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Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg

Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg - Kapitel 3
Quellenangabe
typefairy
authorKarl Müllenhoff
titleSagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg
publisherVerlag Bernd Schramm
printrun4. Auflage
editorKarl Müllenhoff
year1985
isbn3-921361-05-2
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130913
projectid21596ada
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Zweites Buch.

 

Als Vicelin um das Jahr 1126 an den bestimmten Ort (Neumünster) kam, fand er eine endlose, dürre Heidefläche und die Bewohner roh und ungebildet; vom Christentum hatten sie nicht mehr als den Namen. Denn es ist bei ihnen vielfacher Irrtum von heiligen Hainen und Quellen und von anderem Aberglauben verbreitet. Da er also in der Mitte dieses entarteten und verderbten Volkes zu wohnen begann, an dem Orte schauervoller Einsamkeit, empfahl er sich um so mehr dem göttlichen Beistande, je verlassener er von menschlichem Troste war. Der Herr aber gab ihm Gnade in den Augen jenes Volkes. Es ist ganz unglaublich zu sagen, welche Menge in jenen Tagen sich zur Buße wandte; und die Stimme seiner Predigt erscholl über das ganze Land der Nordelbinge.

Helmold I, 47 (48).

 

 

133. Fositesland.

1.

Zu Fosite vgl. Philippsen, Sag. v. Föhr S. 7. 14. Hoops, Reallex. d. germ. Altertumsk. 2, 80. – Heilige Tiere: Nr. 205 f. 157.

Auf Helgoland war zur Zeit des Heidentums ein Heiligtum und Tempel des Gottes Fosite. Heilige Tiere weideten dabei, die niemand auch nur berühren durfte, und eine Quelle sprudelte hervor, aus der man nur schweigend schöpfte. Jeder, der die Heiligkeit des Ortes gering achtete und irgend etwas da berührte oder gar verletzte, ward mit einem grausamen Tode bestraft. Als der heilige Wilibrord von den Tieren schlachtete, glaubten die Leute, er müsse augenblicklich entweder in Wahnsinn verfallen, oder auch von einem plötzlichen Tode getroffen werden. Der heilige Liudger hat den Tempel zerstört und dafür eine Kirche erbaut.

Allein noch viel später glaubten die Seeräuber, wenn einer auch nur die geringste Beute von dem Lande nähme, er immer entweder bald durch Schiffbruch umkomme, oder erschlagen werde; keiner sei noch ungestraft geblieben. Den dort lebenden Einsiedlern brachten sie darum auch immer mit der größten Ehrfurcht den zehnten Teil ihrer Beute dar. Die Quelle mit süßem Wasser blieb allen Schiffern ein heiliger Ort und das Land empfing davon den Namen Heiligeland, und heißt noch heute gewöhnlich dat hilge Lant. Sie soll die heutige Sappskuhle sein.

(Eine Dame, deren Vater früher Prediger auf Helgoland war, erzählte mir, daß neben der alten Predigerwohnung, die jetzt abgebrochen ist, auch ein Brunnen, der Hartbrunnen genannt, gewesen sei. Dahin kam früher oft in der Nacht eine graue schattenhafte Gestalt mit schweren schlürfenden Schritten seufzend und stöhnend über den sogenannten Hingstplatz gegangen und man hörte sie dann etwas Schweres hinunter werfen. Der unglückliche Geist soll später Ruhe gefunden haben.)

Die Zeugnisse aus dem 8., 9. und 11. Jahrhundert bei Grimm, Mythologie, 2. Ausg. S. 210. – Mündlich.

2.

Liudger schiffte auf des Kaisers Rat nach einer Insel, die auf der Grenze lag zwischen dem Lande der Friesen und dem der Dänen, und diese hieß Fositesland nach dem Gott Fosite, den die Heiden daselbst anbeteten. Als das Schifflein dem Ufer der Insel nahte, nahm Liudger ein Kreuz in die Hand und sang den sechzigsten Psalm. Da sahen diejenigen, welche mit ihm im Schiffe waren, einen dichten Rauch von der Insel aufsteigen und über derselben sich zusammendrängen und alsdann verschwinden. Und Liudger sprach: »Wisset, meine Brüder, daß dieses der Satan war, den der Herr von der Insel vertrieb.« Und er trat freudig ans Ufer und predigte Jesum und taufte die Neubekehrten an einer Quelle, die auf der Insel sprang. Des Fosite Heiligtum zerstörte er und baute an dessen Stelle christliche Kirchen.

Wolf, Niederländische Sagen S. 223 aus Surii vitis Sanctorum.

*

 

134. Der Geldsot.

Geldsot: Nr. 606. Frahm 245 ff. Kristensen 1, 1224. 1225. 3, 1703. 4, 12. – Mann mit dreieckigem Hut: Nr. 483. Vgl. Kristensen 5, 576. Dreibeiniger Schimmel: zu Nr. 41. Licht deutet auf Schatz: Nr. 290. 322. 323. 445, 1. 541. Jb. f. Ldk. 10, 364. Urqu. 3, 163. Zf. f. s.-h, Gesch. 15, 312. 16, 394. Kristensen 3, 2197. Fischer, Slesv. Folkes. 367. – Zum Bruch des Schweigens beim Schatzheben s. zu Nr. 322.

Zwischen dem Dorfe Hopen und dem St. Michaelisdonn (bei Marne in Süderdithmarschen) findet man an dem dürren Abhange der Geest, dem Kleve, eben über der Marsch eine immer hellfließende Quelle, die der Geldsot genannt wird. Vor vielen Jahren lag in der Nähe ein reiches Dorf; das starb aus, oder ward im Moskowiter Kriege verödet, so daß nur ein Hirte nachblieb, dem Geld und Gut nun zufiel. Ehe er aber starb, versenkte er alles in den Brunnen, weil er keine Erben hatte; und dieser erhielt davon seinen Namen. Stößt man mit einem Stocke hinein, so klingt es ganz hohl und oft hat man auf dem Grunde des klaren Wassers einen grauen (kleinen schwarzen) Mann mit einem dreieckigen Hute gesehen, der ein brennendes Licht in der Hand trug und es immer hin und her leitete. Kam einer herzu und griff darnach, verschwand alles.

Oft hat man versucht den Schatz zu heben. Einmal machten sich mehrere in einer Nacht auf und gruben stillschweigend die Quelle auf, bis sie auf einen großen Braukessel trafen. Da legten sie einen Windelbaum quer über das Loch und befestigten Seile an dem Kessel, um ihn heraus zu ziehn, als zu ihrem Schrecken ein ungeheures Fuder Heu, mit sechs weißen Mäusen davor, den Kleve spornstreichs hinauf an ihnen vorüber sauste. Doch behielten sie so viel Besinnung, daß keiner einen Laut von sich gab, und der Kessel war schon so hoch herauf gezogen, daß sie ihn mit der Hand reichen konnten, als der graue Mann mit seinem dreieckigen Hut auf einem dreibeinigen Schimmel herauf geritten kam und den Leuten guten Abend bot. Aber sie antworteten nicht. Als er nun aber fragte, ob sie nicht meinten, daß er noch das Fuder Heu einholen könnte, rief einer: »Du Schrœkel, (hinkender Krüppel) mags den Deuwel!« Da versank augenblicklich der Kessel wieder, der Windelbaum brach und der graue Mann verschwand. Viele haben es nachher noch wieder versucht, aber alle sind durch ähnlichen Spuk gestört und zum Sprechen gebracht.

Mündlich. Vgl. Nr. 322. – Es ist eine in der ganzen Marsch, selbst in der Wilstermarsch berühmte Quelle; sie selbst hat bekanntlich keine Quellen. – Der graue Mann mit dem dreieckigen Hut und dem Schimmel ist sonst in Volkssagen Wodan.

*

 

135. Die Quelle auf dem Wellenberge.

Über die heilkräftige Quelle auf dem Bornberg bei Bargteheide s. Frahm 99 f. Vgl. auch Danm. Folkem. 21, 61.

Auf dem Wellenberge bei Itzehoe weihte der heilige Ansgar ein kleines Bethaus und brachte dahin den Kopf des heiligen Sixtus, den er als ein großes Heiligtum immer bei sich zu führen pflegte. Neben dem Hause aber befand sich eine Quelle. Weil Ansgar nun zum Fleische gemeiniglich Brot und Wasser genoß, schickte er eines Tags einen zum Schöpfen hinaus; da war das Wasser in Wein verwandelt worden. Die Quelle hat lange der heilige Born geheißen. Einem Fieberkranken träumte einmal, wenn er daraus einen Trunk nähme, würde er genesen; es ist auch wirklich eingetroffen. Er war aber ein Franzose. Der Herr Statthalter Heinrich Ranzau hat den Brunnen neu einfassen lassen, und noch heute weiset man ihn und sagt, sein heilkräftiges Wasser sei einst weit verschickt.

Presbyter Bremens. bei Westphalen III, 24. Schröder im Archiv für vaterländische Geschichte II, 103. Nordalbing. Studien (1844) I, 13. Harrys Sagen Niedersachsens I, 44. Thiele I, 334. – Auch bei der Trese in Ratzeburg gab es einen Brunnen, aus dem der Bischof Isfrid schöpfte und dessen Wasser sich diesem in Wein verwandelte. Albert Kranz, Metropol. VI, 40.

*

 

136. Die Quelle zu Marienstede.

Heilkräftige Quelle versiegt: Nr. 142. Jb. f. Ldk. 4, 146. Die Quelle bei Hellevad versiegte, weil ein Mann ein altes schorfiges Pferd darin wusch: Kristensen 3, 1077. – In der Möllner Kirche hängt ein Rahmen mit einem hölzernen Arm darin. Ein ungeratener Junge hat einmal die Hand gegen seine Eltern erhoben. Er hat früh sterben müssen. Als er aber begraben war, wuchs sein Arm bis zum Ellbogen aus dem Grabe. Man hat ihn zum abschreckenden Beispiel abgeschlagen und in der Kirche ausgehängt. Mündl. aus Mölln. Vgl. Jb. f. Ldk. 4, 146. Bolte 2. 550.

In Marenstäd' (Marienstede in Lauenburg) dor stünde vor vêle hundert Jahren en Kapelle un in de Kapelle stünd en Bild van de Mutter Maria. De harr dat lütt Jesuskind upn Arm un dicht bi de Kapelle flöt en Water. Wenn dat en krank Minsch drünk oder sik dorin bade, so würde he so gesund, wat förn Krankheit he ok hebben mügg. Dat würde nu bald bekannt un vêle Lüde, de Krankheiden an sik harrn, kemen na Marenstäd' un deden êhr Gebêt för dat Marienbild un wenn se dat daan harrn un dat Water drünken, würden se gesund.

Nu lêwe dontomaal en halwe Stunde van Marenstäd' en Eddelmann. Dat weer en gottlosen leegen Keerl, de söp un spêl den ganßen Dag un harr sinen gröttsten Spaaß daran, wenn he de armen Lüde, de na Marenstäd' güngen, kunn förn Narren hebben. Up sinen Hof harr he'n Vaagt, dat weer êben son Keerl wie sien Herr. Enmaal würde em sien Pêrd krank un keen Dokter kunn wat helpen. Dor dach he, du sast dormit na Marenstäd' trecken un dat Pêrd ut dat Water börmen (tränken).

Nu harr disse Vaagt en olen frommen Vader, de harr em all oft vermaant; awer de gottlose Jung' lach em ümmer wat ut un säde, he weer so lang' ane Gott fardig worden, dat he dach, he würde ok noch wol länger ane em fardig. As nu de ole Vader höre, wat sien Jung' doon wull, dor güng he to em un bäde em, he sull't doch nich doon, Gott würde em dat nich so hengaan laten. Öwer de Sœhn säde, he hüll sien Pêrd noch för vêl bêter, as all de olen Krœpel, de Dag för Dag na de Marenstäder Kapell tröcken. As de Ole em so mit goden nich holen kunn, dor wull he Gewalt bruken un stell sik för dat Pêrd un faat'n Toom an un wull em dörchut nich wider laten. Dor neem de Vaagt sien Swêp un slög sinen olen Vader domit annen Kopp. Da hülde de Ole sien Hand in de Höcht na'n Himmel un säde: »Dat di Gott strafen mügg, du Unminsch!« Öwer de gottlose Jung lach doröwer un günge mit sien Pêrd na Marenstäd' un börmde et ut dat Water. Van der Tied an harr dat Water sine Kräfte verloren und weer nich bêter, as all dat anner.

Mit den Vaagt öwer neemt en bös Ende. He harr van de Tied an kenen gesunden, vergnügten Dag meer un störfe bald dorup. Dat weer up'n Namiddag as se em ingröwen un jeder Minsch säde, den wart't bawen noch leeg gaan. As den annern Morgen de Köster tidig up'n Kirchhof keem, do seh he up den Vaagt sien Graff wat Witts liggen, un as he dichter heran güng, weer dat en Minschenhand, de sülvige womit de Vaagt sinen Vader slaan harr. Se gröwen de Hand wedder int Graff, öwer se kunn nich darin bliwen un müß ümmer wedder herut. Dor bröchen se se in de Kirche un leggen se dor in en Lock in de Kirchenmuur; un alle Johr wenn de Pastor de Verornung vörlêsen müß, denn faat he de Hand an un wise se de Kinner un sê dorbi: »Disse Hand hett sik gegen den Vader uphawen un hett keen Ruh in de Eerde bit up dissen Dag.«

Durch Herrn Rektor Vieth in Ratzeburg. – Die Sage von der Hand, die Vater und Mutter schlug, und immer wieder aus dem Grabe wuchs, dann in die Kirche kam, wird auch bei Oldenburg erzählt. Vgl. Nr. 247. Grimm, Kinder- und Hausmärchen Nr. 117. Thiele I, 193.

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137. Die teure Zeit.

An der neuen Chaussee von Eutin nach Oldenburg, dreiviertel Meilen von ersterer Stadt, an einem hügeligen Orte liegt eine kesselförmige Vertiefung, deren Wasser der Abfluß fehlt. Sie heißt die teure Zeit. Denn für den Kornhandel sagt sie ganz untrüglich die Preise vorher. Vor vierzig Jahren kamen am Maitagmorgen die Hamburger Kornkaufleute noch da zusammen und sahen nach, wie es stand. War viel Wasser darin, gab es hohe Preise; war aber nur wenig oder fallendes da, dagegen niedrige.

Auch in einem Gehölz bei Preetz ist eine Grube, aus der man für den Sommer prophezeit: viel Wasser im Frühjahr macht ihn trocken, wenig Wasser naß. Eine eben solche Grube findet man im Gute Gaarz im Lande Oldenburg.

Durch Herrn Bruhns in Eutin. Die »teure Zeit« liegt bei Stendorf. – Solche Quellen heißen sonst in Deutschland Hungerbrunnen. Vgl. Bechstein, Fränkische Sagen S. 174. 265. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 104. Thiele, Danm. Folkes. II, 14.

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138. Der Hirschhornbrunnen.

Einige andere Brunnensagen bei Frahm S. 66 ff.

Vor langer, langer Zeit war die Gegend, wo jetzt der dritte Stadtteil von Schleswig, der Friedrichsberg liegt, mit Gestrüpp und Holz dicht bewachsen und menschenleer. Einige Hirten und Jäger sammelten sich jedoch nach und nach um eine Quelle mit schönem, reinem Wasser und es entstand ein Dorf. Eines Tages aber geschah das Unglück, daß die Quelle versiegte. Weit und breit war sie die einzigste gewesen und die armen Leute standen nun hilf- und ratlos da. Die Not war groß. Da ging ein Jäger bei Nachtzeit in den Wald, um da, er wußte nicht wie, Abhilfe zu schaffen. Nach langem Suchen sah er ganz nahe auf einmal einen weißen Hirsch mit goldenem Geweih. Schon legte er an, als ihm ein Mitleid mit dem schönen Tiere kommt und er die Büchse absetzt und nach Hause geht. Am andern Morgen fand man das goldene Geweih bei der Quelle, den Hirsch aber hat niemand wiedergesehen. Jetzt konnte man den stattlichsten Brunnen bauen, der bis auf den heutigen Tag der Hirschhorn- oder Hornbrunnen heißt und das schönste Wasser in ganz Friedrichsberg gibt, das vorzeiten heilkräftig war.

Durch Herrn Marquardsen in Schleswig.

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139. Die Klause zu Ruekloster.

Es haben die Mönche zu Ruekloster eine Klause oder Kapelle bauen lassen am Heerwege und es zu St. Annen genannt. Da war groß Wallfahrt, daß wer lahm, krank oder sonst Mangel hatte und ihre Opfer brachten, der ward auf Vorbitte der Mutter Marien und St. Annen gesund. Wenn sein Bich krank wurde und er nur die Klawen, daran es gebunden war, oder die Halfter von den Pferden dahin brachte, wurde es alsobald gesund. Dergleichen Exempel auch zu Klipleff St. Hjelper und bei Rinkenis St. Kjersten Soot oder Brunn am Berge vorkamen, daß wer sich daraus gewaschen, gesund geworden ist. – Als die Kapelle zu Klus Anno 15.. ist abgebrochen, hat man etliche hundert Klawen und andere Sachen, auch Krücken gestunden, so die, so krank dahin kamen, da gelassen haben und gesund davon gegangen.

Falk, Abhandlungen aus den Schlesw.-Holst. Anzeigen I, 296. Aus Jonas Hoyers Bericht vom Herzogtum Schleswig S. 27. Derselbe S. 10 erzählt: Der St. Helper (St. Salvator) zu Klipleff ist ein großer Klotz gewesen, formieret als ein Mann; den haben die Leute noch zu unserer Zeit mit allerlei Gaben verehret und haben gemeint, daß der arme Klotz ihnen von ihrer Krankheit, item ihrem kranken Vieh und Beesten helfen könnte, da doch der arme St. Helper sich selbst nicht helfen kann, sondern stehet da als ein ohnmächtiger Gott noch heutzutage ohne Arme und Füße. – Der St. Kersten Sot zu Rinkenis war mitten im Dorfe. – Bei Bohmstede, Landschaft Bredstedt soll ein heidnischer Tempel, genannt Donieshuus, gestanden haben. Dem Götzen, der sich da befand, opferte man Speck und schrieb ihm Heilkräfte zu. Schröder, Topographie von Schleswig.

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140. Die Grönnerkeel.

Zur Herkunft der Kinder vgl. Urqu. 5, 80. Urdsbr. 6, 15 (auf Amrum aus dem Frau Hollenteich; die Mutter wird dabei von der Wasserfrau mit einer Sense am Bein verwundet). Urqu. 6, 159.

Auf dem Habermarkte in Flensburg steht ein alter steinerner Brunnen, der die Grönnerkeel heißt. Sein klares reiches Wasser fällt aus vier Hähnen in ein weites Becken und versorgt einen nicht kleinen Teil der Stadt. Die Flensburger halten den Brunnen in hohen Ehren. Denn in dieser Stadt bringt nicht der Storch die kleinen Kinder, sondern sie werden aus dem Brunnen aufgefischt. Dann erkälten sich die Frauen dabei und müssen das Bett hüten.

Allein die Flensburger haben noch mehr Ursache den Brunnen in acht zu nehmen. Denn weil Flensburg aus dem Wasser entstanden ist, muß es einst wieder im Wasser untergehen. So lautet nämlich eine alte Prophezeiung: Einst an einem Sonntagmorgen, wenn die Leute eben aus der Kirche kommen, wird ein ungeheures, schwarzes Schwein wild und schnaubend durch die Straßen rennen bis an die Grönnerkeel; da wird es sich vor einen Stein stellen und ihn aufzuwühlen anfangen. Dann ist der Untergang der Stadt nahe. Sobald der Stein gelöst ist, wird ein Wasserstrahl hervorspringen, der bald zu einem großen unaufhaltbaren Strome wächst, der mit reißender Schnelle sich nach allen Seiten hin ergießt und die ganze Stadt in seinen Fluten begräbt. –

Die Flensburger geben aufs genaueste Achtung darauf, daß kein Schwein auf ihren Straßen wühlt, und vor mehreren Iahren haben sie noch den Brunnen mit einem großen Stein bedecken und versehen lassen, alles nur des furchtbaren Schweines wegen.

Durch Herrn Pastor Jensen in Angeln, Frl. D. Tamsen in Tondern und mündlich. – Die Stadt steht bekanntlich ganz auf Quellgrund. – Vgl. Kuhn, Märk. Sagen S. 195. Bechstein, Frank. Sagen S. 174.

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141. Quelle in Sommersted.

Ehe die Sommersteder Kirche gebauet wurde, war die Stelle schon heilig, wo sie jetzt steht. Nördlich von der Kirche ist ein Brunnen eingefriedigt, wohin man einst, um des heiligen Wassers willen wallfahrtete.

Fünfter Bericht der Gesellschaft für vaterländische Altertümer. 1840 S. 13.

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142. Quelle bei Rohrkarr.

Vgl. zu Nr. 136. Kristensen 3, 1060. 1077.

Bei Rohrkarr in der Nähe von Tondern war vorzeiten eine berühmte Heilquelle, in der viele ihre verlorne Gesundheit wieder fanden. Ein alter Pfahl bezeichnet noch das Wasser. Urplötzlich aber verlor das Wasser seine Heilkraft, weil ein Gottloser sein krankes Pferd darin badete.

Durch Pastor Karstens in Tondern. – Nach Schröders Topographie und schriftlichen Mitteilungen befinden sich in Schleswig noch eine Reihe heiliger, heilkräftiger Quellen: im Amt Hadersleben bei Aastrup an der Stelle, die Helligmay (made) genannt wird, bei Gramm und bei Oeddis-Branderup eine Helligkilde; im Amt Apenrade bei Tombüll ein Hellehöi und Helligkilde, dabei ein Armenblock; auf Alfen bei Holm am Tinghöi; im Amt Flensburg bei Eintost, östlich von Wolsroy, die Quelle Wöllroi; bei Flensburg selbst auf einer Anhöhe und bei Niehuus eine Helligkilde; im Amt Gottorp bei Taarsballig ebenfalls. Alle Quellen wurden ehedem von vielen Kranken besucht. Auch in Holstein werden noch an mehreren Orten Gesundbrunnen angegeben, doch erfuhr ich bis jetzt nichts, was ihre alte Heiligkeit beweisen könnte.

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143. Bischof Poppo am Hilligebek.

Niemann, Handb. d. schl.-h. Vaterlandsk. (1799) 1, 412. Heim. 6, S. XIV; 7, 163. Carstens, Wanderungen durch Dithm. S. 37 f. Zum Steinwurf vgl. Nr. 423 f.

Zwischen Flensburg und Schleswig ist ein Bach, der Hilligebeke, der früher der Jüdebeke hieß, aber seinen Namen änderte, weil der heilige Poppo darin das heidnische Volk taufte. Daneben heißt noch ein Gehölz das Poppholz, weil er da seine Predigten hielt. Reiter und Fuhrleute lassen ihre Pferde nicht aus dem Bache trinken, weil es bekannt ist, daß diese sich sogleich darnach verfangen.

Hier bei diesem Bache hat Poppo einmal ein Wunder verrichtet. Er zog ein mit Wachs getränktes Hemde an und forderte nun die ungläubigen Heiden auf, es anzustecken; wenn er beschädigt werde, brauchten sie nicht seiner Predigt zu glauben; bliebe er aber unversehrt sollten sie sich taufen lassen. Das gelobten sie. Als nun das Gewand angezündet war, erhub er seine Hände zum Himmel und erduldete den Brand mit großer Ruhe und Heiterkeit; und da es ganz herunter gebrannt war, war auch nicht ein Brandfleck an seinem ganzen Körper sichtbar. Da nahmen Tausende den Christennamen an. Einige sagen aber, dies sei zu Ripen, andre in Schleswig selbst geschehen.

Der Teufel ist dem Bischof in seinem Werke vielfach in den Weg getreten. Einmal hatte er da im Hilligenbeke eine ganze Schar getauft als der Böse einen ungeheuren Stein ergriff und auf ihn schleuderte. Aber in seiner Wut hatte er dem Wurfe einen zu großen Schwung gegeben und der Stein flog über den Kopf des Bischofs hin und lag nachher noch lange auf der Heide zwischen Stolk und Helligbek. Er hieß der Teufelstein und maß 20 Fuß in der Länge, 14 in der Breite und 12 in der Dicke. Man zeigt noch Überreste von ihm Das meiste ist abgesprengt worden.

Cypraei Ann. episc. Slesvic. 82 f. – Durch Herrn Organisten Schmidt in Fahrentoft.

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144. Die Kirche zu Sieverstedt.

Als der heilige Poppo die Heiden im Hilligbek taufte, benutzte er den Stein, der auf der Poppholzer Koppel, nicht weit vom Wirtshause liegt als Taufstein. Der Stein ist noch da, und man nimmt ihn nicht weg, obgleich er mitten im Acker liegt. Er ist oben ein bischen rund, etwa vier Fuß im Geviert und ruht ein wenig erhöht auf mehreren kleinen Steinen.

Zu jener Zeit passierte nun einmal ein Fremder zu Pferde den Bach. Mitten darin hielt er an, sein Pferd zu tränken, und fragte die Leute, die in der Nähe waren: »Ist dies das Wasser, in dem ihr getauft werdet?« Die Leute bejahten seine Frage. »So wünsche ich«, rief der Fremde, »daß mein Pferd in euer heiliges Wasser einen Dreck täte.« Sein Wunsch ging in Erfüllung, allein in demselben Augenblick war er mit seinem Pferde wie festgenagelt er konnte nicht von der Stelle und mußte lange Zeit im Bache halten. Da tat er in seiner Herzensangst das Gelübde, den Christen des Ortes eine Kirche zu bauen; der fromme Vorsatz half ihm aus der Not Und der Fremde hielt sein Wort und die Sieverstedter Kirche, die etwa eine halbe Stunde entfernt liegt, ward von ihm gebaut. Sie ist daher eine der ältesten Kirchen unseres Landes.

Man zeigt da bei Poppholz auch noch einen Stein, der der Tempel heißt, weil der heilige Poppo da gepredigt hat; den Taufstein nennt man auch den Poppstein.

Durch Herrn Speck aus Poppenbrügge bei Kiel. Schröder, Topographie von Schleswig. – Bei Dybvad, Amt Apenrade, lag vormals östlich vom Dorfe ein kleiner See, Döbevad, wo die ersten Christen der Gegend getauft wurden. – Bei Höirup, westlich von Hadersleben, zeigt man einen Hügel, worunter ein Däne vom scythischen Stamme (!?) begraben ist, der schon im zweiten Jahrhundert seine Freunde ermahnte, Jesum den Gekreuzigten zu verehren. Rhode, Haderslev-Amt S. 509.

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145. Der Bischofswarder.

Bei Bossee, nicht weit von Kiel, liegt eine Wiese, die Übelteich genannt wurde, weil darin einst viel Schlangen, Würmer und andres Ungeziefer gehaust hat. Ein kleiner Hügel darin heißt der Bischofswarder.

Denn zu der Zeit, als das Christentum eindrang, kam ein in der Kirchengeschichte wohlbekannter Bischof (Vicelin?) hierher, und wollte die Heiden bekehren. Aber diese ergriffen ihn, kleideten ihn nackt aus, bestrichen ihn mit Honig und setzten ihn so auf jenem Hügel, der nach ihm seinen Namen hat, auf einen Pfahl. So mußte er da, von dem Ungeziefer gemartert, den Geist aufgeben. Davon erhielt auch das Dorf seinen Namen Bossee, weil so boshafte Leute darin wohnten, und ein nahe gelegener Hof hieß Bissee, d. i. Bischofssee.

Ex Mss. Bosseens. in Majors Collectan. Mss. Fol. 10a und durch Herrn Schullehrer Rohweder in Thienbüttel.

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146. Der Ehrengang.

Man findet noch an mehreren Orten unseres Landes meist auf Anhöhen oder erhabeneren Ebenen eine Art alter Denkmäler; es sind nämlich eine große Anzahl Granitsteine in einem länglichen rechtwinkeligen Viereck aufgestellt. Vier Steine stehen nahe beieinander und einer darunter ist immer viel größer als die andern. Ein solches Denkmal nennt man nun einen Ehrengang, weil in alten Zeiten nach einem Siege die Fürsten und Helden hier feierliche Umzüge und Ritte mit allerlei Zeremonien gehalten haben sollen. Bei Nehmten, zwischen Bornhövede und Stocksee, und auf dem Kremsfelde bei Segeberg sind diese Denkmäler am besten erhalten.

Meyer, Darstellungen aus Norddeutschland, S. 297, beruft sich auf Tradition; doch war seine Quelle, wie sonst auch, wohl eine sehr unlautere; allein der Name ist merkwürdig, und vielleicht gibts wirkliche Sagen? – Bei Raubjerg, Amt Apenrade, liegt ein mit Steinen umsetzter Platz, Kongs Heststold (Königs Pferdestall) genannt, wo einst eine sehr blutige Schlacht vorfiel.

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147. Die Brutkoppel.

Urdsbr. 2, 29 f. 92 f. Carstens, Wanderungen S. 40 ff. Heim. 11, 205 ff. 12, 93 f. Vgl. Nr. 423, 2. 447. Andere »Opfersteine«: Urdsbr. 2, 74. S. 188. Heim. 24, 87. Bei Schuby heißt ein Feld »Brutkoppel«: Nr. 336. Vgl. Fischer, Slesv. Folkes. 229.

So heißt eine Koppel beim Hofe Seekamp im Gute Clausdorf. Da liegt ein großer flacher Stein und rings um ihn her im Kreise sind andere kleinere gesetzt. Und der Ort hat den Namen davon erhalten, weil in alter Zeit, da es noch keine Kirche gab, hier sich die Brautleute mit ihren Eltern und Verwandten versammelten, auf den großen Stein sich setzten und dann getraut wurden.

Pastor Kählers Bericht, Mskr., an die Gesellschaft für vaterl. Altertümer. – Bei Alversdorf heißt das Feld, wo der bekannte sogenannte Opferstein, im Volke Abensteen (Ofenstein) genannt, von alten Bäumen umringt steht, der Brutkamp (vgl. auch Brutkoppel Nr. 336) und eine Gerichtsversammlung heißt im alten Schleswiger Stadtrecht, Kap. 103, Brutbenk. Vgl. Dahlmann zu Neocorus I, 560; Kuhns Märk. Sagen Nr. 15. 34. 146; Harrys Sagen Niedersachsens I, 21. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 32. 229. 328; Thiele, Danm. Folkes. II, 218.

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148. Die Bridfearhoger auf Sylt.

Staatsbürg. Magazin dritte Folge (1845) 4, 61. Urdsbr. 2, 28 (Brutdans bei Jevenstedt). Philippsen, Sag. v. Föhr S. 53. Frahm S. 88. Vgl. Nr. 227.

Ein Mädchen in Eidum hatte sich mit einem jungen Manne verlobt und ihm geschworen, sie wolle eher zu Stein als die Frau eines andern werden. In dem Glauben an ihre Treue ging der junge Mann zur See. Doch das Mädchen vergaß ihn bald, nahm nachts Besuche anderer Freier an und verlobte sich endlich mit einem Schlachter aus Keitum. Der Hochzeitstag ward bestimmt und der Brautzug mit einem Vormann an der Spitze ordnete sich nach alter Weise und ging von Eidum auf Keitum zu. Da begegnete ihnen auf der Mitte des Weges ein altes Weib, und wenn das schon immer ein böses Zeichen für eine Braut ist, so rief dieses sogar: »Eidemböör, Keidemböör, juu Brid es en Hex Eidumer, Keitumer, eure Braut ist eine Hexe (Falsche, Ungetreue).!« Ärgerlich und erzürnt antwortete der Vormann: »Es üüs Brid en Hex, do wild ik, dat wü jir altimaal dealsonk, en wedder apwugset üs grä Stiin Wäre unsere Braut eine Hexe, dann wollte ich, daß wir allesamt in die Erde sänken und wieder aufwüchsen als graue Steine.!« Kaum waren die Worte gesprochen, so versank die ganze Gesellschaft samt der Braut und dem Bräutigam in die Erde, und alle wuchsen als graue Steine wieder zur Hälfte hervor. Man hat diese fünf großen Steine, zwei und zwei nebeneinander mit dem Vormann an der Spitze, bis vor wenigen Jahren noch gezeigt. Sie standen nördlich von Tinnum nicht weit vom ehemaligen Dinghügel, und dabei waren zur Erinnerung an jene Begebenheit zwei kleinere runde Hügel aufgeworfen, die man die Bridfearhoger, d. i. die Hügel der Hochzeitsgesellschaft nannte. Sie sind auch jetzt abgetragen.

Herr Schullehrer Hansen aus Sylt im Husumer Wochenbl. 1837. – Statt eines Vormannes nennen andre einen Fuhrmann.

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149. Der Brutsee.

Glocken läuten von selbst: Nr. 15. Aus dem See aufsteigendes Mädchen: Nr. 378, 1. 523. Unergründliche Seen oder Wasserlöcher: Nr. 275. 413. 426. 536 u. ö. Urdsbr. 6, 110 (Teich in Trittau). Brügmann, D. Sagen Lütjensees (1911) S. 41. Kristensen 4, 12 von dem Rolandsbrunnen bei Leerskov (Osterlügum), den man mit 100 aneinander geknüpften Tauen nicht ermessen konnte.

Ganz nahe bei Schleswig neben dem Wege nach Moldenit liegt ein kleiner schöner See, der Brutsee. In alten Zeiten war er ganz von Wald umgeben und ein Dorf lag daran, das zu St. Jürgen in Schleswig eingepfarrt war. Hier wohnte einmal ein reicher Bauer, dessen schöne Tochter einen armen Knecht liebte und ihm Treue gelobt hatte. Aber der Vater wollte sie einem reichen Hufner geben, und die Hochzeit ward auf den Pfingsttag angesetzt. Zum letzten Male sahen sich am Abende vorher die Liebenden an dem großen Steine, der noch am Ufer des Sees liegt. Als nun am andern Morgen Braut und Bräutigam mit ihren Verwandten über den See zur Stadt fuhren, ertönte plötzlich die Totenglocke, wie es bei uns Sitte ist, wenn einer gestorben ist. Und in demselben Augenblick erhub sich ein gewaltiger Wirbelwind, das Boot schlug um und alle ertranken. Die Leichen fand man bis auf die der Braut; sonst hätte man sie mit ihrem alten Liebsten begraben, dem das Läuten gegolten hatte. Aber in der Pfingstnacht steigt nun ein wunderschönes Mädchen in prächtigen Kleidern aus dem See, setzt sich auf jenen Stein und kämmt singend ihr langes goldnes Haar, bis der Morgen graut. Dann verschwindet sie wieder im See, der nach ihr der Brutsee heißt.

Auch bei Husum und andern Städten gibt es solche Brutlöcher oder Seen, die alle unergründlich sind.

Mündlich. Nach dem Aberglauben entsteht Sturm, sobald sich einer erhenkt hat. – Andre erzählen, daß der Wagen der Braut am steilen Ufer umgeworfen sei und sie aus Sehnsucht nach dem verlornen Geliebten oft emporsteige. Ferner sagen andre, daß ein Mädchen durch Übermut einen braven jungen Mann zur Verzweiflung gebracht und er sich in den See gestürzt habe. Darauf schwört sie, als ihre Eltern ihr Vorwürfe machen, keinen zu heiraten; sonst möge der Teufel sie holen. Als sie dennoch mit einem sich trauen lassen will, kommt der Teufel und holt sie in den See. In einigen Nächten des Jahres steigt ein Stein hervor und die Braut sitzt kämmend da, bis gegen Morgen eine Stimme aus dem See ruft und der Stein wieder mit ihr versinkt. – Noch andre sagen, sie habe sich selbst, um ihrem ersten Geliebten treu zu bleiben, hinein gestürzt, als der Zug zur Kirche will.

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150. Die Linde in Nortorf.

Auf der südwestlichen Seite des Kirchhofs zu Nortorf steht eine alte ehrwürdige dreiästige Linde, unter deren Zweigen ehemals Gerichte, Feste, Trauungen, Kontrakte usw. vollzogen wurden. Man machte alles nur mündlich ab und versiegelte es, wie man sagt, mit einem Doppen. Das Doppen bestand nämlich darin, daß man den Daumen nur gegen den Stamm der Linde setzte.

Mündlich. Zwischen Blumental und Sprenge, südlich von Kiel, stand ehemals die heilige Schwerk- oder Dreieiche. In der Nähe lag ein außerordentlich großer Stein, von dem, obgleich er gesprengt war, doch im vorigen Jahrhundert noch ein Stück von 30-40 Fuß Länge und 20 Fuß Breite übrig war. Ein Berg dabei heißt der Heiligenberg. Westphalen IV, 216 und die Abbildung Nr. 21. Schröder, Topographie von Holstein I, 228.

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151. Stiftung des Klosters Preetz.

Vorzeiten bedeckte ein großer ungeheurer Wald die ganze Gegend, wo jetzt Preetz und die Gründe des Klosters liegen. Dort jagte einmal Graf Albrecht von Orlamünde. Ein edler Hirsch sprang auf und lange verfolgte der Graf das fliehende Tier, als es mit einem Male unter einer großen Eiche stille stand und den Grafen ruhig anblickte, als wenn es den Tod nicht fürchte. Schon legte er an, um es zu erlegen, als ein glänzendes goldnes Kreuz zwischen seinem prächtigen Geweih sichtbar ward. Da erkannte der Graf, daß der Ort heilig sei und schonte des Hirschen; er ließ den Wald rings umher ausreuten und baute ein Kloster dahin, dem er reiche Einkünfte und weite Strecken Landes gab. Bis auf den heutigen Tag steht noch die große heilige Eiche mitten im Orte vor der Wohnung des Klosterpropsten. Ein Graf Alf von Holstein soll unter ihren Ästen später seinen Schießplatz gehabt haben.

Mündlich von Herrn cand. theol. Rejahl. – Vgl. die St. Hubertuslegende. Kuhn, Märk. Sagen Nr. 73.

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152. Arensbök.

Eine Sage über die Entstehung des Namens Ornsholm (Arrild) bei Kristensen 4, 498. Schütze, Schlesw. Folkesagn 1, 18. – Zur Heiligenerscheinung: Nr. 13. 17, 1.

