tische saß und den Teller darunter hielt, lachten die Leute darüber und sagten: »Was hältst du deinen Teller unter den Tisch?« und als sie nachher mit dem Bären tanzte, da lachten sie noch viel mehr. Aber die Königstochter tanzte doch mit ihm und trat ihn dann so ganz hart auf den Fuß. Und als sie das getan hatte, da ward der Bär mit einem Male ein schöner reicher Prinz und die Königstochter ward seine Frau.

Aus der Propstei durch Herrn Rethwisch.

*

 

595. Der weiße Wolf.

Heim. 7, 63 aus Holm bei Ütersen (»König Medowulf«). Wisser 266 ff. Bolte 2, 246. 3, 41. – Zur Hilfe von Sonne, Mond, Wind: Heim. 14, 165 Anm. Wisser 174. 228. 269 u. o. – Leiter, an der eine Sprosse fehlt: Nr. 609 (S. 457).

Ein König verirrte sich einmal auf der Jagd in einem großen Walde und konnte sich gar nicht zurechtfinden. Mehrere Tage war er schon herumgewandert, hungernd und durstend, und er war ganz verweint in seiner Not. Da kam ein klein schwarzes Männchen zu ihm und sprach: »Ich will dich heimführen, wenn du versprechen willst, mir das zu geben, was dir zuerst aus deinem Hause entgegenkommt.« Da sagte der König in Gedanken ja. Unterwegs aber sprach der König: »Ich wollte, mein bester Hund käme mir entgegen.« Aber das Männchen antwortete: »Das wollte ich nicht; ich wollte, es wäre deine jüngste Tochter.« Als sie nun bei dem Schlosse ankamen, erblickte die Tochter ihren Vater durchs Fenster, denn sie hatte schon lange nach ihm ausgesehen, und nun lief sie schnell hinaus, ihren Vater zu umarmen. Als sie aber an seinem Halse hing, da rief er ganz beklommen: »Ich wollte lieber, daß mein Hund mich empfangen hätte.« Die Tochter hub kläglich an zu weinen und sagte: »Bin ich dir denn nicht besser, als dein Hund?« Da weinte der Vater mit, denn es war ihm ganz gram, daß das Männchen nun seine Tochter haben sollte. Er erzählte ihr alles unter Tränen, aber sie sprach: »Habe ich dein Leben retten können, so gehe ich gerne hin.« Nach acht Tagen, so ward bestimmt, sollte das Männchen die Braut holen.

Als die Zeit nun um war, erschien ein weißer Wolf, und die Königstochter setzte sich auf seinen Rücken. Und nun ging's fort in schrecklicher Eile durch Dick und Dünn, über Hecken und Knicken, über Berg und Tal, daß sie bald ganz müde ward vom Reiten. Als sie aber fragte, ob sie noch nicht bald zur Stelle wären, antwortete der Wolf: »Schweig, sonst werfe ich dich hinunter, es ist noch weit zum gläsernen Berg!« Und wieder lief der Wolf durch Dick und Dünn, über Hecken und Knicken, über Berg und Tal, daß sie es fast nicht länger aushalten konnte. Da fragte sie wieder: »Sind wir noch nicht bald da?« Aber der Wolf sagte: »Sprichst du noch einmal, so werf ich dich hinunter; es ist noch weit bis zum gläsernen Berg!« Und nun ging's noch viel toller als vorhin. Da konnte sie es am Ende gar nicht länger aushalten und fragte noch einmal: »Sind wir noch nicht bald da?« Kaum aber hatte sie das gesagt, so stürzte sie herunter und der weiße Wolf lief davon.

Nun war sie ganz allein in der weiten Welt und wußte nicht woher noch wohin. Endlich aber ging sie weiter und dachte, du mußt doch zu Leuten kommen und die kannst du fragen nach dem weißen Wolf. Bald darauf kam sie auch zu einer kleinen Hütte, da saß da eine alte Mutter, die kochte sich eine Hühnersuppe. Das Mädchen fragte sie gleich, ob sie nicht den weißen Wolf gesehen habe. »Nein«, antwortete das Mütterchen, »den weißen Wolf hab ich nicht gesehen, da mußt du den Wind fragen, der fegt in alle Löcher und reist täglich zu Wasser und zu Lande; aber bleibe nur erst ein bißchen hier und iß eine Hühnersuppe zu Mittag.« Das tat die Königstochter auch. Die Alte aber sprach, als sie wieder gehen wollte: »Nimm die Knöchelchen alle mit, die werden dir noch einmal zu Gute kommen.« Darauf wies sie ihr den Weg nach dem Winde.

Als sie nun bei dem Wind ankam, saß der auch und kochte sich eine Hühnersuppe. »Herr Wind«, sagte das Mädchen, »du reist ja über Wasser und Land alle Tage, hast du nicht den weißen Wolf gesehen?« »Nein«, sagte der Wind, »den weißen Wolf hab ich nicht gesehen, heute bin ich noch nicht ausgewesen, da mußt du zu der Sonne gehen und die fragen; die steht früh auf und weiß und sieht alles, denn sie guckt in alle Löcher und steigt über alle Berge und Bäume; aber erst iß eine Hühnersuppe mit mir.« Das Mädchen ließ sich's wieder gut schmecken, sammelte alle Knöchlein, wie der Wind ihr riet, und ließ sich dann von ihm auf den rechten Weg nach der Sonne weifen. Als sie nun zur Sonne kam, hatte auch die den weißen Wolf nicht gesehen, und sie riet ihr, zum Monde zu gehen, denn der sehe, wenn niemand sehe, und wenn der ihr keinen Bescheid sagen könne, so könne es niemand; aber ehe das Mädchen fortging, mußte sie auch mit der Sonne eine Hühnersuppe essen und die Knöchlein mitnehmen. Als sie nun zum Monde kam, war der auch dabei, sich eine Hühnersuppe zu kochen, aber vom weißen Wolf wußte er nichts zu sagen. Da fing das Mädchen an zu weinen und sprach: »Wen soll ich denn nun fragen?« »Komm«, sagte der Mond, »iß erst die Hühnersuppe mit mir, und dann wollen wir weiter sprechen.« Als sie nun saßen und aßen, so sagte der Mond: »Hab ich doch mein Lebtage nicht vom weißen Wolf gehört; was es damit ist, begreife ich nicht; aber das schwarze Männchen gibt diese Nacht Hochzeit im gläsernen Berg.« »Ach ja, der gläserne Berg! der gläserne Berg! das hatte ich ganz vergessen, der ist es, dahin soll ich«, rief die Königstochter ganz vergnügt und bat den Mond, sie gleich dahin zu zeigen. »Nun nun«, sagte der Mond, »wir haben noch Zeit, iß nur erst die Hühnersuppe aus und nimm alle Knöchlein mit, die werden dir noch zu Gute kommen.« Da aß sie schnell die Hühnersuppe auf, nahm die Knöchlein, aber in der Eile vergaß sie eins. Dann brachte der Mond sie an den gläsernen Berg. Der aber war so glatt und glitzig, daß sie nicht hinauf kommen konnte. Da nahm sie nun ihre Knochen und baute sich eine Leiter daraus, es fehlte aber endlich eine Sprosse, weil sie einen Knochen vergessen hatte. Da schnitt sie sich ein Gliedchen von ihrem kleinen Finger ab und nun kam sie zur Höhe. Von da führte eine wunderschöne Treppe abwärts in den Berg, darauf stieg sie hinab und kam zum schwarzen Männlein. Der aber war ein hübscher verzauberter Prinz und eine junge Frau war ihm angezaubert, mit der feierte er nun Hochzeit in aller Herrlichkeit im gläsernen Berg. Es war da ein prächtiger Saal, wo alles von Gold und Edelsteinen funkelte und der Prinz saß mit seiner Frau an der glänzenden Tafel und speiste, als die Königstochter eintrat; er aber kannte sie nicht, aber sie ihn wohl. Da fing sie an zu singen von einem weißen Wolf, dem hätte ihr Vater sie versprochen und mit Tränen hingegeben. Der Wolf, schnell wie ein Vogel, hätte sie fortgebracht über Hecken und Knicken, über Berg und Tal und zuletzt sie verlassen einsam und allein in der weiten Welt; nun sei sie überall umhergeirrt und hätte nach dem weißen Wolf gefragt, aber niemand hätte ihr von ihm Bescheid gegeben. Als der Prinz das hörte, ward er ganz aufmerksam, horchte und sah sie an, und als sie das Lied geendet hatte, bat er sie, es noch einmal zu singen. Und als sie das getan, da erkannte er sie, und sein Zauber war gelöst. Da verstieß er seine frühere Frau und heiratete die Königstochter; dann aber reisten sie beide zu ihrem Vater, der nun ganz vergnügt darüber ward, daß seine Tochter einen so hübschen Mann bekommen hatte, und sie lebten von nun an so recht froh und glücklich beieinander, und wenn sie noch nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Aus Puttgarden auf Fehmarn, vgl. Grimm Hausm. N. 26. Kuhns Märkische Sagen S. 282.

*

 

596. Siebenschön.

Das Rätsel vom alten und neuen Schlüssel kehrt häufig wieder; vgl. Nr. 598 Schluß. Heim. 7, 67. Wisser 176. 229. 273. Bolte 2, 59.

In einem Dorfe wohnten ein paar arme Leute in einem kleinen Häuschen, die hatten eine einzige Tochter. Das Mädchen besorgte ihnen den Hausstand, sie wusch, fegte, kochte und schaffte alles, was zu tun war; das Gärtchen vor dem Hause war immer wohl bestellt, im Hause aber war alles so blank und reinlich, daß es eine Lust anzusehen war. Es gab auch kein Mädchen in der ganzen Gegend, die geschickter im Nähen und Sticken gewesen wäre, und damit verdiente sie ihren armen Eltern das Brot; denn seine Arbeit wird immer gut bezahlt. Weil das Mädchen aber schöner war, als sieben andere zusammen, so nannten die Leute sie Siebenschön. Sie war aber so sittsam, daß wenn sie Sonntags zur Kirche ging, was sie fleißig tat, sie immer einen Schleier vor dem Gesichte trug, damit die Leute sie nicht angaffen sollten. Da sah sie nun einmal des Königs Sohn und sie war so schlank wie eine Esche, da verliebte er sich in sie und hätte herzlich gerne auch einmal ihr Gesicht gesehen, aber das konnte er nicht vor dem Schleier. Er sprach zu seinen Dienern: »Warum trägt Siebenschön immer einen Schleier, daß man ihr Gesicht nicht sehen kann?« Die Diener antworteten: »Das tut sie, weil sie so sittsam ist.« Da sandte der Königssohn einen Diener mit einem goldenen Fingerreif zu Siebenschön und ließ sie so sehr bitten, heute Abend bei der großen Eiche zu sein, er hätte was mit ihr zu sprechen. Siebenschön ging hin, denn sie dachte, gewiß will der Prinz bei dir ein Stück feine Arbeit bestellen. Als aber der Prinz sie nun sah, da verliebte er sich noch viel mehr und verlangte sie zur Frau. Aber Siebenschön sprach: »Du bist so reich und ich nur so arm; dein Vater wird sehr böse werden, wenn er hört, daß du mich zur Frau genommen.« Aber der Prinz bat so viel und sagte, wie lieb er sie hätte; da sagte Siebenschön endlich: »Wenn du noch ein paar Tage warten willst, so will ich mich darauf bedenken.« – Am andern Tage schickte der Königssohn seinen Diener zu Siebenschön, der brachte ihr ein paar silberne Schuhe und bat sie, sich heut Abend wieder bei der Eiche einzufinden, denn der Prinz wollte mit ihr sprechen. Siebenschön ging hin und als der Prinz sie sah, so fragte er, ob sie sich nun schon besonnen hätte. Da antwortete Siebenschön: »Ich habe mich noch nicht bedenken können, denn meine Tauben und Hühner wollten gefüttert, der Kohl mußte geschnitten und die Hemden sollten genäht werden; aber was ich dir sagte, ich bin so arm und du so reich, dein Vater aber wird böse werden, darum kann ich nicht deine Frau werden.« Da bat sie aber der Prinz wieder so viel, daß sie endlich sagen mußte, daß sie sich ganz gewiß bedenken und mit ihren Eltern sprechen wolle. Am andern Tage schickte er ihr durch einen Diener ein prächtiges goldenes Kleid und ließ sie bitten, heute Abend wieder zu der Eiche zu kommen. Siebenschön ging Abends auch wieder hin und der Prinz fragte, wie sie sich denn nun besonnen hätte. »Ach«, sagte Siebenschön, »ich habe mich nicht bedenken können und meine Eltern habe ich auch noch nicht gefragt, es gab den ganzen Tag wieder so viel zu schaffen in und außer dem Hause, daß ich nicht dazu kommen konnte; aber was ich immer gesagt habe, dabei muß es doch bleiben, ich bin viel zu arm und du zu reich und dein Vater wird sehr böse werden.« Nun ließ der Prinz aber gar nicht mit Bitten nach und stellte ihr vor, daß sie endlich Königin werden sollte, er würde ihr auch ganz gewiß treu bleiben und keine andre heiraten, was da auch kommen möchte. Da Siebenschön nun sah, wie lieb er sie hatte, so sagte sie endlich ja.

Von nun an trafen sie sich jeden Abend bei der Eiche und waren ganz glücklich, denn sie liebten sich wirklich so sehr, doch der König sollte es nicht wissen. Wer da war da eine alte garstige Dirne, die sagte es ihm endlich doch, daß sein Sohn immer mit Siebenschön jeden Abend spät zusammenkäme. Da ward der König ganz grimmig und schickte seine Leute hin, Siebenschöns Haus in Brand zu stecken, damit sie darin verbrenne. Siebenschön saß am Fenster und stickte; als sie aber merkte, daß das Haus brenne, sprang sie geschwind hinaus und gerade hinein in einen leeren Brunnen; ihre armen Eltern aber verbrannten beide mit dem Hause.

Es war ihr erst nun gewaltig gram und so traurig ums Herz, daß sie tagelang im Brunnen saß und weinte. Nachdem sie aber ausgeweint arbeitete sie sich allmählich hinauf und grub sich dann mit ihren seinen Händen etwas Geld aus dem Schutt ihres verbrannten Hauses. Dafür kaufte sie sich Mannskleider. Dann ging sie zum Könige an den Hof und bat, er möge sie doch als Bedienten annehmen, denn sie heiße Unglück. Dem Könige gefiel der hübsche junge Mensch und er nahm ihn zum Bedienten an; sie war nun immer treu und fleißig, und bald mochte der alte König Unglück von allen seinen Bedienten am liebsten leiden und ließ sich von keinem andern bedienen.

Der Königssohn aber, als er hörte, Siebenschöns Haus sei niedergebrannt, trauerte sehr, denn er meinte nicht anders, als daß Siebenschön auch mit verbrannt sei. Nachher aber wollte sein Vater, daß er sich eine Frau nehmen sollte; der alte König wollte seinem Sohn das Reich übergeben, aber dann mußte dieser auch eine Königin haben. Also freite der Prinz zu eines andern Königs Tochter und ward mit ihr verlobt. Als nun die Hochzeit sein sollte, ward das ganze Land dazu eingeladen, und als der König mit seinem Sohn hinreiste, die Braut zu holen, mußten alle Bedienten mit. Das war eine traurige Reise für Unglück und es lag ihm so hart auf dem Herzen wie ein Stein. Er hielt sich immer hinten im Zuge, damit die Leute nicht seine Traurigkeit sähen, als sie aber in die Nähe des Schlosses der Braut kamen, hub er an zu singen mit klarer Stimme:

Siebenschön bin ich genannt,
Unglück ist mir wohl bekannt.

Da sagte der Prinz zu seinem Vater, neben dem er vorne im Zuge ritt: »Wer singt doch da so schön?« »Wer sollte es wohl anders sein«, antwortete der Alte, »als Unglück, mein Bedienter?« Darauf sang er zum zweiten Male:

Siebenschön bin ich genannt,
Unglück ist mir wohl bekannt.

Da fragte der Königssohn wieder: »Wer singt doch einmal da? Sollte es wirklich Unglück, dein Bedienter sein, lieber Vater?« »Ja gewiß«, sagte der alte König, »wer anders sollte wohl so schön singen, als Unglück, mein Bedienter?« Nun waren sie ganz nahe vor das Tor des Schlosses der Braut gekommen, da sang Unglück zum dritten Male:

Siebenschön bin ich genannt,
Unglück ist mir wohl bekannt.

Als der Prinz das nun wieder hörte, wandte er schnell sein Pferd und ritt hinten hin zu Unglück, und sah ihm einmal stark ins Gesicht; da erkannte er Siebenschön und nickte ihr ganz freundlich zu, dann aber ritt er wieder weg.

Als sie nun alle beisammen waren auf dem Schlosse der Braut und war eine große Gesellschaft da, so sagte der König, der Vater der Braut: »Wir wollen Rätsel spielen und der Bräutigam soll anfangen.« Da fing der Königssohn an: »Ich habe einen Schrank und vor einiger Zeit verlor ich den Schlüssel dazu; da ging ich gleich hin und kaufte mir einen neuen; als ich aber nach Hause kam, fand ich meinen alten wieder: nun frage ich dich, Herr König, welchen Schlüssel soll ich zuerst gebrauchen, den alten oder den neuen?« Der König antwortete sogleich: »Natürlich den alten!« Da hatte er sich selber das Urteil gesprochen und der Königssohn sagte: »So behalte du nur deine Tochter, hier ist mein alter Schlüssel.« Da griff er Siebenschön bei der Hand und führte sie mitten unter sie; der alte König aber, sein Vater rief: »Nein, das ist ja Unglück, mein Diener!« Doch der Königssohn antwortete: »Lieber Vater, es ist Siebenschön, meine Frau!« Da gingen allen die Augen auf und sie sahen nun erst, wie schön sie war.

Aus Puttgarden auf Fehmarn.

*

 

597. Jungfer Maleen.

Wisser 206 (»De Könisdochter in Keller«). Heim. 12, 236. 13, 43 ff. Bolte 3, 443. Vgl. das Kinderspiel 637, 5.

Es waren einmal zwei Könige, der eine hatte einen Sohn, der andere hatte eine Tochter, die hieß Jungfer Maleen. Die beiden jungen Leute hatten sich einander so recht von Herzen lieb und hätten auch sich herzlich gern geheiratet, aber Jungfer Maleens Vater wollte es nicht zugeben. Jungfer Maleen aber wollte nicht von dem Königssohn lassen, den sie so lieb hatte, und hörte nicht auf den Befehl ihres Vaters, so daß dieser darüber endlich so böse ward und sie verurteilte, sieben Jahre lang eingemauert in einem hohen Turm zu sitzen. So geschah es denn auch. Jungfer Maleen ward mit einer Kammerfrau in den Turm geführt und auf sieben Jahre ward ihnen Speise und Trank mitgegeben; dann wurden die Eingänge des Turms ohne Erbarmen zugemauert. Da saßen sie nun in dem finstern Gefängnis, keine Sonne und kein Mond schien herein, kein Laut von außen konnte zu ihnen dringen. Tag für Tag und Jahr für Jahr ging ihnen unter Jammern und Klagen in ewiger Dunkelheit und Einsamkeit vorüber, ohne daß sie wußten, wie weit es an der Zeit sei. Endlich aber merkten sie, als ihr Speisevorrat aufgezehrt war, daß die sieben Jahre um sein müßten. Aber niemand kam, der sie aus dem Gefängnis befreite, und keine Hand ward angelegt, den Turm zu zerbrechen. Da trieb sie die Not, sich selber zu helfen und zu versuchen, ein Loch durch die dicken Mauern zu bohren. Drei Tage lang bohrten sie unablässig, da drang der erste Lichtstrahl in ihre Finsternis. Eifrig setzten sie ihre Arbeit fort, bis sie ins Freie schauen konnten. Da sah Jungfer Maleen nun ihres Vaters Reich wieder, aber sein Schloß war zerstört, die Städte und Dörfer waren verbrannt, die Felder weit und breit umher verheert und alles war ganz wüste und öde; keine Menschenseele ließ sich blicken. So mußten sie sich denn selber helfen. Sie vergrößerten allmählich das Loch, bis sie hindurchkriechen konnten, dann schlüpfte die Kammerfrau zuerst hinaus und Jungfer Maleen folgte ihr; es gelang ihnen, sich auf den Boden hinab zu lassen. Aber da fanden sie alles ganz menschenleer, denn die Feinde, die das Reich überfallen, hatten die Einwohner erschlagen und den König verjagt. Die Mädchen irrten umher und suchten ihn, aber wo sollten sie ihn finden, da niemand ihnen sagen konnte, wo er geblieben sei? So wanderten sie durch des Königs Reich; Herberge und Speise waren nirgend zu finden: Nachts mußten sie auf dem Felde bleiben und Tags mußten sie ihren Hunger an einem Brennesselbusch stillen. So groß war ihre Not. Endlich kamen sie in ein fremdes Land; da erboten sie sich zu jedem Dienste, aber niemand wollte sich ihrer erbarmen, und alle Leute wiesen sie fort, bis sie an den Hof des Reiches kamen. Da wollte man sie freilich im ersten Augenblick auch nicht behalten, nachher aber besannen sie sich, daß sie die beiden Mädchen als Aschenpüster wohl in der Küche brauchen könnten.

Nun war aber gerade der Königssohn, dem das Reich gehörte, eben derselbe, der früher nach Jungfer Maleen gefreit und sich mit ihr verlobt hatte. Es war schon eine andre Prinzessin an dem Hofe, die er heiraten sollte, sie war aber garstig und so häßlich, daß sie sich scheute, sich vor den Leuten sehen zu lassen, Jungfer Maleen aber war so schön wie der Tag. Als nun die Hochzeit sein sollte und die Prinzessin mit ihrem Bräutigam zur Kirche gehen sollte, da schämte sich sich, daß sie so häßlich war, und rief Jungfer Maleen herein und sprach: »Willst du nicht meine Kleider anziehen und für mich zur Kirche gehen?« Jungfer Maleen wollte das nicht und fagte nein; aber die Prinzessin sprach: »Dann soll es dich dein Leben kosten.« Da mußte sie nachgeben, legte der Prinzessin ihre prächtigen Kleider an, hing ihren Schmuck um und alle Leute erstaunten, als sie in den Saal trat, über ihre Schönheit und der Königssohn ging stolz an ihrer Seite. Denn alle meinten, es sei die alte Prinzessin, und wußten nicht, daß es Jungfer Maleen war.

Als sie nun auf dem Wege nach der Kirche waren, stand da ein Brennesselbusch. Da sprach Jungfer Maleen zu ihm:

Brennettelbusch,
Brennettelbusch so klene
Wat steist du hier allene?
Ik heff de Tied gewêten,
Da heff ik di
Ungesaden,
Ungebraden êten.

Da sprach der Königssohn: »Was sprichst du da, mein Kind?« »Nichts«, antwortete sie, »ich sprach nur von Jungfer Maleen.« Der Königssohn wunderte sich, daß sie von Jungfer Maleen wüßte, aber er sagte nichts. Als sie nun an den Steg vor dem Kirchhof kamen, da sprach Jungfer Maleen zu ihm:

Karkstêgels, brick nich,
Bün de rechte Bruut nich.

»Kind«, sagte wieder der Königssohn, »was sprichst du da?« Sie aber sagte: »Nichts, ich dachte nur an Jungfer Maleen.« Da sprach er: »Kennst du denn Jungfer Maleen? Die sitzt ja im Turm gefangen.« »Nein«, antwortete sie, »ich kenne sie nicht, ich habe nur von ihr gehört.« So waren sie an die Kirchentür gekommen. Da sprach Jungfer Maleen zu der Kirchentür:

Karkendœr, brick nich,
Bün de rechte Bruut nich.

Da fragte der Bräutigam zum dritten Male: »Was redest du denn da für dich?« und sie antwortete ihm wieder: »Ich habe nur an Jungfer Maleen gedacht.« Da zog der Königssohn ein köstliches Geschmeide hervor, schlang es um ihren Hals und befestigte es. Dann traten sie in die Kirche und ließen sich trauen. Als sie nun aber wieder nach Hause kamen, da mußte die arme Jungfer Maleen all ihre schönen Kleider ausziehen und sie alle der Prinzessin wieder geben, aber das Geschmeide, das ihr der Königssohn um den Hals gelegt hatte, das behielt sie doch für sich.

Als nun der Königssohn Abends mit der Prinzessin zu Bette sollte und mit ihr allein in der Kammer war, da fragte er sie: »Mein Kind, was sagtest du doch auf dem Kirchwege zu dem Brennesselbusch?« Da antwortete sie: »Zu welchem Brennesselbusch? Ich habe zu keinem Brennesselbusch gesprochen.« »Freilich hast du zu ihm gesprochen«, sagte der Königssohn, »und ich will wissen, was du gesagt hast.« Da kam die Prinzessin etwas in Not, aber sie half sich und sagte:

Mutt herut na mine Maagt,
De mi mien Gedanken draagt.

So lief sie hinaus und fuhr Jungfer Maleen an: »Dirne, was hast du zu dem Brennesselbusch gesagt?« Jungfer Maleen antwortete: »Ich sagte weiter nichts, als:

Brennettelbusch,
Brennettelbusch so klene,
Wat steist du hier allene?
Ik heff de Tied gewêten,
Da heff ik di
Ungesaden,
Ungebraden êten.

Da lief die Prinzessin wieder in die Kammer und sagte es ihrem Mann. Aber dem kam es so wunderlich vor, daß sie hinausgelaufen war, und er fragte weiter: »Und was sagest du denn zu dem Kirchensteg?« Die Prinzessin aber antwortete: »Ich hätte zum Kirchensteg gesprochen?« »Ja freilich«, sagte der Prinz, »hast du zum Kirchensteg gesprochen.« Da kam die Prinzessin noch mehr in Not und sie sagte wieder:

Mutt herut na mine Maagt,
De mi mien Gedanken draagt.

Sie eilte hinaus und fragte Jungfer Maleen: »Dirne, was hast du zu dem Kirchensteg gesagt?« Jungfer Maleen antwortete: »Ich habe weiter nichts gesagt, als:

Karkstêgels, brick nich,
Bün de rechte Bruut nich.«

»Das soll dich doch das Leben kosten«, rief da die Prinzessin zornig, aber sie mußte schnell wieder in die Kammer und dem Königssohn sagen, was sie zu dem Kirchensteg gesprochen haben wollte. Dann fragte er sie wieder: »Und was sagtest du zur Kirchentür?« Die Prinzessin wollte es wieder leugnen, aber der Prinz bestand darauf und so mußte sie wieder hinaus und Jungfer Maleen fragen. Jungfer Maleen aber antwortete wieder: »Ich sagte weiter nichts, als:

Karkendœr, brick nich,
Bün de rechte Bruut nich.«

Da ward die Prinzessin noch viel zorniger und schwur, daß es ihr gewißlich ans Leben gehen sollte. Als sie es aber zu dem Prinzen in der Kammer gesagt hatte, da sprach er: »Wenn du das gesagt hast, so laß mich auch einmal das Geschmeide sehen, das ich dir an der Kirchentür gegeben habe.« »Was für ein Geschmeide?« fragte die Prinzessin, und sie war in großer Angst, »du hast mir kein Geschmeide gegeben.« Nun sagte der Königssohn: »Dann bist du auch die rechte nicht, mit der ich getraut ward; die sollst du mir sogleich zur Stelle schaffen.« Da mußte sie eingestehen, daß ihr Aschenpüster statt ihrer mit ihm zur Kirche gegangen sei, die habe ihre Kleider angehabt und sei mit ihm getraut worden, weil sie, die Prinzessin, so häßlich sei, daß sie sich vor den Leuten schämen müsse. Der Königssohn befahl ihr nun sogleich, ihm das schöne Mädchen herein zu holen. Da ging sie hinaus, als wollte sie Jungfer Maleen rufen; aber sie befahl den Dienern, Jungfer Maleen sogleich umzubringen. Und die griffen sie und schleppten sie schon fort und wollten ihr den Kopf abhauen, da trat noch eben zur rechten Zeit der Königssohn aus der Kammer und erkannte das Geschmeide an ihrem Halse, und daß sie seine rechtmäßig angetraute Frau wäre. Und als er sie nun einmal recht ansah, da gingen ihm erst die Augen auf und er sah, daß sie auch keine andre sei als seine ehemalige Braut, die er ganz vergessen hatte, daß sie Jungfer Maleen selber sei, von der sie immer auf dem Kirchwege gesprochen. Nun befahl er den Dienern, sie in sein Zimmer zu führen; der alten Prinzessin aber ließ er an ihrer Stelle den Kopf abschlagen.

Aus Meldorf. – Auf dieses nicht ganz lückenlose oder doch ein ähnliches Märchen bezieht sich wohl der Kinderreim:

Kling klang kloria,
Wer sitt in dissen Thoria?
Dar sitt en Königsdochter in,
De kann ik nich to seen krign.
De Muur de will nich brêken,
De Steen de will nich stêken.
Hänschen mit de bunte Jack,
Kumm un folg mi achterna.

Oder nach Zeile 4:

Nä, Mutter, schaad ni, baat ni:
Steen un Been verlaat mi;
Kummt de olle bunte Rock
Un faat mi achter an.

*

 

598. Goldmariken und Goldfeder.

Heim. 4, 185. 11, 78. 20, 112. Wisser 56 ff. Bolte 2. 518. Die drei Festgebannten; Wat Grotmoder vertellt 3, 33 ff.; vgl. Nr. 312. Zum Rätsel am Schluß vgl. zu Nr. 596. Zum Fußtritt: zu Nr. 594.

Es war einmal ein Edelmann, der hatte eine wunderschöne Tochter, die hieß Goldmariken. Einst wollten ihre Eltern ausfahren und da wollte Goldmariken gerne mit, aber die Eltern wollten es nicht haben. Da blieb Goldmariken allein zu Hause. Nachts aber, als sie wieder nach Hause wollten, verirrten sie sich in einem großen Walde und konnten sich gar nicht wieder zurechtfinden. Endlich begegnete ihnen ein großer Pudel. »Ich will euch wohl auf den rechten Weg bringen«, sagte der Pudel, »wenn ihr mir das geben wollt, was aus eurem Hause euch zuerst begegnet.« Da dachten die Eltern gleich an ihr liebes Goldmariken und fürchteten, sie möchte ihnen zuerst entgegenkommen; aber da das Wetter immer schlimmer ward und sie den Weg ganz verloren hatten, so willigten sie endlich ein und versprachen dem Pudel, was er verlangt hatte, denn sie dachten, vielleicht kommt unser Haushund auch zuerst an unsern Wagen. Nun waren sie bald zu Hause; aber die erste, die an ihren Wagen kam, war richtig doch niemand anders als Goldmariken. Da sprach der Pudel: »Jetzt gehört sie mir und nicht euch.« Aber die Eltern baten so viel, er möge sich alles andre nehmen und ihnen nur ihr liebes Goldmariken lassen; allein dem Pudel war es grade recht, daß er Goldmariken haben sollte; darum half kein Bitten etwas. Nur drei Tage wollte er Frist geben, dann würde er wiederkommen und sie abholen.

Goldmariken benutzte nun die Zeit, um von allen Verwandten und Bekannten Abschied zu nehmen; sie war bei all ihren Klagen ganz ruhig und zufrieden. Am letzten Abend sagte Goldmariken zu ihrer Mutter: »Nun will ich unserer alten Nachbarin auch noch Adjeu sagen.« »Meine Tochter«, antwortete die Mutter, »was willst du doch bei der alten Frau tun?« »Ja«, sagte Goldmariken, »ich will und muß dahin.« Sie ging also hin und als sie da kam, sagte die Alte: »Fürchte dich nicht, mein Kind! ich will dich heute Abend, wenn du diese Nacht bei mir schlafen willst, das Wünschen lehren, daran sollst du dein ganzes Leben denken, und das wird dir viel nützen.« Goldmariken ward ganz froh und ging zu ihrer Mutter, um zu sagen, sie wolle diese Nacht bei der Nachbarin schlafen. Da sagte die Mutter: »Was willst du doch bei der Alten schlafen?« Aber Goldmariken hörte nicht darauf, sondern ging des Abends doch hin.

Sie gingen nun miteinander zu Bette, und als Goldmariken am andern Morgen aufstand, konnte sie alles hervorzaubern, was sie wollte. Sie dankte der Alten von Herzen, und hoffte nun durch ihre Kunst ihre Eltern sehen zu können, so oft sie wollte.

Als sie nun nach Hause kam, war der Pudel auch schon da, sie abzuholen. Goldmariken nahm Abschied von ihren bekümmerten Eltern, sagte aber nichts davon, daß sie das Wünschen gelernt hätte. Als sie aufs Feld kamen, sprach der Pudel: »Setze dich auf meinen Rücken, so will ich dich wohl zur Stelle bringen.« Goldmariken tat das, und es dauerte nicht lange, so kamen sie zu einem Hause, darin wohnten zwei Mädchen; da gingen sie hinein, und der Pudel verwandelte sich gleich zu einem alten Weibe, das war die Mutter von den beiden Mädchen. »Nun«, sprach sie, »habe ich drei Mädchen, daran ich mich ergötzen kann. Du, Goldmariken, sollst es recht gut bei mir haben, wenn du nur immer gehorsam bist.« Goldmariken versprach das und wenn die Alte sagte, Goldmariken, tue dies oder das, so konnte sie immer leicht damit fertig werden, denn sie wünschte sich nur immer alles zurecht.

Einst ging die Alte wieder als Pudel in den Wald; da fand sie einen jungen hübschen Mann, der hatte sich verirrt und hieß Goldfeder. Der Pudel sprach zu ihm: »Ich will dich hinausführen, wenn du mir versprichst, nachher zu mir zu kommen und bei mir zu bleiben.« Goldfeder antwortete, daß er nichts dazu sagen könne, denn er sei eines Königs Sohn und müsse zuvor erst mit seinem Vater sprechen. Endlich aber, da er sich gar nicht zurechtfinden konnte, mußte er doch ja sagen und dem Pudel versprechen, ihm zu gehören; da brachte der Pudel Goldfeder aus dem Walde an den Hof seines Vaters. Aber nach drei Tagen kam er wieder, um Goldfeder abzuholen. Der Vater wollte es nicht zugeben, mußte aber doch darein willigen, denn der Pudel sprach: »Goldfeder hat es selber zugesagt, und er muß Wort halten.« Da mußte Goldfeder mit und er kam nun dahin, wo Goldmariken war. Goldmariken sprach zu Goldfeder: »Nimm dich in acht vor der Alten, denn das ist keine Gute, und sie kann mehr als Brot essen, morgen sollst du gewiß Gras ummähen.« »Ja«, sagte Goldfeder, »das kann ich nicht, ich weiß nicht, wie ich das machen soll.« Am Abend sagte auch die Alte zu ihm: »Goldfeder, du könntest eine Sense zurechtmachen, denn morgen sollst du Gras mähen.« Da ging Goldfeder und sagte: »Ich soll eine Sense zurechtmachen und verstehe es nicht.« »O«, sagte sie, »klopfe nur ein bißchen auf die Sense, dann wird sie bald fertig werden.« Das tat Goldfeder und die Sense war sogleich zurecht. Am andern Morgen sagte die Alte: »Goldfeder, gehe hin und mähe das Gras!« Er ging aber erst zu Goldmariken und fragte sie: »Wie fange ich das an? ich verstehe nichts davon.« Goldmariken antwortete: »Streiche du nur die Sense, daß es klingt, gegen die Zeit, wenn dir die Alte Essen bringt.« Nun ging Goldfeder auf die Wiese und legte sich erst nieder und schlief; zu der Zeit aber, als ihm das Essen gebracht werden sollte, strich er die Sense, daß es klang; da fiel alles Gras auf einmal um. Nun kam die Alte, und da sie sah, daß alles getan war, lobte sie ihn wegen seines Fleißes und versprach ihm, daß er es gut dafür haben sollte.

Am andern Tage sprach die Alte wieder zu Goldfeder: »Heute, mein Sohn, geh hin und mache ein Beil scharf, dann sollst du Holz hauen!« Er aber wußte wieder nicht, wie er ein Beil scharf machen sollte, ging darum wieder zu Goldmariken, um sich Rats zu holen. Diese sagte: »Nimm einen Stein und streich das Beil nur zwei-, dreimal darauf her und hin, dann wird es wohl scharf sein.« Goldfeder strich das Beil auf einem Stein zwei-, dreimal her und hin und in einem Augenblick hatte er es scharf. Bald darauf sagte die Alte: »Nun geh in den Wald und hau mir Holz!« Er ging, aber er konnte gar nichts abkriegen. Endlich kam Goldmariken und brachte ihm Frühstück. »Ach«, sagte er, »du mußt mir doch wieder helfen, denn ich verstehe das Holzhauen nicht!« »Ja«, sagte sie, »ich soll dir immer helfen und du hilfst mir nie!« »O, süßes Goldmariken«, antwortete Goldfeder, »glaube mir, ich will dich auch immer lieb haben und nie verlassen, so lange nur noch ein Tropfen warmes Blut in mir ist. Hilf mir nur auch diesmal aus der Not!« »Nun denn«, sagte sie, »so kehre nur das Beil um und schlage an den Baum!« Da lag in einem Augenblick alles Holz umgehauen. Mittags als die Mutter kam, wunderte sie sich, daß er so fleißig gewesen sei, lobte ihn und versprach ihm, daß er es auch ferner gut haben solle. Als Goldfeder nun Abends nach Hause kam, legte er sich auf sein Bette und dachte viel an seine Eltern, aber mehr noch an Goldmariken.

Am andern Morgen sprach die Alte: »Du kannst wohl einige Harken zurecht machen, denn heute sollt ihr das Heu kehren und eintragen.« »Mutter«, sagten die Töchter, »wie sollen wir das Heu eintragen? das geht doch wohl nicht an.« »Ja«, sagte sie, das soll geschehen und ihr müßt es tun!« Da ging Goldfeder hin, und nachdem Goldmariken ihm geholfen, waren die Harken fertig. Als nun die beiden Töchter mit Goldfeder hinaus auf die Wiese gingen und auch Goldmariken kam, sagte Goldfeder leise zu ihr: »Wie sollen wir nun das Heu eintragen?« »Nimm du nur«, sprach sie, »wie ich es mache, einen Stock auf den Nacken; dann wird das Heu schon einkommen.« Als nun die beiden Töchter mit ein wenig Heu voraufgingen, so nahmen Goldmariken und Goldfeder ihre Stöcke auf den Nacken und alles Heu kam hinter ihnen her, und bald hatten sie es da zusammen, wo es liegen sollte. Da kam die Alte und lobte Goldfeder und die andern, daß sie alle so fleißig gewesen waren.

Nun sollte er am Tage darauf das Holz nach Hause tragen. Als er aber hinging, konnte er gar wenig fortbringen und war gleich müde; da klagte er es wieder Goldmariken. Die aber sprach: »Mache es nur so wie beim Heu«, und als Goldfeder das tat, war gleich alles Holz nach Hause. Nun sprach die Alte: »Mache jetzt auch einige Spaten zurecht, denn morgen sollst du Lehm graben, und mache auch Formen zu Mauersteinen, denn du sollst mir welche Lehmsteine streichen.« Goldmariken mußte ihm wieder helfen, da waren Spaten und Formen bald fertig, und als er nun Lehm graben sollte und er nichts herausbringen konnte, kam Goldmariken und sagte ihm, er sollte nur tüchtig mit dem Spaten stoßen, dann würde Lehm genug herausfliegen. Als Goldfeder nun mit der Arbeit fertig war, da kam die älteste der Töchter und lobte ihn gar sehr; aber Goldmariken sprach: »Ihr lobet mir ihn allzuviel, ich habe doch auch mitgearbeitet.« Aber die Tochter meinte, Goldfeder verdiente noch viel mehr Lob. »Das bedeutet nichts Gutes für mich«, sagte Goldmariken zu Goldfeder, als jene nachher weggegangen war, »daß sie dich so sehr lobte«; aber Goldfeder antwortete: »Ich will dir ganz gewiß treu bleiben, liebes Goldmariken, so lange ich lebe.« Als jetzt die Alte kam, sagte sie, er solle nun Lehmsteine streichen. Goldfeder tat das, und als sie trocken waren, sollte er sie nach Hause schaffen, aber sie waren ihm viel zu schwer. Da ging er wieder zu Goldmariken, sich Rats zu holen. »Du bist doch recht ein Dummerjan«, sagte sie, »ich habe es dir ja so oft gesagt du solltest nur einen Stock auf den Nacken nehmen, dann würde alles wohl nachkommen.« Goldfeder nahm einen Stock auf den Nacken und alle Steine folgten ihm. Nun sprach die Alte: »Verstehst du auch einen Ofen zu bauen?« »Nein«, sagte er, »aber ich will mir Mühe geben.« Goldfeder machte sich ans Werk, konnte aber weder Lehm zurecht machen, noch die Steine legen; er ging also wieder zu Goldmariken, daß sie ihm aus der Not hülfe. »O, du verstehst auch nichts«, antwortete sie, »nimm einen Stock und schlage in den Lehm, dann wird er wohl was taugen, und beim Mauern kannst du ja nur ein bißchen auf einen Stein pinkern, dann wird der Ofen wohl fertig!« Während der Arbeit kam die Alte, um nachzusehen, und als er fragte, ob sie zusrieden sei, bejahete sie es. Aber als er fertig war, kam Goldmariken zu ihm und sprach: »Wir müssen uns nun bald reisefertig machen, denn ich habe die Alte sagen hören, daß wir ihr zu klug würden, und wenn der Ofen fertig sei, wir darin sollten gebraten werden. Aber ich sage dir, Goldfeder, wenn dir dein Leben lieb ist, so verlasse mich nicht, denn du allein vermagst nichts gegen sie. Morgen will sie dich ruhen lassen, um dich übermorgen zu braten, darum sei auf deiner Hut. Goldfeder wurde ganz bange, es kam aber so, wie Goldmariken gesagt hatte. »Morgen«, sagte die Alte zu ihm, »kannst du ausruhen.« Aber ganz frühe, da es eben Tag ward, stand Goldmariken auf und weckte Goldfeder. Sie machten sich schnell reisefertig, und als sie davongehen wollten, spukte Goldmariken ihre Kammertür zweimal an auf beiden Seiten und sprach: »Wenn die Alte mich zum ersten Male ruft, dann antwortest du, ich komme, und ruft sie zum zweiten Male, so antwortest du, ich komme gleich.« Morgens schrie die Alte nun nach Goldmariken; da antwortete die Tür aus der Kammer: »Ich komme!« Als sie aber zum zweiten Male rief, antwortete die Tür aus der Küche: »Ich komme gleich!« aber niemand kam. Da stand die Alte endlich auf, sah in der Kammer und in der Küche nach; da waren Goldmariken und Goldfeder fort. Nun weckte sie schnell ihre beiden Töchter und sprach: »Stehet auf, Goldfeder und Goldmariken sind fort und ihr müßt ihnen nach! Gehe du zuerst«, sprach sie zu der jüngsten, »am Abhange vor dem blauen Berge steht ein Rosenbusch mit einer verdorrten Rose, die mußt du auf jeden Fall abpflücken und mir bringen!« Die Tochter ging und eilte den Flüchtlingen nach. Diese waren schon eine gute Strecke gegangen, endlich aber sprach Goldmariken zu Goldfeder: »Tritt mir auf den linken Fuß und sieh mir über die rechte Schulter, ob auch jemand kommt!« Da sprach Goldfeder: »Die jüngste Tochter der Alten kommt uns nachgelaufen!« Goldmariken sagte: »So will ich mich zu einem Rosenbusch und dich zu einer verdorrten Rose machen, aber laß dich ja nicht abbrechen und stich tüchtig; denn bricht sie dich ab, so sind wir beide verloren!« Als nun das Mädchen an den Busch kam, wollte sie die Rose abpflücken, aber die stach so sehr, daß sie davon abstehen mußte. Da ging sie wieder nach Hause, aber von ihrer Mutter bekam sie viel Ausschelte, daß sie so dumm gewesen wäre. Dann sprach die Mutter zu der ältesten Tochter: »Nun gehe du aus, und wenn du über den blauen Berg kommst, so steht da eine weiße Kirche, darin steht ein Prediger auf der Kanzel, den fasse bei der Hand an und nimm ihn mit!« Goldmariken und Goldfeder waren unterdes weiter gegangen, bald aber sprach Mariken wieder: »Tritt mir auf den linken Fuß und sieh mir über die rechte Schulter, ob uns auch jemand nachkommt!« »Ja«, sagte Goldfeder, »die älteste Tochter kommt!« »So will ich«, sprach Goldmariken, »mich in eine Kirche und dich in einen Prediger verwandeln, aber laß dich ja nicht anfassen, denn sonst sind wir verloren!« Nun kam die älteste Tochter und ging in die Kirche, aber zu der Kanzel konnte sie nicht kommen und mußte so wieder zu Hause. Nun aber ward die Alte schrecklich böse und lief gleich selbst fort. Da sprach Goldmariken wieder zu Goldfeder: »Tritt mir auf den linken Fuß und sieh mir über meine rechte Schulter, ob uns auch jemand nachkommt!« »Ja«, sagte Goldfeder, »nun kommt die Alte selbst!« »So will ich mich zu einem Teiche, dich aber zu einer Ente machen; aber ich sage dir, Goldfeder, laß dich nicht an die Kante locken, daß sie dich fassen kann, ihre goldnen Ringe aber, die sie hinwerfen wird, dich zu fangen, die nimm, wenn du sie ohne Gefahr kriegen kannst!« Nun kam die Alte zum Teiche und lockte die Ente, die immer darauf herum schwamm. Sie warf ihre goldenen Ringe einen nach dem andern hinein, aber die Ente ließ sich nicht dadurch verführen, bis die alte Hexe zuletzt keinen Ring mehr hatte; da ward sie so böse, daß sie den Teich austrinken wollte, und da legte sie sich nieder und trank so lange bis sie zerplatzte. Nun nahmen Goldmariken und Goldfeder ihre wahre Gestalt wieder an und schwuren einander ewige Treue und daß sie sich nie verlassen wollten; von der Alten aber hatten sie nun nichts mehr zu fürchten.

Nach langer Wanderung kamen sie endlich in die Stadt, wo Goldfeders Vater wohnte und König war. Als sie nun vor das Schloß kamen und Goldfeder hinein wollte, sagte Goldmariken zu ihm: »Höre, Goldfeder, ich bitte dich nur um eins, damit du mich nicht, wenn du in deines Vaters Haus kommst, vergißt und mich nicht hier draußen auf dem breiten Stein stehen läßt: hüte dich davor, daß dir jemand einen Kuß gibt; dann hat's keine Not, daß du mich sobald vergißt.« Goldfeder versprach das und dachte der Warnung, als er ins Haus kam und Vater und Mutter ihm entgegeneilten und ihn begrüßen wollten; er küßte sie nicht. Als er aber in die Stube trat, da war da seine alte Braut, die hieß Menne; sobald die ihn sah, sprang sie voll Freuden auf, lief auf ihn zu und hatte ihn geküßt, ehe er sich 's versah. Da war ihm in einem Augenblicke sein Goldmariken aus dem Sinne. Das stand lange draußen auf dem breiten Stein und wartete, daß er sie einholen sollte; als aber niemand kam, da weinte sie noch erst lange Zeit; dann aber, als sie sich ausgeweint hatte, ging sie fort, mietete ein kleines hübsches Haus, dem Schlosse gegenüber, und gab sich für eine Nähterin aus. Da wohnte sie von nun an ganz allein, nur ein paar Tauben waren stets zur Gesellschaft bei ihr in der Stube, und auf dem Grasplatz hinterm Hause hatte sie ein kleines Kalb gehen, das fütterte sie tagtäglich und hatte ihre Freude daran, es groß zu ziehen. Weil sie aber so geschickt im Nähen war, so bekam sie bald Arbeit vollauf; kein Mädchen, sagte man, in der ganzen Stadt wüßte es feiner und zierlicher zu machen, als Goldmariken.

Nun hatten die jungen Herren vom Schlosse und in der Stadt aber es auch bald herausgebracht, was Goldmariken für ein hübsches Mädchen sei, und sie wären gerne mit ihr genauer bekannt geworden. Aber Goldmariken kehrte sich nicht an sie und sah gar nicht von der Arbeit auf, wenn sie immer vor ihrem Fenster aus und nieder gingen. Da waren nun drei Brüder unter den Hofleuten auf dem Schlosse, die waren vor allen in Goldmariken verliebt. Sie baten endlich ihre Mutter um etwas seine Leinwand, Goldmariken mache so niedliche Arbeit, sie wollten sich von ihr welche Kragen nähen lassen. Der älteste ging zuerst hin, sagte Goldmariken guten Tag und setzte sich nieder und sprach mit ihr. »Morgen Abend könnt Ihr Eure Kragen holen«, sagte Goldmariken. Als er nun am andern Abend wieder kam, um die Kragen zu holen, da bat sie ihn, noch ein wenig zu bleiben; und so blieb er auch bis Bettzeit. Da wollte er wieder fort; aber Goldmariken sagte: »Ihr könnt auch gerne diese Nacht bei mir bleiben.« Damit war der junge Mann ganz zufrieden. Als Goldmariken aber zu Bette wollte, hieß sie ihn hingehen und die Haustür zuschließen, und als er das Schloß anfaßte, rief sie:

Mann an Schloß und Schloß an Mann,
Daß ich geruhig schlafen kann.

Da saß er an der Tür fest und mußte die ganze Nacht da stehen bleiben. Morgens aber, als Goldmariken aufgestanden war, fiel es ihr ein, daß er da noch stehe, und sie sagte:

Mann vom Schloß und Schloß vom Mann,
Daß er hereinkomme und sich für ruhigen Schlaf bedank.

Da kam er herein, dankte für den ruhigen Schlaf, nahm seine Kragen, mit denen er sehr zufrieden war, und ging. Zu Hause aber sagte er nichts. Aber der jüngere Bruder sprach: »Heut Abend muß ich hin.«

Abends ging der nun zu Goldmariken und sagte: »Ich wünsche gerne welche Kragen genäht zu haben, wie mein Bruder sie bekommen hat.« »Das kann auch angehen«, sagte Goldmariken, »sitzt nur ein wenig nieder und verweilt euch.« Der Abend ging nun so hin, Goldmariken nähte und sie sprachen miteinander; aber um Bettzeit wollte er fortgehen. Da sagte sie auch zu ihm, daß er diese Nacht gerne bei ihr bleiben könnte. Als sie aber zu Bette wollte, sprach sie: »Ich habe ganz vergessen, die Gartentür zuzumachen; wollt Ihr nicht so gut sein und das für mich tun?« »Recht gern«, sagte der junge Mann und lief schnell hin. Als er aber den Ring an der Tür angefaßt hatte, rief sie:

Mann an Ring und Ring an Mann,
Daß ich geruhig schlafen kann.

Da konnte er nicht loskommen und mußte die ganze Nacht da stehen bleiben, bis Morgens Goldmariken aufstand und sagte:

Mann vom Ring und Ring vom Mann,
Daß er hereinkomme und sich für ruhigen Schlaf bedank.

Dann ließ der Ring los und er kam herein und bedankte sich für ruhigen Schlaf.

Als er nun mit seinen Kragen nach Hause kam, fragte ihn sein ältester Bruder gleich: »Wo hast du diese Nacht gestanden?« »Was?« antwortete er, »ich habe geschlafen.« »Das ist nicht wahr«, sagte jener, »sage mir, wo du gestanden, so sage ich dir, wo ich gestanden habe.« Da sagte er: »Ich habe bei der Gartentür gestanden.« »Und ich bei der Haustür«, sagte der andre; nun aber machten es die beiden untereinander ab, ihrem jüngern Bruder nichts davon zu sagen, damit er auch angeführt werde.

Der jüngste Bruder ging am Abend hin. »Guten Abend, Goldmariken«, sprach er, »willst du mir nicht ein paar Kragen nähen, wie meine Brüder welche bekommen haben, aber wo möglich noch hübscher als sie?« »Herzlich gern«, antwortete Goldmariken, »setze dich nur ein wenig nieder und warte.« Als nun der Abend zu Ende war, bat sie ihn auch, die Nacht bei ihr zu bleiben. Das wollte er gar gerne. Aber als Goldmariken zu Bette wollte, so sprach sie: »Ach, mein Kalb ist noch nicht getüddert, es geht auf dem Hofe, tu mir den Gefallen!« »Mit Freuden«, sagte er und lief hinaus. Als er aber das Tau anfaßte, sprach sie:

Mann an Tau und Tau an Mann,
Daß ich geruhig schlafen kann.

Da lief das Kalb mit ihm über Stock und Block und durch Dick und Dünn die ganze Nacht hindurch. Am andern Morgen erinnerte Goldmariken sich, daß der junge Mann noch mit dem Kalbe herumliefe, und sagte:

Mann vom Tau und Tau vom Mann,
Daß er hereinkomme und sich für ruhigen Schlaf bedank.

Nun kam er herein, dankte für ruhigen Schlaf und freute sich sehr über seine Kragen, die noch viel schöner waren, als die seiner Brüder. Als er nach Hause kam und seine Brüder ihn fragten, gestand er aber nicht, daß er die ganze Nacht mit dem Kalbe herumgelaufen wäre.

Während dieser Zeit war es so weit gekommen, daß Goldfeder mit Menne Hochzeit geben sollte. Als nun der Wagen mit dem Brautpaar vom Schloß herunterkam und bei Goldmarikens Fenstern vorbeifahren wollte, da wünschte sie, daß er sogleich vor ihrer Tür in einen tiefen Morast versinken sollte. Der Wagen blieb stecken und Pferde und Menschen konnten ihn nicht von der Stelle bringen. Da ward der alte König sehr verdrießlich und befahl mehr Pferde vorzuspannen und daß mehr Menschen anfassen sollten; aber es half alles nichts. Unter der Dienerschaft, die den Bräutigam zur Kirche begleiten sollte, waren nun auch die drei Brüder. Da sprach der älteste von ihnen zu dem König: »Herr König, hier in dem kleinen Hause wohnt ein Mädchen, die kann wünschen, was sie will; gewiß hat sie den Wagen hier festgewünscht!« »Woher weißt du das denn, daß sie das kann?« sagte der alte König. Er antwortete: »Sie hat mich einmal an die Tür gewünscht und da habe ich eine ganze Nacht daranstehen müssen!« »Ja«, sprach der zweite Bruder, »aber wenn sie einen festgewünscht hat, so wünscht sie ihn auch wieder los.« »Und woher weißt du das?« fragte der König. »Ich habe einmal die ganze Nacht an ihrer Gartentür stehen müssen, aber am Morgen hat sie mich wieder freigemacht.« Da wollte der alte König schon zu Goldmariken hineinschicken, aber der jüngste Bruder sprach: »Herr König, das Mädchen hat auch ein Kalb, das hat Kräfte für zehn Pferde; laßt den Bräutigam zu ihr hineingehen und sie bitten, es uns zu leihen; so wird der Wagen schon loskommen.« »Ja«, sagte der Bräutigam, »das will ich schon tun«, stieg aus dem Wagen und ging zu Goldmariken, und bat sie ganz freundlich, ihm ihr Kalb zu leihen; denn er hätte gehört, es hätte so viele Kräfte. »Ja«, antwortete sie, »das Kalb könnt Ihr gerne nehmen, aber Ihr müßt mir versprechen, daß ich noch mit zur Hochzeit geladen werde und meine beiden Tauben auch.« Der Bräutigam versprach ihr das, und als nun das Kalb vorgespannt ward, zog es den Wagen ganz leicht heraus.

Als die beiden jungen Leute nun nach der Trauung nach Hause kamen und viele Gäste sich versammelt hatten, da kam auch Goldmariken mit ihren beiden Tauben. Sie ward ganz freundlich empfangen und in den Saal geführt; ihre Tauben aber blieben immer bei ihr und saßen ihr auf beiden Schultern. Nun ging es zu Tische und köstliche Gerichte wurden aufgetragen, man setzte auch Goldmariken davon vor, aber sie rührte keinen Bissen an und saß ganz stumm und traurig. Da wunderten sich die Leute darüber, daß das schöne Mädchen so traurig sei und nichts von den Speisen anrührte; als man sie aber darum fragte, da antworteten die Tauben:

Täubchen, Täubchen mag nicht essen,
Goldfeder hat Goldmariken auf dem Stein vergessen.

Das hörte der Bräutigam und er befahl den Dienern, ihr noch einmal, und zwar noch köstlichere Speisen vorzusetzen; aber Goldmariken rührte nichts an und die Tauben sagten:

Täubchen, Täubchen mag nicht essen,
Goldfeder hat Goldmariken auf dem Stein vergessen.

Da ward der Bräutigam ganz nachdenklich, sah Goldmariken einmal recht genau an und erkannte sie. Dann sprach er zu seiner Braut: »Liebe Braut, du mußt mir doch eine Frage beantworten. Ich habe einen Schrank, dazu habe ich zwei Schlüssel, einen alten, den ich einmal verloren, nun aber wiedergefunden habe, und einen neuen, den ich mir für den alten, als er verloren war, anschaffte. Sage mir nun, welchen ich zuerst nehmen und gebrauchen soll, den alten oder den neuen?« Da antwortete sie: »Den alten mußt du erst brauchen!« »Nun«, sagte er, »so hast du dein eigen Urteil gesprochen, denn dies ist mein liebes Goldmariken, mit der ich Freud und Leid bei der alten Hexe im Walde geteilt habe, die mir allezeit half und mich gerettet hat, und der ich ewige Treue geschworen.« Da mußte Menne von Goldfeder abstehen und alle Leute, ihre und seine Eltern sagten, daß keine es auch mehr verdient hätte, seine Frau zu werden, als Goldmariken. So gaben sie denn miteinander Hochzeit und lebten viele, viele Jahre glücklich.

Aus Puttgarden auf Fehmarn. Es ward ergänzt aus dem übereinstimmenden dithmarschen Märchen von Hedreetjen und Sedreetjen: H. u. S. sind zwei Königskinder, früh füreinander bestimmt usw. Die Hexe hat eine Schachtel, wer hineinsieht, kann alles sehen und wünschen; Sedreetjen stiehlt sie, sie entweichen usw. Man vergleiche Grimms Kinder- und Hausmärchen Nr. 56. 113.

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599. Vom Mann ohne Herz.

Einl. S. XVII. Wisser hat das Märchen in entstellter Form in Ostholstein (Lensahn Hobstin, Malente) und vollständiger in Flensburg gefunden. Bolte 3, 431. – Zauberstab: Nr. 605 (S. 441 ff.). 608 (S. 450 ff.). 614 (S. 469 f.). Wisser 126 ff. und oft. Wat Grotmoder vertellt 3, 58.

Es waren einmal sieben Brüder, die hatten weder Vater noch Mutter mehr. Sie lebten in einem Hause beisammen; alles aber mußten sie selber besorgen, waschen, kochen, Stuben kehren und was da noch weiter zu tun war, denn sie hatten auch keine Schwestern. Eine solche Wirtschaft verdroß sie bald. Da sprach einer von ihnen: »Wir sollten ausziehen und uns jeder eine Braut holen.« Der Rat gefiel allen Brüdern und sie machten sich reisefertig; der jüngste aber wollte zurückbleiben und das Haus hüten; seine sechs Brüder versprachen, ihm auch eine Braut mitzubringen. Die Brüder nahmen Abschied und ihrer sechs zogen nun lustig und fröhlich in die Welt hinaus. Bald kamen sie in einen großen wilden Wald, da trafen sie, nachdem sie lange darin herumgewandert waren, ein kleines Häuschen, vor dessen Tür stand ein alter Mann. Als er die Brüder nun so lustig vorüberziehen sah, rief er ihnen zu: »Wo wollt ihr denn hin, daß ihr so an meinem Hause vorbeigeht?« »Wir wollen uns jeder eine junge hübsche Braut holen«, erwiderten sie, »darum sind wir so lustig. Wir sind allzusammen Brüder, einen aber haben wir noch zu Hause gelassen und dem sollen wir auch eine Braut mitbringen.« »So wünsche ich euch viel Glück aus der Reise«, antwortete der alte Mann, »aber ihr sehet wohl ein, da ich immer so allein bin, daß ich auch eine Braut nötig habe, ich rate euch, bringt mir auch eine mit.« Die Brüder antworteten nichts darauf, sondern reisten weiter und dachten, was sollte der alte Mann wohl anders als im Scherz geredet haben? er kann ja keine Braut gebrauchen.

Bald kamen sie in eine Stadt; da fanden sie sieben junge und schöne Schwestern. Jeder von den Brüdern nahm sich eine von ihnen zur Braut, aber die siebente jüngste Schwester nahmen sie mit für ihren jüngsten Bruder.

Als sie nun wieder in den Wald kamen, stand der Alte vor seiner Tür und schien auf sie gewartet zu haben. Er rief ihnen schon von weitem zu: »Nun, habt ihr mir denn auch eine Braut mitgebracht, wie ich euch gesagt habe?« »Nein«, antworteten die Brüder, »für dich, alter Mann, konnten wir keine finden; wir haben nur für uns Bräute mitgebracht und die siebente ist für unsern Bruder.« »Die könnt ihr mir lassen«, sagte der alte Mann, »denn euer Versprechen müßt ihr halten.« Aber die Brüder weigerten sich. Da nahm der alte Mann ein kleines weißes Stäbchen von einem Borte über der Haustür, und als er damit die sechs Brüder und ihre Bräute berührte, waren sie alle in graue Steine verwandelt. Die legte er mit dem Stabe auf das Bort über der Tür, die siebente jüngste Braut aber behielt der alte Mann bei sich.

Das Mädchen mußte nun alles in seinem Hause besorgen, was zu tun war und was eine Hausfrau für Geschäfte hat. Sie vollbrachte das alles mit willigem Herzen; was hätte ihr auch Widerstand geholfen? Sie hatte es auch ganz gut bei ihm, nur der einzige Gedanke plagte sie, daß er bald sterben könnte. Was sollte sie dann so ganz alleine anfangen in dem großen wilden Walde, und wie sollte sie dann ihre armen verzauberten Schwestern und ihre Verlobten befreien? Je länger sie bei ihm war, je schrecklicher ward ihr dieser Gedanke; sie weinte und klagte den ganzen Tag und schrie dem Alten immer in die Ohren: »Du bist alt und kannst leicht sterben, was soll ich dann anfangen, wenn du tot bist? ich werde hier ja ganz allein in diesem großen Walde sein.« Da ward der alte Mann verdrießlich und sagte: »Du brauchst gar nicht in Angst zu sein, ich kann nicht sterben, denn ich habe kein Herz, aber wenn ich sterben sollte, dann liegen über der Haustür die zwölf grauen Steine und dabei ein kleiner weißer Stock; schlägst du mit diesem Stock an die Steine, so wirst du deine Schwestern und ihre Verlobten wieder lebendig haben.« Das Mädchen gab sich nun erst zufrieden, dann aber fragte sie ihn, wenn sein Herz nicht in der Brust wäre, wo er es denn hätte? »Kind«, sagte der Alte, »sei nicht so neugierig, du kannst nicht alles wissen.« Aber sie ließ nicht nach mit Bitten und Fragen, bis er etwas unwillig sagte: »Nun, damit du nur Ruhe hältst, so sage ich dir, mein Herz sitzt in der Bettdecke.«

Nun pflegte der alte Mann des Morgens in den Wald zu gehen und erst Abends wieder zu kommen; dann mußte seine junge Haushälterin das Essen für ihn bereit haben. Als er nun am Abend darnach zu Hause kam, da fand er seine Bettdecke mit allerlei schönen Federn und kleinen Blumen über und über besteckt und geziert; da fragte er das Mädchen, was denn das bedeuten solle? »Ach Vater«, antwortete sie, »ich muß ja den ganzen Tag allein sein, und kann dir nichts zu Liebe tun, so wollte ich doch deinem Herzen eine Freude machen, das, wie du sagst, in der Bettdecke steckt.« »Kind«, sagte der Alte und lachte, »es war ja nur ein Scherz von mir, mein Herz ist lange nicht in der Bettdecke, das ist ganz anderswo.« Da fing sie wieder an zu weinen und zu klagen: »Also hast du doch ein Herz in der Brust und kannst sterben, was soll ich dann anfangen und wie bekomme ich die Meinigen wieder, wenn du tot bist?« »Was ich dir sage, liebes Kind«, antwortete der alte Mann, »sterben kann ich nicht und habe gewiß kein Herz in der Brust, aber wenn ich sterben sollte, was doch nicht möglich ist, so liegen ja die Steine über der Haustür und dabei ein kleiner weißer Stock; damit kannst du ja nur, wie ich dir schon einmal sagte, an die Steine schlagen, so hast du alle die Deinen wieder!« Aber da bat und flehete sie ihn abermals so lange, wo er denn sein Herz hätte, bis er denn sagte, es sitze in der Stubentür.

Nun schmückte sie am andern Tage die Stubentür von oben bis unten mit bunten Federn und Blumen, und als Abends der alte Mann nach Hause kam und nach der Ursache fragte, antwortete sie ihm: »Ach Vater, ich kann dir ja den ganzen Tag nichts zu Liebe tun, so wollte ich doch deinem Herzen eine Freude machen!« Aber der alte Mann antwortete wieder: »Mein Herz sitzt lange nicht in der Stubentür, das ist ganz anderswo.« Da ging es nun ebenso wie am vorigen Tage; sie weinte, jammerte und sprach: »Vater, du hast doch ein Herz und kannst doch sterben. Du willst mich nur täuschen!« Da antwortete der alte Mann: »Sterben kann ich nicht, aber weil du es durchaus wissen willst, wo mein Herz ist, will ich es dir sagen, damit du dich endlich beruhigst. Weit, weit von hier, in einer ganz unbekannten, einsamen Gegend liegt eine große Kirche, die Kirche ist mit dicken eisernen Türen wohl verwahrt, um die Kirche fließt ein großer tiefer Burggraben, in der Kirche fliegt ein Vogel, in dem Vogel ist mein Herz, und so lange dieser Vogel lebt, lebe ich auch. Von selbst stirbt er nicht und niemand kann ihn fangen; daher kann ich nicht sterben und du kannst ohne Sorge sein.«

Unterdes hatte der jüngste Bruder zu Hause gewartet und gewartet; aber da seine Brüder gar nicht wiederkamen, vermutete er, ein Unfall möchte ihnen begegnet sein. Daher machte er sich endlich selbst auf den Weg, um sie aufzusuchen. Nun war er schon einige Tage gegangen, da kam er auch in den Wald, in den auch seine Brüder gekommen waren, und gelangte zu dem Hause des alten Mannes. Er traf ihn nicht zu Hause, aber das junge Mädchen, seine Braut, empfing ihn. Er erzählte ihr, daß er sechs Brüder gehabt, die seien ausgezogen, sich Bräute zu holen, aber ihnen müßte ein Unglück zugestoßen sein, weil sie noch immer nicht zurückgekommen wären. Darum sei er selber ausgereist, um sie aufzusuchen. Da erkannte das Mädchen in ihm ihren Bräutigam und sagte ihm, wer sie sei und was aus seinen Brüdern und ihren Bräuten geworden sei. Beide wurden sehr froh, daß sie sich gefunden hätten; sie setzte ihm Essen auf, und nachdem er sich erquickt, sprach er: »Nun sage mir, liebe Braut, wie errette ich meine Brüder?« Da erzählte sie ihm vom alten Manne, der sein Herz nicht in der Brust, sondern in einer weit entfernten Kirche habe; »die Kirche«, sprach sie, »liegt in einer einsamen wüsten Gegend, sie ist wohl verwahrt mit dicken eisernen Türen, um die Kirche fließt ein großer tiefer Burggraben, in der Kirche aber fliegt ein Vogel, der hat das Herz des alten Mannes.« »Ich will doch versuchen«, sagte der Bräutigam, »ob ich des Vogels nicht habhaft werden kann; freilich ist der Weg mir unbekannt und weit und die Kirche ist wohl verwahrt, aber mit Gottes Hilfe wird es mir gelingen.« »Ja, das tu nur«, fagte das Mädchen, »suche den Vogel; denn so lange der Vogel lebt, können deine Brüder nicht wieder frei werden; für diese Nacht aber mußt du dich unter dem Bettgestell verstecken, damit der Alte dich nicht merkt; morgen kannst du weiter reisen.« Das tat er denn auch und kroch unter das Bett, sobald der alte Mann nach Hause kam; aber am andern Morgen, als er wieder ausgegangen, holte die Braut den Bräutigam aus dem Versteck hervor, gab ihm einen ganzen Korb voll Lebensmittel, und nach einem zärtlichen Abschied machte er sich auf den Weg. Als er nun eine ganze Weile gegangen war und ihn hungerte, setzte er sich nieder, stellte seinen Korb vor sich und machte ihn auf; indem er aber Fleisch und Brot hervorlangte, sprach er: »Wer nun Lust hat mitzuessen, der komme!« Alsobald kam da ein großer roter Ochse an und sprach: »Hast du gesagt, wer mit dir essen wolle, der solle nur kommen, so wollte ich nun gerne mitessen!« »Jawohl, Kamerad«, antwortete der junge Bursche, »das habe ich gesagt und du sollst dein Teil erhalten.« Nun fingen sie an zu essen, und als sie satt waren, sprach der rote Ochse, indem er wieder gehen wollte: »Wenn du in Not bist und meiner Hilfe bedarfst, so kannst du deinen Wunsch nur aussprechen, dann komme ich und helfe dir.« Gleich darauf war er unter den Bäumen verschwunden und der Bursche setzte seine Reise fort.

Als er nun wieder eine weite Strecke gegangen war und ihn abermals hungerte, so setzte er sich nieder, öffnete den Korb und sprach wie früher: »Wer nun Lust hat mitzuessen, der komme!« Gleich kam aus dem Gebüsche ein großes wildes Schwein und sprach: »Du hast gesagt, wer mit dir essen wollte, der sollte nur kommen; nun wollte ich gerne mitessen.« Der Bräutigam antwortete: »Das ist mir ganz recht, Kamerad, lang nur zu.« Nachdem sie aber gegessen hatten, so sprach auch das wilde Schwein: »Wenn du in Not bist und meiner Hilfe bedarfst, so sprich den Wunsch nur aus und ich will dir helfen.« Darauf verschwand es im Walde und der Bursche setzte seine Reise wieder fort.

Als er nun am dritten Tage essen wollte und wieder sprach: »Wer nun Lust hat mit mir zu essen, der komme«, da rauschte es in den Gipfeln der Bäume und der Vogel Greif ließ sich nieder und setzte sich neben den Reisenden, indem er sprach: »Hast du das gesagt, wer mit dir essen wolle, der solle nur kommen, so wollte ich gerne mit dir essen.« »Recht gerne«, antwortete der Bräutigam, »in Gesellschaft speisen ist angenehmer, als ohne Gesellschaft, lange nur zu!« Nun fingen sie beide an zu essen. Als sie aber satt waren, sprach der Vogel Greif: »Wenn du in Not bist, kannst du mich nur rufen und ich will dir beistehen.« Darauf verschwand er in der Luft, und der Bräutigam setzte seinen Weg fort.

Es dauerte aber nun nicht lange mehr, so konnte er die Kirche schon in der Ferne sehen; er verdoppelte seine Schritte und bald war er in ihrer Nähe. Aber da war ihm der Burggraben im Wege, der war ihm zu tief, um hindurch zu waten und schwimmen konnte er nicht. Da fiel ihm zum Glück der rote Ochse ein; der könnte dir jetzt helfen, dachte er, wenn er einen grünen Steig durch das Wasser tränke; wenn er doch hier wäre! Kaum hatte er das gesagt, so war der rote Ochse da, legte sich in die Knie und trank so lange, bis ein grüner trockener Steig durchs Wasser ging. Der junge Bursche ging nun durch den Graben und stand vor der Kirche; doch die hatte so starke eiserne Türen, daß er keine öffnen konnte und die Wände waren viele Fuß dick, nirgends war eine Öffnung. Da er nun kein andres Mittel wußte, versuchte er es, einzelne Steine aus der Mauer heraus zu brechen; mit vieler Mühe gelang es ihm, einen heraus zu bringen. Da fiel ihm ein, daß das wilde Schwein ihm helfen könne; er rief: »O wäre das wilde Schwein doch hier!« Sogleich stürmte es daher und rannte mit solchem Ungestüm gegen die Mauer, daß augenblicklich ein großes Loch entstand. Der junge Bursch ging jetzt in die Kirche hinein; da sah er den Vogel darin herumfliegen. Den kannst du selbst nicht greifen, dachte er, aber wenn der Vogel Greif nur hier wäre! Kaum hatte er das gesagt war der Vogel Greif da, aber diesem selbst kostete es viele Mühe, den kleinen Vogel zu fangen; endlich aber griff er ihn, gab ihn dem jungen Mann in die Hand und flog davon. Freudig steckte der seine Beute in seinen Korb und trat nun den Rückweg an nach dem Häuschen, wo seine Braut war.

Als er bei ihr wieder angekommen war und ihr erzählte, daß er den Vogel gefangen im Korbe habe, da freute sie sich sehr und sprach: »Nun sollst du erst schnell ein bischen essen und dann krieche nur wieder unter die Bettstelle mit dem Vogel, daß der alte Mann dich nicht gewahr wird!« Das geschah, und eben, als er unter dem Bette lag, so kam auch schon der alte Mann nach Hause, er fühlte sich aber krank und klagte. Da fing das Mädchen wieder an zu weinen und sprach: »Ach, nun stirbt Vater doch, das kann man ja sehen, und Vater hat doch ein Herz in der Brust!« »Ach, Kind«, erwiderte der Alte, »schweig doch still, ich kann nicht sterben, es geht gewiß bald vorüber!« Nun aber kniff der Bräutigam unter der Bettstelle den Vogel ein wenig. Da ward dem Alten ganz schlecht, daß er sich niedersetzte, und als der Bursche den Vogel noch fester anfaßte, fiel er ohnmächtig vom Stuhl. Da rief die Braut: »Kneif ihn jetzt nur ganz tot«, und als der Bursche das getan, lag auch der Alte tot auf dem Boden. Da holte das Mädchen ihren Bräutigam erst unter der Bettstelle hervor, aber dann ging sie hin, nahm die Steine und das weiße Stöckchen vom Borte über der Tür, klopfte damit an jeden Stein, da standen mit einem Male alle ihre Schwestern und die Brüder wieder vor ihr. »So«, sagte sie, »nun wollen wir nach Hause reisen und Hochzeit geben und glücklich sein; denn der alte Mann ist tot und wir haben nichts mehr von ihm zu fürchten.« Und das taten sie denn auch. Sie reisten fröhlich miteinander fort, feierten ihre Hochzeit alle an einem Tage und lebten darnach noch viele Jahre einträchtig und glücklich miteinander.

Aus Meldorf durch Wilh. Michaelsen. – Damit stimmt im Ganzen völlig das dänische Märchen bei Winther danske Folkeeventyr. I, S. 91 und das norwegische bei Moe und Asbiörnsen I, Nr. 37.

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600. Fru Rumpentrumpen.

Wat Grotm. vert. 3, 77 ff. Bolte 1, 111. Zum Schluß vgl. Nr. 485 ff., besonders 487. Sternschnuppe als Glückszeichen: Bolte 3, 234.

En ole Fru mit êr smucke Dochter de waanden to medden innen Wald. Do schull de Dochter ins 'sMorgens en Fatt utgeten, dat Fatt glipp êr awers ut de Hand un twei weer dat. Da fung de Oolsche gewaltig an to schelden un to hanteren mit êr, wat dat förn Wirtschaft weer, nicks kunn fœr êr heel bliwen, allens smeet se twei, dat weer ja den Düwel sien Wirtschaft. De König weer do jüst mit en groot Gefolg op de Jagd un hör dat Larmen. He sä to de annern: »Still ins! wat is dat? dat geit dar ja bös hêr; ik mutt doch wêten, wat dat is.« As se nu henkemen, seeg he, wat sik dar ög (eräugnete): de Dochter stunn un ween, de Moder stunn un schull, un se wullen beid nich mit de Spraak herut. De Oolsche seggt optletzt: »Mien Dochter schull Flaß spinnen un nu spinnt se jümmers Sied darvan; ik heff êr dat verbaden, awer se lett dat nich.« Do seeg de König de Dochter an un dach: »De is smuck noog, de mußt du man frien, mit dat Sidespinnen kann se ja vêl Geld verdenen.« He sä nu to de ole Fru, he wull êr Dochter to Fru hebben, awer vœr de Hochtied schull se em eerst vun dree Pund Flaß dree Pund Sied to Proof spinnen; in dree Daag awer muß allens daan sien.

As de König nu 'sAbends den Flaß schickt, do wussen se ganz nich, wat se anfangen schullen; do güng de Dochter in den Wald henin, se wuß sülwen nich warum, un sett sik daal op en Steen un ween. Do sull en Stêrn vun Himmel êr in den Schoot, un blees op dat Flaß beliggen. As se dat seeg, word se ganz vergnögt un seggt bi sik sülwen: »Dat bedütt Glück, et wart noch allens guud gaan; nu will ik eerst enmal geruhig drop utslapen.« Nu güng se na Huus un to Bett.

De Flaß weer den annern Dag awer nich van sülwen to Sied worden. 'sAbends güng de Dochter wedder in den Wald, sett sik op en Steen un ween un dach, wo schall di dat noch gaan? Do seeg se enmal op un innen Maanschien vör êr seeg se en groten smucken Klewerveer staan. Se plück em af un dach: »Dat bedütt wedder Glück, du kannst noch enmal geruhig utslapen.«

Nu keem awer de drütte Dag, da schull dat Garn fardig sien, den annern schull se't aflêwern; de Flaß word awer nich van sik sülwen to Sied. 'sAbends güng se wedder in den Wald, sett sik op den Steen un ween. Do keem dar en lüttjen witten Vagel bi êr an un floog jümmer vör êr hen, un se güng em achterna jümmers wider in den Wald henin. Do kemen se optletzt an en lütt Huus, da floog de Vagel herin un se stött de Dœr apen; do seten dar dree ole Hexen un spunnen; de ene harr so'n groten breden Foot, de anner so'n groten breden Duum un de drütte so'n lange brede Lipp. Da sä se to de olen Hexen: »Ik wull ju noch beden, dat ji mi de dree Pund Flaß to dree Pund Sied spinnt«; se verteld se do allens, wo êr Moder den König wat vœrlagen harr mit dat Sidespinnen, un dat se em nu dree Pund to Proof spinnen schull, un morgen schull se se aflêwern; kunn se dat nich, word de König se gewis wedder verstöten. Do säen de olen Hexen: »Wi wüllt di noch helpen; elkeen (jede von ihnen) kunn fœr er een Pund spinnen; se schull uk in êr Lêwent keen Sied wedder spinnen, wenn se alle dree Daag, dat de Hochtied fiert word, se alle dree dato bêden wull; denn schull se alle dree Daag 'sMorgens na den Karkhof gaan un op den groten Grausteen sik dreemal h'rumdreien un ropen:

Breetfoot, Breetduum, Breetlipp,
Kaamt un fiert Hochtied;

awer wenn se eemnal darin feilmaken dêd un een vergeet, so schull de den eersten Prinzen Hebben. De lüttje Bruut word ganz vergnögt. Se versprook de olen Hexen allens, de maken in den Ogenblick fœr êr de Sied torecht, un as se de dree Pund nu na den König opt Slott broch, do weer de gewaltig tofrêden damit un sä, nu wullen se bald Hochtied maken; so'n fine blanke Sied vun Flaß spunnen harr he sien Daag nich seen.

As nu de Hochtied sien schull, schick de König sien Bruut en grote Kutsch, se opt Slott to halen, awer do se antrocken warden schull, sleek se sik eerst ganz lisen weg na den Karkhof, stell sik op den Grausteen un reep dreemal:

Breetfoot, Breetduum, Breetlipp,
Kaamt im fiert Hochtied;

dabi drei se sik dreemal h'rum, un gung denn wedder êben so lisen opt Slott un leet sik anteen. Do word se schöner, als all mien Daag noch keen Königin wêsen weer.

Nu weren all de Gast versammelt. Do keem dar en ool Kutsch anfaren, de holt vör dat Slott still un en ole Fru keem dar herut stigen. De harr so'n groten breden Foot. Se sä, se weer uk mit inladen un wull mit to Hochtied; de Lüd wussen ganz nich, wo de ole Fru hêr keem. De König fraagt sien Bruut, of se dat ol' Minsch kenn. »Ja«, seggt de Bruut, »dat is mien Fru Meddern (Mutterschwester).« Nu nödigt se êr herin in den Saal to de annern Gäst un laat êr alle Ehr tokamen. De König güng en bêten herum un optletzt kummt he uk wedder to de ole Fru; do sroog he êr, wovun se denn den groten breden Foot harr? Se sä: »Dat kummt vun all mien tippen, tippen Sidespinnen.« Do sä de König to sien Bruut: »Denn schast du doch nich gar to vel Side spinnen, dat du nich uk so'n groten breden Foot kriggst.«

Den annern Dag stünd dat nau, dat de lüttj' Bruut na'n Karkhof keem; de König leet êr ganz nich ut de Ogen. Optletzt sleek se sik doch bi Siet, stellt sik op den Grausteen, dreit sik dreemal herum un röppt dreemal dabi:

Breetfoot, Breetduum, Breetlipp,
Kaamt un fiert Hochtied.

Se kummt uk dütmal noch glücklich damit to End. Ms nu all de Gäst versammelt sünd, so kummt da wedder en Kutsch ansaren; do keem de Breetduumsch herut. De König fraagt sien Bruut, wat denn dat sörn oold Minsch weer. Se sä: »Dat is uk mien Fru Meddern.« Nöst (nachher) fraagt de König de ole Fru, wovun se denn den groten breden Duum harr. Se sä: »Dat kummt vun all mien tippen, tippen Sidespinnen.« Do sä de König to sien Bruut: »Denn schast du uk doch gewis nich to vêl Side spinnen, dat du nich so'n dicken breden Duum kriggst.«

De junge Königin weer ganz vergnögt un dach, dat geit guud; den annern Morgen harr se't meist vergêten na den Karkhof to gaan. Se sleek sik awer doch noch wedder van de Bruutjumfern weg, stell sik up den Grausteen, drei sich dreemal h'rum un schull dreemal ropen:

Breetfoot, Breetduum, Breetlipp,
Kaamt un fiert Hochtied;

awer do vergeet se in de Hast dat drütte Maal Breetfoot; in Sprung weer se wedder in't Slott un lêw herrlich un in Freuden. As nu Breetlipp keem, un all de Lüd sik œwer êr verwunnern, un de König froog, do sä de Königin wedder: »Dat is mien Fru Meddern.« Do sä de König, dat dat ja recht en Unglück weer, dat all êr Fru Meddern so ungestalt weren; he froog de Fru, wovun se de brede Lipp krêgen harr? Se antwoord em: »Dat kummt vun all mien tippen, tippen Sidespinnen.« Do verschrook sik de König un sä: »Dat is ja en ewig sien tippen, tippen Sidespinnen, mien Königin schall in êr Lêwent nich wedder Side spinnen, wenn se so'n brede Lipp davan kriggt.«

Nu weer de lüttj' Königin frie vunt Sidespinnen un se lêw mit êren König ganz glücklich; as awer de Tied um weer un da en lütten Prinz ankeem, do worren se eerst recht vergnögt, un de König wuß ganz nich, wat he allens vör Freud doon schull. Twee, dree Fruens müssen alltied bi dat Kind sien un mit Sied un Sammet word et todeckt. Awers den drütten Dag, as de Königin gerade den lütten Prinzen bi sik harr, so kloppt dar dreemal wat so ganz spökelhaftig an de Dœr. »Herein! Herein!« röppt de Königin. Ja wull, herein! se harr de ol' Breetfootsch man lewer buten laten schullt. De keem nu herin un wull den lütten Prinzen afhalen. De Königin verschrook sik, un fangt an to wenen un to bêden, dat se êr den lütten Prinzen doch leet, se wull ok sünst êr gêben wat se men Hebben wull. Allens umsünst; bet optletzt de ole Hex seggt: »Ik will di wat seggen; wenn du um dree Daag weeßt, wosölken as ik heet, denn schast du em beholen; anners nêm ik em mit.«

Nu seet de Königin jümmers to wenen, denn se kunn de Hex êren Namen nich to wêten krigen; all êr Kamerfruens un Jümfern kunnen êr nich helpen un de König dörf dat all nich wêten. 'sAbends vör den drütten Dag seet de Königin noch ümmer ganz trurig darhêr, un dach, wo schall't mi morgen gaan? Do hört se, dat de lüttj' Koharderjung inne Kœk wat vun en ole Hex vertell, de jümmer vun de Königin sungen harr. Se reep den Koharderjung herin un froog em; de wull't eerst nich seggen, tonöst verteld he êr, he harr de Köh in den Wald hött un do harr he op en lüttje frie Stêd en ole Hex funden, de harr jümmers mit en bunten Stock in de Hand um en Füer rumdanzt un harr sungen:

Gottlof! Gottlof!
Dat mien Fru Königin ni weet,
Dat ik Fru Rumpentrumpen heet.

Do slog de Königin vör Freuden beide Händen tosamen un sä: »Nu weet ik't!« Den Koharderjung awers maak se to êren eersten Kamerdener un kreeg en roden Stêrtrock an.

Den annern Dag klopp dat wedder dreemal ganz spökelhaftig anne Dœr: »Herein!« reep de Königin un de ole Hex mit den breden Foot keem herin hinken mit eren Stock. De Königin leet sik nicks marken, se seet ganz still un trurig dar un seggt nicks. Do seggt de Breetfootschr »Nu kannstu dreemal raden, un raadst du denn nich, so nêm ik dien Prinzen mit.« Eerst sä de Königin: »Heet se villicht Kohfootsch?« »Nä«, seggt de ole Hex, »so heet ik nich.« »Heet se, heet se denn villicht Kohmeddersch?« »Nä, so heet ik ok nich«, seggt de Hex. De Königin word ümmer truriger un bedröster, un so froog se denn ganz lisen: »Heet se, – heet se denn – hei, ohei wat schall ik nu raden?« – »Gau to (schnell weiter)!« seggt de Hex un saat den Prinzen an, »gau to!« – »Heet se, heet se denn Fru Rumpentrumpen?« »Dat hett de verfluchte Koharderjung seggt!« – schreeg de ol' Hex un weg weer se.

Aus Brunsbüttel in Dithmarschen. Einzelnes ward aufgenommen ans dem sonst auch hier sehr bekannten Märchen von den drei Spinnfrauen, bei Grimm, Hausm. Nr. 14. Das Märchen wird gewöhnlich von dem Gefinde erzählt, um die Dienstjungen zu erschrecken. Dazu dient auch Nr. 485. – In Grimms Hausm. Nr. 55 steht der Zwerg Rumpelstilzchen an der Stelle unserer Frau Rumrpentrumpen. Man vergleiche oben Nr. 485.

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601. De dree Süstern.

Urqu. 3, 294 (aus Dithm.). Rahlf u. Ziese, Ahrensburg 189 f. (aus Stormarn). Nieders. 6, 257 (aus Nordschleswig, dänisch). Bolte 3, 237.

En ole Fru harr dree Dochter, de weren alle wunnerschön, awerst alle dree harrn den gramen Fêler, dat se keen Woort rech sprêken kunnen un mussen allens stameln. Se weren awerst so smuck un so kemen se in'n ganzen Landen in Beroop un et kemen vêle Friers. Awerst de weren de Moder all ni guud noog un kregen all de Schüffel Dithmarsche Redensart für den Korb bekommen. Vgl. Neocorus I, 104.. Optletzt meld fik en jungen steenriken Mann un sä, dat he wull Lust harr, een vun êr Döchter to Fru to nêmen; he wull bald mal henkamen un seen, welke em am besten gefallen dêd. Do sä de Moder to êre Döchter: »Hört ji wull, wenn nu de Frier kummt, so mœt ji all ganz still sien, ji mœt ju an nicks keren, as an ju Spinnrœd un jo nich keen Woort seggen!« »Ja, lewe Moder«, säen de dree Döchter, »dat wüllen wi ok doon, darop kannstu di verlaten!«

As de Frier nu keem un sinen Besök maakd', do seten de dree Döchter un spunnen un säen nicks. De Moder awer maakd' dat Woort un streck êr Döchter gewaltig herut un sä, int ganze Dörp kunn keen gegen êr Döchter an int Spinnen. Do awerst brickt de een de Draat, un se röppt: »De Daat de dickt!« Do sä de anner: »Tütt em an!« awer de drütt de sä: »Moder sä, wi schulln ni pêken, pêk all dee!« Do seeg de Frier, wo dat Laken scharen weer, neem sinen Hoot un keem ni wedder, un wenn de dree Süstern nich utspunnen hebbt, so spinnt se noch.

Aus Meldorf und durch Dr. Schröder aus der Krempermarsch.

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602. Der Freier.

Ein junger Mann, der heiraten wollte, besuchte drei Schwestern. Er fand ihre Wocken angetockt (voll Flachs), da lobte er ihren Fleiß, aber sie zu prüfen, steckte er doch heimlich einen Schlüssel in den Flachs der ältesten; und als er nun am andern Tage wiederkam, fand er ihn noch darin stecken. Da sah er, daß sie ihn hatte täuschen wollen. Er steckte jetzt den Schlüssel in den Flachs der zweiten Schwester. Aber er fand am andern Tage ihn auch darin wieder. Als er aber den Schlüssel in den Flachs der jüngsten verborgen hatte, da brachte diese ihm denselben am nächsten Tage entgegen und sagte, er hätte seinen Schlüssel in ihrem Wocken stecken lassen. Da sagte der junge Mann: »Du bist die rechte«, und nahm die fleißige zur Frau.

Schütze, Idiot. I, 334. Vgl. Grimms Kinder- und Hausmärchen Nr. 155.

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603. Die dümmste Frau.

Wisser 211. 218. Heim. 11. 176 ff. 201. Bolte 2, 448.

Es war einmal ein Schlachter, der machte Bankrott. Da sagte er zu seiner Frau: »Nun will ich graben und auf Tagelohn arbeiten.« Als er aber ein paar Tage gegraben hatte, da waren ihm seine Hände wund, und er sprach zu seiner Frau: »Ich muß nur wieder schlachten.« Er ging also aufs Land, sich ein Kalb zu kaufen, und als er in ein Dorf kam, fragte er, ob sie nicht ein Kalb zu verkaufen hätten? »Nein«, sagten die Leute, »wir haben nichts; aber hier nahebei wohnt ein Müller, der hat fünf Ochsen.« Da sagte der Schlachter: »Die kann ich auch brauchen« und ging nach der Mühle.

Als er nun nach der Mühle kam, war der Müller nicht zu Hause. Der aber hatte, als er ausging, zu seiner Frau gesagt: »Wenn da jemand kommen sollte und wollte auf die Ochsen handeln, so kannst du sie nur für fünfzig Taler das Stück losschlagen; für weniger aber sind sie nicht feil.« Nun kam der Schlachter; er fragte die Frau, ob sie nicht die Ochsen verkaufen wollte?« »Ja«, sagte sie, »für fünfzig Taler das Stück, für weniger aber nicht.« Der Schlachter war's zufrieden und wollte so viel geben; »aber«, sagte er, »ich habe jetzt nicht so viel bar Geld bei mir; wenn ich alle fünf auf einmal nehme, so können wir's ja so abmachen, daß ich zwei gleich mitnehme und dafür die drei übrigen ihr so lange zum Pfande lasse, bis ich komme und das volle Kaufgeld bringe.« Die Frau sagte, daß er's machen könnte, wies ihm eben paßte, und war froh, einen so schnellen und vorteilhaften Handel abgeschlossen zu haben.

Als nun ihr Mann nach Hause kam, fragte er sie gleich: »Na, hast du die Ochsen verkauft?« »Jawohl«, sagte die Frau, »alle fünf auf einmal an einen Schlachter aus der Stadt, das Stück für fünfzig Taler und um keinen Schilling weniger.« »Das ist ein guter Handel«, dachte der Mann, aß erst ein wenig und nachdem er gegessen, verlangte er das Geld zu sehen. Da antwortete die Frau: »Das Geld habe ich noch nicht bekommen, der Schlachter aber wird es in vierzehn Tagen bringen, wenn er die drei letzten Ochsen abholt; die hat er so lange zum Pfand hier gelassen, zwei hat er gleich mitgenommen.« »Nun«, sagte der Mann, »da ist doch auf Gottes weiter Welt kein dümmeres Frauenzimmer, als du bist«, und er ward ärgerlich genug; »ich will noch vierzehn Tage warten, aber kommt binnen der Zeit der Schlachter nicht, so reise ich weg und komme in meinem Leben nicht wieder, wenn ich nicht eine dümmere finde, als du bist.« Der Müller wartete nun noch vierzehn Tage; aber wer nicht kam, das war der Schlachter; der Müller reiste also fort.

Er war nun schon ziemlich lange gereist, und nirgend in der Welt hatte er noch eine dümmere Frau gefunden, als die, welche er zu Hause gelassen. Endlich aber kam er bei einem Schlosse an, wo eine verwitwete Gräfin wohnte; da sprang der Müller immer hoch auf und gaffte in den Himmel. Die Gräfin ward ihn vom Fenster aus gewahr und schickte gleich ihre Kammerjungfer hinunter, ihn zu fragen, was er doch da vorhätte oder was ihm fehle. Der Müller sagte: »Wir haben eben im Himmel einen Tanz gehalten, da kam ich der Luke zu nahe und bin heruntergefallen; nun kann ich gar nicht den rechten Sprung wieder kriegen, um hinauf zu kommen. Ich muß nur weiter gehn und suchen, ob ich nicht anderswo die rechte Fährte wiederfinde.« Er tat nun, als wenn er fortginge, und dabei sah er noch immer an den Himmel. Aber die Kammerjungfer hatte der Gräfin kaum die Nachricht von dem Müller gebracht so kam diese selber ihm nachgelaufen und fragte, wenn er aus dem Himmel gefallen sei, ob er denn auch ihren verstorbenen Mann kennte. »Ach ja«, sagte der Müller, »den kenne ich ganz gut, ich habe noch eben mit ihm getanzt.« »Wenn das ist, lieber Mann«, sagte die Gräfin, »so kann er mir auch wohl sagen, ob mein seliger Herr noch seine großen Stiefeln trägt mit den goldenen Sporen, und seinen grünen Rock?« Da antwortete der Müller: »Gnädige Frau, der gnädige Herr hat neulich die goldenen Sporen aus Not verkaufen müssen, die Stiefel hat er noch, aber sie sind schon ganz entzwei, den grünen Rock trägt er auch noch, aber da guckt der Ellenbogen schon heraus.« »Gott sei mir gnädig«, rief die Gräfin, »das ist ja eine Schande, wie schlecht es ihm da geht. Höre er, er könnte mir einen großen Gefallen tun, wenn er für den seligen Herrn etwas Zeug zu einem neuen Rock mitnehmen wollte. Mein Sohn trägt gerade noch ebensolche. Ich will ihm dann auch noch vierhundert Dukaten mitgeben und ein bißchen Gutes zu essen und trinken.« Der Müller sagte, daß er das alles herzlich gern besorgen wolle, und die Gräfin gab ihm nun alles mit auf den Weg. »Das wäre doch eine, wie ich sie suchte«, sagte er und ging fort.