Nach einem alten Erdbuche im plönischen Archiv hat der Bischof zu Lübeck, Eberhardus, die geschriebene Nachricht hinterlassen, daß in der Gegend, wo jetzt Arensbök liegt, eine starke Waldung gewesen, so in sumpfigen und morastigen Orten gelegen. In derselben stand ein Buchbaum, welcher vor andern herfür geraget. Auf demselben hat vor langen Zeiten ein Adler, auf plattdeutsch Arn genannt, alljährlich genistelt und seine Jungen ausgebracht. Da ließ sich aber über demselben die heilige Jungfrau Maria als ein Wunderbild in einem hellen Glanze sehen, welcher bis zum Himmel zu gehen schien. Wie dies Wunder unter den Leuten bekannt ward, ging das Volk in großer Menge dahin wallfahrten, und hat Gelübde und Opfer dargebracht. Von dieser Buche und dem darauf nistelnden Adler heißt der Ort nun Arensbök.

Hansen, Nachricht von denen plönischen Landen S. 54.

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153. Neukirchen im Fürstentum Lübeck.

Nachts wird zu nichte gemacht, was am Tage gearbeitet ist: Nr. 156. 158. 159. 173. 186. 211. 219. 220. 278. 290. 476. 478, 1. 2. 536 (Schluß). 538. Vgl. noch 162. 181. 234, 3. Heim 4, 21. Danm. Folkem 21, 55. Kristensen 3. 829. Fischer, Slesv. Folkesagn3 S. 24 f.

Auf des Hufners Jäger Koppel, die die Dörpstäd' heißt, stand ehemals Neukirchen. Hier ist alles nachts von der Stelle verschwunden, was man am Tage an der Kirche gebaut hat. Aber da hat man beobachtet, wie jede Nacht ein hellglänzender Schimmel gerade so weit im Kreise herumging als jetzt der Kirchhof groß ist. Morgens hat man im tauigen Grase genau den Kreis sehen können. Man baute also die Kirche dahin. Noch jetzt zeigt sich nachts ein Schimmel im Bookholz, auf der Malkwitzer Schafweide, an der Stelle, wo man zum Kirchenbau den Kalk grub. Als man damit zu bauen anfing, ist nachts eben so viel hinzugekommen, als man des Tags gemacht. Nachdem die Kirche aber fertig geworden, ist der Kalk verbraucht gewesen und die Grube zugefallen. Doch ist noch eine große Höhlung da zu sehen.

Durch Herrn Schullehrer Kipp in Sieversdorf.

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154. Unse leve Fru up dem Perde.

Carstens, Wanderungen durch Dithm. S. 17. Vgl. Nr. 190.

Als die Kirche zu Delve in Norderdithmarschen gebaut werden sollte und man keinen Platz wußte, ward man eins, daß man ein Marienbild aus ein buntes Mutterpferd binden und das ausgehen lassen wollte; wo man es aber des andern Morgens fände, da sollte gebaut werden. Das Pferd stand am andern Morgen in einem dichten Bruch von Gebüsch und Dornen. Nachdem man diesen mit vieler Mühe endlich niedergeworfen und hinweggeschafft, baute man das Dorf dahin und nannte die Kirche: unse leve Fru up dem Perde.

Neocorus I, 228.

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155. Ein weißes Pferd weiset die heilige Stätte.

Dieselbe Sage aus Stapelholm: Heim. 8, 26. – Carstens, Wanderungen S. 33. Schütze, Schlesw. Folkesagn 1, 16 (Enstedt).

Im Norden von Alversdorf in Süderdithmarschen liegt eine weite Heidestrecke, die Immensteder Loh (d. i. Waldung), wo in alter Zeit ein reiches Dorf Immenstede lag, das von einem von Norden kommenden Feinde bis auf den Grund zerstört ward. Die Einwohner wollten sich nun einen andern Wohnplatz suchen und man kam nach langem Zwiste überein, einen Schimmel laufen zu lassen; wo der stille stehe, solle die Kirche und das Dorf gebaut werden. Der Schimmel ging fast eine halbe Meile südlich und fing im Osten vom Beek, der Gieselau, auf einem schönen grünen Platze bei einem Fliederbusche an zu grasen. Da erbaute man die Alversdorfer Kirche und der Fliederbusch war westlich davon aus dem Kirchhof noch vor wenigen Jahren zu sehen.

Aber auch die Tellingsteder behaupten die Nachkommen der Immensteder zu sein und sagen, daß der Platz ihrer Kirche auf dieselbe Weise gefunden sei. – Ebenfalls in Süderdithmarschen erzählen die Süderhasteder, daß ihre Vorfahren ein weißes Pferd haben gehen lassen und das am andern Morgen mitten in einem großen Dorngesträuch gefunden sei. Dieses reutete man aus und baute dahin die Kirche. – Auch in Jevenstede bei Rendsburg hat man nach langem Streit das weiße Pferd gehen lassen, und es am andern Morgen in einem Sumpfe gefunden, daher auch die Kirche und ein großer Teil des Dorfes noch in einer Niederung liegt.

Mündlich.

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156. Rinder weisen die heilige Stätte.

Heim. 5, 121 aus Kisdorf. Mündl. aus Witzwort in Eiderstedt (schwarzer und weißer Ochse zusammengebunden). Kristensen 3, 875.

Auf einem hohen Marschgrund unweit Breklum hatten einst drei adlige Jungfrauen ihre Wohnung. Sie entschlossen sich eine Kirche auf einer südlichen Anhöhe, dem Steenbarg, zu erbauen; allein was an einem Tage aufgeführt ward, war am andern verschwunden. Da ließen die frommen Jungfern einen Wagen beladen, spannten zwei säugende Kühe davor und ließen diese gehen, wohin sie wollten. Sie standen zuletzt still, wo jetzt die Kirche von Breklum steht. – Auf dem Kirchturm stehen noch drei sehr alte, aus Holz geschnitzte Bilder. Das sollen die drei Jungfern sein. Als eine von ihnen einmal wegen einer natürlichen Begebenheit verlacht und verspottet ward, zogen alle drei fort nach dem nahen Drelsdrup, als noch kaum die Kirche aus der Erde herausgebaut war. Wie sie fertig geworden ist, weiß niemand zu sagen.

In Schwesing, im Amte Husum, koppelte man zwei junge Stiere zusammen und erbaute die Kirche, wo diese ihr Nachtlager hielten. Sie hatten sich an einem sehr morastigen Orte niedergelegt und dieser mußte erst ausgefüllt werden, ehe der Bau beginnen konnte.

Auch in Stintebüll erbaute man nach einhelliger Beliebung die Kirche an dem Orte, wo man am Morgen die beiden Ochsen fand, die man abends zufammengejocht hatte gehen lassen. Auch von der Haddebyer Kirche erzählt man dasselbe; man wollte jenseits des Selker Noors bauen.

Als man die Sonderburg auf Alfen bauen wollte, stritt man sich auch lange, und nachher, als man sich für einen Ort beim Dorfe Broe entschied, ward nachts das am Tage Gebaute immer zerstört. Man band endlich einem schwarzen Stier einen Balken an den Hals und fand ihn am andern Morgen am Sunde, wo jetzt das Schloß steht. Andre sagen, man habe zwei Stieren die Augen verbunden und noch andre, daß die Ochsen, die die Baumaterialien herbei fahren sollten, nicht zu bändigen waren und durchaus nach dem Alfinger Sund wollten.

Laß in Kamerers Nord. Beiträgen 1, 1 S. 19 ff. – Desselben Husumsche Nachrichten St. III S. 101. – Heimreich ed. Falck 1,408. – Hansen im Archiv für vaterländische Geschichte lV. 280. – Mündlich. Auch in Dithmarschen wiesen zwei Kühe in einem Sumpfe die Stelle der Kirche zu Hemme. Hansen und Wolf, Chron. S. 88. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 348. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 349.

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157. Rabenkirchen.

Raben als heilige Vögel: Nr. 206.

In katholischen Zeiten wollte man bei Kappeln in Angeln eine Kirche bauen; das Geld dazu war zusammen, nur konnte man sich über den Ort nicht einig werden. Da schickte man zwei Mönche aus, den Platz zu suchen, aber da auch sie nicht wußten, wen sie wählen sollten, flehten sie inbrünstig zur Jungfrau Maria um ein Zeichen, daß sie nicht irre gingen. Sogleich flogen ein paar Raben über ihre Köpfe hin und ließen sich bald an einem Orte nieder, wo nun die Kirche ausgeführt ward. Als sie vollendet war, kamen die Raben wieder, setzten sich an der Westseite der Kirche nieder und verwandelten sich in Stein, ohne ihre Gestalt zu verändern, wie noch heute zu sehen ist. Die Kirche und die Gemeinde heißt darnach Rabenkirchen.

Durch Herrn Organisten Schmidt in Fahrentoft.

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158. Schneefall bezeichnet die heilge Stätte.

Die Kirche in Osterlügum sollte anfangs beim Dorfe Haberslund gebaut werden, aber nachts wurde das Bauholz dahin verschleppt, wo sie jetzt steht: Jb. f. Ldk. 10, 41. Ähnlich Frahm, Stormarn S. 84 von der Kirche zu Steinbek. Philippsen, Sagen aus Föhr S. 13. Zs. f. s.-h. Gesch. 11, 232 (Osterholm). Kristensen 3, 856. Lorenzen 1 f. Danm. Folkem. 21, 55. Vgl. Nr. 161.

Die meisten Kirchen in Angeln liegen verkehrt und meist an einer entlegenen Ecke im Kirchspiele. Überall fast gibt man als Grund an, daß man zuerst auch anders habe bauen wollen, aber was man am Tage aufführte, ward nachts abgebrochen. Da hat man zu Gott gefleht, ein Zeichen zu geben, wo sein Haus stehen solle; und es ist dann mitten im Sommer auf Johannistag an den Plätzen Schnee gefallen, wo jetzt die Kirchen stehen. So fiel einmal an drei Orten zugleich Schnee, und man erbaute da die Kirchen Esgrus, Steinberg und Queern oder Steerup. Bis dahin hatte man in einer Scheune zu Osterholm Gottesdienst gehalten. In Grundtoft hat man die Kirche zuerst auf dem Bügberg, oder wie andre sagen, bei Troldkjær bauen wollen. Aber dasselbe ereignete sich. – Auch von der Hüttener Kirche, bei Eckernförde, erzählt man dasselbe, wie auch von der Schwansener.

Als man in Ries bei Apenrade die Kirche bauen wollte, fand man die Steine verschleppt bis an den Ort, wo jetzt die Kirche steht. Dasselbe hat sich beim Bau der Kirchen Herrested im nördlichen Schleswig, in Morsum auf Sylt, in Borlum bei Husum, in Heiligensteden bei Itzehoe, in Westensee zwischen Kiel und Rendsburg, des Hofes Osterade, und der Kirche in Gettorf bei Eckernförde ereignet. In Westensee hatte man lange keine Tür in der Kirche, bis man eine eiserne Kiste fand mit einem Schatze, die noch in der Kirche zu sehen ist. Eine andre Lade hat man zu gleicher Zeit da auf dem Felde gesehen, hat aber nicht heraus gebracht werden können.

Jensen, Angeln. – Achter Bericht der Gesellschaft für vaterländische Altertümer S. 3 etc. Mündlich. – Harrys Sagen Niedersachsens I, Nr. 39. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 147. Reusch, Sagen Samlands (bei Königsberg) Nr. 16, 17. Bechstein, Thüring. Sagen II, 55. Grimm, Deutsche Sagen 290. Vgl. Nr. 159. Thiele, Danm. Folkes. I, 190 f.

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159. Hörup.

Jb. f. Ldk. 3, 445 f. Vgl. zu Nr. 109. Über Herrested: Jb. f. Ldk. 10, 41 (»her er Sted!«).

Als man die Kirche zu Hörup auf Alfen bauen wollte, begann man damit am Fuße des Berges, worauf sie jetzt steht. Nachts aber kamen die Geister und zerstörten alles, was am Tage vorher getan war. Und als am Morgen die Bauleute den Bau wieder fortsetzen wollten, kam eine Stimme aus dem Berge und rief: »Höger up! Höger up!« Man folgte der Weisung, rückte etwas höher hinaus und begann zum zweiten Male. Aber am andern Morgen war wieder alles zerstört und die Stimme rief abermals: »Höger up! Höger up!« Da stieg man bis zur Spitze des Berges und von nun an schwieg die Stimme, und der Bau ward nicht weiter gestört. Darnach aber hat man später die Kirche und das Dorf Högerup genannt, woraus allmählich Hörup geworden ist. Und das Dorf liegt am höchsten von allen auf der Insel, daß man es fast von jedem freien Punkte derselben sehen kann.

Schriftlich. – Ähnliche Sagen, wie die S. 118 ff. mitgeteilten, erzählt man auch vom Bau der Kirchen zu Warder (man ließ ein blindes Pferd gehen, als der Teufel immer die Steine wegschleppte), zu Gnissau, zu Süderau (zusammengejochte Ochsen), zu Bovenau (Provinzialbericht 1824, Heft 3, S. 72), zu Westensee (Kirchenbuch daselbst vom Jahr 1727. S. 101, 102), zu Heils im Amt Hadersleben (Rhode, Haderslev-Amt S. 375). – Über Herrested, Thiele, Danm. Folkes. I, 250. Süderstapel, Bolten, Stapelholm S. 191.

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160. Der Märtyrer in Borgdorf.

Kirchenbau als Sühne s. zu Nr. 20.

Zu der Zeit als das Christentum hier im Lande verkündigt ward, war mitten im Borgdorfer See in. der Nähe von Nortorf ein festes Schloß, wo ein heidnischer Fürst wohnte, der von allen Christen in der Umgegend sehr gefürchtet ward. Er ließ jeden umbringen, dessen er habhaft ward. Einer der Prediger beschloß zu ihm zu gehen und machte ihm dringende Vorstellungen wegen seiner Übeltaten. Da versammelte der Fürst alle übrigen heidnischen Fürsten und der Prediger hielt ihnen nochmals eine Strafrede; augenblicklich aber ergriffen sie ihn, ließen ihn auf einen Spieß stecken und auf dem Langenberg (Langbarg), einem Hügel, der aus dem See herausgetragen ist, elendiglich verbrennen. Sogleich versank das Schloß des Gottlosen nach dieser Tat in den See und nun erkannten alle zu spät die Göttlichkeit des Christenglaubens. Sie bekehrten sich und beschlossen eine Kirche auf jenem Hügel zu bauen und errichteten da ein Kreuz. Aber die Nortorfer stahlen es in der Nacht fort und brachten es in ihr Dorf, das damals nur aus wenigen elenden Hütten bestand. Der Fürst ließ das Kreuz am andern Morgen wieder aussuchen und an seinen früheren Platz stellen; doch in der Nacht bestachen die Nortorfer die Wächter und brachten es wieder fort. Nun glaubte der Fürst darin den göttlichen Willen zu erkennen und erbaute die Kirche in Nortorf, die eigentlich in Borgdorf hätte stehen sollen.

Mündlich und durch Herrn Schullehrer Rohweder in Thienbüttel.

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161. St. Annen Bild in Herzhorn.

Die Gemeinde von Herzhorn war erst willens, die Kirche an dem Ort zu bauen, wo jetzt Theis Moor sein Haus stehet. Man hatte auch das Bildnis St. Annen und die Materialien zum Bau schon an die Stätte geführet. Wie die Bauleute nun an einem Morgen dahin kommen, fanden sie das Bildnis daselbsten nicht, sondern es war des Nachts dahin gewandert, wo jetzt die Kirche steht. Hoben darauf das Bild von der Stelle auf; aber, ob es gleich nur klein war, war es doch von solcher Last, daß ein Wagen mit zwei Pferden es kaum von der Stelle bringen konnte. Des andern Morgens wurden die Bauleute wieder gewahr, daß St. Anna abermals von der Stätte gewandert sei; und wie sie sich nach dem vorigen Ort begaben, und das Bild wieder an den bestimmten Ort bringen wollten, machte es sich dermaßen schwer, daß nicht acht Pferde es bewegen konnten. Da merkten die Einwohner, daß St. Anna alldort wollte ihr Haus gebauet haben; haben auch darauf ihren Willen vollbracht und die Kirche gebauet, wo sie anitzo stehet.

Aus Hieronymus Sauckes Stormaria oder Hardeshornische Chronik (im Kirchenarchiv zu Herzhorn) S.109. – Auch in Neuendorf, vormals Langenbrook, bei Glückstadt erzählt man, daß man sich nicht einig über den Bauplatz der Kirche werden konnte. Man wollte die Mutter Gottes selber den Streit entscheiden lassen und stellte ihr Bild auf den Platz, den eine Partei gewählt hatte, und bat die Jungfrau inständig um Entscheidung. Am andern Morgen fand man das Bild ganz am östlichen Ende des Kirchspiels, wo jetzt die Kirche steht, so daß die westlichen Bewohner dahin einen Weg von zwei Stunden haben. – Vgl. Bechstein, Fränk. Sagen 82. 94.

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162. Das eherne Kreuz zu Windbergen.

Einmal pflügte ein Mann das Feld um, wo jetzt die Windberger Kirche steht. Auf einmal standen seine Ochsen (mit denen man auch in Dithmarschen damals pflügte) und konnten den Pflug nicht aus der Stelle bringen. Da legte er noch zwei, und dann wieder zwei und endlich gar noch vier davor und doch konnten alle zwölf den Pflug nicht weiter ziehen. Da spannte er ab, grub in die Erde und fand ein kleines ehernes Kruzifix, nur eine Spanne lang, das den Pflug aufgehalten hatte. Als ein besonderes Heiligtum hub der Bauer es aus und legte es zu Hause in eine Lade; aber jedesmal wenn er des Morgens auf den Acker kam lag wieder das Kruzifix auf der Stelle. Da er dennoch niemand es offenbaren wollte, ward er darüber unsinnig; sobald er es aber zeigte, kam er wieder zu seinem Verstande. Da baute man eine Kapelle, wo das Kreuz gefunden war, und lange Zeit geschahen große Wallfahrten und Opfer dahin.

Hans Detleff bei Neocorus I, 259. – Vgl. Bechstein, Fränk. Sagen 76.

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163. Arkelspang.

In Sörup ist leicht die schönste Kirche in Angeln. Die Mauern sind bis an das Dach aus lauter gebahnten Steinen aufgeführt, das Dach ist von Blei und der prächtige Turm von 200 Fuß ist jedenfalls in Angeln der höchste. Aber es ist leicht zu bemerken, daß ihre Norderseite an Genauigkeit und Sauberkeit des Baus die Süderseite übertrifft. Diese führte der Baumeister Namens Arkel, selbst aus, jene aber sein Geselle, der Spang hieß. Kurz vor Vollendung des Ganzen bemerkten Sachkundige laut die Verschiedenheit der Arbeit, darüber der Meister einen tödlichen Haß auf den Gesellen warf. Eines Abends begaben sie sich nach vollendeter Tagesarbeit nach Sörupmühle, wo sie ihr Quartier hatten, eine Viertelstunde von der Kirche. Aber schon fünf- bis sechshundert Schritt von dieser, fiel der Meister, der das Lob des Gesellen an dem Tage wieder hatte hören müssen, über ihn her und erschlug ihn. Eine kleine steinerne Brücke befindet sich heutzutage an der Stelle, wo der Mord geschah, und heißt Arkelspang.

Durch Herrn Organisten Schmidt in Fahrentoft. – Ähnliche Sagen fast in jeder Stadt Deutschlands, (z. B. Naumburg, Breslau, Köln, Nürnberg). – Vgl. Bechstein, Thüring. Sagen III, 133. Thiele, Danm. Volkes. I, 222. 232.

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164. Die Doppeltürme zu Broacker.

Jb. f. Ldk. 7, 393. Lorenzen S. 3.

1.

Die Kirche in Broacker hat einen schönen Doppelturm, der den Schiffern zehn Meilen weit in der See als Merkzeichen dient. Er ist von zwei Schwestern, die zusammengewachsen waren und auf dem Schlosse wohnten, erbaut worden; weil aber die eine sieben Jahr vor der andern starb, ist der eine Turm etwas niedriger geblieben als der andere.

Neues Staatsbürgerl. Magazin 2, 95.

2.

Aus dem Schlosse bei Broacker wohnte ein frommer Ritter, der auf seine Kosten die Kirche des Ortes zu bauen anfing. Ehe sie aber noch vollendet war, beschloß er einen Zug nach dem heiligen Lande zu tun, und empfahl seiner Frau unterdes den Bau weiter zu führen. Beim Abschied sagte er zu ihr, die schwanger war, sie solle einen spitzen Turm bauen, wenn sie einen Sohn gebäre, wäre es aber eine Tochter, so möchte sie den Turm stumpf lassen, damit er gleich aus der Ferne bei seiner Rückkehr den Segen seines Hauses erkenne. Als nun der Ritter zurückkehrte, da sah er schon aus weiter Ferne, daß zwei spitze Türme die Kirche zierten. Seine Frau hatte getan, wie er befohlen. Denn ihm waren zwei Kraben auf einmal geboren.

Mündlich. – So auch von Absalon und Esbern Snare, Thiele, Danm. Volkes. I, 30.

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165. Die Glocke in Keitum.

Vgl. Nr. 648, 8.

Zwei alte Jungfern oder Nonnen, Namens Ing und Dung, die ein Haus oder Kloster eben nördlich von der Kirche in Keitum besaßen, haben dieser auf ihre Kosten den Turm bauen lassen. Zu ihrem Andenken hat man zwei aufrecht stehende, pyramidenförmige Feldsteine, die die Erbauerinnen vorstellen sollen, daran angebracht und man hört ganz deutlich in den Tönen der Turmglocke die Namen Ing und Dung.

Die Glocke hatte einen so schönen hellen Ton, daß man sie bei klarem Wetter am gegenüberliegenden Ufer des festen Landes hören konnte und der Neid der Einwohner des Flecken Hoyer rege ward. Einmal machten darum diese einen Versuch sie zu stehlen; deswegen banden die Keitumer Kirchenvorsteher einen Zwirnsfaden oder, wie andre sagen, ein Pferdehaar um den Klöpfel, so daß die Hoyringer glaubten, die Glocke sei gesprungen, und sich nicht länger darum Mühe gaben. – Es ist eine alte Prophezeiung, daß die Glocke einmal niederstürzen und den schönsten Jüngling von Sylt erschlagen werde; aber auch daß der Turm ebenfalls niederstürzen und die schönste Jungfrau zerschmettern werde. Wirklich ist im Jahre 1739 nun die Glocke herunter gestürzt und ein schöner Jüngling erschlagen; darum wagt es seit der Zeit eigentlich kein Mädchen auf Sylt dem Kirchturm nahe zu kommen.

Durch Herrn Schullehrer Hansen in Keitum auf Sylt.

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166. Die Brunsbüttler Glocken in Balje.

Wesentlich anders nach mündl. Mitteilungen: Heim. 10, 196.

In frühern Zeiten hatte Dithmarschen viel von Überschwemmungen zu leiden. Einstmals, als das wilde Wasser Brunsbüttel und die Umgegend überflutet hatte, benutzten die Kedinger von jenseit der Elbe den Augenblick und stahlen den Brunsbüttlern die Glocken aus dem Turm, die weit und breit wegen ihres schönen Klanges berühmt waren. Da soll ein Brunsbüttler ihnen diese Verwünschung nachgerufen haben:

Van nu an schöllen gy sülves verklaren,
Wer tom hilligen Deenst su hest erkaren:
Bet de Kedinger ehr Lant ünner Water sehn
Un int Kedinger Lant de Dithmarschen tehn,
Schöllen gy jammern un zagen,
Schöllen gy stöhnen un klagen
Na Brunsbüttel!
Na Brunsbüttel!

Die Kedinger hängten die Glocken im Baljer Kirchturm auf, und wenn sie geläutet wurden und der Ton über das breite Wasser herüber kam, hörte man ganz vernehmlich, wie sie riefen: »Na Brunsbüttel! Na Brunsbüttel!« Viele Jahre hat man den Ruf gehört und immer wars ein Zeichen von Sturm und Unwetter; und die Brunsbüttler warnten dann einander oft mit den Worten: »Wahr di, dat Haff kummt; de Baljer Klocken roopt!« Nun kam die Flut von 1825 (vom dritten auf den vierten Februar) und die Deiche der Kedinger brachen durch, das ganze Land stand unter Wasser, keine Hilfe konnte den Leuten vom innern Lande aus kommen; ein Frost trat ein und Not und Elend stiegen aufs höchste; denn Brot und Kleider fehlten. Da rüsteten die Brunsbüttler ihre Schiffe aus und fuhren hinüber ins Kedinger Land; aber nicht, um die Glocken zu holen; sie brachten nur, was den Kedingern not war. Seit der Zeit will man den Glockenruf nicht mehr gehört haben und die Prophezeiung soll erfüllt sein.

Dithmarscher Zeitung 1844. Anfang Juli.

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167. Glocken im Wasser.

Zs. f. s.-h. Gesch. 16, 142 ff. Heim. 23, 307. 327. 24, 166. Frahm 149 ff. – Die Glocke in Sandesneben (Lauenburg) singt: »Klingen, klangen! Up'n Sandesnebener Barg will ik hangen.« (Jb. f. Ldk. 4, 147.) Die Kleinzecher Glocke, die nicht nach Zarrentin gebracht werden will: »Ting, tang, in Seedorf will ich hangen.« (Heim 22, 154.) – Die Erzählung von der Glocke von Hungerburg (Bilder aus d. Heim. 1911 Nr. 15) ist aus Nr. 167, 3 entlehnt (»Hornburg«). – Über die Glocke im Flemhuder See vgl. auch Taillefas, Skizzen einer Reise nach Holstein (1819) S. 243. v. Hedemann, Gesch d. adl. Güter Deutsch-Nienhof usw. 2, 210. Die gleiche Sage mündl. aus Stellau bei Wrist, wo die Glocke in der Gooswiese eingebrochen sein soll; desgl. von den Glocken in Kröppelshagen und Alt-Besenhorst in Lauenburg. – Glockenläuten aus dem Wasser oft, z. B. Nr. 192. 193. 257. 525; vgl. Groth Ges. W. 1, 118. Auch aus einer grundlosen Wehle zwischen Erfde u. Stapel hört man in der Neujahrsnacht ein Glöcklein läuten; dort soll früher ein prächtiges Schloß gestanden haben (Heim. 8, 202). In dem alleinstehenden Glockenturm zu Osterhever hing noch bis vor einigen Jahren eine Glocke, die bei einer Überschwemmung aus dem Dorfe Bophever auf Pellworm hinübergekommen sein soll (mündl, aus Eiderstedt); vgl. Nr. 188. – Zu dem eigenartigen Geläut der Möllner Kirche hat sich im Volksmund der Gesang gebildet: »Ulenspegel liggt begraben up den Möllschen Kirchhof haben, da da sünd so vêle Nagel (s. zu Nr. 592) un so vêle Pink, Pink, Pink.« (Vgl. Heim. 24, 119.)

1.

In einem Kriege war den Schaalbyern oder Kahlebyern die Glocke aus dem Turm fortgekommen. Da erhielten sie von dem Könige die Erlaubnis, sich irgendwo eine zu stehlen, wo es deren zwei gäbe. Sie kamen nach Haddebye und nahmen da die eine weg. Als aber das Boot in die Borgwedeler Breite kam, versank es samt dem Raube. Alle Neujahrsmorgen um 6 Uhr hört mans nun in der Tiefe läuten.

Durch Kandidat Arndt.

2.

Die Geltinger in Angeln hatten sich in Lübeck zu ihrer großen noch zwei kleinere Glocken gießen lassen. Man brachte sie zu Wasser nach Schleimünde; aber beim Ausschiffen versank die eine dort im Sande. So oft nun die andre geläutet wird, ruft sie immer: »Min Mag ligger i ä Minn.« (Mein Gefährte liegt in der Schleimünde.)

Durch Herrn Pastor Dr. Jensen in Gelting.

3.

In der Kirche zu Gramm in Nordschleswig gab es eine Glocke, die wurde von einem Diebe gestohlen. Als er aber damit über die Au bei Endrupskov fuhr, zerbrach der Wagen und die Glocke versank so tief, daß sie nicht wieder zu finden war. Doch hört man sie mitunter noch läuten.

Danske Atlas VII, 177.

4.

Eine Kapelle bei Neukirchen in der Wiedingharde – da, wo es noch jetzt heißt up de Kapell – ward von Seeräubern geplündert und die Glocke ward mitgenommen. Ihr Fahrzeug lag bei Hornburg an einem Arm der Widau, dem Siel; dorthin mußten sie ihren Raub bringen. Es war aber die Nacht auf Ostern und wie sie gegen Hornburg kamen, graute der Morgen des ersten Ostertages. Da der Kapellan in Neukirchen das Fest nicht mehr einläuten konnte, so betete er es ein und betete so inbrünstig, daß die Glocke den Händen der Räuber entfiel, wie sie eben sie ins Schiff bringen wollten, und in das Siel versank. Aber noch klingt jeden Ostermorgen ihr Geläute aus der Tiefe herauf und Kinder gehen dann dahin und horchen und hören es wirklich.

5.

Im Flemhuder See liegt eine Glocke, die vor vielen Jahren von Feindes Hand aus der Kirche geraubt ist. Es war im Winter und der See fest zugefroren. Da wollten sie die Glocke übers Eis ziehen; aber es brach in der Mitte des Sees und die Glocke versank mit den Räubern. Der Fischer hakt oft noch fest mit seinem Netz in dem Knebel und an einem bestimmten Tage im Jahre läutets im See um Mitternacht. Das haben manche gehört, die noch am Leben sind.

Volksbuch 1844 S. 95 f. – Vgl. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 518. Kuhn, Märk. Sagen S. 131, 156. Thiele, Danm. Folkes. I, 206.

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168. Die Glocke in Krempe.

Die Breitenfelder Glocke hat zu wenig Silber, weil der Gesell es vor dem Guß stahl; der Meister hat ihn deswegen erschlagen: Jb. f. Ldk. 4, 147. Heim. 24, 166. Die Zarpener Glocke singt: »Ik bün de grote Klock to Zarben, de Gesell müß um mi starben«: Urdsbr. 6, 46. Frahm, Stormarn S. 220. Die Weddingstedter Glocken klagen: »Schaad is, dat de Jung is dood! Schaad is, dat de Jung is dood!« Vgl. Groth Ges. Werke 2, 109 (wozu Niederd. Jahrb. 28, 113); Carstens, Wanderungen durch Dithm. S. 99; Nieders. 7, 308.

Ehe noch die schöne Kremper Kirche im Russenkriege von den Schweden in die Lust gesprengt ward, hing in ihrem noch heute berühmten Turme eine Glocke, die sich vor allen andern durch ihren Klang auszeichnete.

Als sie nämlich gegossen ward und die Speise schon zum Gusse fertig war, ging der Meister noch einmal davon und befahl dem Lehrjungen unterdes des Ofens wahrzunehmen. Der benutzte nun die Zeit und goß einen ganzen Tiegel voll geschmolzenes Silber hinein, ums recht gut zu machen, oder weil er wohl meinte, es solle doch noch dazu. Als der Meister nun zurückkam und den leeren Tiegel sah, ergrimmte er so, daß er einen Stock ergriff und damit auf den Jungen losschlug, daß er tot niederfiel. Da man nun die Glocke auf ihren Stuhl brachte, gestanden alle, daß sie nimmer einen helleren Klang gehört hätten; aber so lange man sie geläutet hat, war es, als sage sie immer mit traurigem Tone: » Schad' um den Jungen! Schad' um den Jungen

Die Glocke erregte bald den Neid der Hamburger; aber vergebens boten sie den Krempern große Summen. Endlich aber ward man handelseinig; die Hamburger wollten für die Glocke eine goldene Kette geben, so groß, daß sie um ganz Krempe herum reichte. Als man nun die Glocke auf einen Wagen brachte und man damit auf den hohen Weg ganz nahe bei Krempe kam, sank der Wagen ein und so viel Pferde man auch davor spannte, er war nicht von der Stelle zu bringen. Als man aber umkehrte, ging er ganz leicht mit zwei Pferden wieder nach Krempe zurück und die Glocke mußte da bleiben und hat bis zu jenem unglücklichen Tage im Turm gehangen. Die Glocke hieß Maria. Man hat vergeblich nach der Sprengung der Kirche nach einem Bruchstück gesucht; einige meinen, die Schweden hätten sie vorher gestohlen, aber andre sagen, sie sei tief hinunter in die Erde gesunken.

Dr. H. Schröder im Archiv für Geschichte der Herzogtümer Bd. IV S. 66 und schriftlich. – Grimm, Deutsche Sagen 125 (aus Breslau). Kuhn, Märk. Sagen Nr. 12. – Auch von den Glocken in Zarpen bei Oldesloe wird erzählt, daß die Lübecker sie einmal gekauft hätten, aber keine auch noch so große Zahl von Pferden sie hätte fortschaffen können. ? Wenn auf dem Warder Felde die Knaben die Pronsdorfer Glocken läuten hören, pflegen sie nach einer zweinotigen Melodie zu singen:

Schad' is,
Dat de Lehrburs dood is,

und erzählen dabei dieselbe Geschichte vom Gießer dieser Glocken in Lübeck. Er sei ganz traurig geworden und habe auch jene Worte gesprochen, als er zum ersten Male ihren schönen Klang gehört.

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169. Mödebrook.

Als man die Gebeine des heiligen Vicelin von Neumünster nach Bordesholm brachte, ist der Wagen eingesunken und hat nicht von der Stelle gebracht werden können, bis eine unbekannte Stimme die Mönche erinnerte und sie ein Gelübde taten vor dem Kloster ein Armenhaus zu bauen. Darauf ging der Wagen weiter und der Ort hieß von Stund an da Mühebrook oder Mödebrook.

Noodt, Bordesholmer Merkwürdigkeiten (1737) S. 2.

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170. Stawedder bei Segeberg.

Feinde beraubten einst die Segeberger Kirche und luden das schwere schöngeschnitzte Altarblatt auf einen Wagen, um damit davonzuziehen. Aber das Altarblatt ward immer schwerer und schwerer und man mußte ein Pferd nach dem andern vorspannen, um es nur von der Stelle zu bringen. Aber als der Wagen eben aus Segeberg hinaus war, wurde es rein unmöglich und kein Vorspannen half mehr. Da mußten sie das Heiligtum lassen, wo es bisher gewesen war. An dem Orte aber, wo man umkehren mußte, steht heutzutage das Haus Stawedder.

Durch Mommsen.

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171. Der Bischof Blücher.

Der Ratzeburger Kirche stand im dreizehnten Jahrhundert als Bischof einer aus dem Geschlechte von Blücher vor. Der war ein frommer Mann und überaus mildtätig und freigebig. Einmal bei einer großen Hungersnot und Teurung hatte er nach und nach seinen ganzen Speicher, der voll von Mehl und Korn gewesen war, ausgeleert und den Armen gegeben, so daß ihm selber und seinem Gesinde nichts nachblieb. Als nun wieder Arme kamen und flehentlich um Speise baten, ließ er seinen Schaffner kommen und hieß ihn den Armen geben, was noch etwa da wäre. Aber der Schaffner wußte, daß der ganze Speicher rein ausgekehrt sei; antwortete also, es sei nichts mehr da, was den Armen könne gegeben werden. »So geh doch, geh«, sagte der Bischof, »und sieh nach, ob nicht noch ein bischen da ist, damit diese nicht leer davongehen. Geh nur in Gottes Namen und gib es ihnen.« Er glaubte wohl, daß der Schaffner allzusehr für die Zukunft sorgte und vielleicht etwas aufgehoben hätte, da doch in Wahrheit nichts mehr da war. Als der Schaffner aber den Speicher öffnete, fand er ihn dennoch wieder ganz voll von Korn und Mehl und gab nun den Armen reichlich; und der fromme Bischof vergoß Tränen, als ihm das Wunder kund ward, und dankte Gott inbrünstig für seine Gnade.

Albert Kranz, Metropol. VIII, 29. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 361.

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172. Abel und die Friesen.

Eiderst. Beitr. z. Heimatk. S. 95. 107.

De Konink Abel hadde de Fresen in groten Vrüchten (Furcht) gebrocht. Wente (denn) he lach mit sinem ganzen Heere up de Vorgeest unde wolde in düsse Lande getagen hebben unde wolde düsse Lande sere vornichtigen. Do nemen düsse Lande St. Christianus Bilde to sick in dat Heer unde togen mit groter Manheit deme Koninge entgegen buten deme Dike up dat Is, dar se dat Lant beschermen muchten. So laveden se St. Christiano, weret Sake dat se de Segevechtinge (wäre es der Fall, daß sie den Sieg) muchten beholden, so wolden se St. Christianum beslan laten mit deme allerbesten Golde. It is gescheen, alse de Konink Abel jegen de Fresen scholde teen up dat Is, dar gaff uns Got de Gnade, dat dar vil so grot Regenwater van deme Hemmel, dat se dat Bilde nowe (kaum) up dem Wagen muchten droge bewaren, unde konden noweliken van deme Ise droge kamen. Unde de Fresen togen mit groten Eren to Hus unde leten St. Christianus Bilde mit deme allerbesten Golde beslan; und Konink Abel tog torügge unde quam in Natiden wedder unde wart van den Fresen dot geslagen.

Chronic. Eidorastad. im Staatsbürgerl. Magazin 9, 699.

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173. Marienbild in Itzehoe.

Vgl. Nr. 17, 1 und zu Nr. 153.

Das Kloster in Itzehoe besaß vorzeiten ein kleines wundertätiges Marienbild. Wenn Graf Geert der Große in den Krieg zog, pflegte er es am Halse zu tragen und vor einer Schlacht anzurufen. Als er gegen den König Christoffer die Schlacht am Hesterberge bei Schleswig lieferte, kniete er nieder und sang dreimal den Vers aus dem Kirchenliede: Nos hac di tibi congregatos serva, virgo, in lucem mundi, d. i. Uns die wir an diesem Tage hier vor dir versammelt sind, bewahr, o Jungfrau, an das Licht der Welt. Darauf ward im Getümmel dem Bilde eine Hand abgehauen und alle auch noch so geschickten Schnitzer vermochten diese nicht wieder anzusetzen. Denn was sie an einem Tage ausbesserten, war am andern wieder abgebrochen. Es war das Bild vom Himmel gefallen und das himmlische Holz litt das irdische nicht.

Es ward im Kloster zu Itzehoe auch noch der Flügel der Taube gezeigt, die damals sich in den Wolken zeigte, als die Stadt von der schwarzen Greet belagert ward und die Jungfrau Maria sie beschützte. Ein Soldat hatte den Flügel herunter geschossen.

Presbyter Bremens. bei Westphalen III, 59 f. Heinrich Ranzau ebendas. I, 12 f. Geuß, Beiträge zur Kirchengeschichte S. 82; vgl. oben Nr. 17. 22.