Bald darauf aber kam der Junker zu Hause und fand seine Mutter ganz traurig und in großer Betrübnis. Er fragte sie nach der Ursache. »Ach«, sagte die Gräfin, »da war hier eben ein Mann aus dem Himmelreich, der hat mir so schlechte Nachricht vom seligen Papa gebracht; der hat seine goldenen Sporen schon aus Not verkauft, seine Stiefel sind entzwei und sein Rock ist zerrissen; ich habe nun dem Mann etwas Zeug und vierhundert Dukaten mitgegeben; es tut mir wirklich so herzlich leid um den seligen Papa.« Der Sohn sah gleich, wie es damit wäre, ließ schnell seinen Schimmel satteln und jagte dem Müller nach.

Es dauerte nicht lange, so merkte der Müller, daß einer hinter ihm drein käme. Verstecken konnte er sich nirgend; aber da begegnete ihm eine alte Frau. Die fragte er, was er ihr geben sollte, wenn sie ruhig eine Zeit lang, ohne ein Wort zu sprechen, unter seinem Mantel auf der Erde sitzen wollte. Die Frau verlangte fünf Taler, aber der Müller gab ihr zehn, wenn sie nur genau das tun wollte, was er verlange. Das versprach sie und kroch unter den Mantel. Nach einem Augenblick so war der Junker auf dem Pferde bei ihnen und fragte den Müller, ob er auch einen Mann habe eilig vorüberlaufen sehen. Da sagte der Müller: »Ja, vor einer Viertelstunde ging hier einer rasch vorüber und zuweilen lief er sogar. Er nahm den Weg da quer übers Moor, aber wenn ihr nur aus meinen Bienenkorb hier sehen und die Bienen mir hüten wolltet, so lange bis der ausgeflogene ganze Schwarm drinnen ist, so wollte ich den Mann euch bald wieder einbringen.« Der Junker versprach ihm noch ein gutes Trinkgeld obendrein, stieg ab und wollte die Bienen hüten; der Müller aber saß schnell auf und jagte mit dem Schimmel davon. Da sah der Junker bald, daß es kein Bienenkorb, sondern eine alte Frau wäre, und nun ging er nach Hause ohne den Schimmel. Und als ihn seine Frau Mutter fragte, ob er denn den Mann gefunden, so sagte er: »Ja, ich habe ihn bald gefunden und habe ihm auch noch den Schimmel mitgegeben, damit er eher hinkömmt.« Der Müller aber reiste wieder zu seiner Frau. Und als er bei ihr ankam mit dem Schimmel und mit den vierhundert Dukaten und mit dem Zeug zu einem neuen grünen Rock und mit all dem guten Essen und Trinken, das er dem seligen Herrn nach dem Himmel hatte mitnehmen sollen, da sagte er zu ihr: »Nun will ich bei dir bleiben, denn ich habe doch eine dümmere gefunden, als du bist, und habe sogar noch mehr verdient, als alle fünf Ochsen wert sind.«

Nach zwei Mitteilungen aus dem Kirchspiel Westensee und der Herrschaft Breitenburg. Letztere weicht hauptsächlich darin ab, daß der vom Himmel Gefallene die Nachricht bringt, der gnädige Herr müsse vor der Hölle Holz spalten. Beide Relationen sind unvollständig gegenüber dem entsprechenden norwegischen Märchen bei Moe und Asbiörnsen Nr. 10.

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604. Das blaue Band.

Einl. S. XVII. Bolte 1, 551.

Es war einmal ein Mann, der war sehr arm und krank dazu. Als er nun fühlte, daß er sterben sollte, rief er seine Frau an sein Bett und sprach zu ihr: »Liebe Frau, ich fühle, daß es mit mir zu Ende geht; nun würde ich ruhig und ohne Sorge sterben, wenn ich nur wüßte, daß es dir und unserm Hans nach meinem Tode gut ginge. Ich kann euch nichts hinterlassen, was euch vor Not schützen könnte; aber wenn ich gestorben bin, so geh du mit unserm Sohn zu meinem Bruder, der jenseits des großen Waldes in einem Dorfe wohnt. Das ist ein wohlhabender Mann und er ist immer brüderlich gegen mich gesinnt gewesen; der wird für euch sorgen.« Darauf starb der Mann; und als er begraben war, begab die Frau sich mit ihrem Sohn auf den Weg zu dem Bruder, wie ihr verstorbener Mann ihr befohlen hatte. Aber die Mutter haßte den Sohn und war ihm feind aus alle Weise; Hans aber war ein guter Junge und schon ziemlich erwachsen. Als sie nun eine gute Strecke gegangen waren, lag da ein blaues Band am Wege. Hans bückte sich und wollte es aufnehmen, aber die Mutter sprach: »Laß doch das alte Band liegen; was willst du damit?« Hans aber dachte: »Wer weiß, wozu es gut ist! Es wäre doch wirklich schade, wenn das schmucke Band hier liegen bliebe«; nahm es also mit und band es heimlich, damit seine Mutter es nicht gewahr würde, unter seiner Jacke um den Arm. Da ward er nun so stark, daß niemand, so lange er das Band trug, ihm etwas anhaben konnte und alle ihn fürchten mußten.

Nun gingen sie weiter und kamen in den großen Wald, und nachdem sie lange darin herumgewandert waren, gelangten sie an eine Höhle. Da stand da ein gedeckter Tisch, besetzt mit herrlichen Speisen in silbernen Schüsseln. Hans sprach: »Da kommen wir just zur rechten Zeit, mich hungerte schon lange; ich will mich erst einmal hier satt essen, das Essen scheint gut zu sein.« Nun setzten sie sich nieder und aßen und tranken nach Herzenslust. Als sie eben gegessen hatten, kam der große Riese, dem die Höhle gehörte, nach Hause; er war aber ganz freundlich und sprach: »Das ist recht, daß ihr schon zugelangt und nicht erst auf mich gewartet habt; wenn's euch hier gefällt, so könnt ihr gerne für immer bei mir in der Höhle bleiben«, und zu der Frau sagte er, daß sie seine Frau werden könnte. Sie sagten beide ja dazu und nun lebten sie ganz vergnügt eine Zeit lang bei dem Riesen in der Höhle.

Der Riese gewann Hans von Tage zu Tage lieber; aber seine Mutter haßte ihn noch immer, und als sie merkte, wie stark er geworden wäre, ward sie noch grimmiger und sprach eines Tages zu dem Riesen: »Siehst du wohl, wie stark Hans ist? Er kann doch für uns gefährlich werden, je älter er wird und je mehr er an Kräften zunimmt. Dann kann es leicht soweit kommen, daß er uns tot schlägt, damit er die Höhle allein hat, oder er uns auch hinaus jagt. Es wäre besser und klug von dir, wenn du dich bei Zeiten vorsähest und bei Gelegenheit ihn über die Seite schafftest.« Aber der Riese antwortete: »Sprich mir doch nicht so etwas vor! Hans ist ein guter Junge und wird uns nichts zu leide tun; ich werde ihm kein Haar krümmen, es würde mir übel anstehn.«

Als die Frau nun sah, daß der Riese nicht dazu zu bewegen war, legte sie sich den andern Tag aufs Bett und stellte sich krank. Dann rief sie ihren Sohn und sprach: »Lieber Hans, ich bin so krank, daß ich gewiß sterben werde. Aber ein Mittel gibt es noch, das mich retten kann. Mir hat geträumt, daß wenn ich von der Milch der Löwin, die hier nicht weit von uns ihre Höhle hat, einen Trunk erhalten könnte, ich gewiß genesen würde. Wenn du mich lieb hast, so könntest du mir helfen; du bist ja so stark und fürchtest dich nicht, du könntest hingehen und mir etwas Milch holen.« »Jawohl, liebe Mutter«, antwortete Hans, »das will ich gerne tun, wenn ich nur weiß, daß es dir helfen wird«, nahm also einen Napf und ging in die Höhle der Löwin. Die lag da mit ihren Jungen und säugte sie. Hans aber legte die Jungen beiseite und fing an zu melken; das litt die Löwin ganz ruhig. Da aber kam der alte Löwe mit Gebrüll in die Höhle und fiel Hans von hinten an. Aber schnell wandte Hans sich um, nahm den Hals des Löwen unter den Arm und drückte ihn so fest an sich, daß er jämmerlich zu winseln anfing und ganz zahm ward. Da ließ Hans ihn los. Der Löwe legte sich in die Ecke und Hans molk weiter, bis die Schale voll war. Als er nun die Höhle verließ, sprang die Löwin hinter ihm her mit ihren Jungen und bald folgte auch der alte Löwe ihnen. So kam er zu seiner Mutter und brachte ihr die Milch; sie erschrak sich aber so vor den Löwen, daß sie rief: »Hans, bringe doch die wilden Tiere hinaus, sonst sterbe ich noch vor Angst.« Da gingen die Tiere von selbst still hinaus, aber legten sich vor die Tür, und wenn Hans hinaus kam, so sprangen sie auf ihn zu und freuten sich.

Da nun dieser Anschlag der bösen Mutter so mißlungen war, sprach sie wieder zu dem Riesen: »Wärest du gleich meinem Rate gefolgt, so hätten wir nun nichts mehr zu fürchten; jetzt aber steht's noch schlimmer als vorher, und da er nun die Tiere hat, werden wir so leicht ihm nichts anhaben können.« Der Riese antwortete: »Ich weiß auch nicht, warum wir ihm etwas tun sollten. Hans ist ja gut und die Tiere sind zahm; ich möchte nicht Hand an ihn legen.« Aber die Mutter sagte: »Es könnte ihm doch leicht in den Sinn kommen, uns zur Höhle hinauszujagen oder gar tot zu schlagen, um selber darin Herr zu sein; ich kann nicht glücklich sein, so lange ich das fürchten muß.«

Nach einiger Zeit legte die Frau sich aufs Bett und sagte wieder, sie sei krank. Sie rief ihren Sohn zu sich und sprach: »Ich habe wieder einen Traum gehabt, daß wenn ich ein paar von den Äpfeln essen könnte, die in dem Garten der drei Riesen wachsen, ich wieder gesund werden würde; sonst fühle ich, muß ich sterben.« Hans sagte: »Liebe Mutter, weil dir so große Not drum ist, so will ich wohl zu den Riesen gehen und dir ein paar Äpfel holen.« Er nahm nun einen Sack und machte sich sogleich auf den Weg und die Löwen sprangen alle hinter ihm drein; die böse Mutter aber dachte, daß er diesmal ganz gewiß nicht wiederkommen würde. Hans ging geradeswegs in den Garten und pflückte seinen Sack voll Apsel; und als er das getan, aß er selber auch einige; aber darnach verfiel er sogleich in einen tiefen Schlaf und sank unter dem Baume nieder. Das kam allein von den Äpfeln, die diese Kraft hatten. Wären nun nicht die treuen Löwen bei ihm gewesen, so wäre es wohl um ihn geschehen. Denn sogleich stürmte ein großer Riese durch den Garten daher und rief: »Wer hat hier unsere Äpfel gestohlen?« Hans schlief noch und antwortete nicht. Als ihn aber der Riese sah, lief er zornig auf ihn zu und wollte ihm den Rest geben, aber da sprangen die Löwen auf, fielen den Riesen an und in kurzer Zeit hatten sie ihn zerrissen. Nun kam gleich der zweite Riese und rief auch: »Wer hat hier unsere Apfel gestohlen?« und da er auf Hans los wollte, sprangen die Löwen auch auf ihn ein und zerrissen ihn. Darnach kam der dritte Riese und rief: »Wer stiehlt hier unsre Äpfel?« Hans schlief noch immer, aber die Löwen packten auch diesen Riesen und machten auch ihn tot. Nun schlug Hans die Augen aus und ging im Garten umher. Da kam er bald in die Nähe des Schlosses, wo die Riesen gewohnt hatten, und nun hörte er, wie aus einer tiefen Kellerkammer eine klägliche Stimme hervorkam. Hans stieg hinab; da fand er da eine wunderschöne Prinzessin, die hatten die Riesen ihrem Vater geraubt und hier eingesperrt und mit dicken eisernen Ketten angeschlossen. Hans aber faßte kaum die Ketten an, so sprangen sie entzwei und er führte die schöne Prinzessin hinauf in die prächtigsten Zimmer des Schlosses. Da sollte sie sich erquicken und so lange warten, bis er wieder käme. Sie aber bat ihn, sie zu begleiten an ihres Vaters Hof. Aber Hans sagte: »Wir können es hier erst noch aushalten; jetzt muß ich hin und meiner Mutter die Äpfel bringen; denn die ist sterbenskrank.« Hans ließ also die Prinzessin auf dem Schlosse, nahm seinen Sack mit den Apseln und ging nach der Höhle zurück zu seiner Mutter. Als die ihn kommen sah, wollte sie sich fast tot wundern, daß ihm nichts geschehen sei und er die Apfel brächte; sie fragte gleich, wie er doch alles habe durchmachen können. »Ja, liebe Mutter«, sagte er, »seit ich das blaue Band trage, das ich nicht mitnehmen sollte, seit der Zeit bin ich so stark, daß niemand mir was anhaben kann; diesmal haben meine Löwen alle die Riesen tot gemacht. Nun aber sollt ihr mit mir kommen und diese alte Höhle verlassen. Wir wollen jetzt auf dem Schlosse in Herrlichkeit und Freuden leben; ich habe da auch eine wunderschöne Prinzessin gefunden, die soll noch bei uns bleiben.« Die Mutter und der Riese zogen nun mit Hans auf das Schloß; aber als sie alle die Herrlichkeit gewahr wurden und sahen wie schön die Prinzessin war, da gönnten sie Hans sein Glück noch weniger als früher. Die Mutter lauerte nur immer auf eine Gelegenheit Hans beizukommen. Denn nun wußte sie ja, woher er seine Kraft hatte. Als daher eines Tages Hans in seinem Zimmer auf dem Bette lag, sich zu ruhen, und sein Band hing auf einem Nagel an der Wand über ihm, so schlich sie sich leise herein und stach ihm, ehe er erwachte, beide Augen aus; dann nahm sie ihm das Band, und da Hans nun blind und hilflos war, stieß sie ihn zum Schlosse hinaus und sagte, von nun an wolle sie allein darin Herr sein. Der arme Hans wäre bald verschmachtet, wenn nicht die treuen Löwen die Prinzessin zu ihm geführt hätten. Die zog nun mit ihm fort und führte ihn; denn sie wollte ihres Vaters Reich aufsuchen und hoffte da Heilung für ihren Retter zu finden. Aber der Weg war weit und lange irrten sie umher. Endlich aber kamen sie in die Nähe der Stadt, wo der Vater der Prinzessin wohnte. Da sah die Prinzessin einen blinden Hasen vor ihnen über den Weg laufen und wie er an einen Bach kam, der vorüber floß, tauchte er dreimal unter und lief sehend wieder fort. Da führte sie Hans an das Wasser, und wie er sich dreimal untertauchte, konnte auch er sehen wie vorher. Nun gingen sie voller Freuden in die Stadt, und als der alte König erfuhr, daß Hans seine Tochter befreit hätte, wollte er keinen andern Schwiegersohn haben als ihn, und die Prinzessin nahm auch keinen lieber zum Mann, als gerade Hans. Als aber seine Mutter das erfuhr, daß Hans sein Gesicht wieder bekommen und die Prinzessin geheiratet hätte, ward sie vor Ärger plötzlich krank, und diesmal war's ernst und sie mußte daran. Bald darauf starb auch der Riese. Als man nun unter ihrem Kopfkissen nachsah, fand man da das blaue Band wieder und Hans trug es von nun an sein Leben lang und legte es niemals ab. Er folgte später seinem Schwiegervater in der Regierung und war als König weit und breit von allen Feinden sehr gefürchtet, als ein rechter Schutz seines Landes.

Aus Marne. Das Märchen ist leider lückenhaft.

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605. Der starke Franz.

Bolte 2, 288. 3, 98. Gegenstand weggeworfen, um Hindernis zu schaffen (S. 440): Heim. 20, 113. Bolte 2, 141. – Wohltäter auf dessen Verlangen getötet: Wisser 135. Wat Grotm. vert. 1, 21. 3, 23. Heim. 11, 39. 43. – Geldbeutel, der nie leer wird: Wisser 171; vgl. oben Nr. 454. Grotmoder 3, 8. 58.

Ein Bauer hatte zwei Söhne, der älteste hieß Christian und der jüngste hieß Franz. Franz war aber viel größer als sein älterer Bruder und stärker als sein Vater und Bruder zusammen, obgleich er viel jünger war. An einem Tage sprach der Vater zu seinen Söhnen: »Kommt, wir wollen in den Wald und etwas Brennholz holen.« Sie gingen hin, konnten aber kein rechtes Brennholz finden. Da faßte Franz den größten Baum beim Stamme an und riß ihn mit der Wurzel heraus und nahm ihn auf die Schulter. So machte er es noch mit sieben oder acht von solchen Bäumen und sprach zu seinem Vater: »Wir wollen uns doch eine Tracht Brennholz mit nach Hause nehmen und nicht umsonst gehen.« Er trug darauf die Bäume alle miteinander nach Hause. Aber der Vater sprach: »Du verschändest uns noch das ganze Holz, ein andermal sollst du nicht so viel herausreißen.« Als sie daher das nächstemal wieder in den Wald wollten, um Brennholz zu holen, sprach Franz: »Ich muß mir nur ein anderes Holz suchen oder einen andern Herrn; denn mit euch will ich nicht wieder gehn.« Darauf ging Franz allein fort und wanderte weiter in den Wald hinein. Wie er nun da so umherging, so begegnete ihm ein kleiner Mann, der hieß Hermanni, und redete ihn an und fragte ihn, wenn er einen Dienst suche, ob er nicht Lust hätte, bei ihm einzutreten? »Ja«, sagte Franz, »warum nicht, wenn der Herr guten Lohn gibt!« Da antwortete Hermanni: »Du erhältst vierhundert Mark Lohn und zweihundert Mark zum Gottespfennig; du hast dafür weiter nichts zu tun, als meinen braunen Hengst aufzupassen und um etwas anderes hast du dich nicht zu kümmern.« Franz war mit dem Lohn zufrieden und der Herr führte ihn auf sein Schloß, das auf einem hohen Berge lag. Da mußte Franz den Hengst aufpassen; er striegelte und fütterte ihn alle Tage und versah seinen Dienst, wie es sein mußte.

Als nun das Jahr um war, kam der Herr wieder zu Franz und fragte, ob er nicht Lust hätte, wieder ein Jahr bei ihm zu bleiben? »Ja«, sagte Franz, »aber ich möchte gerne mehr Lohn haben.« Da sprach der Herr: »Ich will dir dies Jahr achthundert Mark Lohn geben und vierhundert Mark zum Gottespfennig; du hast dafür weiter nichts zu tun, als meinen Hengst aufzupassen, um was anderes darfst du dich nicht bekümmern.« Franz entschloß sich gleich, noch ein Jahr bei Hermanni auf dem Schlosse zu bleiben; aber er bat um die Erlaubnis, doch einmal seinen Vater und Bruder besuchen zu dürfen. Der Herr antwortete: »Das kann auch gerne angehen, aber es ist nur keiner da, der während deiner Abwesenheit den Hengst aufwartete.« Da sagte Franz: »Wenn weiter nichts im Wege ist, als das, so kann ich gehen, denn in einem Tage mache ich die Reise und bin am Abend wieder hier.« Nun ging Franz bald einmal zu seinem Vater und seinem Bruder, und die freuten sich sehr, daß sie ihn einmal wieder sähen, den sie so lange vermißt hatten. Der Vater fragte ihn, wo er denn so lange gewesen sei. Aber Franz antwortete: »Das kann ich euch nicht sagen.« Und als Franz Abends wieder nach dem Schlosse wollte, bat sein Bruder Christian ihn begleiten zu dürfen und wollte mit. Aber Franz sprach: »Wo ich hingehe, dahin kannst du mir nicht folgen«; er ging nun allein wieder nach dem Schlosse seines Herrn. Da kam dieser am andern Morgen zu ihm und sprach: »Franz, siehst du da zu Norden im Schlosse eine Tür? Die mußt du ja nicht aufmachen, sonst wird es dir schlecht gehen; bist du mir aber gehorsam, sollst du es auch ferner gut bei mir haben.« Franz versprach das seinem Herrn, versah treulich seinen Dienst und das Jahr verging ihm so schnell, daß es ihn däuchte, es wären nur wenige Tage gewesen.

Als das Jahr vorüber war, kam der Herr Hermanni wieder zu Franz und fragte ihn, ob er wohl wieder bei ihm bleiben wollte. Franz antwortete, daß er's schon zufrieden wäre, wenn er nur etwas mehr Lohn bekäme. Da sprach der Herr: »Ich will dir für dies dritte Jahr sechszehnhundert Mark Lohn geben und achthundert Mark zum Gottespfennig, du weißt, wie du deinen Dienst zu versehen hast.« Franz diente nun bei dem Herrn auch noch das dritte Jahr. Als es aber beinahe um war, war der Herr verreist. Da dachte Franz: »Du könntest doch einmal die Nordertür des Schlosses öffnen, um zu erfahren, was da zu sehen ist. Das kann doch nicht so viel schaden und der Herr merkt's nicht; der ist ja nicht zu Hause.« Franz ging also zur der Tür und öffnete sie, ohne sich lange zu bedenken. Da befand er sich mit einmal in einem wunderschönen Garten voll ganz wunderbarer Blumen; denn alle Sträuche, die er sah, die waren von Demant, Gold und Silber. Da pflückte Franz von jedem Strauche sich ein Sträußchen ab, wickelte sie in sein Taschentuch und steckte sie zu sich. Dann ging er wieder aus dem Garten; als er nun aber in den Stall kam, konnte der Hengst zu seiner Verwunderung sprechen und fing an zu reden: »Franz, was hast du getan! Sattle mich nur gleich und schwing dich auf; die Flucht allein kann uns retten, wir sind sonst beide des Todes.« Schnell tat Franz wie der Hengst ihm befohlen hatte, sattelte ihn und schwang sich drauf und in fliegender Eile jagte er davon.

Als sie nun schon viele Meilen weit gekommen waren, sprach der Hengst zu Franz: »Sieh dich einmal um, mich dünkt, es kommt was hinter uns drein!« Franz sah sich um und sprach: »Ja, der Herr hat uns schon beinahe eingeholt.« »So wirf deine Reitpeitsche hinter dich«, sprach der Hengst, und wie Franz das getan hatte, war hinter ihnen ein großer hoher dichter Zaun, daß der Herr lange arbeiten mußte, ehe er hindurchkam. Unterdes waren Franz und der Hengst weit voraus gekommen. Endlich aber sprach der Hengst wieder zu Franz: »Sieh dich einmal um, mich dünkt, es ist was hinter uns.« Franz sah sich um und rief: »Ja, der Herr ist uns gleich auf den Fersen.« »So wirf deinen Mantelsack hinter dich«, sprach der Hengst, und als Franz das getan, stand ein großes Gebirge hinter ihnen, viele tausend Fuß hoch. Da hatte der Herr erst lange zu klettern, ehe er hinüber kam, aber er holte die Flüchtlinge am Ende doch wieder ein. Da sprach der Hengst zu Franz: »Sieh einmal hinter dich, mich dünkt, es kommt wieder was.« »Ja«, rief er, »der Herr ist uns wieder ganz nahe.« »So wirf die Pferdedecke von dir«, sagte der Hengst; da entstand zwischen ihnen und dem Herrn Hermanni ein großes Wasser; da konnte er nicht hinüber kommen und nicht durchwaten, und darum legte er sich nieder und wollte es austrinken. Aber es war eine solche Menge Wasser da, daß er davon mitten voneinander barst und starb. Nun ritt Franz noch eine Strecke weiter und kam bald zu einem anmutigen, grünen Holze. Da ließ er seinen Hengst grasen, legte sich selber in den Schatten und verzehrte seine Kost, soviel er mitgenommen hatte, und nachdem er seine Mahlzeit gehalten, schlief er ermüdet von der beschwerlichen Reise ein.

Als Franz die Augen wieder aufschlug, stand da ein Tisch vor ihm und auf dem Tische lag ein Schwert. Da sprach der Hengst: »Jetzt hau mir mit dem Schwerte den Kopf ab!« »Da wäre ja der größte Undank, den ich an dir begehen könnte«, antwortete Franz, »du hast mir so viel Gutes erwiesen und ich sollte dir dafür das Leben nehmen?« »Tue es nur«, sprach der Hengst, »es wird dein Glück sein und meines.« Weil der Hengst nun so viel bat, nahm Franz zuletzt das Schwert und hieb ihm den Kopf ab; da stand mit einem Male eine schöne Dame vor ihm und sprach: »Fürchte dich nicht, lieber Franz! Ich bin eine Prinzessin von Rußland und war von dem bösen Hermanni entführt und in einen Hengst verzaubert. Nun hast du mich erlöst und vorher hast du mich immer so gut bedient; dafür werde ich dir allezeit dankbar und hilfreich sein. Darum hast du hier einen kleinen Stock; damit schlage, sobald du in Not bist, nur an diesen hohlen Baum; dann werde ich dir aus jeder Verlegenheit helfen.« Franz nahm das Stöckchen zu sich, dankte der Prinzessin und nahm von ihr Abschied; dann begab er sich zu Fuß auf den Weg und kam bald in eine Königsstadt. Da, dachte er, müßte er bleiben und er erkundigte sich, ob nicht etwa ein Gärtner einen Burschen brauchen konnte. Die Leute wiesen ihn zu einem Gärtner, der seinen Garten neben dem Schlosse des Königs hatte. Franz fragte, ob er ihn nicht als Lehrling annehmen wollte; dem Gärtner gefiel der Junge, sie wurden sich einig und Franz trat bei ihm in Dienst.

Nun wies der Gärtner ihm verschiedene Arbeiten an, aber Franz verstand nichts davon und machte alles schlecht. An einem Tage sollte er aus einem Beete, worauf Wurzeln gesäet waren, das Unkraut ausgäten. Der Gärtner sagte: »Das Kraut mit den krausen Blättern mußt du stehen lassen; denn das sind die Wurzeln; alles andere aber ist Unkraut, das raufe aus.« Franz zog nun ein Kraut mit krausen Blättern auf, aber er fand keine Wurzeln daran; da dachte er, es sind keine Wurzeln, und zog die Wurzeln nebst dem Unkraut aus. Als nun der Herr kam und sah, daß das ganze Beet verwüstet war, ward er sehr ärgerlich und sagte: »Geschieht's noch einmal, so jage ich dich aus dem Dienst.« Er wies ihn darauf an, daß er Kartoffeln hacken sollte und zeigte ihm so und so und lehrte ihn wie er's machen müsse, daß die Knollen nicht beschädigt würden und die Pflanzen alle in der Reihe stünden, mit den Rillen dazwischen. Als aber der Herr fortgegangen und Franz allem fortarbeitete, so hackte er alles zu einem ebenen Felde. Nun ward der Herr noch verdrießlicher und drohte: »Geschieht's noch einmal, so jage ich dich ganz gewiß aus dem Dienst.«

Da schickte der Gärtner Franz einmal in den Garten und sagte ihm, er solle nachsehen wie der Weißkohl stünde. Franz kam in den Garten und der Kohl stand gut. Aber er würde doch noch besser aussehen, dachte Franz, wenn er wie die Sträuche im Garten des Herrn Hermanni wäre. Er langte in die Tasche und zog die Zweige hervor, die er damals abgebrochen, und bestrich damit den Weißkohl her und hin, daß er wie lauter Demanten und Gold und Silber funkelte. Das sah die königliche Prinzessin vom Fenster des Schlosses aus und sandte sogleich zum Gärtner und ließ ihm sagen, daß er ihr einiges Gemüse aufs Schloß schicke, aber sein Lehrbursch sollte es bringen. Der Gärtner tat darauf junge Erbsen und Wurzeln in einen Korb und Franz ging damit nach dem Schlosse. »Guten Tag, Mädchen!« rief er, als er eintrat; »Danke«, war ihre Antwort; »Hier bringe ich dir Gemüse, Erbsen und junge Wurzeln.« »Gut«, sagte sie, »komm nur ein wenig herein, setz dich und iß ein wenig.« »Das könnte ich auch wohl tun«, sagte Franz, ging zur Stube hinein, setzte sich an den Tisch, der mit Wein und schönen Speisen wohl besetzt war, und aß und trank, als wenn er in drei Tagen nichts gekriegt hätte. Die Prinzessin freute sich an ihm, als er aber satt war, sagte sie, was sie ihm für das Gemüse schuldig sei. »Hundert Taler«, sagte Franz. Die Prinzessin gab ihm das Geld, soviel er verlangt hatte; als er aber nach Hause kam und sein Herr ihn fragte, wie viel er bekommen habe, da warf Franz die hundert Taler auf den Tisch. Da rief der Herr: »Junge, da hast du viel zu viel genommen.« »Nein«, sagte Franz, »die Prinzessin hat sie mir gegeben.«

Nach einigen Tagen schickte die Prinzessin vom Schlosse zu dem Gärtner und bestellte abermals Gemüse, aber der Lehrjunge sollte es bringen. Da packte der Herr wieder junge Erbsen und Wurzeln in den Korb für Franz und schickte ihn hinauf. »Guten Tag, Mädchen«, sagte er wieder, als er ins Haus trat. »Schönen Dank«, antwortete die Prinzessin. »Hier bringe ich dir wieder Erbsen und Wurzeln.« »Gut«, sagte sie und nötigte ihn herein wie das vorige Mal, bewirtete ihn aufs beste und Franz aß und trank, und trank ziemlich viel Wein, daß er zuletzt auf dem Stuhl einschlief. Da nahm die Prinzessin ihm heimlich die Sträuße von Demanten, Gold und Silber aus der Tasche; als er aber aufwachte, forderte er zweihundert Taler für das Gemüse. Die Prinzessin gab sie ihm und Hans ging vergnügt nach Hause. Aber sogleich als er in den Garten kam, langte er in die Tasche, da waren seine Sträuße weg. Er suchte und suchte, konnte sie aber nirgends finden, er ward ganz verdrießlich und unzufrieden. Sein Herr merkte das und fragte, was ihm fehle und was er verloren. Aber Franz antwortete: »Das kann und will ich ihm nicht sagen.«

Nach einigen Tagen ließ die Prinzessin wieder Gemüse nach dem Schloß bestellen, und Franz mußte damit hin. Als er eintrat, sprach er verdrießlich: »Hier bringe ich euch das Gemüse.« Die Prinzessin bat ihn nun, er möchte doch herein kommen und wieder ein wenig essen; aber Franz wollte nicht. Da fragte sie ihn, was ihm denn fehle? er wäre ja so mürrisch. »Was sollte mir wohl fehlen?« sagte Franz, »meine Sträuße sind weg.« Da antwortete ihm die Prinzessin: »Wenn es nur weiter nichts ist, so sei nur zufrieden; denn die Sträuße habe ich. Als du neulich hier warst, habe ich sie dir aus der Tasche genommen und nun will ich sie dir unter der Bedingung wieder geben, daß du mit mir zu meinem Vater gehst und uns einmal recht deine Kunst zeigst.« Dazu war Franz gleich bereit; die Prinzessin führte ihn zu ihrem Vater, dem König, und sagte: »Hier bringe ich dir den größten Kunstmaler in ganz Europa.« »Das will was sagen«, sagte der alte König, »denn laß ihn einmal seine Kunst zeigen.« Franz nahm nun seine Sträuße und bemalte den Tisch des Königs über und über mit einer Farbe, als wenn es lauter Demanten, Gold und Silber wäre. Der König erstaunte sich, beschenkte Franz reichlich und wollte ihn nach Hause schicken. Allein die königliche Prinzessin stellte ihrem Vater vor, daß sie den jungen Menschen noch heiraten möchte. Das wollte aber der König nicht; allein die Prinzessin sagte, wenn sie Franz nicht haben sollte, denn wollte sie gar keinen Mann haben. Da mußte der alte König einwilligen; Franz ward geholt und gefragt, er sagte nicht nein, und die Verlobung ward gefeiert. Da aber sprach der König zu Franz: »Mein Sohn, jetzt mußt du zusehn, daß du ein Schloß bekömmst; wie wirst du dazu Anstalt machen? du kannst doch nicht eher Hochzeit machen.« Franz antwortete: »Ich verlange weiter nichts von euch, als den großen Heideviert, vierhundert Morgen groß.« »Den sollst du haben«, sprach der König, »aber was weiter?« »Dafür laßt mich sorgen, lieber Vater«, sagte Franz.

Am andern Morgen ritt nun Franz in aller Frühe nach dem Holze zu dem hohlen Baum, den ihm die verzauberte Prinzessin angewiesen hatte. Da schlug er mit dem Stocke, den sie ihm gegeben, daran, und sogleich war sie bei ihm und fragte, was er wolle. »Ich soll mir ein Schloß bauen«, sagte Franz, »aber mir fehlt das Geld dazu.« Da gab die Prinzessin ihm einen kleinen Beutel mit Geld und sagte: »Lange nur hinein und gib aus, er wird nie leer werden.« Franz ritt darauf wieder zum König und sprach: »Jetzt habe ich Geld, nun wollen wir bauen.« Aber der alte König antwortete: »Mein guter Sohn, das schlägt nicht viel an, um ein Schloß zu bauen; dazu gehören andere Summen.« Franz aber sagte: »Ich glaube, daß es ausreicht, und daß in diesem Beutel mehr Geld ist, als in eurer ganzen Schatzkammer.« Nun ließ der König das Geld zählen und Franz sein Geldbeutel ward gar nicht leer; je länger sie zählten, je mehr war darin. Da mußte der König gestehen, daß sein Schwiegersohn reicher wäre als er, und nun ging der Bau des Schlosses vor sich und es ward ein Gebäude, schöner und prächtiger, als irgend eins in der Welt.

Als das Schloß nun fertig war, lud Franz seinen Schwiegervater und seine Braut zu sich und zeigte ihnen alles. Sie waren ganz erstaunt über all die Pracht und den Glanz, aber der alte König sprach: »Es ist hier alles wohl herrlich und prächtig genug; aber mein Sohn, mir ist bange, daß wir bald von Krieg bedrängt werden. Eher kann doch aus der Hochzeit nichts werden.« Der alte König ward ganz bekümmert und traurig; seine Ahnung trog ihn nicht, denn nach wenigen Tagen ließen mächtige Feinde den Krieg ansagen. Aber Franz war gutes Muts und sprach: »Wir haben uns nicht zu fürchten, wenn wir auch ungerüstet sind und nicht so zahlreich wie unsere Feinde; laßt mich nur sorgen, lieber Vater, ich will schon fertig werden.« Er ritt darauf wieder in das Holz, klopfte an den hohlen Baum und da die Prinzessin von Rußland sogleich erschien, sprach er: »Nun bin ich wieder in Not, unser Land ist mit Krieg überzogen, zu klein ist die Zahl unserer Leute gegen die Feinde; ich bitte dich, wenn du kannst, so hilf mir auch jetzt.« Da gab die Prinzessin ihm ein Schwert und sprach: »Wenn du damit an einen Baum schlägst, so werden die Soldaten scharweise herausmarschieren, so viele, als du nur brauchst.«

Als Franz nun wieder zum König kam, hatte der die ganze Mannschaft des Landes aufbieten lassen, und waren da Alte und Junge, Arme und Reiche, Krüppel und Gesunde, Verheiratete und Unverheiratete und lagen alle zum Abmarsch bereit. Aber Franz fragte: »Was sollen all die Leute?« Der König antwortete: »Ich meine, wir haben noch lange nicht genug.« Franz aber sagte: »Wir haben schon viel zu viel, lieber Vater, laßt nur alle die, denen Frau und Kinder nachgeweint haben, nach Hause gehen, und auch die Armen und die Alten und die Krüppel wollen wir hier lassen.« Der König wollte das nicht zugeben, aber Franz sagte: »Weder können noch mögen diese kämpfen; laßt mich nur sorgen, wir wollen schon dem Feinde über werden.«

Nun brach das Heer auf, und nachdem sie eine Zeit lang marschiert hatten, begegneten ihnen die Feinde. Deren waren so viele, daß man, soweit das Auge reichte, nichts als Soldaten und Soldaten sehen konnte. Das ganze Feld blitzte und funkelte von Waffen und die Luft erscholl von kriegerischer Musik. »Nun«, sagte Franz, »wird es Zeit, daß wir auch Anstalt machen und mehr Soldaten holen.« »Wo sollen die wohl herkommen?« fragte der König. Franz antwortete: »Geht nur ein wenig bei Seite, lieber Vater; sie sollen gleich aufmarschieren. Wieviel gebrauchen wir wohl?« Der König meinte, daß er scherze, und wollte es nicht glauben. Aber Franz rief: »Geht nur bei Seite, damit meine Soldaten euch nicht unter die Füße nehmen«, und nun schlug er mit dem Schwerte an eine Eiche und sogleich kamen die Regimenter herausmarschiert, erst sechs Regiment zu Fuß, dann acht Regiment zu Pferde, dann zehn Regiment mit schweren Geschützen. Nun ging die Schlacht an; aber als die Feinde nicht gleich weichen wollten, schlug Franz nur wieder an den Baum; da kamen noch zwölf Regimenter heraus. Da wollte der Feind die Flucht nehmen, aber er ward von Franz seinen Soldaten bis auf den letzten Mann vernichtet. Nun hatte der alte König nichts mehr dawider, daß die Hochzeit gefeiert ward, sondern er freute sich vielmehr, einen solchen Schwiegersohn an Franz zu bekommen. Da ward nun die Hochzeit angerichtet und mit großer Pracht und Herrlichkeit begangen, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben die jungen Leute noch heute; soviel kann man sagen, daß sie allezeit glücklich waren und die Prinzessin nicht mit Franz betrogen war.

Aus Frestede in Dithmarschen. Es wird das Märchen mit dem Grefensberg zwischen dem Dorf und Quickborn und anderen Lokalitäten ziemlich unsicher in Verbindung gebracht. Ihm entspricht das unvollständigere dänische Märchen bei Winther Eventyr. S. 31 und das norwegische bei Moe und Asbiörnsen Nr. 14. Unvollständiger auch bei Grimm, K.- M. Nr. 136.

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606. Vom Bauersohn, der König ward.

Wisser 44. Heim. 10, 247. Zum Schluß vgl. Heim. 11, 39. 41. 12, 191 (friesisch).

En Buer seet up sinen Hoff, he weer en rike un anseenlike Mann un harr dree Sœns, de all dree grote un düchtige Jungens weren. As de nu to Johren kemen, sä de olle Buer: »Nu will ik gi nich länger bi mi hebben, gaat nu ut in de Welt un seet to, wo gi afblievt; de van gi sall na min Aflêwen den Hoff hebben, de mi de beste Fru int Huus bringt.« Nu güngen de twee öldsten hen in dat neegste Dörp un befrien sik mit de smucksten un wackersten Buerdeerns, de in dat Dörp weren un damit kemen se werrer to Huus to êren Batter. Awerst de jüngste Buersœn, de Hans heet un den se tosnackt (zugeredet) harrn, dat he alleen sinen Weg maken sull, de tröck nu wied weg dorch grote Woolde. As dat awerst Nacht warren sull, keem he vör en Huus, da stünn en olle Hex in de Dœr un de bed he, wat he nich de Nacht bi êr slapen kunn. Da sä de olle Hex: »Ja, un wenn du mien olle Witt (mein altes weißes Pferd) fodern wullt, so vêl, dat êr dat Foder bet an den Buuk geit Daß sie bis an den Bauch in Futter, Heu und Stroh, stand., un wenn du mi den Kachelawen hitt maken wullt, so hitt, dat ik da graad noch up sitten kann, so sast du so lang bi mi bliwen as du sülwen wullt.« Da sä Hans nich nä to un güng mit de olle Hex na dat Huus herin, foder de olle Witt, de up de Dêl anbunnen stünn, dat êr dat Foder bet an den Buuk güng un bött (heizte) den Kachelawen so hitt, dat se da graad up sitten kunn; darna kreeg he wat to êten un to drinken un würr up den Bœn (Boden) wiest to slapen. He leggt sik daal un slöppt geruhig in un denkt, hier bi de Olsch is dat ganz good, hier mutt ik eerst man en Tied lank bliwen.

Nu weren up den Bœn dree Finster. Morgens as de Sünn upgüng, waak Hans up; da sprüngen de dree Finster apen un in dat eerste Finster keem en lütte bunte Vagel un sing:

Ik weet mal wat, wat du nich weest.
»Wat weest du denn?«
Ik weet enen Künnig riek;
De Künnig hett en graten Sood (Brunnen),
He hett keen Water in sinen Hoff.
»Wo is dat denn to finden?«

Da sä de lütte Vagel: »In den Sood da liggt dree Kisten mit rodes Golt in versenkt: wenn ener nu so klook is un treckt de Kisten herut, so hett de Künnig dat klarste Water.« Da keem in dat twete Finster en anner lütte Vagel un süng:

Ik weet mal wat, wat du nich weest.
»Wat weest du denn?«
Ik weet enen Künnig riek,
De hett en lütt Bömeken leef;
De Boom dat is en Pappelboom,
De Boom de will nich wassen.
»Wo is dat denn to maken?«

Da sä dat lütte Vœgelken: »Ener mütt den Pappelboom utriten; da wart he finden in de Eer ünner de Boom twee grote Eddelsteen, dato en gülden Book. De mütt he wegnemen, darna ward de Pappelboom wassen.« Nu keem ok in dat drürre Finster en lütte Vagel flagen un süng:

Ik weet mal wat, wat du nich weest.
»Wat weest du denn?«
Ik weet enen Künnig riek,
De Künnig hett en Dochter leef,
De Dochter is de schönste Fru,
Blind is se nu
Un kann nich seen.

»Wo kann êr denn holpen warrn?« seggt Hans. Da sä de lütte Vagel: »Ener mütt êr dat eerste Blatt gêwen, dat ut den Pappelboom utbrickt, den de Künnig hett, un he mütt êr in de Ogen seen den helen Dag un de hele Nacht; denn ward de Künnigsdochter werrer gesund warrn.«

As nu de Vagels wegflagen weren, stünn Hans up un güng hendal to de olle Hex un böd êr goden Morgen. »Goden Morgen«, sä se, »hest du nicks drömt?« »Ja«, sä he, »da hebbt dree Vagels bi mi west, de vertellen mi van en Künnig, de harr en Sood un keen Water up sinen Hoff, un he harr en Pappelboom, awers de Pappelboom wull nich wassen, un he harr en Dochter, awer de Dochter de weer blind un kunn nich seen.« Da leet de olle Hex em stracks de ool Witt sadeln un tümen un sett em darup un sä: »Nu ried los un doo allens, so as di heten is.«

De vol Witt güng nu mit em dörch den Woold jümmer liek ut, bet he keem in den Künnig sinen Hoff; da leet he sik annêmen as en Kœkenjung. As da nu tokaakt warrn sull, sä de Koeksch to em: »Spann nu dien ool Witt vörn Waterwagen un haal uns Water.« Da müß he wiet weg sören dat Water to halen. So dêd he ok den tweten un den drürren Dag. As he da awer werrer keem, sä he to de Kœksch: »Worüm mütt ik doch dat Water so wide Wêge hêr halen? un hier hett de Künnig den schönsten Sood in sinen Hoff.« De Kœksch sä, dat de Sood wol in vörrige Tiden dat allerklorste Water in alle Lande hatt harr, he harr nu awer keen Water meer. Da sä Hans: »Da wüß ik wol Raat för.«

Da würr nu den Künnig anseggt, dat de lütt Kœkenjung för sinen Sood Raat wüß. He leet den Kœkenjung vör sik kamen un froog em, wat he den Sood rein maken un da klores Water in schaffen kunn? wenn he dat to Stande bringen wull, sull he em de angenêmste van alle Minschen sien. Hans sä den Künnig dat to, dat de dat wol doon wull, wenn de Künnig versprêken wull, em allens to gêwen, wat he ut den Sood heruttröck. Dat versprök em de Künnig un lach. Hans awer steeg nu in den Sood dal un tröck da dree sware Kisten herut; da weer da dat klorste reinste Water in den Sood. De Kisten weren awer vul luder rodes Guld, un Hans weer nu de allerriekste Mann bi den Künnig un würr sinen Kammerherr.

Nu güng de Künnig alle Dage in sinen Görden spatzeren, da harr he en Pappelboom, den harr he so leef; da see he alle Dage na. Awer de Pappelboom wull nich wassen un sett keen Bläder an, un dat weer doch all Summerdag. Da œwer würr de Künnig ganz bedröft. Eenmal güng Hans nu mit em in sinen Görden spatzeren; as se bi den Pappelboom kemen, stünn de Künnig dabi still un ween. Da sä Hans: »Herr Künnig, ik will em den Boom noch wassen maken, wenn he mi allens gêwen will, wat ik bi den Boom in de Eer finn.« Da sä de Künnig: »Ja, du sallst allens hebben un du sallst mi fördan de leefste up Eerden sien.« Nu reet Hans den Boom ut de Eer un da legen richtig mank de Wörteln twee grote Eddelsteen un dat gülden Book. Hans sett den Boom werrer in un de füng an to driwen, dat et en Lust antoseen weer. De Stene awer steek he in sine Tasch un van Stund an würr he so klook un so wise as noch nümmer keen Minsch up Eerden wêsen is, un he kunn nu all de geheime Geschrift lêsen, de in dat gülden Book stünn. De Künnig kreeg nu ook bald Kundschaft van sinen kloren Verstand un sine grote Wiesheet; da mök he em to sinen vörnêmsten Raatgêwer un sä em all sine Heimlichkeet.

Up enen Dag da verteil em de Künnig nu ok sine gröttste Noot, dat he man ene Dochter harr, de weer em so leef as sin egen Lêwen, awer nu all so vêle Johre blind, un harr alle Meister êre Kunst dabi umsünst sin müst. Da sä Hans: »Herr Künnig, ik getrue mi wol, se em werrer gesund to maken, wenn he mi tweerlei verlöwen wull: eerstlik, dat ik van den schönen Pappelboom de besten Blöder afplücken kann, de toeerst utbrêken, un tom tweten, dat ik veer un twintig Stunden mit sien Dochter alleen sien kann.« Da sä de Künnig up: »Dat gêwe ik to mit Freuden.« Hans brök nu de eersten Utschüß van den Pappelboom ut, damit güng he to de Prinzessin un slöt de Doer achter sik af. Nu legg he de Bläder van den schönen Boom êr up de beden Ogen, da dêd se êre Ogen up. Darna see he êr so lang in de Ogen, bet se sine Ogenstêren blinken seen kunn, un darna so lang bet se sin Gesicht seen kunn, un darna werrer so lang, bet se em sülwen seen kunn, un darna allens wat se süst noch seen wull. Un em wull nu bedünken, dat he noch nümmer so schön ene Fru seen harr, un de Künnigsdochter weer nu ook ganz verleeft in em.

As de Künnigsdochter nu werrer seen kunn, sä de Künnig, dat se nu ok en Mann hebben sull. Denn de Künnig harr kenen Sœn un he wull hebben, dat sin Dochtermann dat ganze Riek na sinen Dood to stüern hebben sull. So sä nu sine Dochter, da se kenen annern Mann hebben wull, as den, de se gesund maakt harr. Da leet de Künnig grote Hochtied anrichten un Hans de Prinzessin antruen. Un nich lang darna bleef de olle Künnig dood un Hans weer nu Künnig. Da sä he: »Nu ward dat Tied, dat ik werrer to minen Vatter kaam.« He leet nu sine Fru vörutreisen un leet bi sinen Vatter seggen, he sull en groot Gastmaal törichten laten, de Künnig sülwen würr bald nakamen. As de Buer un sine beiden öldsten Sœns dat hören, leten se de Fru Künnigin wol beweerten un noch en grotes un herrlikes Gastmaal törichten. Hans awer reis' allene na. He keem werrer to de olle Hex in den groten Woold, de bêd he, dat se sik up en olle Schuufkaar setten sull, un so föer he se hen na sinen Vatter sinen Hoff. As he nu bi sinen Vatter ankeem mit de olle Hex up de Kaar, da sä he, dat weer sien Fru; da weer da en groot Gelächter œwer em, un sine Bröder dachen, se harrn doch betere Fruen to Huus kröcht un de Buerhoff weer nu êr. Hans stell sik an as en Narr un harr se alle för Narren. As se nu to Disch gaan sullen, sett he sik bi de Künnigin daal; da sä sien Vatter to em: »Ga du annerswêgen hen sitten, du dummdristige Jung!« un slög na em mit den Kœkensleef. Da awer slög Hans sinen Arm üm de Künnigin êren Hals un se sä nu: »Sull de nich bi de Künnigin sitten, de êr rechte Herr un Ehgemaal is?« Da kunnen de annern wol seen, dat Hans de Künnig sien muß, un weren ganz vergnügt, sien Vatter awer sä, dat he em nu den Hoff ok tosprêken müß, denn he harr de schönste un beste Fru int Huus bröcht. Da sä Hans: »Dat is ok wol recht, awer wilen ik nu Künnig bin, will ik den Hoff mine Bröder schenken.«

Aus Kurburg am Dannewerk durch Kandidat Arndt. Siehe Grimms Hausmärchen Nr. 29.

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607. Der faule Hans.

Wisser S. 1. 192. Bolte 1, 487. Kind angewünscht: Wisser 193. Heim. 10, 207.

Es war einmal ein Junge, der hieß Hans; der war so faul, daß wenn ihm eine Fliege auf der Nase saß, er die Hand nicht rühren mochte, um sie wegzujagen, und hätte er auch zehn Taler damit verdienen können. Einmal sollte er seiner Mutter Wasser holen; da aber war ihm der Weg zu weit und der Eimer war ihm allzu schwer, um ihn so weit zu tragen. Da sagte seine Mutter: »So nimm die Schiebkarre und fahr ihn hin.« Hans nahm eine Schiebkarre und fuhr mit dem Eimer zum Brunnen. Als er nun bei des Königs Schloß vorüber kam, stand da die Prinzessin am offenen Fenster und schaute auf die Straße, und sie sah auch den faulen Hans mit dem Eimer auf der Schiebkarre. Da mußte sie gewaltig lachen und lachte so laut, daß Hans und alle Leute unten auf der Straße es hörten. Hans ward ärgerlich und dachte, könnte ich dir doch einmal was wünschen!

Als er nun zum Brunnen kam, so lief da ein kleines allerliebstes Goldfischchen heraus; Hans wollte es mit nach Hause nehmen. Aber das Goldfischchen hub an zu sprechen und bat so viel, er möchte es doch wieder laufen lassen, er könnte sich auch dafür wünschen, was er wollte. »So wünsche ich, daß die Prinzessin noch vor Abend einen kleinen Jungen kriegt«, sagte Hans, und ließ den Goldfisch wieder laufen. Als nun der Abend kam, so hatte die Prinzessin auf dem Schlosse einen kleinen Jungen und niemand wußte, wer der Vater wäre. Da wollte aber der König doch, daß seine Tochter den Mann bekäme, der der rechte Vater sei. Darum ließ er überall in seinem Reiche ein Gebot ausgehen, daß alle Männer aus dem ganzen Lande sich an seinem Hose versammelten. Und als nun der bestimmte Tag kam, gab die Prinzessin ihrem kleinen Jungen einen goldenen Apfel in die Hand und stellte ihn mitten in den großen Saal, und der sollte sein Vater und ihr Gemahl sein, wem von den Männern er den goldenen Apfel geben würde. Nun kamen zuerst all die Fürsten und die Herzöge und die Grafen herein, darauf auch alle Edelleute und alle andern Herren des Landes, aber das Büblein blieb unbeweglich und reichte keinem den Apfel. Darauf kamen nun die Minister und alle Diener und Beamte des Königs von den Höchsten bis auf die Nachtwächter; aber das Büblein rührte sich nicht. Darauf mußten auch die geistlichen Herren und die Kaufleute und die Bauern und die Handwerker und die Tagelöhner, die Dienstknechte und alle bis auf den Schinder herein in den Saal und gingen an dem Jungen vorüber; aber der rührte sich nicht. Als sie aber alle vorübergegangen waren und der König glaubte nicht anders, als daß alle Männer aus seinem Lande dagewesen wären, so kam noch Hans in den Saal gestolpert, den hatte seine Mutter mit Gewalt hinaustreiben müssen; aber kaum sah ihn das Büblein, so lief es auf ihn zu und reichte ihm den goldenen Apfel. Da ließ der König eine große Hochzeit anrichten und Hans mußte die Prinzessin heiraten, und sie hatte zum letzten Mal über ihren eignen Mann gelacht.

Durch Storm aus Husum.

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608. Das Märchen vom Kupferberg, Silberberg und Goldberg.

Zum Anfang vgl. Wisser 14 ff. – Hasen hüten: Wisser 142. – Zauberstock: zu Nr. 599. – Kraft verleihender Trunk: Nr. 609 (S. 456). Wat Grotm. vert. 3, 19. – Zunge des Erschlagenen als Beleg: Nr. 609 (S. 456). 614 (S. 470 ff.) Wisser S. 5. 205. – Drache mit 3, 6, 9 Köpfen: Wisser S. 5 ff. – Zum Vers am Schluß: Nieders. 17, 259 (aus Schwienhusen bei Delve). – Zur Anm. vgl. zu Nr. 627. Bolte 3, 111.

Da weer mal en König; de König harr en Dochter un de Dochter schull en Mann hebben. Do leet de König dörch sien ganz Land bekannt maken, dat wenn dar een weer, de dree Daag sien nêgen Hasen höden kunn un nösten uk dree Daag mitten Papen So ward erzählt und der Erzähler leugnete, daß es Drake (Drache) heiße. fechten wull, de schull sien Dochter hebben; kunn he dat awer nich, schull em de Hand afhaut un he lebendig in Öl kaakt warrn. Nu weer da uk en Buer, de harr dree Sœns un de jüngst' heet Dummhans, wiel he so dumm weer. As de Sœns dat nu hören, wat da de König harr bekannt maken laten, do sä de Öldst to sinen Vader: »Vader, laat mi man hen, ik will den König dree Daag de Hasen höden un dree Daag mit den Papen fechten un de Prinzessin to Fru hebben.« De Vader wull dat ganz nich hebben un sä nä; awer de Jung leet ganz ni na to bêden, un de Vader muß opletzt ja seggen un em Verlöf gêwen. Do kriggt he denn en Aschpannkoken un en Buttel mit Water mit op de Reis un güng fort. As he nu en Enden gaan harr, kummt em en olen Mann in de Möt (begegnet ihm) un dat weer de lewe Gott. De fraagt em, warum he so trurig is un wo he hen will. Do will de Jung em nicks seggen, un sä, he kunn em doch ni helpen. De Jung gung wider, kummt bi den König an un meldt sik: »Guden Dag, Herr König«; »guten Dag, mein Sohn, willst du mir meine Hasen hüten?« fraagt em de König. »Ja«, sä he. Do worden de Hasen utlaten un weren in den Ogenblick ut enanner staben, as wenn de Wind se wegweit harr. Do word em eerst de Hand afhaut un he denn lebendig in Öl kaakt.

Nu wull de twete Sven to Wêg. Awer de Vader wull dat ganz nich togêwen, wiel sinen öldsten Sœn dat so gaan weer. De Jung leet awer nich eer Rau (Ruhe), bet de Ole em Verlöf gifft; do kriggt he uk en Aschpannkoken un en Buttel Water mit. As he nu en Enden henkummt, bemött em de ole Mann wedder un froog, wat he so trurig weer un wo he hen wull. De Jung wull em uk nicks seggen, he kunn em doch nicks helpen. He kummt nu bi den König an: »Guden Dag, Herr König«, sä he. De König fraagt em: »Guten Tag, mein Sohn, willst du auch die Hasen hüten?« »Ja, dat wull ik noch«, antwoort he em; as do awer de Hasen utlaten worden, weren se uk in den Ogenblick weg un dat gung em êbenso as sinen Broder: em word eerst de Hand afhaut, un darop word he lebendig in Öl kaakt.

Nu wull Dummhans uk hin. Awer de Vader sä, dat he ja de letzte weer vun sien Bröder, he kunn em nich missen, he schull to Huus bliwen? wo de Kloken nich dörchkamen weren, da schull he sien Daag nich dörchkamen. Dummhans awer wull sik nich holen laten un güng loos; he kriggt uk en Aschpannkoken un en Buttel Water mit. As em nu op den Weg de ole Mann bemött un em froog, wat he so trurig weer, do antwoort he em un sä: »Mien beiden Bröder hebbt den König all (schon) de Hasen höden wullt, de sünd awer all beid unglücklich wêsen; nu will ik uk hen, ik weet dat awers ganz nich antofangen.« Do sä de ole Mann: »Wenn du mi mal satt êten un drinken laten wullt, so will ik di en Raat gêwen.« Do seggt Hans: »Wenn du mien Kost man magst, so kumm hêr«; un he gifft den olen Mann vun den Aschpannkoken to êten un ut den Buttel Water to drinken. As de ole Mann nu satt is, do gifft he Hans en lüttjen witten Stock; wenn he dar op enen Enden op fleut, so sünd de Hasen wied weg, fleut he awers op den annern, sünd se all neeg bi. Un he seggt em uk noch: »Wenn du nu mit de Hasen unnerwêgens büst, so kummst du op enen Barg, un wenn du da büst, so kummt de Ries, den de Barg hört, herut un fraagt: »Jung, wat wullt du hier op minen Barg?« Denn mustu antwoorten: »Gott, ik weer güstern op sinen Broder sinen Barg un de hett mi nicks seggt«; un denn seggt de Ries: »Ja denn kumm hêr un see mi en bêten op den Kopp to.« Denn mustu doon wat he seggt; wenn awer de Ries inslöppt, so mustu em mit den lütten Stock in de Dünn (die Tinne, die Schläfe) slagen, so is de Ries dood. Denn mustu em allens afnêmen. Un so schall di dat jeden Dag gaan.« Hans bedankt sik nu bi den olen Mann un gung sinen Weg.

Nu keem he bi den König an: »Dag, Herr König.« »Guten Tag. mein Sohn, willst du mir auch die Hasen hüten?« »Ja wull, Herr König, dat wull ik noch«, sä Hans. De Hasen worren utlaten; do fleut he op den enen Enden vun sien lütten Stock, do weren de Hasen œwer alle Bargen. Do fleut he op den annern Enden, do weren se alle negen neeg bi em. He dreef nu mit se loos un hött se, un keem bald op en hogen Barg. As he da nu op is, so kummt de Ries herut un seggt: »Jung, wat wullt du hier op minen Barg?« »Gott«, seggt Hans, »ik weer güstern op sin Broder sinen Barg un de hett mi nicks seggt.« Do sä de Nies: »Ja denn kumm hêr un see mi en bêten op den Kopp to.« Nu lê (legte) de Ries sik dal mitten Kopp in Hans sien Schoot, un Hans seeg em den en bêten na; he slöppt awers bald in. Do neem Hans sinen lütten witten Stock un sloog em damit in de Dünn; do weer de Ries dood. Nu visenteer he em allerwêgens de Taschen, un funn da en groten koppern Slœtel in; de Slœtel paß ganz akkeraat to den Barg. Hans sloot den Barg damit op un güng herin. Do hung da annen Bœn en groot koppern Swert un unner dat Swêrt hung en Buttel, da stunn op schrêwen:

Wer aus dieser Flasche trinkt,
Der kann mich schwingen wie der Wind.

Hans drunk nu eenmal ut den Buttel; do is em dat Swêrt noch so stief as en Brootmeß; he drinkt tom tweten Maal, do kunn he't all en lütt bêten rögen (bewegen); awer as he tom drütten Maal drunk, do kunn he't swingen wie de Wind. Nu wull Hans sik dat allens en bêten in den Barg beseen, do gung he in de Stuuv, do leeg da en Fru int Bett un sleep mit en lütt Kind innen Arm. De haut Hans glieks den Kopp af. Nu keem Hans in den Stall; do stunn da en sadelt Pêrd mit en koppern Sadel unnen koppern Toom un en Hund mit en koppern Halsband weer dabi. He gifft de beiden nu eerst wat to frêten un fodert se; nös slütt he den Barg achter sik to un drifft mit de Hasen nan König. Dat weer de eerste Dag.

As he nu 's Abends werrer na Huus keem, freu de ol' Vader sik œwer de Maten, dat em dat so guud gaan weer. Den annern Morgen kreeg Hans wedder sien Aschpannkoken un sien Buttel Water mit un gung loos. Do bemött em de ole Mann wedder un froog, wo em dat gaan weer. »Och ganz schön«, sä Hans un vertell em allens, un geef em wedder vun den Aschpannkoken af to êten un ut den Buttel Water to drinken. Do sä de ole Mann, dat he dat vun Daag (heute) man êbenso maken schull, un wenn he op den tweten Barg keem, keem da wedder en Ries herut un sä: »Jung, wat wullt du hier op minen Barg?« Denn mustu seggen: »Gott, ik weer güstern op sin Broder sinen Barg un de hett mi nicks seggt.« Denn seggt de Ries: »Denn kumm hêr un see mi en bêten op den Kopp na.« So mustu em dood slagen un em allens afnêmen.« Hans gung nu wedder ton König: »Dag, Herr König!« »Guten Tag, mein Sohn, willst du mir wieder die Hasen hüten?« »Ja wull, Herr König«, seggt he. Do worren de Hasen utlaten: Hans sleut op den enen Enden, do weren de Hasen œwer alle Bargen; Hans sleut op den annern, do weren se all neeg bi em. Nu keem he den Dag op den tweten Barg; do kummt da de Ries herut: »Jung, wat wullt du op minen Barg?« »Gott«, seggt Hans, »güstern weer ik op sinen Broder sinen Barg un de hett mi nicks seggt.« »Ja denn kumm hêr un see mi en bêten op den Kopp na«, sä de Ries. As nu de Ries mit den Kopp in Hans sinen Schoot leeg un insleep, sloog he em mit den Stock in de Dünn, do weer de Ries dood. Nu söch he em in de Taschen na un funn en groten sülwern Slœtel, de paß uk to den Barg. Hans sloot den Barg op un gung herin, do hangt da annen Boen en groot sülwern Swert un darunner en Buttel, darop stunn schrêwen:

Wer aus dieser Flasche trinkt,
Der kann mich schwingen wie der Wind.

Hans drunk eenmal, do weer dat Swêrt so stief assen Brootmeß: he drunk tom tweten Maal, do kunn he't en lütt bêten rögen; he drunk tom drütten Maal, do kunn he't swingen wie de Wind. Hans gung nu in de Stuuv, do leeg da en Fru int Bett un harr twee Kinner in den Arm un slöppt: Hans haut se den Kopp af. Nu kummt he in den Stall: so steit da en Pêrd mitten sülwern Sadel un en sülwern Tom un en Hund mit en sülwern Halsband liggt dabi. Do gifft he se erst wat to frêten, slütt den Barg to un drifft na Huus. He geit awer noch eerst in den Kopperbarg vör un fodert da uk sien Pêrd mit den koppern Sadel un den Hund mit dat koppern Halsband un bringt denn den König sien Hasen wedder hen. As he s'Abends nu na Huus kummt, ward sien Vader noch vêl vergnügter un lœft em, dat he so'n kloken Jungen is. Dat weer de twete Dag.

Den drütten Dag kreeg he wedder sien Aschpannkoken un sien Buttel mit Water mit. De ole Mann bemött em wedder un Hans verteilt em allens. He gifft em vun den Aschpannkoken af un ut den Buttel Water to drinken, da seggt de ole Mann, dat he op den drütten Barg en Risen finden schall, denn he uk dood slagen mutt. Hans gung nu tom König un de Hasen worren utlaten; he hött se den Dag wedder un keem nu op den drütten Barg. Da kummt de Ries herut un sä: »Jung, wat wullt du op minen Barg?« »Gott«, sä Hans, »ik weer güstern op sinen Broder sinen Barg un de hett mi nicks seggt.« Do sä de Ries: »Ja denn kumm hêr un see mi en bêten op den Kopp to.« Do muß Hans em op den Kopp toseen un as de Ries insleep, sloog he em mit sinen Stock dood. Do funn he in den Risen sien Tasch en groten golden Slœtel to den Barg. Hans sloot den Barg apen un funn da en golden Swêrt mit en Buttel darunner, darop schrêwen stunn:

Wer aus dieser Flasche trinkt,
Der kann mich schwingen wie der Wind.

Da drunk Hans nu dreemal ut, dat eerste Mal weer em dat Swêrt noch stief as en Brootmeß, dat twete Maal kunn he't en lütt bêten rögen, dat drütte Maal kunn he't swingen wie de Wind. Nu gung he in de Stuuv, da sleep da en Fru mit dree Kinner! de hau Hans den Kopp af. In den Stall stunn en opsadelt Pêrd, dat harr en golden Sadel un en golden Toom un de Hund harr en golden Halsband. Do gifft he se wät to frêten un slütt den Barg to; nöst geit he eerst noch in den Sülwerbarg, do uk in den Kopperbarg voer un fodert da sien Pêr un sien Hunnen; denn drifft he to den König. As de em nu mit de Hasen ankamen süht, seggt he: »Ja, mein Sohn, jetzt bist du hiermit fertig, aber du mußt nun auch noch drei Tage mit dem Papen fechten. Jeden Tag mußt du mir eine Zunge bringen, und die Zunge muß immer ganz genau passen.« Dat weer nu de drütte Dag.

Den annern Morgen haal Hans sik nu ut den Kopperbarg dat Pêrd mit den koppern Sadel un den koppern Toom, un den Hund mit dat koppern Halsband; dat koppern Swêrt harr he an de Siet hangen. Damit ree he los un nu keem de Paap mit dree Kopp op em to. Hans trock sien Swêrt un in enen Slag harr he alle Köpp herunner. Doch söch he sik den rechten Kopp ut un snee de Tung ut un bröch se na den König.

Den tweten Dag gung Hans wedder hen un neem sik ut den Sülwerbarg dat Pêrd mit dat sülwern Geschirr un den Hund mit dat sülwern Halsband; an sien ene Hand harr he dat Pêrd und den Hund ut den Kopperbarg un op beide Siden harr he een Swêrt. As em nu de Paap bemött, so hett he süß Köpp. Do haut em Hans eerst mit dat kuppern Swêrt dree af in enen Slag, un darop mit dat sülwern Swxrt de annern dree Köpp. Denn süht he wedder to, dat he de rechte Tung kriggt, de passen deit, un schnitt se ut un bringt se na den König.

Den drütten Dag geit he na den Goldbarg. Do sett he sik op dat Pêrd mit den golden Sadel un den golden Toom un nimmt den Hund mit dat golden Halsband mit sik; to beiden Siden awer hett he de annern Pêr gaan ut den Sülwerbarg un Kopperbarg, un alle dree Swêrter harr he sik umbunden. Do keem de Paap un harr nêgen Köpp. Nu nimmt Hans eerst dat koppern Swêrt un haut em dree hendal, un denn nimmt he dat sülwern Swêrt un haut de annern dree af, un opletzt nimmt he dat golden Swêrt un haut de letzten dree weg. Do seeg he wedder to, dat he den richtigen Kopp kreeg un de Tung paß; un denn ree he tom König un meldt em, dat de Paap nu dood weer, un hier weer de letzte Tung. Do word de König ganz vergnügt un Hans muß mit sien Dochter Hochtied gêwen.

Un dat weer en Fest!
Weerst du da ok mit west!
Da kreeg ik en lütte Muus,
Da reed ik op na Huus,
Da trock ik se in den Stall
Nu is mien Vertellen all.

Aus Meldorf. – Man erzählt auch die Geschichte vom Dummhans mit seinen verschiedenen Pferden in Verbindung mit dem bekannten Märchen vom Ritt auf den Glasberg um eine schöne Königstochter. Hans gibt sich nie zu erkennen, bis später die Prinzessin mit einem andern Hochzeit geben will. Da dient er als Küchenjunge am Hofe; bei der Tafel begießt er absichtlich die Prinzessin, der König will ihn bestrafen lassen, da schlägt Dummhans seine schlechten Kleider zurück und erscheint in seiner goldenen Rüstung. Man vergleiche Grimm, Kindermärchen Nr. 165. (Vom Schiff zu Wasser und zu Lande gibt's hier ein besonderes Märchen.) Bechstein, Märchenbuch S. 128.

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609. Hans mit de isern Stang.

Einl. S. XVIl. Bolte 2, 302. Kürzer und mit starken Abweichungen Mitt. d. ndfr. Vereins 7, 87 f. (aus Schwabstedt). – Zum Ausreißen des Barts vgl. zu Nr. 64. – Zum Trunk: zu Nr. 608. Ausschneiden der Zungen: zu Nr. 608. Zu S. 457 vgl. Nr. 595 (Leiter).

En riek Künnig, de harr mal dree schöne Döchter; de harren jeder en gülden Klenod, mit grote Kunst maakt; de öllste harr en gulden Sünn, de tweet en gulden Steern, de drürre en gulden Maan. De dree Künnigsdöchter gingen alle Mirdag in êren Rosengorden mit êre Klenoden un gingen da spatzeeren. Da keemen enmal dree Risen un nemen de dree Künnigsdöchter mit sik weg, un förden se in êren Barg. As de Künnig se nu to Disch ropen leet, da weren se in den ganzen Gorden nich to finden; do würr de Künnig gor so bedrövt, dat he nich wüß, wo sine Döchter weren; un he leet dörch dat ganze Land utropen, wer em sine Döchter mit êre gülden Klenoden werrerbringen kunn, de sull sien Dochtermann warrn, un sull dat halwe Künnigriek hebben un na sinen Dood dat hele; de olle Künnig harr sine Döchter gor to leef Das dithmarsche Märchen sagt: Die Königstöchter waren noch nie in einem Walde gewesen. Endlich nach langem Bitten erhielten sie von ihrem Vater Erlaubnis dahin zu gehen. Da erschien ein verwünschter Esel und leitete sie in einen Berg; denn sie liefen immer hinter ihm her, weil sie so ein Tier noch nie gesehen hatten..

Nu weer da en Jung, de weer so stark as en Ries un würr heten de starke Hans un harr en isern Stang ton Spatzeerstock. Hans mitte isern Stang de hör ok darvan, wat de Künnig harr bekannt maken laten; da löp he sine Öllern weg. Nu keem he in en groten Woold, da reis he vêle Dage in; toletzt dröppt he dar en Mann, de weer dabi Steen to klöwen (zu spalten). Den birt he üm Gesellschaft un fraag em: »Wo heest du?« »Steenklöwer bün ik; wo ik heet, dat weet ik nich«, weer de Antwoort. »Wistu mit mi gaan?« fraag Hans mit de isern Stang; da sä de Steenklöwer mitten frischen Moot ja. Nu gingen de beiden wider mit enanner, ümmer wider in den Woold henin. Da fünnen se den tweten Dag enen Mann bi't Brettsagen; Hans mitte isern Stang fraag em: »Wo heest du?« »Brettsager bün ik; wo ik heet, dat weet ik nich.« »Wistu mit uns gaan?« De Brettsager besinnt sik nich lang un seggt ja mit enen frischen Moot. As de dree nu wider innen Woold henin kemen, da fünnen se den drürren Dag enen Mann bi't Holtklöwen. Hans mitte isern Stang fraag em: »Wo heest du?« Da antwoort he up: »Holtklöwer bün ik; wo ik heet, dat weet ik nich.« »Wistu mit uns gaan?« Da sä de Holtklöwer ok mit enen frischen Moot ja un se nemen em ok mit Nach einer andern Version ziehen ein Jäger, Schneider und Schuster aus; nach der dithmarschen ein Schneider, ein Schuster und ein Lohgerber..

Nu tröcken de veer noch lange dörch wilde Woolde un fünnen kene Hüser un lebindige Minschen. As dat nu Abend worren weer, un se nich wüssen, wo se de Nacht bliwen sulln, so steeg Hans mit de isern Stang up den högsten Boom, da see he en grotes Füer. He smeet sinen Hoot up dat Füer to, darna fünnen de annern den Weg, un se kemen da bald noog to en grotes Huus. Da weer awer rund üm dat Huus en grote Graben mit Füer; da kunnen se nich dörchkamen. Se gingen nu um den Graben, da fünnen se en isern Brügg, de föer da œwer in dat Huus. Se gingen nu in dat Huus, da weer da in de Dönschenstuuv (der Wohnstube) ok en groot Füer, awerst kene lebindige Seel; un dat weer doch allens so inricht, as waanden dar welke. Hans mitte iserne Stang un sine Kameraden leggen sik daal un slöpen dar de Nacht, den annern Morgen awer lotten se (loosten sie), wer in dat Huus bliwen sull un Êten kaken. Da dröp dat Lott den Steenklöwer; de annern güngen in den Woold un schöten Hasen. As de nu weg weren un de Steenklöwer weer darbi un kaak Êten, so keem dar en Musche Rotbart an vör de Dœr, de harr en langen flassen Bart, de güng em bet up de Been. He sä to den Steenklöwer: »Wat maakst du da?« De Steenklöwer antwoort em: »Ik kaak Êten.« »Ik will ok wat to êten hebben, giff hêr«, sä dat Unnerersch; da leet de Steenklöwer em in un geef em Reebraden. Awers dat Deert smeet em allens in de Asch, wat he tokaakt harr, un stülp den Kêtel int Füer um. Da wull de Steenklöwer em slaan; awers he keem da œwel bi weg, dat Deert neem en Füerholt un sloog em un leet em half dood liggen. As de annern nu to Huus kemen, weer dat Eten all anbrennt un vull Asch. Se frogen: »Wo hestu töricht?« De Steenklöwer leet sik awers nicks marken un neem de Utschell ruhig hen.

Den tweten Dag sull nu de Brettsager to Huus bliwen un Êten kaken. Da keem Musche Rotbart werrer vör de Dœr un sä: »Wat maakst du da?« »Ik kaak Êten«, sä de Brettsager. »Ik will ok wat hebben, giff hêr.« »Wenn du êten wist, fast du eerst mi Holt klöwen.« Dat dê de Musche Rotbart ok. As de Brettsager em nu in leet, da güng dat werrer so as den vörrigen Dag, dat Deert smeet allens herüm, stülp den Kêtel int Füer un slög den Brettsager half dood. De sweeg awers ok still da to, as de annern inkemen.

Den drütten Dag hött de Holtklöwer in un kaak to. Da keem Musche Rotbart werrer: »Wat maakst du da?« »Ik kaak Êten.« »Laat mi in, ik will ok wat hebben.« De Holtklöwer sä: »Wistu êten, sast du mi eerst Water drêgen.« Dat Unnerersch haal dat Water, as de Holtklöwer awers em in leet, smeet dat Deert werrer allens herüm, stülp den Kêtel int Füer un slög den Holtklöwer meist dood.

Nu keem de Reeg an Hans mit de isern Stang; de müß den veerten Dag to Huus bliwen. As de annern weg weren to Hasen scheten, keem Musche Rotbart un keek (kukte) dörch'n Splitt in de Dönschenstuuv: »Wat maakst du da?« »Ik kaak Êten«, seggt Hans. »Ik will ok wat hebben, giff hêr.« »Gliek«, antwoor em Hans, maak de Dœr apen un flog mit de isern Stang na em un klöw em den langen Bart fast. Da slög he dat Deert so lang, bet he sik den langen Bart utreet un weglöp. As de annern nu to Huus kemen, fünnen se dat Êten nich anbrennt: »Wo geit dat to? hett Musche Rotbart nich hier west?« »He hett wol hier west, ik heff em awer good todeckt«, seggt Hans, »he kümmt nich werrer.« Da wies he êr den langen Bart, den dat Deert em harr laten müst. Nu verteilen de annern ok allens, wat da mit se vörgaan weer. In dem ditmarscher Märchen prügelt der Kleine den Lohgerber und den Schuster durch, weil sie ihm nichts zu essen geben. Der Schneider reicht ihm etwas; als der Unterirdische aber sich dabei setzt und ißt, stülpt der Schneider eine Tonne über ihn. Da verrät er; wo die Prinzessinnen sind.

As se nu êten daan harren, da fünnen se de Bloodsporen, wo dat Ünnerersch weglopen weer. Da folgen se up na un kemen up en hogen Barg, da güng en grote Huul herin. Nu harr Hans sien Jagenett mit sik, da mök he sik Stricke van loos un de annern müssen em da an daal laten in de Huul. As he ünnen keem, da weer dat da stickendüster. Da fünn he toletzt en Heister van Vagel mit vêle bunte Ferrern, den fraag he; wat he de dree Künnigsdöchter nich seen harr. De Vagel sprickt to em: »Wenn du de dree Damen söchst, de kann ik di wol wisen. Wenn de Klock twolf is, Mirdags, da sastu hier dörch all de Stuwen gaan, da kummstu toletzt an en groten Saal, da liggen de dree Damen un slapen de dree Risen innen Arm. Wenn du nu an de Dœr kummst, so finnst du da en grotes isernes Schwêrt; dat kannstu nich bœren; so en grote Held du di ok dünken magst. Wenn du dat gode Wapenstück awers bruken wist, so mustu ut den Kumm (der Schale) drinken, de dabi steit, eenmal, tweemal, dreemal, un denn see to, wat du doon kannst.« Hans dê as em heten weer. Mirdaags Klock twols güng he dörch alle Stuwen, da keem he an den groten Saal, da hüng dat grote iserne Schwort da vör. He kunn awers dat Schwêrt nich bœren; da drünk he ut den Kumm tom eersten Maal, da kunn he dat Schwêrt al en lütt bêten rögen; he drünk tom tweten Maal, da kunn he dat Schwêrt all upbœren, he harr da awerst noch keen Macht in. He drünk tom drürren Maal, da kunn he dat Schwêrt upbœren un swingen un in de Luft smiten un kunn damit spêlen as mit en Ferrer. Nu mök he de Dœr ganz sachte up, da legen de dree Risen un slöpen un harren de dree Künnigsdöchter in Arm. Hans mit de isern Stang güng hen un slög den eersten den Kopp af, un denn den tweten, un toletzt den drürren, un eer de dree Künnigsdöchter noch upwaakt, harr he se ok alle dree de Tungen uten Hals snêden. Nu waken de dree Künnigsdöchter up: da würren se œwer de Maten fro un danken em davör, dat he se van de Risen erlöst harr, un de öllste geef em êr Klenod, de güldene Sünn, de twete geef em den güldenen Steern un de drürre den güldenen Maan. Ganz abweichend die andre Version: Hans findet im ersten Zimmer eine Dame mit einer goldenen Krone, die sitzt und weint und fragt ihn, ob er sie erlösen wolle. »Ich weiß noch nicht«, antwortet er. Ebenso im zweiten Zimmer. Die Dame hat ein goldenes Spinnrad. Im dritten Zimmer findet er die schönste mit einer goldenen Haspel. Da sagt er auf ihre Frage ja und findet im Fenster eine Flöte. Wie er darauf pfeift (woran die Dame ihn hindern will, weil es ihr verboten sei), so gukt Musche Rotbart durch die Tür, flieht aber sogleich, als er Hans gewahr wird. – Vgl. das unten angeführte Märchen bei Grimm. –

Nu güng de starke Hans mit de dree Künnigsdöchter werrer an dat depe Lock un wullen sik uptrecken laten. As he awers bi den Heister vörbi keem, sä de Vagel: »Nimm di in Acht, dat du nicht de letzte warst.« Awers de öllste van de dree Künnigsdöchter nick em ganz stündlich to un sette sik aan Ümstände gliek in den Korv un leet sik uptrecken. Darna keem de twete; de bood em ganz fründlich de Hand un leet sik ok uptrecken. Nu weer de jüngste alleen œwrig un dat weer de schönste. Da beed se em so vel, dat he dat nich œwert Hart bringen kunn, un he leet se eerst in den Korv stigen un uptrecken. As nu de Steenklöwer, de Brettsager un de Holtklöwer de dree schönen Prinzessinnen ant Licht harren, dat se se seen kunnen, säen se: »Wi wölkt sülwen de dree schönen Damens hebben; laat den Hans mit de iserne Stang bliwen, wo he is.« Se leten nu den Korv wol werrer daal un leten den Hans instigen, as se em awerst bi na herup harrn, leten se den Strick los, dat he daal füll; naast tröcken se mit de dree Künnigsdöchter hen to êren Vatter den Künnig. Nach der zweiten Version des Märchens berauben die drei die Königstöchter ihrer goldenen und seidenen Kleider und lassen sie dann laufen.

De starke Hans mit de iserne Stang leeg nu in Düstern in de depe Huul un wüß nich, wat he anfangen sull. Da keem werrer de bunte Heister van Vagel, den klaagt he sine Nood. »Ik heff di seggt«, sä de, »du sullst di in acht nemen, dat du nich de letzte würst; nu hest du dat so good. Awers da is wol noch Raat för, nimm du dat Schwêrt, dat du funnen hest, stêk dat dörch de Risen êr Hart un denn ga in den Gorden un sla, stêk un smiet na de Hasen, de da loopt, un wenn du hunnert hest, so kumm werrer.« Hans dêd as em seggt weer. He güng in den Saal, wo de doden Risen legen, steek dat Schwêrt dörch êr Hart un güng denn in den Gorden. Un dat weer so wunderbar mit dat Schwêrt, dat he kenen Slag doon kunn, ane dat en Haas dood blêwen weer Nach andern schießt der Jäger die Hasen.. Nu keem he mit de Hasen torügg an den Schacht, de weer grad hunnert Klafter deep. Da mütt he alle sine Hasen up den Vagel leggen un toletzt stiggt he sülwen mit up; da fangt de Vagel an uptoswêben un bi jeden Klafter smitt he enen Hasen daal, süst kann he nich upkamen. As se nu awers an den letzten Klafter kaamt, so hett Hans mit de isern Stang sik vertellt un hett man nêgen un nêgentig Hasen brächt; da kann de Vagel nich upkamen. Da awers grippt he üm un ritt den Hans mit de isern Stang en Stück ut de Lend un smitt dat daal; da kamt se herut. Nu leeg Hans da un weer en Krœpel worren un müß sien Leben lang humpeln gaan Nach der zweiten Version verirrt er sich jetzt und kommt zu einem Waldmenschen, wo er sich lange aufhält. – Nach dem dithmarschen Märchen trägt der Unterirdische den Schneider wieder hinauf.. Toletzt maakt he sik doch up un güng dörch den Wold up de Künnigsborg to. As he nu in de Neeg keem, da weer da grote Freud un Herrlichkeet, dat de Steenklöwer un de Brettsager un de Holtklöwer den Künnig sine dree Döchter werrer kröcht harren, un se sullen se frien, wenn de dree Künnigsdöchter eerst êre Klenoden werrer harren, de güldene Sünn, den güldenen Steern un den güldenen Maan. Dat weer awer so maakt, dat dat ganz unmœglich weer, dat de dree Künnigsdöchter sik befrien künnen, wenn se ere Klenodien nich harren. Da leet de König utsenden to alle Guldsmêde in alle Lande, da weer aber keen een, de dat ünnernêmen wull, de Smucksaken werrer to maken; so groot weer dat Kunststück dabi wesen. De Künnigsdöchter worren ganz bedröft da œwer.

Hans mit de isern Stang den keem dat nu ok to Oren. Do geit he hen to den besten Goldsmitt un gifft sik an as en Goldsmidsgesell, he kunn ok de kunstrike Arbeit doon, de de Künnig hebben wull, da weer awer vêl Kunststück bi un dato muß he sine Stuuv besonners hebben. De Mester worr ganz sro da œwer, neem Hans an as Gesell, gifft em en apartige Stuuv un schickt na de Prinzessin de Arbeit to verlangen. Hans harr ja de güldene Sünn un bruuk nich lang to arbeiden. Den eersten Dag würr de güldene Sünn to Hove bröcht, da säen de dree Prinzessinnen, de weer good, êben as se fröer west weer. Den tweten Dag würr de güldene Steern to Hove bröcht; da säen de dree Prinzessinnen, dat de ok good weer, êben so as fröer. Den drürren Dag keem de güldene Maan. As de Prinzessinnen seen, dat de ok so good weer, leten se den Mester fragen, wat he doch förn kunstriken Gesellen harr. De Mester sä, dat dat en fremden weer. Da schicken se werrer hen, de Gesell sull mal to Hove kamen, se wullen den kunstriken Mann ok geren sülwen seen. Da sä Hans: »Gaan do ik nich, de Künnig mütt mi sülwen enen Wagen schicken.« De Künnig schick gliek enen Wagen un wull Hans halen laten. Hans legg eerst sien isern Stang up den Wagen, da weer de Stang so swêr, dat de Wagen mirren van enanner klöw un to beiden Siden de halwe Wagen henfüll. Da säen de dree Künnigsdöchter: »Dat mütt Hans mit de iserne Stang wêsen un keen anner.« Se güngen nu sülwen hen, de Künnig güng ok mit, un se fragen em up wecke Ort he de kunstrike Arbeid so schön harr maken kunnt, dat allens werrer so worren weer, as dat olde. »Seer licht«, sä Hans, »wiel dat dat olde ok is; denn ik bün Hans mit de isern Stang«, un nu vertell he den Künnig de ganze Geschicht un tom Wohrteken wies he de dree Risentungen vör. Da sä de Künnig: »Denn sallst du mien Dochtermann warren; nu segg mi, wat ik mit den Steenklöwer, den Brettsager un den Holtklöwer anfangen sall.« Hans sä, de sullen sinetwêgen ungestraft sien, de Künnig awer leet se doch enen Kopp körter maken. Darna geef he den starken Hans sine jüngste Dochter in de Ee un da würr en grote Hochtied fiert, un da weer ik ok mit hen un kreeg enen mitten Kœkensleef, dat ik hier up den Lênstool flög, da bün ik sitten blêwen.

Aus Kurburg am Dannewerk durch Kandidat Arndt. Das Märchen hat merkwürdige Abweichungen von dem westfälischen bei Grimm, Kindermärchen Nr. 91. Die Anmerkungen dazu (Bd. III S. 166) geben noch andre Versionen vom Rhein, aus dem Hannoverschen, der Hanauischen Gegend usw. In die Reihe dieser Märchen gehört auch noch bei Grimm, Kindermärchen Nr. 166 und das lausitzische in Haupts Zeitschr. für deutsch. Altert. III, 358. Hier entspricht der Bergmann mit dem Hammer unserm starken Hans mit der eisernen Stange.

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610. Dummhans un de grote Ries.

Jb. f. Ldk. 3, 449. 10, 50. Zs. f. Vk. 22. 166 ff. Bolte 1, 151. überlisten des Riesen: Wisser 58 ff. 123 ff., vgl. auch Nr. 419. Zur vergeblichen Ermordung: Wisser 61. 125.

Vör vêle Johre weer in enen groten endlosen Woold en grote Ries, de weer so ungeslacht un harr en Hart vun Steen. Den Risen hör dat Holt to. Wenn nu Winterdags de armen Lüde kemen un wullen sik en bêten Sprock sammeln, so keem he gliek an un sä, he würr se as en Steen kört un kleen riwen, wenn se nich maken dat se fortkemen. Nu waan da ok en Buer in de Neeg, dat weer en starken Mann un de harr ok twee Sœns, de weren noch starker; darup verleet he sik. He harr awers noch enen drürren Sœn, van den sprök he sien Daag nich groot; dat güng to Huus ümmer Dummhans hier un Dummhans dar, de weer ok doch to gor nicks to gebruken! Nu weer dat mal en harden Winter un de Fürung wür all. Da güng de Buer in groter Noot na den Risen sinen Woold un wull sik Sprock söken. Da keem stracks de grote Kêrl an un froog: »Wat wullt du klene Eerdworm hier?« »Ik wull mi en bêten Sprock söken«, sä de Buer. Da sä de Ries up: »Faatst du enen Splitter an, so riew ik di as en Steen kört un kleen.« Da würr de Buer bang un leep weg; so beestig harr he sik em nich dacht.

As de Vader nu na Huus keem, ganz witt vör Schreck, da wull de öldste Sien dat mal versöken, wo sik mit den Risen sprêken leet. Dat güng em awer nich bêter as den Vader, he würr ok bang und leep weg. Da güng de twete Sœn hen, de kreeg noch weniger wat. Se weren alle bang vör dat kört un kleenriwen. Da sä Dummhans: »Wenn gi nich wöllt, so will ik hen.« Da säen sien beiden Brüder: »Wenn du klook weerst, güngst du to Bett bi de Kalwer, da dien Lager is.« Hans awer wull hin na den Risen un sä: »Wo gi nich dörchkaamt, do ik dat villicht.« Da wullen de Bröder em enen utwischen, awer de Vader sä: »Laat em, dat seggt he so in sien Dummheit!«

Hans güng weg un as he nu en Enden henkummt, so fünn he da annen Weg en Löwinkennest (Lerchennest) un de Löwink seet up de Eier. Hans neem den Löwink ganz lisen up, steek em in de Dasch: »Wer weet, wo dat good för is!« seggt he. Nu güng he werrer en ardige Streck, da finnt he da en Stück Kees, in Papier bedreit. He nimmt dat up un steek dat in de Dasch: »Wer weet, wo dat good för is!« seggt he un güng wider. Da fünn he da en olle Kohuut liggen: »Wer weet, wo dat good för is!« seggt he un binnt sik de Kohuut vör, dat se em bet an de Kneen güng. Nu keem he in den Woold. Da bemött em de grote Ries, de seggt: »Wat wullt du klene Eerdworm hier?« »Heff ik di all fraagt, du grote Ries?« »Du büst en driste Jung, ik will mi en Dracht Füerholt halen«, seggt de Ries. »Dat will ik ok«, seggt Hans. »Hör mal«, antwoort em da de Ries, »du Klene, nu will ik di en Kunst vertellen; wenn du mi dat nich na doon kannst, so will ik di as enen Steen kört un kleen riwen: Ik riet den groten Boom dal up de Eer, see to, wat du dat na doon kannst.« Tohant faat de Ries den Boom an den Telgen (Zweigen) un bög em dal an de Eer. Da saat Dummhans bi den Telgen an, de Ries leet los, de Boom swêpt up, un Hans springt œwer de Telgen hen. Darup fraag he: »Kannstu dat ok, du grote Ries, un œwer de Telgen springen?« Dat kunn de nich. »Nu wöllt wi noch en Wett anslaan«, sä de Ries, »nu wöllt wi mal seen, wer tom höchsten smiten kann.« Da neem de Ries en groten Steen, den smeet he so hoog, man kunn em so êben noch seen; awerst naast füll de Steen werrer dal. Nu sull Dummhans smiten. Da nimmt he sinen Löwink ut de Dasch un smitt den in de Luft; de Löwink steeg so hoog, dat he gor nich meer to seen is. »Süst du, du grote Ries«, seggt Hans, »ik heff den Steen in de Luft fast smêten, he kummt gor nich werrer dal.« Da weer de grote Ries all werrer to kort kamen. »Nu«, seggt de grote Ries, »wöllt wi seen, wer tom besten knipen kann«; he neem en Steen van de Eer up un kneep em to luder Mêl. Da sull Hans da ok bi. Hans lang in de Dasch un kreeg sien Stück Kees herut, dat knippt he so, dat dat Water herut löppt. Da is he den Riesen all werrer œwer. Da seggt de Ries: »Ik kann di bruken, du sallst bi mi bliwen un kannst mien Knecht warren, nu kumm mit na mien Quarteer.« Un damit ritt he noch eerst sik en groten Boom to Füerholt ut de Eer un seggt to Hans, up welken Enden he anfaten wull. Hans sä: »Bi de Telgen«; da nimmt de Ries den Boom up de Nack un geit vöran un Hans seit sik in de Telgen un leet sik to Huus dregen. As se nu in de Huul kaamt, wo de Ries waan, so is da en olle Fru, de hett en ganz Pêrd to Füer. Denn de Riesen pleggen in de ollen Tiden nicks to êten as Pêrfleesch; datomal weren hier van de lütten wilden Pêrde innen Landen, de grepen se mit een Hand un verspisen se tom Fröstück. Nu leggt de Ries den Boom bit Füer un gifft Hans en grote Stang inne Hand, dat weer en ganzen Eschenboom, damit sull he dat Füer staken, bet dat Êten gor weer. Hans kunn awers de Stang nich hanteren, da würr de Ries en bêten verdreetlich. As dat nu ant Êten güng, seggt he: »Nu wöllt wi noch en Stückschen proberen, nu wöllt wi seen, wer tom meisten êten kann; denn sast du dat Lêwen behollen.« Da eet Hans sik eerst satt, naast awer füll he allens wat he êten sull, achter sien Kohuut. De grote Ries seggt: »Büstu noch nich bald satt, du klene Eerdworm? ik grote Ries kann nich meer laten.« Da nimmt Hans dat Meß un seggt: »Ik wull nu eerst van vœrn werrer anfangen, see du grote Ries to, wat du deist«, un so snitt he sik de Kohuut up, dat all dat Eten herut löpt, un da füng he van frischen werrer an. Da denkt de grote Ries, dat kannst du ok doon, un snitt sik dat Lief up un is dood. So denkt de olle Risenmoder: »Wat fängst du nu mit den lütten Eerdworm an?« Se wiest em in en Bettstatt h'rin, da sall he liggen, un wenn he sloppt, will se ein mit de Ecks hauen, dat se em man loos ward. As Dummhans in de Nach dat nu mark, legg he da en swarten Pott hen, wo sien Kopp wêsen weer, un kröp sülwen unnert Bett hen. De Riesenmoder kummt un sleit mit de Ecks upt Bett, dat dat krach: »De Brêgenpann (Hirnschale) is entwei. Gottlos, dat he dood is!« seggt se. Nu güng se ok to Bett. Da stünn Hans werrer up un söch all de Scharwen van den Pütt uten Bett, naast legg he sik ganz sacht werrer daal. Morgens stiggt he up un seggt goden Morgen to êr. De Riesenmoder verwunner sik un meent, dat se em dood slagen hett, se fraagt em: »Hett he ok good slapen œwer Nacht?« »Ja«, seggt he, »heel good (ganz gut), man güstern Awend as ik eben to Bett weer, steek mi en Floh in den Kopp.« Nu wull de olle Riesenmoder nicks meer mit em to doon hebben un geev em Geld noog, dat he man werrer wegreisen sull na sine Öllern, se kunnen so vêl Sprock sik halen as se wullen. Nu güng Hans to Huus un vertell, wo dat em gaan weer, un sä to sine Bröder: »Nu koent gi hengaan un Sprock halen, so vêl as gi wöllt«; van de Tid af an weer he nich meer de Dummhans.

Aus Kurburg durch Kandidat Arndt; doch ward die erste Hälfte des Märchens nach einer dithmarschen Relation hinzugefügt. Aus Fehmarn, aus Ahrensburg, aus Dithmarschen wurden mehrere Varianten bekannt. Statt des Pferdebratens wird sonst ein Kessel mit Grütze genannt, die Riesenmutter fehlt; oft ist auch als Fortsetzung ein Ritt auf den Glasberg angefügt. Vgl. Grimm, Kindermärchen Nr. 20.

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611. Die alte Kittelkittelkarre.

Wisser 54 ff. Menschenfleisch riechen: Nr. 613. Wisser 95.