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174. Der Donner holt ein Klosterfräulein.

Zurücklassen des Schuhs: Nr. 236.

Mehrere Wochen hindurch zog sich täglich ein Gewitter über Preetz zusammen und stand immer gerade über dem Kloster. Da erklärte eine Nonne, daß das Gewitter sie holen wolle; im Traume wäre es ihr angezeigt, und sie bat, man möchte sie hinaus gehen lassen. Das Gewitter wiederholte sich noch immer. Darum ging sie eines Tages mit zwei Schwestern hinaus auf den Degenkamp und plötzlich kam ein starker Donnerschlag und der Blitz nahm das Fräulein aus der Mitte ihrer Begleiterinnen. Nur eine Locke und ein Pantoffel entfiel ihr; die sind lange im Kloster aufbewahrt. Das Gewitter aber war vorüber. – In der Preetzer Klosterkirche hängt noch ein kleines Gemälde, daß diese Begebenheit darstellt.

Durch Herrn Student Volbehr. – Provinzialberichte 1813, 381 wird berichtet, daß die Priorin Barbara Sehested (1656-58) gen Himmel gefahren sei, ihre Schuhe aber zurückgelassen habe. – Grimm, Deutsche Sagen Nr. 10.

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175. Hans Brüggemann.

Frahm 21 f. Als der kunstreiche Schmied Melaud oder Ammeland das Land verlassen wollte, ließ ihm der König, der ihn nicht entbehren wollte, die Augen ausstechen: Nd. Jahrb. 1, 104 aus d. Sachsenwald.

Den Meister Hans Brüggemann in Husum beriefen die Mönche im Kloster Bordesholm zu sich und bestellten bei ihm ein großes Altarblatt für ihre klösterliche Kirche. Der Meister ging ans Werk, schnitt eine Figur nach der anderen kunstvoll aus Holz, sott jede in Öl, daß der Wurm ihnen nicht schade, und arbeitete mit seinen Gesellen sieben ganzer Jahre. Als die Altartafel fertig war, kam König Christian der Zweite mit seiner Gemahlin Elisabeth und betrachteten das Werk. Der König verwunderte sich über die Kunst, seine Gemahlin aber zeigte ihm die Bilder mit den Fingern. Als der Meister dieses sah, benutzte er die Gelegenheit und entwarf alfobald die beiden Bilder der hohen Herrschaften nach dem Leben und stellte sie in Holz geschnitzt auf zwei Pfeilern zu beiden Seiten des Altars. Als den Herren in Lübeck der Ruhm des Werkes zu Ohren kam, lagen sie dem Meister an, daß er ihnen auch solchen Altar liefere für ihre Stadt. Er sagte ihnen das nicht allein zu, sondern versprach sogar, ihnen einen noch weit schöneren liefern zu wollen. Darüber wurden die Bordesholmer Mönche neidisch, und um es zu verhindern, daß kein anderer Ort den Ruhm mit ihnen teile, brachten sie es durch schändliche Mittel dahin, daß dem Meister beide Augensterne wegtränten. Da konnte er nicht mehr arbeiten und also geblendet lebte er noch eine kümmerliche Zeit in einem kleinen Hause des Dorfes Eiderstede bei Bordesholm, das man lange gezeigt hat, wo er auch sein Werk vollendet hatte und endlich in dem Herrn verschied.

Nach einer Nachricht vom Jahre 1669 bei Laß, Husumsche Nachrichten III, 337; vgl. Noodts Beitr. II, 48. – Im Jahre 1666 kam der Altar in den Dom von Schleswig. – Fast ganz übereinstimmend in Blaubeuren (Schwaben) Wolf, Deutsche Sagen Nr. 417.

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176. Der Löwe mit dem Kinde im Rachen.

An der Südseite des Hauptgebäudes der jetzigen Schleswiger Domschule ist ein Stein eingemauert, worauf das Bild eines Löwen steht, der ein nacktes Kind im Rachen hält. Früher stand hier ein altes Kloster und man erzählt, daß bei der Einführung der christlichen Religion die Geistlichen oft von der Jugend verspottet wurden, wenn sie ihren Gottesdienst mit aller Feierlichkeit hielten. Sie bedrohten dann die Kinder damit, daß reißende Tiere kommen, wie im zweiten Buch der Könige Kap. 2, V. 24, und sie verschlingen würden, wenn sie nicht von der Verspottung der Heiligen abließen. Zur besseren Warnung ließen sie den Stein da einsetzen.

Kapitän v. Schröder im Staatsbürgerl. Magazin 9, 450.

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177. Pancratius halet sine Tüffelen wedder.

In Stintebüll war einst eine der Hauptkirchen am Strande zu Ehren St. Pancratii, wohin viele Wallfahrten geschahen. Einmal wurden dem Heiligen ein paar vergoldete Pantoffeln gestohlen. Da erhub sich ein Ungewitter und der Dieb, der aus dem Lande fahren wollte, ertrank. Die Pantoffeln aber sind bei ihm gefunden, da er von den Wellen wieder an den Strand getrieben ward; daher ist das Sprichwort entstanden: Pancratius halet sine Tüffelen wedder.

Heimreich ed. Falck I, S. 178.

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178. Die Kirchenräuber.

Heiligenbild s. zu Nr. 33. Wallfahrten: Nr. 162. 177 u. ö.

Eben vor der Schlacht auf der Lohheide nahm der König Christoffer die Stadt Schleswig ein und überließ sie seinen Soldaten zur Plünderung. Die haben aufs grausamste gewirtschaftet, die Bürger ermordet und Frauen und Kinder geschändet und verstümmelt. Ja nicht einmal die Kirchen blieben sicher vor ihren zuchtlosen Händen. Aber Gott strafte die Frevler wunderbar.

Einige rühmten sich nachher des Raubes, den sie in der Stadt gemacht hatten, und warfen dabei einem dritten vor, daß er seine Beute allein behalten und nicht mit seinen Kameraden geteilt hätte. Er verwünschte und verfluchte sich, zog sein Schwert aus der Scheide und sprach: »Wenn ich einen von Euch betrogen habe, so mag das Schwert in meinen Leib fahren.« Und kaum hatte er das Wort gesprochen, als er wie von einem bösen Geist getrieben sich selber durchbohrte. Da erschraken die andern, so daß sie alles Geraubte zurückbrachten und zum Beweise aufrichtiger Reue und Sinnesänderung Wallfahrten nach heiligen Örtern unternahmen. Ein anderer Räuber fiel nachher in eine schwere Krankheit und mußte große Qualen ausstehen. Da ermahnte er seine Gefährten und sie folgten seinem Rate und stellten der Kirche alles zurück.

Ein anderer, der in einer Kirche seinen Mutwillen getrieben hatte, fiel plötzlich in Wahnsinn und Tobsucht, so daß er in lautes Geheul ausbrach und zur Kirche hinaus geführt, draußen auf der Straße im Beisein vieler Menschen sich selbst mit seinen Händen zerfleischte und unter furchtbaren Zuckungen endlich den Geist aufgab. Denn der Bösewicht hatte ein lautes Gelächter aufgeschlagen, als er die Bildsäule eines Heiligen schwitzen sah, und hatte gesagt, alte Weiber hätten sie mit Wasser begossen. Noch ein anderer hatte auch darüber gespottet, als er das Bild der Maria reichliche Tränen vergießen sah; aber augenblicklich erblindete er und mußte von andern aus der Kirche geführt werden. – Ein Soldat, der die Kirche des heiligen Nikolaus angesteckt hatte, litt nachher mitten im Winter von solcher Hitze und innerlicher Glut, daß er sich nicht zu retten wußte und voll Verzweiflung sich ins Wasser stürzte. Auf ähnliche Weise haben alle die Übeltäter damals ihre Strafe gefunden und keiner von ihnen ist freigekommen.

Cypraci Annal. episcop. Slesvic. S. 270 ff. – Thiele, Danm. Folkes. I, 27 f.

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179. Der Steinhügel bei Hedehusum.

Jb. f. Ldk. 10, 371. Philippsen, Sag. v. Föhr S. 73. – In der Schlacht bei Bornhöved fiel ein Reiteroffizier, der gottlos gelebt hatte; am Sonntag nach der Schlacht findet eine Jungfrau an der Stelle, wo er starb, eine Blume, in deren Krone stand: »Zwischen Steigbügel und Erd' hat sich dieser Sünder bekehrt.« Nieders. 1, 15.

Drei junge Föhringer kamen als Studenten aus Wittenberg nach Hause und begannen Luthers Lehre unter ihren Landsleuten zu verbreiten. Sie gerieten mit den katholischen Predigern der Insel darüber in Streit und disputierten namentlich einmal auf einer Kindtaufe in Üttersum mit ihnen. Da ward der Diakonus zu St. Laurentii für die neue Lehre gewonnen; aber die übrigen blieben dem papistischen Glauben getreu. Ein Mönch oder Prediger an der St. Johanniskirche in Nieblum war so voll Eifer gegen die Reformation, daß er eigens nach Amrum ritt, um die dortigen Einwohner und Mönche zu vermahnen, daß sie beständig bei der alten Lehre sollten verbleiben. Und er ließ sich vernehmen, daß wenn die päpstliche Religion nicht die rechte Religion wäre, er nicht begehre lebendig wieder heimzukommen. Als er nun wieder auf Föhr gekommen und von Witzum nach Hedehusum reiten wollte, stürzte er vom Pferde und brach den Hals. Als ein altes Weib ihn da mit dem Tode ringend fand, soll er, nun die Wahrheit der lutherischen Lehre einsehend, die Worte gesprochen haben: »Zwischen Rand und Sand ich noch Gnade fand!« und damit verschieden sein. – Zu seinem Gedächtnis ward ein Steinhaufe an dem Orte errichtet und lange gezeigt und wer des Weges kam, pflegte sich mit einem Stein zu versehen und auf den Haufen hinzuwerfen. Diejenigen, welche Steine gebrauchten, konnten sich dann davon von Zeit zu Zeit ein Fuder holen. Jetzt ist dieser Haufe von lauter kleinen Steinen ganz verschwunden, seit das Land verteilt und urbar gemacht; aber jedermann kennt noch seine Stelle, und weiß die Geschichte zu erzählen.

Heimreich Falck I, 403. Staatsbürgerl. Magazin II, 861. – Schriftlich durch Herrn Schullehrer Hansen auf Sylt und Herrn Arfften auf Föhr. Falck bemerkt a. a. O., daß man in Schottland eben solche Hügel fände.

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180. Der Mönch auf Helgoland.

Urqu. 5, 234. Philippsen, Sag. v. Föhr S. 73.

Im Jahre 1530 schickte unser König einen Mann nach Helgoland, der früher Mönch gewesen war, um dort die neue Lehre Luthers zu verkündigen. Aber die Helgoländer hielten an ihrem alten Glauben fest, verspotteten den frommen Mann und wollten ihn zwingen, wieder katholisch zu werden. Als er sich aber dessen hartnäckig weigerte, stürzte man ihn endlich vom Felsen hinunter, an der Stelle, wo vor einigen Jahren noch eine Klippse aus dem Wasser hervorragte, die ganz deutlich wie ein Mönch aussah und auch so genannt wird.

Doch gleich in der ersten Nacht nach seinem traurigen Ende zeigte sich der Geist des Bekehrers auf dieser Klippe und predigte von neuem mit einer Donnerstimme die neue Lehre, daß viele sich gleich vom Papsttum abwandten, und bald auch die übrigen, da der Geist nicht eher zur Ruhe kam, als bis alle bekehrt waren. Man hat auch später noch oft seine drohende Stimme gehört, besonders wenn ein böser Mensch auf der Insel eine böse Tat auszuführen im Begriffe stand.

Mündlich.

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181. Das Schwert im Schleswiger Dom.

Vgl. zu Nr. 153.

Vor Jahren war Schleswig einmal in Feindes Hand und die Soldaten trieben in der Domkirche ihr Unwesen. Es sollen Kosacken gewesen sein. Sie lagerten sich ringsum in den Gängen, tranken, spielten und fluchten. Vor allen einer, dem die Karten entgegen waren, tat es den andern zuvor und rief endlich aus, er wolle Gott die Augen ausstechen, und dazu warf er sein Schwert in die Luft. Das Schwert aber kam nicht wieder herunter, sondern flog durch sich selbst ans Gewölbe hinauf, wo es zum Schrecken der Spieler stecken blieb.

Gleich nach dem Abzug der Feinde wurde es wieder herausgehauen, aber sein Schatten blieb am Gewölbe haften. Oft hat man versucht, ihn zu vertilgen: Stein und Mörtel hat man herausgeschlagen, und die Öffnung von neuem ausgefüllt; doch immer vergebens. Denn am folgenden Tage war der Schatten wieder da, noch heute zeigt der Küster ihn am Gewölbe über dem Hauptaltar.

Mündlich. – Herr Marquardsen erzählt, daß ein dänischer Soldat zum Beweise seiner Stärke das Schwert an das Gewölbe geschleudert habe; davon sei eine unvertilgbare Spur nachgeblieben. – Vgl. die Luzerner Sage bei Wolf, Deutsche Sagen Nr. 191.

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182. Die Kirche unserer lieben Frauen in Schleswig.

Die Kirche unserer lieben Frauen war vorzeiten in Schleswig, ja im ganzen Lande die schönste und prächtigste. Als sie aber verfiel und nicht mehr benutzt ward, kaufte sie der Gottorfer Kanzler Adam Tratziger für 200 Mark im Jahr 1571, ließ sie abbrechen und erbaute daraus ein ansehnliches Gebäude, den Marschallshof. Allein zur gerechten Strafe des Himmels für solche Entheiligung gingen ihm bald die Pferde durch und als er aus dem Wagen springen wollte, brach er das Genick. Aber auch die betrüglich erworbenen Steine konnten keine Ruhe finden, sondern schon nach hundert Jahren brach man den Marschallshof ab und erbaute daraus eine Meile davon den Meierhof Winningen.

Adam Olearii Chronic. S. 54. – Schröder, Geschichte der Stadt Schleswig S. 46.

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183. Die abgehauene Zehe.

In der Schleswiger Domkirche befindet sich ein altes von Holz geschnitztes Bild aus der katholischen Zeit: Christus unter dem Kreuze sitzend. Ein betrunkener Holzbauer ging einmal zur Zeit des Herzogs Christian Albrecht mit seinem Beil durch die Kirche und hieb in rohem Übermut dem Bilde die große Zehe des linken Fußes ab. Abends aber beim Auskleiden fand er seinen Strumpf voll Blut und seine eigne Zehe vom Fuße getrennt.

Schröder, Geschichte der Stadt Schleswig S. 135.

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184. Der entweihte Taufstein.

Bei Gramm im Törninglehn lag in vorigen Zeiten, östlich von Endrupskov, die St. Theokari Kirche. Sie ward niedergebrochen und es geschah, daß der Taufstein auf den Hof Nübel kam und da als Hundetrog gebraucht ward. Aber weil alle Hunde, die daraus fraßen, toll wurden, erkannte man die Strafe für die Verunehrung des Steins. Daher ist er auf den Kirchhof von Gramm zurückgebracht.

Danske Atlas VII, 177. Vgl. die schwäbische Sage in Mones Anzeiger IV, 174.

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185. Das gestorbene Hündchen.

Vgl. Danm. Folkem. 17, 14. An entweihter Stätte wächst kein Gras: s. zu Nr. 207.

Vorzeiten lebte in einem Dorfe der Gemeinde Eckwadt eine Jungfer, die hatte einen kleinen Schoßhund, den sie über die Maßen liebte. Das Tier aber ward krank und starb trotz aller angewandten Mittel. Die Jungfrau hierüber trostlos, wollte ihrem Liebling alle mögliche Ehre antun und hatte die Frechheit, ihn auf dem Kirchhofe einzuscharren. Darauf stieg sie in den damals immer offenen Turm und läutete über den Toten. Deswegen hatte sie nach ihrem Tode keine Ruhe und saß immer auf der Treppe, die zur Glocke führt. Man hat sie da oft in weißen Kleidern sitzen gesehen, besonders wenn welche hinkamen, um für ihre Toten zu läuten. Kühnere Männer, die sie erst beim Hinuntersteigen bemerkten, sind oft über sie weggeschritten, wenn sie keinen Platz machen wollte. Jetzt erscheint sie nicht mehr. Wo aber das Hündchen begraben lag, wuchs kein Gras und nur ein ganz kleiner Dornstrauch schoß am Ende da an der Westseite der Kirche auf. Er ist nun aber bei Planierung des Kirchhofs weggenommen.

Durch Herrn Petersen in Hellewadt.

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186. Das verschüttete Dorf.

Vgl. Danm. Folkem. 10, 27. Detl. v. Liliencr. Ges. W. 3, 268. Auch Alt-Hörnum auf Sylt ist wegen der Lasterhaftigkeit seiner Bewohner in Sand versunken; das »Staademwüfki« sitzt dort um Mitternacht und beklagt seinen Untergang. Mitt. d. nordfrief. Vereins 7, 107 f.; vgl. Nr. 378, 4. Ähnlich Frahm 120 f. von Weißenhaus an d. Ostsee.

Eine Heilige ging am Strand, sah nur zum Himmel und betete. Da kamen die Bewohner des Dorfs Sonntagsnachmittag, ein jeder in seidenen Kleidern, seinen Schatz im Arm, und spotteten ihrer Frömmigkeit. Sie achtete nicht darauf und bat Gott, daß er ihnen die Sünde nicht zurechnen wolle. Am andern Morgen aber kamen zwei Ochsen und wühlten mit ihren Hörnern in einem nahgelegenen großen Sandberg bis es Abend war; und in der Nacht kam ein mächtiger Sturmwind und wehte den ganzen aufgelockerten Sandberg über das Dorf hin, so daß es ganz zugedeckt wurde und alles darin, was Atem hatte, verdarb. Wenn die Leute aus benachbarten Dörfern herbeikamen und das Verschüttete aufgraben wollten, so war immer, was sie tagsüber gearbeitet, nachts wieder zugeweht. Das dauert bis auf den heutigen Tag.

»Mündlich aus Holstein« in der Brüder Grimm Deutschen Sagen I, S. 155 Nr. 96. Keine andere Relation dieses merkwürdigen Stücks, das wohl dem östlichen Holstein gehört, ist uns bekannt geworden. Doch meinen wir Ähnliches früher von den Anwohnern der Dünen in Eiderstede und von untergegangenen Orten in Pellworm und Nordstrand gehört zu haben. Thiele II, 257 hat eine vollständige dänische Version. Von einem Nordstrand ist die Rede, die Heilige ist eine Wasserfrau und hat eine Herde Rinder etc.

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187. Ringkjöping.

Am Wege von Viöl nach Bargum sieht man auf der Heide Hügel von Flugsand. Da stand in alten Zeiten eine Stadt, die die Handelsleute Ringkjöping nannten, weil wegen der Armut der Einwohner der Verkauf dort gering war. Im Westen war die Gegend mit Flugsand bedeckt, der mit jedem Jahre der Stadt näher rückte und sie zu verschütten drohte. Da erhielten die Einwohner Kunde von einer Grasart in einem fernen Lande, die im Sande wuchert und ihn zum Stehen bringt (Sandhafer). Und sie sandten Männer aus in jenes Land, um Samen zu holen. Ehe aber diese noch wiederkamen, erreichte der Sand die Stadt und bedeckte sie, und alle Einwohner mußten sie verlassen. Es haben die Leute noch später nachgegraben und Dachziegel gefunden.

Durch Herrn Pastor Karstens in Elmshorn.

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188. Helgoland.

Zu den Fußstapfen s. zu Nr. 17. – Zum Antreiben der Glocke: zu Nr. 167. – Der Sage nach haben auf Helgoland früher 17 Kirchen gestanden. Mügge, Streifzüge in Schl.-H. 1, 210. – Zur Anm.: Die Stelle steht bei Westphalen in der Praef. zu Bd. 4; es ist zu lesen: »6 Weke Sees.« Weke ist ein Wegelängenmaß von 4-5 Seemeilen; vgl. Breusing in Nd. Denkm. Bd. 1 S. XL, und 127.

Die elftausend Jungfrauen landeten einst auf Helgoland, das damals ein schönes grünes Land war. Die Leute aber waren so gottlos und trieben Schande mit den heiligen Jungfrauen. Darauf ist das Land versunken und abgerissen und alles zu Stein verwünscht. Der, der dieses erzählt, hatte noch ein Endchen Wachslicht in Verwahrung, das ganz zu Stein geworden war.

Andere aber melden:

Verfolgt sprangen einmal heilige Jungfrauen in der Gegend, wo jetzt Helgoland ist, aus dem Schiffe und tanzten so lange auf dem Wasser, bis der Fels herausgetanzt war. Die Jungfrauen haben dann ihre Fußstapfen dergestalt in die Erde gedrückt, daß solche niemals in vielen Jahren mit Gras überwuchsen. Die Fußstapfen waren zu sehen, so lange bis das Stück Land vom Wasser ist weggespült. Man nannte diesen Platz auch den Jungfernstuhl.

Hier bei Helgoland ist auch einmal mit einem Ostwinde ein Kruzifix angetrieben und eine kleine Glocke ohne Knebel hat auf seiner Brust gestanden. Man hob diese in der Kirche auf und wenn einmal lange Zeit schlechter Wind gewesen ist und man guten Ostwind wünschte, gingen die Helgoländer paarweise zur Kirche, beteten vor dem Altar und tranken einander aus der Glocke zu auf eine glückliche Zeit. Am dritten Tage wenigstens stellte sich dann der Ostwind ein.

Neocorus II, 85. – Benjamin Knobloch (1643) bei Laß, Nachrichten Helgolands S. 13, 41. Vgl. Westphalen IV, 220, wo Bertram Poggwisch aus dem Jahre 1599 berichtet: Auf hillig Land bin etliche Tage gewesen und es haben die Einwohner mir gezeiget etzliche Fußtappen, die man im Grase kennen kann (ist dunkler denn ander Gras), mit diesem Bericht, daß St. Ursula aus England dahin geschifft und ihre Schwester Debora an den Landesherren Heligo zur Ehe gegeben und da Hochzeit gehalten. Als ich dar einige Tage verharret und der Wind contrair gewest, hat mir der Vogt zu erkennen gegeben, daß bei seines Großvaters Zeiten sei ein Crucifix von der Norderseiten ans Land angeflossen kommen, und auf der Brust sei eine Klocke gestanden ohne Knepel. Ich habe begert die Klocke aus der Kirche herzubringen! alsdann habe ich die Klocke vollschenken lassen, daraus getrunken und gesagt: »Gott und die heilige Jungfrau St. Ursula samt ihrer Gesellschaft wolle uns morgen bescheren ein gelinden Westerwind, bis nach Eberstedt«, (sein sechs Wekesehes [?]). Mein Schiffer, ein Lutheraner, hat alleweg nur Gott allein und nicht die Heiligen wollen mit anrufen und daneben um ein Südwestwind gebeten. Des Morgens aber ist ein gelinder Westwind gewesen, der sich nicht verändert hat, bis ich hinüber nach Eiderstedt gekommen. Vgl. unten zu Nr. 202.

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189. Woher die großen Fluten kommen.

Heim. 8, 219. Kristensen 3, 1744. Kreiskalender f. Süderdithm. 1916 S. 56 ff.

Die Nordsee ist eine Mordsee, ist ein Sprichwort hier zu Lande, und wo einmal Wasser gewesen ist, kann auch wieder Wasser kommen, ist ein alter Glaube. Darum hat alles Land von der Elbe an bis Riperfurt immer viel vom Wasser zu leiden; es ist aber nicht immer so gewesen.

Um das Jahr 600 nach Christi regierte in England eine Königin, Namens Garhöven, der versprach der damalige König von Dänemark, sie zu heiraten. Aber er hielt sein Wort nicht und ließ sie sitzen. Da ergrimmte die Königin und gedachte alle ihm zugehörigen Länder zu ertränken und zu versenken. Darum ließ sie die Höveden (die Vorgebirge) zwischen England und Frankreich, die sich sieben ganzer Meilen erstreckend bis dahin das Wasser aufgehalten hatten, von siebenhundert Mann, die sieben Jahre unaufhörlich arbeiteten, durchstechen. Gleich damals geschah durch das Hereinbrechen der Flut an unserer Küste ein merklicher Schade und hunderttausend Menschen wurden ersäufet. Darüber erzürnten die Leute im Lande so auf den König, daß einige vom Adel ihn mit Gift töteten und sein Name ganz und gar vertilgt und vernichtet ward. Seit der Zeit haben bis auf diesen Tag diese Küsten alljährlich zu leiden vom Zorn der Königin. Um dieselbe Zeit trieb mit dem Nordwestwind ein Moor aus Island oder, wie andre wollen, aus Schottland in Nordfriesland bei dem großen, dicken Walde an, der nur der düstere Damswald geheißen ward, wo sich viele ungeheure wilde Tiere aufgehalten haben. Das Moor ließ sich auf den Wald nieder und bedeckte ihn ganz, also daß seit der Zeit Friesland an Holz und Wald ganz arm ist. Im Kirchspiel Niebüll sind noch einige Häuser aus dem gedachten Walde gebaut. – Andre aber berichten, daß die Königin mit den Aquitaniern und den See- und Holländern Krieg geführt und dieselben nicht eher habe bezwingen können, als bis sie jene Höveden durchgehauen. Da sollen die Länder also untergegangen und zur wüsten See geworden sein. Doch die Friesen, so nächst am Meere gewohnt, haben einen Teil derselben bei kleinen Kögen wieder eingeholt. Deshalb empfingen sie zum Lohn von Karl dem Großen ihre Küren und Freiheiten.

Heimreich ed. Falck I, 83, 84. Kielholt ebendas. II, 345. Jonas Hoyer, Bericht S. 12 gibt einige abweichende Züge; vgl. Thiele, Danm. Folkes. II, 7 f.

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190. Horsbüll.

Vgl. Nr. 154 f.

Nordwestlich vom jetzigen Horsbüll jenseit eines Stromes wohnte in dem längst untergegangen Dorfe Rentost ein Mann; dessen Stute, auf friesisch Hors, schwamm immer durch jenen Strom und verlief sich nach der Gegend, wo jetzt Horsbüll liegt. Da nahm er den Trieb des Tiers, nach Osten zu wandern, als ein Vorzeichen und verließ seinen bisherigen Wohnort, der bald von dem Wasser verschlungen ward, und siedelte sich an dem Ort an, der nach der Stute benannt ward. Die Horsbüller Harde führt darum auch ein Pferd im Wappen.

Durch Herrn Schullehrer Hansen auf Sylt.

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191. Die Hausleute an der Milde.

Übermut reicher Bauern bestraft: Nr. 192. 198. 231. 291. 195.

Anno 1362 in der Nacht auf Lätare war die große Flut, die man die große Mandrenke oder Madetuen nennt, in der zwischen der Elbe und Riperfurt zweimal hunderttausend Menschen umgekommen sind.

Bei Römes oder Rademis hat vor dieser Zeit das beste Land an der Milde gelegen. Es gehörte achtzehn reichen Hausleuten, die ihren Kirchgang zu Mildstede gehalten. Sie trieben mit ihren Kleidern und mit Gepränge also großen Übermut, daß andere Leute, wenn sie von der Kirche heimgegangen sind, unterwegs nicht genug davon haben reden können. Da kam die große Flut und die Leute ertranken und das Land ward verdorben, so daß immer Wasser auf den Fennen steht und sie die Seefennen heißen bis auf den heutigen Tag. Das Gedächtnis der Leute aber ist geblieben und Heikebull, Edenshamm, Hunnehamm, Kophamm, Adebull etc. haben ihre Namen von denen, die weiland das Land besaßen.

(Neocorus I, 371.) Heimreich I, 261.

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192. Rungholt.

Jb. f. Ldk. 4, 148 (lat. Fassung aus Paisens historiolis). Zs. f. Volksk. 8, 210 (aus Süderdithmarschen). Heim. 4, 89 (aus Eiderstedt). Mitt. d. nordfr. Vereins 7, 103 (Gedicht in Sylter Mundart). Schütze, Schlesw. Folkesagn 1, 11 (aus Halk). Lorenzen 45. – Zum Frevel am Heiligen vgl Nr. 194. 182. 184. 185. 202. Turmspitzen zu sehen oder zu fühlen: Nr. 525. 194. Zu diesem Stück u. ähnlichen vgl. F. Schmarsel, D. Sage von der untergegangenen Stadt. Kieler Diss. 1913. – Das alte Wilster lag weiter nördlich an einem Arm der Wilsterau und soll in einer großen Sturmflut untergegangen sein; in der Bartholomäusnacht kann man in dem Wasser der Alten Wilster die Kirchturmspitze sehen und die Kirchenglocken läuten hören. (Mündl. aus Wilster.) Vgl. Nr. 343. 193 vom alten Plön. 194 von Tellingstedt, Marne u. Brunsbüttel. Frahm 116 ff. Schmarsel a. a. O. 67.

In Rungholt auf Nordstrand wohnten weiland reiche Leute; sie bauten große Deiche und wenn sie einmal darauf standen, sprachen sie: »Trotz nu, blanke Hans!« –

Ihr Reichtum verleitete sie zu allerlei Übermut. Am Weihnachtsabend des Jahres 1300 machten in einem Wirtshause die Bauern eine Sau betrunken, setzten ihr eine Schlafmütze auf und legten sie ins Bett. Darauf ließen sie den Prediger ersuchen, er möchte ihrem Kranken das Abendmahl reichen, und verschwuren sich dabei, daß wenn er ihren Willen nicht würde erfüllen, sie ihn in den Graben stoßen wollten. Wie aber der Prediger das heilige Sakrament nicht so greulich wollte mißbrauchen, besprachen sie sich untereinander, ob man nicht halten sollte, was man geschworen. Als der Prediger daraus leichtlich merkte, daß sie nichts Gutes mit ihm im Sinne hätten, machte er sich stillschweigends davon. Indem er aber wieder heimgehen wollte und ihn zween gottlose Buben, so im Kruge gesessen, sahen, beredeten sie sich, daß so er nicht zu ihnen hereingehen würde, sie ihm die Haut voll schlagen wollten. Sind darauf zu ihm hinausgegangen, haben ihn mit Gewalt ins Haus gezogen und gefragt, wo er gewesen. Und wie er's ihnen geklaget, wie man mit Gott und ihm geschimpfet habe, haben sie ihn gefragt, ob er das heilige Sakrament bei sich hätte, und ihn gebeten, daß er ihnen dasselbige zeigen möchte. Darauf hat er ihnen die Büchse gegeben, darin das Sakrament gewesen, welche sie voll Biers gegossen und gotteslästerlich gesprochen, daß so Gott darinnen sei, so müsse er auch mit ihnen saufen. Wie der Prediger auf sein freundliches Anhalten die Buchse wiederbekommen, ist er damit zur Kirche gegangen und hat Gott angerufen, daß er diese gottlosen Leute strafe. In der folgenden Nacht ward er gewarnet, daß er aus dem Lande, so Gott verderben wollte, gehen sollte; er stand auf und ging davon. Und sogleich erhob sich ein ungestümer Wind und ein solches Wasser, daß es vier Ellen hoch über die Deiche stieg und das ganze Land Rungholt, der Flecken und sieben andre Kirchspiele dazu, unterging, und niemand ist davon gekommen als der Prediger und zwo, oder wie andre setzen, seine Magd und drei Jungfrauen, die den Abend zuvor von Rungholt aus nach Bopschlut zur Kirchmeß gegangen waren, von welchen Bake Boisens Geschlecht aus Bopschlut entsprossen sein soll, dessen Nachkommen noch heute leben. Die Ulversbüller Kirche hat noch eine alte Kirchentür von Rungholt.

Nun gibt es eine alte Prophezeiung, daß Rungholt vor dem jüngsten Tage wieder aufstehen und zu vorigem Stande kommen wird. Denn der Ort und das Land steht mit allen Häusern ganz am Grunde des Wassers und seine Türme und Mühlen tun sich oft bei hellem Wetter hervor und sind klar zu sehen. Von Vorüberfahrenden wird Glockenklang und dergleichen gehört. – Imgleichen wird bei der Süderog am Hamburger Sand ein Ort gezeigt, welcher Süntkalf geheißen und es ist ein Sprichwort:

Wenn upstaan wert Süntkalf,
So werd Strand sinken half.

Heimreich I, 250, vgl. 172, 182, 240 und Herr Hansen auf Sylt nach noch währender, fast völlig einstimmender Überlieferung. – Heimreich deutet dieselbe Sage Bd. I, 86 bei einer Flut vom Jahre 716 an. Ein Fechter soll damals das Sakrament entheiligt haben. – Ein Ritter auf dem Flensburger Schloß zwang den Prediger, einer Sau das Abendmahl zu reichen. Sein Schloß versank in den blauen Damm; so auch eines Junkers Burg Brattborg im Kirchspiel Ulderup, wo ein gottloser Junker mit seinem Schloß und allem Hab und Gut in die Erde versank. Man sieht noch die Spuren. Es gehen aber Gespenster da umher und zuzeiten hört man deullich einen Hahn in der Erde krähen.– In Warnitz, Amt Apenrade, gibt's Sagen von den Fehden, dem gottlosen Leben und Ende von vier Junkern. Schröder, Topographie von Schleswig. – Bei der Nordoer Mühle, bei Itzehoe, zeigt man eine Grube, die Knickenkuhle, wo ein Schloß stand und versank, weil man einer Sau das Abendmahl reichen ließ. S. unten Nr. 536. – Kuhns, Märk. Sagen Nr. 80. 195. – Das alte Plön lag zwischen der jetzigen Stadt und Ruhleben, erzählt man, an einem Hügel am See, der der hohe Berg heißt. Fischer sehen die Stadt noch oft im Wasser.

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193. Das alte Plön.

Vgl. zu Nr. 33; zu 17, 2.

Der Berg, aus dem das Plöner Schloß steht, ist mit Schiebkarren zusammengefahren und jeder Arbeiter erhielt damals täglich einen Schilling. Von dem Berge aber steht nun nur noch ein kleiner Teil. Denn bei einem Erdbeben versank die eine Hälfte nebst dem alten Schlosse und einem Teil der Stadt in den See. Anfangs hörte man noch die Glocken des Turmes läuten, der mit versunken war, und Fischer sollen ihn noch bei klarem Wetter erblicken. Ein alter Mann erzählte, er habe einmal am großen See einen Haufen Stecknadeln gefunden, so groß wie ein Maulwurfshügel. Die rührten noch von der alten Stadt her.

Bei diesem Erdbeben gewann der große See überhaupt sehr an Umfang. Alte Leute wissen zu erzählen, daß zwischen Godau und Bosau, wo jetzt eine große Bucht ist, früher gar kein Wasser war, sondern nur eine kleine Au in den See floß, die so seicht war, daß man auf einem hingelegten Pferdekopf hinüberging. Von dieser bösen Au hat Bosau später seinen Namen erhalten.

Den Wirkungen des unterirdischen Feuers verdankt auch Aschberg seinen Namen.

Aus Plön durch Dr. Klander.

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194. Der Ecksee und der Kattsee in Dithmarschen.

Jb. f. Ldk. 4, 149 »Der grundlose Kolk bei Mölln.« 10, 42 »Die Wilsower Mühle« (bei Elmschenhagen). – Vgl. zu Nr. 192. Schmarsel a. a. O. 57.

Rechts am Wege von Schalkholz nach dem jetzigen Tellingstede, nicht weit vom Schalkholzer Tepel, lag das alte Tellingstede. Die Leute waren so gottlos und übermütig, daß sie einen Prediger zwangen, einer Sau das Abendmahl zu geben. Schon als er ins Haus kam, drang ihm ein Schwefelgeruch entgegen und als er nachher wieder auf die Diele trat, wimmelte sie von Aalen mit großen Augen und zischend wie Schlangen, und gräßliche Kröten und andres Ungeziefer lief umher und ein furchtbarer Sturm erhob sich und die Hunde heulten. Da rief der Prediger schnell die frommen Leute des Ortes zu sich und sie flohen und erbauten nachher das jetzige Tellingstede. Gleich hinter ihnen war mit Krachen das alte Dorf in die Erde gesunken und ein trüber bodenloser See, der Ecksee oder Nekssee, steht jetzt da, in dem kein Fisch lebt.

Ein paar Meilen weiter südlich bei Burg in Süderdithmarschen lag in der Dorfschaft Kuden auch einst ein reiches übermütiges Dorf Hardendorf. Da begingen sie denselben Frevel an dem Sakramente. Am andern Morgen lagen Wege und Häuser ganz voll von Fischen und der Prediger erhielt von Gott den Befehl, den Ort zu verlassen. Kaum war er fort, so trat Wasser über das Dorf und der Kattsee liegt da jetzt, anmutig von Hügeln umgeben. Anfangs hat man noch mit einem Windelbaum die Turmspitze fühlen können, aber jetzt ist der See längst ganz grundlos geworden.

Mündlich. – In Dithmarschen erzählt man ferner, daß das alte Marne mit sieben Kirchspielen draußen in der See liege. Ebenso von Brunsbüttel; bei niedrigem Wasser will man noch Spuren davon in der Elbe entdecken. Doch ist hier nie viel Land abgerissen.

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195. Das gerettete Kind.

In der großen Flut des Jahres 1717, die den ganzen Süderstrand von Dithmarschen überschwemmte, wichen ein paar Eltern vom Marnerdeich glücklich hinauf auf die Geest, vergaßen in der Eile aber ihr jüngstes Kind, das noch in der Wiege lag. Als sich das Wasser verlaufen hatte und man sich endlich wieder nach der Marsch hinunter wagte, fanden sie die Wiege in Marne oben in einer hohen Pappel hängend, und schlafend lag wohlbehalten ihr Kind darin. Man zeigt den Baum noch heute. In derselben Flut sind auch die reichen Darenwurter Bauern ertrunken, die da wohnten, wo jetzt bei der Helser Mühle die große Wele ist.

Mündlich. – Vgl. die schwäbische Sage von Suggental in Mones Anzeiger VIII, 534.

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196. Am Ufer bei Schobüll.

Am Ufer bei Schobüll wissen die am Strande spielenden Knaben noch eine Stelle zu zeigen, wo einmal bei der großen Sturmflut, die den größten Teil von Nordstrand verschlang, ein Heuklamp (Schober) angetrieben kam, darauf saßen Braut und Bräutigam und ein Hahn. Als aber der Klamp, dem Ufer nahe, auf den Grund stieß, ging er auseinander. Da flog der Hahn ans Ufer, aber Braut und Bräutigam umschlangen sich und hielten sich noch fest umklammert, als sie tot unter dem Heu gefunden wurden.