Brüderchen und Schwesterchen gingen in den Wald Beeren zu suchen. Da ward es aber ein schlimmes Wetter, es fing an zu donnern und zu blitzen, der Regen floß in Strömen und bald ward es Nacht; da verirrten sich die Kinder und kamen immer weiter in den Wald hinein. Als das Wetter sich endlich gelegt hatte, und es schon ganz dunkel war, da stieg das Brüderchen auf einen Baum und schaute um sich, ob nicht ein Lichtlein zu erspähen wäre. Da sprach das Brüderchen zum Schwesterchen: »Ja, ich seh dort ein Lichtlein, da wollen wir drauf zugehn«, stieg schnell vom Baume herunter und sie kamen an ein kleines Häuschen, das noch mitten im Walde lag. Da klopften sie leise an und eine Stimme rief von innen: »Wer ist da?« Die Kinder antworteten: »Ach, wir sind es, Brüderchen und Schwesterchen, und sind beide durchnaß von dem schlimmen Wetter und bitten um ein Unterkommen für die Nacht.« Da kam ein altes Mütterchen an die Tür und sprach: »Kinderchen, machet nur, daß ihr fortkommt, ich kann euch nicht behalten, denn mein Mann ist ein Menschenfresser, und wenn er zu Hause kommt und euch findet, seid ihr des Todes.« Aber die Kinder baten so viel, daß das Mütterchen sie doch endlich herein ließ und ein wenig beim Feuer Platz nehmen hieß, um ihre Kleider zu trocknen, gab ihnen auch ein bißchen Brot und Salz und einen Trunk Wasser zur Erquickung: »aber behalten kann ich euch nicht,« sagte sie, »in einer Stunde muß mein Mann kommen und der wird euch fressen.« Als nun die Stunde beinahe um war und die Kinder sich erquickt und gewärmt hatten, sprach die Frau: »Nun machet, daß ihr fortkommt.« Da fingen die Kinder an zu weinen und sprachen: »Wo sollen wir denn die Nacht bleiben? draußen ist es dunkel und wir können nicht mehr den Weg nach Hause finden.« Sie ließen gar nicht nach mit Bitten. Da sprach die Alte: »Wenn ihr's denn wagen wollt, hier zu bleiben, so will ich euch in dem hohlen Baum hinter unserm Hause verstecken und euch morgen auch den rechten Weg zeigen; aber wenn er euch findet, will ich keine Schuld haben.« Nun führte sie die beiden in den hohlen Baum und bald darauf kam der Menschenfresser nach Hause und fing gleich an zu schnubbern und brummen: »Noro, noro, hier ist Menschenfleisch!« »Ach was«, sagte die Frau, »ich habe eben ein Kalb geschlachtet, komm her und iß dich satt.« Der Menschenfresser gab sich erst zufrieden und aß das Kalb auf, das die Frau ihm vorsetzte; aber als er damit fertig war, fing er gleich wieder an zu schnubbern und zu brummen: »Noro, noro, hier ist Menschenfleisch!« und suchte die ganze Stube durch, unter der Bettstelle, im Uhrgehäuse, aber nirgend fand er etwas, aber immer rief er: »Noro, noro, hier ist Menschenfleisch!« Die Frau sprach: »Was willst du suchen? hier ist nichts, du solltest dich schlafen legen.« Der Menschenfresser aber hörte nicht darauf und suchte noch das ganze Haus durch und als er das getan, öffnete er auch die Hintertür und wollte in den Garten; da sagte die Frau: »Bleib doch hier, ich habe draußen nur den Kalbskopf hangen und die Kalbsfüße und das frische Fell; da ist nichts für dich.« Aber der Menschenfresser ging in den Garten und »noro, noro, hier ist Menschenfleisch«, rief er, da fand er Brüderchen und Schwesterchen im hohlen Baume. Nun waren sie in großer Not und der Riese sprach: »Ich wußte wohl, daß es noch für mich einen Braten gäbe; nun will ich euch in den Keller sperren und morgen will ich euch aufhängen, ohne daß Blut fließt und dann will ich euch auffressen.« Die Kinderchen weinten sehr, aber der Riese sperrte sie in den Keller. Da mußten sie die Nacht sitzen und taten kein Auge zu vor lauter Angst und Trübsal.

Am Morgen kam der Riese und holte sie heraus. Da hatte er schon zwei Schlingen unter dem Hahnholz gemacht, darin sollten sie aufgehängt werden, ohne daß Blut floß. Das Schwesterchen stieg zuerst auf die Bodenleiter hinauf; wie es aber an die Schlinge kam, tat es, als wenn es den Kopf nicht hineinkriegen könnte und zog immer mit den Händen die Schlinge zu und sprach: »Ich weiß es nicht zu machen, lieber Menschenfresser; steig doch einmal herauf und zeig es uns.« Da stieg der Menschenfresser hinauf, hielt die Schlinge auseinander und legte den Kopf hinein und sprach: »So müßt ihr's machen!« Als nun der Menschenfresser den Kopf in der Schlinge hatte, da zog das Brüderchen unten die Leiter weg und der Menschenfresser hing unter dem Hahnenbalken. »So, Menschenfresser, da kannst du hangen bleiben«, sagten die Kinder und wollten fortgehen. Aber da fing er an, sie sehr zu bitten, sie sollten ihn da doch nicht hangen lassen und ihn wieder los machen, er wollte ihnen auch nichts zuleide tun und beschwur sie hoch und teuer; da sprachen die Kinder: »Und was gibst du uns denn, wenn wir dich los machen?« Sprach der Menschenfresser:

Mien ole Kittelkittelkaar
Mit twee Bück darvœr,
Un sœben Sack Geld achterher.

Da machten die Kinder ihn los und der Menschenfresser gab ihnen seine Kittelkittelkarre mit zwei Böcken davor und sieben Sack Geld hinterher. Die Kinder setzten sich nun darauf und fuhren davon und die Böcke liefen so schnell, daß sie bald eine weite Strecke gekommen waren. Nun trafen sie einen Mann, der war auf seinem Lande beim Kartoffelaufkriegen. Da gaben sie ihm eine große Hand voll Geld und sprachen: »Wenn dar een kummt und fraagt na sien ol' Kittelkittelkaar mit twee Bück darvœr un sœben Sack Geld achterhêr, so hestu nicks seen.« Der Mann versprach ihnen, daß er sie nicht verraten würde. Nun kamen sie weiter, und da trafen sie einen Mann, der war auf seinem Lande beim Wurzelaufkriegen; dem gaben sie zwei große Hände voll Geld und sprachen: »Wenn dar een kummt un di fraagt na sien Kittelkittelkaar mit twee Bück darvœr un sœben Sack Geld achterher, so hest du nicks seen.« »Nä«, sagte der Mann, »ik will ju nich verraden.« Nun kamen sie weiter, und da fanden sie einen Mann, der war in seinem Garten beim Apfelabkriegen; dem gaben sie drei große Hände voll Geld und sagten zu ihm: »Wenn dar een kummt un di fraagt na sien ol' Kittelkittelkaar mit twee Bück darvœr un sœben Sack Geld achterher, so hestu nicks seen.« Auch dieser Mann versprach ihnen, daß er nichts sagen wollte, wohin sie gegangen.

Nun hatte es dem Riesen aber gleich leid getan, als die Kinder fort waren, daß er ihnen seine Karre mit den Böcken und den sieben Sack Geld gegeben hätte. Da kam er ihnen nachgelaufen und wollte seine Karre wieder holen. Wie er nun zu dem Mann kam, der die Kartoffeln aufkriegte, so fragte er ihn: »Hest du ok seen mien ol' Kittelkittelkaar mit twee Bück darvœr un sœben Sack Geld achterher?« Antwortet ihm der Mann: »Düt Johr staat de Kartüffeln noch billig noog.« Da ward der Riese schrecklich böse und lief eilig weiter. Als er nun zu dem Wurzelaufkrieger kam, so fragte er auch den: »Hest du ok seen en ol' Kittelkittelkaar mit twee Bück darvœr un sœben Sack Geld achterher?« Antwortete ihm auch der Mann: »De Worteln staat düt Johr noch billig noog.« Nun ward der Riese noch viel zorniger und stürmte fort, so schnell er laufen konnte; und so kam er bei dem Manne an, der die Apfel in seinem Garten abkriegte, und fragte ihn: »Hest du ok seen mien Kittelkittelkaar mit twee Bück darvœr un sœben Sack Geld achterher?« Da erschrak sich der Mann so vor dem Riesen, daß er gestand, wo die Kinder hingefahren wären. Nun eilte der Riese ihnen nach und bald hörten sie es hinter ihnen prusten und schnauben. Da sprach Brüderchen zum Schwesterchen: »Sieh dich mal um, gewiß ist der Riese hinter uns.« Das Schwesterchen sah sich um und rief: »Ja, der Riese ist hinter uns und uns schon ganz nahe.« Da waren sie eben aus einen Berg hinaufgefahren und es war schon Abend; da fuhren sie noch den Berg hinunter und schnell in eine Höhle hinein: »So«, sagte Brüderchen, »hier wollen wir die Nacht bleiben und morgen weiter fahren, und der Riese soll uns nicht finden.«

Nun kam der Riese auch auf den Berg und sah sich allerwärts noch einmal um und konnte nirgends die Kinder mit der Karre und den Böcken sehen. Da stieg er noch den Berg hinunter, legte sich nieder und dachte, morgen wirst du sie schon einholen, du hast heute einen weiten Weg gemacht, und darauf schlief er ein. Aber nun hatte er sich gerade auf die Höhle gelegt, worin die Kinder mit den Böcken waren, so daß sein Leib ganz den Eingang bedeckte. Da wußten sie's nicht anders anzufangen, als daß sie den Riesen, indem er schlief, heimlich und ohne daß er's merkte, tot machten. Aber nun konnten sie den toten Riesen nicht von der Stelle wälzen und die Kinder kamen in große Not und litten Hunger und Durst, und die Böcke auch, und sie wußten gar nicht, wie sie wieder aus der Höhle kommen sollten. Da aber entstand in der Nacht ein groß Geschrei und Flügelschlagen wie von einem Raubvogel, und sie merkten, daß der Vogel von dem Riesen fresse. Da wurden sie ruhig und warteten bis zu der nächsten Nacht. Da kam der Vogel wieder, machte ein groß Geschrei und schlug mit den Flügeln und fraß von dem Riesen, also daß am andern Morgen schon der Tag durchschimmerte. Nun kam der Vogel auch noch in der dritten Nacht wieder und hackte das Loch noch größer, und hätte er das nicht getan, so wären Brüderchen und Schwesterchen nimmer herausgekommen und wären vor Hunger in der Höhle gestorben, und die Böcke auch. Nun aber ward das Loch so groß, daß sie hindurch konnten, und darum fuhren sie nach Hause mit der alten Karre mit den zwei Böcken davor und den sieben Sack Geld hinterher, und ihr könnt euch denken, was Vater und Mutter sich gefreut haben, als sie endlich ihre lieben Kinderchen wieder hatten.

Aus Marne.

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612. Peter und Lene.

Heim. 11, 96 ff. (»Hans un Greten«). Bolte 1, 116.

Zwei Kinder, Peter und Lene, gingen einmal in den Wald nach Beeren und Blumen; sie gingen und pflückten und kamen immer weiter in den Wald hinein, ohne daß sie es gewahr wurden. Da ward dem Lenchen endlich so angst, daß sie sich wohl verirrt hätten, und es war auch wirklich so. Je mehr sie nun nach der rechten Straße suchten, je weiter kamen sie von ihr ab und je tiefer gerieten sie in den Wald. Peter erblickte zuletzt ein Lichtchen; darauf gingen sie zu und kamen zu einem ganz kleinen Hause, das war das Pfannkuchenhaus, das war mit Pfannkuchen gedeckt und die Wände waren von frischen Mettwürsten aufgesetzt. Da lief Peter eilig darauf zu, denn er war hungrig, und langte sich einen Pfannkuchen herunter, aber der Pfannkuchen war so heiß, als wäre er eben aus der Pfanne gekommen; da mußte er ihn fallen lassen. Aber Lenchen nahm nun auch einen, kehrte ihn ein paarmal zwischen den Händen hin und her, und als er sich nun abgekühlt hatte, aßen sie ihn auf. Also taten sie sich gütlich an den Pfannkuchen und auch an den Mettwürsten. Als sie aber kaum mit dem Essen fertig waren, so brach da Donner und Blitz über ihnen los, ein Blitz fuhr in das Haus und mit einem Male war es in ein scheußliches finsteres Loch verwandelt und Peter und Lene steckten darin. Sie weinten und schrien, aber all ihr Weinen und Schreien half nichts, sie mußten in dem finstern Loche sitzen bleiben. Vor Müdigkeit und Trübsal schliefen sie endlich ein. Als sie nun am andern Morgen erwachten, so fanden sie da etwas neben ihnen stehen, sie merkten gleich, daß es ein Korb wäre, und als Peter ihn ausmachte, war da der schönste Braten und Wein und Gemüse und Früchte, kurz die allerherrlichsten Speisen waren darin. Daran erquickten sich die Kinder und trösteten sich allmählich über ihre traurige Gefangenschaft. Denn wenn sie auch gar gerne aus dem Loche befreit gewesen wären, so fanden sie doch jeden Morgen einen solchen Korb vor ihnen stehen, immer mit den schönsten Speisen angefüllt. Das dauerte nun so ein paar Wochen. Da an einem Morgen kam wieder ein fürchterliches Gewitter, und als die Kinder von einem grausamen Donnerschlag erwachten, stand eine alte abscheuliche Hexe vor ihnen und glotzte sie mit ihren großen Augen, die wie Kohlen brannten, an und sprach: »Nun habt ihr genug gegessen, nun will ich euch schlachten und auffressen.« Sie führte die Kinder nun hinauf in eine Küche und Lenchen sollte den Backofen glühend machen und Peter sollte Wasser tragen. Aber Peter wollte das nicht und wehrte sich; da aber rührte die Alte ihn an und er mußte stehen wie eine Bildsäule; er hatte keine Macht gegen sie und mußte tun, was sie wollte. Als nun der Ofen glühte und das Wasser kochte, da kam die Alte wieder, faßte Lenchen beim Arm und wollte sie in den Ofen schieben. Aber in dem Augenblicke erschien über ihnen eine Jungfrau, schön wie der Tag, in einem blauen Kleide, auf einem silbernen, von zwölf Tauben gezogenen Wagen; in der Hand hielt sie einen Becher mit Wasser, den reichte sie Peter und sprach zu ihm: »Lösche die Glut des Ofens.« Peter nahm den Becher, und wie er ihn in den Ofen schüttete, erlosch die Glut augenblicklich. Darauf sprach die Jungfrau zu der bösen Alten: »Wie konntest du dich unterstehen, das Wasser zu mißbrauchen, das mir untertan?« und als sie die Alte mit ihrem Stabe berührte, fiel die tot zur Erde. Nun hob sie die Kinder zu sich in den Wagen, nahm den Zauberstab der Hexe zu sich und fuhr davon, und die Tauben zogen sie. Unterwegs aber erzählte die Jungfrau den Kindern: »Mir ist das Wasser untertan, der alten Hexe aber gehörte das Feuer; weil sie aber mein Element gebrauchen wollte, um euch hineinzuwerfen und dann auch aufzuessen, was ich nicht zugeben wollte, so hatte ich Macht über sie; wir sind jetzt von der alten Hexe befreit und das Feuer ist mir von nun an auch untertan.« Darauf brachte sie Peter und Lenchen wieder zu ihren Eltern, die ihre Kinder längst für tot gehalten und betrauert hatten; sie beschenkte alle reichlich mit vielen schönen und kostbaren Sachen und die Leute wurden reich bis zum Überfluß. Peter und Lenchen lebten lange Zeit glücklich, aber jedes Jahr besuchten sie einmal ihre Wohltäterin, die schöne Jungfrau.

Mündlich aus Marne. Das gewöhnliche Märchen vom Pfannkuchenhaus, wo die Hexe, wie in Nr. 598, die Kinder verfolgt, ist außerdem ganz bekannt.

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613. Herr Nêgenkopp.

Wisser 36 ff. Heim. 14, 260. – Zur Anm. vgl. zu Nr. 473 (Frauenräuber). In einer aus Angeln eingesandten Erzählung (»Hans un de dree Hünne«) heißen die Hunde: »Griepan«, »Geswind wie de Wind« und »Brick Isen un Staal«; Hans tauscht sie für eine Kuh ein, die er verkaufen soll, wird deshalb von seinem Vater aus dem Hause gejagt, kommt zu Räubern, tötet alle 12 mit seinen Hunden und kehrt mit den Schätzen und der Braut heim.

Da war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne und eine Tochter. Als die Tochter groß war und war eine schmucke starke Dirne, sagte sie: »Nun will ich aus dem Hause und dienen bei andern Leuten.« Sie ging fort und suchte einen Dienst. Sie ging weite Wege, da kam sie endlich vor einen Berg und der Berg stand offen. Da ging sie hinein, und wie sie drinnen war, war da alles von Gold, und wie sie sich ein bißchen weiter umsah, fand sie da eine alte Großmutter sitzen, die fragte sie, ob sie sie wohl in Dienst nehmen wollte. Antwortete die alte Großmutter: »Mein Herr Nêgenkopp ist noch nicht gekommen, es dauert nicht lange mehr, so kommt er, kriech hier nur unter dies Faß.« Das Mädchen kroch hinunter und versteckte sich; aber nicht lange darnach so kam der Herr Nêgenkopp in die Höhle und sprach: »Ich rieche Menschenfleisch; mag es sein, wo es will, ich finde es gleich.« Er suchte ein wenig herum und fand sie gleich; da sprach Herr Nêgenkopp: »Das ist gut, daß du gekommen bist; so ein schmuckes Mädchen habe ich mir lange gewünscht, du sollst hier bei mir in der Höhle bleiben und mir dienen.« Also hatte das Mädchen einen Dienst gefunden bei der alten Großmutter und dem Herrn Nêgenkopp und mußte bei ihnen bleiben in der Höhle und den Hausstand besorgen. Da träumte es ihrem ältesten Bruder in einer Nacht gar schwer, daß es seiner Schwester gar nicht gut ginge. Er sprach: »Ich will ihr nach und ihr helfen, wenn ich kann.« Sprach der Vater: »Wie willst du sie finden?« Der Bruder antwortete: »Laß mich nur gehen, ich will sie schon finden«, verließ das Haus, ging weite Wege und kam vor den Berg, der offen stand. Da ging er hinein und fand alles von Gold; wie ihn aber seine Schwester sah, sprach sie: »Wo kommst du her? Hier wird dir das nicht gut gehen, lieber Bruder, mein Herr Nêgenkopp kommt gleich nach Hause, und wenn er dich findet, so bist du verloren; kriech hier schnell unter dies Faß.« Der Bruder versteckte sich, aber als Herr Nêgenkopp nach Hause kam, sagte er: »Ich rieche Menschenfleisch; mag es sein, wo es will, ich finde es gleich«, und er fand den Bruder bald unter dem Faß. Da sprach er: »Du bist wohl hungrig geworden, komm her und iß«, und setzte ihm Menschenfleisch und Menschenblut vor. Aber der junge Mensch rührte nichts an und ließ alles stehen; da sagte Herr Nêgenkopp: »Wenn du nicht essen und trinken willst, geh hin und kratze meiner alten Großmutter hinter dem Kachelofen ein wenig den Rücken.« Da ging er hin und wollte ihr den Rücken kratzen, aber die alte Großmutter gab ihm einen Stoß und er fiel in ein finsteres Gewölbe hinab. Da mußte er nun sitzen und hungern. Da träumte es dem zweiten Bruder, daß sein Bruder und seine Schwester in großer Not waren. Er sprach: »Ich muß hin und sie suchen und will ihnen beistehen.« Sein Vater aber sagte: »Wo willst du sie wohl finden? bleib zu Hause, es möchte dir gehen wie ihnen.« Der Sohn aber antwortete: »Ich finde sie schon«, und begab sich auf den Weg und kam an den Berg. Da ging er auch hinein, und wie ihn seine Schwester sah, sprach sie: »Ach, wie kommst du doch hierher? Hier wird dir das schlimm gehn; versteck dich nur unter das Faß; denn es ist an der Zeit, daß Herr Nêgenkopp nach Hause kommt.« Kaum hatte der Bruder sich versteckt, so kam auch Herr Nêgenkopp und rief: »Ich riech hier Menschenfleisch, es mag das sein, wo es will, ich finde es gleich«, und er fand auch den Bruder gleich unter der Tonne; da fragte er ihn: »Du bist wohl hungrig geworden?« und setzte ihm Menschenfleisch und Menschenblut vor. Aber der ließ auch alles stehen und rührte nichts an. Da sprach Herr Nêgenkopp: »Wenn du nicht essen und trinken magst, so geh hin und kratze meiner Großmutter hinter dem Kachelofen ein wenig den Rücken.« Als er nun aber hinging und der alten Großmutter den Rücken kratzen wollte, da stieß sie ihn auch in das finstere Gewölbe hinab, und da saßen nun beide Brüder zusammen darin und starben fast vor Hunger.

Nun war da noch der dritte Bruder beim Hause, der war der jüngste, aber der stärkste von allen und hieß Tolleteufel. Der hatte einen großen Hund, der hieß Muckerpell und war ein Hund über alle Hunde und klug wie ein Mensch. Tolleteufel sprach zu seinem Vater: »Ich will hin und meine Brüder und unsere Schwester suchen, mir hat geträumt, daß es ihnen schlecht geht.« Antwortete der Vater: »Ja, aber wo willst du sie finden?« Sprach Tolleteufel: »Ich finde sie wohl.« Der Vater wollte ihn gar nicht weglassen, weil er der letzte war, aber zuletzt mußte er doch ja dazu sagen: »Was willst du aber mitnehmen? So allein wird es dir nicht gut gehn.« Tolleteufel sagte: »Ich will meinen Hund Muckerpell mitnehmen und weiter nichts«, da ging er aus dem Hause, rief Muckerpell zu sich und Muckerpell lief hinter ihm her. Er kam nun auch zu dem Berge, der offen stand, und wie er hineintrat, sprach seine Schwester zu ihm: »Wie kommst du hierher? Hier wird dir das ebenso gehen, wie deinen Brüdern. Kriech hier nur unters Faß, es ist an der Zeit, daß Herr Nêgenkopp kommt.« Tolleteufel aber sprach: »Ich will nicht unter das Faß kriechen, laß deinen Herrn Nêgenkopp nur kommen«, damit setzte er sich ruhig an den Tisch und Muckerpell lag bei ihm. Nun kam Herr Nêgenkopp zu Hause, und wie er Tolleteufel da sitzen sah, fragte er ihn: »Bist du auch hungrig geworden von der Reise?« und setzte ihm wieder Menschenfleisch und Menschenblut hin. Sprach Tolleteufel: »Das ist nichts für mich, Muckerpell, friß du es auf«, und Muckerpell sprang auf und verzehrte alles. Da sagte Herr Nêgenkopp zu Tolleteufel: »Wenn du nicht essen und trinken magst, so geh nur hin und kratze meiner alten Großmutter den Rücken hinterm Kachelofen.« Tolleteufel sprach: »Muckerpell, du hast gefressen und gesoffen, geh nun auch hin und kratze der alten Großmutter den Rücken hinterm Kachelofen.« Der Hund ging hin, sprang zu und riß der alten Großmutter in einem Ruff den Rücken weg, da war sie tot. Tolleteufel sprach nun zu Muckerpell: »Muckerpell, du hast gefressen und gesoffen, du hast der alten Großmutter den Rücken gekratzt hinterm Kachelofen, geh nun hin und fechte auch mit Herrn Nêgenkopp.« Da sprang der Hund zu und riß dem Herrn Nêgenkopp in einem Ruff acht Köpfe ab. Tolleteufel sprach zu seinem Hund: »Muckerpell, nun halt auf«, da hielt der Hund auf und Tolleteufel sprach zu Herrn Nêgenkopp: »Nun hast du ebensogut nur einen Kopf mehr als ich«, dann rief er wieder seinem Hund und sagte: »Muckerpell!« da riß der Hund dem Herrn Nêgenkopp auch noch den letzten Kopf herunter. Nun sprach Tolleteufel zu Muckerpell: »Muckerpell, du hast gefressen und gesoffen, du hast der alten Großmutter den Rücken gekratzt hinter dem Kachelofen, du hast mit Herrn Nêgenkopp gefochten, nun suche mir auch meine Brüder.« Da ging Muckerpell hin und suchte, und es dauerte keine Viertelstunde, da hatte er die beiden Brüder aus dem Gewölbe herausgebracht, aber sie waren ganz elend und verhungert. Da sprach Tolleteufel zu seiner Schwester: »Hast du hier gar nichts anderes zu essen als Menschenfleisch und Menschenblut?« Die Schwester antwortete: »Ja, wir haben hier kein Menschenfleisch und Menschenblut gegessen, das haben nur alle die gekriegt, die hierher kamen.« Tolleteufel sprach zu seiner Schwester: »Denn bringe nur was anderes her«, und die Schwester holte nun Essen, das waren die schönsten Speisen, und wie die Brüder etwas davon genossen hatten, so kamen sie bald wieder zu sich. Darauf sprach Tolleteufel zu seinem Hund: »Muckerpell, du hast gefressen und gesoffen, du hast der alten Großmutter den Rücken gekratzt hinter dem Kachelofen, du hast mit Herrn Nêgenkopp gefochten, du hast mir meine Brüder gesucht, nun hilf mir auch aus diesem Berg«, und den andern Mittag, als der Berg wieder offen ging, da brachte der Hund sie alle hinaus. Da sprach Tolleteufel zu seiner Schwester und zu seinen Brüdern: »Nun geht hin nach Hause, ich will hier bleiben, und sagt zu unserm Vater, er soll nur so viele Wagen herbestellen, als er kriegen kann, denn der Berg ist von purem Gold.« Und da gingen sie nach Hause, sagten das zu ihrem Vater und ihr Vater bestellte so viele Wagen, als er nur bekommen konnte, und sie fuhren Tag und Nacht das Gold von dem Berge nach Hause, denn ihnen gehörte der Berg und sie hatten ihn erlöst; da sind sie denn auf solche Weise die Reichsten in der ganzen Welt geworden, was wahrhaftig auch nicht zu verwundern war.

Aus Plön durch Dr. Klander. – Dies wohl nicht lückenlose Märchen ist doch in mancher Hinsicht merkwürdig; augenscheinlich ist eine Vermengung der Vorstellungen von menschenfressenden, riesischen Waldmenschen und schatzhütender Zwerge vorgegangen, die zugleich für Frauenräuber gelten. In Angeln erzählt man »eine fabelhafte Geschichte« von drei Hunden Jalm, Ködder, Jernbräkker. Erster Bericht der Gesellsch. für Altert. S. 12.

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614. Ninroth.

Wisser 139. Bolte 3, 269. 1, 536. 548. Über den Betrüger vgl. Wisser S. 7 u. 10. Zauberstock: Nr. 599. Zunge: zu Nr. 608. – Zu dem in der Anm. angeführten dithmarscher Märchen vgl. Wisser 234 ff. Ritt auf den Glasberg s. zu Nr. 627.

Ein Mann hatte einen Sohn, der sprach zu seinem Vater, er wollte in die Welt gehn und sich irgendwo einen Dienst suchen, um sein Glück zu machen. Der Vater gab ihm Erlaubnis und der Junge ging fort. Nun kam er bald in einen großen Wald, und nachdem er lange darin gewandert, so setzte er sich einmal nieder unter einen großen Baum, um sich auszuruhen und sein Frühstück zu verzehren. Wie er nun so da saß, kamen da drei Leute auf ihn zu, die hatten zusammen nur ein Auge, und wer von ihnen das eine Auge trug, der mußte für die beiden andern sehen und sie führen. Da erschrak sich der Junge so vor ihnen, daß er schnell auf den Baum kletterte. Aber die drei kamen heran und setzten sich unter den Baum, wo der Junge gesessen hatte. Da sprach einer zu dem andern: »Was russelt da immer so in dem Baum?« Der zweite sprach: »Ich höre da auch immer was, wir sollten einmal zusehen, was da oben im Baume ist.« Da stieg der, der das Auge hatte, zuerst in den Baum, sah sich um und sprach: »Ich sehe nichts.« Da stieg auch der zweite hinauf und der erste reichte ihm das Auge hin, und er sah sich um und sagte: »Ich sehe auch nichts.« Nun kam auch noch der dritte herauf, wie aber der eine ihm das Auge hinlangen wollte, griff es ihm der Junge aus der Hand weg, da konnten sie nicht mehr sehen. Nun fingen sie an ihn zu bitten, und der eine sprach: »Wenn du uns unser Auge wiedergibst, so will ich dich ein Gebet lehren, wenn du das hersagst, so kann dir niemand eine Bitte abschlagen.« Und der andre sagte: »Ich will dir ein Schiff geben, das segelt zu Wasser und zu Lande, und wenn du es aus der Tasche nimmst und dich hineinsetzt, kannst du dich allerwärts damit hinwünschen.« Und der dritte sprach: »Ich will dir einen Stock geben, wen du damit anrührst, der muß sogleich sterben. Und das sollst du alles sogleich haben, wenn du uns unser Auge wiedergeben willst.« Da sagte der Junge mit Freuden ja, gab ihnen das Auge wieder und die drei Leute gaben ihm die drei Kunststücke; der eine lehrte ihn das Gebet, daß niemand ihm eine Bitte weigern konnte, der andre gab ihm das Schiff, das zu Wasser und zu Lande segelte, und der dritte gab ihm den Stock, der jeden tötete, den er nur damit anrührte.

Nun ging der Junge weiter und kam an des Königs Hof an. Da ging er zu dem Koch in die Küche und bat ihn, er möchte ihn als Küchenjungen annehmen. Der Koch sagte nein, sie hätten schon einen Küchenjungen; da sagte er nur sein Gebet her und sie nahmen ihn gleich in Dienst.

Nun war da ein alter Riese, der hatte zwei große Söhne. Da kam eines Tages der älteste Riesensohn zum Könige und sprach, er solle ihm seine Tochter zur Frau geben, sonst werde er ihm sein ganzes Königreich spolieren. Der König versammelte alle seine Minister und fragte sie, was nun zu tun sei und ob nicht einer da wäre, der es mit dem Riesen aufnehmen wollte. Da war da einer, der hieß Rinroth, der sagte, er wollte wohl mit dem Riesen kämpfen, wenn der König ihm seine Tochter zur Frau gebe. Das sagte ihm der König zu und Rinroth machte sich zum Kampfe fertig. Als aber der Küchenjunge davon hörte, bat er seinen Koch, ob er nicht einmal dahin sollte, er wollte sich gerne alles mit ansehen. Da sagte der Koch: »Du sollst da wohl hin, du hast uns aber Bescheid zu bringen, wie es abläuft.« Da sagte der Küchenjunge ja, nahm sein Schiff aus der Tasche und segelte über Wasser und Land grade zu, bis er zu dem Riesen kam. Da fragte ihn der Riese: »Bist du es, der die Königstochter erlösen will?« »Ja«, sagte der Junge. Da lief der Riese auf ihn zu und wollte ihn totschlagen, aber der Junge sprang beiseite und schlug mit seinem Stock nach dem Riesen, da fiel der sogleich nieder und war tot. Nun ging er hin, nahm sein Messer aus der Tasche und schnitt dem Riesen die Zunge aus und setzte sich dann wieder in sein Schiff und fuhr nach Hause und sagte, daß er nichts gesehen hätte. Als nun aber Rinroth bei dem Riesen ankam und ihn tot da liegen fand, schlug er ihm den Kopf ab und nahm den mit in seiner Kutsche nach dem König und sagte, er hätte den Riesen totgeschlagen, und der König solle ihm nun seine Tochter geben. Da kam aber gleich der andre Riesensohn an und sagte zum König, sie hätten ihm seinen Bruder totgeschlagen, nun sollte er ihm seine Tochter geben und das halbe Königreich dazu, sonst würde er es ganz spolieren. Da dachte Rinroth, er hätte den einen Kopf ja schon, er würde den andern auch wohl kriegen, sagte darum zum König, er sollte nur ganz ruhig sein, er wollte auch schon mit diesem Riesen fertig werden, wenn er ihm nur seine Tochter und das halbe Königreich versprechen täte. Das sagte der König ihm mit Freuden zu. Da bat der Küchenjunge seinen Koch, ob er nur wieder einmal dahin sollte, um sich alles mit anzusehen. Der Koch sagte: »Nein, du hast ja vom ersten Mal keinen Bescheid gebracht.« Da sprach der Küchenjunge sein Gebet und gleich gab ihm der Koch Erlaubnis. Draußen vorm Schloß langte er dann sein Schiff aus der Tasche, setzte sich hinein und fuhr über Wasser und Land zu dem Riesen hinüber. Da sagte der Riese zu ihm: »Bist du es, der die Königstochter und das halbe Königreich erlösen will?« »Ja«, antwortete der Küchenjunge. »Nun, so sollst du hier auf der Stelle sterben«, rief der Riese und schlug zu mit seiner Stange; aber der Junge sprang beiseite und berührte ihn mit seinem Stock, da fiel er nieder und war tot. Der Junge nahm nun sein Messer aus der Tasche und schnitt ihm die Zunge aus dem Halse, und als er zu Hause kam, sagte er wieder zu dem Koch, er hätte nichts davon gesehen noch gehört, das sei schon alles vorbei gewesen. Da wollte Rinroth auch hin und mit dem Riesen kämpfen, aber er fand ihn wieder tot da liegen; da hieb er ihm den Kopf ab und nahm den in seiner Kutsche mit nach Hause und sagte, er hätte es getan und der König solle ihm nun seine Tochter geben und das halbe Königreich dazu. Da aber kam der alte Riese und sprach, seine beiden Söhne wären tot, der Konig müsse ihm seine Tochter geben und das ganze Königreich dazu, sonst werde er es ihm ganz spolieren. Rinroth dachte und sagte zum König: »Ich bin schon mit zwei Riesen fertig geworden; Herr König, laßt mich nur hin, wenn ihr mir nachher eure Tochter und euer Königreich geben wollt.« Das versprach ihm der König auch in seiner Not. Da bat der Küchenjunge seinen Koch wieder; aber der sagte: »Nein, du sollst nicht hin, du hast uns von beiden Malen keinen Bescheid gebracht.« Da sagte der Junge sein Gebet und der Koch sprach: »Ja, denn kannst du diesmal noch gehen, aber bringst du keinen Bescheid, kommst du nicht wieder weg.« Als der Junge nun draußen kam, setzte er sich wieder in sein Schiff und fuhr zu Lande und zu Wasser nach dem Riesen gerade zu. Da sprach der Riese zu ihm: »Bist du das, der meine beiden Söhne totgeschlagen hat und die Prinzessin und das ganze Königreich erlösen will?« »Ja«, sagte der Junge. »Denn sollst du nun auch keinen mehr totmachen«, sprach der Riese. Da antwortete der Junge: »Das wollen wir sehen, wir wollen uns erst noch darum streiten.« Der Riese wollte nun zuschlagen, aber der Junge sprang beiseite und schlug den Riesen mit seinem Stock tot, und darauf nahm er sein Messer heraus und schnitt ihm die Zunge aus dem Hals, zu Hause aber sagte er wieder, er hätte nichts gesehen und nichts gehört. Als Rinroth aber dahin kam, schlug er wieder dem Riesen den Kopf ab und brachte ihn vor den König und sprach, nun hätte er alle drei Riesen totgeschlagen, darum sollte der König ihm auch gleich seine Tochter geben und das ganze Königreich dazu. Da ward der alte König ganz traurig und nachdenklich und sprach: »Laß uns doch erst einmal die Köpfe ein wenig genauer besehen«, und als der König und seine Minister die Köpfe nun besahen, da fanden sie, daß in allen die Zungen fehlten. Sprach der König: »Das ist doch sonderbar, daß die Zunge fehlt, ein jeder Mensch hat doch wohl eine Zunge, wo sind denn diese geblieben?« Rinroth antwortete: »Die Riesen hatten keine Zungen.« Da sagten die Minister zu dem König, sie hätten gehört, daß da ein Junge bei seinem Koch wäre, der sei jedesmal hin gewesen, um zuzusehn; er sollte den Jungen doch einmal rufen lassen. Da schickte der König in die Küche hinunter und der Koch sprach zu dem Jungen: »Wir müssen dich doch erst ein bißchen anders anziehn, du sollst vor den König kommen.« Nun zog der Koch ihn erst ein bißchen anders an; aber die drei Riesenzungen steckte der Junge in die Tasche und ging dann vor den König. Da fragte ihn der König: »Hast du nichts davon gesehen, daß die drei Riesen totgemacht wurden?« »Ja«, antwortete er, »das sah ich mit meinen eignen Augen.« »Hat Rinroth ihnen denn die Köpfe abgeschlagen?« »Ja, das hat er getan, aber totgeschlagen hat er die Riesen nicht.« »Wer hat das denn getan?« »Das habe ich und kein anderer getan«, sagte der Junge. Da wollte Rinroth auf ihn los und wollte ihm das Leben nehmen, aber der Junge warf die Zungen auf den Tisch und sprach: »Das ist der Beweis; seht zu, ob die Zungen nicht passen«, und die Zungen paßten alle. Da sagten alle Minister, daß er die Riesen müßte erschlagen haben, und der König sprach, daß er sein Tochtermann werden und sein ganzes Königreich haben sollte, den Rinroth aber sollten sie an den Galgen hängen. Und so geschah es auch und darauf gab's eine fröhliche Hochzeit, und der Küchenjunge heiratete die Königstochter und ward König, und

Sœben Johr un einen Dag
Fiern se dat Bruutgelag;
Da kreeg ik een paar glasern Scho,
Da danz ik op na Huus hento;
Da stött ik an en Steen:
Kling! säen mien Scho un gingen van een.

Aus Plön durch Dr. Klander. – Nach einem dithmarschen Märchen versprach ein König dem seine Tochter, der ein Schiff, das zu Lande und zu Wasser segele, ihm bringe. Dummhans zieht nach seinen drei Brüdern aus, deren Reise natürlich vergeblich war; ihm begegnet auch ein alter Mann mit einem langen Bart und einem weißen Stock in der Hand (un dat weer de lewe Gott, wird, wie oben S. 449, hinzugesetzt) und gibt ihm für einen Aschpfannkuchen das Schiff. Darauf folgt das Märchen von den sechs (oder drei) Dienern. – In einem andern dithmarschen Märchen erscheint ein einäugiger Riese, der den Bauern um sein Korn bestiehlt; Dummhans, der dritte Sohn, wacht in einer Nacht und versteckt sich im Tonnenmaß. Als der Riese kommt, das Korn sich einzumessen, springt Dummhans ihm auf die Schulter und reißt ihm das Auge aus. Da verspricht der Riese ihm für das Auge seinen Beistand. Dummhans gibt es ihm wieder, dafür aber rüstet der Riese dreimal, jedesmal mit einem schönern Pferde und einer schönern Rüstung ihn aus, und Hans reitet jedesmal den Glasberg hinauf, gibt sich endlich zu erkennen und heiratet die Prinzessin.

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615. Von dem König von Spanien und seiner Frau.

Zs. f. Vk. 2, 201 f. 3, 462. »Das Märchen von den sieben Grafen« (aus Lunden). Bolte 3, 520. – Der Schuldige spricht sich selbst das Urteil: Wisser 109.

Der alte König von Spanien hatte sieben Söhne. Einmal nun war er krank, da hat sein ältester Sohn ihm was erzählt. Da sagte der König: »Mein Sohn, das hast du aus den Büchern gelesen, das hast du nicht selbst erfahren.« Das verdroß den ältesten Sohn, und Nacht und Tag sann er darauf, wie er sich selbst was in der Welt versuchen könnte. Da ließ er sich ein Schiff bauen und wollte zur See fahren. Als er aber damit fertig war und wegfahren wollte, ist der alte König tot geblieben; da ließ er ihn begraben und ward nun selbst König. Aber nun mußte er auch eine Frau nehmen; das war eine ganz kluge und weise Frau. Des Morgens nach der Hochzeit, als er von ihr aufstand, schenkte sie ihm ein Hemd, das war allezeit weiß, aber wenn sie tot bliebe, sagte sie, würde es schwarz werden, und führte sie sich nicht auf, wie eine Frau müßte, dann würde es ganz fleckerig.

Es ließ dem König gar keine Ruh, er wollte sich was versuchen in der Welt. Da ging er auf sein Schiff und fuhr nun zu See. Da aber kam ein großer Sturm und verschlug das Schiff weit herum bis ganz nach der Türkei, da nahm der Türke ihn gefangen. Der Sultan ward ganz vergnügt, als er hörte, daß es der König von Spanien war; er schickte gleich ein Schiff nach Spanien mit seinem Minister, das sollte die Königin auch holen, er wollte sie zur Frau haben. Aber die Königin ließ ihm sagen, sie müßte ihrem König treu bleiben, sie könnte sich nicht verheiraten, solange sie nicht wisse, wo ihr König hingekommen und ob er noch lebendig oder schon tot sei. Da mußte der Minister wieder nach seinem Schiff zurückreisen. Die Königin aber wußte gar nicht, wo ihr Mann geblieben war; das hatte sie nicht erfahren. Nun machte sie sich auf und wollte ihn suchen, und kam in einen großen Wald, da traf sie einen Einsiedler. Den fragte sie, ob er nicht wüßte, wo ihr Mann wäre, sie wollte reisen und ihn aufsuchen. Der Einsiedler sagte, sie hätte ja noch ihre königlichen Kleider an, damit könnte sie nicht reisen, die müßte sie ablegen, und dafür seine anziehn. Das tat nun die Königin. Und darauf wies sie der Einsiedler durch den Wald, dann käme die große See, da würde sie ein Schiff finden, da solle sie nur mitfahren. Als die Königin nun an das Schiff kam, so war da ein vornehmer Mann darauf, den erkannte sie aber gleich, daß das des türkischen Sultans Minister sei, der sie hatte holen sollen. Sie fragte den Minister, ob sie nicht mit nach der Türkei fahren könnte sie könnte so schön spielen und dazu singen. Da hat der Minister sie gerne mitgenommen.

Der Minister ist nun mit ihr nach der Türkei gesegelt, und als er vor den Sultan kam, sagte er: »Die Königin von Spanien haben wir nicht mitbringen können, aber wir haben einen spanischen Einsiedler mitgebracht, das ist allein der Mühe wert, der kann so schön singen.« Da sagte der Sultan: »Laß die Königin von Spanien bleiben, wo sie lieber ist; aber laß den Einsiedler vor mir spielen, du sollst mit mir und ihm dafür allezeit essen über Tafel.« Als nun der Sultan den Einsiedler hatte singen gehört sagte er wieder zu seinem Minister: »Den Einsiedler laß ich nicht von mir, er ist mir zu lieb, den mußt du mir lassen, ich gebe dir eine Tonne Goldes dafür.« Und darauf ließ der Sultan dem Einsiedler auch ein Instrument holen, worauf er spielen sollte. Er rief den gefangenen König von Spanien herein und sagte: »Der König von Spanien soll dein Fußschemel sein.« Da mußte der König an der Erde liegen und seine Frau setzte ihm ihre Füße in den Nacken; er hat sie aber nicht erkennen können. Und das geschah jedesmal, wenn der Einsiedler vor dem Sultan spielen mußte.

Der Einsiedler sang und spielte alle Tage vor dem Sultan und der hatte ihn immer lieber. Er mußte auch jeden Tag mit ihm in seinem Rosengarten spazieren gehn. Da sprach er einmal zu dem Sultan: »Mein lieber Sultan, kann ich wohl die schöne Rose aus deinem Garten pflücken?« »Ja, mein lieber Einsiedler«, sagte der Sultan, »bitte von mir, was du willst, es soll dir alles gewährt werden.« Da sagte der Einsiedler: »So bitte ich um den König von Spanien, den wollte ich gerne wieder in sein Land bringen.« Das verwilligte der Sultan, aber der Einsiedler mußte ihm vorher schwören, daß er wiederkommen wollte, wenn er den König von Spanien in sein Land gebracht hätte. Nun brachte der Einsiedler den König von Spanien wieder in sein Land, aber wollte gleich wieder weg. Da sprach der König von Spanien: »Mein lieber Einsiedler, nun lasse ich dich nicht wieder in die Türkei ziehn, du mußt bei mir bleiben, ich will mich nicht von dir trennen.« Der König wollte ihn gar nicht weglassen und so mußte der Einsiedler dableiben.

Als der Minister nun zu dem König kam, da fragte dieser ihn, wo denn die Königin wäre. Der Minister sagte: »Die hat sich schlecht aufgeführt, sie ist mit ihrem Kutscher weggelaufen.« Da sprach der König: »Ei, das wundert mich doch, mein Hemd ist noch ganz weiß, das meine Frau mir gab, als ich sie freite.« Der Minister sagte: »Das weiß ich nicht, aber sie ist weggelaufen und niemand weiß wohin.« Darüber ward der König ganz traurig. Nun hatte der Minister an ihn das Ansinnen, er sollte seine Tochter wieder zur Frau nehmen. Der König gab sich auch darin. Über Tafel saß die Ministerstochter bei ihm und er ward sich mit ihr herzen und küssen. Aber gleich ward er doch wieder ganz traurig und seufzte immer über seine Frau. Nun mußte der Einsiedler immer dabei sein und singen, wenn der König und der Minister über Tafel waren. Da sagte der König zu ihm: »Komm, mein lieber Einsiedler, singe mir ein schönes Stück, mich zu trösten mit deiner schönen klaren Stimme.« Und der Einsiedler sang:

Ach, wie muß ich so betrübt
Aus diesem Garten gehen,
Und was ich sonst zuvor geliebt,
Alljetzt in fremden Armen sehen.

Da sagte der König: »Mein lieber Einsiedler, du weißt gewiß meine Frau.« Der Einsiedler aber sagte, der Minister hätte ja gesagt, sie wäre weggelaufen. »Ja, wohl sagt er das, aber mein Hemd ist doch noch weiß«, sagte der König. Nun ging er mit dem Einsiedler in ein besonderes Zimmer und fragte ihn ganz vertraulich: »Weißt du meine Frau, so sage es mir doch.« »Ja, ich wüßte sie wohl«, sagte der Einsiedler, »aber wenn ich dir das auch sagen wollte, so würdest du es doch nicht glauben. Ich habe dich aus der Türkei geholt und du bist mein Fußschemel gewesen alle Tage und bin so lange bei dir gewesen und du hast mich nicht gekannt und hast geglaubt, was der Minister dir gesagt hat.« Da sah der König den Einsiedler einmal recht an und ward gewahr, daß es seine Frau wäre. Nun aber ward er falsch auf den Minister. Er ließ ein groß Gastgebot anrichten und die Minister und seine Statthalter alle dazu einladen, und als sie alle beisammen waren, fragte er sie, was derjenige wert sei, der einen andern während seiner Abwesenheit verleumdet hätte. Da sagte der erste Minister: »Der ist wert, daß ihm die Zunge aus dem Hals gerissen wird.« Da kam die Königin in ihren königlichen Kleidern herein und der König sagte: »Da steht sie, die du verleumdet hast.« Und darnach ließ er den Henker kommen und dem Minister die Zunge aus dem Halse reißen, nach seinem eignen Urteilspruch.

Aus Berkenthin in Lauenburg, nach der Erzählung eines alten Mannes, durch Kandidat Arndt. – Das Stück entspricht im ganzen dem Inhalt des Liedes vom Grafen von Rom, jetzt bei Uhland II, 784, und des flämischen Volksbuches vom Ritter Alexander aus Metz und seiner Frau Florentina, bei Grimm, Deutsche Sagen Nr. 531. Weil aber jenes Lied doch augenscheinlich nicht die Quelle unserer Erzählung ist, möchte man auf ein deutsches Volksbuch als Quelle schließen?

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616. Die drei gelernten Königssöhne.

Ein König hatte drei Söhne und die sollten auch was lernen. Da gab der Vater dem ältesten Sohn hundert Taler in die Tasche und sprach: »Nun geh hin und versuche dein Glück.« Der Prinz begab sich auf die Reise, da begegnete ihm eine alte Hexe und fragte: »Söhnchen, wo willst du hin?« »Ich will in die Welt und was Ordentliches lernen«, war seine Antwort. Sprach die Hexe: »So kannst du mit mir kommen, ich will dich schon was lehren, willst du mir ein Jahr dienen.« Ging also der Prinz mit ihr, diente ihr ein Jahr lang, mußte arbeiten wie ein Pferd und als das Jahr um war, fragte er: »Ich meinte, sie wollte mich was lehren?« Sprach die alte Hexe: »Ich will dir nun ein Sprüchlein geben, das hilft dir aus jeder Not; wenn du sprichst: »Wir Brüder alle drei«, so wird dich nichts anfechten.« Das ist ein gutes Sprüchlein, dachte der Prinz, bedankte sich bei der Hexe und reiste vergnügt nach Hause.

Als der König nun hörte, was sein Sohn für ein wackeres Sprüchlein gelernt, so gab er auch seinem zweiten Sohn hundert Taler in die Ficke und sprach: »Nun geh und versuche auch dein Glück.« Der Sohn ging und begegnete der alten Hexe. »Söhnchen, wo willst du hin?« fragte sie. Antwortete er: »Ich will in die Welt und was Ordentliches lernen.« Da nahm die alte Hexe ihn wieder mit, er diente ihr ein Jahr, mußte arbeiten wie ein Pferd, und als das Jahr um war, fragte er: »Ich meinte, daß ich was rechts lernen sollte?« Sprach die alte Hexe: »Ich will dir auch ein Sprüchlein geben, das dir aus jeder Not hilft; du kannst nur immer sagen: ›Um ein bißchen Käs‹, so geschieht dir nichts.« Nun reiste der Sohn vergnügt nach Hause und sagte, was er für ein Sprüchlein bekommen. Da schickte der König auch seinen dritten Sohn aus und gab ihm hundert Taler in die Tasche; und als die alte Hexe ihm begegnete und fragte: »Söhnchen, wo willst du hin?« so antwortete er: »Ich wollte in die Welt und was Ordentliches lernen.« Da nahm die alte Hexe ihn auch mit, er mußte arbeiten wie ein Pferd ein Jahr lang, und als das Jahr um war, fragte er: »Ich meinte, ich sollte was rechtes lernen?« Da gab die alte Hexe auch ihm ein Sprüchlein und riet, wenn er in Not wäre, so sollte er nur immer sagen: »Und das ist recht und billig.«

Nun blieb aber der jüngste Bruder zu lange aus, da begaben sich die beiden andern Brüder auf den Weg und wollten ihn suchen. Als sie ihn aber gefunden hatten, da sagten sie, sie wären nun alle drei so klug, sie müßten sich doch jetzt noch ein bißchen mehr in der Welt umsehen; begaben sich also auf die Wanderschaft und kamen bald in einen Wald. Da fanden sie an einem Baume einen Mann hangen, der hatte sich erhenkt und war tot. Die Brüder blieben stehen und sahen ihn noch an, als der König des Landes, der gerade auf der Jagd war, mit seinem Gefolge geritten kam, und wie er den Toten da hangen sah und die Brüder standen darunter, so fragte er: »Wer hat das getan?« Da kamen die drei in große Not und wußten sich nicht zu helfen; aber dem ältesten fiel sein Sprüchlein bei und er antwortete: »Wir Brüder alle drei.« Fragte der König weiter: »Und warum habt ihr das getan?« Da fiel dem zweiten sein Sprüchlein ein und er sprach: »Um ein bißchen Käs.« »Schwere Not«, sagte der König, »so müßt ihr ja alle drei aufgehängt werden.« Da sprach der dritte in der Not: »Und das ist recht und billig.« »Allerdings ist das nicht mehr als recht und billig«, sagte der König und die Brüder alle drei ließ er sogleich an den Baum hängen, um ein bißchen Käs, wie es recht und billig war.

Aus Heide durch Advokat Griebel. – Eine Parodie von Nr. 236. Vgl. Grimms Kindermärchen Nr. 120 mit der Anmerkung. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 210. Kuhn, Märk. Sagen Nr. 242.

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617. Vater Strohwisch.

Heim. 10, 227 ff. Wisser 47 ff. Bolte 2, 5. Geldmachender Esel: Wisser 40.

Es war mal eine alte Frau, die hatte keinen Mann, hätte aber gerne einen gehabt. Da sagte sie: »Das erste Bund Stroh, das vom Boden fällt, soll mein Mann sein«; bald fiel ein Bund Stroh vom Boden, da hatte sie einen Mann. Die Frau hatte viele Wolle. Da sagte sie zu ihrem Mann: »Mann, du sollst mit Wolle zu Markt.« Sprach der Mann: »Was soll ich denn dafür nehmen?« »Was der Markt gibt«, sagte die Frau. Vater Strohwisch ging auf den Markt, mit der Wolle in seinem Sack. Kamen da drei Brüder zu ihm und fragten: »Vater, was hat er da in seinem Sack?« »Wolle habe ich drin.« »Was will er dafür haben?« »Was der Markt gibt.« »Der Markt gibt drei Tracht Prügel.« Vater Strohwisch sagte: »Wenn ich denn nicht mehr für meine Wolle bekommen kann, so muß ich ja zufrieden sein«; da gab ihm jeder der drei Brüder eine Tracht Prügel. Vater Strohwisch kam nach Hause; sprach seine Frau: »Was hast du für die Wolle bekommen?« »Drei Tracht Prügel habe ich dafür bekommen.« »Mann, da haben sie dich angeführt!« »Tut nichts, kann sie wieder anführen.« Vater Strohwisch ging zu Holze, griff sich einen Wolf, und ging mit dem Wolf zu Markt. Kamen die drei Brüder wieder und fragten: »Vater, was hat er da?« »Hab da einen schönen großen Bock, er hat sich nur die Hörner abgestoßen.« »Was will er dafür haben?« »Für meinen Bock muß ich zehn Taler haben.« Gaben ihm die Brüder zehn Taler, denn sie fanden es gar nicht unbillig, nur stritten sie sich, wer ihn zuerst zu seinen Schafen setzen sollte. Vater Strohwisch sagte: »Der älteste muß ihn zuerst haben.« Also nahm ihn zuerst der älteste und ließ ihn Abends zu seinen Schafen, aber am Morgen waren alle seine Schafe tot. Da setzte ihn der zweite Abends zu den seinen, aber dem gings ebenso, und dem dritten Bruder gings auch nicht anders. Da wurden die Brüder schrecklich böse und beschlossen, Vater Strohwisch totzuschlagen, weil er sie so betrogen hatte. Vater Strohwisch bekam aber früh genug Wind davon, was sie im Sinne hätten. Da zog er sein bestes Pferd aus dem Stall, band es auf der Diele an, steckte ein Zwölfschillingsstück hinten ein und breitete schöne Bettücher darunter aus. Morgens kamen die drei Brüder und sahen das Pferd auf den Bettüchern stehen und Vater Stohwisch im Mist scharren; da fragten sie: »Vater, was sucht er da?« »Ich sammle mir mein Zwölfschillingsstück heraus, jeden Morgen hat mein Pferd eins hinter sich.« Sprachen die Brüder: »Das Pferd steht uns an; wieviel soll's kosten?« »Unter hundert Taler kann ich's nicht lassen«, sagte Vater Strohwisch. Da kauften die Brüder ihm das Pferd sogleich ab. Und der älteste nahm es zuerst mit nach Hause und deckte ihm schöne Bettücher unter, und morgens lief er voller Freude hin, um das Geld zu holen, aber da fand er nichts als Mist und sein Bettzeug war verdorben. Er sprach zu seinen Brüdern: »Vater Strohwisch hat uns wieder betrogen«, aber die Brüder antworteten: »Du hast kein Glück, laß uns es nur versuchen«, nahmen also das Pferd, erst der zweite, dann auch der dritte, und jeder breitete das Bettzeug unter und dachte, das Pferd sollte ihm Geld bringen, aber das Pferd brachte kein Geld, sondern beschmutzte nur das Bettzeug. Da wurden die Brüder noch grimmiger und sagten: »Nun wollen wir ihn ganz gewiß totschlagen«, nahmen Dreschflegel und Heugabeln in die Hand und gingen nach dem Hause, wo Vater Strohwisch wohnte. Der hatte aber sein Schwein geschlachtet und war beim Wurststopfen. Als er nun die Brüder kommen sah, hing er seiner Frau eine frische Blutwurst um den Hals und verabredete alles schnell mit ihr; und als die Brüder eintraten, rief er ihr zu: »Flink, setze Stühle her und bringe Pfeifen herein, meine Kaufleute sind da.« Das wollte die Frau nicht. Aber Vater Strohwisch sprang mit seinem Messer hinzu und sagte: »Ich schneide dir den Hals ab, wenn du nicht gehorsam bist«, und schnitt ihr die Wurst entzwei, daß das Blut herausströmte. Da fiel die Frau um, als wenn sie tot wäre, aber Vater Strohwisch nahm eine kleine Pfeife aus der Tasche und pfiff darauf dreimal ganz stark, da stand die Frau wieder auf, setzte Stühle hin und holte Pfeifen. Fragten die Brüder: »Vater, wie machst du das?« Vater Strohwisch antwortete: »Ich habe da eine kleine Pfeife, wenn meine Frau nicht hören will, reiße ich ihr die Kehle aus; pfeife ich aber auf meiner Flöte, so wird sie wieder lebendig und tut alles, was ich will.« »Die Pfeife mußt du uns verkaufen«, sagten die Brüder, »unsere Frauen tun selten, was wir ihnen sagen; was soll die Pfeife kosten?« »Hundert Taler müßt ihr mir geben«, und die gaben ihm die Brüder gern. Als der älteste nun nach Hause kam, wollte er es gleich damit versuchen. »Hole mir den Stiefelknecht«, sagte er zu seiner Frau. »Du hast ihn dir all deine Tage selbst geholt, warum soll ich es jetzt tun?« sagte die Frau. Da sprang er sogleich auf und riß ihr die Kehle aus, und darauf fing er an zu pfeifen und pfiff die ganze Nacht hindurch, aber da war kein Leben wieder in die Frau hineinzubringen. Darauf versuchte es auch der zweite und dann auch der dritte und schnitten ihren Frauen die Kehlen durch, aber ins Leben pfeifen konnten sie sie beide nicht. Da gingen die Brüder zum drittenmal zu Vater Strohwisch und wollten ihn nun ganz gewiß totschlagen. Als sie ins Haus kamen, sagten sie zu der Frau: »Wo hast du deinen Mann?« »Der hat sich aufgehängt!« »Wo denn?« »Draußen im Garten.« Da liefen die Brüder in den Garten hinaus und dachten, Vater Strohwisch wollte sie wieder anführen, aber da sahen sie da ein Bund Stroh in einem Baum hangen mit Zeug angetan und schrecklich zappeln. Da erschraken sie sich und liefen, daß sie fort kamen und sollen seit der Zeit noch wieder kommen.

Durch Herrn Schullehrer Bahr in Wrohe.

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618. Die reichen Bauern.

Heim. 11, 83 ff. Wisser 47 ff. 63 ff. 31 ff. Bolte 2, 5. Nach einer aus Schinkel mitgeteilten Fassung (»Grootklaas un Lüttklaas«) gibt Lüttklaas die Pferdehaut im Sack für einen »Wahrsegger« aus und prellt einen Bauern und einen Küster je um einen Scheffel Geld usw.

In einem Dorfe wohnten viele reiche und große Bauern, und da war nur ein einziger Armer unter ihnen, der hatte ein ganz kleines kümmerliches Gewese und darauf lebte er mit seiner alten Großmutter. Die reichen Bauern trieben gerne ihren Spott mit ihm und hatten ihn oft zum besten, sie nannten ihn ihren Dummhans im Dorf, aber er war doch klüger als sie alle zusammen. Dummhans hatte nun eine schwarze Kuh, die war wild, sprang oft über und lief in seines Nachbarn Korn und trat viel darin nieder. Eines Tages sprach der Nachbar: »Werde ich's noch einmal wieder gewahr, so schieße ich dir die Kuh tot.« Aber die Kuh war nicht zu halten. Nächstes Tags war sie wieder im Korn; da lief der Bauer hin und schoß sie tot, Dummhans aber mußte sich das gefallen lassen. Er zog ihr die Haut ab und brachte die zu Markt, und als er sie verkauft hatte, ging er ins Wirtshaus und saß da bis in die Nacht und ließ sich's wohl sein. Der aber, der die Haut gekauft hatte, das war ein Dieb. Der hing sich die Haut um, so daß ihm die Hörner vor dem Kopf standen, und ging in der Nacht zum Wirt, der allezeit mit doppelter Kreide anschrieb und seine Gäste betrog und so ein ein reicher Mann geworden war; der Dieb sprach zu ihm: »Gib mir gleich dein Geld oder ich drehe dir den Hals um, denn du siehst wohl, wer ich bin.« Der Wirt erschrak vor der fürchterlichen schwarzen Gestalt mit den Hörnern, meinte es sei der Teufel und gab alles heraus, was er hatte. Als aber der Dieb fort war, da besann er sich doch, machte Lärm und ließ nachsetzen. Der Dieb lief, so schnell er konnte, davon, aber das viele Geld machte ihm das Laufen beschwerlich. Da holte er den Bauern ein, von dem er die Haut gekauft hatte und der nun nach Hause ging. Er sprach zu ihm: »Wenn du mir eine Zeitlang mein Geld tragen und mich nicht verraten willst, so sollst du die Hälfte abhaben.« Da nahm ihm Dummhans das Geld ab und der Dieb lief weiter. Bald kamen die Leute, die ihm nachsetzten, und fragten Hans, ob er auch einen Dieb gesehen. »Nein«, sagte der, »einen Dieb habe ich nicht gesehen, aber der Teufel sauste eben hier vorbei und sagte, er würde allen den Hals umdrehen, die ihm nachkämen.« Da dachten die Leute, daß es besser wäre, wenn sie umkehrten, Dummhans aber ging ruhig mit seinem Gelde nach Hause. Am andern Morgen kam der Dieb und sie wollten teilen. Da schickte Dummhans zu seinem Nachbar und ließ ihn bitten um ein Kannenmaß, er wollte nur sein Geld darin aufmessen. Der Nachbar fing an zu lachen und sagte: »Dummhans will wohl Kartoffeln ausmessen«, doch gab er ihm das Kannenmaß. Aber als Dummhans es wieder schickte und der Bauer nun nachsah und in den Fugen noch ein paar Vierschillingsstücke entdeckte, da lief er zu den andern Bauern und erzählte ihnen, Dummhans sei mit einem Male so reich geworden, daß er sein Geld mit Kannen messen müsse. Und sie kamen nun alle zu Dummhans und fragten ihn, wie er bei dem Gelde käme. Dummhans antwortete so und so, sein Nachbar hätte ihm ja die Kuh totgeschossen, da hätte er die Haut verkauft und habe so viel dabei verdient. Da wollten alle Bauern auch einen solchen Handel machen, schlugen alle ihre Kühe und Ochsen tot und brachten die Häute zu Markt und forderten für jede Haut wenigstens hundert Taler. Aber sie konnten nicht mehr als den gewöhnlichen Preis bekommen und die Kaufleute meinten, sie wollten sie zum Narren haben, und gaben ihnen noch Prügel in den Kauf. Da kamen die Bauern voller Zorn über Dummhans nach Hause und beredeten sich, daß sie ihn in der Nacht umbringen wollten. Dummhans aber merkte, daß sie so etwas gegen ihn vorhätten. Darum legte er Abends seine alte Großmutter vorne ins Bett, aber er legte sich selbst hinten hin. Da kamen nun Nachts die Bauern ins Haus mit Äxten und Knitteln, und schlugen die alte Großmutter tot, meinten aber, sie hätten Dummhans den Rest gegeben. Dummhans stand des Morgens früh auf, lud Äpfel auf den Wagen, aber seine alte Großmutter nahm er auch mit und setzte sie auf den Stuhl, als wenn sie noch lebte; so fuhr er zu Markt und ließ den Wagen mit den Äpfeln auf dem Markte stehen, er selbst aber ging in ein Wirtshaus, legte sich aus dem Fenster und paßte auf. Bald kamen ein paar Juden und fragten: »Mutter, was sollen die Äpfel kosten?« Die alte Großmutter aber saß ganz steif und sagte nichts, die Juden fragten noch einmal und zum drittenmal, da ward der eine verdrießlich und stieß sie mit seinem Stocke an und rief: »He, Mutter!« Sie aber fiel vornüber und vom Wagen hinunter; da kam Dummhans aus dem Wirtshaus gelaufen und schrie, die Juden hätten ihm seine Großmutter totgeschlagen, das sollte ihnen noch eine Stunde schlimm gehn, er wollte hin und sie verklagen. Da kamen die Juden so in Angst und Not, daß sie Dummhans viel Geld boten, wenn er nur schweigen wollte. Damit war Dummhans zufrieden und die Juden gaben ihm an zweihundert Taler; und darauf begrub er seine alte Großmutter und fuhr nach Hause.

Als die Bauern nun sahen, daß ihr Dummhans noch lebte, da verwunderten sie sich und fragten ihn: »Haben wir dich nicht totgeschlagen?« Antwortete Dummhans: »Was solltet ihr wohl! Ihr habt meine alte Großmutter totgeschlagen und da habe ich einen guten Zug mit getan. Ich habe sie zu Markt gebracht und habe zweihundert Taler dafür gekriegt.« Nun verwunderten sich die Bauern noch mehr und beschlossen, weil noch viele alte Weiber im Dorfe waren, so wollten sie alle totschlagen und dann zu Markt bringen und verkaufen. Als sie aber mit den alten Frauen zu Markt kamen und die Leute fragten: »Was habt ihr da zu verkaufen?« und die Bauern antworteten: »Tote Großmütter!« da ging es wie ein Lauffeuer durch den Ort, die Bauern hätten ihre Großmütter totgeschlagen, und der Vogt bekam es zu wissen und wollte die Bauern festsetzen. Da mußten sie schweres Geld geben, daß sie nur wieder loskamen und mußten machen, daß sie wieder nach Hause kamen. Nun aber waren die Bauern so böse auf Dummhans, daß sie beschlossen, ihn gleich aus der Welt zu schaffen, und wollten ihn versaufen. Sobald sie nach Hause kamen, ergriffen sie ihn, steckten ihn in eine Tonne und fuhren mit ihm los bis an einen Teich. Da setzten sie die Tonne nieder, gingen erst noch einmal ins Wirtshaus und nahmen sich einen. Aber Hans saß immer in der Tonne und rief: »Ich soll die Königstochter haben und will nicht! Ich soll die Königstochter haben und will nicht!« Der Schafhirte trieb da mit seiner Herde vorüber und hörte Hans rufen. Da sagte er: »Wenn du nicht willst, so will ich es gern; kann ich nicht die Königstochter kriegen?« »Ja«, sagte Hans, »das kannst du; aber dann mußt du mich heraus lassen und hier in die Tonne kriechen.« Da kriegte der Schafhirte ihn heraus und stieg selber hinein, und als die Bauern kamen, schrie er: »Laßt mich hinaus, ich will ja die Königstochter haben.« Aber die Bauern hörten nicht darauf und warfen ihn mit der Tonne in den Fischteich. »So«, sagten sie, »nun sind wir ihn los«, und gingen ins Dorf zurück; Abends aber trieb Hans seine Herde herein; da verwunderten sie sich und fragten: »Hans, wo kommst du her und wie kamst du zu den Schafen?« Hans antwortete: »Ihr habt mich in den Teich geworfen, da hab ich mir die Schafe herausgeholt; der Teich ist unten ganz voll davon.« Das wollten die Bauern nicht glauben, aber am andern Tage gingen sie alle mit Hans an den Teich, da spiegelten sich die kleinen Wolken darin, die man Lämmlein nennt. Da sagte Hans: »Seht ihr wohl, daß ich Recht habe?« Da wollten die Bauern sich auch Schafe holen, jeder eine Herde, Hans sein reicher Nachbar aber sagte: »Ich will zuerst in den Teich«, und sprang hinein. Gleich ging ihm das Wasser über den Kopf, aber er kam noch einmal wieder in die Höhe und rief: »Blubbeleblub! Blubbeleblub!« »Was sagt er?« fragten die Bauern. »Er sagt«, antwortete Hans, »er hat schon einen schönen Bock beim Kopf, ihr sollt ihm helfen.« Da sprangen alle Bauern in der Hast hinter ihm drein und ertranken wie die Ratzen. Und so war nun das ganze Dorf ausgestorben und Hans war der einzige Erbe, und von der Zeit an war er ein reicher Mann, denn ihm gehörte das ganze Dorf und er lebte all seine Tage herrlich und in Freuden, und wenn er noch nicht ausgelebt hat, so lebt er noch heute.

Aus Dithmarschen nach verschiedenen, wenig unter sich abweichenden Relationen aus Heide, Meldorf und Marne. Es werden häufig nur die einzelnen Stücke erzählt. Eine Erzählung aus Wrohe im Kirchspiel Westensee setzt an die Stelle von Dummhans den Bauer Siwitt: Einmal fährt er mit Holz zur Stadt, da fliegen zwei Kibitze über ihn hin; da meint der Bauer, seine Ochsen vor dem Wagen spotteten über seinen Namen; er nimmt einen Scheit Holz, wirft sie tot und verkauft die Häute. Dann folgen mit geringen Abweichungen, nur zerrütteter, die Abenteuer der mitgeteilten Erzählung. In Dithmarschen setzt man oft auch an die Stelle der Bauern drei Juden, die Hans feind sind und von ihm überlistet werden. Ein Märchen beginnt: Hans hat eine alte Großmutter und ein Pferd. Das Pferd stirbt. Er bringt es zu Markt und stellt es auf, als wenn es lebte, er streicht ihm den Bauch, ein paar Zwölfschillingsstücke, die er vorher hineingesteckt, fallen heraus. Da kommen die Juden usw. Es folgt auf diese List der Betrug mit der Flöte. Siehe die vorige Nummer. Dann der Schluß des letzten Märchens. – Dies und das vorige Stück geben nun zusammen vollständig den Inhalt des lateinischen Einochs aus dem 11. Jahrhundert wieder (Grimm lat. Gedicht S. 354), vollständiger also, als die Märchen vom Bürle, vom Bauer Rutschki, vom Bauer Kibitz bei Grimm K.-M. Nr. 61 Anm. S. 111. Vgl. auch Wolf, Deutsche Sagen Nr. 11.

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619. Die Sündflut.

Vgl. Detl. v. Liliencron Ges. W. 3, 277. Nach einer Variante aus Schinkel ist es der Priester, der nach Wasser ruft, als er bei einem Besuch bei der Bauersfrau dem Küster den Hintern zum Kuß aus dem Fenster steckt und von diesem mit einer glühenden Zange gebrannt wird.

Es war einmal ein Bauer, der ging zur Kirche. Der Herr Pastor predigte über die Sündflut und daß Noah in einem Kasten sich gerettet, er ermahnte auch seine Zuhörer zur Wachsamkeit. Als der Bauer nun nach Hause ging, so dachte er über die Predigt nach. Das Ding ging ihm gewaltig im Kopfe herum. Wie, dachte er bei sich, wenn nun abermals eine Sündflut käme? Dann sagte er laut: »Dat schall mi nich beschuppen« (anführen, überraschen). Er nahm seinen großen Backtrog, befestigte an jedem Ende einen Strick und zog ihn nun mit Hilfe seines Knechts auf den Boden, wo er die beiden Stricke um zwei Hahnenbalken schlang, so daß der Backtrog in freier Luft schwebte. Darauf trug er Butter, Brot, Wurst, Schinken und Speck hinein, und aus Vorsicht, daß ihn das vielleicht zur Nachtzeit plötzlich anschwellende Wasser im Bette nicht überraschte, schlief er jede Nacht oben in seinem Backtrog.

Der Bauer hatte aber eine hübsche Frau, die es nicht wenig verdroß jede Nacht allein zu sein. Auf der Nachbarschaft wohnte ein Schmied. Der erriet sehr bald ihre Gedanken und hoffte, das Spiel zu gewinnen. Er besuchte in der nächsten Nacht die Frau, allein trotz aller Bitten konnte er es nicht weiter bringen, als daß er ihr die Hand küssen durfte. Damit war er schlecht zufrieden. Doch er kam in der nächsten Nacht wieder, und auch in der dritten, aber konnte es immer nicht weiter bringen, als bis zum Handkuß. Da ging er ganz erbittert weg und dachte sich zu rächen. Am nächsten Abend kam er wieder, und als sie ihm abermals bloß die Hand zum Kuß reichte, zog er schnell ein glühend Eisen hervor, das er in der linken Hand hinter dem Rücken gehalten hatte, und verbrannte der armen Frau die ganze Hand, indem er sprach: »Betriegst du mich, betriege ich dich.« Da fing die Frau gar ängstlich an zu schreien: »Wasser! Wasser!« Sie meinte wegen ihrer verbrannten Hand, aber der Mann oben im Backtrog meinte, daß die Sündflut käme und seine Frau schon ertrinken wollte, schnitt die Stricke ab, damit sein Schiff flott würde, und der Backtrog fiel, und fiel durch die Luke auf die Diele, und der Bauer, der darin war, brach den Hals.

Durch Herrn Schullehrer Bahr in Wrohe.

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620. Dree to Bett.

Urqu. 1, 121 f. (aus Heide).

Da weer mal innen Dörp en ole rike Fru, de harr vel Geld un Guut, un fe weer dabi in Beroop, dat se allens wuß un dat er nicks verhalen bliwen kunn. So klook weer se. Nu weren da awers dree junge Lüd int Dörp, de wullen dat nich vör vull glöben. Do maken se dat unner sik as, dat se den neegsten Abend bi er luren wullen, un wullen sik dat mal mit er versöken. De ole Fru de harr sik nu angewennt, s'abends, wenn se bi't Spinnen dat eerste Maal hohjaan (gähnte), so sä se: »Dat weer Een to Bett«; un hohjaan se denn tom tweten Maal, so sä se: »Dat weren Twee to Bett«; dat drütte Maal awer sett se dat Spinnrad bi de Siet un sä: »Dat weren Dree, nu kaam ik«, un güng to Bett.

Abends do kemen nu de dree jungen Lüd un de eerste güng ant Finster un keek in, do seet de Olsche achtern Awen (Ofen), de Lamp stunn oppen Disch, un se spunn. Do sung se an to hohjaanen un sä: »Oha! dat weer Een.« De, de voert Finster stunn, meen, se harr em meent un wuß, wat se all dree wullen. Do leep he, wat he kunn, dat he foort keem, un vertell de annern, wo em dat gaan weer. Nu güng de twete hen un keek int Finster, do seet de Olsche noch bi er Spinnrad un spunn. Do hohjaan se tom tweten Maal un sä: »Oha! dat weren Twee!« Do verschrook sik de ant Finster ok un maak, dat he weg keem. De Drütte sä: »Jü sünd man all beid dumme Jungens, laat mi man ins (einmal) hen.« As he nu ant Finster keem, do hohjaan de Olsche tom drütten Maal un sä: »Dat weren Dree«, un stött dat Spinnrad vun sik, stunn op un sä: »Nu kaam ik!« Do kunn sik ok de Drütte nich länger holen un leep voer Angst weg un hen to de annern, de ole Fru awer güng to Bett; un vun de Tied an weer dar keen Minsch int hele Dörp, de nich sä, dat de ole Fru allens wuß un dat se en ganzen Kloken weer.

Aus Dithmarschen, durch Herrn Schullehrer Knees aus dem Lande Oldenburg und durch Storm aus Husum. – Das Stück wird gewöhnlich so erzählt, daß drei Räuber die Frau bestehlen wollen, aber durch ihre Worte verscheucht werden. Gerade so Thiele, Danm. Folkes. I, 371.

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621. Das goldene Bein.

Bolte 3, 481.

Da weer mal en Mann un en Fru, de harrn en Sœn. De Sœn de harr awer so gewaldig de Flœt (Fluß, Gicht) int Veen, dat optletzt em dat Been affull; da kunn keen Dokter wat an doon. Do leten se em nu en golden Been maken. Awers de Flœt de seet all so dêge (schon bis zu dem Grade) in em, dat dat nich lang meer duer, do bleev he dood un se mussen em to Karkhoff drêgen. Do dach de Fru, dat weer doch Schad um dat golden Been, dat dat so in de Erd beliggen bliwen schull. Se gung hen un haal sik dat Been wedder.

Nu sung dar awer abends wat in den Törsstall an to ramentern un mit den Tors herumtosmiten, dar gung en ganz grêsig Spektakeln loos, un nös (nachher) sung dar een an to hulen: Mien Been! Mien Been! Mien Been! Dat duer so de ganze Nacht hendœr mit dat Hulen un Pultern. De Kœcksch seggt to de Fru, wat dat weer; de Fru antwoord er, dat se em fragen schall, se weet dat nich. Dat harr de Kœksch awers nich Hart.

Den annern Abend gung de sülwige Spektakel wedder loos, dat smeet dar jümmer to mit den Törf herum un dat pulter dar so in den Törsstall, dat nüms meer in de Kœck duern (niemand mehr aushalten) kunn, un jümmers huul he dabi: Mien Been! Mien Been! Mien Been! De Kœksch sroog de Fru wedder, awer de Fru wull er dat nich seggen.

Den drütten Abend weer de Spektakel un dat Larmen un Pultern un dat Hulen noch vêls duller, as vörhêr. Do schull de Kœksch Törf halen, dat harr se awer nich Hart. Se sä to de Fru, se schull mitkamen, denn will se em uk fragen; do geit de Fru mit êr un maakt den Törfstall op. Do fangt he an to hulen un seggt wedder: Mien Been! Mien Been! Mien Been! »Wull (wer) hett dien Been«? seggt de Kœksch; do seggt de Dode: »Du hest mien Been!«

Aus Dithmarschen. Wie Nr. 487 und Nr. 600 (Anmerkung) erzählt werden, um einen oder mehrere der aufmerksamen Zuhörer zu erschrecken, so auch dieses Märchen, dessen ganze Absicht eben dahin geht, indem das letzte »Du« laut und stark hervorgestoßen und einer besonders damit angeredet wird.

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622. Der Teufel ist tot.

Einl. S. XVII. Zu den Verwandlungen vgl. Wat Grotm. vertellt 3, 92 f. Bolte 2, 62.

Ein Bauer hatte einen Sohn, der hieß Hans, das war aber ein Tunichtgut. Sein Vater gab ihn oft bei andern Leuten in Dienst, aber nach ein paar Tagen lief Hans immer wieder weg und kam nach Hause. Da sagte der Vater endlich zu ihm: »Wenn du dich durchaus nicht schicken willst, so will ich dich noch bei dem Teufel vermieten.« Nach einiger Zeit kam nun ein Mann und suchte einen Diener: da vermietete der Bauer Hans bei ihm, aber sagte, er sollte ihn doch gut unter Aufsicht nehmen, Hans sei ein Taugenichts und laufe immer wieder weg. »Das hat bei mir keine Not«, sagte der Mann, »denn ich bin der Teufel.« »Da sollte er auch gerade hin«, sagte der Vater. Hans folgte seinem neuen Herrn. Den ersten Tag, als der Teufel ausgehen wollte, sagte er zu Hans: »Nun kannst du während der Zeit mir meine Bücher abstäuben, aber ich rate dir, lies nicht darin.« Der Teufel ging aus und Hans verrichtete sein Geschäft, stäubte alle Bücher ab von oben bis unten, als er aber damit fertig war, fing er an darin zu lesen und las ganz emsig. Abends kam der Teufel nach Hause. »Hast du auch gelesen«? fragte er. »Ja freilich, aber ich habe auch doch gut geputzt«, antwortete Hans. Da gab der Teufel ihm einen Verweis und drohte ihm. Am andern Tage ging der Teufel wieder aus und sagte zu Hans, er solle ihm seine Bücher putzen, aber lese er darin, würde es ihm eine Zeitlang schlecht gehn. Hans ging an sein Geschäft, und als er die Bücher geputzt, las er noch eifriger darin, als am ersten Tage. Abends fragte ihn der Teufel: »Hast du auch gelesen?« »Ja freilich«, sagte Hans, »aber ich habe auch gut geputzt.« Das half aber alles nichts, Hans bekam eine arge Tracht Schläge. Am dritten Tage ging der Teufel wieder aus und sagte: »Liest du heute wieder in meinen Büchern, so drehe ich dir den Hals um.« Hans las den ganzen Tag in den Büchern, als es aber gegen den Abend ging, daß der Teufel wieder nach Hause kommen sollte, dachte er, nun wird's Zeit, daß ich wieder nach Hause komme, lief fort und ging wieder zu seinem Vater. Sein Vater aber nahm ihn unsanft auf und schalt und war sehr böse; aber Hans sagte: »Sei nur nicht böse, lieber Vater, ich habe so viel bei dem Teufel gelernt, daß wir uns nun selber helfen können.« Also blieb Hans nun bei seinem Vater.

Am andern Morgen sagte er zu seinem Vater: »Nun will ich mich in einen Hengst verwandeln, du mußt nur einen Zaum schaffen, dann führ mich zu Markt und verkaufe mich, aber ja nicht mit dem Zügel, sonst bin ich verloren.« Der Vater schaffte nun einen Zaum, Hans verwandelte sich in einen schönen Hengst und der Vater brachte ihn zu Markt. Da stellte sich bald ein Käufer ein, der aber niemand anders als der Teufel selber war, handelte mit dem Bauern und sie wurden endlich einig um eine große Summe Geldes. Aber den Zügel wollte der Teufel durchaus mit haben. Das wollte der Vater nicht, aber endlich gab er's doch zu, denn er dachte, der Junge ist doch ein Taugenichts. Nun ritt der Teufel auf seinem Hengst zu einem Schmied und wollte ihn beschlagen lassen. Weil aber der Schmied gerade bei einer Mahlzeit war, so nötigte er den Teufel, doch so lange herein zu kommen. Der Teufel band seinen Hengst vor der Schmiede an und ging hinein. Da aber wußte Hans es während der Zeit so zu machen, daß er vom Zügel frei ward, und nun verwandelte er sich in einen Hasen und lief spornstreichs davon. Als das aber der Teufel sah, machte er sich schnell zu einem Windhund und lief hinter dem Hasen drein und bald hatte er ihn eingeholt. Da machte sich der Hase schnell zu einem kleinen Vogel und flog davon, aber der Teufel verwandelte sich in einen Falken und war bald dem kleinen Vogel ganz nahe. Zum Glücke erblickte der am offenen Fenster eines Klosters eine Nonne, die sich mit Nähen beschäftigte; da schlüpfte er schnell ins Fenster, der Nonne in den Schoß, und wie die den kleinen niedlichen Vogel sah, warf sie schnell das Fenster zu und der Falke mußte draußen bleiben. Da verwandelte Hans sich in einen Fingerring und die Nonne steckte ihn an den Finger, aber abends als sie zu Bette ging, nahm er seine rechte Gestalt an und schlief bei der Nonne; am andern Tage aber war er wieder ein Fingerring. Da kam der Teufel und wollte der Nonne den Ring abkaufen; aber die Nonne sagte: »Nein, den Ring verkaufe ich in meinem Leben nicht.« Und der Teufel mußte unverrichteter Sache wieder abziehn. Abends aber sagte Hans zu seiner Freundin: »Wenn morgen der Teufel wiederkommt, so verkaufe ihm nur den Ring, laß dir aber erst das Geld geben, bevor du ihm den Ring reichst. Wenn du aber diesen ihm hinlangst, so laß ihn fallen; dann werden da drei Gerstenkörner liegen, da setze schnell deinen Fuß auf eins davon.« Bald kam auch der Teufel wieder; da ging der Handel vor sich, aber ganz so wie Hans gesagt hatte. Die Nonne empfing zuerst das Geld, dann langte sie dem Teufel den Ring hin, aber ließ ihn fallen, da lagen da drei Gerstenkörner am Fußboden und die Nonne setzte schnell ihren Fuß auf eins von den Körnern. Da verwandelte sich der Teufel in ein Huhn und pickte die zwei Gerstenkörner auf, aber das dritte konnte er nicht bekommen, doch pickte er darnach. Da machte sich das Körnlein schnell zu einem Fuchs, sprang auf das Huhn los und fraß es auf, und seit der Zeit ist der Teufel tot und aus der Welt.

Durch Herrn Schullehrer Rohweder in Thienbüttel. Das Märchen hat sein Eignes gegenüber dem entsprechenden bei Grimm K.-M. Nr. 68 mit den Anm. S. 121.

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623. Fuchs und Wolf.

Bolte 1, 10.

Fuchs und Wolf machten Freundschaft und brachen nachts in eine Meierei ein, stahlen eine Tonne Butter und verabredeten, sie miteinander zu verzehren. Nun aber sagte der Fuchs: »Morgen kann ich nicht kommen, da soll ich Gevatter stehn; wir können übermorgen den Schmaus halten.« Der Wolf willigte darein und sie versteckten die Tonne hinter einen Busch. Am andern Morgen ging der Fuchs fort, aber nicht, um den Gevatterdienst zu tun, denn das hatte er nur ausgedacht, sondern er ging hinter den Busch zu der Tonne, und weil er darauf gehungert hatte, fraß er sie bis zur Hälfte leer. Abends als er nach Hause kam, fragte ihn der Wolf, was das Kind für einen Namen bekommen; da sagte der Fuchs: »Halfuut!« Am andern Tage sagte der Fuchs: »Ich habe es für heute wieder versprechen müssen, Gevatter zu stehen, wir müssen's noch einen Tag hinausschieben.« Der Wolf hatte nichts dawider. Der Fuchs ging fort und wieder zu der Buttertonne, und abends als der Wolf ihn fragte, welchen Namen das Kind bekommen, da antwortete er: »Dreevirteluut!« Den dritten Tag wollte er wieder aus zum Gevatter stehn; der Wolf ward verdrießlich, aber gab sich doch zuletzt zufrieden. Der Fuchs ging zu der Tonne, zehrte wacker von dem Rest, und als Abends der Wolf fragte, wie das Kind heiße, sagte er: »Schrapopnborn!« Nun aber wollten sie am folgenden Tage ihre Butter verzehren. Sie gingen hinter den Busch, aber da war die Tonne leer. Da sagte der Wolf: »Fuchs, wer hat hier alles aufgefressen? Ich habe es nicht getan, du hast's getan.« »Ei, was sollt ich wohl«, sagte der Fuchs, »bin ich nicht in Geschäften ausgewesen? du bliebst allein zu Hause, du allein hast um den Versteck gewußt, du selber hast auch alles aufgefressen.« Aber der Wolf beteuerte, daß er alle drei Tage nicht aus dem Hause gewesen sei und die Butter nicht angerührt habe. Da sprach der Fuchs: »Einer muß es doch getan haben; wir wollen den Täter schon herausfinden. Laß uns ein Feuer anlegen und stellen uns beide daran. Wer die Butter aufgefressen hat, der wird der fetteste sein und das meiste Fett wird aus ihm herausbraten.« Wie gesagt, so getan. Sie legten das Feuer an und stellten sich daneben; aber der Wolf ward bald von der Wärme müde und schlief ein. Da ging der Fuchs hin, nahm den Rest der Butter aus der Tonne und schmierte alles dem Wolf in den Pelz, dann weckte er ihn und rief: »He, Wolf, nun sieh dich an!« Da schlug der Wolf die Augen auf und sah, daß er ganz von Fett triefte.

Durch Dr. Klander in Plön. Vgl. Grimm K.-M. Nr. 2. Katze und Maus in Gesellschaft. Anm. S. 7. – Das Stück wird auch erzählt mit dem bekannten Abenteuer des Fischers auf dem Eise. Der Fuchs sagt zum Wolf, nachdem er seinen Schwanz in die Wake gesteckt: »Du mußt nich plempern mit den Steert, sunst fangt wi nicks,« De Voß plempert aber ümmer so'n bêten, de Wulf hölt ganz still, so früst em de Steert in usw.

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624. Warum de Swien ümmer inne Grund wroeten.

Grundtvig, Gamle danske Minder 1, 226(Amt Hadersleben). Heim. 16, 311.

En ole Hex un twee moje Meidjes (schmucke Mädchen) kregen en Kook (einen Kuchen) to Füer. As de Kook half gar is, geit de Kook weg. As he nu en Enden kweem, do kweem em en Haas to möt (entgegen). Do sä de Haas: »Kook, w'nêm wullt der hen, Kook?« Do sä de Kook: »Ik sün (ich bin) êwen twee moje Meidjes un en ool Hex entlopen, ik entloop di, Haas Wippsteert, ook wul.« Do fangt de Haas ook an to lopen, fallt um un blifft dood. Un de Kook gung wider.

As de Kook nu wedder en Enden henkweem, do kweem em de Voß to möt. Do sä de Voß: »Kook, w'nêm wullt der hen, Kook?« Do sä de Kook: »A, ik sün êwen twee moje Meidjes un en ool Hex un en Haas Wippsteert entlopen, ik entloop di, Voß Dicksteert, ook wul.« Do fangt de Voß an to lopen, fallt um un blifft dood. Un de Kook gung wider.

As de Kook nu wedder en Enden henkweem, so kweem em en Rick (Reh) to möt. Do sä dat Rick: »Kook, w'nêm wullt der hen, Kook?« Do sä de Kook: »A, ik sün êwen twee moje Meidjes un en ool Hex, un en Haas Wippsteert, un en Voß Dicksteert entlopen, ik entloop di, Rick Blixsteert, ook wul.« Do fangt dat Rick an to lopen, fallt um un blifft dood. Un de Kook gung wider.

As de Kook nu wedder en Enden henkweem, do kweem em en Koh to möt. Do sä de Koh: »Kook, w'nêm wullt der hen, Kook?« Do sä de Kook: »Ik sün êwen twee moje Meidjes, un en ool Hex, un en Haas Wippsteert, un en Voß Dicksteert, un en Rick Blixsteert entlopen, ik entloop di, Koh Swippsteert, ook wul.« Do fangt de Koh an to lopen, fallt um un blifft dood. Un de Kook gung wider.

As de Kook nu wedder en Enden henkweem, do kweem em en ool Sœg (Sau) to möt. Do sä de Sœg: »Kook, w'nem wullt der hen, Kook?« Do sä de Kook: »A, ik sün êwen twee moje Meidjes, un en ool Hex, un en Haas Wippsteert, un en Voß Dicksteert, un en Rick Blixsteert, un en Koh Swippsteert entlopen, ik entloop di, ool Sœg, ook wul.« Un as de Kook dat seggt harr, gung de Kook na de Grund rin. Do fangt de ool Sœg an to wrœten (wühlen) un wull em der herut hebben, kunn em awers nich krigen. Un vun disse Tied an wrœten de Swien noch all inne Grund un wüllen de Kook herut söken, hebbt em awer noch nich wedder funden.

In der Mundart der im Kronprinzenkooge bei Marne in Süderdithmarschen wohnenden Ostfriesen. Das Märchen ist auch sonst in Dithmarschen bekannt und eine zweite Relation aus Meldorf diente zur Ergänzung eines richtigen Reimworts.

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625. Die beiden Hähne.

Der Hahn eines Bäckers scharrte im Weizen, und der Hahn eines Tischlers scharrte in den Hobelspänen. Des Bäckers Hahn rief laut: »Mir geht's wohl!« Des Tischlers Hahn antwortete: »Wie lang wird's dauern?« Da kam der Bäcker und warf seinem Hahn einen Klotz ans Bein. Da schrie der Hahn: »Gotts Sapper, Gotts Sapper!« »Das dacht ich wohl«, sagte der Hahn des Tischlers und scharrte weiter in den Hobelspänen.

Aus Plön.

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626. Vom Hähnchen und Hühnchen.

Heim. 12, 264. 30, 106 (aus Nordstrand). Diermissen, De lüttje Strohot S. 86. Bolte 2, 147.

Henk en Huank ging jens üt üp Haagen.
Henk fuand en Saaltkuurn,
Henk eet dit Saaltkuurn ap.
En Huank fuand en Maaltkuurn.
Huank will brun fan dit Maaltkuurn.

(Hühnchen und Hähnchen gingen einmal hinaus auf den Mist.
Hühnchen fand ein Salzkorn,
Hühnchen aß das Salzkorn auf.
Und Hähnchen fand ein Malzkorn.
Hähnchen will Bier brauen aus dem Malzkorn.)

Dit Ürt wear klaar, da waad Henk sa töstig.
Henk fraaget Huank: »Meik jens Ürt so?«
»Ja nog«, swaaret Huank, »wan man ek ön Kaar falst.«
Man Henk wear begearelk,
Jü fääl ön de Kaar en bleef stuunen üp jen Bein.

(Der Trank war fertig, da ward Hühnchen so durstig.
Hühnchen fragte Hähnchen: »Kann ich einmal einen Trunk bekommen?«
»Jawohl«, sagte Hähnchen, »wenn du nur nicht in den Bottich fällst.«
Aber Hühnchen war begehrlich,
Es fiel in den Bottich und blieb stehn auf einem Bein.)

Huank löp hen tö de Mann en buad hüm:
»Mann wedt ek Henk help?
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid de Mann.

(Hähnchen lief hin zum Mann und bat ihn:
»Mann, willst nicht Hühnchen helfen?
Hühnchen ist in den Bottich gefallen,
Steht nur auf einem Bein.
»Nein«, sagt der Mann.)

Huank löp tö Hünd en fraaget:
»Hünd, wedt ek Mann bit Hund, willst nicht Mann beißen??
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid de Hünd.

Huank löp tö Kneppel en fraaget:
»Kneppel, wedt ek Hünd slaa Knüppel, willst nicht Hund schlagen??
Hünd well ek Mann bit,
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid de Kneppel.

Huank löp hen tö dit Jöld en fraaget:
»Jöld, wedt ek Kneppel brenn? Feuer, willst nicht Knüppel brennen?
Kneppel well ek Hünd flaa,
Hünd well ek Mann bit,
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid dit Jöld.

Huank löp töt Weeter en fraaget:
»Weeter, wedt ek Jöld slak Wasser, willst nicht Feuer löschen??
Jöld well ek Kneppel brenn,
Kneppel well ek Hünd slaa,
Hünd well ek Mann bit,
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid dit Weeter.

Huank löp tö Aus en buad höm Hähnchen lief zum Ochsen und bat ihn::
»Aus, wedt ek Weeter drink?
Weeter well ek Jöld slak,
Jöld well ek Kneppel brenn,
Kneppel well ek Hünd slaa,
Hünd well ek Mann bit,
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid de Aus.

Huank löp hen tö de Klaaf en fraaget:
»Klaaf, wedt ek Aus binj Klawe (oben S. 11), willst nicht Ochsen binden??
Aus well ek Weeter drink,
Weeter well ek Jöld slak,
Jöld well ek Kneppel brenn,
Kneppel well ek Hünd slaa,
Hünd well ek Mann bit,
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid de Klaaf.

Huank löp tö Müß en fraaget:
»Müß, wedt ek Klaaf skear Maus, willst nicht Klawen zernagen??
Klaaf well ek Aus binj,
Aus well ek Weeter drink,
Weeter well ek Jöld slak,
Jöld well ek Kneppel brenn,
Kneppel well ek Hünd slaa,
Hünd well ek Mann bit,
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Naan«, seid de Müß.