Durch Herrn Pastor Carstens in Elmshorn.

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197. Das brave Mütterchen.

Urdsbr. 2, 213.

Es war im Winter und das Eis stand. Da beschlossen die Husumer ein großes Fest zu feiern: sie schlugen Zelte auf und Alt und Jung, die ganze Stadt versammelte sich draußen. Die einen liefen Schlittschuh, die andern fuhren in Schlitten und in den Zelten erscholl Musik, und Tänzer und Tänzerinnen schwenkten sich herum und die Alten saßen an den Tischen und tranken eins. So verging der ganze Tag und der helle Mond ging auf; aber der Jubel schien nun erst recht anzufangen.

Nur ein altes Mütterchen war von allen Leuten allein in der Stadt geblieben. Sie war krank und gebrechlich und konnte ihre Füße nicht mehr gebrauchen; aber da ihr Häuschen auf dem Deiche stand, konnte sie von ihrem Bette aus aufs Eis hinaus sehen und die Freude sich betrachten. Wie es nun gegen Abend kam, gewahrte sie, indem sie so auf die See hinaus sah, im Westen ein kleines weißes Wölkchen, das eben an der Kimmung aufstieg. Gleich befiel sie eine unendliche Angst; sie war in frühern Tagen mit ihrem Manne zur See gewesen und verstand sich wohl auf Wind und Wetter. Sie rechnete nach: in einer kleinen Stunde wird die Flut da sein, und wenn dann der Sturm losbricht, sind alle verloren. Da rief und jammerte sie so laut als sie konnte; aber niemand war in ihrem Hause und die Nachbarn waren alle auf dem Eise; niemand hörte sie. Immer größer ward unterdes die Wolke und allmählich immer schwärzer: noch einige Minuten und die Flut muß da sein, der Sturm losbrechen; da rafft sie all ihr bischen Kraft zusammen und kriecht auf Händen und Füßen aus dem Bette zum Ofen; glücklich findet sie noch einen Brand, schleudert ihn in das Stroh ihres Bettes und eilt so schnell sie kann hinaus, sich in Sicherheit zu bringen. Da stand das Häuschen augenblicklich in hellen Flammen, und wie der Feuerschein vom Eise aus gesehen ward, stürzte alles in wilder Hast dem Strande zu. Schon sprang der Wind auf und fegte den Staub auf dem Eise vor ihnen her; der Himmel ward dunkel und bald fing das Eis an zu knarren und zu schwanken, der Wind wuchs zum Sturm, und als eben die Letzten den Fuß aufs feste Land setzten, brach die Decke und die Flut wogte an den Strand. So rettete die arme Frau die ganze Stadt und gab ihr Hab und Gut daran zu deren Heil und Rettung.

Durch Ludw. Meyn und Herrn Mielck. Vgl. Anm. zu Nr. 195.

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198. Die Flut in Osterwisch.

Schmarsel S. 41 (s. zu Nr. 192). 53.

In der Propstei nahe am Strande der Ostsee lag das große Dorf Osterwisch. Nirgend gab es üppigere Wiesen und fruchtbareres Land; nirgend waren auch reichere und wohlhabendere Bauern. Aber obgleich das Christentum in diesen Gegenden schon Eingang gefunden hatte, so wurden die Leute doch übermütig und gottlos. Immer trieben sich die Männer in dem großen Walde umher, der hinter Osterwisch lag und voll von Bären, Wölfen und Schweinen war. Selbst die Frauen entliefen oft und gerne der Spinnstube und dem Herde, wenn sie einen Wolf im Garne oder in der Grube heulen hörten, und sie töteten ihn dann mit eigner Hand und sangen und jubelten dazu. Die übermütigen Leute ließen keinen Reisenden ungeplündert vorbei und jedem Fahrzeuge paßten sie auf, beraubten es und teilten sich die Beute im Walde. Da war ein alter Mann unter ihnen; der hielt ihnen oft ihre Gottlosigkeit vor und ermahnte sie zur Besserung. Vergebens forderte er sie auf, einen Damm gegen die See zu errichten, die schon einmal früher ein Stück Land mit fortgenommen habe. Aber sie lachten ihn aus und meinten, Gottes Hand könne sie nicht reichen. Da kam in einer Nacht ein Engel zum Greise und befahl ihm, den Ort zu verlassen; denn Gott wolle den Frevel nicht länger ansehn. Eilig erhob er sich und floh auf den Kapellenberg, wo damals eine kleine Kirche stand. Und nun erhob sich ein furchtbarer Sturm und das Wasser stieg so schnell von Nordost her, daß niemand entkam und die See von der Zeit an bis an die Hügel geht. Das Dorf und seine reichen Felder waren am andern Morgen verschwunden; nur bei niedrigem Wasserstande sieht man noch Backsteine und dergleichen am Grunde liegen.

Rethwisch, Ernst und Laune, Bd. I Heft I S. 54.

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199. Die übermütige Frau.

Taillefas, Skizzen einer Reise nach Holstein (1819) S. 115. Handelmann, Weihnachten in Schl.-H. S. 94. 108. Clasen, Probstei (1898) S. 147. Dieselbe Sage aus der Gegend von Tondern: Bilder aus d. Heimat 1911 Nr. 15 (»Die stolze Frau von Fockebüll«); aus Dithmarschen im Plattd. Husfründ 3, 63: »Johannamudder ut Fellern« (d. i. Feddringen), die so reich war, daß sie die Fußböden mit Talerstücken auslegte. Garn auf »Spetschendalers« wickelte usw. Vgl. Fischer, Slev. Folkes. S. 394.

Auf der Kolberger Heide an der Ostsee in der Propstei lag vorzeiten ein großes Gut, der Verwellenhof. Noch gibt es da einen Verwellenberg. Darauf wohnte eine Frau von Verwellen, eine stolze, übermütige und grausame Herrin, die allezeit auf ihren Reichtum trotzte. Sie hielt ihn für so unerschöpflich, daß, als sie einmal auf der See in einem Boot eine Lustfahrt machte, sie ihren kostbaren Ring vom Finger zog und in die See warf, indem sie dabei zu ihrer Gesellschaft die Worte sprach: »So unmöglich ich den Ring wieder erhalten werde, ebenso unmöglich wird es sein, daß ich je Not leide.« Nach ein paar Tagen brachte ein Fischer einen großen Dorsch aufs Schloß! als die Köchin ihn zerlegte, fand sie den Ring in seinem Bauche und zu nicht geringem Schrecken brachte sie ihn ihrer Herrin. Nicht lange nachher kam die große Flut, die die ganze Kolberger Gegend weit umher verschlang (1625), und man sieht noch oft in der Bucht bei dem Dorf Holm, die noch immer die Kolberger Heide heißt, bei niedrigem Wasser Backsteine und andres am Grunde liegen.

Die reiche Frau hatte nun all ihr Hab und Gut verloren und war so arm geworden, daß sie betteln ging. Früher in ihren guten Tagen hatte sie, wenn sie ins heimliche Gemach ging, immer eine Riste Flachs genommen. Eine Magd wusch ihn nachher sorgfältig aus und verspann ihn. Wenn das nun die reiche Frau sah, sprach sie immer: »Fu dik an!« (Pfui dich an!) und spottete über sie. Nun aber, als sie selber arm geworden war, kam sie bettelnd zu ihrer ehemaligen Magd und bat um Leinen für ein Hemd. Diese gab ihr das Verlangte, aber sprach dabei: »Dat is von êhren Fudikan!« Mit weinenden Augen ging die Frau fort. Seit der Zeit heißt in der Propstei aller Abfall vom Flachs Fudikan.

Schmidt in den Neuen Provinzialberichten 1812, 310 und durch Herrn Schullehrer Pasche in Wankendorf. – Die Sage wird auch von einer reichen Frau in Flensburg erzählt, die am Nordermarkt im Eckhaus der Marienstraße wohnte; auch von einer Edelfrau in Lundsgaarde in Sundwitt. – Die Sage vom Ringe gehört zu den allerverbreitesten: in der indischen Sakontala, bei Herodot vom Polykrates, in Deutschland und in Dänemark und Norwegen an mehreren Orten. Siehe Thiele I, 262 Anm. 277, 294. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 152. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 239. Mones Anzeiger VII, 54. – Auf Torsholt war eine adlige Frau, die die Kirche zu Sommersted baute; sie war so stolz auf ihren Reichtum, daß sie dem Himmel trotzte; sie ward nachher so arm und elend, daß sie auf eines Bauern Düngerhaufen starb. Rhode, Haderslev-Amt S. 429.

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200. Hans Haunerland.

Statt »Krackau« ist »Krokau« zu lesen. Der Held der Geschichte heißt nach anderer Überlieferung »Hawerland«.

Hans Haunerland war ein reicher, lebenslustiger Bauer, der einen großen Hof auf der (Kolberger) Heide hatte. Als er einmal gerade in Schönberg war und die Fastelabendsgilde mitmachte, kam die große Flut und sein Hof verschwand. Hans blieb nun in Schönberg und lebte eben so lustig weiter wie vorher. Er hatte noch eine ganze Hufe und sieben Katen, wirtschaftete aber alle Tage darauf los, verkaufte eine Kate nach der andern, endlich auch die Hufe und ließ alles durch den Hals gehen. Zuletzt hatte er nur noch einen großen Walnußbaum. Den mußte er stehen lassen, weil er nicht durch den Hals konnte, wie die Propsteier sagen. Der Baum steht noch zum Andenken auf der Hofstelle und man zeigt ihn noch heute. Hans Haunerland hat auch den Damm gebaut, den Fahrweg nämlich über die Wiesen von Schönberg nach Krackau. Sonst mußte man, wenn man nach dem letzteren Orte wollte, über Fiefbergen fahren.

Durch Herrn Rethwisch auf Övelgönne.

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201. Die verlorne Quelle auf der Hallig Nordmarsch.

Auf den Halligen, wie in der Marsch überhaupt, gibt es selten Brunnen mit ganz frischem Wasser und man fängt daher den Regen in Zisternen auf, die Regenbäche oder Fedinge heißen. Auf der Hallig Nordmarsch war eine Quelle mit süßem Wasser, aber bald ward sie ein Gegenstand des Neides und des Streites. Einer war zuletzt boshaft genug, einen großen Stein hinein zu werfen und den Brunnen dadurch zu verstopfen. Seit der Zeit leiden nun die Bewohner der Hallig bei großer Dürre oder nach Überschwemmungen oft Mangel an frischem Wasser. Man hat vergebens nach dem verlornen Brunnen gegraben; denn wenn man sich um Gottes Gabe streitet, weicht sein Segen allezeit. Darum sind auch die Fische aus den Strömen zwischen den Halligen gewichen, seit die Obrigkeit sich den Fang aneignete, und seit sie den Gänsefang besteuerte, fliegen alle Gänse an Sylt vorüber, und keine Heringe kommen mehr an diese Küsten, seit man mit den Helgoländern um den Fang Krieg führte.

Durch Herrn Hansen auf Sylt. Ganz ähnlich Wolf, Deutsche Sagen Nr. 266. 267.

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202. Die Heringe auf Helgoland.

Urqu. 5, 234. 6, 96. Frevel am Heiligen: zu Nr. 192. Frahm 90 f.

Als das Christentum eingeführt ward, taufte man ein altes kleines Götzenbild zum heiligen Tynthias oder Tyetens um, weil es immer der Fischerei günstig gewesen war. Eines Jahres aber, da die Heringe lange ausblieben, beschloß man das Bild dreimal um die Insel zu tragen. Bei der Gelegenheit unterstanden sich einige Mutwillige es zu prügeln; und seit der Zeit ist niemals wieder ein Hering nach der Insel gekommen.

Andre erzählen so: Man habe immer ein gewisses Kruzifix, wenn man auf den Fang aus wollte, um die Insel herumgetragen und wenn solches geschehen, hätten die Heringe in unzähliger Menge oben auf dem Wasser sich sehen lassen. Als aber ein Heringfänger aus Übermut einmal einen Hering mit Ruten peitschte, und ihn darauf wieder ins Wasser warf, sind die Heringe alle weggezogen; und die Heringsfischer und die Einwohner auf dem Lande sind noch obendrein dergestalt von der Pest heimgesucht, daß nicht mehr als vierzehn Hausgesessene am Leben geblieben sind.

Jacob Andreson-Siemens Helgoland 1835, S. 36. Laß, Nachrichten von Helgoland S. 11 und Benjamin Knobloch ebendas. S. 35. Reusch, Sagen Samlands Nr. 64. – Mündlich: Die Heringe waren einst so häufig, daß die Helgoländer oft nicht Tonnen und Salz genug hatten. Die Fische liefen sogar auf den Strand hinauf. Da nahm eine alte Helgoländerin ärgerlich einmal einen Besen und fegte sie hinunter. Seit der Zeit sind sie ausgeblieben. Vgl. Nr. 188. – Aus einem Manuskript vom Jahre 1699 teilt Westphalen IV, praef. 225 folgendes mit: »St. Giets auf Helgoland ist ein kleiner Gott, welcher die Fischerei hat gesegnen müssen, wovon sein Bildnis hieselbst bis auf den heutigen Tag noch zu sehen. Welcher Gestalt die Anbetung geschehen, davon ist gegenwärtig nichts vorhanden, als daß sie dies Ebenbild gegen dem Frühling mit Prozession auf dem Lande herumgetragen und nachgehends auf seine heilige Stätte auf einen Berg geführet, allwo die Verehrung beschlossen im Bedrohen, falls sie seinen Segen nicht verspüren würden, von ihnen bestraft werden sollte. Der Berg ist noch bis auf diese Stunde und hat seinen Namen St. Gietsberg behalten.« Benjamin Knobloch ebendas. nennt den Berg Gies oder Kiesberg. Westphalen gibt S. 226 eine Abbildung des St. Giets, die ihm von Helgoland zugesandt war. – In katholischen Zeiten wurden nach bestellter Saat von der ganzen Gemeinde Umzüge um die Felder gehalten, die der Priester segnete. In Medelbye, Amt Tondern, soll noch die Bahre aufbewahrt werden, auf der der Priester bei dieser Gelegenheit herumgetragen ward. Schlesw.-Holst. Kirchen- und Schulblatt 1845, Nr. 16.

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203. Die vertriebenen Dorsche.

An der Mündung der Schlei wurde in alten Zeiten eine solche unglaubliche Menge Dorsche gefangen, daß sogar das Gesinde und die Tagelöhner endlich diesen Fisch verschmähten. Da frevelte ein übermütiges Mädchen so sehr, daß sie einem großen Dorsch einen Splitter durch beide Augen spießte und ihn so in die Ostsee warf. Sie wünschte ihm dabei viel Glück auf die Reise und bat ihn nie wieder zu kommen. Seit der Zeit verschwand die liebe Gottesgabe und die Dorsche wurden so selten, daß man sie jetzt nur noch auf den Tischen der Wohlhabenden findet.

Schröder, Geschichte der Stadt Schleswig S. 462 und mündlich.

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204. Die Möwen in Schleswig.

Jb. f. Ldk. 3, 445. 10, 368. Vgl. Tobler, Die Epiphanie der Seele. Kieler Diff. 1911 S. 34.

König Abels Leute, die ihm bei der Ermordung seines Bruders Erich halfen, sind alle eines elenden Todes gestorben; der eine ward beim Spiel erstochen; ein andrer gerädert; der dritte von seinen eignen Leuten erschlagen etc. Sie und alle die zwanzig Ritter, die mit dem Könige den Reinigungseid taten, sind nach ihrem Tode für immer an den Ort ihrer Schandtat gebannt.

Nahe an Schleswig, der Stelle wo Abels Schloß stand gegenüber, in der Schlei erhebt sich eine kleine Insel, der Möwenberg; alljährlich kommen am Gregoriustage die Möwen dahin und nisten ungestört; die Stadt bestellt ihnen einen Fischer zum Hüter, der der Möwenkönig heißt. Wenn sie nun zweimal Junge gebrütet haben und die dritten eben aus dem Ei gekrochen sind, dann stürmt es an einem Sonnabendmittag, sowie die Uhr zwölf schlägt, von allen Seiten auf den Berg. Knaben greifen die nackten Jungen; die andern erreichen die Schützen, die ganze Schlei ist mit Böten bedeckt und Schüsse knallen ringsherum. Bis zum Sonntagmittag um 12 Uhr dauert der Möwenpreis. Die noch lebenden Möwen sind dann traurig davon gezogen; aber in jedem Jahre müssen sie wieder kommen und brüten.

Denn die Möwen sollen Abels Leute sein und sie können nicht von dem Orte loskommen. Nur wenn einmal ihr Möwenkönig sie nicht beschützt und sie in der Zeit vor dem Möwenpreise keine Ruhe haben, brauchen sie in sieben Jahren nicht wieder zu kommen. Das ist noch im Anfange dieses Jahrhunderts geschehn, wo sie in einem bösen Kriegsjahre gestört wurden. Aber erst wenn dreimal nacheinander ihnen das Gleiche geschieht, man also binnen einundzwanzig Jahren gegen die alte Sitte verfährt, werden sie erst vom Fluche frei. – Andre sagen, daß auf der Möweninsel in einem Schlosse vor alten Zeiten ein mächtiger Herr gewohnt hat, der mit seinen Dienern und Knechten die Leute der Umgegend hart bedrückte. Das Schloß ist darnach versunken und er mit seinen Dienern in Möwen verwandelt, die seit der Zeit die Insel allein bewohnen.

Mündlich. Vgl. Volksbuch 1844 und unten Nr. 541. Auf dem Möwenberg stand früher die Jürgensburg, wo Knud Laward wohnte.

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205. Die Bergenten auf Sylt.

Heilige Tiere: zu Nr. 133.

Wie die Störche auf dem festen Lande, so sind die Lerchen und vor allen die Bergenten gleichsam heilige Vögel auf Sylt. Man stellt ihnen niemals nach, sondern hilft ihnen ihre Nester bauen, indem man Löcher und Gänge für sie in die Dünen und Heidehöhen gräbt. An jedem Morgen nimmt man ihnen nur ein Ei aus dem Neste, läßt ihnen aber die übrigen, oft zehn bis zwölf Stück, sobald die Brutzeit anfängt. Daher wenn eine Bergente im Fluge einem Sylter begegnet, nickt sie mit dem Kopfe und ruft ihrem Freunde ein »Gud Day! Gud Day!« nach dem andern zu. Weil sich aber diese Vögel mit den Störchen durchaus nicht vertragen können, leben beide von alters her im Kriege, und die Störche sind so ganz von der Insel verscheucht, daß nur einzeln sich einer dahin verirrt und niemals da nistet.

Hansen im Volksbuch 1845.

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206. Die Krähen verlassen Amrum.

Philippsen, Sag. v. Föhr S. 76. Zu Nr. 317.

Vor vielen hundert Jahren wollte ein Prediger auf Amrum seine Pfarrkinder von ihrem alten Fehler, der Stranddieberei, heilen. Aber seine scharfe Anrede besserte die Amrumer nicht, sondern erbitterte sie nur. Allerhand Böses dichteten sie ihm an und neckten und verfolgten ihn so, daß er endlich von der Insel flüchten mußte. Als er abreiste, bat er Gott, er möchte ein Zeichen seines Zornes geben. Seit der Zeit übernachtet keine Krähe mehr auf Amrum. Am Tage sieht man freilich in den Wintermonaten die Vögel; allein sobald der Abend kommt, ziehen sie alle nach Föhr hinüber. Die Amrumer erkannten freilich das Zeichen des Mißfallens, haben aber ihre alte Leidenschaft des Strandlaufens doch nicht abgelegt.

Durch Herrn Schullehrer Hansen auf Sylt. – Für Krähen gelten dem Volke auch die Raben (graue und schwarze Krähen). Der Rabe war ein heiliger Vogel. – Herr Dr. Clement erzählt, der Prediger sei eines allzuvertrauten Umganges mit einer schönen Frau beschuldigt worden.

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207. Die verschworne Stätte.

Entweihte Stelle bleibt ohne Gras: Nr. 185. 188. 428. 531. Philippsen, Sag. v. Föhr 56. Auch bei der Ratzberger Mühle bei Pinneberg ist eine Stelle ohne Grasnarbe; hier ist eine Frau ermordet; in der Blutlache wächst nichts. (Mündlich.)

Auf Amrum ist eine Wiese, die sonst ganz voller Graswuchs ist, aber ein Ring darauf ist ganz dürr und kahl, ebenso ein schmaler Strich, der davon südwärts ausläuft. Hier standen vor vielen, vielen Jahren einige Männer im Kreise herum und schwuren armen Waisenkindern den Acker ab. Als sie solches getan, da erbleichte die Erde unter ihren Füßen und alles Gras, darauf die Meineidigen traten, verdorrte und verschwand, und für keinen Tau und Regen ist das Land noch empfänglich; auch wächst kein Korn darauf; denn Gott hat den Ort verflucht und gezeichnet. Wenn die Leute aus der Kirche kamen, sprachen sie früher oft von der verschwornen Stätte (thet ferswearne Sted) auf dem Acker, der am Wege liegt; der, der mir dies erzählt, dem gehört das Feld jetzt selber.

Auch von der Borg auf Amrum, einem großen Hügel auf der nördlichen Hälfte der Insel, gingen einmal eine Anzahl Verschworner nach Südwesten zu nach dem Mohrwasser über das jetzige Merum, um ihren Plan auszuführen. Da verdorrte auch das Land unter ihren Füßen und es wächst nur elendes Gestrüpp darauf, und das Korn ist da immer leicht und ganz versengt. Fragen die Schnitter nach der Ursache, so antwortet man ihnen: »Dear haa a föörswären Lidj gingen an Gods Segen me nimmen. (Da sind verschworne Leute gegangen und haben Gottes Segen mitgenommen.)

Herr Dr. Clement und Storm. – Herr Hansen auf Sylt. – Vgl. Wolf, Niederländische Sagen Nr. 386. Thiele, Danm. Folkes. II, 55. 85. 165.

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208. Sark Hethk auf Amrum.

Eine Frau aus Nebel auf der Insel Amrum hatte noch nicht ihren Kirchgang gehalten, da hörte sie, daß ihr Mann ein wenig östlich vom Orte an der Wasserkante erschlagen sei. Sogleich lief sie dahin über Sark Hethk, wo jetzt die Häuser vom sogenannten Stoltenberg stehen; das Land war damals Priestergrund. Da ward der Boden überall unrein, wohin sie ihren Fuß setzte, und die Gebäude, die man da ausgeführt hat, verfallen darum immer so bald.

Durch Herrn Dr. Clement. – Über den feierlichen Kirchgang der Amringer Frauen desselben Lebens- und Leidensgeschichte der Friesen S. 149 ff.

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209. Die Eiche am Elbufer.

Bolte 2, 533.

Nicht weit von Glückstadt steht unter dem Deiche, wo sonst nur Weiden stehen, eine schöne große Eiche, wohl weit herum die einzige in der ganzen Marsch. Vor vielen Jahren stand hier nur ein Busch. Ein paar Tagelöhner ruhten sich einmal an einem heißen Tage dahinter aus, als sie an der andern Seite einen Handelsmann, der sich auch da niedergesetzt hatte, mit seinem Gelde klimpern hörten. Der böse Geist erwachte in ihnen und sie fielen über den armen Mann her und erschlugen ihn, nahmen ihm sein weniges Geld und warfen seinen Packen in die Elbe. Die Leiche verscharrten sie unter dem Busch. Aber als sie noch mitten im Werke waren, war eine Schar wilder Enten schreiend über sie hingeflogen; sterbend hatte der Unglückliche ihr Geräusch gehört und seine Hand zum Himmel erhebend sie zu Zeugen der Tat angerufen.

Doch viele Jahre blieb der Mord unentdeckt. Aber an der Stelle wuchs seit der Zeit ein blutrotes Kraut und sonst nirgend in der Gegend. Man nannte sie daher nur den roten Fleck. Und abends, wenn die Jungen die Pferde aus dem Außendeich holten, mußten sie immer schnell daran vorüber jagen und die Pferde mit Gewalt dazu zwingen. Denn sie wieherten und bäumten sich und scharrten mit den Hufen, wie sie immer an Stellen tun, wo unschuldig Blut vergossen ist. Der eine Mörder hatte sich unterdes verheiratet, der andere diente noch als Knecht auf einem Hofe; beide waren alt und grau geworden und wurden von allen als brave und tüchtige Leute geachtet. Da begab es sich nun, daß einmal an einem Abend jener mit seiner Frau am Deiche spazieren ging, und sie unvermerkt in die Nähe des roten Flecks kamen. In demselben Augenblick kam der Knecht über den Deich, um ein Pferd zu holen, und wie er am Busche vorüberstreifte, flatterten schreiend einige Enten auf: beide Männer fuhren vor Schreck zusammen, sahen starr einander an, und gingen aneinander vorüber, ohne ein Wort zu sagen. Während der Knecht das Pferd suchte, und der Mann mit seiner Frau noch eine Strecke weiter ging, ließen sich die Enten wieder nieder und flogen nun abermals auf, als beide sich noch einmal in der Nähe des Busches begegneten. Wenn der Frau beider Benehmen schon anfangs wunderlich vorgekommen war, so verwunderte sie sich jetzt noch mehr, als sie beide bleich und zitternd sah und fluchen hörte. Doch wich ihr Mann allen ihren Fragen aus; aber seit dem Abend war sein ganzes Wesen verändert, still und schwermütig ging er umher und mied jede Gesellschaft. Die Frau klagte es endlich der Nachbarin, erzählte ihr alles, was sie gesehen, und fragte sie um Rat, weil sie für die Gesundheit ihres Mannes besorgt war. Der Nachbarin aber stiegen gleich böse Vermutungen auf; ohne ein Wort zu sagen ging sie fort und hinterbrachte alles ihrem Manne. Der ging sogleich zum Bauervogt und als man nun auf der Stelle beim Busche nachgrub, fand man bald das Gerippe des Ermordeten. Die beiden Männer wurden festgenommen, und von Gewissensbissen gepeinigt gestanden sie die Tat, die sie vor vierzig Jahren vollbracht, und litten in Reue und Ergebung bald in Glückstadt ihre Strafe. Zum Gedächtnis pflanzte man jene Eiche.

Mündlich. Außer den »Kranichen des Ibykus« vgl. Haupts und Hoffmanns altdeutsche Blätter I, 117 und die Nachweisungen dazu, und Happel relat. curios. III, 397. Thiele. Danm. Folkes. II, 308.

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210. Die Eiche auf dem Galgenberg.

Ähnliche Geschichte von der »Gertrudenlinde« bei Mölln: Heering, Bäume u. Wälder Schl.-H. (1906) S. 15 f. – Zur Wafferprobe der Hexe vgl. Urdsbr. 5, 187 aus Vaale b. Rendsburg.

Die Hexen trieben in der Umgegend von Eutin ihr Unwesen eine Zeitlang so stark, daß die Obrigkeit oft genötigt war welche hinzurichten. Es wohnte damals eine alte Frau in Eutin und da sie arm und häßlich war und einsam lebte, fiel auf sie der Verdacht der Leute. Als nun einmal die Nachbarn bemerkten, daß ein schwarzer Kater zu ihr ins Fenster kam und sie ihn freundlich streichelte, machten sie Anzeige; die Alte ward eingezogen und obschon sie hoch und heilig ihre Unschuld beteuerte, zum Tode verurteilt. Man hatte auf dem großen Eutiner See die Wasserprobe mit ihr vorgenommen und sie war wie eine Ente oben geblieben. Eine große Menge Menschen folgten ihr, als sie auf den Galgenberg hinaus geführt ward und hingerichtet werden sollte. Auf ihren Stock gestützt stieg sie weinend den Berg hinan; aber als sie oben war, stieß sie den dürren Stab in den vom Regen erweichten Boden und sprach, zu den Zuschauern sich wendend: »So wahr Gott weiß, daß ich unschuldig bin, so gewiß wird er euch davon ein Zeichen geben und diesen Stock grünen lassen.« Darauf litt sie den Tod; aber der Stock schlug bald aus, bekam Blätter und Zweige und ward ein Eichbaum, weit und breit in der Gegend bekannt als das Zeichen der Unschuld. Als der Berg vor einigen Jahren halb abgefahren ward, ist die Eiche durch einen Sturm umgestürzt und bald darauf ward auch die andere Hälfte des Berges fortgenommen.

Herr Schullehrer Kirchmann in Eutin. – Kuhn, Märk. Sagen Nr. 116. Bechstein, Thüring. Sagen III, 216. Derselbe, Fränk. Sagen S. 52.

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211. Der wachsende Pfahl.

Auf dem Nordermarkte in Flensburg steht ein Pfahl; den läßt der Magistrat in jeder Nacht abhauen. Aber jedesmal wächst er wieder aus der Erde hervor. Es ist das nämlich der Pfahl, mit dem einst ein unschuldiges Mädchen auf eine falsche Anklage hin lebendig gepfählt wurde.

Durch Herrn Fries in Apenrade.

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212. Der gottlose Edelmann.

Vgl. zu Nr. 17, 1.

Zwei Meilen von Eutin wohnte ein Edelmann; der war so ruchlos, daß, da er schon mit eigner Hand elf Menschen getötet hatte, er einmal schwur, er wollte des Teufels sein, wenn er nicht das Dutzend voll machte. Als er nun bald darauf halb trunken zu Eutin hinausgeritten kam, begegnete ihm von ungefähr ein Bauer, dem er gram war. Sogleich spornte er sein Pferd und rief: »Du kommst mir zur rechten Zeit und sollst der zwölfte sein.« Der Bauer rief Gott an in seiner Not und um dem Hiebe des Edelmannes auszuweichen, warf er sich hinter einem nahen Stein nieder. Der Edelmann sprengte in toller Wut auf ihn ein, stürzte und brach den Hals. Die beiden Vorderhufen des Pferdes mit dem Eisen sind bis auf den heutigen Tag zum Zeugnis göttlicher Strafe auf dem Steine zu sehen, wie der Herr Statthalter Heinrich Ranzau mit vielen andern bezeugt.

Heinrich Ranzau bei Westphalen I, 28.

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213. Der Frauenschuh im Stein.

Heim. 6. S. XIV; 17, S. V. Nieders. 1, 15.

Im Dingholze, ungefähr in der Mitte zwischen Flensburg und Kappeln, liegt an der Seite des Weges ein Stein, in dem die Form eines Frauenschuhs abgedrückt ist, wie diese nämlich in alter Zeit getragen wurden, lang und spitz, mit hohem Absatz. Man erzählt davon dieses:

Auf einem adligen Gute im östlichen Angeln sollte ein Leibeigener eines Vergehens wegen hart bestraft werden. Seine Frau bat die Herrschaft um Schonung oder um Milderung der Strafe, doch lange umsonst. Endlich aber sagte der Herr, ihr Mann solle frei werden, wenn sie noch vor Sonnenuntergang die Hälfte des Weges zwischen Flensburg und Kappeln abmessen und bezeichnen könnte. Das schien unmöglich, doch die arme Frau machte sich rüstig ans Werk und eilte auf Flensburg zu. Aber schon im Dingholze setzte sie sich ermüdet nieder, um auszuruhen, und als sie wieder aufstehen wollte, saß ihr Schuh in dem Steine, der da an der Stelle lag, fest. Da aber ahnte sie, hier müsse die Hälfte des Weges sein. Und das war ganz genau richtig. So aber hatte sie ihren Mann gerettet.

Durch Herrn Landmesser Nissen in Löstrup. Vgl. Nr. 252.

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214. Jochim von der Hagen.

Kristensen 3, 172. Jb. f. Ldk. 8. 220. 222. Heim. 6. S. XIV. 18, 182. – Entweihung der heiligen Zeit: Nr. 217; zu 559.

Auf Nübel in Angeln hat 1573 residiert einer namens Jochim von der Hagen. Dieser hat am Stillen Freitage mit seinen Hunden unter der Predigt am salzen Wasser gejaget, da sich denn der Teufel in Hasengestalt hat jagen lassen und als dieser Hase über den großen Stein bei Hattlund, worinnen die Fußstapfen noch heutiges Tages zu sehen sein sollen, gesprungen ist, haben sich die Windhunde an selbigem Stein den Hals gebrochen. Nochmalen hat sich der Hase wieder gewendet und ist wieder über denselbigen Stein gesprungen, deswegen die Fußstapfen kreuzweis hinüberlaufen. Als der Junker ihn mit seinem Pferde eifrig verfolget, hat er sich samt dem Pferde an sotanem Stein gleicher Weise den Hals gebrochen.

Majors Collectan Mskr. Fol. 9b nach Coronäus? – Jensen, Angeln S. 156. – Der Stein ist jetzt weggenommen. Er ist derselbe, den die Hexe aus Sundewitt herüber warf; sein Genosse lag bei der Düppelmühle: s. Nr. 424, 2. Thiele, Danm. Folkes. I. 238.

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215. Des Grafen Fußstapfen.

Bei Röest in Angeln soll ein großer Stein liegen mit der Fußspur eines Mannes. Denn einstmals gab es in der Gegend einen harten, ungestümen Grafen, der die Bauern besonders durch seine Jagden plagte: immer ritt er mit seiner Jägerei querfeldein durch Korn und Wiesen. Einmal als der Graf auch auf der Jagd war, mußte er bei jenem großen Steine absteigen und wie er den Fuß darauf setzte, hielt der Stein ihn fest und bis Sonnenuntergang mußte er in dem steinernen Schuh stehen, ob er gleich lieber gejagt hätte.

Mündlich durch Mommsen.

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216. Das Hufeisen im Stein.

Bei dem Gute Ludwigsburg liegt ein großer Stein in einem Steinwall mit der Spur eines Hufeisens. Denn vor vielen Jahren ritt einmal eines Morgens ein Mann des Weges und als die Betglocke schlug, fluchte er und sagte: »Mich soll der Tenfel holen, wenn ich heut abend nicht wieder hier zur Stelle bin, wenn die Glocke schlägt.« Er kam gerade zur rechten Zeit wieder dahin; aber als die Glocke schlug, trat sein Pferd auf den Stein und brach ein Bein; davon ist das Hufeisen noch da zu sehen.

Schullehrer Hessen in Westerbelmhusen.

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217. Der Stein auf dem Blotenberge.

In Eckhöft am großen Westensee wohnte ein überaus geiziger Bauer. Alle Tage mußte sein Gesinde die schwersten Arbeiten tun, und die Sonntagsfeier ward versäumt. In einem Frühjahr hatten einige Unglücksfälle den Mann noch mehr verbittert: ein paar Pferde waren ihm gestorben und er war daher etwas mit der Arbeit zurück; der Dünger aber sollte aufs Land gefahren werden, als gerade die Osterzeit eintrat. Am Vormittage des Grünen Donnerstages hatte ihn seine Frau dazu vermocht, die Leute zur Kirche gehen zu lassen. Aber am Nachmittage mußten sie desto schlimmer an die Arbeit. Als nun am Abend noch einige Fuder nachblieben, schwur der Mann, der Dünger solle am andern Morgen aufs Land gefahren werden, und wenn ihn auch der Teufel selber hindern wollte. Als die Leute am Morgen des Stillen Freitags zur Kirche gingen, lud der Bauer seinen Wagen und fuhr auf seine Koppel zu, die auf dem Blotenberge lag, dem höchsten Hügel der ganzen Gegend. Mit einem Male saß sein Wagen fest. Nachdem er lange gebetet und der Vormittag vorüber war, ging endlich der Wagen los und man hat lange den Stein da gezeigt mit der Wagenspur, der den Bauern festgehalten hatte. Dieser kam todkrank nach Hause, verlangte nach dem Prediger und starb noch an demselben Tage. – Auf dem Blotenberge ist es überhaupt nicht richtig; der Teufel haust da.

Durch Herrn Schullehrer Bahr in Wrohe. – Auch auf dem Tuteberg bei Westensee zeigte man einen Stein mit einer Wagenspur. Einer hatte am Sonntage Korn gefahren und war erst am Montag los gekommen. Meyer, Darstellungen S. 246.

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218. Roßtrappe bei Segeberg.

Vgl. Nr. 589. Stegelmann, Segeberg (1900) S. 20. Ähnliches wird von der Roßtrappe bei Bornhöved erzählt: Jb. f. Ldk. 8, 179. Nieders. 1, 118; auch von einem Stein in den Grander Tannen: Frahm, Stormarn (1907) S. 88.

Wenn man von Lübeck nach Segeberg kam und den Anberg (Alberg) hinauf ging, so sah man in einem großen platten Stein des altertümlichen Pflasters eine Vertiefung, die gerade wie die Spur eines Pferdes aussah; nur daß sie sehr groß war. In alten Zeiten nämlich, als noch Grafen auf der Burg wohnten, zog einmal ein feindliches Heer davor. Auf jener Stelle angelangt, sprach der Führer: »So gewiß mein Rappe seine Trappe im Stein läßt, so gewiß nehmen wir noch heute die Burg.« Er gab seinem Pferde die Sporen und sprengte davon; da war der Huf im Stein abgedrückt und die Burg ward an demselben Tage zerstört.

Mündlich durch Herrn Pastor Carstens in Elmshorn.

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219. Der Stein bei Hackelshörn.

Bei Hackelshörn, wo jetzt die Eisenbahn vorübergeht, liegt ein ziemlich großer, platter viereckiger Stein; der läßt sich nicht von seinem Platze bringen. Denn so oft man ihn auch fortgeführt hat, so lag er doch am nächsten Morgen jedesmal wieder an seiner Stelle. Auf dem Stein kann man die Spuren von vielen Tieren sehen, den Huf eines Pferdes, die Kralle eines Vogels, ja auch die Spur eines Menschenfußes. Man weiß nicht, wie diese dahin gekommen; aber in der Mainacht haben die Hexen früher hier ihren Tanzplatz gehabt.

Durch Herrn Dr. H. Schröder.

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220. Des Kindes Fußstapfen.

Dicht an der Breitenberger Kirche liegt ein Haus, wo einst ein glückliches Elternpaar wohnte, dessen größte Freude ihr einziges, blühendes Kind war. Aber das Kind ward krank und starb nach kurzem Lager. Die Trauer der Mutter war grenzenlos. Nächte und Tage saß sie weinend da, und wollte von keinem Troste hören; und es ward mit ihr nicht anders, wie lange Zeit auch verstrich. Da kam nachts das Kindlein in leibhaftiger Gestalt wieder zu ihr und sprach:

Nu laat dien Klagen on dien Ween!
Ik patte (trete) Lock dörch harden Steen.

Und damit verschwand es wieder, aber die Mutter weinte noch immer fort. An einem Morgen aber fand man in einem harten Felsstein, der auf dem Hofe lag, den völlig ausgetretenen Fußstapfen des Kindes. Die Eltern füllten ihn mit Erde aus; aber an jedem Morgen war die Spur wieder leer. Da ließ endlich die Mutter das Weinen, damit ihr Kind im Grabe Ruhe hätte. Es soll sich aber in dem Hause noch ein Balken befinden, aus dem zu gewissen Zeiten Blutstropfen hervorquillen und niederfallen. Der Stein ward später herausgenommen und in die Breitenberger Kirche vermauert, an deren Südseite bei der Pforte er noch mit dem kleinen Fußstapfen zu sehen ist.

Durch Herrn Ketelsen aus Breitenberg und Herrn Pastor Rehquate in Breitenberg an der Stör. – Kuhns, Mark. Sagen Nr. 234. – Zwischen Elmshorn und Horst auf der Horstheide liegt der sogenannte Bödenteich, wo ein Stein mit einer Fußspur eines Menschen und eines Schafes gezeigt wird.

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221. Die weinende Mutter.

Bolte 2, 486.

In Bornhövede lebte eine arme Witwe, die ihr einziges Kind über alle Maßen liebte. Doch das Kind ward krank und starb. Da wollte sich die Mutter gar nicht trösten lassen, sondern grämte sich und weinte Tag und Nacht. Erst nach vielem Zureden gestattete sie, daß das Kind begraben werde. Nach einigen Tagen, als die Frau, noch immerfort weinend, nach der Koppel ging, um ihre Kuh zu melken, bemerkte sie neben sich ein kleines Mädchen in einem weißen Kleide, das ihr immer zur Seite blieb, wohin sie sich auch wendete. Sie erschrak anfangs, erkannte aber bald ihr gestorbenes Töchterlein. Da sah sie, wie das Kind sich fortwährend bückte, um die Tränen, welche ihr aus den Augen fielen, in sein Händchen zu sammeln, die es dann, sie traurig anblickend, zum Munde führte und aufküßte. Nun erkannte die Mutter, daß durch ihre unmäßige Trauer sie dem armen Kinde keine Ruhe im Grabe lasse. Da kniete die Frau nieder, betete einmal inbrünstig zu Gott und weinte nicht mehr. Von dem Augenblick an war das Kind verschwunden.

Mündlich.

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222. Vicelins nasses Kleid.

Als der heilige Vicelin gestorben war, klagte und trauerte keiner mehr als sein Freund Eppo. Keiner konnte ihn trösten und viele Tage brachte er in Tränen und Seufzern hin. Da erschien in einer Nacht der heilige Mann einer keuschen, frommen Jungfrau und sprach: »Sage unserm Bruder Eppo, daß er aufhöre zu weinen; mir ist wohl; aber ich leide Schmerzen von seinen Tränen; denn sieh, ich trage sie alle in meinen Kleidern.« Dabei zeigte er sein Gewand von blendender Weiße und es war ganz naß von Tränen.

Helmold I, 78 (79); vgl. Grimms Kindermärchen etc. – Dies ist wohl das älteste Zeugnis des weitverbreiteten Glaubens?

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223. Der eingemauerte König.

Südwärts von Schleswig, bei Niederselk, liegt ein großer Hügel mit einem gewaltigen Riesengrab. Man nennt ihn den Könsee. Vor alten, alten Zeiten war hier nämlich ein König, der war gegen die Bauern hart und grausam. Schwere Schatzungen forderte er von ihnen und wenn sie nicht bezahlen konnten, ließ er ihnen das Brot vorm Munde wegnehmen. Da standen die Bauern auf und fingen ihn, und zur Strafe mauerten sie ihn bis an den Bauch fest in große Felsensteine und hängten über ihm ein Brot auf. So mußte er einen qualvollen Tod sterben. Lechzend hatte er die Zunge ausgestreckt und da er mit ihr das Brot eben berührte, ein großes Loch hineingeleckt. Als er tot war, schüttete man den großen Hügel über ihn auf. Darin sind noch die großen Felsensteine.

Durch Herrn Kandidaten Arndt. – Unsere Antiquare haben herausgebracht, daß im Könsee oder Kongsiehöi ein König Sigurd Falle begraben sein soll, der mit den Lodbroks Söhnen im 9. Jahrhundert bei Schleswig eine große Schlacht geliefert haben soll. Neues Staatsbürgerl. Magazin II, 629.

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224. Der Stein bei Seeth.

In Seeth, bei Friedrichstadt, wohnten einmal zwei Brüder. Der eine war reich, der andere arm. Der reiche war kinderlos, aber der arme war gesegnet mit sieben Kindern, für die er oft nicht wußte, wo das Brot hernehmen. Eines Tages kam die Mutter mit ihnen vor des reichen Oheims Tür und baten um Brot. Aber die Frau, die gerade allein zu Hause war, war ein hartherziges Weib, schnauzte sie an und sprach: »Was ziehst du herum wie eine Sau mit ihren Ferkeln? Schäme dich, du bekommst von mir nichts.« Verzweifelnd ging die Mutter mit ihrem Häuflein davon. Als abends nun der reiche Mann nach Hause kam und sich ein Stück Brot abschneiden wollte, da quoll Blut unter dem Messer hervor und das Brot war zu Stein geworden. Entsetzt sprach er zu seiner Frau: »Dies Zeichen bedeutet etwas; es ist heute Böses in unserm Hause geschehen.« »Davon weiß ich nichts«, antwortete die Frau, »nur die Schwägerin war hier mit ihren sieben, die hab ich abgewiesen.« »Da mußt du doch Sünde mit getan haben«, sagte der Mann und eilte nach dem Hause seines Bruders. Er fand unten niemand, wie er aber auf den Boden kam, da hingen da unter dem Dache sieben Leichen, die Mutter und sechs von den Kindern. Nur der älteste Sohn war entflohn und so dem entgangen, was die Mutter den andern Kindern angetan. Man konnte ihnen kein ehrlich Begräbnis geben, da sie auf diese Weise zu Tode gekommen waren; darum grub man alle sieben Leichen eben draußen vor dem Dorfe an der Landstraße ein, legte aber zum ewigen Gedächtnis einen Stein darauf, den man noch heute zeigt. Seine Inschrift aber ist jetzt schon ganz verwittert.

Durch Herrn Tamsen in Tondern.

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225. Das versteinerte Brot.

Es lebten einmal zwei Schwestern, von denen die eine sehr reich, aber dabei hartherzig und boshaft war, die andere aber hatte viele Kinder, und nicht einen Bissen in ihren Mund zu stecken. An einem Sonntagmorgen nahm sie einen gelben messingenen Kessel, das einzige wertvollere Stück, das sie noch besaß, über den Arm, und ging zu der reichen Schwester mit der Bitte, ihr darauf ein Brot oder etwas Korn zu leihen. Aber die hartherzige Schwester wies sie ab und sagte, sie hätte nichts im Hause. Als die andere aber dringend bat, schwur sie sogar, wenn sie etwas hätte, solle ihr Brot gleich zu Stein werden. Weinend ging die Frau zu einem Manne, der so gutherzig war und ihr auf den Kessel einen Scheffel Weizen tat. Unterdes kam der reichen Schwester Mann aus der Kirche zurück und da ihn nach dem weiten Wege hungerte, bat er seine Frau, ihm noch vor Mittag ein Butterbrot zu geben. Als diese nun zum Schranke ging, war das Brot schwer wie Stein und das Messer glitt ab, so oft sie es ansetzte. Da mußte sie ihrem Manne gestehn, was geschehen sei und was sie gesagt habe. Und von der Zeit an kamen sie immer mehr zurück, und mußten endlich ihr Brot betteln. Aber der Armen verhalf Gott zu ihrem Auskommen, so daß sie ihre Kinder ernähren und redlich erziehen konnte.

Aus Puttgarden auf Fehmarn. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 163. 362. 363. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 240. Kindermärchen II, S. 514 (5. Auflage).

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226. Das liebe Brot.

Philippsen, Sagen v. Föhr S. 77. Vgl. zu Nr. 33.

Bei Galhus im Gute Schackenburg ist eine tiefe Wiese. Ein Mädchen holte aus der Stadt (Mögeltondern) für ihre Mutter Brot. Aber der Rückweg war tief und das Mädchen war geputzt und hatte neue Schuhe an, denn es war Sonntag. Wie sie nun an eine Pfütze kam, legte sie die Brote hinein und trat darauf, um trockenes Fußes hinüber zu kommen; aber die Brote wichen unter ihren Füßen und sie versank vor den Augen der Leute, die sie zu retten herbeigekommen waren, indem sie sie vor Hochmut warnte und vor der Verachtung des lieben Brotes.

Volksbuch 1844, 91. – Früher konnte man von Amrum nach Sylt gehen, über einen hingelegten Pferdekopf, oben Nr. 33; ein Mädchen gebrauchte dazu einmal ein Brot und versank in der Rinne. Herr Hansen auf Sylt. – Grimm, Deutsche Sagen Nr. 235 f. Kuhn, Märk. Sagen Nr. 233. Thiele, Danm. Folkes. II, 17, 309 f.

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227. Knaben in Stein verwandelt.

Vgl. Nr. 219 und zu 148.

Auf der Feldmark von Holmfeld, im Kirchspiel Nortorf, stehen dicht nebeneinander zwei große hohe Steine. Das sind einst zwei Knaben gewesen. Die hatten nämlich Brot geholt, als sie aber an diese Stelle kamen, entzweiten sie sich und warfen mit der Gottesgabe nach einander. Sogleich wurden sie zu Stein verwandelt und stehen noch bis auf den heutigen Tag unverrückt an ihrer Stelle. Man hat vor Jahren einmal die Steine auseinander gebracht und versetzen wollen, aber sie wanderten gleich wieder an ihren vorigen Platz. So sagen alte Leute in der Dorfschaft und der Umgegend; die Geschichte ist im Munde aller, die da zu Hause sind.

Herr Schullehrer Rohweder in Thienbüttel.

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228. Das errötende Bild.

Mein Freund Storm erzählte mir:

Im großen Rittersaal des Husumer Schlosses waren noch in meinen Knabenjahren die Wände dicht mit alten Ritterbildern behangen, meist in Lebensgröße. Darunter war auch das Bild eines Ritters, das mußte rot werden, wenn man's fest anschaute; wir Knaben machten uns oft dies Vergnügen, aber immer mit heimlichem Grauen. Jetzt sind alle Bilder nach Kopenhagen geschafft, und man weiß nicht, ob das Bild da noch so verschämt geblieben ist.

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229. Die Tänzerin.

1.

Kohl, Reisen in Dänemark (1846) 1, S. 230 f. Heim. 4, 214 u. oft sonst nach Müllenhoff. Hebbel »Der Tanz«, Romanze nach einer Eiderstedter Sage (1832) in Werners Ausg. 7, 72 u. 411.

Bei einer großen Hochzeit auf dem alten adligen Gute Hoierswort in Eiderstede war unter den Gästen auch eine Dirne, die war die flinkste Tänzerin weit und breit und sie konnte vom Tanzen gar nicht lassen. Die Mutter warnte; aber sie sprach übermütig: »Und wenn der Teufel mich selbst zum Tanze auffordert, so schlüg ich es ihm nicht ab!« Augenblicks kam ein Unbekannter zur Türe herein und forderte sie zum Tanze auf. Das war aber der Teufel, mit dem sie zu tanzen versprochen. Er hat sie so lange herumgeschwenkt, bis ihr das Blut aus dem Munde brach und sie tot hinfiel. Die Blutspuren in dem Saale sind unvertilgbar. Die Dirne selbst aber hat noch keine Ruh. In jeder Nacht um Mitternacht muß sie aus dem Grabe in den Tanzsaal, eine höllische Musik bricht los und das ganze Schloß hüpft auf und ab. Jeden, der zufällig eine Nacht in dem Saale schläft, fordert sie zum Tanze auf; noch hat's keiner gewagt mit ihr zu tanzen. Tut's aber einmal ein Christenmensch, so ist sie erlöst. Einen jungen Mann, der auch ein wilder lustiger Geselle war, hat sie einmal so erschreckt, daß ihm für immer die Lust an Gelagen verging, und wenn er nur Violinen hörte, er meinte, den Spuk wieder zu hören.

Husumer Wochenblatt 1837, Nr. 5. Durch Herrn Hansen auf Sylt, und aus Dithmarschen.

2.

Jb. f. Ldk. 4, 151 plattd. aus Klempau in Lauenburg. Heim. 9, 66 aus Bergenhusen.

Zwei Mädchen gingen miteinander zum Abendmahl. Als sie es eben genossen und noch um den Altar herumgingen, fragte die eine die andre: »Gehst du heut abend mit zur Hochzeit?« »So sprich doch nicht davon«, antwortete die Gefragte; aber die andere fuhr fort: »Ich will hin und mich einmal recht satt tanzen; ich könnte mich heute wohl tot tanzen.« Als sie abends zur Hochzeit ging und im besten Tanzen war, kam ein schöner, langer, junger Herr in die Tür, den keiner kannte, forderte sie zum Tanze auf, und tanzte anfangs ganz ordentlich; dann aber immer toller und toller, und wenn die Musikanten ihre Pausen machten, ging's mit den beiden fort ohne Aufhören. Da ward's den übrigen Gästen unheimlich und sie ließen einen Gesang aufspielen, um sie zum Stillstand zu bringen. Aber der Fremde tanzte mit dem Mädchen zur Tür hinaus und verschwand; das Mädchen aber fand man in einer Mistpfütze, wo sie vor den Augen der Gäste versank. Man glaubte, ihre Mutter habe das Mädchen schon als Kind dem Teufel verkauft. – Nach andern soll der Teufel sie in seiner Kutsche mit vier schwarzen Pferden fortgeführt haben.

Mündlich aus der Gegend von Eckernförde; ebendaher aus Hummelfeld unvollständig durch Kandidaten Arndt. – Aus Oldesloe: Ein Mädchen war zum Abendmahl gewesen. Nachmittags war Tanz im Dorf; sie sagt, sie wolle sich mal recht satt tanzen, tanzt immerfort, bis ein Mann in schwarzem Kleide sie auffordert und mit ihr zur Tür hinaus tanzt, wo er sie auf dem Mist stehen läßt. Ihre Freundinnen versuchen es umsonst, sie heraus zu ziehen, dann auch die jungen Bursche, dann endlich auch der Priester, weil er nicht den rechten Glauben hatte. Erst einem zweiten rechtgläubigem Priester gelingts, sie zu befreien. Vgl. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 198. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 208. Mones Anzeiger VIII, 65; vgl. unten Nr. 256. 258 und das Lied bei Erlach IV, 165; vgl. 148.

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230. Der verwünschte Geiger.

Im Kirchdorf Bröns, zwei Meilen südlich von Ripen, waren an einem Sonntagabend mehrere Mädchen und junge Leute versammelt und hatten große Lust zum Tanzen. Wer es war kein Geiger zur Stelle und man wußte augenblicklich nicht, woher man einen bekommen sollte. Ärgerlich sagte endlich einer: »Ich will schon einen Musikanten schaffen, und sollt's der Teufel selber sein«, und damit ging er auf gut Glück hinaus. Kaum war er draußen, so begegnete ihm ein alter Mann mit einer Geige unterm Arm. Beide wurden schnell einig und der Alte ward in die Gesellschaft geführt, fing an zu spielen und das junge Volk begann zu tanzen. Aber der Geiger strich immerfort und die Tänzer tanzten ohne Aufhören und keiner konnte zum Stillstand kommen. Da mußte der Prediger erst geholt werden und einige ernste Worte zum Spielmann sprechen; worauf dieser verschwand.

Herr Dr. Reimers auf Gramm.

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231. Der Teufel holt den Letzten.

An einem Müller, der beständig flucht: »Der Teufel soll mich reiten!« macht der Schwarze das Wort wahr; er muß sich von ihm mit Sporen und Reitpeitsche bearbeiten lassen und die immer schwerer werdende Last bis zu seinem Hause tragen; seitdem flucht er nicht mehr: Heim. 4, 74 aus der Gegend von Apenrade. Vgl. Nr. 296. Kristensen 6, 640. Fischer, Slesv. Folkes. 412. – Eine alte Frau, der der Weg von Pinneberg nach Barmstedt zu weit wird, wünscht, daß ein Wagen sie mitnehme, »un wenn dat de Düwel sölbn weer!« Ein Kutscher nimmt sie auf und fährt mit ihr in rasendem Galopp weiter; sie sieht schließlich seinen Pferdefuß und springt ab; da ist sie an derselben Stelle, wo sie aufgestiegen war: Heim. 24, 30 aus der Herrschaft Pinneberg.

Maeß Anneken Herken war ein wohlhabender, aber gottloser Bauer zu Epenwörden bei Meldorf. Nicht anders war sein Bruder Maeß Anneken Hans gewesen und ihr Vater. Aber dieser und darauf auch jener ertranken an der Mielbrücke nacheinander, als sie einmal von Meldorf nach Hause wollten. Eines Tages war Maeß Anneken Herken auch nach Meldorf geritten, um allerlei einzukaufen. Er brachte aber den ganzen Tag zu in Schwelgen und Saufen, ließ sich in jeder elenden Schenke sehen und führte gotteslästerliche Reden. Als er darauf bei Nacht nach Hause wollte, gab man ihm einen Knaben zum Geleit mit und setzte ihm ihn hinten aufs Pferd. Eben draußen vor Meldorf befahl ihm aber Maeß Anneken Herken abzusteigen und wieder umzukehren, ritt allein weiter und rief: »Der Teufel hole den Letzten.«

Am andern Morgen, da man ihn im Dorfe vermißte und an die Mielbrücke kam, sah man weiter südwärts den Strom hinunter sein Pferd ledig stehen. Man untersuchte den Ort und fand bald den Toten, der noch einen kleinen Korb über dem Arm hatte. Was da in der Nacht geschehen, weiß zwar niemand zu sagen, aber viele wußten, daß am Tage zuvor bei hellem Mittag ein schwarzer Reiter mit seinem Pferde da hinein geritten sei; und wo dieser weiter geblieben, hatte niemand gesehen.

Neocorus II, 334.

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232. Die Teufelsbrücke.

Zwischen Ohrfeld und Koppelheck in Angeln ist in einer ziemlich tiefen Schlucht eine Brücke. Ein Knecht von Ohrfeld war zur Schmiede nach Koppelheck geritten. Er war ein toller Reiter und Waghals, man warnte ihn in der Schmiede. Er aber verfluchte sich; der Teufel möge ihm den Hals brechen, sagte er, und so ritt er weg, aber stürzte von der Brücke und brach das Genick. Die Brücke heißt nun seit der Zeit die Teufelsbrücke.

Durch Herrn Pastor Jensen in Borne.

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233. Der Teufel und die Soldaten.

Detlefsen Gesch. der Elbmarschen 2, 441.

Im Anfange des Jahres 1686 spielte ein gemeiner Soldat in Glückstadt auf der Hauptwache mit seinen Kameraden Würfel. Nachdem er nun alle seine Barschaft verspielt, haben ihn die, so ihm sein Geld abgenommen, gebeten, er möchte bis zu einer andern Zeit das Spielen anstehen lassen, er könnte jetzt doch nichts gewinnen. Der Soldat aber wollte vom Spielen nicht nachlassen, sondern ergab sich durch harte Schwüre vielfältig dem Teufel, daß er dessen eigen sein wollte, wo er das verlorne nicht wieder gewönne. Indem aber die Uhr schlug, ward er auf seinen Posten abgefordert und mußte Schildwacht stehen. Da kam alsobald ein abscheuliches Tier in Gestalt eines grausamen Bären auf ihn zu. Der Soldat rief zwei- bis dreimal: »Wer da?« Das Tier hat ihm darauf geantwortet: »Ich bin's, nämlich der Teufel, dem du dich diesen Abend ergeben hast.« Der Soldat geriet in große Angst, aber in seinem Gewissen gerührt, nahm er zum Gebete seine Zuflucht. Und obschon der böse Geist ihm sehr hart zugesetzt, hat er ihn doch endlich vertrieben. Er hat es nachgehends seinen Oberoffizieren nicht allein bekannt, sondern auch selber zur Tröstung seines Gemüts dem dortigen Hofprediger mit Tränen gebeichtet und seine Sünde bereuet; welcher dann dies Exempel in einer absonderlichen Predigt allen andern unbedächtlichen Flüchern vorgestellt, und sich vor dergleichen zu hüten eifrig ermahnet. – Im Monat Februar desselben Jahres holte der Teufel aber in einer Stadt unseres Landes leibhaftig einen wohlhabenden Bürger derselben, weil dessen siebenjähriges Paktum zu Ende war, also daß die ganze Gasse, woselbst er wohnte, erschrecklich dabei erschütterte.

Im Jahre 1678 kam der Teufel auch in Glückstadt zu einem Soldaten, der Schildwacht stand, und bot ihm Geld an. Da dieser aber solches nicht annehmen wollte, hat jener ihn dermaßen abgedroschen, daß er für tot zur Erden niedergelegen und ihm alle Haar aus dem Kopf gerissen worden.

Theatrum Europaeum. Teil XII, S. 1143, 1144, Teil XI, S. 1449.

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234. Der Teufel und die Kartenspieler.

1.

Kähler, Das Stör-Bramautal (1905) S. 255. Zur Entdeckung des Teufels vgl. Nr. 412. Pudel als Teufelsbote beim Kartenspiel: Kristensen 6, 466.

In Stellau lebten drei Brüder in einem Hause; die hatten weder Eltern, noch Großeltern, noch Frau, Kind, Magd oder Knecht bei sich, sie lebten ganz allein. Sie ackerten, melkten, kochten und taten alles ohne fremde Hilfe. Einst an einem Weihnachtsabend saßen sie so beieinander; sie hatten nicht viel zu sprechen und kamen auf den Einfall, durch ein Spiel Karten die Zeit zu vertreiben. Ein alter Knecht aus der Nähe, einer ihrer wenigen Freunde, kam zu ihnen und sie fingen an. Gewinn und Verlust machte die Vier bald immer hitziger; sie vergaßen den Weihnachtsabend, sie spielten die Nacht hindurch, dann den ersten Weihnachtstag, die folgende Nacht, dann auch den zweiten Weihnachtstag, die Augen fielen ihnen vor Müdigkeit zu; aber an ein Aufhören war nicht zu denken. Da am Abend des dritten Tages bekamen sie unversehens einen fünften Mitspieler, ohne daß sie wußten wie. Nun begann das Spiel erst recht zu rasen; der Einsatz ward verdoppelt, verdreifacht, Hab und Gut standen darauf, so ging's wieder bis an den lichten Morgen. Da verlor einer der Brüder seine Karte, nahm das Licht und suchte unter dem Tische. Aber entsetzt fuhr er zurück und schrie: »Hilf Himmel, der leibhaftige Satan!« Da verschwand der fünfte Mitspieler, der an seinem Pferdefuß erkannt war, mit entsetzlichem Geräusche und ließ einen Gestank zurück, der noch lange nachher nicht aus dem Hause weichen wollte. Die vier Spieler aber gaben alles wieder zurück, was sie aneinander verloren hatten, vergruben das Geld des Teufels und haben seit dem Tage keine Karte wieder angerührt. Die Geschichte wäre nie ruchbar geworden, wenn nicht der alte Knecht sie endlich verraten hätte.

Durch Herrn Ketelsen auf Breitenburg.

2.

Kristensen 6, 471 f. Fischer, Slesv. Folkes. 361 ff. Heim. 4, 22 aus Hohenwestedt; 4, 75 aus der Gegend von Apenrade. In der Schenefelder Kirche sollen einmal drei Bauern die ganze Nacht auf der Kanzel »Solo« gespielt haben; der Teufel gesellt sich hinzu; als sie sich erzürnen, reißt er ihnen die Köpfe ab, hängt die Eingeweide über die Kirchenbänke und nimmt die Bauern mit in die Hölle; die Karten zerreißt er und streut sie umher. (Mündlich aus Schenefeld.) Vgl. Nr. 267. Wisser S. 277. Zur Beschwörung vgl. zu 305, 1.

Südlich im Dorfe Hellewadt, hart an der Landstraße, die von Apenrade nach Lügumkloster führt, liegt das Wirtshaus Klöveres (Treff-As). Diesen Namen erhielt es von folgender Geschichte. Ehemals war hier nicht die beste Wirtschaft und es ward viel Karten gespielt. So saß auch einmal an einem Winterabend eine Gesellschaft beisammen und an Flüchen und unziemlichen Reden fehlte es nicht; besonders ward häufig der Teufel angerufen, als unerwartet und von niemand bemerkt ein Handwerksbursche in die Stube kam und sich unter die Spielenden setzte. Bald wandte sich alles Glück auf des Fremden Seite und die übrigen kamen dadurch nicht in die beste Laune. Da fiel einem eine Karte unter den Tisch: das war gerade Treff-As, und wie er sie wieder aufnehmen wollte, bemerkte er, daß der Fremde einen Pferdefuß hatte. Stillschweigend legte er seine Karten hin und ging fort, ohne etwas zu sagen. Das fiel den andern auf und als ein zweiter nun absichtlich eine Karte fallen ließ und dasselbe bemerkte, ging auch er dem andern nach. So machtens auch die übrigen und der Teufel saß am Ende allein in der Stube. Der Wirt war in großer Verlegenheit. In seiner Angst schickte er zum Prediger, um den Bösen zu bannen. Der Prediger kam mit drei Büchern unterm Arm, aber zwei schlug ihm erst der Teufel mit seinem Fuße aus der Hand; das dritte hielt er zum Glücke fest. Nun ließ der Prediger sich von den Wirtsleuten eine Nadel geben, machte damit ein Loch ins Fensterblei und durch Lesen aus dem Buche zwang er den Unhold da hindurch zu schlüpfen und das Weite zu suchen.

Dannevirke 1843, Nr. 53. Durch Herrn C. Petersen in Hellewadt und Herrn H. Petersen in Soes. Nach letzterem gebraucht der Prediger einen Stock statt der Nadel. – Unvollständig durch Kandidat Arndt mitgeteilt auch aus Esprehm bei Schleswig; mündlich auch aus Wakendorf; die Geschichte soll da bei einem Marketender zur Zeit des Kanalbaues passiert sein. Auch in Dithmarschen in einem Wirtshause bei Heide oder Weslingburen. Letztere Verston ist dadurch merkwürdig, daß vom Fluchen etc. keine Rede ist, sondern der Teufel aus besonderer Lust und Liebe zum Kartenspiel sich einfindet. In allen entweicht der Teufel durchs Fenster und hinterläßt Gestank. Von der Nadel ist nicht die Rede. Auch aus der Horst bei Elmshorn, wo der Teufel gebannt wird trotz der Vorwürfe, die er auf den Prediger zu bringen weiß, ganz so wie in Nr. 410. Thiele, Danm. Folkes. II, 79. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 467, 468. Kuhns, Märk. Sagen Nr. 152.

3.

Fenster, das immer wieder entzwei ist: Kristensen 4, 909.

In der Kieler Nikolaikirche spielten während der Predigt die Chorknaben in einem Winkel hinter der Orgel Karten; einer fluchte sogar dabei. Da ist der Teufel gekommen und hat ihm den Hals umgedreht (oder ihm so an die Ohren geschlagen), daß das Blut an die Wand spritzte, und darauf ist er mit ihm zum Fenster hinausgefahren. Der Blutfleck ist noch zu sehen und durch kein übertünchen wegzubringen. Das Fenster kann auch nicht wieder eingesetzt werden; denn gleich ist es wieder entzwei.

Soll auch in Rendsburg und im Schleswiger Dom passiert sein; doch erzählt man auch, der Teufel habe dem bösen Jungen an der Kirchentür aufgepaßt und ihn, als er herauskam, an die Wand geschleudert. – Mündlich. – Vgl. Reusch, Samland Nr. 11. Thiele, Danm. Folkes. I, 229.

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235. Der Freischütz.

Vgl. Nr. 568. Entwenden der Oblate beim Abendmahl: Nr. 317. – Der Wilddieb Eydi in Lütjensee goß sich in jeder Johannisnacht Freikugeln aus dem Blei der Kirchenfenster. Frahm 202 f. Brügmann, Sagen Lütjensees S. 29. – Fischer, Slesv. Folkes. 229 ff.

Der letzte Herzog zu Glücksburg hatte einen Jäger, der so lange als er in seinem Dienste gewesen, durchaus kein Wild getroffen hatte. Darüber verdrießlich, verabschiedete der Herzog ihn. Traurig ging der Jäger davon, nicht wissend, wie er sich ernähren sollte; er konnte es überhaupt gar nicht begreifen, wie es zugehe, daß er jetzt gar nichts treffen könne, da er doch früher ein guter Schütze war. Voll von solchen Gedanken, ging er durch das Gehölz Trimmerup, als ihm ein altes Mütterchen begegnet. Sie fragt ihn, was ihm fehle, und er erzählte ihr alles. »Dem ist aber leicht abzuhelfen«, sagte sie, »wenn du zum Abendmahl gehst, nimm nur die Oblate hinter dem Altar wieder aus dem Mund und hänge sie, wenn du nach Hause kommst, in einen Baum und schieße darnach. Dann wirst du sicherer treffen als jemals.« Der Jäger tat, wie ihm geraten war. Und darauf ging er wieder zum Herzog und sagte, er habe sich im Schießen geübt, treffe immer und wolle gerne wieder in seinen Dienst. »Wir wollen versuchen«, sagte der Herzog, »nimm deine Flinte und komm mit in den Wald.« Als sie nun über die Brücke gingen, sah der Herzog drei wilde Enten über sie hinfliegen; er machte den Jäger darauf aufmerksam und sagte, er solle eine davon schießen. »Welche?« fragte dieser. »Den Enterich«, sagte der Herzog. Der Jäger legte an, schoß, und der Enterich stürzte zu ihren Füßen. Da ward dem Herzog unheimlich, denn der Böse mußte da mit im Spiele sein. Er sagte daher zum Jäger: »Ich kann dich nicht gebrauchen, du schießt besser als ich«, und ließ ihn wieder gehn. Und kurz darauf fand man des Jägers Hut unter der roten Brücke und seinen Leib gevierteilt hundert Schritte davon, unter den Erlen, die nicht weit vom Wege stehen.

Durch Herrn Schullehrer Boysen in Bistensee. Thiele, Damn. Folkes. I, 204, 320.

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236. Der betrügerische Wirt.

Eine Parodie darauf ist Nr. 616.

Dree Handwarksbursen köumen enmal innen groot Holt un verbistern dar in. Se löpen hin un her, inne Kruz un Quier un kunnen ne weller herut finden. Tauletz as se fœr Mödigheit ne mier gaan un staan kunnen, leggen se sik ünnern Boom daal und dachen: »Hier will wi starwen.«

Dar köum de Bös tau êr un sä: »Wenn ji mien sien wüllt, so will ik ju helpen.« »Nä«, sä'n se all dree, »dat wüll wi ne; lewer wüll wi starwen.« Dar sä de Düwel: »Ik will ju uk helpen, wenn ji mi tau'n lebendigen Minschen verhelpen wüllt.« »Wo künn wi dat?« fröugen de Handwarksbursen. De Düwel sä: »Ji schüllt nu en Tied lang wider niks seggen, as de een wir drei, de anner ums Geld, un de drörre das ist recht. Dat schüllt ji so lang seggen, bet ji mi tau'n lebendigen Minschen verholpen hebbt.« Dar sä'n de dree: »Dat künnt wi woll, wennt wider niks is.« Dar geef de Bös êr so vel Geld, as se man êwen flxpen kunnen, un wies êr ut't Holt na en Wiertshuus. Dar sä de Wiert: »Was beliebt, meine Herrn? Befehlen Sie zu essen und zu trinken?« »Wir drei«, sä de een. »Ums Geld«, sä de anner. »Das ist recht«, sä de drörr. As se nu wat êten harrn, fröug de Wiert, op se uk tau Bett wulln, dar sä de een weller »Wir drei«, un de anner »Ums Geld«, un de drörr »Das ist recht.« De Wiert verwunner sik un fing an, allerlei mit êr tau sprêken, kunn awer wider niks ut êr herutbringen, as »Wir drei«, »Ums Geld«, »Das ist recht.«

Dar wier bi den Wiert uk en Koopmann ankiert, de vêl Geld bi sik harr; dat lach den Wiert rech inne Ogen, un as he nu mark, dat de dree Handwarksbursen wider niks seggen kunnen, as »wir drei, ums Geld, das ist recht«, dar köumen em böse Gedanken. Dar bröch he inne Nach den Koopmann um un nöum sien Geld, un den annern Morgen maak he Larm, de Koopmann wier ümbröch un dat harren de dree Handwarksbursen daan. Dar wörren se fastnamen un köumen in Vörhüer un de Richder fröug er: »Habt ihr den Kaufmann umgebracht? Dar sä de een: »Wir drei«, de anner »Ums Geld«, un de drörr »Das ist recht.« »Nä«, sä de Richder, »wie sollte das wohl recht sein! Warum habt ihr das getan?« Un de Handwarksbursen antwuurden weller: »Wir drei, ums Geld, das ist recht.« Wider kunn de Richder niks herut bringen. »Nu«, sä he, »Ihr habt gestanden, euer vieles Geld zeugt wider euch; übermorgen sollt ihr hängen.«

So lang harren de dree Handwarksbursen noch gauden Maud hatt; as awer de letz Nach heran köum, dar wiern se doch in Ängsten, awer kener harr dat Hart, wat anners tau seggen, as he laast harr. Dar köum de Bös in êr Gefängnis un sä: »Morgen schöllt ji richt warren; wenn ji nu den Strick ümme Kêhl hebbt, so roopt: »Gna', wi sünd ünschüllig, de Wiert hett den Koopmann ümbröch, de Mann in rood Scharlaken is uns Tüg! denn kaam ik un will ju helpen.«

As nu Morgen wörr, wier de Wiert uk nieschirig, wo dat aflopen dä. He leet anspannen un föhr hin na'n Richtplatz. Dar stell sik en Mann in rood Scharlaken dich bi em un as nu de dree Handwarksbursen röupen: »Gna', wi sünd ünschüllig, de Wiert hett den Koopmann umbröch, de Mann in rood Scharlaken is uns Tüg«, un de Wiert nu sä: »So schall mi de Düwel halen, wenn dat waar is«, dar kreeg de in sien rood Scharlaken em mit twee Finger tausaten un fahr mit em dörch de Luff. De Wiert awer leet noch en Schau un dree Blautdröppen fallen un de dree Handwarksbursen wörren frielaten un reisten wider.

Durch Schullehrer Knees in Neumünster aus der Gegend von Oldenburg, vgl. oben Nr. 174. – Dieselbe Sage zuerst wohl in David. Chytraei epistola bei Samuel Meiurgius de Panurgia lamiarium. Hamborg 1587, 4. Luther in seinen Tischreden erzählt auch diese Geschichte.

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237. Der diebische Müller.

Einem anderen Müller, der mit dem Teufel über eine Wassergrube auf der Teufelskoppel bei Alt-Bülk streitet, dreht er den Hals um und wirft ihn in die Kuhle. Läuft dort jetzt jemand über das Eis, so ertönt unten ein Klopfen. Das ist der Müller, der warnt die Leute vor dem Teufel: Jessen u. Kock, Heimatbuch des Kreises Eckernförde (1916) S. 193. Vgl. auch Nr. 256.

Ein böser, gottvergessener, diebischer Müller wollte keinen christlichen und ehrlichen Umgang mit seinen Nachbarn halten, sondern wenn sie im Wirtshaus waren, ging er lieber aus die Mühle und untersuchte die Säcke der Bauern; denn ihm schien, daß er dann die beste Gelegenheit dazu hätte. Was geschah aber am St. Martinstage? – Der Teufel kam leibhastig zu ihm in die Mühle und sagte: »Nun, Gevatter, was machst du da? Ich verstehe, du machst dir ein Geschäft in fremden Taschen: wir wollen nun einmal zusammen mahlen!« Damit hub er den Mühlenstein auf und steckte den Müller darunter, machte die Mühle los und mahlte ihn zu Brei. Diese Geschichte ward übers ganze Land bekannt und seit der Zeit wollen die Müller kein Korn mehr mahlen am Martinstage.

Helvader. Calendar Nov. 11. Thiele II, 79

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238. De Möller von de Brakermoel.

Zum Begräbnis vgl. Nr. 411. Als der böse Amtsschreiber Ries in Apenrade begraben wurde, war der Sarg so schwer, daß die vier stärksten Pferde den Wagen nicht ziehen konnten. Auf dem Sarg saß ein Rabe und schrie. Als der aber wegflog, war der Sarg plötzlich leicht und erwies sich beim Öffnen als leer: Kristensen 5, 815; vgl. 2 J, 171 (aus Soes). – Pferd hinten versengt: Nr. 467. 468.

En gode half Stunn von de Stadt Eutin da ligg'n Mœl, de Brakermœl. Up diß Mœl da waan vœr olen Tiden en Möller; de besöp sik all Dag, spel all Sünndag un ünner de Predig Kaarten un fluch dabi, dat em de Ogen innen Kopp bestaan blewen. All de arm Lüer, de em dat Koorn to Mœl bringen mütten, bedrög he mit de Matt un mennig arm Wittfro, de'n Schepel Koorn to Mœl bröch, kreeg man en halm waller (wieder).

Dat Ding güng so lang good, bet de Möller störf. Morns, as he begrawen warrn schull, kömen ach Dräges un all de Folges in de Mœl to hoop. As nu de Liek up den Wagen sett warrn schull, wörrn veer von de Dräges und Folges likenblaß; denn se segen en groten, swarten Kater mit fürigen Ogen up dat Sark sitten. Diß veer dat weern Sünndagskinner. De ach Dräges faten bat Sark an, sä'n: help Gott! un boeren to, se kunnen abers dat Sark nich rippen no rögen. Do faten noch ach von de Folges mit an un sä'n: Help Gott! un all de söstein Mann kunnen dat Sark nich rögen. Do röp een von de Dräges: »Nu, in dree Döbelsnamen!« un nu kregen se dat Sark gans flêrig (leicht) uppen Wagen. Den Möller sien veer swarten Pêr schulln denn do em na'n Karkhos teen; abers se bruken up den Weg hup'm (reichlich) dree Stunnen, den jeder ool Fro in een Stunn krupen kann. De veer Sünndagskinner segen den swarten Kater noch jümmer up't Sark liggen. As nu de Likentog in de Stadt köm, leeg so vêl Schuum up de swarten Pêr, dat de Stadtlüer êr soer Schimmels ansegen. Foer de Karkendœr boeren de söstein Mann dat Sark weller vonnen Wagen, abers do all de Folges uk mit angrepen, weer dat, as wenn se hundertdusend Pund höllen, un kregen dat Sark nich inne Kark herin. Nu müß de Prester kamen un sien Rêd voer de Dœr holen. Na de Kuhl kunnen de Söstein dat Sark flêrig drêgen? se setten dat Sark in de Kuhl un de Sünndagskinner segen den Kater noch baden up sitten; as abers Eer upsmêten wörr, güng de Kater na't Sark herin.