Huank löp hen tö de Katt en buad höör Hähnchen lief hin zur Katze und bat sie::
»Katt, wedt ek Müß fang?
Müß well ek Klaaf skear,
Klaaf well ek Aus binj,
Aus well ek Weeter drink,
Weeter well ek Jöld slak,
Jöld well ek Kneppel brenn,
Kneppel well ek Hünd slaa,
Hünd well ek Mann bit,
Mann well ek Henk help,
Henk es ön Kaar fäälen,
Staant man üp jen Biin.«
»Janog«, seid de Katt, »wank min Klauen man wäät haa »Jawohl«, sagte die Katze, »wenn ich meine Krallen nur gewetzt habe.«

Da löp Katt eeder (hinter-her) Müß,
Müß eeder Klaaf,
Klaaf eeder Aus,
Aus eeder Weeter,
Weeter eeder Jöld,
Jöld eeder Kneppel,
Kneppel eeder Hünd,
Hünd eeder Mann,
En de Mann hett nei Heiler en Hakken besketten Und der Mann hat beinahe Fersen und Hacken besch?.,
Jer hi dit Henk ap of Kaar holpen fiing.

Von Sylt durch Herrn Schullehrer Hansen in Keitum. Man vgl. das bekannte »der Herr, der schickt den Jochen aus etc.«, und Grimms Kinder- u. Hausmärchen Nr. 80.

*

 

627. Van ideln unmogligen Dingen.

Zum Ritt auf den Glasberg vgl. Nr. 614 Amn. 608 Anm. Zs. f. Vk. 25, 306 ff.

Ik weet mi eine schone Maget,
De minem Herten wol behaget,
Ik neme se gerne to Wive,
Konde se mi van Haverstro,
Konde se mi van Haverstro
Spinnen de kleinen Siden.

Schal ik di van Haverstro:,:
Spinnen de kleinen Siden,
So schaltu mi van Lindekenlof:,:
Ein nie par Kleider schniden.

Schal ik di van Lindekenlof:,:
Ein nie par Kleider schniden,
So schaltu mi de Schere halen:,:
To middewerts ut dem Rine.

Schal ik di de Schere halen:,:
To middewerts ut dem Rine,
So schaltu mi eine Brugge schlaen:,:
Van einem kleinen Rife.

Schal ik di eine Brugge schlaen:,:
Van einem kleinen Rife,
So schaltu mi dat Sövensterne:,:
To hogen Middage wisen.

Schal ik di dat Sövensterne:,:
To hogen Middage wisen,
So schaltu mi de Glasenborg:,:
Mit einem Perde upriden.

Schal ik di de Glasenborg:,:
Mit einem Perde upriden.
So schaltu mi de Sporen schlaen:,:
Wol van dem gladden Ise.

Schal ik di de Sporen schlaen:,:
Wol van dem gladden Ise,
So schaltu se aver dine Böte dragen:,:
Am heten Sonnenschine.

Schal ik se aver mine Böte dragen:,:
Am heten Sonnenschine,
So schaltu mi eine Schwepe drein:,:
Van Water un van Wine.

Schal ik di eine Schwepe drein:,:
Van Water und van Wine,
So schaltu mi de graven Stein:,:
To kleinen Peper wriven.

Schal ik di de graven Stein:,:
To kleinen Peper wriven.
So schaltu mi alle wilde Schwin:,:
In einen Kaven driven.

Schal ik di alle wilden Schwin:,:
In einen Kaven driven,
So schaltu mi din Moder geven:,:
Vor Jungfrow to einem Wive.

Schal ik di min Moder geven:,:
Vor Maget to einem Wive,
So schaltu hengen söven Jar:,:
Und wedder werden to Live;
De Düvel ut der Hellen Grunt
De kann di nich vordriven.

Neocorus I, 180. (Hans Detlefs Mskr. Fol. 26 a.) Uhlands Volkslieder I, S. 14 gibt auch die (unvollständigere) hochdeutsche Gestalt des Liedes. Es ward in Dithmarschen beim langen Tanz gesungen. Vgl. Meinert Kuhländchen S. 80. – Klein, fein; Glasenborg, der Glasberg unserer Märchen; Schwepe, Peitsche; wriwen, reiben; Kaven, Kofen; Lif, Leben.

*

 

628. Noch ein Lügenmärchen.

Bolte 3. 258.

Ik wil juw singen, ik wil nich legen,
Ik sach dre braden Höner flegen,
Se flogen gar ser und schnelle:
De Büke hadden se na dem Hemmel gekert,
Den Rüggen na der Helle.

Ein Ambolt und ein Mölenstein
De schwimmeden beide aver den Rein,
Se schwamden also lise.
It frat ein Pogge ein gloiend Plogschart
To Pingsten up dem Ise.

It wolden dre Kerls einen Hasen fangen.
Se quemen up Kröcken und Stölten gangen,
De eine de kond nich hören,
De ander was blind, de drüdde stumm,
de verde konde nichen Vot rören.

Nu will ik juw singen, wo it geschach:
De blinde alterst den Hasen sach
All aver dat Felt herdraven.
De stumme sprak den lamen to,
De kreg en bi den Kragen.

It segelden etliche up ein Lant,
Er Segel hadden se in den Wind gespannt,
Se segelden bi groden Hupen;
Se segelden up einen hogen Berg,
Dar mosten se all versupen.

De Krevet de dede den Hasen entlopen:
De Warheit Kumt bi groten Hupen
Und blift doch nicht verschwegen:
It lag eine Kohut up den Daken,
Se was dar henup gestegen.

Hiermit wil ik min Leed beschluten,
Went schon allen Lüden dede vordreten
Un wil uphören to legen.
In min Lantart sint so grot de Flegen,
As hier to Lande de Zegen.

Hans Detlefs Mskr. Fol. 26b. (Neocorus II, 568.) Dies Lied ward auch wohl beim langen Tanz gebraucht; sein Gesetz ist dem des vorigen Liedes gleich; es kann nämlich nach derselben Melodie gesungen werden, sobald die vierte Zeile jedesmal wiederholt wird. – Pogge, Frosch; Stölten, Stelzen; Krevet, Krebs. – Vgl. Haupt und Hoffmann altdeutsche Blätter I, 163 ff. Haupts Zeitschrift für deutsches Altert. II, 260 ff. Uhland, Volksl. II, 679.

*

 

629. Hadermanns Brautfahrt.

»Hott, Hott, Hadermann,
Treck dien Vader sien Stêweln an!
Sett di up dat beste Pêrd,
Bistu hundert Daler wêrt.«
He reed bet hier, he reed bet dar,
He reed wul hen na Franken.

Un as he hen na Franken keem,
Da muß he sien Verwunderung seen:
Dar seet de Koh bit Füer un spunn,
Dat Kalf leeg in de Weeg un sung,
De Katt de wusch de Schütteln ut,
De Hunt de knêd de Botter ut.
De Fleddermuus
De sêg dat Huus,
De Schwölken mit êr spitze Schnuut,
De Schwölken drogen den Dreck herut,
Un achter de grote Schün
Da döschden dree Kapün,
Se döschden af
Good Hawerkaff;
Da bruen se good Beer daras.
Dat Beer süng an to susen:
De Bruut leep ut dem Huse,
De Voß mit den langen Schwanz
De maak de Bruut den Vœrdanz;
De Adebar wull up den Bœen,
Dat weer de Bruut er Süstersœn;
De Höner up den Wiemen
De deden darvan beswiemen;
De Heister up den Tuun
De word dervan so dünn;
De Kukuk int Nest
Versöp in den Gest,
Kalf in den Stall,
Pêrd in de Eck,
Haan upt Reck,
Kükereküh!

Aus Plön, Eutin, Reinfeld, Dithmarschen etc. Die Überlieferung ist oft lückenhaft, und variiert im einzelnen und am Schlüsse. Der Anfang lautet oft so:

Ik weet en Land,
Dat kener weet,
Dat weet ik van mien ool Margreet.
Dat schreev ik an de Planken
Un reed damit na Franken etc.

Schwölken, Schwalben; Hawerkaff, Haferspreu; Wiemen, die Hühnerstiege; beswiemen, ohnmächtig werden; duun, betrunken; Gest, Hefe.

*

 

630. Kettenreime.

Fromme Wünsche.

Oha!
Ik woll, dat'k den besten Vagel harr.
Vagel scholl mi Heu drêgen,
Heu woll'k de Koh gêwen,
Koh scholl mr Melk gêwen,
Melk woll'k den Bäcker gêwen,
Bäcker scholl mi Stuten gêwen,
Stuten woll'k de Bruut gêwen,
Bruut scholl mi Kruut gêwen,
Kruut woll ik Vader gêwen,
Vader scholl mi'n Daler gêwen,
Daler woll ik Moder gêwen,
Moder scholl mi Titt gêwen,
Titt woll'k de Katt gêwen,
Katt scholl mi Müs fangen,
Muus woll'k in Rook uphangen.

Aus Plön, Eutin usw. – Stuten, Weißbrot.

Eine Predigt.

Hört mien lewen Herren,
Appeln sünd keen Bêrn.
Bêrn sünd keen Appeln,
Un de Wust hett twee Schnappeln.
Twee Schnappeln hett de Wust,
Un de Buer litt groten Dost.
Groten Dost litt de Buer,
Un dat Lêben wart em suer.
Suer wart em dat Lêben,
Un de Winstock hett twee Rêben.
Twee Rêben hett de Winstock,
Un dat Kalf is keen Zêgenbock.
De Zêgenbock is ken Kalf
Un nu is mien Prêdig half.
Half is nu mien Prêdig,
Un mien Brootschapp is ledig.
Ledig is mien Brootschapp
Un nu stieg ik van de Kanzel h'raf.

Aus Kiel. Bekannt ist auch jenes: Eins, zwei drei, alt ist nicht neu etc. in Büschings wöchentlichen Nachrichten I, S. 210. Erlach III, 49.

*

 

631. Storch.

Heim. 8, 153. 15, 171. 18, 227 u. ö. G. F. Meyer, Uns' Tiern. Garding 1915 (= Plattd. Volksb. 5).

1.

Adebar to Neste,
Bring mi'n lütje Swester.
Adebar, oder
Bring mi'n lütjen Broder.

2.

»Adebar Langebeen,
Wann wullt du na Femern (to Lande) teen?«
Wenn de Rogge ripet,
Wenn de Pogge pipet,
Wenn de gêlen Bêrn
In de Böme glêrn (glänzen),
Wenn de gêlen Appeln
In de Böme klappeln,
Will Langebeen
Na Femern teen!

3.

»Adebar du Langebeen,
Hest du nich mien Vader hangen seen?«
Ja ja, int Kibitzmoor.
»Wat deit he dar?«
He snitt sien Haar.
»Wat schöln de Haar?«
Prücken van maakt warn.
»Wat schöln de Prücken?«
Herren up hebben.
»Wat schöln de Herren?«
Koi kopen.
»Wat schöln de Koi?«
Melk gêwen.
»Wat schall de Melk?«
Katten slappen.
»Wat schöln de Katten?«
Müs fangen.
»Wat schöln de Müs?«
Hackels sniden.
»Wat schall de Hackels?«
Pêr frêten.
»Wat schöln de Pêr?«
Land umplögen.
»Wat schall dat Land?«
Koorn up wassen.
»Wat schall dat Koorn?«
Broot van backen.
»Wat schall dat Broot?«
Minschen êten.
»Wat schöln de Minschen?« –
Arbeiden.

Der Anfang lautet auch: Ottebar Langebeen, Hest dien Vadder so lang nich seen. – »Wo is he denn?« In Langeland usw. Dann wird der Schluß so variiert, daß auf die Frage: »Wat schall dat Broot?« geantwortet wird: Will'k sülwen hebben.

*

 

632. Kleine Stücke.

Heim. 18, 180. G. F. Weyer a. a. O.

Kikeriki, du rode Haan,
O, leen mi doch dien Sparen!
Ik wil ut to frien gaan,
Dat sal nich lange waren.

De Katt de seet in'n Nettelbusch,
In Nettelbusch verborgen.
Do keem de klene König herut
un bood êr goden Morgen.

Blindschleiche (Hartworm).
Kunn ik hören, kunn ik seen,
Biten wull ik dœr en Flintensteen.

Kibitz.
Kiwitt!
Wo bliew ik?
Achtern Brummelbêrbusch!
Da sing ik,
Da spring ik,
Da hef ik mien Lust.

Kukuk gifft Kindelbeer,
Kiwitt maakt Grütt:
Lütten Deerns, haalt Lêpeln hêr,
Lütten Jungens, êt mit.

Groß und Klein.
De Kukuk un de Kiwitt,
De danzden op den Butendieck.
Do keeme de lütje Spreen
Un wull datt Spill anseen.
Do neem de Kukuk en groten Steen,
Un smeert den lütjen Spreen ant Been.
Do schreeg de lütje Spreen:
»Oweh, oweh, mien Been, mien Been!«

»Lütje Jümpfer Spreen!
Weerst du buten blêwen,
Harst keen Schaden krêgen!«

Im innern Holstein lautet der Anfang: De Kukuk un de Kiwitt De danzen beid op enen Saal. – Butendiek, Außendeich, das Vorland der Marsch nach der See zu; Spreen, Staar.

*

 

633. Der Kuckuck.

Kukuk van Hêwen,
Wo lang schall ik lêwen?

Kukuk achter de Heken,
Wo lang schall ik gaan un bleken?
oder:
Wo lang schall mien Bruut noch gaan to bleken Auf die letzte Frage, die junge Mädchen oder Burschen tun, ist die entscheidende Antwort gegeben, sobald der Vogel zwischen seinem Rufen einmal lacht; wie vielmal er bis dahin ruft, so viel Jahre dauert noch der ledige Stand. Nach der ersten Frage zählt man gewöhnlich seine Rufe so lange, bis er einmal inne hält; jeder Ruf verkündigt dem Frager ein Lebensjahr. Siehe Grimms Mythol. S. 640 ff.?

De Kukuk op dem Tune sat:,:
Dat regent en Schnur un he word nat.

Do keem de blide Sunnenschien,:,:
Do word de Kukuk hübsch un fien.

De Kukuk breed sin Feddern ut:,:
Un floog wul œwert Goltschmeds Huus.

»Guten Tag, guten Tag, lieber Goldschmied mein,:,:
Schmied meinem Schatz ein Ringelein.

Schmied meinem Schatz einen Rosenkranz,:,:
Einen Rosenkranz zum Abendtanz.

Der Abendtanz der dauert nicht lang,:,:
er dauert nur einen kleinen Sommer lang.«

Gott gêw de Bruut, wat ik êr wünsch,:,:
Dat eerste Jaar enen jungen Prinz.

Dat ander Jaar enen Appel rood,:,:
Ene junge Dochter in den Schoot;

Und dat so foort van Jaar to Jaar,:,:
Und dat bet fief und twintig Jaar.

All fief und twintig um den Disch,:,:
Denn weet de Fru, wat Huusholen is.

Huusholen und dat is Arbeit,
Vœr Dœr to staan is Fuulheit.

Na Danz to gaan is Lustigkeit,
Na Kark to gaan is Eerbarkeit.

Aus Marne. Uhland I, 43. Wunderhorn I, 241.

*

 

634. Van Gold dre Rosen.

Dar steit en Lindbom in jenem Dal,
Is bawen breit und nedden schmal.
Van Gold dre Rosen.:,:

Darup sitter Fruw Nachtigal;
Is bawen breit und nedden schmal.
Van Gold dre Rosen.:,:

»Gott gröte di, Fruw Nachtigal hübsch und fien,
Wiltu des Leveken Bade nicht sien?«
Van Gold dre Rosen.:,:

»Des Leveken Bade kan icker nicht sien,
Ik sien der so ein klein Waldvögelin.«
Van Gold dre Rosen.:,:

»Bist du der so ein klein Waldvögelin,
Wann eer kannst du des Leveken Bade denn sien?«
Van Gold dre Rosen.:,:

Dat flog sik hen, dat flog sik her,
Dat flog vor ein Goldschmiedes Dör.
Van Gold dre Rosen.:,:

Do de Goldringelin was bereit,
Grot Arbeit was daraf geleit.
Van Gold dre Rosen.:,:

Se streken dat Vagelin wol über den Kop,
Dat flog to Hamborg damit in de Stat.
Van Gold dre Rosen.:,:

Dat flog sik hen, dat flog sik her,
Dat flog vor ein Borgermeisters Dör.
Van Gold dre Rosen.:,:

»Gott gröte juw, Borgermeister hübsche und fien?
Wor hebbe gi juw jüngsten Dochterlin?«
Van Gold dre Rosen.:,:

»Se setter in einer Kammerkin,
Van Gold stickt se der ein Hötelin.«
Van Gold dre Rosen.:,:

Dat Vagel nu was ser behend,
Dat flog tom kleinen Fensterwend.
Van Gold dre Rosen.:,:

»Gott gröte juw, bruns Mädelin hübsche und fien,
Dien Levste schickt di ein Goldringelin.«
Van Gold dre Rosen.:,:

»Schickt mi mien Levste ein Goldringelin,
Wilkamen schal mi der Bade sien.«
Van Gold dre Rosen.:,:

Wat gaf se em henwedder?
Einen Hoot mit goldne Fedder.
Van Gold dre Rosen.:,:

De Fedder hadde einen vergüldeten Twieg:
Ein schöner junger Herr kriegt wol ein Wief;
Van Gold dre Rosen.:,:

De Hoot hadde einen vergüldeten Rand;
Ein schönes Jungfreuchen kriegt wol einen Man.
Van Gold dre Rosen.:,:

De dieses Ledeken hat erdacht,
De heft it de Levde to Eren gemacht,
Van Gold schenkt se em davor dre Rosen.

Peter Mohr zur Verfassung Dithm. S. 194 teilte zuerst dieses Lied aus der Abschrift des Hans Detlefs mit, die er besaß, die außerdem manches enthielt, was in der Originalhandschrift fehlt. Der Sprache nach war sie noch aus dem 17. Jahrh. In der Originalhandschrift ist unmittelbar nach den Liedern Fol. 27b unbeschrieben. – Uhland I, 47 teilt auch das hochdeutsche Seitenstück zu unserm Liede mit.

*

 

635. Springel edder Langedanz.

Einl. S. XXI. Danm. Folkem. 16, 5 ff.

»Dat geit hier jegen den Samer
Jegen de leve Samertiet.
De Kinderken gan spelen
An dem Dale«, dat sprak ein Wief.

»Ach Mömken, mien leve Moder,
Mochte ik aldar gan,
Dare ik höre de Pipen
Und de leven Trummen schlan?«
»Och neen, min Dochter nichten dat,
Du schalt, du schalt schlapen gan.«

»Och Mömeken min, dat deit mi de Not,
Dat deit mi de Not:
Kame ik tom Aventdanze nicht,
So mo ik sterven dot.«

»Och nein, du min Dochter,
Alleine schalstu nicht gan:
So wecke du up dinen Broder,
Un lat eem mit di gan.«

»Min Broder is junk, is men ein Kint,
Ik wecke een altes nicht;
Vel lever wecke ik einen andern Mann,
Den ik spreken schal.«

»O Dochter min, Got geve di grot Heil,
Got geve di grot Heil:
Nu ik di stüren nichten kann,
So ga du al darhen.«

Do se tom Aventdanze kam,
To dem Kinderspele kam,
Se let er Ogen herummergan,
Eer se den Rüter fant.

De Rüter de was gut, he tog af sinen Hot,
He tog af sinen Hot,
He kussede se vor den Munt
An dem Danze, dar se stunt.

Hans Detlefs Mskr. Fol. 27a. (Neocorus II, 569. Uhland I, 81.) Bemerkenswerte Abweichungen, die vielleicht nicht bloße Emendationen sind, enthielt die Abschrift des Hans Detlef, die Peter Mohr besaß. Zur Verfassung Dithm. S. 198 ff.

*

 

636. Anna Susanna.

Anna Susanna,
Sta up un böt Füer.
»Och nä, mien lewe Moder,
Dat Holt is so düer.«

Schür mi den Grapen
Un fêg mi dat Huus,
Hüt Awend kaamt hier
Dree Junggesellen int Huus.

Wöllt se nich kamen,
So wöllt wi se halen
Mit Pêr un mit Wagen,
Mit Isern beslagen.

Könnt se nich danzen,
So wöllt wi se lêren;
Wi wöllt se de Scho
In Botter umkêren.

*

 

637. Kindertänze und Spiele.

Einl. S. XX. Handelmann, Volks- u. Kinderspiele aus Schlesw.-Holst., Kiel 1874; vgl. C. Schumann, Lübeckisches Spiel- u. Rätselbuch, Lübeck 1905. Jb. f. Ldk. 1, 257 ff. 5, 142. 281. Urdsbr. 4, 10 ff. 61 ff. Diermissen, De lüttje Strohot (1847) S. 118. Nd. Jahrb. 8, 98. 10, 96. Heim. 6, 30. 52. 17, 218. 24, 169. Kock, Schwansen S. 461 ff. Zs. f. Vk. 17, 269. Feilberg 402 ff.

1.

(Die tanzenden Kinder bilden einen Kreis und bewegen sich singend in der Runde.)

Ringeldanz, Rosenkranz,
De Kêtel hangt to Füre!
De Jumfern sind so düre,
Gesellen sind so goden Koop,
Dat se op de Straten loopt.

Moder giff mi'n Klöckschen,
Dat hang ik an mien Röckschen:
Fêg ik denn de Stratendœr,
Loopt de Gesellen achter mi hêr,
Ringeldanz, Rosenkranz! etc.

(Zuweilen hat das Liedchen einen anderen Schluß:

Moder geef mi'n Klöckschen,
Dat bunn ik an mien Röckschen.
Un as dat Röckschen klaar weer,
Da sä dat Klöckschen: Kling!

Bei dem letzten Worte hocken alle nieder.)

2.

(Eine innerhalb des Kreises stehende Tänzerin hebt an zu singen, die andern respondieren. Am Schlusse erwählt sie eine, die dann ihre Stelle einnimmt.)

Morgen schöln wi Hawer schinden.
»Wer schöl uns den binden?«
Dat schall Jumfer Lieschen doon.
»Wo schöln wi êr finden?«

Hier un dar un allerwêgen
Unner dissen allen;
Hier heff ik êr all faat krêgen:
Do mi den Gefallen.

3.

(Die Kinder stehn in der Ringeltanzstellung (Kette). Nach und nach kehren sie sich nach Aufforderung des Vortänzers, der sich außerhalb des Kreises befindet, bis alle den Rücken nach innen wenden. Dann schließt sich der Kreis von neuem.)

Trecke mi de Kêd op.
»De Kêd is in de Klink.«
Wat is dat allerschönste?
»Dat Mädjen dat dar fingt.«

Dat is (Lene) Junker,
De steit up êren Sprunker
Un dreit sik mal herum.

(Zu demselben Tanz gibt es ein anderes, noch mehr verstümmeltes Lied:

Kringelkranz, Luise,
Ik spinn so schöne Side,
As en Haar,

As en Haar,
Suck, suck na sœben Jaar:
De Öldste keert sik h'rum.

Vollständiger würde es wohl die Bewerbung eines Freiers bei einer schönen Spinnerin enthalten.)

4.

(Ein Tänzer steht außerhalb des Kreises und singt. Suo loco öffnet sich dieser, das Kind wählt und fingt den Schlußreim.)

Jammer, Jammer hin und her
Über mich zu klagen!
Es drückt mein Herze gar zu sehr,
Ich kann es gar nicht sagen.

Mach auf, mach auf den Garten,
Ich kann nicht länger warten,
Ich muß ihn suchen an diesem Platz –
Sieh da, sieh da! da steht mein Schatz.

Nun ist alle Traurigkeit verschwunden,
Hab ich doch mein Liebsten wiederfunden:
Meine Lieb und deine
Die küssen sich ja beide.

5.

(In der Mitte des Kreises der Tanzenden hockt ein Kind; ein anderes, als Vortänzer, steht außerhalb desselben und hebt an:)

Wer sitt in dissen hogen Toorn?
»Dar sitt en Königsdochter in.«
Kann ik de nich to seen krigen?
»Se is so fast vermuret,
De Muer de will nich brêken,
De Steen de will nich stêken.«
Enen Steen brêk ik ut.

»Beide Ogen fallt di ut.«
Nä, nä,
Schaad nich, (Es schadet nicht)
Baat nich. (Es hilft nicht)
Steen uir Been verlaat mi.
Kling, klang, kloria!
Kumm un folg mi achterna.

(Bei den letzten Worten erhält eine der im Kreise Tanzenden einen Schlag und folgt der Vortänzerin, sie am Kleide fassend. So wird der Tanz fortgesetzt, bis der Kreis aufgelöst und die Königstochter befreit ist. – Oben S. 414 ist der Reim unvollständig und in schlechterer Gestalt mitgeteilt; dieser ist aus der Gegend von Preetz.)

6.

(Die Kinder stellen sich in zwei Abteilungen hintereinander auf: die einen sind die Freier, die andern die Mutter mit ihren Töchtern. Die Zeilen werden abwechselnd gesungen, während die Züge gegeneinander und zurückmarschieren.)

Da kommen zwei Herren aus Lünefeld (Ninive).
Juchheisasa filadi.!

»Was wollen zwei Herren aus Lünefeld?«
Juchheisasa filadi.

Sie wollen die älteste Tochter frein.
Juchheisasa filadi.

»Und wer soll denn der Bräutigam sein?«
Juchheisasa filadi.

Das soll der Kaiser selber sein.
Juchheisasa filadi.

(»So nehmt sie hin mit Freuden«.)

(Auf diese Weise werden aus der zweiten Reihe alle abgerufen und schließen sich der der Freier an, bis die Mutter allein nachbleibt. Dann singt man:)

»Was wollen sie mit der Mutter tun?«
Juchheisasa filadi.

Sie wollen sie in ein Kloster sperrn.
Juchheisasa filadi.

(Man schließt einen Ring, aber sie entwischt nach irgend einer Seite und man sucht sie nun zu haschen.) – Das Spiel ist in Kiel, Schleswig etc. zu Hause.

7.

(Die Mädchen sitzen in einer Reihe einander auf dem Schoß. Eine fragt die Reihe entlang:)

Wonêm waant Mutter Marie?
»Kann nich hören op mien rechtes Ohr,
Kann nich hören op mien linkes Ohr.«

(Bei der letzten:)

Is se Mutter Marie?
»Kannst mi dat nich anseen?
Ik schlaap nich,
Ik waak nich,
Ik bin nich in Droom.«
Kann ik nich een van êr Lammer krigen?
»Hest ja eerst gistern een krêgen.«
Dat lach nich,
Dat schach nich,
Dat wies de lütten mitten Tên.
Dat sprung œwert Heck
Un full in den Dreck.
Ik legg em op de Bank,
Do weer he as'n Êl so lank.
Ik legg em op de Êr,
Do wörd he as en Schêr.
Ik legg em in de Weeg,
Do wörd he as en Fleeg.
Ik legg em op de Finsterbank,
Do keem de eische Wulf un haal em weg.
»Harst man en bêten Solt opstreien schullt.«
Ik harr nicks.
»Harst di man ja en bêten lenen kunnt.«
Nabers wullen mi nicks lenen.
»Harst di wat köpen kunnt.«
Ik harr keen Geld.
»Harst di wat borgen kunnt.«
Se wullen mi nicks borgen.
»Na, denn nimm di vœr een weg un sluut achter wedder to.«

(Sie nimmt die erste aus der Reihe auf, tut dann, als wenn sie vor der nächsten die Tür abschließt, und nun muß die, welche aufgenommen ward, dreimal ohne zu lachen über einen Strich springen. Gelingt's ihr, kommt sie in den Himmel, lacht sie aber, kommt sie in die Hölle. Zuletzt, wenn alle Mitspielenden so verteilt sind, fassen sich die Mutter Marie und die, welche bisher fragte, bei den Händen; die aus dem Himmel hängen sich an jene, die aus der Hölle an diese, und es gilt, welche von beiden Parteien im Zerren die stärkste ist. – Statt Mutter Marie wird an einigen Orten auch Fru Rosen gesagt, und oft sind die Worte sehr verstümmelt.)

8.
Wolf und Schaf.

All mien Schaap to Huus!
»Ik dörf nich.«
Wo vœr nich?
»Vœr de grote Roggenwulf.«
Wo sitt he daenn?
»Achtern Tuun.«
Wat maakt he dar?
»He slippt sien Tên.«
Wat will he denn?
»All de Schaap de Kêl afbiten.«
(De bösen Wülfe sünd gefangen
Twischen tween isern Stangen.)
All mien Schaap kaamt to Huus.

Einer ist Hirte, ein zweiter Wolf, die übrigen Schafe. Auf den letzten Ruf des Hirten müssen diese den Raum bis zu ihm durchlaufen, indem der Wolf zu haschen sucht. Wer gefangen wird, nimmt seine Stelle ein. – In einigen Orten spielt man Fuchs oder Wolf und Gänse, und darnach ändert sich das Lied.

9.
Hühner und Weihe.

Kükewieh (Hühnerhabicht) hat einen Holzhaufen zu errichten und tut als schüre er Feuer. Die übrigen Spieler, die die Hühner vorstellen, haben einander hinten angefaßt. Der Vormann (der Hahn) fragt, der Kükewieh antwortet.)

Kükewieh, wat bötst du? (heizest du?)
»Füer.«
Wat schall dat Füer?
»Asch brennen.«
Wat schall de Asch?
»Messen wetten.«
Wat schölt de Messen?
»Haan un hên den Kopp afsniden.«
Wat hebbt se di to wedder daan?
»Se hebbt in mien Herrn sien Koorn gaan.«
Wo lank?
»As en Band.«
Wo groot?
»As en Broot.«
Wo lütt?
»As en Drelingsschaal vull Grütt.«
Kann'k wol dreemal üm'n Herrn sien Awen gaan?
»Ja wul, sœwenmal,
Wenn du em nich umstötts.«

(Der Vormann geht mit den andern Spielern jetzt um den Holzstapel und stößt ihn endlich um. Da sucht der Kükewieh den hintersten der Spieler zu haschen, woran die übrigen alle ihn zu hindern suchen.)

10.

(Die Spielenden stehen in einem Halbkreis. In der Mitte stehen ihrer zwei, einer macht den Herrn, der andre stellt den Esel vor. Jener fängt an:)

Esel, Esel, wo bist du so lange gewesen?
»In der schönen Mühle.«
Was hast du denn da getan?
»Schöne Säcke getragen.«
Was war denn in den schönen Säcken?
»Schöne Bücher.«
Was stand in den schönen Büchern?
»Schöne Lieder.«
Esel, sing mir mal ein Liedchen vor!
»O Herr, ich weiß keins.«

(Zu den andern:)

Hol mir die lange Peitsche her!
»Was will der Herr damit?«
Den Esel streichen.

(Der Esel läuft fort, die andern hinterher, und wer ihn hascht und streichen kann, wird an seiner Stelle Esel.)

11.

(Beim Spießrutenlaufen, wenn einer vom Spiel gelaufen.)

Und warum hast du das getan?
And warum tust du das?
Und darum sollst du Spißrut gan
Auf dieser langen Gaß.
Vater, Mutter grämen sich
Um den ungeratnen Sohn,
Und weil sie tuen grämen sich,
Hast du den Lohn davon.

*

 

638. Die klugen Mädchen.

En lütje Deern bin ik,
Fien Garen spinn ik,
Kann knütten, kann neien,
Kann Sülwerdraat dreien.

Als ik en lütje Deern weer,
Do ging ik mal spatzeern.
Alle Lüde frogen mi:
»Wohen du lütje Deern?«
»Na'n Meiergaarn, na'n Meiergaarn,
Wo all de smucken Blomen staan;
De blauen Blomen plück ik af,
De roden laat ik staan. –

De Junggesellen küß ik geern,
De Olen laat ik gaan.«

Vgl. das westfälische Lied in Mones Anzeiger VI, S. 168.

*

 

639. Spinnerin.

Spinn Dochter, spinn!
De Frier sitt darin;
Spinnst du nich en finen Draat,
Geit de Frier en ander Straat;
Spinn Dochter, spinn,
De Frier sitt darin.

Vgl. Wunderhorn III, 36.

*

 

640. Die Liebesgedanken.

Die Schenkin spricht:
Ik sitt un denk,
Un tapp un schenk;

Wenn dat so keem
Dat he mi neem? –
Un he is en Timmermann.

*

 

641. Garbenbinden.

Ik und mien Liesbet willt Sommerfeld gaan,
Willt hocken und binden, als ander Lüd doon.

Ander Lüd hocket und bindet dat Koorn,
Ik und mien Liesbet sitt achter den Doorn.

Achter den Doorn da maßt mal schön Kruut,
Da bind ik mien Liesbet en Kränzelin ut.

Aus Dithmarschen. Auch so parodisch: Disteln und Doorn is dat nicht guut Kruut? Da bind ik mien Liesbet en Kränzelin ut.

*

 

642. Zum Stelldichein.

Dat du mien Leevsten bist,
Dat du wul weest;
Kumm bi de Nacht, kumm bi de Nacht,
Segg mi, wo du heest.

Kaam du um Mitternacht,
Kaam du Klock een,
Vader slöppt, Moder slöppt,
Ik slaap alleen.

Klopp an de Kamerdœr,
Klopp an de Klink,
Vader meent, Moder meent,
Dat deit de Wind.

*

 

643. Das schöne grüne Haus.

Es ging ein Matros an einen Brunn
Und schauet ins tiefe Tal;
Was sah er in der Ferne?
Eine wunderschöne Dam'.

»Guten Tag, guten Dag, schön Damelein.«
»Schön Dank, du junger Matros.«
Er bot dem Mädchen zu trinken,
Zu trinken aus seinem Glas.

Sie nahm das Gläschen in ihre Hand
Und brach's in der Mitte entzwei:
»Sieh hier, sieh da, du junger Matros,
Hier hast du meine Treu.«

»Was soll ich mit deiner Treue tun?
Was soll ich denn damit tun?
Du bist nur eine arme Dienstmagd
Und ich bin ein junger Matros.«

»Daß ich nur eine arme Dienstmagd bin,
Das wissen der Leute noch mehr:
Matrose, so du mich nicht haben willst,
Hat Gott mir ein andern bescheert.«

Und als sie auf halbem Wege kam,
Ihr Vater und Mutter waren tot:
Da war sie das reichste Mädchen
In sieben Dörfern groß.

Und als der Matrose das vernahm,
Ging er zum Bootsmann hin:
»Ach Bootsmann, ich muß reisen
Nach mein'm Feinsliebchen hin.«

Und als der Matrose im Dorfe kam
Vor ein schönes grünes Haus:
»Feinsliebchen, bist du darinnen,
So schaue doch einmal heraus.«

Feinsliebchen die schaute zum Fenster hinaus,
Und sah wohl in der Fern
Einen jungen Matrosen da stehen,
Sie liebte ihn gar zu gern.

»Was schilderst du hier, du Schilderknecht?
Was schilderst du in mein'm Land?
Als ich das letzte Mal bei dir war,
Verweigerst du mir die Hand.

Als ich dir meine Treue anbot,
Was sagtest du da zu mir?
Nun ich das reichste Mädchen bin.
Nun kenne ich auch nicht dich.«

»Feinsliebchen, so du mich nicht haben willst,
So geh ich gleich nach meinem Schiff,
Nach meinem weiten Hafen,
Wo ich allzeit so gerne bin.«

Sie nahm das silberne Becherlein,
Goß darein den roten kühlen Wein:
»Sieh hier, sieh da, du junger Matros,
Du sollst mein eigen sein.«

Aus Marne. Offenbar eine Umbildung des bekannten Liedes: »Ich stund auf hohen Bergen und sah ins tiefe Tal«, oder wie es hier bei uns gesungen wird: Ich stand auf hohen Bergen und sah die Seefahrt an etc. – Uhland I, 216.

*

 

644. Graf Hans von Holstein und seine Schwester Annchristine.

Grundtvig, Danske Folkem. 3, 201 aus Angeln (»Kong Välmar ä Hans Soster Kestin«).

Es ritt ein Jägersmann über die Heid (den Rhein),
Er wollte Graf Holsteins Schwester frein.

»Meine Schwester Annchristine, die krigst du ja nicht.
Denn sie ist von Adel, das bist du ja nicht.«

»Und ist sie von Adel so hübsch und so sein,
So hat sie doch ein klein Kindelein.«

»Musje Jäger, das mußtu gelogen sein,
Meine Schwester Annchristine ist Jungfer fein.«

»Sollen alle meine Worte gelogen sein,
So laßt die Christine mal kommen herein.«

Da schickte Graf Hans Annchristine einen Boten,
Sie soll kommen zu Pferde und nicht zu Wagen.

Und als der Annchristine die Botschaft kam,
Sie soll gleich kommen zu Pferde heran:

»Was schickt mir mein Bruder einen so schlechten Boten?
Ich soll gleich kommen zu Pferde heran?

Sonst schickte er mir einen silbernen Wagen,
Die Pferde, die waren mit Golde beschlagen.

So lange mir her mein seiden Wickelband,
Darin ich will wickeln meinen jungen Triafant (? Dreasand?).

Ich Wickel ihn heut und gar zu gern,
Ich Wickel ihn heut und nimmermehr.

Und langet mir her mein Beutelein fein,
Damit ich kann lohnen die Mägdelein mein.

Ich lohne sie heut und gar zu gern.
Ich lohne sie heut und nimmermehr.

Und langet mir her meinen weißen Rock,
Drin will ich mich schnüren, als wär ich eine Pupp.«

Annchristine wohl zu Pferde sprang,
Ihr gülden krauses Haar lang nieder hangt.

Sie reit wohl über Berg und Tal,
Ihr Bruder schon aus dem Fenster sah.

»Musje Jäger, das mußtu gelogen sein,
Meine Schwester Annchristine ist Jungfer fein.«

»Sollen alle meine Worte gelogen sein,
So laßt die Annchristine auf den Tanzboden h'rein.«

Graf Hans, der machte wohl nun einen Tanz,
Der Tanz, der dauerte sieben Stunden lang.

»Musje Jäger, das mußtu gelogen sein,
Meine Schwester Annchristine ist Jungfer fein.«

»Sollen alle meine Worte gelogen sein,
So laßt uns mal zücken den Schnürband fein.«

Und als sie nun den Schnürband zückten,
Die weiße Milch sprang ihr aus den Brüsten.

»Ich habe getrunken den rheinischen Wein,
Das zog mir in die Brüste hinein.«

»Und hast du getrunken den rheinischen Wein,
Das zieht doch nicht in die Brüste hinein.

Annchristine, willst du die Rute schmecken,
Oder soll ich dich mit dem Schwerte durchstechen?«

»Viel lieber will ich die Rute schmecken,
Eh' du mich sollst mit dem Schwerte durchstechen.«

Er schlug sie so sehre, er schlug sie so lang,
Bis Leber und Lunge aus dem Leibe ihr sprang.

»Halt ein, halt ein, lieber Bruder mein,
Prinz Friedrich von Engelland ist Schwager dein.«

»Ach Schwester, hättst du mir das eher gesagt,
So hätte ich dich nicht zu Tode geplagt.

Und kannst du noch bis morgen leben,
So will ich dir ganz Schweden geben.

Und kannst du leben noch einen Tag,
So will ich dich führen nach Engelland.«

»Ich kann nicht mehr leben eine halbe Stund,
Wolltst du mich auch führen nach Engelland.

Ich kann nicht mehr bis morgen leben,
Wolltst du mir auch ganz Schweden geben.« –

Es dauerte wohl bis an den dritten Tag,
Prinz Friederich von Engelland geritten kam.

»Guten Tag, guten Tag, lieber Schwager mein,
Wo hast du die Herzallerliebste mein?«

»Dein Herzallerliebste ist krank gewesen,
Und sie wird nun und nimmer genesen.«

»Sie haben mir unterwegs erzählt,
Du hättest sie selber zu Tode gequält.«

»Setz dich nieder, setz dich nieder an diesen Tisch,
Es sollen gleich kommen gebratene Fisch.«

»Gebratene Fische, die eß ich nicht gern,
Noch früher sollst du den Tod schmecken lern.

Lege dich, lege dich nur auf den Tisch,
Wir wollen dich hauen wie gebratene Fisch,

Daß jedes Stück nicht größer sei,
Als wie ein kleiner Fisch mag sein.«

Sie legten den Grafen wohl ans den Tisch,
Sie hauten ihn klein wie einen Fisch.

Annchristine, die ward getragen zu Grabe,
Graf Hans, den fraßen Krähen und Raben.

Aus Marne in Dithmarschen. Leider ist das merkwürdige Lied vielfach zerrüttet und lückenhaft. Ohne Zweifel war es ursprünglich plattdeutsch, was auch Reime ( Baden: Wagen; Stock: Popp) bestätigen können. Graf Hans, Graf Holstein, Graf Feldmann oder König Hans, wie er in verschiedenen Relationen genannt wird, soll wohl der zweite Oldenburger sein; er verspricht (als Unionskönig) ganz Schweden. (Seine Schwester Margareta war an Jakob III. von Schottland verheiratet.) Trotz dieser eigentümlichen Anknüpfung aber ist der Hauptinhalt des Liedes doch vielleicht aus Dänemark herübergekommen. Ein altdänisches Lied (Danske Viser fra Middeland. II, S. 31. Grimms altdän. Heldenlied S. 322) meldet von der liden Kirsten, Waldemars I. Schwester dasselbe, was hier der Annchristine durch Graf Hans geschieht. Der Jäger entspricht gewissermaßen der Königin Sophie, mehr noch Prinz Friedrich ihrem Bruder, Herrn Buris. Natürlich darf man an keine Übersetzung denken; Schluß und Eingang beider Lieder sind durchaus verschieden. Vielmehr zeigt sich, daß das, was im 13., 14., 15. Jahrhundert in Dänemark von Waldemar und der kleinen Christel erzählt und zu Liedern verarbeitet wurde, im 16. Jahrhundert bei uns auf König Hans übertragen und glücklicherweise auch zu einem Liede gestaltet ward: wohl nur die Sage vermittelt jene beiden Lieder. Lange nach dem 16. Jahrhundert kann unser Lied unmöglich entstanden sein. Sehr zu beachten ist freilich daneben das Lied vom Pfalzgrafen am Rhein im Wunderhorn I, 259.

*

 

645. Es kommt doch einmal an den Tag.

Ein Vater hatte drei Söhne. Als er nun sterbenskrank lag, da wollte er gerne noch einmal ein Häslein essen, und versprach demjenigen von seinen Söhnen, der ihm das Häslein brächte, sein ganzes Erbe. Als nun der älteste in den Wald kam, begegnete ihm ein altes eisgraues Männchen, das war St. Petrus, und sprach: »Gib mir ein bißchen ab von deinem Frühstück.« Da sagte der Bursche nein, aß sein Frühstück auf und ging in den Wald. Aber er konnte keinen Hasen treffen.

Als nun der zweite Sohn in den Wald kam, begegnete ihm auch das alte eisgraue Männchen und bat, er sollte ihm von seinem Frühstück abgeben. Da sagte er auch nein, aß sein Frühstück allein auf und ging in den Wald, konnte aber keinen Hasen treffen. Als nun der jüngste Sohn in den Wald kam und das eisgraue Männchen ihm begegnete und ihn bat, da gab er ihm von seinem Frühstück ab, so viel er haben wollte. Dafür zeigte ihm das Männchen den Weg, aus welchem er einen Hasen treffen würde. Nun schoß der jüngste Bruder einen Hasen. Als aber die beiden andern Brüder sahen, daß er glücklicher gewesen war, als sie, da wurden sie neidisch, schlugen ihn tot und begruben ihn unter einem Hollunderbaum; so behielten sie das Erbe ihres Vaters ganz allein.

Nach etlichen Jahren aber kam ein Hirte an den Ort, wo der Bruder begraben war, weidete sein Vieh und hing sein Horn an den Hollunderbaum. Da fing das Hörnlein von selber an zu blasen:

Tut, tut, tut,
Als mein Bruder mich begrub
Wohl unter dem Hollunderbaum,
Das Häslein war mein,
Das Häslein war mein,
Das gab mir St. Petrus ganz allein.

Da ging der Hirte zum Bauervogt und zeigt's ihm an. Der Bauervogt kam und hörte auch das Hörnlein blasen. Es kam die ganze Bauerschaft und alle hörten es mit an. Da ergriffen sie die Übeltäter und gaben ihnen den verdienten Lohn.

Aus Lauenburg durch Kandidat Arndt. Es wird auch so erzählt, daß der Hirte sich aus dem Hollunderbaum Flöten gemacht, die den Mord verraten hätten. Das stimmt zu dem Märchen bei Grimms Kindermärchen Nr. 28.

*

 

646. Die drei Schwestern.

Es fielen drei Sterne vom Himmel herab,
Sie fielen wohl auf eines Königs Grab;
Dem Könige starben drei Töchter davon.

Die eine, die starb des Abends ab,
Die andre, die starb um Mitternacht,
Die dritte, da der Tag anbrach.

Die erste, die ward mit Rosen bedeckt,
Die andre, die ward mit Nelken besteckt,
Die dritte, die ward mit Dornen gespickt.

Sie faßten sich all drei wohl an die Hand
Und gingen wohl aus ihres Vaters Land,

Und kamen den schmalen Weg hinan;
Da begegnet ihnen ein weißer Mann.

»Ach Seelchen, ach Seelchen, wo wollt ihr hin?
Ihr gehet ja den schmalen Weg! –«

Und als sie vor die Himmelstür kamen,
Da klopften sie ganz leise an.

St. Petrus sprach: »Und wer ist hier?«
»Es sind drei arme Seelen dafür.«
Zwei nimmt er herein, eine stößt er zurück.

Da ging die eine wieder zurück
Und kam nun auf den breiten Weg;
Da begegnet ihr ein schwarzer Mann.

»Ach Seelchen, ach Seelchen, wo willst du hin?
Du gehest ja den breiten Weg! –«

Und als sie vor das Höllentor kam,
Da klopfte sie ganz grausam an.

Der Teufel sprach: »Wer ist denn hier?«
»Es ist eine arme Seele dafür.«

Da kam ein böser Geist hervor
Und nahm sie herein ins Höllentor,
Und setzte sie auf einen glühenden Stuhl,

Gab ihr einen glühenden Becher in die Hand,
Darnach ihr Mark und Ader zersprang.

Da fing sie an zu schreien und sprach:
»Oweh, oweh, meiner Mutter Hand,
Die mich nicht nach der Schule zwang!

Oweh, oweh, meines Vaters Hand,
Der mich nicht nach der Kirche zwang!

Oweh, oweh, mein bunter Rock,
Der mich hier nach der Hölle lockt!

Oweh, oweh, meines Kutschers Pferd,
Das mich hier nach der Hölle fährt!«

Aus Dithmarschen und durch Herrn Schullehrer Rathjen in Fiesharrie. Vgl. Wunderhorn II, 210. – Eine andere Relation aus Dithmarschen stimmt sehr mit der aus Rügen bei Erlach III, 65.

*

 

647. Der Wunderbrunnen.

Heim. 12, 266. Handelmann, Weihnachten in Schl.-H. S. 94 f. 108. Bolte 1, 212.

Letj Ehlki an grat Ehlki.
Städ bi Suas tu spannan.
Do faal grat Ehlki san Rook un Suas,
An letj Ehlki sprong iineffter.
Do wiär a Suas onnar so widj
En hed föl smok Steggalkar.
Letj Ehlki ging fardar.
Hat kam tu an eban Bagohn.

Klein Ehlke und groß Ehlke
Saßen am Brunnen zu spinnen.
Da fiel groß Ehlke ihr Rocken in den Brunnen.
Und klein Ehlke sprang nach.
Da war der Brunnen unten so weit
Und hatte viele luftige Steige.
Klein Ehlke ging weiter.
Es kam zu einem offenen Backofen.