Nich lang'n dorna reed de Buervaag ut Klenzau laat ut de Stadt, as de Klock êben twölf slagen harr. Do köm he bi de Brakermœl dörch de Au. Inne Mœl weer't ganz düster, he hör abers noch wat kloppen un dach bi sik: »Wer schul! hier noch so dat Tüg afkloppen?« He kunn innen Düstern nüms sehn un röp: »Goon Aben! wat wasch ji hier noch so laat?« »Wi wasch den Möller, den Koorndeef, den Duß (Staub, Schale des Korns) ut de Seell« antwoort em een. »Na«, seggt de Buervaag, »dat geit ok, wenn de Loog man good is.« »Wullt du se mal pröwen?« segg waller een un göt em achter wat up't Pêrd. Do löp dat Pêrd, wat dat lopen kunn, un stünn nich eer still, as bet dat in't Huus weer. Den annern Morgen beseeg de Buervaag sien Pêrd un da weer Huut un Haar achter afbrennt.

Nach Herrn Schullehrer Kirchmanns in Eutin schriftlicher Mitteilung und in Firmenichs German. Völkerst. 1, S. 44.

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239. Der Müller ohne Sorgen.

Bolte 3, 224.

Der König kam einst durch Dithmarschen und bei eines Müllers Haus vorbei, an dessen Tür stand geschrieben: » Ich lebe ohne Sorgen.« Der König ließ den Müller sogleich zu sich kommen und fragte ihn, wie er sich's einfallen lassen könnte, das über seine Tür zu schreiben, da er, der König selber, es nicht einmal von sich sagen könnte. Der Müller antwortete, es wäre nun einmal so und ließe sich nichts dabei machen. »Nun«, sagte der König, »so komm er morgen früh nur einmal zu mir; dann will ich an ihn drei Fragen tun und kann er die beantworten, will ich's ihm glauben.« Am andern Morgen kam der Müller. »Guten Morgen, guter Freund«, sprach der König, »was meint er, was ich denke in diesem Augenblick?« »Ihr meint«, antwortete der Müller, »der Müller kommt«. »Allerdings«, sagte der König; »aber wie schwer ist wohl der Mond?« »Höchstens«, antwortete der Müller, »vier Viertel, und wenn Ihr es nicht glauben wollt, müßt Ihr selbst nachwägen.« »Und wie tief ist das Wasser?« fragte der König wieder und der Müller antwortete: »Einen Steinwurf«. Da lächelte der König und sagte: »Höre er, Müller, er ist ein Schalk; aber wenn er mit Allem so schnell fertig werden kann, ist's kein Wunder, daß er keine Sorgen hat.« Der König beschenkte den Müller reichlich und sind ihr Lebtage gute Freunde geblieben.

Mündlich aus Marne.

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240. Die aufrichtige Lüge.

Vgl. Wisser, plattd. Volksm. 187. 99. Wat Grotm. Verteilt 3, 25. Bolte 2, 511.

Ein Spitzbube ward gefangen. Der Amtmann wollte ihn henken lassen. Als der Mann ihn aber bat, sagte er ihm das Leben zu, wenn er eine aufrichtige Lüge erfinden könnte. Der Spitzbube sagte, es wäre nichts leichter als das. »Ein altes Weib«, fing er an, »pflanzte auf den Misthaufen drei Körner, ein Weizenkorn, ein Haferkorn, ein Buchweizenkorn. Da verging das Weizenkorn, da verschwand das Haferkorn; aber eine Buchweizenstange wuchs hervor und wuchs bis in den Himmel. Da stieg sie dran hinauf und ging durch den Himmel und ging durch die Hölle, sah mancherlei Freude und mancherlei Pein, sah da auch den Teufel, der hatte den Herrn Amtmann seine alte Mutter auf der Schiebkarre« – »Kerl«, rief der Amtmann, »das ist nicht wahr!« »Verzeihung, Herr Amtmann«, antwortete er, »das ist eine aufrichtige Lüge«.

Aus Kurborg am Dannewerk durch Kandidat Arndt.

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241. Die Wahrheit ohne Herberge.

Ein abgedankter Soldat zog von Tür zu Tür und bat um ein Obdach; aber niemand nahm ihn auf. Zuletzt kam er zu einer Hütte, wo ein hinkender Mann und eine verwachsene Frau wohnten. Er klagte ihnen seine Not und bat sie um ein Unterkommen für die Nacht. Verwundert fragten ihn die beiden Alten, wie so viele reiche Leute ihn hätten abweisen können? »Ja«, sagte der Soldat, »ich bin der Mann, der allzeit die Wahrheit sagt; und Wahrheit findet keine Herberge, ist ein Sprichwort.« Da meinten die beiden Leute ein christlich Werk tun zu können, und führten ihn in die Tür. Als der Soldat aber nun fragte:

Mien Krumme Fru un hinken Mann,
Wo schall ik mien Ranzel uphang'n?

da wurden die beiden gleich so böse, daß sie ihn wieder zur Tür hinaus wiesen. So mußte der Soldat die Nacht im Freien zubringen und läuft vielleicht noch herum, wenn er seine Gewohnheit, die Wahrheit zu sagen, nicht abgelegt hat.

Mündlich aus Marne.

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242. Michel Hartnack.

Old' Michel Hartnack in Tiebensee de harr ok jümmer so drullige Grappen in den Kopp, he weer awerst en ganzen Kloken. He harr't ümmer so mit'n Woord: »Wenn mi't gefallt«, plach he jümmer to seggen, dar kêrt man sik denn wider nich an. De seet ok denn mal inn Kroog, so kaamt dar Muskanten an un fangt an optospêlen. Michel Hartnack was dar en besondern Leefhebber von un word gans lustig. »Jungens, weet jü wat?« seggt he am End, »jü kunden mi noch na mien Huus henspêlen, ik gêf ju en Speetschendaler, wenn mi't gefallt.« De Muskanten weren denn gewaltig bi de Hand: ja wull, dat kund angaan. So togen se denn loos, de Muskanten voeran un Michel Hartnack achterop, längs dat ganze Dörp, jümmer mit de Musik. De Lüd legen all voer de Dœr unm wusten nich wat dar loos weer. As se bi Michel Hartnack sien Huus ankaamt, so staat se denn ja still un luurt op den Speetschen. Do seggt Michel Hartnack un maakt en ganz êrbar Gesicht: »Vêlen Dank«, seggt he, »fœr den guden Willen; awerst wenn ik mi recht besinn, so hett mi't doch egentlich nich gefullen. Gude Nacht!?«

Durch Herrn Adv. Griebel in Heide.

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243. Wie Frau Abel sich ein Ei holte.

Vgl. Schütze, Schlesw. Folkesagn 1, 19 f. Zur Anmerkung: Gemeint ist das latein. Gedicht » Sacerdos et lupus« in Grimms latein. Gedichten (1838) S. 340 ff.; auch bei Müllenhoff u. Scherer, Denkm. deutscher Poesie u. Prosa (1864) Nr. XXV (in die späteren Auflagen nicht aufgenommen). In der »Wendloh« bei Lutzhorn ist einmal ein Spielmann in eine Wolfsgrube gefallen, in der ein Wolf saß, er hat die ganze Nacht gespielt und am Morgen saß er in einer Ecke, der Wolf in der andern. (Mündlich.)

Vorzeiten wohnte zu Stakendorf in der Propstei eine alte geizige Frau, die hieß Frau Abel. Damals gab es noch viele Wölfe im Lande, die man in Gruben fing. Jeder im Dorfe mußte, so wie die Reihe an ihn kam, eine Ente oder Gans zur Witterung geben. Als endlich Frau Abel daran kam, nahm ihr Knecht eine Gans und setzte sie auf die Wippe über der Grube. Da fiel es aber der Frau ein, daß die Gans noch ein Ei bei sich hätte. Schnell lief sie hinaus durch den Schnee, obgleich der Abend schon da war, und langte nach der Gans, aber die Wippe gab nach und sie fiel in die Grube. Nun schrie und rief sie: doch niemand hörte. Vor Frost und Angst klapperten ihr die Zähne; um Mitternacht fiel ihr aber das Ei in den Schoß. Allein gegen Morgen kam der Wolf geschlichen, schnoberte da erst herum, guckte in die Grube, tastete leise auf die Wippe und wollte nach der Gans langen: da schlug das Brett um und er war bei der Frau in der Grube. Ob er aber nicht hungrig war oder vom Falle einen Schreck bekam: ganz ruhig setzte er sich in die eine Ecke, Frau Abel saß in der andern mit dem Ei in der Hand, und beide sahen einander an, gewiß mit verschiedenen Gefühlen. Endlich war es Tag und der Knecht kam um nachzusehen, wie der Fang abgelaufen; wie erschrak er! Eilig lief er zurück und schrie das ganze Dorf zusammen. Mit Stricken kamen sie wieder zur Grube. »Ja«, sagte der Knecht, »wenn's nun aber glücken soll, unsre Frau, so macht nur die Röcke los und laßt die dem Wolf, wenn's sein muß.« Und just als man sie herauf zog, besann sich der Wolf, sprang zu und packte die Röcke; Frau Abel aber ließ sie gleiten und kam wohlbehalten mit dem Ei nach Hause.

Durch Herrn Rethwisch in Övelgönne. – In Malkwitz im Fürstentum Lübeck erzählt man nach der Mitteilung des Herrn Schullehrers Kipp eine sonst gleichlautende Version von einer Witwe Lembke; auch in Gelting in Angeln (lokalisiert im Gehölz Nordskov). – Man vgl. ein lateinisches Gedicht des 10. oder 11. Jahrhunderts in Jac. Grimms lateinischen Gedichten S. 340.

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244. Der liebe Gott und der Teufel.

Wisser S. 219. Zum Gespräch zwischen Gott und Teufel vgl. Jb. f. Ldk. 10, 45.

Unser lieber Herrgott und der Teufel gingen einmal miteinander über Feld. Da begegnete ihnen ein Mann und grüßte höflich. Der liebe Gott erwiderte den Gruß und zog seinen Hut; aber der Teufel behielt die Hände in der Tasche und steckte die Zunge aus. Da machte der liebe Gott ihm Vorwürfe wegen seiner Unart und fragte, warum er nicht auch seinen Hut abgenommen? Der Teufel antwortete, daß ihm doch nicht der Gruß gegolten, sondern dem lieben Gott; wenn er allein ginge, nehme kein Mensch vor ihm den Hut ab, und die Leute schimpften oft obendrein hinter ihm her. Da stellte der liebe Gott dem Teufel vor, daß das alles nur davon herkäme, weil er immer so böse sei und nur Böses täte; er sollte nur einmal was Gutes tun; so würd's anders sein, meinte der liebe Gott und hatte eine lange Predigt gehalten. »Höre«, sagte der Teufel, als der liebe Gott fertig war, »tät ich einmal was Gutes, so hättest du doch den Dank davon; und tätest du was Schlechtes, würde ich die Schuld haben.« Der liebe Gott wollte das nicht glauben. »Nun«, sagte der Teufel, »so stoß nur einmal die Kuh da in den Graben; dann wollen wir weiter sehen.« Der liebe Gott stieß die Kuh hinein, die da grasend am Wege ging und einem armen Manne gehörte. Darauf setzten sich die beiden, um zu sehen, wie's abliefe, auf einen Hügel in der Nähe. Nicht lange, so kam der arme Mann und fand seine Kuh im Graben. »Wat fœr'n Düwel hett mi dat daan?« rief er aus und lief nach dem Dorfe zu, um Leute zu holen. Der Teufel fragte den lieben Gott: »Wer hat denn nun die Schuld bekommen?« und ging darauf hin und brachte die Kuh wieder auf die Beine, so daß sie wieder ruhig grasend am Wege ging, als der Mann mit Helfern kam. »Nu, Gott sie gedankt!« rief er aus, »dat't so gaan is.« »Hörst du wohl«, sagte der Teufel, »wer nun den Dank hat?«

Mündlich.

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245. De Knech un de Buur.

Die Geschichte ist auch in der Tondernschen Marsch bekannt (mündlich).

Dar wier mal'n Knech, de müch giern êten, awer niks daun. As se nu en Mirrag (Mittag) Arfen krigen dön, steek he sien Lêpel verkiert int Schöttel un sä: »Hacks du drop, so êt ik di Bleibst du dran hängen, wie Mehlspeise etc., so esse ich dich..« Dat verdröt den Buurn un he leet em lopen. De Knech dach: dat is ok bêter, wenn man sein egen Herr is; denn kann man êten na sien Weg (Geschmack, Lust) un arbeiden na sien Beleef. He söch sik en lütt Diern ut, de en bêten inne Melk tau kröumen harr, eet na sien Moeg un arbeid na sien Beleef. Dat güng uk so lang gaud, as se noch wat inne Melk tau kröumen harrn. As dat awers all wier, wat nu anfangen? He dach, du muß man na dien Nawer gaan, (dat wier de Buur, den sien Arsen he ne müch harr) un em üm'n Spind Arsen birrn (bitten). He güng hin un sä: »Gauden Dag, Nawer.« De Buur sä: »Gauden Dag, sett di!« He sett sik un seet un seet un müch sien Warf (Gewerbe) ne anbringen. De Buur dach, wat schull he wull op sien Harten hebben? He muß doch endlich dar mit herut un sä: »Ik heff en fröndlich Bêd an di, lütt Nawer, wenn du mi dat man ne asslagen wulls.« »Laat hürn«, sä de Buur un de Knech sä: »Ik wull di ümmen Spind Arsen birrn; Geld heff ik ne, awer ik wull di dat ierlich afverdeen.« De Buur sä: »Kumm mit.« As se bi de Arsen ankaam dön, steek de Buur de Schüssel verkiert herin un sä: »Hacks du drop, so Mêt ik di.« »Lütt Nawer, hestu dat nonne weller vergêten?« sä de Knech; »dat seh ik in, dat kann ne mier so gaan, as ik dat drêwen heff.« »Wenn du dat man insühst,« sä de Buur, »so will ik di en Spind daun«, un he geef em en Spind Arsen, un van de Tied an eet de Knech, wat dar köum, un dö, wat he schull, un de Buur sä oft van em: »Dat is rech sun ullen Slaav!«

Aus der Gegend von Oldenburg durch Herrn Schullehrer Knees in Neumünster. In ganz Holstein und auch in der Tonderschen Marsch bekannt, wird häufig paränetisch angewendet.

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246. Die schwarze Greet.

Zu Nr. 17. – Zur Anm. Von tauben Nüssen heißt es noch jetzt zuweilen: »dor hett swatt Greet in schêten.«

Zwei arme Fischer, die auf dem Schleswiger Holm wohnten, hatten die ganze Nacht vergeblich gearbeitet, und zogen zum letztenmal ihre Netze wieder leer herauf. Als sie nun traurig heimfahren wollten, erschien ihnen die schwarze Greet, die sich öfters den dortigen Fischern zeigt; sie kommt vom andern Ufer her, wo eine Stelle im Dannewerk in der Nähe von Haddebye nach ihr Margretenwerk heißt, und erscheint in königlicher Pracht mit Perlen und Diamanten geschmückt, aber immer im schwarzen Gewande – ganz so, wie sie früher auf dem Husumer Schloß im sogenannten Margretensaal zu schauen war. Die sprach zu den Fischern: »Legt eure Netze noch einmal aus, ihr werdet einen reichen Fang tun; den besten Fisch aber, den ihr fangt, müßt ihr wieder ins Wasser werfen.« – Sie versprachen es und taten, wie die Greet gesagt; der Fang war so überschwenglich groß, daß ihn der Kahn kaum fassen wollte. Einer der Fische aber hatte Goldmünzen statt der Schuppen, Flossen von Smaragd und auf der Nase Perlen Der Hauptfang der dortigen Fischer besteht in Brassen, deren Oberkiefer perlenähnliche Erhöhungen hat und deren Schuppen wie Gold glänzen.. »Das ist der beste Fisch«, sprach der eine, und wollte ihn wieder ins Wasser setzen. Aber der andre wehrte ihm und versteckte den Fisch unter den übrigen Haufen, daß die Greet ihn nicht sähe; dann ruderte er hastig zu, denn ihm war bange. Ungern folgte ihm sein Gefährte. Aber wie sie so hinfuhren, fingen die Fische im Boote allmählich an zu blinken, wie Gold, denn der Goldfisch machte die übrigen auch golden. Und der Nachen ward immer schwerer und schwerer, und versank endlich in die Tiefe, in die er den bösen Gesellen mit hinabzog. Mit Not entkam der andre und erzählte die Geschichte den Holmer Fischern.

Volksbuch 1844, 87. – Mündlich. Es wird auch St. Margareta an der Stelle der schwarzen Greet genannt. So sagt man statt

Margreet (St. Margareten Tag)
pist in de Nœt.

auch:

Swatt Greet
hett pist in de Nœt.

Wenn es an dem Tage regnet, werden die Nüsse faul. Schütze, Idiotik. III, 81. I, 66.

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247. Die Hand des Himmels.

In Blankenese war ein junger Fischer; dem ging's unglücklich und es wollte ihm mit dem Fange gar nicht gelingen. Er geriet in Mangel und Elend, und Frau und Kinder mußten Hunger leiden. Einmal war's ein heißer Sommertag gewesen. Als aber gegen Abend ein Gewitter im Westen mit der Flut aufstieg, entschloß sich der Fischer noch eine Fahrt zu wagen, weil er gehört hatte, daß in solchen Augenblicken die Fische am besten ins Garn gingen. Er stieg ins Boot und fuhr auf die Elbe hinaus, obgleich alle ihn warnten und das Wasser schon dunkel und unruhig ward. Kaum aber hatte er seine Netze ausgeworfen, so konnte er sie auch schon wieder aufziehen und in einem Augenblick war seine Jolle voll. Da wollte er noch einen Zug versuchen und die Netze noch einmal auswerfen, als ein fürchterlicher Donnerschlag über ihm losbrach und ihn erschreckte. Wie er wieder zu sich kam, sah er mitten auf den Fischen eine weiße Totenhand liegen. Da setzte er rasch die Segel auf und wie ein Pfeil schoß seine Jolle dem Strande zu. Es war ein Glück für ihn, daß er sich hatte warnen lassen und Gott nicht länger versucht hatte. Die Totenhand hängte er nachher als Wahrzeichen in der Nienstedter Kirche auf, und sie ist lange noch da zu sehen gewesen, da sie ganz unverwest blieb. Man nannte sie die Hand des Himmels. Als sie endlich herunter fiel, verbrannte man sie zu Asche und bereitete eine Oblate daraus, die bis auf den heutigen Tag gezeigt wird. Der Fischer ward seit jenem Tage ein reicher und begüterter Mann, weil, wie man sagte, die Hand des Himmels mit ihm war.

Mündlich. Vgl. Nr. 136.

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248. Ewig lewen.

Tau de Tied, as dat Wünschen noch helpen dä, do wier do en Fru, de wier frisch un munter, gesunt un stark, müch giern êten un drinken un harr all. wat êhr Hart begêhr. Wiel bat nu so mit êhr stunn, so wünsch se sik ewig tau lêwen. Bet hundert Jahr güng dat uk heel gaud; as se awer de hunnert tau faten harr, dar süng se an tausaam tau krupen un dat neem mitte Tied so tau, dat se ne mier gaan un staan, êten un drinken künn, un starwen künn se uk nich. De Minschen müssen êhr kanten un kieren, un wat tau êten gewen, as wenn se'n lütt Kind wier. Dat wier awer nonne (noch nicht) noog; se kröup all na gra' ümmer mier un mier tausaam un se eet niks mier un se drünk niks mier. 't köum tauletz so wied, dat se sik man dann un wann mier bewegen dä. Dar dachen de Lüer, dat wier am besten, wenn se ünnern Fönten ut kaam dä; wiel awer noch Lêwen in êhr wier, so kregen se êhr innen Glas un hängen êhr op inne Kirch. Se hengt nu inne Lübeker Marienkirch, un se iß nu so lütt as en Muus un bewêg sik man all Jahr eenmal mier.

Aus der Gegend von Oldenburg durch Herrn Schullehrer Knees in Neumünster. Vgl. den griech. Tithonos und Thiele, Danm. Folkes. I, 214.

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249. Klaus Nanne.

Kl. Groth Ges. Werke 2, 176 f.

Von Hamburg aus ward Klaus Nanne aus Lunden auf seiner Reise nach Jerusalem mit Geld und Wechseln versehen. In Jerusalem aber traf sein Wechsel nicht ein zur bestimmten Zeit. Der Ritter kam in Verlegenheit, wußte und wagte in der fremden Stadt keinen Menschen anzusprechen und ging traurig umher. Da redete ihn ein Bettler an und fragte, warum er so traurig sei. »Du kannst mir doch nicht helfen«, erwiderte Nanne. »Das kannst du nicht wissen«, sagte der Bettler, »sag' mir nur deine Not.« Da gestand ihm Nanne, daß sein Wechsel ausgeblieben sei, und der Bettler langte in die Tasche und gab ihm einen großen Beutel mit Goldstücken mit den Worten: »Brauchst du mehr, so hab' ich mehr.« Voll Erstaunen fragte Nanne, wie er dazu käme und ihm das Geld gäbe, ohne ihn zu kennen. Der Bettler antwortete: »Ich bin in deinem Hause gewesen, du heißt Klaus Nanne und wohnst in Kleinlehe nahe bei Lunden in Dithmarschen und ich komme in ein paar Jahren wieder zu dir in dein Haus, das Geld selber abzuholen.« Mehrere Jahre vergingen und Klaus Nanne war längst wieder zu Hause. Da trat endlich der Bettler bei ihm ein, an einem Tage und zu einer Stunde, da er gerade mit vornehmen Gästen bei Tisch saß. Nanne erkannte ihn schon an der Tür und ging auf ihn zu, führte ihn auf den besten Platz, legte ihm reichlich vor und erzählte den verwunderten Gästen die ganze seltsame Geschichte. Bleibens aber hatte der Bettler nicht bei ihm, soviel er auch gebeten ward; er nahm sein Geld wieder und ließ von dem dankbaren Manne sich nicht ein Mehreres aufdringen. Die Gäste fragten ihn, wie er doch bei solchem Reichtum eine solche Lebensart führen möchte. »Die soll auch nun aufhören«, antwortete er, ging damit fort und niemand hat erfahren, wohin er gegangen ist.

Harms Gnomon S. 177 aus dem p. Nachlaß.

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250. Der Wanderjude.

Jb. f. Ldk. 4, 152 aus Lauenburg; 10, 362 aus Nordschleswig (»Jerusalems Skomager«). Heim. 8, 203 aus Stapelholm; 18, 22 aus Angeln. Frahm 12 ff. Auf einem Pflug, der Weihnachtsabend oder in der Silvesternacht noch auf dem Felde steht, ruht der ewige Jude aus und zerbricht ihn; verbreiteter Aberglaube im Schleswigschen.

1.

Seit vielen, vielen Jahren kommt der Wanderjude in die Städte. Er wird nicht hungrig, er wird auch nicht durstig, er wird nicht alt. Er soll seine Ruhe immer draußen nehmen und darf unter keinem Dache schlafen. Vor einigen Iahren soll er noch in Lüneburg gewesen sein; da hat er auf einem Stein geschlafen, der vor der Stadt liegt.

Aus Lanken in Lauenburg durch Kand. Arndt. Thiele, Danm. Folkes. II, 311.

2.

Der Wanderjude ist noch vor ganz wenigen Jahren in Sundewitt gesehen, unweit Beuschau. Er trug einen Korb, aus dem Moos herauswuchs. Er ruht nur am Weihnachtsabend aus, wenn er dann noch auf dem Felde einen Pflug findet. Darauf allein darf er sich setzen.

Durch Herrn Schullehrer Klaus Dues. – Über die Erscheinung des ewigen Juden in Hamburg im Jahre 1606 Solini Chronologia, ed. Ad. Olearius 1674, S. 72.

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251. Die beiden Drescher.

1.

Vgl. Wisser S. 197 f. Heim. 27, 43 f. 30, 28. – Hülfreich erwies sich der Teufel auch einem armen Bauern in Jersbek bei Oldesloe, der für seinen grausamen Herrn eine riesige Eiche an einem Tage fällen und auf den Gutshof bringen sollte. Der Teufel riß den Baum aus und fuhr ihn mit drei schwarzen Pferden ins Schloßtor hinein; dem Edelmann drohte er: er werde bald als viertes Pferd hinzukommen, die drei andern seien sein Vater, Großvater und Altervater. Aus Matz Patsens historiolis Jb. f. Ldk. 4, 150 f. Frahm, Stormarn S. 222. Rahlf u. Ziese, Ahrensburg S. 186. Wisser S. 198. D. v. Liliencron Ges. Werke 3, 233 (»Der Teufel in Not«).

Ein armer schwächlicher Mann ging nach einem Hofe, um sich Arbeit anweisen zu lassen. Der Herr ward mit ihm einig und wies ihm Korn an, das er abdreschen sollte. Da ging der Mann aus, sich einen Macker zu suchen, und traf bald einen Menschen, der ihn fragte, was er suche. Der Arme sagte, was er wolle, und der andere versprach zu kommen. Am andern Tage ging er auf dem Hof und wartete auf seinen Helfer; als dieser kam und seinen Dreschflegel an den Eckständer setzte, fing der an zu knacken. Darauf fragte er den Armen, ob er abwerfen oder dreschen wolle. Der Arme wollte lieber abwerfen, und wie er damit anfing, drosch der andre sogleich ab und rief sogar bald: »Das ist ja, als wenn die Hühner was vom Boden scharren, ich muß nur selber abwerfen.« Der Starke stieg also hinauf, drängte sich in eine Ecke und schob alles Korn auf einmal vom Boden hinunter, begann darauf wieder zu dreschen und in ein paar Schlägen war alles abgedroschen.

Als nun der Herr am Abend sah, daß alles abgedroschen war, gab er ihnen einen Verweis; denn sie hatten alles untereinander gedroschen, Hafer, Gerste, Roggen und Weizen. Sie sollten am folgenden Tage das Korn reinmachen. Da fing der Starke an zu blasen so, daß der Hafer hierhin, die Gerste dahin, der Roggen und der Weizen auch jedes an seinen Ort flog. Da schickte er den Armen zum Herrn und ließ sagen: »Das Korn ist rein; morgen wollen wir aufmessen; sollen wir nur soviel davon haben, als wir tragen können?« »Ja«, sagte der Herr, »soviel könnt ihr nehmen«. Und als sie am andern Tage dabei gingen, fragte der Starke den Armen, ob er auch einen recht großen Sack hätte. »Ich habe einen, der faßt wohl anderthalb Tonnen«, sagte der Arme, und der Starke antwortete: »So habe ich doch noch einen größeren; erst wollen wir für uns soviel abnehmen und dann das übrige ausmessen.« Der Starke füllte also zuerst den Sack des Armen, steckte ihn dann in eine Ecke des seinen und schaufelte darauf alles Korn hinein, was nur da war. »So«, sagte er und nahm den Sack auf, »jetzt komm nur«, und sie gingen miteinander fort. Da bemerkte sie der Herr: »Das soll euch nicht glücken«, dachte er und ließ seine beiden wilden Stiere los. Als diese auf den Starken einrannten, ergriff er den einen beim Schwanz und hängte ihn über die linke Schulter, langte darauf nach dem andern und hängte den über die rechte. »Nun«, dachte der Herr, »laß sie nur gehen, sie können ja so nicht durchs Torhaus.« Als aber der Starke davor kam, bückte er sich, hob es in die Höhe und trug alles miteinander fort. »Wo willst du den Kram hin haben?« fragte er den Armen; »da steht mein Haus«, antwortete dieser und der Starke trug ihm alles dahin und schenkte ihm, was sie verdient hatten.

Durch Dr. Klander aus Plön. – Thiele, Danm. Folkes. II, 264.

2.

Heim. 4, 214. Vgl. Heim. 30, 28. Die plattd. Inschrift zu Katharinenheerd lautet: »Ik bin de Mann, de döschen kann.« »Dat Döschen, dat vorstah ik wol, wennt man brav Arbeit lohnen soll.«In Eiderstede bei Witzwort liegt ein schöner Hauberg (so heißen da die Bauernhöfe, die auf Wurten liegen), darin ist eine große Loh; an der Tür davor sind zwei Drescher abgebildet. Der eine ist sehr groß und stark, der andere klein und hat einen schwarzen Rock an. Unter dem Großen steht der Spruch:

Ich bin der Mann,
Der dreschen kann;

unter dem Kleinen aber: »Ich kann auch wohl dreschen, wenn es nur Arbeit lohnen soll.« Man erzählt darüber folgende Geschichte.

Es war einst in jenem Dorfe ein so großer und starker Mann, daß keiner das Dreschen mit ihm aushalten konnte; denn alle seine Macker drosch er zu Tode. Es wollte am Ende keiner mehr es mit ihm aufnehmen; und wenn er einmal auf den Markt kam und sich einen neuen Helfer suchen wollte, sagte ihm jeder: »Mit dir mag der Teufel selbst nicht dreschen.« Als er nun einmal wieder auf dem Markte war, trat ein klein schwarz Männlein an ihn heran und fragte: »Bist du der Mann, der dreschen kann?« »Ja, ich bin der Mann, der dreschen kann«, antwortete der Große, und der Kleine sprach: »Ich kann auch wohl dreschen, wenn es nur Arbeit lohnen soll; willst du's einmal mit mir versuchen und mich zum Macker haben?« »Komm nur mit«, sagte der Große, »ich habe schon andere Gesellen gehabt und sie alle totgemacht; aber du siehst doch wohl darnach aus, daß du dreschen kannst.« Der Kleine entgegnete: »So schnell geht's noch nicht; morgen will ich kommen; ich muß erst meinen Flegel holen.« Aber der Große meinte, daß das nur Ausflüchte wären und der Kleine sich fürchtete, er sagte darum: »Einen Flegel will ich dir wohl leihen.« Doch der Kleine war damit nicht zufrieden: »Ich muß durchaus meinen eignen haben«, sagte er. »So will ich den Knecht darnach schicken«, sagte der Große. »Dann muß er einen Wagen nehmen; tragen kann er ihn nicht.« Der Große lachte, schickte aber doch einen Wagen hin. Als der Knecht zurückkam, mußte man ihm abladen helfen, denn der Flegel war ganz von Eisen. »Frau«, sagte der Kleine nun zu der Bäuerin, »die Teller, Grapen und Pfannen mußt du herunter nehmen«. Die Frau aber lachte ihn aus. »So will ich keine Schuld haben, wenn Unglück passiert«, sagte er, und nun ward alles Korn auf die Loh geworfen. Da tat der Kleine den ersten Schlag und die Teller und Grapen und Pfannen stürzten von den Borden und alles, was da war. Der Große entsetzte sich, aber wollte sich nicht geben, sondern sie droschen in die Wette Schlag um Schlag, die Loh hinunter und hinauf, bis sie ganz in Grund und Boden geschlagen war. Da strengte sich der Große übermäßig an, und schlug rascher zu und der Kleine folgte immer rascher und schneller, und das trieben sie so lange, bis der Große tot niederstürzte. – Darnach ist das Bild zum Andenken gemalt worden.

Mündlich. – Herr Kandidat Arndt teilte auch dies Stück mit, und zwar mit einem Anhange. Der Kleine geht nun auf den Markt und sucht sich einen neuen Macker, findet den armen Mann und es folgt die erste schon mitgeteilte Sage, nur verstümmelt und unvollständig. Nachdem sie ihren Lohn bezahlt erhalten haben, geht der Arme nach Hause. Unterwegs verspricht ihm der Kleine viel Geld, wenn er das haben solle, was ihnen zuerst vor seinem Hause begegne. Dem Armen fällt zur rechten Zeit noch seine schwangere Frau ein, er pfeift und sein Hund wird des Teufels Beute, der ihm das Genick umdreht und mit einem Stank verschwindet; die Frau aber ist gerettet.

3.

Kurz vor Garding, rechts am Wege nach Husum, liegt ein netter Hof, auf dessen Lohtüre zwei Drescher, ein kleiner und ein großer, abgemalt sind. Vor vielen Jahren wohnte hier nämlich ein reicher Bauer, der hatte eine hübsche Tochter. Die beiden jungen Drescher bewarben sich um sie, aber dem Vater waren beide gleich lieb und da er keinem unrecht tun wollte, gab er zur Antwort, der solle seine Tochter haben, welcher von ihnen in vierundzwanzig Stunden den meisten Weizen ausdreschen würde. Da entstand auf der Diele ein Dreschen, wie es noch in ganz Eiderstede nicht gesehen war. Keiner gab dem andern nach, das Korn flog nur so aus den Garben; so ging es die Diele hinauf und hinunter und der Tag verging und keiner ließ nach. Als aber der Morgen kam und die Stunden um waren, sanken beide tot nieder und die Braut hat keiner bekommen.

Nach Herrn Storms Mitteilung.

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252. Die Schnitterin.

Vgl. Nr. 213. Breit wiederwählt »nach dem Volksmund« Heim. 5, 18 ff. Vgl. Danm. Folkem. 21, 70. Kristensen 4, 1222 f.

Der einzige Sohn einer Ballumerin ward eines schweren Verbrechens angeklagt und schuldig befunden. Da er zum Tode verurteilt war, eilte die Mutter in der Angst ihres Herzens zu dem Gerichtsherrn, dem Grafen von der Schackenburg, warf sich ihm zu Füßen und bat flehentlich um Gnade für ihren Sohn, den einzigen Trost und die einzige Stütze ihres Alters. Schon stand die Sonne im Mittag; da sprach der Graf um des stehenden Weibes los zu werden: »Kannst du, noch ehe die Sonne untergeht mir drei Äcker Gerste schneiden, so soll dem Sohn frei sein.« Da ging die Mutter aufs Feld und schwang die Sichel; ein Schwaden sank nach dem andern nieder, sie schaute nicht um und auf, bald lag der eine Acker, dann der zweite und eben als die Sonne verschwand, fiel der letzte Halm. Aber von der übermäßigen Arbeit erschöpft oder vor Freude über das kaum gehoffte Gelingen sank sie selber zusammen und man trug sie tot vom Felde. – Auf dem Kirchhofe in Ballum liegt sie begraben. Dort zeigt man noch einen grauen, bemoosten Leichenstein, den man einst zu ihrem Gedächtnis ihr aufs Grab legte. Ein Weib mit einer Sichel und einigen Garben im Arme ist darauf ausgehauen.

Nach einer Mitteilung des Herrn Schullehrers Hansen auf Sylt. Vgl. Uhlands Gedicht »Die Mähderin«.

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253. Das Licht der treuen Schwester.

In Sylter Mundart nachgedichtet: Mitt. d. nordfries. Vereins 7, 101 f.

An dem Ufer einer Hallig wohnte einsam in einer Hütte eine Jungfrau. Vater und Mutter waren gestorben und der Bruder war fern auf der See. Mit Sehnsucht im Herzen gedachte sie der Toten und des Abwesenden und harrte seiner Wiederkehr. Als der Bruder Abschied nahm, hatte sie ihm versprochen, allnächtlich ihre Lampe ans Fenster zu setzen, damit das Licht weichin über die See schimmernd, wenn er heimkehre, ihm sage, daß seine Schwester Elke noch lebe und seiner warte. Was sie versprochen, das hielt sie. An jedem Abend stellte sie die Lampe ans Fenster und schaute Tag und Nacht auf die See hinaus, ob nicht der Bruder käme. Es vergingen Monde, es vergingen Jahre und noch immer kam der Bruder nicht. Elke ward zur Greisin. Und immer saß sie noch am Fenster und schaute hinaus und an jedem Abend stellte sie die Lampe aus und wartete. Endlich war es einmal bei ihr dunkel und das gewohnte Licht erloschen. Da riefen die Nachbarn einander zu: »Der Bruder ist gekommen«, und eilten ins Haus der Schwester. Da saß sie da, tot und starr ans Fenster gelehnt, als wenn sie noch hinausblickte, und neben ihr stand die erloschene Lampe.

Durch Herrn Hansen auf Sylt.

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254. Das Geisterschiff.

Es war um die Zeit, da alle Schiffe auflegten und alle Schiffer heimkehrten; aber einer Dirne wollte der Bräutigam noch immer nicht kommen, und als alle andern schon daheim waren, da war er noch immer nicht da. Da weinte das Mädchen und wollte ihr Herz nimmer zufrieden geben, und nachts saß sie am Wasser und schrie nach ihrem Liebsten. Da kam eines Nachts das Schiff, das mit ihrem Bräutigam verunglückt war; das hat sie aufgenommen, und niemand hat sie wiedergesehen.

Aus Pellworm oder Föhr durch Herrn Storm.

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255. De Dood de ritt so snell.

Niederd. Korrespondenzbl. 23, 42 aus Dithmarschen; die Reime auch in der zu Nr. 231 genannten Sage aus Pinneberg. Heim. 24, 30. Vgl. die »Sagendichtung« Uwe und Ose bei C. P. Hansen, Beitr. zu d. Sagen der Nordfriesen (1880) S. 159 f.

Et weer enmal en lütje smucke Dêrn, de heet Greetjen. De harr'n Frier, de Hans heet, un se harren sik beid' enanner so rech vun Harten leef. Do muß et awer so kamen, dat Hans krank worr un storf un se em to Karkhof drogen. Do wull sik Greetjen gar nich tofrêden gêwen un ween un jammer den ganßen Dag un wenn't Abend word, so güng se hen un sett sik op sien Graff un ween un jammer de lewe, lange Nach. As et nu all de drütte Nach weer un se da wedder seet un ween, do keem dar en Rüter oppen Schimmel an un froog êhr: »Wullt du mit mi riden?« Greetjen sloog de Ogen op un seeg wull, dat et êhr Hans weer. Do sä se: »Ja, ik will mit di riden, wohen du wullt«, un modig steeg se to em op sien Pêrd, un foort gung't mitten Wind in de wide Welt. As se nu en guden Ennen rêden harren, seggt Hans:

De Maan de schient so hell,
De Dood de ritt so snell;
Mien Greetjen, gruut di ni?

»Nä, mien Hans«, segg se, »wat schull mi wull gruun? ik bün ja bi di.« Un et gung wider un wider un ümmer duller as vœrher; Greetjen seet bi em achter op't Pêrd un heel sik an em. Do froog Hans tum tweten Maal:

De Maan de schient so hell,
De Dood de ritt so snell;
Mien Greetjen, gruut di ni?

»Nä, mien Hans«, segg se, »wat schull mi wull gruun? ik bün ja bi di.« Awer et word êhr doch all en bêten wunnerlich; un do froog he tum drütten Maal:

De Maan de schient so hell,
De Dood de ritt so snell;
Mien Greetjen, gruut di ni?

Do word êhr gruun un se faat em faster an un sä keen Woord: do suus dat Pêrd dreemal mit se 'rum innen Krink un weg weren se.

Mündlich und durch Herrn Advokat Griebel aus Dithmarschen. Auch ähnlich in der Propstei und sonst; der Reim auch aus Glückstadt. Vgl. Haupt und Hoffmann, Altdeutsche Blätter I, 203. Über die erhaltenen Bruchstücke des zugrunde liegenden Volksliedes W. Wackernagel a. a. O. S. 191. Erlach IV, 196.

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256. Der Teufel und die Braut.

Lorenzen S. 24 f. aus Sundewitt: Der Teufel tanzt mit der Braut aus dem Fenster.

In Moldenit, einem Kirchdorfe in Angeln, begehrte ein junger Mensch ein Mädchen zur Frau. Sie aber wollte ihn durchaus nicht, so sehr er ihr auch mit Bitten nachstellte, und sagte endlich, eher wolle sie den Teufel nehmen, als mit ihm zur Kirche gehn.

Obgleich sie sich so selber dem Teufel zugesagt hatte, gab sie dem Freier doch endlich das Jawort. Wie das Brautpaar nun zur Kirche geht und in die Nähe des sonderbar geformten Hügels kommt, den man noch da sieht, ruft ein altes Weib ihnen zu, sie sollten eilen, der Teufel laure auf die Braut. Kaum sind sie an der andern Seite des Hügels und wollen eben in die Kirche treten, als der Teufel hervor tritt und eine schwere Kette nach ihnen schleudert. Glücklicherweise setzten sie eben den Fuß in die Kirche; sonst wäre die Braut verloren gewesen. Der Teufel hatte die Kette mit solcher Macht geschleudert daß ihre Spuren noch in der Mauer über der Kirchtür zu sehen sind. Einige sagen auch, daß die Kette sitzen geblieben sei und da noch herabhänge.

In der Söruper Kirche find an der Innerwand eben solche Spuren einer Kette zu sehen. Eine meineidige Braut, die schon mit einem andern verlobt war, ging mit dem zweiten da zur Kirche, um sich trauen zu lassen. Als sie aber kaum in die Tür trat, ließ der Böse eine schwere Kette herab, hakte die Braut hinein und fuhr mit ihr durch die Luft fort, und zwar mit solcher Gewalt, daß durch das Anstreifen der Kette jene Löcher in der Mauer entstanden, die in scheitelrechter Richtung übereinander da noch zu sehen sind.

Mündlich und durch Mommsen. Vgl. Nr. 148. 149. – »Vom Trollehöi bei Moldenit gibt's viel abergläubische Sagen«, Schröder, Topographie. Thiele, Danm. Folkes. II, 218.

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257. Der Uglei.

Nicht weit von Eutin mitten in einem Buchengehölze liegt ein kleiner See, der Uglei. Sein dunkles Wasser ist immer still und unbewegt und es sieht alles um ihn her so recht traurig und schwermütig aus. Der See ist nicht immer da gewesen; doch ist es schon lange her, daß er entstanden ist. Oben auf dem Hügel, wo jetzt das Sommerhaus steht, stand früher eine Burg, in der ein junger schöner, aber wilder Ritter hauste. Er liebte nichts mehr als die Jagd, und jeden Morgen früh begab er sich in den Wald. Da begegnete ihm oft eines armen Bauern Tochter; sie mußte jeden Morgen ihres Vaters Pferde in den Wald auf die Weide treiben. Der Ritter ward bald durch ihre Schönheit von heftiger Liebe entzündet; aber das Mädchen wies seine Bitten und seine Geschenke zurück, und auf alle seine Bewerbungen gab sie zur Antwort, daß sie doch nimmer seine Frau werden könnte, da sie nur eines armen Mannes Tochter sei. Und doch hatte das Mädchen den schönen Ritter längst liebgewonnen. Eines Morgens, da er sie wieder mit seinen Bitten und Versprechungen verfolgte, waren sie zu einer Senkung im Walde gekommen, wo eine kleine Kapelle stand. Da führte der Ritter das Mädchen hinein und vor den Altar tretend sprach er: »Hier vor Gottes Angesicht nehme ich dich zu meinem Ehegemahl und der Himmel soll mich an dieser Stätte vernichten, wenn ich dir nicht treu bleibe und mein Wort halte.« Das Mädchen glaubte seinem Schwüre und an jedem Morgen trafen sie sich nun im Walde. Als das Mädchen aber den Ritter an sein Besprechen erinnerte, vertröstete er sie anfangs, bald blieb er ganz aus und kam nicht wieder. Als sie sich nun verlassen sah, da legte sie ein schwarzes Kleid an, grämte sich, ward krank und starb in kurzer Zeit. Der Ritter hatte sich unterdes mit einer reichen Gräfin verlobt und der Hochzeitstag ward bestimmt. Sie sollten in der kleinen Kapelle im Walde getraut werden. Als der Prediger aber seine Rede gehalten hatte und das Brautpaar eben zusammengeben wollte, da ist der Geist des unglücklichen Mädchens erschienen, hat drohend gegen den Bräutigam den Finger erhoben, und als dieser vor Schrecken umsank, brach augenblicklich ein solches Unwetter mit Donner und Regen los, als wenn der Himmel einstürzen wollte. Da ist die Kapelle mit allen, die darin waren, versunken und der See steht seit der Zeit an dem Orte. Nur der Prediger, die Braut und ein kleines unschuldiges Mädchen, die auf die hölzernen Stufen des Altars getreten waren, wurden gerettet. Zuweilen aber bei stillem Wetter gegen Abend klingt noch der Ton des Glöckleins der Kapelle aus dem Wasser herauf.

Preetzer Wochenblatt 1831, Nr. 48. 49. 50. – Thiele, Danm. Folkes. I, 268.

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258. Van den Grafen, den de Düwel haalt.

Vgl. zu Nr. 234, 2 und 49. Einen bösen Edelmann in der Ballumer Gegend holt der Teufel zu Schiff: Kristensen 6, 145.

Da weer enmal in Sleeswik en Graaf, de verleeft sik in en wunnerschönes Mäken. De Vatter vun dat Mäken sä awers, da sull niks ut warren, un he wull em sien Dochter nich gêwen. Nu güng de Graaf hen, bet he keem an enen hogen Barg, wo de Düwel sien Wêsen harr. Da leeg he dree Dage un dree Nächte mit dat Gesicht up de Eerd un birrt (bittet) den Düwel an, he sall em dat wunnerschöne Mäken gêwen. Tolezt kummt de Düwel un fraagt em, wat he em dafœr gêwen wull, wenn he em dat wunnerschöne Mäken bröch. He sä, allens un sien Lêwen darto, he sull em bloot dree Johr mit êhr in Freuden lêwen laten. Dat versprök de Düwel ok un bröch den Grafen dat Mäken, un se fiern nu Hochtied. As nu de dree Johr üm weren, keem de Düwel; de Graaf seet bi sien Abendbrood. »Büstu farrig?« sä de Düwel. »Kumm morgen werrer«, sä de Graaf, »ik bün noch nich satt.« Den tweten Dag keem de Düwel: »Büst du nu farrig?« un de Graaf antwoor werrer: »Ik bün noch nich satt, kumm morgen.« As de Düwel nu den drürren Dag keem un de Graaf êben werrer seggen wull, »kumm werrer«, do harr de Düwel em bi de Been un slög em mit den Kopp an de Wand. Da bleef siet en Bloodplacken, den keen Minsch hett afwaschen kunnt.

Aus Esprehm bei Schleswig durch Kandidat Arndt.

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259. Das Bükenbrennem.

Philippsen, Sag. v. Föhr S. 8 f. C. P. Hansen, Beitr. z. d. Sag. d. Nordfriesen S. 27. 37. Einl. S. XXXIX. Am Bickenfeuer wird St. Peters langer Bart abgesengt: Jb. f. Ldk. 10, 51.

Am Tage Petri Stuhlfeier dem 22. Februar ward in Nordfriesland früher ein großes Fest gefeiert. Es war ein Frühlingsfest; denn dann verließen die Schiffer das Land und begaben sich wieder zur See. Am Abend des Tages zündete man auf gewissen Hügeln große Feuer, Büken, an, und alle tanzten mit ihren Frauen und Bräuten dann um die Flamme herum, jeder Tänzer hielt in der Hand einen brennenden Strohwisch und diesen schwingend riefen sie in einem fort: » Wedke téare!« oder » Vike tare!« (Wedke zehre!). Die Morsumer brannten ihr Feuer auf dem Hilligenhoog ab, der auf dem Hilligenört liegt, und früher mit Bäumen umgeben war. Die Archsumer, in deren Feldmark der Hügel liegt, hatten oft mit den Morsumern Streit darum; die Morsumer ließen sich aber nicht vertreiben. – Die Keitumer hatten ihre Biiken anfänglich auf dem Wedes-, Wends- oder Winjshoog, auf der Anhöhe Weenken. Auf Sylt heißt der Mittwoch noch heute Winjsday. Um Feuersgefahr zu vermeiden, wählte man später den Tipkenhügel. – Die Tinnumer benutzten je nach der Richtung des Windes bald den südlichen Wedhoog, bald den nördlichen Winjshoog. In Westerland und Keitum gab es außerdem einen Hellhoog, in Morsum einen Hiilshoog.

Noch im vorigen Jahrhundert, alte Leute wissen es zu erzählen, wurde überall das Fest gefeiert und am andern Tage dann geschmaust. Die Prediger hatten schon lange dagegen geeifert, konnten aber die Sitte nicht ausrotten. Einst in der Nacht vor dem Petritage hatten die Rantumer wie gewöhnlich den Wede angerufen; die Feuer waren erloschen und die Leute waren schon alle zu Bette gegangen, als sie um Mitternacht wieder geweckt wurden und zu ihrer Verwunderung auf dem Biikenberge abermals ein gewaltiges Feuer lodern sahen. Als sie nun dahin eilten, um es zu löschen, da sahen sie ein schwarzes Ungeheuer, gleich einem großen Pudel von dem Hügel schleichen. Nun fürchteten sie, den Teufel leicht für immer beherbergen zu müssen, oder daß er doch oft seinen Besuch bei ihnen wiederholen möchte; darum so gelobten sie von nun an das Biikenbrennen zu unterlassen. Doch aus Westerlandföhr und Osterlandsylt zünden Kinder am 22. Februar noch heute die Feuer an.

Durch Herrn Hansen ans Sylt. – An demselben Tage ward früher auch auf Sylt auf den Thinghügeln das Frühlings- oder Petrithing gehalten. Das Sommer- oder Petri-Paulithing geschah am 29. Juni, und das Herbstthing am 26. Oktober. – In Dithmarschen zündet man am Walpurgisabend, dem Abend vor dem ersten Mai, auf Hügeln und Kreuzwegen große Feuer an, die man Baken nennt. Knaben und junge Leute tragen von allen Seiten Stroh und dürre Reiser zusammen, und unter Jubeln und Springen wird der Abend bei der Flamme hingebracht. Einige größere Bursche nehmen ganze Strohbündel auf eine Forke, laufen damit umher und schwenken sie so lange, bis sie ausgebrannt sind. Ebenso feiert man auch auf Fehmarn, das von Dithmarschen aus vorzeiten ist bevölkert worden, mit Bakenbrennen den Maiabend. – In der Wilstermarsch stecken die Knechte und Jungen große brennende Schoofe am Osterabend in die Weiden (Pullwicheln); das nennt man Ostermaenlüchten. Im östlichen Holstein zündet man auch am Osterabend, aber auch am Johannisabend solche Feuer auf Hügeln und Wegen an. – Über Johannis- und Maifeuer in unserm Lande Arnkiel 1, 109. Laß, Husumsche Nachrichten I, 150. Schütze, Idiotik. IV, 371. (Dazu vgl. unten Nr. 336.) Schröder, Topographie von Schleswig II, S. 169. – In der Wilster- und Krempermarsch ruft man beim Aufsteigen jedes neuen Feuers, dessen man ansichtig wird: Ostermaan! Ostermaan!

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260. Sonnabends Abend darf nicht gesponnen werden.

Daß Sonnabends Abend nicht gesponnen werden darf, ist eine weitverbreitete Meinung. Es bringt auch nur Nachteile und Strafe obendrein. Zwei alte Frauen waren gute Freunde und die eifrigsten Spinnerinnen im Dorfe, so daß sogar an jenem Abend ihre Räder nicht stille standen. Endlich starb die eine; aber am nächsten Sonnabendabend spät erschien sie der andern, die noch saß und eifrig spann, und zeigte ihr ihre glühende Hand, indem sie sprach:

Sieh, was ich in der Hölle gewann,
Weil ich am Sonnabendabend spann!

(Seer du, hvad jeg i Helvede vandt,
Fordi jeg an Loverdag Aften spandt!)

Aus Sundewitt.

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261. Das Totenhemd.

In der Marsch, so erzählt man in der Grafschaft Ranzau, wohnte vor Jahren ein Kätner, der auf Tagelohn ging. Seine Frau spann in seiner Abwesenheit vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht, ja auch, wenn er zu Hause gekommen war und sich schlafen gelegt hatte, spann sie noch emsig fort. Schon hatte sie sich viel Leinenzeug bereitet, da ward sie krank und starb. Der Mann aber war geizig und ließ der Leiche ein altes schlechtes Hemd anziehen, dem ein Ärmel fehlte. So ward sie begraben.

Nach Verlauf einiger Zeit nahm der Mann sich wieder eine Frau, fleißig wie die erste. Die saß auch eines Abends noch spät und spann, als der Mann schon zu Bett gegangen war. Da hörte sie die Stimme der verstorbenen Frau hinter dem Fenster, die sprach:

Un de hele Nacht gesponnen,
Wat hest du dar von?
Hemd' med euer Mau (Ärmel)!
Ga du hen un rau (ruhe).

Der Frau am Spinnrade kam ein Grauen an und sie ging zu Bette. Am andern Tage erzählte sie alles ihrem Manne. Der wollte es erst nicht glauben, zuletzt aber machten sie aus, die Frau sollte am Abend wieder aufbleiben beim Spinnen und der Mann wollte im Bette wach bleiben. Da hörten sie nun zu derselben Zeit, wie am vorigen Abend, es hinter der Wand gehen, und dieselbe Stimme sprach:

Un de hele Nacht gesponnen,
Wat hest du dar von?
Hemd' mit ener Mau!
Ga du hen un rau.

Der Mann war nun überzeugt und ward sehr unruhig, weil er nicht wußte, was er tun sollte, bis man ihm riet, Abends einen Bretterstuhl hinter die Wand neben das Fenster zu setzen und ein neues Totenhemd darauf zu legen. Das tat er und in der folgenden Nacht ward die Stimme nicht wieder gehört. Aber am andern Morgen war das Hemd weggenommen und auf dem Stuhle lag ein Häuflein Asche.

Durch Herrn Schullehrer Münster in Elmshorn.

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262. In den Zwölften.

Jb. f. Ldk. 4, 286. Nr. 486. Wisser, Wat Grotm. verteilt 3, 78.

(In den Zwölften hütet man sich zu spinnen oder Flachs auf dem Rocken zu lassen, sonst jagt der Wode hindurch.)

Eine Frau wollte es doch versuchen, setzte sich hin und spann. Gleich siel ihr Gesinde in einen schweren Schlaf, aus dem sie nicht zu wecken waren und bald ging die Tür auf und einer kam herein, hieß ihm das Spinnrad geben und fing an zu spinnen. Die Frau konnte nichts anders tun als den Flachs, den sie hatte, ihm nur immer zuweisen; gleich war alles gesponnen, gehaspelt und gewickelt und immer verlangte der Teufel mehr. Nun holte die Frau alles, was sie an Hede im Hause hatte, darauf all ihre Wolle; aber damit ging's ebenso und es war erst vier Uhr und der Tag noch weit. In ihrer Angst lief sie zu ihrer Nachbarin, die eine alte, kluge Frau war und wohl schon gemerkt hatte, was in ihrem Hause vorging. Denn sie kam ihr schon entgegen und machte sie darauf auch glücklich frei. Hätte der Teufel alles ausgesponnen und hätte die Frau ihm bis Tagesanbruch nicht genug zu tun gegeben, würde es ihr Leben gekostet haben.

(Dav. Franck, Altes und neues Mecklenburg I, 55.) Mündlich aus Marne in Dithmarschen. – Börners Orlagau S. 159. 167. Grimm, Myth. S. 247 f.

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263. Neujahrsnacht.

Jb. f. Ldk. 4, 284 f.

In der Neujahrsnacht sprechen die Kühe und Pferde miteinander. Ein Bauer, der nicht daran glauben wollte und doch neugierig war, legte sich an dem Abend in die Raufe und horchte. Um Mitternacht fing das eine Pferd an und sagte zu dem andern: »Dit Johr mœt wi noch mit unsen Buur loos;« da erschrak der Bauer so, daß er krank ward und nicht lange darauf starb; und die Pferde zogen ihn zum Kirchhofe.

In derselben Nacht oder irgendeiner andern Festnacht ist um zwölf Uhr alles Wasser in Wein verwandelt. Eine Frau war so dummdreist und ging in der Nacht zu einem Brunnen. Als sie sich nun hinüberbeugte und schöpfen wollte, kam da einer und sagte:

All Water is Wien,
un dien beiden Ogen sünd mien.

Und damit nahm er ihr beide Augen, daß die Frau zeitlebens geblendet war. Andre aber sagen von einer andern Frau, daß er gesagt habe:

All Water is Wien,
un wat dar bi is mien.

und damit sei er mit der Frau verschwunden.

Mündlich aus Marne. – Mones Anzeiger VIII, 179. IV, 164 aus Schwaben und dem Odenwald; ganz übereinstimmend.

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264. Die Weihnachtsfeier im Preetzer Kloster.

Nieders. 1, 46. Handelmann, Weihnachten in Schl.-H. S. 40.

In dem Preetzer Kloster war früher die Sitte in der Christnacht Gottesdienst zu halten, wobei von den Klosterfräulein das Christkind gewiegt ward. Als man diese Sitte abschaffen wollte, (jetzt wird sie längst nicht mehr befolgt), so ertönte dennoch die Orgel zu der bestimmten Zeit. Ein Fräulein verwunderte sich darüber und meinte, es solle also doch wohl Gottesdienst gehalten werden, und ging mit ihrer Jungfer zur Kirche. Aber in der Kirche war ihr alles so wunderbar und als sie eben in ihrem Stuhle sich niedergesetzt hatte, kam ein weiß gekleidetes Fräulein zu ihr und sagte, sie solle hingehn und den andern sagen, sie möchten Weihnachtsabend halten; sonst würden sie ihn halten. Die Klosterfrau tat wie ihr befohlen war; aber als die andern darauf zur Kirche gingen, konnte sie schon nicht mehr mitgehn und drei Tage darauf war sie tot.

Durch Herrn Volbehr.

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265. Gottesdienst der Toten.

In einer Nacht erwachte eine alte Frau in Kiel und meinte, es sei Zeit zur Frühpredigt zu gehen; es schien ihr, als wenn die Glocken und die Orgel gingen. Sie stand auf und nahm Mantel und Laterne, es war Winter, und ging zur Nikolaikirche. Aber da konnte sie sich gar nicht mit den Gesängen zurecht finden, alle Zuhörer sangen ganz anders als in ihrem Gesangbuche stand, und die Leute kamen ihr auch so unbekannt vor, ja neben ihr erblickte sie eine Frau, gerade wie ihre längst verstorbene Nachbarin. Da näherte sich ihr eine andre Frau, auch längst verstorben, es war ihre selige Gevatterin; die sagte zu ihr, sie sollte hinausgehen, denn die Kirche wäre jetzt nicht für sie; sie möchte sich aber nicht umsehen, sonst könnte es ihr schlimm ergehen. Die Frau ging fort so schnell sie konnte, und da die Kirchtür rasch hinter ihr zuschlug, blieb ihr Mantel hängen. Da schlug die Uhr eben zwölf. Sie häkelte den Mantel von den Schultern los und dachte ihn am andern Morgen wieder abzuholen. Aber am andern Morgen, als sie wieder kam, war er in lauter kleine Fetzen zerrissen: die Toten waren darüber hin getrippelt.

Durch Herrn Stud. Volbehr. – Auch vom Schleswiger Dom nach Kand. Arndt etwas abweichend. – Annalista Saxo ad. ann. 929. Peter Goldschmidt. Höll. Morpheus S. 358. Grimm; Deutsche Sagen Nr. 175. Kinder- und Hausmärchen II, S. 520 (5. Aufl.). Mones Anzeiger VII, 53. Bechstein; Fränk. Sagen S. 124. Bechstein, Thüring. Sagen III, 134. Wolf; Niederl. Sagen Nr. 581. Das Lied bei Uhland II, Nr. 357.

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266. Die Schimmelköpfe.

Dieselbe Sage aus Marne, Husum, Glückstadt, Hamburg bei Carstens, Wanderungen durch Dithm. S. 51 f., aber zur Erklärung der Pferdeköpfe im Giebel (»so gewiß meine Schimmel nicht aus dem Stall längs der Treppe auf den Boden hinaufkommen und aus der Luke schauen können ...«). Vgl. Nr. 381 Anm. Zs. f. Volksk. 20, 363.

In Glückstadt wohnte vor Jahren ein vornehmer Mann. Dessen Frau ward krank und starb. Sie ward mit großem Gepränge beigesetzt. Aber der Totengräber hatte große Lust zu den kostbaren Ringen an den Fingern der Leiche. Daher ging er in der Nacht hin und öffnete den Sarg, um die Ringe abzuziehen. Zu seinem Schrecken aber richtete die Frau sich auf, als er den Deckel abnahm. Er entfloh voller Angst, aber die Frau ging nach dem Hause ihres Mannes und klopfte an. Ein Diener öffnete, aber auch er erschrak, als er die verstorbene Frau in ihrem Leichengewande vor der Tür stehen sah, eilig lief er zu seinem Herrn, um ihm zu sagen, was geschehen. Der aber antwortete: »Eben so wenig als meine beiden Schimmel kommen und die Treppe hinaufgehen, eben so wenig wird auch meine Frau wiederkommen.« Kaum hatte er nun das gesagt, so kam's tripp trapp die Treppe herauf und die beiden Schimmel waren auf dem Boden. Da ließ der Mann öffnen, und sieh! seine Frau war wirklich wieder da. Sie lebte von nun an noch einige Jahre, lachte aber niemals während der ganzen Zeit, denn sie sagte: »Lachen ist Sünde.« Der Mann aber ließ zum Andenken an das Geschehene oben neben der Treppe im Hause zwei Schimmelköpfe malen, die da noch lange zu sehen gewesen sind.

Durch Herrn Schullehrer Münster in Elmshorn. – Eine fast ganz übereinstimmende Kölner Sage unter Grimms deutschen Sagen Nr. 340. Vgl. übrigens oben Nr. 107 und Anm. zu Nr. 381.

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267. Der bestrafte Vorwitz.

Vgl. zu Nr. 234, 2 und Nr. 307. Heim. 13, 228. Wisser S. 275 f.

Vor langer Zeit wohnte in Schenefeld ein Prediger, der hatte die Gewohnheit, jeden Sonntag seine Bücher auf der Kanzel liegen zu lassen. Nachmittags schickte er dann sein Mädchen zur Kirche, um sie zu holen; oft, namentlich im Winter, war es schon spät und dunkel. Der Knecht fragte mitunter wohl das Mädchen, ob sie sich nicht dabei fürchte; und sie sagte dann, sie gehe ja in Gottes Namen und ihrem Gewerbe hin; da könnte ihr ja niemand was anhaben. Der Knecht dachte sich einen Spaß zu machen. Einmal, als das Mädchen wieder spät zur Kirche geschickt ward, nahm er sein Bettlaken, schlich ihr voraus und stellte sich, darein gehüllt, ihr in den Weg, als sie eben zur Kanzel wollte. Sie erschrak freilich ein wenig, doch ging sie rasch vorüber und holte die Bücher, eilte wieder der weißen Gestalt vorbei und warf die Kirchentür mit aller Gewalt hinter sich zu. Sie sagte zu Hause nichts von dem was ihr begegnet war. Als aber zum Abendessen der Knecht sich nicht einstellte, und sein Bettlaken fehlte, ging sie zu ihrem Herrn und erzählte ihm alles. Sie vermuteten gleich, der Knecht müsse es gewesen sein. Als sie nun zur Kirche gingen, fanden sie ihn tot mitten im Steige liegen. Seine Gedärme waren ihm herausgerissen und über die Stühle ausgespannt. Wände, Decke und Boden waren mit Blut bespritzt und die Flecke sind unauslöschlich bis auf diesen Tag.

Aus Dithmarschen; es wird auch von der Meldorfer Kirche erzählt. – Auch durch Herrn Stud. Volbehr von der Preetzer Fleckenkirche.

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268. Die silbernen Apostel in Meldorf.

Daß die 12 Apostel aus Silber unter der Kirche vergraben sind und ein unterirdischer Gang nach dem alten Pastorat führt, wird in Meldorf noch jetzt erzählt. – Zum Aschmann vgl. Nr. 17, 2. – Erdboden klingt hohl: zu Nr. 458.

Von der alten Meldorfer Kirche geht ein unterirdischer Gang unter der Papentwiete weg, wo es noch immer ganz hohl klingt, wenn da ein Wagen fährt, bis in den Keller des jetzigen Hauptpastorats, wo früher die Mönche gewohnt haben; von demselben Keller aus ging ein andrer Gang nach dem eigentlichen Kloster, der jetzigen gelehrten Schule. Die Mönche gingen immer durch diese Gänge hin und her, besonders wenn sie in der Kirche Gottesdienst halten wollten. Als nun die lutherische Lehre kam, haben sie in dem Gange, der nach der Kirche führt, die großen Bilder der zwölf Apostel aus purem Silber verborgen und dazu viele andre Schätze. Einige sagen sogar, daß die Bilder von Gold seien. Früher war noch eine große eiserne Tür im Keller zu sehen, aber niemand hat es gewagt, durch den Gang zu gehen. Einem Diebe bot man einmal an, daß ihm das Leben geschenkt sein solle, wenn er es wagen wollte. Man gab ihm zwei Wachslichter in die Hand; aber kaum hatte er ein paar Schritte getan, so kam er erschrocken zurückgelaufen und bat, ihn lieber seine Strafe leiden zu lassen, als ihn dazu zu zwingen.

Zu Propst Sanders Zeit im Anfang des vorigen Jahrhunderts (andre aber sagen zu Pastor von Ankens Zeit) war an der Nordermauer des Kellers der Eingang zwar noch da, aber so versteckt, daß keiner ihn ahnen konnte. Einmal scherzten und jagten sich der Bediente und das Mädchen des Propsten, die miteinander freiten, im Keller; das Mädchen schlüpfte in die Öffnung, der Bediente spornstreichs hinterher, und ehe sie sich versahen, sprang eine Tür offen, und sie befanden sich plötzlich in einer dunklen Kammer. Da ward ihnen schwül und sie holten ein Licht, um die Sache näher zu untersuchen. Nun fanden sie eine Lade, sie öffneten sie und sie war voll Silberzeug. Gleich nahmen sie mehreres davon mit hinauf zu ihrem Herrn. Der gebot ihnen Stillschweigen, verheiratete sie aber darauf bald und gab ihnen eine reiche Aussteuer.

Damals soll die Öffnung vermauert sein. Doch wird erzählt, daß noch vor fünfzig Jahren zu Propst Jochims Zeit der Gang offen gewesen sei. Der Propst und seine Frau waren einmal aus in Gesellschaft, und der Knecht und die beiden Mädchen mußten so lange aufsitzen und wachen, bis die Herrschaft zu Hause käme. Sie unterhielten sich die Zeit über von Spuken und Vorwarnen, und der Knecht sagte zum Kleinmädchen: »Ich gebe dir vier Schilling, holst du mir die Schuhbürste aus dem Keller; sie liegt in dem großen Gewölbe.« »Das Geld will ich verdienen«, sagte die mutige Dirne und stieg hurtig ohne Licht in den Keller. Es war um zwölf Uhr. Lange suchte sie, konnte aber die Bürste nicht finden. Schon wollte sie wieder hinauf, als sie aus dem Gewölbe ein schwaches Licht schimmern sah. Die Tür stand in der Kirre offen und das Mädchen ging hinein. Da sah sie einen alten grauen Mann, das Haupt auf den Ellbogen gestützt, vor einer silbernen Tafel sitzen. Teller, Gabel, Messer, Schüsseln, alles war von Silber. Da der Alte aber so unbeweglich da saß, faßte das Mädchen Mut und rührte ihn an, um zu sehen, ob er noch lebe. Allein er fiel in Asche zusammen und die Asche fiel auf den Tisch. Da füllte das Mädchen ihre Schürze voll Silberzeug und wollte zum Keller hinaus. Als sie aber kaum ein paar Stufen nach oben gegangen, ward sie wieder von hinten heruntergerissen, und man fand sie am andern Morgen bewußtlos am Boden liegen. Der Aschmann ist seit der Zeit verschwunden und nicht wieder gesehen worden.

Man zeigt in der einen Ecke des Chors der Meldorfer Kirche hinter einem Gegitter ein altes steinernes Bild einer Frau. Diese hatte nämlich damals, als die Kirche gebaut ward, der Gemeinde fünfhundert Mark dazu geschenkt. Für diese Summe konnte man die Kirche darum so groß bauen, weil zu der Zeit eine Kuh nur einen Sechsling kostete, und das Bild errichtete man obendrein zum Gedächtnis der frommen Stifterin.

Hansen und Wolf, Chron. von Dithmarschen S. 21. Mündlich. Vgl. Nr. 95 und Kuhns Mark. Sagen Nr. 221.

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269. De Kulengrawer.

Heim. 16, 176 ff. 227 f. Vgl. die Zs. f. s.-h. Gesch. 4, 393 mitgeteilte Legende vom Mönch, der dem Gesang eines Vogels lauschend 200 Jahre dem Kloster fernbleibt.

In ole Tiden weer da man een Kulengrawer oewer dat ganze Karspel Parkentin: de müß eenmal des Awens Klock negen noch to Kulengrawen, denn de Dode hett den annern Morgen bisett warrn sullt. Up ene Stêde söcht he mit dat Karkenisen na, sind awer niks. As he awers daal graaft un deper in kummt, steit da en lütte Rustkist (Sarg mit plattem Deckel). De neem he herut un sett se da bi sik upn Öwer; un maakt de Kuul so vel deper, dat de Rustkist da ünner in kann. Nu weer de Rustkist so hübsch, as wenn se eerst nieg maakt weer. De Kulengrawer schrüfft se up, do hett de Dode en schön rood Sammetküssen ünnern Kopp. Do seggt he: »Du büst mi wol eer en vörnêmen Herr wesen; bi di much ik wol to Gast sien!« De Dode antwoort em: »Du kannst ja noch bi mi to Gast kamen.« Do seggt he: »Kumm eerst bi mi to Gast!« »Dat sall sien«, seggt de Dode; do sä de Kulengrawer: »So kumm morgen Awend man an de grote Karkenpoort, da will ik di entfangen.«

Den annern Dag seggt de Kulengrawer to sine Fru: »Mudder«, seggt he, »kaak to, ik krieg Fremde van Awend.« De Fru seggt, wat dat wol vor Fremde sien sulln. »Du sast em wol to seen krigen«, seggt de Kulengrawer, »kaak man en bêten to, du sast em wol to seen krigen.« – As de Klock nêgen ward, entfangt de Kulengrawer em an de grote Karkendœr, bringt em in sien Huus, sett sik mit em daal, un itt un drinkt mit em, as en anner Gast. As he für Genög êten hett, haalt he em ok en Piep un Tobak; do rookt he ok een. Nu he en Stunn sik da verwielt hett, da seggt he to den Kulengrawer: »Du giffs mi nu dat Geleit bet an de groot Karkenpoort un morgen Awend büst du bi mi to Gast.«

Den annern Dag entfangt he den Kulengrawer up den sulwigen Klockenslag un up de sulwige Stêd un geit mit em ünner de Eer herin. Do weer da en wunnerschön Gemaak; da weer allens so schön un herrlich in, un dabi is en anner Stuuf mit ene wunnerschöne Musik. De Kulengrawer müß awers in de eerste Stuuf bliwen un da gefallt em dat so good un wol, dat he meent, he weer noch kene Stunn da wêsen, un weer da gêrn all hunnert Johr. Nu kemen da welke dörch de Stuuf, de sine Vattern un Verwante wêsen sünd. »Vattern, wo wüllt gi hen«? röppt he. Se heft em nich antwoort, güngen all in de Stuuf mit de wunnerschöne Musik. Dat duur nich so lang, so keem da sine Fru. »Moder, wo wullt du hen?« röppt he werrer. Se hett em nich antwoort, is ok da herin gaan wo de wunnerschöne Musik weer. Nu keem sine erste Dochter. De Kulengrawer röp werrer, se hett em nich antwoort un güng ok da herin. Nu kemen noch sine annern Battern un Bekannte, de hefft em ok nich antwoort, un do keem sine leste un leefste Dochter. »Deern, wo wullt du hen?« röp de Kulengrawer; de süht em nich an un antwoort em nich, is ok in stillen hen gaan. Da verwunnert he sik un seggt: »Dat mag mi hier wol dat rechte Horenlock wêsen, loopt all van Huus weg na de wunnerschöne Musik hen.« As he nu meent, dat de Stunn sacht herüm is, kummt de werrer, bi den he to Gast wêsen is, un bringt em na de grote Karkenpoort hen; da verasscheed he em. De Kulengrawer kummt an sien Huus un kloppt an, Awens Klock tein. »Wer is davœr?« röppt ener. »Fraag noch lang, ik bün davœr; wo is mien Fru un mien Deerns?« seggt de Kulengrawer. »Wat förn Fru un wat för Deerns?« »Mine Fru un mine beiden Deerns. Ik bün ja de Kulengrawer.« »Nä«, seggt de anner, »dat bün ik, du büst wol wirrig«, un do will he em herutstöten. De Kulengrawer vermarkt Unraat: »Swêrenoot«, seggt he, »denn behool mi man bi Nacht; morgen fröh wöllt wi seen, wer de rechte Kulengrawer is.« He birrt so vêl, dat de anner em in lett. Do is he de Nacht upn Stool bisitten blêwen, un as se morgens upwaakt, fraagt he den annern, wo de Prester heet. De seggt em so un so. »Den Namen kenn ik nich akkrat«, antwoort de Kulengrawer un birrt em, dat he mit em nan Pastoren geit. De Paster fleit dat Kirchenbook up; da steit darin, dat vör sös hunnert Johr en Kulengrawer in de Gemeen wegkamen is, un kener hett wüß, wo he blêwen is. Da fraagt de Prester em, wat he ok dat Nachtmaal verlangen deit. »Ja!« seggt de Kulengrawer. De Köster wart haalt, dat he de Kark upslütt. Do gifft de Prester em dat Awendmaal. Dat hett he völlig entfangen. As he awers den Wien entfangen hett, is he sacht tosamen sackt un weer nu dood.

Durch Herrn cand. ph. Arndt aus Ratzeburg. Vgl. Grimm, Irische Elfenmärchen S. XXIV. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 148. Grimm, Deutsche Sagen Nr. 1. 151. Bechstein, Thüring. Sagen III, 183. 184. IV, 23. 29. Thiele, Danm. Folkes. II, 219.

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270. Die unverträglichen Pastoren.

In Eutin waren einmal zwei Prediger, die sich gar nicht vertragen konnten und ihr Lebelang miteinander in Streit lagen. Als nun beide gestorben und begraben waren, hat man sie oft in der Nacht in langen weißen Gewändern sich aus ihren Gräbern erheben sehen, und dann fingen sie an sich aufs wütendste zu prügeln. Ein furchtbares Getöse und Gepolter entstand, die Hunde heulten im ganzen Orte und es war ein Rumoren, daß alles aus dem Schlafe kam. Um ein Uhr ging jeder wieder in sein Grab; sie haben das aber viele Nächte hindurch fortgesetzt.

Mündlich. – Nach Herrn Schullehrer Kirchmanns Mitteilung verhält sich die Sache so: Im Jahre 1737 ward vom Consistorio die Verlegung des Kirchhofs in Eutin vor die Tore der Stadt beschloffen. Das erregte allgemein in der Gemeinde Widerspruch. In einem Dorfe behielt man die Leichen sechs Monate zurück und ließ sie unbeeidigt stehen. Endlich aber mußte man sich fügen. Als aber zwei Konfistorialmitglieder, der Präsident Lotzow und Superintendent Wolf, bald darnach starben und auf dem neuen Begräbnisplatz begraben wurden, sagte man, daß sie sich jede Nacht prügelten, weil keiner die Schuld tragen und jeder sie auf den andern bringen wollte, daß der Kirchhof umgelegt worden.

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271. Tutland.

Zum Ausruf »o jaue tut« vgl. Nd. Jahrb. 36. 123 ff. Feilberg 487.

Im südlichen Angeln an der Landstraße von Schleswig nach Kappeln liegt am Osbek bei Loit ein Hügel, der Tutland genannt wird. Hier stürzte nämlich vor vielen Jahren einmal ein Halbmeister vom Pferde und brach den Hals. Er durfte nun nicht in geweihter Erde begraben werden, sondern die Ecke der anstoßenden Koppel Westerlük nahm den Leichnam auf. Seit der Zeit war's nicht geheuer an dem Orte. Alle Reisende wurden da beunruhigt und die Leute im Dorf hörten an jedem Donnerstagabend, dem Todestage des Halbmeisters, den noch in Angeln gebräuchlichen Weheruf: O jaue tut! o jaue tut! Wer über die Brücke, die über den nahen Bach führt, ungehindert hinüberkam und nicht ins Wasser geworfen ward, konnte von Glück sagen. Sie heißt noch die Schelmenbrücks; aber auch auf dem Hügel Tutland hat der Spuk jetzt aufgehört.

Herr Organist Schmidt in Fahrentoft. – Man sagte früher oft, jetzt selten in Angeln so: Dat is recht en Jauetut. Wat is förn Jauetuten? Jauetut doch nich so! Über iodute Grimms Rechtsaltert. 877.