A Bagohn sad: »Ragi mi ans ap,
Ik du di so föl warm Bruad,
Üsh man idj mest.«
Letj Ehlki nam bal nant an thonkat Gewöhnlich: Letj Ehlki sad: »Ik wal di wat skidtj!« (Ich will dir'n Dreck!) Amringer Ausdruck der Bescheidenheit..
Hat nam nant me turagh.

Do kam hat tu an Apalbuum,
Di hingst fol smok Frügt an sad:
»Sköddi mi man an idj,
So föl üsh man mest;
Nem uk me, so föl üsh wäl.«
Letj Ehlki thoukat an nam man an letjan Apal.

Nü kam hat tu an Kü.
A Kü sad: »Molkt mi ans,
Do skäl so föl waram Molk ha,
Üsh man drank mest.«
Hat thonkat an nam man letjat
För a äragst Thast,
Am a fardar hat kam,
A hiätar det wurd.

Un a Firansh siig hat nog föl Sjüllags,
Diär altamal ham loki wul
Fardar tu gungan.
Man hat thogt: »Ik san jo rik an nogh
An brük man letjat.«
Hat kam turagh mea Rook tu fin Sastar.
Hat flekt üb ham, dat hat ütj a Wonnersuas
Egh muar me nimman hed.
Grat Ehlki sprong sallaw un Suas.

Hat kam tu a Bagohn,
Hat kam tu a Buum,
Hat kam tu a Kü.
A Bagohn sad: »Ragi mi ans ap,
Ik du di so föl warm Bruad,
Üsh man idj mest.«
A Apalbuum sad: »Sköddi mi man an idj,
So föl üsh man mest.«
A Kü sad: »Molki mi ans,
Do skäl so föl waram Molk ha,
Üsh man drank mest.«

Hat faan nog muar Smoks, diär ham lokat
An frinjank bäd;
Hat wul man al ha.
Grat Ehlki nam sannar Miät
An sannar am Thonkin tu thenkan
Fan al det Guds so föl,

Der Backofen sagte: »Leer mich mal aus,
Ich tu dir so viel warm Brot,
Als nur essen magst.«
Klein Ehlke nahm bald nichts und dankte.
Es nahm nichts mit zurück.

Da kam es zu einem Apfelbaum,
Der hing voll schöner Frucht uud sprach:
»Schüttle mich nur und iß,
So viel als nur magst;
Nimm auch mit so viel als du willst.
Klein Ehlke dankte uud nahm nur einen kleinen Apfel.

Nun kam es zu einer Kuh.
Die Kuh sprach: »Melke mich einmal,
Du sollst so viel warme Milch haben,
Als du nur trinken magst.«
Es dankte und nahm nur wenig
Für den schlimmsten Durst,
Denn je weiter es kam.
Je heißer es ward.

In der Ferne sah es noch viel Schönes,
Das allzumal sie locken wollte
Weiter zu gehen.
Aber es dachte: »Ich bin ja reich genug
Un brauch nur wenig.«
Es kam zurück mit dem Rocken zu seiner Schwester.
Die fluchte auf sie, daß sie aus dem Wunderbrunnen
Nicht mehr mitgenommen hätte.
Groß Ehlke sprang selbst in den Sot.

Es kam zu dem Backofen,
Es kam zu dem Baum,
Es kam zu der Kuh.
Der Backofen sprach: Leer mich mal aus,
Ich tu dir so viel warm Brot,
Als du nur essen magst.«
Der Apfelbaum sprach: »Schüttle mich nur und iß,
So viel als nur magst.«
Die Kuh sprach: »Melke mich einmal.
Du sollst so viel warme Milch haben.
Als du nur trinken magst.«

Es fand noch mehr Schönes, das sie lockte
Und freundlich bat;
Es wollte aber alles haben.
Groß Ehlke nahm ohne an Maß
Und olme an Danken zu denken
Von all dem Guten so viel,
Üsh hat man dregh küd:
Hat füng an hiäl Barn.

Man hark! Nü hiärd hat an Romlin,
An al det Guds sonk weg.
Moddar an Slobbar
Wurd a Grünj annar sin Fet.
Hat wul flügt, man sonk weg
So jip del,
An kam nimmer weddar üb a Welt.

Als sie nur tragen konnte:
Sie nahm eine ganze Last.

Aber horch! Nun hört sie ein Krachen,
Und alles Gute sank weg.
Moder und Morast
Ward der Boden unter ihren Füßen.
Es wollte fliehen, aber sank weg
So tief hinunter,
Und kam nimmer wieder auf die Welt.

Von Amrum durch Herrn C. Johannsen. Dr. Clement von Amrum teilte das Märchen in ziemlich abweichender Gestalt mit; es hat nicht durchweg die rhythmische Form: Klein Ehlke kommt zum Apfelbaum, zur Kuh und zum Backofen, und nimmt so viel als sie mag. Dann kommt sie an ein hölzern Häuschen, wo ein altes Weib wohnt, das sie lausen muß; sie könne überall umhergehen, nur nicht in die siebente Kammer. Ehlke laust sie. Die Alte schläft ein. Da streut sie ihr Grütze auf den Kopf und läßt die Küchlein sie aufpicken, geht in die Kammer, nimmt einen kleinen Sack voll Geld und flieht; der Apfelbaum etc. verraten sie nicht. Groß Ehlke, neidisch, springt nun hinein, hört nicht auf die Bitte des Apfelbaums etc., laust die Alte und raubt das Geld. Der Baum etc. verraten sie. Die Alte packt sie und zerreißt sie mit glühenden Zangen. – Damit stimmt auch ein Märchen aus Fehmarn: Eine Frau hat zwei Töchter, die eine ist ihre Stieftochter. Diese stößt sie in den Brunnen. Dann ähnlich wie oben: Rosenbusch, Apfelbaum, Backofen. Das alte Weib ist eine Menschenfresserin; sie entkommt glücklich mit ihrem Gelde und wird nicht verraten. Darauf steigt die rechte Tochter in den Sodbrunnen, wird ertappt und die Hexe trinkt ihr das Blut aus. Nun steigt die Mutter in den Garten hinab, antwortet auch nicht auf den Gruß der Bäume etc., findet im Hause der Hexe viel Gold, aber auch ihre Tochter tot. Da will sie fliehen, aber die Hexe ergreift und verzehrt sie auch. So kann die Stieftochter nun vergnügt mit ihrem Gelde leben. – Diese beiden letzten Erzählungen kommen dem hessischen Märchen von Frau Holle, Grimms K-M. Nr. 24, näher; noch mehr einzelne Züge in den sieben Varianten (s. die Anm. dazu). Eigentümlich scheint bei uns der grausame Schluß, der ganz zum Charakter der Wasserwesen paßt. Vgl. oben Nr. 406.

*

 

648. Friesische Reime von Sylt.

Handelmann, Volksspiele S. 61.

1.

Meik döör di Borrig rid?
»De Borrig es forbööden.«
Hokken heed dit seid?
»Dear leest Kumt, skelt tö weeten so.«

(Darf ich durch die Burg reiten?
»Die Burg ist verboten.«
Wer hat das gesagt?
»Wer zuletzt kommt, soll's zu wissen Kriegen.«)

2.

Rid, rid me Korf bi Sid:
Mearen (morgen) kumt de Brid (Braut)
Me höör (ihr) road Aapler,
Me höör Waagstaapler (Wiegenständer),

Me guld Knoppen (Knöpfen) üp höör Sliif (Ärmel);
Jü well de hiile (ganz) Wunter (Winter) bliif.

3.

Siil (segle), siil tö Kagelönd (Kuchenland?)
Me en Skep soll Roggel (Roggen) hen,
Wan de Roggi ripet,
Wan de Berri pipet (die Gerste keimet),

Hen om Waagstaapler,
Om en Lääs (Fuder) Aapler.
Wan wü da de Aapler saa (bekommen),
Da skell ik uk hokken (welche) haa.

4.

Karen en Maren jat toog om en Roop
(beide zogen an einem Strick);
Karen wild en Bridmann (Bräutigam)
haa, en Maren wild ook

Karen noom en Stiin
En smeet Maren aur Biin:
»Uha, min Biin, hud (wo) bleef de Stiin (Stein)?«
De Stiin de seet ön Maren höör Biin.

5.

Sei en Mei (weibl. Name wie in 4)
Stönd ap fuar Dei (Tag).
Jat (sie beide) bok (buken) jaar Broad,
Jat bruud jaar Biir,
Jat schlachtet jaar Stiir,
En da seid Sei tö Mei:
»Hat es jit soowen (sieben) Stünd to Dei.«

6.

Dear kam en Skep bi Süder Sid
Me trii jung Friiers ön de Floot (im Gefolg, oder mit der Flut?).
»Hokken wear de förderst?«
Dit wear Peter Rothgrün.
»Hud sät hi sin Spöören (Sporen)?«
Fuar Hennerk Jerkens Düür.
»Hokken kam tö Düür?«
Marike sallef (selbst)
Me Krük (Krug) en Bekker ön de jen Hund,
En gulde Ringer aur de üdder Hund (andere Hand).
Jü nöödigt höm (ihm) en sin Hingst (Pferd) iin,
Död de Hingst Haawer en Peter Wiin.
Toonk, toonk (Dank) fuar des gud Dei!
Al de Brid en Bridmaaner of Wei (fort)
Olter (außer) Marike en Peter alliining.
Jü look (schloß) höm iin tö Kest (Kiste)
En wild höm nimmer muad mest (nimmermehr missen).

7.
Der Jüte als Freier auf Sylt.

Dear kam en Mantje fan Nuuden (Norden)
Me soowen poltig Juuden (zerlumpten Juden),
Me soowen Ausen (Ochsen) fuar sin Plog,
Me soowen Griskin (Ferkeln) ön sin Skog (Schuh):
»Min kjäre lttj Faamen (liebes kleines Mädchen), wan dü well mi haa,
Saa skell dü alle min Griskin saa.«

8.

Ing en Dung,
De Klokken ja gung.
Hokken es doad?
Pua Modders es doad.
Hud kam hi tö Doad?
Bi Oaster Soad (östlichem Brunnen).
De brokked Kü (bunte Kuh) jü stat (stieß) höm doad.

Vgl. oben Nr. 123. 165.

9.
Ein Rätsel

Gleesoogi (Glühauge) seet üp Stiinkenbarig (Steinchenberg)
Stiinkenbarig broan (brannte) önner:
Gleesoogi löp na de Hinger.
Wat wear dit?

(Eine Katze saß auf dem in holländische Wiesen (Stintjes) eingemauerten Grapen des Herdes. Da legte die Wirtin Feuer unter und die Katze lief zum Henker.)

10.

Dear seet en Spook (Spuk) üp Üülkenbarig (Eulenberg)
En glüüret (stierte) ön de Daageroad (Morgenrot).
De Barig broan önner,
De Daageroad spleet (zerspliß):
Da sloog de Spook for de Hinger.

(Wahrscheinlich eine Formel zur Beschwörung eines Spuks. Man vergleiche unten). – Durch Herrn Hansen auf Sylt.

*

 

649. Doentjen.

Jb. f. Ldk. 4, 172. 5, 283.

Da seet en ool Uul in de Eck un klabüster sik. Do keem so'n Lirumlarumpimpensläger un sloog de Uul op êren Plattfoot. »I«, seggt de Uul, »wat sleist du mi? Kann ik hier nich sitten un klabüstern mi?«

—————

Da weer mal en ool Buer un en ool Uul. De Buer de seet in de ene Eck, un de Uul seet in de ander Eck, un de Buer seeg de Uul an un de Uul seeg den Buern an.

—————

Da weer mal en Buer, de plög sien Dêl. Do sünn he niks as en stuufsteert Muus. Harr de Muus en länger Steert hatt, weer mien Geschicht ook länger west.

—————

»Jung, wat maakst du dar?« Still, uns Weert, ik fang Müs. »Hest denn all welke?« Ja, uns Weert, wenn ik disse heff, wo ik up luer, un denn noch een, denn Heff ik twee.

—————

En Jung schull mal hen na den Hœker un Seep un Solt halen. Do sä he ümmer vœr sik hen Seep un Solt. He seeg awer nich na sien Föt un so füll he œwer'n Bonenstang. »Donnerwe'r, Tran un Teer«, sä he, un bleev nu ook bi Tran un Teer.

—————

Dar weer mal en Mann, de harr dree Sœns. De ene heet Schack, de ander heet Schackschawwerak, de drütte heet Schackschawwerakschakkonimmini. Nu weer dar ook en Fru, de harr dree Döchter. De ene heet Sipp, de ander Sippsiwwelipp, de drütte heet Sippsiwwelippsippelimmini; un Schack kreeg Sipp, un Schackschawwerak kreeg Sippsiwwelipp, un Schackschawwerakschackonimmini kreeg Sippsiwwelippsippelimmini.

*

 

650. Rätselmärchen.

G. F. Meyer, Hasselnœt (= Plattd. Volksb. 20. 21), Garding 1920). S. 39 ff.

1.

Ein Prediger ging aus und wollte drei Arbeiter dingen, zwei sollten dreschen und einer Häckerling schneiden. Als er nun wieder nach Hause kam, sagte er vergnügt zu seiner Frau: »Morgen kann't Döschen un Hackelsschniden losgaan.« »Heft du denn Lüd funden«? sagte die Frau. »Ja«, antwortete er, »Ik un Du schöllt döschen un Nüms schall Hackels schniden.«

Frage: Wie ist das zu verstehen, da der Prediger in vollem Ernst redete?

Antwort: Die beiden Drescher hießen Ik und Du und der dritte Arbeiter Nüms.

2.

Ein Mann war zum Tode verurteilt. Da ging seine Frau hin und bat bei dem Richter um sein Leben. Da sagten die Richter: »Wenn du uns ein Rätsel aufgibst, das wir nicht erraten können, so sollst du deinen Mann wieder haben.« Nun sprach die Frau:

As ik hin güng, as ik wedder kam.
Den Lebendigen ik ut den Doden nam.
Süß de güngen den Sœwten quitt,
Raad to, gi Herren, nu is't Tied.

Da konnten die Richter es nicht erraten und mußten den Mann freigeben. Frage: Kannst du das Rätsel erraten?

Antwort: Als die Frau hinging, fand sie am Wege ein Pferdegerippe und in dem Pferdegerippe ein Vogelnest und in dem Vogelnest sechs Junge. Die sechs Jungen nahm sie mit, und also gingen sechs den Siebenten quitt, und aus dem Toten nahm sie die Lebendigen.

So erzählt man auch: Einer Frau war ihr Hund, der Ilo hieß, gestorben. Da hatte sie sich aus seinem Fell ein paar Schuhe machen lassen. Als nun ihrem Manne das Leben abgesprochen ward, rettete sie ihn, indem sie den Richtern dies Rätsel aufgab, das sie nicht lösen konnten:

Op Ilo ga ik
Op Ilo sta ik,
Op Ilo kumm ik herangerannt,
Ilo is mi wul bekannt,
Op Ilo keer un wend ik mi.
Op Ilo heff ik Freud und Leid:
Ratet, ihr Herren, nun ist es Zeit.

*

 

651. Einige Rätsel.

J. Ehlers, Schl.-Holst. Rätselbook, Kiel 1865. Diermissen, De lüttje Strohot S. 96 ff. Heim. 13, 234 ff. 284 ff. 13, 274 ff. Zs. f. Vk. 6, 412. 24, 194. Kock, Schwansen 465 f. G. F. Meyer, Hasselnœt S. 7 ff. W. Ehlers, Rad mal, wat is dat? Hamburg 1920. Feilberg 467 ff.

1.

Da köm en Vagel fedderlos
Un sett fik op'n Boom blattlos.
Da köm de Jungfru mundelos
Un freet den Vagel fedderlos
Van dem Boom blattlos.

Schnee.

2.

Keem Menneke van Aken
Mit en witt Laken,
He meente, he Kunde de ganze Welt bedecken.
He kunn doch nich œwer de Elwe recken.

Schnee.

3.

Achter mien Vaders Kamer
Dar hangt en blanken Hamer;
Wer damit timmern kann,
Dat is en künstlichen Mann.

Eiszapfen.

4.

Dar stünn en ool Mann op een Been,
Harr hundertdusent Swien bi sik.
Se weren all pickenswart,
Se säen all snirk, snark.

Schlehdorn.

5.

Ich ging mal über drei Elfen, (?)
Soll mir Gott helfen:
Ich fand da ein klein Meisterstück,
Wie mein kleiner Finger dick.
Ich machte mir zwei Seiten Speck,
Einen Backtrog,
Einen Schweinstrog,
Ein Milchfaß.
Rat mal, was ist das?

Eichel.

6.

Höger as en Huus,
Lütter as en Muus,
Gröner as Gras,
Witter as Flaß,
Bitter as en Gall,
Un doch mœgen de Herren dat all.

Walnuß.

7.

In den Garden stunn en Kutsch Dies Rätsel, im Anfang und Schluß wenig verändert, wird auch als Lied beim Ringeltanz gebraucht.,
Hier en Kutsch un dar en Kutsch.
In de Kutsch da weer en Duuf
Hier en Duuf un dar en Duuf.
Von de Duuf dar flög en Fedder,
Hier en Fedder, dar en Fedder.
Ut de Fedder word en Bett,
Hier en Bett un dar en Bett.
In dat Bett dar slöp en Knecht,
Hier en Knecht un dar en Knecht.
Vor dat Bett da stünn en Weeg,
Hier en Weeg un dar en Weeg.
In de Weeg da slöp en Kind,
Hier en Kind un dar en Kind.
Nu rade, wat is dat?

Eine große Bohne.

8.

Dar seet en Jumsfr up den Boom,
Harr en roden Rock an,
Harr en Steen achterin,
Rade mal, wat dat mag sten?

Apfel oder Kirsche.

9.

Kummt en Tunn von Engelland,
Sunder Born un sunder Band,
Is tweerlei Beer in.

Ei.

10.

To Wittenbarg im Dome
Da is en gêle Blome,
Un wer de gêle Blom will êten,
De mutt ganz Wittenbarg tobrêken.

Ei.

11.

Ich weiß ein kleines weißes Haus,
Hat keine Fenster und auch keine Tore.
Und will ein kleiner Wirt heraus,
So muß er erst die Wand durchbohren.

Ei mit einem Küchlein.

12.

Dar keem en Mann ut Egypten;
Sien Rock weer ut dusent Stücken,
Harr en knœkern Angesicht,
Harr en Kamm un kämmt sik nicht.

Hahn.

13.

En Vagel in de Luft geswêwt,
Desgliken nich up Eerden lêwt.
He is so hitzig gewossen,
Un wenn he hungrig ward,
Fritt he nêgen un nêgentig Ossen.

Wetterhahn (Blitz?).

14.

Da flüggt en Vagel stark
Twischen hier un Dännemark.
Wat hett he in sien Kropp?
Twölf Last Hopp.
Wat hett he op sien Kron?
Twölf Jumfern de sünd schon.
Dabi en Fatt mit Wien,
Mutt dat nich en braven Vagel sien?

Schiff.

15.

Dar leep en lütjen Mann in roden Rock,
He sä: »Moder waart juw Höner doch!
Bœr juwe Hund bün ik gar nich bangen.«

Wurm.

16.

En holten Huus, en isern Dœr,
Fief darin und fief davœr.

Häcksellade.

17.

Grise, grise, grau
Steit all Nacht in Dau,
Hett keen Fleesch un Blood,
Deit likes alle Minschen good.

Mühle.

18.

Tweebeen seet op Dreebeen,
Do neem Veerbeen Tweebeen Eenbeen.
Do neem Tweebeen Dreebeen un smeet Veerbeen,
Dat Veerbeen Eenbeen fallen leet.

Mensch, Hüker (dreibeiniger Stuhl ohne Lehne), Hund, Knochen.

19.

Dar leep en lütj Hündjen wul œwert Feld,
He harr sien Steert so kruus opkrellt.
Ik do di't Woort wul in den Mund,
Schaft doch nich raden: Wo heet de lütje Hund?

Wo.

20.

Da was mal en Hund,
Un de was bunt.
Den Hündgen fien Naam was mi ne vergêten.
Heff dreemal seggt,
Schaft likes ne wêten:
Wat förn Naam harr de Hund?

Was.

21.

De Küster un sien Süster,
De Preester un sien Fro
De gingen dörch de Heier
Un fünnen en Vagelnest mit veer Eier.
Un jeder neem een ut,
Bleef doch noch een in.

Die Schwester des Küsters war nämlich die Frau des Predigers.

22.

Keem en Deert ut Noorden,
Harr veer Oren,
Harr söß Föt,
Harr en langen Steert.
Rade, rade wat is dat?

Ein Reiter.

23.

Veer Löpers,
Veer Stöters,
En Smicksmack,
En Brotsack,
Raad mal, wat is dat?

Wagen mit Fuhrmann und Pferden.

24.

Achtern Awen staan en paar Klawen.
Op de Klawen da steit en Tonn,
Op de Tonn dar steit en Trechter,
Oewer den Trechter da is en Licker,
Oewer den Licker da is en Rüker,
Oewer den Rüker da sint twee Kiker,
Oewer de Kikers dar steit wat Gras,
Dar lopen fette Ossen op un af.

Jung und Alt.

*

 

652. Sprüche und Segen.

Einl. S. Xlll f. Jb. f. Ldk. 2, 210. 3, 449. 5, 92. 10, 365. Heim. 19, 137. 164 usw. 22, 102 u. ö. Vgl. auch zu Nr. 632. Thiele, Danm. Folkes. 3 (1860), 119. 96 u. ö. Handelmann, Volksspiele S. 48. Feilberg 312 ff.

(Jeder Segen wird dreimal leise wiederholt und bei dem I. N. G. etc. ein Kreuz geschlagen. Mehrere der hier aus mündlicher Überlieferung mitgeteilten finden sich nach Aufzeichnungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert in Grimms Mythol. Anhang CXXXVI ff. 1. Ausgabe, und in Mones Anzeiger 1833, 234. 1837, 464 ff.)

1.
An den Marienkäfer ( coccinella septempunctata).

Aus der Elbmarsch:

Maikatt,
Flügg weg,
Stüff weg,
Bring mi morgen good Wedder med.

Aus Plön:

Marspêrd (Markpêrd), fleeg in Himmel!
Bring mi'n Sack voll Kringeln,
Mi een, di een.
Alle lütten Engeln een.

2.
An den Schmetterling.

Kêtelböter (Sommervagel) seit di!
Nês un Mund blött di.

oder in Dithmarschen auch:

Schomaker (Flœrlœr, Bottervagel) sett di!
Schast ok Speck un Brot hebben.

(Der Reim gehört wohl eigentlich der Libelle, dem Speckfrêter oder Gadespêrd (Gottespferd); man nennt auch den Marienkäfer uns Herrgott sien best Pêrd.)

3.
An eine Schnecke.

Slingemuus,
Kruup ut dien Huus,
Stick all dien veer, fief Hörn ut.

Wullt du's nech utstêken,
Will ik dien Huus tobrêken.
Slingemuus etc.

oder:

Snaak, Snaak komm herut,
Sunst tobrêk ik dien Huus.

oder in Dithmarschen (wo auch der erste Spruch bekannt ist):

Tœkeltuut,
Kruup ut dien Huus,
Dien Huus dat brennt,
Dien Kinder de schriegt (flennt?)

Dien Fru de liggt in Wêken:
Kann'k di nich mal sprêken?
Tœkeltuut etc.

Vgl. Mythol. S. 658.

4.
An den Kuckuck (vgl. oben S. 492).

Kukuk in Hêwen,
Wo lang schall ik lêwen?

Sett di in de gröne Grastied
Un tell mien Jaarstied.

oder in Lauenburg:

Kukuk,
Speckbuuk,
Ik birr di:

Segg mi doch,
Wo vêl Jaar
Lêw ik noch?

5.

Wenn die Knaben sich Weidenflöten (Wichelfleuten) machen, singen sie, den Weidenstock klopfend:

Fabian Sebastian,
Laat den Saft ut Holt gaan.

oder im östlichen Holstein:

Baß, Baß, Baß, Buribaß,
Giff mi en gode Fleit (goden Brummel) af;
Ik gêv dt een werrer af.

Vgl. Mythol. S. 1190. – Es ist ein gemeiner Glaube: »Fabian Sebastian (Jan. 20.) Lett den Saft int Holt gaan.« Dann darf kein Holz mehr gefällt werden.

6.
An den Hollunder. – Arnkiel I, 179 erzählt:

Man hat den Ellhorn auch heilig gehalten, daß ein Part diesen Baum nicht dürfen unterhauen. Wo sie aber denselben unterhauen mußten, haben sie vorher pflegen dies Gebet zu tun: .

Frau Ellhorn,
Gib mir was von deinem Holz;
Denn will ich dir von meinem auch was geben,
Wann es wächst im Walde.

Welches teils mit gebeugten Knieen, entblößtem Haupte und gefaltenen Händen zu tun gewohnt, so ich in meinen jungen Jahren zum öftern beides gehört und gesehen. (Vgl. oben S. 396 ff.) Über das Anbeten des Hollunders vgl. Thiele, Danm. Folkes. II, 282 f.

7.
Wenn die Kuh gezeichnet ist.

Addern (Ottern) und Schlangen
Legen in Sanden.
Un so gewann
Un so verschwann
Un so verschwann düt ook.

8.

Ist ein Pferd oder eine Kuh krank, ziehe man ihnen ein Messer durchs Maul und spreche dazu:

Dat Beest is krank
Van êten un drinken,
Van Water und van Winde.
So verswinde
Dat, as de Dauw van dem Grase verswindet.

Staatsbürgerl. Magazin Band 10, 1107.

9.
Wenn eine Kuh verfangen ist.

Dat Beest hett sik verfangt,
In Frêtent un Supent,
In Water un Wind.
Ik will dit stillen
Mit Marien Kind.
J. N. etc.

Oder hat eine Kuh sich verfangen, so spreche man dreimal leise, dabei das Tier dreimal mit der Hand über den Rücken streichend:

Kuh, Kuh, Kuh,
Du bist verfangt.
Unser Herr Christus ist gehangt.
Kuh, Kuh, Kuh,
Du bist vom Verfangen los,
Unser Herr Christus ist vom Hangen los.
J. N. etc.

Ebenfalls:

Uns Herr Christus sien Hangenblood,
Damit still ik dit Verfangenblood.

10.

Hat ein Rind den Voß (die Bräune), so muß eine schwangere Frau ihm dreimal in den Mund blasen und sprechen:

Voß, ik rade dik,
Ungebaren jagt dik.
J. N. etc.

11.
Beim Blutstillen.

Auf unserm Herrn Gott sein Haupt,
Da blühen drei Rosen,
Die erste ist seine Tugend,
Die zweite ist seine Jugend,
Die dritte ist sein Will.
Blut, steh du in der Wunde still.
Daß du weder Geschwüre
Noch Eiterbeulen gebest.
J. N. etc.

oder:

Blood sta still,
Na uns Herr Christus sien Will.
Im Namen Gottes des Vaters und Sohn:
Nu steit dat Blood schon.

Ich sage dir Blut, stehe still,
Es ist Maria ihr Will,
Es ist Maria ihr Begehr,
Steh du mir nun und immermehr.
J. N. etc.

Ehe die Blutung kommt:

Blut, ich sage dir, du sollst stehen und mußt stehen.

Ebenso auch gegen Kopfschmerzen, Herzklopfen etc.

12.
Gegen den Mord (Schlagfluß).

Mord, du hest êr dalschlaan:
Unse Herr Christus seggt,
Du schast wedder upstaan.

oder:

Uns Herr Christus un de Moort
De güngen tosamen dœr en enge Poort.
Uns Herr Christus de gewann,
De Schlag un de Moort verschwand.

13.
Gegen das Schlucksen (dreimal in einem Atem zu sprechen):

Schluckop,
Loop lank de Buuk op,
Loop lankt Redder (einen eingezäunten Weg),
Kumm nich wedder.

oder:

Schluckop un ik
Wi stegen dœr en Knick,
Ik köm dardœr,
Schluckop blees davœr.

Schluckop un ik
Gingen œwern Weg,
Schluckop füll' rin
Un ik leep weg.

oder aus Lauenburg:

Hukup,
Sluckup,
Loop lang de Hêg
Kumm nümmer to Wêg,

Hukup ga weg.
Ga vor min Nabers Dœr,
Maak en lüttes Knickschen vœr,
Hukup ga weg.

14.
Gegen die Kolk (Kolik?)

Kolk, ik rade di mit en Füerfatt ut dat Huus
En brave Mann un en böse Wief,
Damit rade ik di de Kolk ut dinen Lief.
J. N. etc.

15.
Gegen das Fieber:

Man schreibe in den Schornstein oder auf einen Zettel, den der Kranke essen muß

Fieber bleib aus,
N N. ist nicht zu Haus.

16.
Bei stillen Schmerzen (Rheumatismus).

Christus durch den Wunden dein
Entziehen allen Unglück dein
Fünf Wunden Gottes helfen dir
Denn ich bin deine Arzenei für und für. ( sic)
J. N. etc.

17.
Gegen Gicht.

Guden Abend, Herr Fecht,
Ik bring em hundertnêgenunnêgentig Gicht.
Nümm se man an.
So bürr ik darvan.

oder:

Man faßt eine Eiche oder den jungen Schößling einer schon abgeschlagenen Eiche (Ekenhessen) an und spricht:

Ekenhessen, ik klaag di.
All de riten Gicht de plaagt mi.
Ik kann dar nich vœr gaan,
Du kannst damit bestaan.

Den eersten Vagel, de œwer di flüggt
Den giff dat mit in de Flucht,
De nem dat mit in de Lucht.
J. N. etc.

18.
Gegen die englische Krankheit.

Engelsche Krankheit verswinn.
Wie de Dau an de Sünn,
Wie de Kukuk vör den Sœvenstern.

19.
Gegen Flechten.

De Hechel un de Flechel
De gingen all beid œwer en Stechel.
De Hechel de gewunn
Un de Flechel verswunn.
J. N. etc.

20.
Gegen den Barmgrund ( tinea).

Man holt stillschweigend Wasser und wäscht den Kopf damit sogleich lauwarm, sprechend:

So standen drei Mädchen wohl vor dem Brunn,
De ene de wusch, de ander de wrung.
Darin is verdrunken en Katt un en Hund,
Damit verdriew ik di den Barmgrund.

Vgl. Provinzialberichte 1797. S. 238.

21.
Gegen die Rose (Helldink).

Ik segg: Helldink, Helldink,
Du schast ni stêken.
Du schast ni brêken.
Helldink, Helldink,

Du schast ni kellen (quälen oder quellen?),
Du schast ni schwellen.
Dat schast du ni doon,
Dat schast du ni doon.

oder:

Peter un Paul gingen œwert Moor.
Wat begegen er dar?
Helldink, Helldink! –
»Helldink, wo wullt du hin?«
Nan Dörp.

»Wat wullt du dar?«
Kellen un schwellen un wee doon.
»Dat schast du ni doon,
Dat befêl ik di in Gottes Namen.«

oder:

Hildink, ik raa di.
Raa ik di nich seer,
So jaag ik di noch vêl meer.
J. N. etc.

(Dies wird auch dreimal gesprochen, nach einer Pause noch dreimal, und nach einer neuen Pause wieder dreimal. Jedesmal wird die kranke Stelle dabei kreuzweise angeblasen.)

oder:

Rode Ros' un witte Ros',
Dunkle Ros' un helle Ros',
Verswinn,
Wie de Dau vör de Sünn.

22.
Gegen die Bellrose.

Petrus un Paulus
Gingen ut Kruut to söken;
Dar wollen se de Ros' mit verteen,
De Kelleros', de Schwelleros',
De Stêkeros', de Brêkeros',
De Blätterros';
Awer allens wollen se damit verteen.
J. N. G. etc.

23.
Beim Gewächs.

Man legt den Finger darauf und darf nicht darauf sehen, indem man spricht:

Was ich seh, das wächst,
Was ich seh, das vergeht.
J. N. etc.

Gegen Warzen gibt es nur ein Mittel. Man kann sie nur im Mondschein los werden. Man muß sich bei zunehmendem Mond ins Freie begeben, den Mond starr anblicken und mit der Hand über die Warzen hinstreichen, unter diesen Worten:

Was ich ansehe, nimmt zu,
Was ich überstreiche, nimmt ab.

Ähnliche Mittel wird der vor kurzem unter großem Zulauf hier herumziehende Mondscheinmann angewandt haben, um damit Lahme, Blinde und andere Kranke zu heilen.

24.
Gegen den Adel oder Fiek (Wurm) im Finger.

Nicht zu schnell und zur Zeit nur einmal zu sprechen:

De Adel un de Stool
De gungen beid an enen Pool.
De Adel de verswunn,
De Stool de gewunn.
J. N. etc.

25.
Gegen Schmerz im Finger.

Ik rad' en bêten
Mit Heisterknaken,
Mit Kreienföten,
Schall di de Weedaag uten Finger staken.

26.
Wenn man sich den Fuß vertreten.

Ik hool mien Foot in'n Kattengang (wo die Katzen durchspringen können)
So still ik wol den Gnirrband.

27.
Bei einem Mal auf dem Auge.

Dar seten dree Jünfern an den Weg.
De een de puust dat Sand uten Weg,
De ander de puust dat Loov vannen Boom,
De drürr de puust dat Maal von Oog.
J. N. etc.

oder:

Statt kreuzweise zu pusten, wird mit Stahl und Stein überkreuz Feuer geschlagen:

Hier schrief ik enen Rink
Mit en stalern Messer,
De Rink is sund (gesund)
Dat Hildink verschwund.

28.
Gegen den Brand.

Brand, Brand,
Du geist œwer Moor un Land.
Mit mien gesegnete Hand
Rade ik düssen Brand.
J. N. etc.

oder:

Petrus und Johannes
Eingen beide wandeln.
Petrus nahm den Stab in die Hand,
Damit still ik di den Brand.

oder:

Hoch is de Hêwen, (Himmel)
Rood is de Krêwen, (Krebs)
Koold is de Dodenhand,
Damit still ik düssen Brand.
J. N. etc.

oder:

Hoch is de Hêwen,
Koold is de Nêwen (Nebel) etc.

29.

Beim Flachssäen spreche man:
Flaß, ik streu di in den Sand:
Du must wassen as en Arm dick
Un as en Kerl lank.

So auch beim Wurzelsäen:

Du schast wassen as en Veen dick
Un as en Arm lank.

30.

Damit die Hexen nicht über Nacht den Rahm von der Milch nehmen, spricht
man beim Zudecken des Topfes:

Hen un her,
Un wedder um de Dœr
Wat hest du bi mien Roomputt verloren?

31.
Das Feuer zu besprechen.

Gott und Petrus gehen übers Land,
Sie sehen brennen einen Brand.
Brand, du sollst nicht brennen,
Brand, du sollst nicht sengen,

Brand, du sollst nicht hitzen,
Brand, du sollst nicht schwitzen,
Bis die liebe Mutter Gottes
Ihren andern Sohn sollte gebären.
J. N. etc.

32.
Ofen anbeten beim Pfänderspiel.

Awen, Awen, ik bêd di an,
's Winters bist du'n goden Mann,
's Sommers seh ik di nich an.

33.
Beim Regenwetter.

Rêgen, Rêgen rusch'!
De König faart to Busch.
Laat den Rêgen oewergaan,
Laat de Slinn wedderkamen.
Lewe Sünn, kam wedder
Mit dien golden Fedder,
Mit dien golden Straten
Beschien uns altomalen.

(Beschien bat ganze Engelland,
Da hangt de Klocken an de Wand
Wo Maria bawen sitt
Mit dat lütje Kind in Schoot.
Haalt en Stutenbotterbroot,
Mi wat, di wat,
Unse lütje Muuschkatt wat;
Denn hefft wi altomal wat.)

34.
Einen Dieb zum Stehen zu bringen.

Mutter Maria reiste wohl über das Land,
Sie hat ihr liebes Kind bei der Hand.
Da kamen die Diebe und wollten stehlen.
Da sprach sie zu St. Peter: Binde!
St. Peter sprach: Ich habe gebunden
Mit eisernen Banden mit Gottes Händen.
Du, Dieb und Diebin, sollst gebunden sein.
Wiederum sollst du stille stehen und nirgends hingehen.
Du sollst stehen als ein Stock und starr sehen als ein Bock,
Und zählen all das Gras, das auf der Erde wachst.
Wiederum sollst du stille stehen und nirgends hingehen,
Sollst stehen als ein Stock und starr sehen als ein Bock
Und zählen die Sterne, die am Himmel stehen.
Wiederum sollst du stille stehen und nirgends hingehen;
Du sollst stehen als ein Stock und starr sehen als ein Bock
Und zählen den Sand, der liegt am Meeresgrund.
Wiederum sollst du stille stehen und nirgends hingehen;
Du sollst stehen als ein Stock und starr sehen als ein Bock,
Bis ich dir mit meiner Zunge Urlaub gebe.
Den Himmel gebe ich dir zu deiner Hütte,
Und die Erde zu Schuhen deiner Füße.
Amen! in des Teufels Namen.

35.

In Schleswiger Hexenprozeßakten wird erzählt, daß einmal drei Kunstfrauen (Zauberinnen) beschlossen, den Müller Claus Selk von seiner Mühle zu treiben und darauf um Leib und Seele zu bringen. Sie holten aus St. Jürgen, der Vorstadt, für einen Witten (alte Scheidemünze) Milch, kochten sie unter Anrufung aller Teufel, und füllten sie dann unter denselben Ausrufungen mit Löffeln auf zwei heiße Steine aus, indem sie sprachen:

So soll in aller Teufel Namen
Der Müller vergehen,
Wie die Milch auf den heißen Steinen.

Und dann rief die eine:

Amen! in aller Teufel Namen.

36.

Gegen Hieb und Stich gesichert ist der, der ein weißes Pergament mit diesem Zeichen † A 36. m. 9. ††† bei sich trägt und dann, wenn der Stich geschehen soll, sagt:

Ich beschwöre dich, Degen gut,
Daß du nicht von mir sollst bringen Blut;
Dies zähl ich dir, Schwert, zur Buß.
In den Namen der Geister Gufalon, Samalekti etc.

Laß, Husumsche Nachrichten I, 151.

37.
Liebessegen.

Will eine Jungfer ihren zukünftigen Bräutigam sehen, so muß sie um Mitternacht vor Neujahr rückwärts in der Küchentür stehen und sprechen:

Gott grüß dich Abendstern,
Du scheinst so hell von fern,
Über Osten, über Westen,
Über alle Kreiennesten.
Ist einer zu mein Liebchen geboren,
Ist einer zu mein Liebchen erkoren,
Der komm, als er geht,
Als er steht,
In sein täglich Kleid.

Laß, Husumsche Nachrichten I, 151.

38.
Segen über Neuvermählte.

Neocorus I, 116 erzählt: (Wenn Braut und Bräutigam zu Bette gebracht sind), den wert ehn beiden togedrunken. Wenn se Bescheid gedaen, hebet an de oldste Schaffer, edder wol darto gebeden, se to bewritten, dat also togeit. He tuet ein Schwert edder Pook (Messer) ut, schermet darmit aver dem Bedde unde gesegnet se mit diesen Worden, welche he dreemael wedderhalet:

Hier bewritte ik twe Kinder,
Twe saliglike Kinder,
Al wat se tellt, schal salig sin.
(Gott gewe enen Glück und Segen
Up allen eren Wegen und Stegen;
Gott gewe enen Glück und Eren,
Welken se sik wenden unde keren);
Gott gewe enen so vele junge Söne,
As de Karkenledder heft Treme;
Gott gewe enen so vele junge Döchter,
(As dat Hues heft Rechter [Latten?].)
Des frowen sik beide Geschlechte.

Peter Mohrs Hans Detlefs (zur Verfassung etc. S. 202) enthält wieder mehr, als Neocorus. Die Originalhandschrift des Hans Detlefs teilt den Spruch gar nicht mit. Bewritten heißt ursprünglich beschreiben (Runenstäbe, die ja die Kraft hatten, fruchtbar und unfruchtbar zu machen?) vgl. Wilh. Wackernagel in Haupts Zeitschr. für deutsches Altertum III, 41.

39.
Zur guten Nacht.

To Bett, to Bett,
De'n Leevsten hett.
De kenen hett,
Mutt ook to Bett.

—————

Goden Abend, gode Nacht!
Mit Rosen bedacht,
Mit Nêgelken bestêken
Kruup ünner de Dêken!

Morgen frö, wills Gott, wölln wi uns wedder sprêken.

Vgl. den Wunsch aus dem 15. Jahrhundert in Mones Anzeiger 1834, 290.

Herr Jesu, ik will slapen gaan:
Laat veertein Engel bi mi staan!
Twee to minen Hövden,
Twee to minen Föten,
Twee to miner rechter Hand,
Twee to miner luchter Hand,
Twee de mi decken,
Twee de mi wecken,
Twee de mi wisen
In dat himmlische Paradiesen.

Vgl. Schütze, Idiotikon I, 76. Firmenich S. 246.

Nu will ik slapen gaan
Und mi op minen Gott verlaten.
Und wenn de bitter Dood kümmt
Und will mi befliken,
So för mi,
Herr Jesu,
In din Himmelrike.

Diesen und den vorhergehenden Spruch führt schon Agricola zum 547. Sprichwort an.

Hier folgen noch die Anfänge der deutschen Volkslieder, die auch bei uns bekannt sind; sie wurden bei Marne in Dithmarschen gesammelt, werden aber auch wohl sonst bekannt sein und daneben noch andere.

1. Ach Rendsburg, ach Rendsburg, du wunderschöne Stadt!
Darinnen da liegt so mancher braver Soldat,
Der Vater und Mutter böslich verlassen hat. etc.

Erlach IV, 185. 14 bis 16 Strophen, mit Rätselfragen zwischen dem Hauptmann und losbittenden Mädchen, wie Erlach I, 439.

2. Es marschierten drei Regimenter
Wohl über den Rhein,
Ein Regiment zu Pferde,
Ein Regiment zu Fuß,
Ein Regiment Draguner etc.

12 Strophen.

3. In Ungerland in Großwardein etc.

Erlach II, 534. 33 Strophen.

4. Schönster Schatz und ich muß fort.
Ich muß dich meiden,
Von dir abscheiden.
Nach einem andern, andern Ort. etc.

Erlach II, 135. I, 165. 5 Strophen.

3. Es stand ein Lind im tiefen Tal,
War unten breit und oben schmal. etc.

Uhland N. 116. 10 Strophen. Darin die Variante:

Er gab ihr den Ring wohl in die Hand,
Sie weint bis der Ring voll Tränen stand.

6. Ich stand auf hohen Bergen
Und sah die Seefahrt an. etc.

Uhland N. 96. 8 Strophen.

7. Es wollt ein Mädchen Wasser holen,
Aus einem kühlen Brunnen. etc.

Uhland N. 113. Vgl. 110. 6 Strophen.

8. Es spielt ein Graf mit seiner Dam'
Sie spielten alle beide. etc.

Uhland N. 97. 18 Strophen. Statt Augsburg wird gewöhnlich Lunden (London) gesagt.

9. Es ging ein Knab' spazieren
Spazieren wohl in den Wald. etc.

Erlach IV, 114. 8 Strophen.

10. Es war einmal ein Schuhmachergesell,
Es war ein junges Blut etc.

Erlach I, 422. 8 Strophen.

11. Es wollt ein Jäger jagen
Wohl in dem Tannenholz etc.

Erlach III, 182. 9 Strophen.

12. Es waren drei Junggesellen,
Die redeten all, was sie wollten, etc.

Uhland N. 107. Erlach IV, 43. 8 bis 9 Strophen.

13. Et weren twe Königskinder,
De hadden eenander so leev:
Se konden to eenander nicht kamen,
Dat Water, was ja so deep.

Uhland N. 91 fast ganz übereinstimmend; nur Str. 2-4, 13, 14 fehlen.

14. Zu Straßburg (oder Ratzeburg) auf der Schanz,
Da ging mein Unglück an etc.

Erlach II, 545 unvollständig.

15. Ach Schätzchen, ich hab's erfahren,
Daß du willst scheiden von mir;
Wann du willst wiederum kommen,
Die Wahrheit sage du mir. etc.

Erlach III, 200. IV, 100. 7 bis 8 Strophen.

16. Es liegt ein Schloß in Österreich,
Es ist gar wohl gebauet
Von Silber und von rotem Gold,
Mit Marmelstein gemauert.

Uhland N. 125 ganz vollständig. 16 Strophen.

17. Es war einmal ein feiner Husar,
Der liebte sein Mädchen ein ganzes Jahr,
Ein ganzes Jahr und noch viel mehr:
Die Liebe hatte kein Ende mehr. etc.

Erlach IV, 143. 6 Strophen.

18. Ik seet eenmal in Schwetschenboom,
De Boom wull mit mi brêken.
Ik see mien Leevste van Feren staan:
Wo geern wull ik êr sprêken! etc. etc.

Vgl. Uhland N. 22. 7 Strophen. Klagen einer jungen Frau über ihren alten Mann.

19. Es wollt ein Jäger jagen
Dreiviertel Stund vor Tagen
Wohl in dem Tannenholz etc.

Uhland N. 194. Erlach III, 115.

20. Es gingen sieben Brüderlein
Ins weite Feld hinein,
Und als sie ein wenig gegangen,
Da wurden sie gefangen,
Gefangen bis in den Tod. etc.

Erlach 1, 167. III, 469. 8 Strophen.

21. Es weidet ein Schäfer im langen Holz,
Valladeri di trallara,
Begegnet ihm ein Edelmann stolz.
Blümelein, juchhe! etc.

Erlach 1, 173 (III, 454). Durch Arndt aus Lauenburg.

22. Spinn, mien Dochter, spinn,
Schast hebben en nien Rock etc.

Erlach IV, 152. 3 Strophen.

*

 

Anmerkungen.

Die am häufigsten gebrauchten Abkürzungen sind:

Bolte = Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, neu bearbeitet von J. Bolte und G. Polivka. Bd. 1 -3. Leipzig 1913-18.

Danm. Falkem. = Danmarks Folkeminder, Bd. 1 -21. Købnhavn 1908-1919. Besonders Bd. 21 = Udvalgte Sonderjydske Folkesagn, udg. af F. Ohrt. Købnhavn 1919.

Feilberg = Feilberg, Fra Heden, Slesv. Provindsialefterretninger. Bd. 4. Haderslev 1863.

Frahm = Norddeutsche Sagen, hrsg. von L. Frahm. Altona u. Leipzig 1890.

Heim. = Die Heimat. Bd. 1-30. Kiel 1890-1920.

Jb. f. Ldk. = Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Bd. 1-10. Kiel 1858-1869.

Kristensen = Danske Sagn, samlede af E. T. Kristensen. Bd. 1-7. Arhus 1892-1901.

Lorenzen = Gamle og nye Minder fra Sundeved af Chr. C. Lorenzen. Haderslev 1859.

Mitt. d. ndfr. B. = Mitteilungen des nordfriesischen Vereins für Heimatkunde. Bd. 1-8. Husum 1903-12.

Nieders. = Niedersachsen. Halbmonatsschrift für Geschichte usw. Niedersachsens. Bremen 1894-1920.

Urdsbr. = Am Urds-Brunnen. Jahrg. 1-7. 1881-89.

Urqu. = Am Urquell. Monatsschrift für Volkskunde. Bd. 1-6. 1890-96.

Wisser = Plattdeutsche Volksmärchen, gesammelt von W. Wisser. Jena 1914.

Zs. f. Vk. = Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. Bd. 1-26. Berlin 1891-1916.

 

[Die Endnoten sind aus technischen Gründen und zur besseren Lesbarkeit als Fußnoten wiedergegeben. Re]

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