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272. Die Seele im Kirchenbann.

Ein Bauer aus Langballig ritt eines Abends spät am Grundtoster Kirchhofe vorbei. Er grüßte die Toten: »Gute Nacht, ihr Christenseelen alle, und gute Nacht, du Peter Jakob.« Das war nämlich sein kürzlich verstorbener Nachbar. Da sieh! wie er eben die Worte ausgesprochen hat, knarrt die Kirchhofspforte und eine lange weiße Gestalt kommt auf ihn zu. Der Bauer erschrak, und sein Pferd durch Schläge antreibend, ging's mit ihm in vollem Rennen nach Hause, aber die weiße Gestalt folgte ihm immer. Vor dem Hause riß er dem Pferde den Zügel ab, jagte es in den Stall, er selber aber eilte in die Stube und erzählte seiner Frau, die schon im Bette lag, voller Angst sein Abenteuer. Die beherzte Frau sagte: »Lege dich nur hinter mich und halt dich ruhig.« Wie er nun eben ins Bett gestiegen, so trat durch die aufspringende Tür auch die weiße Gestalt herein. Die Frau rief: »Wer ist da?« Aber niemand antwortete. Die Frau rief zum zweiten Male; wieder keine Antwort. »Im Namen Gottes und aller Heiligen«, rief sie zum dritten Male, »tritt neun Schritt vor mein Bett und sage mir, wer du bist und was du willst.« Da sprach die Gestalt: »Ich bin euer Nachbar und kann im Grabe nicht ruhen, weil ich einmal des Predigers Windhund erschlagen habe, worüber dieser den Kirchenbann ergehen ließ. Wenn ihr dies offenbaren wolltet, hätte ich Frieden im Grabe.« »Das soll morgen geschehen«, sagte die Frau, und sogleich verschwand die Gestalt und hatte von nun an Ruhe.

Aus Angeln durch Herrn Landmesser Nissen in Löstrup.

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273. Der Dikjendälmann.

Vgl. zu Nr. 15.

In der Gegend des alten Eidums auf Sylt liegt das Dünental Dikjendäl. Hier strandete einst in einer Sturmnacht (man sagt in der Christnacht des Jahres 1713) ein in Archsum wohnender Schiffer. Mit großer Gefahr und Mühe rettete er sich und seinen Geldkasten auf den heimatlichen Strand und hoffte einen menschenfreundlichen Landsmann zu finden, der sich seiner annehmen, ihn erquicken und zu den Seinigen führen würde. Doch raubgierige Strandläufer hatten seine Ankunft und seinen Geldkasten bemerkt und, statt sich seiner anzunehmen, fielen sie mitleidlos über ihn her, schlugen ihn mit ihren Knitteln zu Boden und verscharrten ihn in den Sand. Noch einmal richtete sich der Sterbende wieder empor, doch die Unmenschen traten mit Gewalt den Kopf des Unglücklichen in den weichen Grund, hieben seinem stets wieder aufstrebenden rechten Arm die Hand ab und schleppten den Geldkasten davon. Seit der Zeit wandert, den blutigen Stumpf des abgehauenen Armes emporrichterd und Gerechtigkeit fordernd, allnächtlich in jenem Dünentale, wo der Mord geschah, ein Gespenst umher, das nach dem berüchtigten Tale der Dikjendälmann genannt wird.

Herr Hansen im Volksbuch 1844, S. 102.

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274. Steenbock.

Vgl. Nr. 87. Kopfloser Kutscher s. zu Nr. 298; zu 288. 59. 390. 283 Anm. 575. Heim. 12, 293. Frahm, Stormarn S. 56. Kristensen 5, 191. 4, 802.

Im Jahre 1713 brannte der schwedische General Steenbock Altona bis auf den Grund nieder. Er hat seitdem aber noch keine Ruhe gefunden. Er fährt immer Nachts in einer Kutsche in den neuen Straßen herum; nur in keiner, die mit einer andern ein Kreuz bildet. Auf dem Bocke sitzt ein kopfloser Kutscher. Es bringt kein Glück, dem Gefährt zu begegnen: man hört einen Knall und muß erblinden. Doch sind die Nachtwächter ausgenommen. – In Kiel fährt auch jeden Abend um elf Uhr eine Kutsche mit vier schwarzen Pferden auf den Waisenhof hinauf, in der Muhlius, der Gründer des Waisenhauses, sitzt.

Mommsen. Mündlich.

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275. Der versunkene Wagen.

Bodenlose Tiefe: zu Nr. 149. Kristensen 3, 1823.

In den Apenrader Meerbusen mündet ein kleiner Bach, an dessen Ausfluß sich eine bodenlose Tiefe befinden soll. Früher war hier ein großer Sumpf.

Einst am Weihnachtsabend fuhr ein Mann mit Frau und Kind zur Stadt. Die Nacht war dunkel und kein Stern schien am Himmel. Schon hatten sie ihr Ziel beinahe erreicht, aber noch sollten sie an jenem Sumpfe vorbei. Doch als wenn es vom Unglück bestimmt gewesen wäre, es kam der Wagen dem Rande desselben zu nahe und ehe Rettung möglich war, war er mit allen, die darauf saßen, versunken. Seitdem ist das Wasser des Baches übergetreten, und vom Sumpfe sieht man keine Spur mehr. Aber alljährlich um die Zeit des heiligen Festes kann man den versunkenen Wagen mit schwarzen Rossen bespannt die Stadt umfahren sehen, wie er sich vergebens bemüht die Einfahrt zu gewinnen. Mit dem letzten Schlage der Mitternachtsstunde muß er aber mit Mann und Roß wieder an dem alten Unglücksort versinken.

Durch Fräulein D. Tamsen in Tondern.

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276. Die unruhige Totenmütze.

Vgl. Detlefsen, Gesch. der Elbmarschen 2, 430.

In der Michaeliskirche in Schleswig sieht man einen Leichenstein, unter welchem der Großvogt Hansen begraben liegt. Der muß ein böser Mann gewesen sein, denn seine Totenmütze wollte nicht im Sarge bleiben, so oft man sie auch wieder hinein legte. Als man im vorigen Jahrhundert das nicht glauben wollte, öffnete man das Grab und fand die Mütze unversehrt auf dem Sarge liegen, obgleich die Leiche schon in Staub zerfallen war. Die Mütze wurde damals in einen eigens dazu verfertigten Kasten gelegt und in der Gruft beigesetzt.

Schröder, Geschichte der Stadt Schleswig.

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277. Der Strandvogt.

Vgl. Nr. 288 und zu Nr. 408. Der Strandvogt auf Röm sucht die Schiffer irre zu führen, indem er in Sturmnächten seinem Pferde eine brennende Laterne an den Schwanz bindet und so über die Dünen an der Strandseite reitet: Jb. f. Ldk. 5, 96; vgl. Heim. 2, 85. 4, 215 (»De Waterpedder«), – Zur Anmerkung: Über die Sage vom Schimmelreiter s. zu Nr. 281.

Lorenz Jens Grethen war lange zur See gewesen und hatte viel auf Grönland gefahren. Nachher erhielt er die Oberaufsicht über das Strandwesen in Sylt und tat viel zur Verminderung der Räubereien. Einmal aber hat er bei einem Raubmorde die Augen zugedrückt. Dafür irrt er noch heute fortwährend am Strande umher, rettet aber bei Nachtzeit die Schiffbrüchigen, weckt die Strandvögte und muntert sie auf, wenn sie lässig werden, und an die Strandläufer teilt er Ohrfeigen aus, daß sie so leicht nicht wieder kommen.

Durch Herrn Hansen auf Sylt. – Eine ähnliche Erzählung auch in Dithmarschen von einem Außendeichspächter. – In Lauenburg: Ein Deichgraf reitet den Deich an der Elbe entlang, um nachzusehen. Man zwingt ihn, in die Fluten hinein zu reiten. Seitdem sieht man ihn allnächtlich auf seinem weißen Pferde.

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278. Sara Limbek.

Vgl. zu Nr. 153.

Zu Törning, im Amte Hadersleben, sieht man auf einem Berge noch Spuren eines Schlosses, das einst dem edlen Geschlechte der Limbek gehörte. Hier wohnte vor Zeiten Sara Limbek, gewöhnlich schön Sara genannt. Sie war an einen alten kranken Ritter verheiratet und es behagte der jungen munteren Frau schlecht bei ihm. Die meiste Zeit brachte sie in lustiger Gesellschaft zu, ohne sich um ihren kranken Mann zu kümmern, und wenn sie nicht auf ihrem eignen Schlosse ein Banket gab, ließ sie ihre große Kutsche mit den vier schwarzen Rappen anspannen und fuhr aus. Einsam und unbeweint starb der Ritter auf seiner Burg. Die leichtsinnige Frau aber muß bis heute noch in jeder Nacht die Runde machen durch Törnings Felder und Waldungen; ihr gespenstisches Fuhrwerk macht in einem Zaun jedesmal eine Öffnung, die der Besitzer des Feldes vergebens zu schließen sucht; denn was er am Tage herstellt, wird in der Nacht wieder vernichtet.

Schriftliche Mitteilung.

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279. Payssener Greet.

Böse Herrinnen: Nr. 60. Blumenzählen als Strafe vgl. Nr. 410 (Sand zählen). Einem Ritter in Sundewitt wird vom Teufel die Aufgabe gestellt, die Steine in der Flensburger Förde zu zählen: Lorenzen S. 7 f. – Zum zweiten Absatz vgl. Nr. 231. – Kreuzweg: Nr. 279. 343. 391. 568 u. oft – Gespenst beschwert Wagen, sonst meist vom Teufel: Nr. 304. 412. Urdsbr. 2, 99. Kristensen 3, 2109. Fischer, Slesv. Folkes, 212. Häufiger wird erzählt, daß das Gespenst einem auf den Rücken springt, seinen Hals umklammert und sich von ihm tragen läßt: Kristensen 5, 907. 1794. 2109 u. ö. – Zum letzten Absatz vgl. Nr. 304. 305, 1. Kristensen 4, 1160; eine ähnliche Geschichte aus Dithmarschen (»De Düwel as Rad«): Heim. 13, S. XXX.

Aus der großen Heide zwischen Itzehoe und Hohenwestede bei dem Dorf Payssen in der Nähe des einsamen Wirtshauses zeigt man noch die Stelle, wo einst ein großes Schloß stand. Das Wirtshaus heißt der Payssener Pohl (Pfuhl). Hier auf dem Schlosse wohnte eine gottlose Herrin; sie war gefürchtet in der ganzen Umgegend; die Reisenden nahm sie erst freundlich aus, führte sie aber bald an eine Falltür, wo eine solche Vorrichtung war, daß die Hinabsinkenden getötet wurden; auch an ihrem Gesinde übte sie die größten Grausamkeiten und ihren Mann hatte sie in ein dunkles Gefängnis einsperren lassen, und soll ihn dann mit eigner Hand ermordet haben. Darauf hat sie noch einen falschen Schwur getan, in dem sie ihre Unschuld an seinem Tode beteuerte. Alsbald ist aber das Schloß versunken, und zur Strafe ward der Frevlerin aufgelegt, die Heideblümchen des ganzen Reviers zu zählen; wenn sie einmal damit fertig würde, solle sie erlöst sein. Wenn sie nun in einer Nacht ein Stück gezählt hat, sind am Morgen eine neue Menge Blumen hinzugekommen und andre verschwunden, und so geht es immer fort und sie wird niemals fertig. Ihr Gespenst irrt noch immer auf dem hohen Heideviert umher; man nennt sie die Payssener Greetje, und sie ist weit und breit bekannt, da die Landstraße von Rendsburg nach Itzehoe gerade an dem Ort ihrer Strafe vorbeiführt.

Die Payssener Greet hat sich oft den Vorüberreisenden gezeigt und sie erschreckt. Wer sie anruft, dem erscheint sie, und manchem Verirrten hat sie bei Nacht und Nebel den richtigen Weg gezeigt. Böse Menschen aber verfolgt sie. Oft hat sie den Pferden in die Zügel gegriffen und den Wagen umgestürzt. Ein Fuhrmann hatte in dem Wirtshause vor der Heide einmal ein Glas zu viel getrunken und wollte spät abends noch weiter. Man warnte ihn vor der Greet; er aber sagte, sie solle nur kommen, er wolle ihr schon Bescheid tun. Mitten auf der Heide standen seine Pferde plötzlich still und gingen nicht von der Stelle, so sehr er auch drauf einschlug. Der Fuhrmann fluchte und tobte, da stand mit wildem flatternden Haar, die Faust drohend geballt, das riesige Gespenst mit einmal vor ihm. Der Kerl, außer sich vor Wut, erhub die Peitsche, um einen Streich auf sie zu führen, als der Wagen umkippte und er zu Boden stürzte. Am andern Morgen fand man ihn besinnungslos da liegen.

Einmal kam ein fremder Herr, der sich hier im Lande auf unehrliche Weise viel Geld und Gut erworben hatte, hier durch. Er wollte mit dem Erworbenen nun ins Ausland reisen, aber die Fuhrleute weigerten sich bei Nacht über den Viert zu fahren. Da ging er dreimal, unverständliche Worte murmelnd, um jeden Wagen und sagte darauf, daß sie nun zauberfest wären. Als sie aber an den Kreuzweg kamen, sahen die Fuhrleute eine große Frauengestalt nebenhergehen, die mit langem Arm überlangte und mit dem Zeigefinger auf jede Kiste im Wagen tippte, als wenn sie sie zählte. »Gott sei uns gnädig«! rief der Fuhrmann, bei dem der Herr im Wagen saß. Als dieser des Fuhrmanns Angst sah, machte er drei Kreuze über seine Augen und der Fuhrmann sah die Gestalt nicht mehr. – Wenn überhaupt einer ungerechtes Gut über die Heide fährt, so hockt die Payssener Greet sich hinten auf den Wagen und die stärksten Pferde können ihn nicht von der Stelle ziehn. Ebenso tut sie, wenn Leute gestohlene oder unrechtmäßig erworbene Sachen tragen. Ein Dieb hatte im Dorfe einen Sack voll gestohlen; als er auf die Heide kam, mußte er irregehen, und seine Last ward immer schwerer und schwerer, und auf keine Weise war es ihm möglich sie abzulegen, so gerne er ausgeruht hätte. Als er sich endlich umsah, saß die Greet hinten auf und vor Schreck sank er um. Da er am andern Morgen erwachte, befand er sich bei dem Hause, wo er in der Nacht gestohlen hatte. Er gab dem Eigentümer alles zurück und erzählte, wie die Greet ihn in der Nacht irregeführt, und bat um Verzeihung. Seit der Zeit hat er nicht wieder gestohlen.

Viele glauben, daß die Payssener Greet dem nur etwas anhaben könnte, der in den Bezirk ihres ehemaligen Schlosses käme und sie beim Zählen der Blumen störe; wer sie einmal über den Kreis hinausbrächte, der würde sie erlösen, so habe auch eine alte Prophezeiung gelautet und ein Prediger hätte sie endlich wirklich erlöst. Er sollte nämlich einem Sterbenden das Abendmahl reichen und den letzten Trost geben. Da es Nacht war, wollte niemand ihn über den Viert bringen nach dem Dorfe, wo der Kranke lag. Da verlangte der Prediger zwei weißgeborne Pferde und wollte selbst hinüberfahren. Es erbot sich noch ein achtzehnjähriger Jüngling ihn zu begleiten. Als sie an den Kreuzweg kamen, standen die Pferde still und gingen nicht weiter. Der Prediger und sein Fuhrmann sahen sich um und mitten im Wagen stand hoch aufgerichtet die Greet. Der Prediger sprach seinen Segen und fragte sie, warum sie sich in ihrer Arbeit stören lasse. Sie antwortete nicht, sondern setzte sich so schwer in den Wagen nieder, daß die Achse brach und das Rad seitwärts überfiel. Da stieg der Prediger vom Wagen, langte über und hob die Greetje herunter und befahl ihr, die Achse anzufassen und dem Wagen fortzuhelfen. Sie mußte nun, ohne niederzusetzen, mit dem Wagen fort bis an die Grenze, wo dieser mit einem Male wieder heil war, und Greetje verschwand. Seit der Zeit soll sie Ruhe haben. Der Pastor war ihr zu schwer gewesen, weil er niemals was Böses getan hatte, noch je ein Fluch oder Schwur über seine Lippen gekommen war.

Nach einer schriftlichen Mitteilung. – Der Payssener Greet vergleicht sich das Klageweib der Lüneburger Heide. Harrys Sagen Niedersachsens I, Nr. 48.

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280. Das händeringende Weib.

Händeringendes Gespenst: Nr. 282. 283.

Auf der kleinen Insel Katholm bei Sebbelow auf Alsen landete im vorigen Jahrhundert einmal ein Schiff und fuhr sogleich wieder ab. Als nach einiger Zeit ein Bauer, der da einige Weideplätze besaß, dahin kam, fand er ein weibliches, gut gekleidetes, aber von Kälte und Hunger halbtotes Wesen. Mitleidig nahm er sie in sein Haus aus und die Leute im Dorfe sorgten alle für sie. Sie erholte sich körperlich, aber ihr Geist war verwirrt, und das einzige, was sie undeutlich hervorbrachte, war: »Manns Moder is Düwels Unnerfoder!« Es gab nichts, woran sie Freude gehabt hätte; nur das Spinnen ausgenommen, worin sie eine damals noch den Bewohnern des Dorfes unbekannte Fertigkeit besaß. Nach einigen Jahren starb sie in dem Hause jenes Bauern, ohne daß man jemals erfahren hat, woher sie gekommen. Seit der Zeit sieht man aber oft auf der kleinen Insel das Gespenst eines händeringenden Weibes umhergehen.

Schriftlich.

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281. Troyburg.

Ein Landmesser, der falsch gemessen hat, »der Jordansmann««, geht mit klirrenden Ketten bei Nacht übers Feld: Urqu. 4, 123 aus Nordfriesland; Heim. 8, 203 aus Stapelholm; vgl. Nr. 410 und zu Nr. 296. Kristensen 5, 1434. Auf Damp reitet ein früherer Gutsbesitzer, »de Schimmelrider«, nächtlich auf weißem Pferde durch das Gut, um nach dem Rechten zu sehen: Jessen u. Kock, Heimatb. des Kr. Eckernförde S. 193. Heim. 30, 139. Ebenso ein früherer Besitzer zwischen Rausdorf und Papendorf in Stormarn: Frahm, Stormarn S. 88. Auch auf Schönhagen zeigt sich der frühere Besitzer nachts zu Pferde: Jessen u. Kock a. a. O. S. 193. Ein alter Haushalter, »Vadder Kock«, kann sich von Damp nicht trennen und geht mit seiner großen Laterne über die Brücke ins Kuhhaus (Mündlich). »De ole Stamer«, ein Hofbesitzer, der in seinem Leben viel Unrecht getan hat, spukt in der Nähe von Ratzeburg auf seinem Hof, will immer ins Haus, pustet Wanderern auf der Chaussee die Laterne aus und verschwindet mit dem Glockenschlag vier (Mündlich). Zahlreich sind noch heute die Erzählungen von Wiedergängern in allen Teilen des Landes. Bei Wacken geht ein alter Bauer mit einer Schaufel um, der seinem mit Staugerechtigkeit ausgestatteten Nachbarn das Wasser geraubt hat: Voß und Schröder, Chronik des Kchsp. Wacken (1903) S. 53. Aus dem Wege zwischen Schwabstedt und Winnert spukt ein früherer Landvogt, der großes Unrecht getan hat; er schwenkt seinen dreieckigen Hut hoch in der Luft, und aus dem Hute hängen Papiere, die im Winde flattern: Mitt. d. nordfr. Vereins 7, 81 u. mündlich. In Schwabstedt ging ein Mann, namens Fürst, der erst Krämer, dann Gänsehalter auf der Gemeindeweide war, in seinem Hause um; er ist schließlich vom Pastor in den »Aasdiek« gebannt: daselbst u. mündlich. – Wer im Leben eine Schuld nicht bezahlt hat, muß umgehen: Heim. 4, 21 aus Hohenwestedt. Voß u. Schröder, Wacken S. 138. Detlefsen, Gesch. d. Elbm. 2, 449 f.; ebenso wer Geld versteckt hat und gestorben ist, ohne die Stelle zu verraten, s. zu Nr. 289. – Ein Jude, der einer Frau ein kostbares Halsgeschmeide abgeschwindelt hat und dann mit seinen Waren in einem grundlosen Teich ertrunken ist, sucht nachts nach dem Kleinod: Urdsbr. 5, 188 aus Damp. – Ein Mörder sucht das Messer, das er bei der Tat benutzt hat und das jedesmal am Mordtag von selbst aus dem See auftaucht; er muß es immer wieder in die Flut werfen: Urdsbr. 6, 109 aus Seth in Stormarn; umgehender Mörder auch Mitt. d. nordfr. V. 7, 82 aus Schwabstedt. Kristensen 5, 870 aus Flensburg. Fischer, Slesv. Folkes. 212. Ermordete rufen nachts nach Sühne: Urdsbr. 6, 109 aus Stormarn; Frahm, Stormarn S. 221. Fischer, Slesv. Folkes. 210. Hingerichtete gehen um: Heim. 8, 203 aus Stapelholm; 12, 293 zwischen Flensburg und Tondern. Ebenso Meineidige: Nr. 410. 533. 567. 296. 288 Anm. 293 Anm. Kristensen 6, 115. Meineidige unehrliche Drescher müssen ewig dreschen: Fischer, Slesv. Folkes. 410. Selbstmörder: Kristensen 5, 1041 (Tondern). Über Scheiderufer s. zu Nr. 298. Ein Richter büßt als »schwarzer Reiter« zwischen Raustorf und Witzhave seine übergroße Strenge: Nd. Jahrb. 1, 102. Andere Erzählungen von Wiedergängern: Kristensen 5, 520. 600. 710. 983 s. (Jungfrau, die ein Faß mit Geld vor sich her rollt). 1361. 1950. 1952 (zwei Jungfrauen begegnen sich: »Meine Füße sind so kalt.« – »Meine auch«; vgl. 4, 802 und Grundtvig, Gamle danske Minder 1, 202). 4, 794 u. ö. Fischer, Slesv. Folkesagn S. 63 ff. (aus Tombüll). 184 ff. Schütze, Schlesw. Folkesagn 1, 11. Johansen, nordfries. Sprache 248 ff. 261. – Zu den Wiedergängern gehört auch der Schimmelreiter; die von Müllenhoff nicht verzeichnete Sage (doch s. Nr. 277 Anm.) ist in Eiderstedt und durch Storms Novelle sehr bekannt: Momsen, Bilder aus Eiderst. (1890) S. 73. Eiderst. Beitr. z. Heimatk. S. 102.

In der Troyburg nördlich von Tondern ist in einem großen geräumigen Zimmer ein dunkler Fleck zu sehen; das ist ein Blutfleck; denn einst hat ein Ritter hier einen andern beim Trinkgelage erstochen. Es ist in der alten Burg überhaupt gar nicht geheuer und Nachts geht die Ahnfrau in den Gemächern umher.

Vor vielen Jahren hat hier der alte Peter Ranzau gewohnt, der ein unermüdlich tätiger Mann war. Seinen Geist sieht man noch auf dem Hoffelde zur Mitternachtsstunde umherwandeln, rasselnd mit messingenen Ketten und das Land messend.

Zweiter Bericht der Gesellschaft für Altertümer S. 12. 14.

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282. Das Gespenst auf Gramm.

Die Blutflecken erklären sich ans Nr. 59. – Vgl. Kristensen 4, 797. 6, 91. 452. 767. In Dithmarschen erzählt man von der bösen Antje Voß, der geizigen Frau eines Bauern aus Lehe, die auf dem Binnendeich zwischen Lehe und Wollersum ihr Unwesen treibt; sie schüttete einst vor den Augen einer armen Frau, die für ihr krankes Kind bettelte, einen großen Topf voll Milch in die Gosse; beim Tode der Juchtkälber aus dem Hof bedauerte sie, daß nicht ihre Kinder lieber gestorben seien usw. (Schriftliche Mitteilung.)

Die Gräfin Anna Sophia Schack war früh Witwe geworden. Sie lebte nun auf Gramm in Saus und Braus und führte die leichtsinnigste Wirtschaft. Zuletzt verschwor sie dem Teufel ihre Seele. Diese sollte er nach einer bestimmten Zahl von Jahren an dem und dem Abend holen, sobald ihr Wachslicht auf dem Tische niedergebrannt wäre; und von nun an ging's fast noch toller auf Gramm her als früher. Der Abend kam und das Wachslicht stand vor der Gräfin, die nun mit einem Male von namenloser Angst ergriffen ward. Sie ließ den Prediger rufen und vertraute ihm ihr Geheimnis: da riet er ihr, die Kerze auszulöschen und das noch übrige kleine Stück in der östlichen Mauer der Kirche einmauern zu lassen. Das geschah, und der Böse hatte keine Macht über sie. Bald aber brach Feuer in der Kirche aus. Es war früh am Morgen und die Gräfin war noch im Bette, als sie die Nachricht erhielt. Sogleich aber sprang sie auf und in ihrem leichten Morgenanzuge ohne Schuhe an den Füßen eilte sie nach der eine Viertelmeile entfernten Kirche und ermunterte durch ihre eifrigen Zureden und Bitten das Landvolk zum Löschen des Feuers, so daß wenigstens die östliche Mauer geschützt ward. Seit dieser Zeit war die Gräfin ganz verwandelt, Frohsinn und Heiterkeit waren dahin und ein nagender Kummer brachte sie ins Grab. Doch um Mitternacht wird im Schlosse eine schöne Frauengestalt in schneeweißem Kleide gesehen, die händeringend mit gesenktem ängstlichen Blick und angehaltenen Schritten von einem Zimmer zum andern wandelt und zuletzt sich in den obern Saal des Mittelgebäudes begibt, wo sie, vor die Ofennische tretend, einige Minuten auf ein paar Blutflecke unbeweglich hinstarrt und dann wehklagend verschwindet. – Eine junge Gräfin, die in späteren Jahren einmal auf Gramm zum Besuche war und am Klavier saß und spielte, hat das Gespenst so erschreckt, daß sie bald darnach starb. Niemand geht noch ohne Grauen auf das alte Schloß.

Schriftliche Mitteilung. Vgl. Nr. 39. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 466. Thiele, Danm. Folkes. II, 84.

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283. Das Gespenst am Brunnen.

Auch in Drage geht eine Frau um, die ihr neugeborenes Kind getötet hat. Heim. 3, 203. Vgl. Kl. Groth Ges. W. 1, 120. – Zwischen Himmel und Hölle schweben: Nr. 291. – Zum Einbrennen der Finger des Gespenstes s. Nr. 297. Heim. 22, 27 (»De swart Placken«).

In einem Walde nicht weit von Westensee liegen zwei einsame Häuser, die einst ihr Trinkwasser aus einer jetzt versiegten Quelle holten. Längst war es bekannt, daß es da nicht geheuer sei. Einige behaupteten, es ginge um Mitternacht seufzend und händeringend da ein Weib umher, andre wollten sie butternd an einer Karne gesehen haben. Die meisten verlachten aber alles wie ein Märchen.

Einst diente nun in einem der Häuser eine Magd, die sich durch einen mehr als gewöhnlichen Mut auszeichnete. Sie hatte einmal bei dem Brunnen ein Stück Zeug vergessen, und da die Hausfrau überaus strenge war, so ging sie, als es ihr um Mitternacht einfiel, sogleich dahin. Hell schien der Mond durch die Bäume und ohne Furcht näherte sie sich. In der Ferne sah sie schon ihr Stück Zeug, aber als sie es auflangen wollte, wie erschrak sie, da sie eine weiße Gestalt mit gefalteten Händen vor sich stehen sah, und diese starr aus das Zeug hinblickte! Das Mädchen wollte entfliehen, aber die Gestalt winkte ihr, und wie sie sich zitternd wieder näherte, wies das Gespenst mit jammervollen unverständlichen Gebärden immer auf den Brunnen; das Mädchen wagte vor Furcht nicht zu reden und eilte bald so schnell sie konnte wieder davon nach Hause, und verbarg sich in ihr Bett. Am andern Morgen sah sie bleich und elend aus und die Hausfrau fragte, was ihr fehle. Nach einigem Weigern gestand sie, was ihr in der Nacht begegnet sei. Die verständige Frau antwortete, daß das Gespenst keinen anreden dürfe, sondern sie hätte fragen sollen. Aber das Mädchen gelobte, daß sie sich ferner hüten wolle, um Mitternacht zum Brunnen zu gehen.

Aber in jeder Nacht war es ihr doch, als zöge sie eine unbegreifliche Gewalt dahin; lange widerstand sie. Endlich aber kam es ihr einmal nachts vor, als wenn es schon spät am Morgen wäre und sie Wasser holen müsse. Obgleich ihr eine innere Stimme sagte, du irrst dich, das Gespenst ruft dich, so ergriff sie doch Tracht und Eimer und ging. Da stand die händeringende Gestalt wieder und machte allerlei Gebärden. Das Mädchen faßte Mut und fragte: »Was willst du?« Da erheiterte sich schnell ihr trauriges Gesicht und das Weib sprach: »Nun hoffe ich Erlösung.« Sie erzählte dem Mädchen, daß ihre Eltern brave, aber strenge Leute gewesen wären, die vor hundert Jahren in demselben Hause gewohnt hätten. Sie sei zu Fall gekommen und vom Verführer verlassen worden; aber es sei ihr gelungen, ihren Zustand vor der Mutter zu verbergen. Hier am Brunnen hätte sie geboren, aber das Kind sogleich im Wasser ertränkt und die Leiche darauf unter der Schwelle der Stalltür vergraben. Seit der Zeit hätte sie jede Nacht ein Irrlichtchen gesehen, weil das Kind ungetauft gestorben sei und weder in den Himmel noch in die Hölle kommen konnte; darüber hätte sie keine Ruhe gehabt, weil sie ihre Sünde nicht bekannt und mit ins Grab genommen habe. »Nun mußte ich so lange an dem Ort der Übeltat wandern, bis jemand mich anredet und mein Bekenntnis anhört und verspricht, die Reste meines armen Kindes auf dem Kirchhofe zu begraben. Willst du mich nun erlösen?« fragte sie die Magd, »so gib mir die Hand.« Die Magd reichte ihr das eine Ende der Tracht und eilte nach Hause. Am andern Morgen meinte sie erst einen schweren Traum gehabt zu haben. Als sie aber Wasser holen wollte, fand sie an der Tracht die fünf Finger des Gespenstes tief eingebrannt. Nun sagte sie der Hausfrau alles, und es ward unter der Schwelle nachgegraben. Man fand da bald die kleinen Knöchlein, legte sie sorgfältig in einen Sarg und brachte ihn auf den Kirchhof von Westensee. In der andern Nacht stand das Gespenst am Bette des Mädchens, beugte sich über sie und sagte: »Jetzt bin ich erlöst; ich danke dir!« und damit verschwand es. Die merkwürdig gezeichnete Tracht ward nach Kopenhagen in die Kunstkammer geschickt, wo sie noch zu sehen ist.

Durch Herrn Schullehrer Bahr in Wrohe, Kirchspiel Westensee. – Bei der Sidselledsbro, nicht weit von Jägerup, Amt Hadersleben, ging auch ehedem eine Frau um, die ihr Kind ermordet. Ein Mann kam einmal des Weges und sah das Gespenst für seine Frau an, die ihm entgegen gegangen. Da das Gespenst stumm und ruhig blieb, griff er darnach und sagte: »Du sollst mir nicht entwischen, ich kenne dich schon!« Da bemerkte er, daß das Gespenst kopflos wäre. Vor Schreck stürzte er nieder und man fand ihn am andern Morgen betäubt da liegen.

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284. Die weiße Frau auf dem Sandfelde.

Vgl. Heim. 1, 30 ff. »Die ruhelose Jungfrau«.

In Eutin lebte einst eine reiche schöne, aber übermütige Dame, um deren Hand sich alle jungen Leute der Gegend bewarben. Jeden wußte sie durch ihre Reize anzulocken und jeder glaubte einmal der glückliche Freier zu sein, dann aber ward er mit Hohn und Spott abgewiesen. Unter den Freiern zeichneten sich besonders zwei Brüder aus und das Mädchen zog die beiden auch sichtbarlich den übrigen vor. Weil aber beide von gleich heftiger Liebe entbrannt waren und jeder endlich glaubte, nur der andre stünde seinem Glücke entgegen, so erwachte die glühendste Eifersucht in ihrem Herzen. Einmal trafen sie in einem Gehölze auf der Jagd zusammen, ein böser Geist ergriff sie und sie erschossen sich gegenseitig. Da hat ihr nun kinderloser alter Vater das übermütige Mädchen verwünscht und von Stund an war sie aus ihren Zimmern verschwunden. Wer aber Nachts über das Sandfeld zwischen Eutin und Stendorf kommt, dem erscheint sie in langer weißer Kleidung; sie ist noch ganz die schöne reizende Gestalt wie früher, und mit sehnsüchtigem Blick ladet sie jeden zum Kusse ein. Wer aber sich ihr nähert, vor dem verwandelt sie sich plötzlich und ein Scheusal von verwestem Ansehen mit feuersprühenden Augen steht vor ihm. Sie wird jedoch so lange auf dem Sandfelde umherirren müssen, bis es endlich einer wagt, sie zu küssen. Ihrem Retter wird sie viele Reichtümer, besonders einen großen silbernen Tisch übergeben. – Ein armer Tagelöhner hat einmal die Erlösung versucht, erschrak aber so dabei, daß er erkrankte und in wenigen Tagen starb. Von dem kleinen Dr. X. in Eutin sagte man früher oft, er habe die Prinzessin geküßt und den silbernen Tisch dafür erhalten; denn niemand wußte, wie er zu seinem Gelde gekommen sei.

Mündlich. – Etwas abweichend von Herrn Kirchmann in Eutin.

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285. Gnade bei Gott.

Vgl. Nr. 334.

Vor reichlich hundert Jahren stand an der Kirche zu Ries ein Prediger mit Namen Herr Peter. Der war fromm und gottselig und seine Ehefrau desgleichen. Gott aber suchte sie heim mit vielem Kreuz. Die Frau bekam einen bösartigen Krebsschaden in der Brust, und bald nahm ihr Leiden überhand und die grimmigsten Schmerzen ergriffen sie. Der fromme Prediger tröstete sie nach besten Kräften, wachte, redete und betete mit ihr ganze Nächte hindurch, aber doch gab es Augenblicke, wo sie im Übermaße des Schmerzes an Gott verzagte und sich verlassen glaubte. Nach langen Leiden verschied sie endlich. Der treue Gatte trauerte sehr um ihren Tod, aber noch mehr lag ihm der Kummer am Herzen, seine Frau möchte um ihres schwachen Glaubens willen nicht Gnade vor Gott gefunden haben. So saß er einige Zeit nach ihrem Tode einmal Sonntags nach gehaltener Predigt in seiner Sakristei und gedachte gesenkten Hauptes wiederum, wie oft, schwermütig der lieben Verstorbenen. Da, indem er aufblickt, sieht er zu seinem Erstaunen sie vor sich stehen, angetan mit einem weißen hellschimmernden Gewande. Sie lächelte ihm freundlich zu und gab ihm durch Zeichen zu verstehen, er solle nicht länger sorgen, denn sie habe Gnade gefunden. Seitdem war der gute Prediger völlig beruhigt; wohl gedachte er oft der Entschlafenen, aber er grämte sich nicht mehr.

Durch Herrn Petersen in Soes.

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286. Die Gongers.

Vgl. zu Nr. 281. Was man schwangeren Frauen mit ins Grab gibt: Kristensen 3, 1144.

In Keitum auf Sylt starb einmal eine Frau vor ihrer Entbindung; da ist sie mehrere Male dem Knecht des Predigers erschienen und hat nicht eher Ruhe im Grabe gehabt, als bis man ihr Scheere, Nadel und Zwirn ins Grab gelegt. So tut man bei Frauen in Nordfriesland gewöhnlich.

Es gibt da überhaupt manche Wiedergänger oder Gongers; denn wer unschuldig ermordet ist, oder Grundsteine versetzt und Land abgepflügt hat, findet keine Ruhe im Grabe. Ebenso müssen auch die Gotteslästerer und wer sich selbst verflucht und die Selbstmörder wiedergehen. Einem solchen Gonger darf man nicht die Hand reichen; sie verbrennt, wird schwarz und fällt ab.

Wenn einer von der Verwandtschaft auf der See ertrunken ist, meldet er es nachher den Anverwandten. Wem ein solcher Gonger begegnet, der erschrickt nicht, sondern wird vielmehr betrübt. Der Gonger meldet sich aber nicht in der nächsten Blutsverwandtschaft, sondern im dritten oder vierten Gliede. In der Abenddämmerung oder bei Nacht läßt er sich sehen in eben der Kleidung, worin er ertrunken ist. Er sieht dann zur Haustür herein und lehnt sich mit den Armen darauf, geht auch sonst im Hause herum, verschwindet aber bald und kommt am folgenden Abend um dieselbe Zeit wieder. Nachts öffnet er, gewöhnlich in schweren aufgezogenen Stiefeln, die voll Wasser sind, die Stubentür, löscht mit der Hand das Licht aus und legt sich dem Schlafenden auf die Decke. Am Morgen findet man einen kleinen Strom salzigen Wassers, das dem Ertrunkenen von seinen Kleidern abgetröpfelt ist, in der Stube. Lassen die Verwandten durch dieses Zeichen sich noch nicht überreden, so erscheint der Gonger so lange wieder, bis sie es glauben. Der Gonger gibt auch andre Zeichen. Man erzählt:

Ein Schiffer mit zwei Söhnen segelte von Amrum aus mit Saat nach Holland. Der jüngste Sohn hatte gar keine Lust zu der Reise. Er flehte seine Mutter an: »O Mutter, laß mich doch zu Hause bleiben, ich mag nicht mit!« »Ich kann ja nichts dazu tun«, sprach die Mutter, »dein Vater will es.« Der Sohn mußte also mit. Als sie auf dem Wege zum Hafen in Bosk über den Steindamm gingen, sagte er zu seiner Mutter und den andern, die ihn begleiteten: »Denket an mich, wenn ihr über diese Steine geht.« Noch in derselben Nacht verunglückten sie. Des Schiffers Schwester wohnte bei ihm im Hause. Nachts hatte sie ihr weißes Brusttuch vor dem Bette liegen; am Morgen fand sie drei Tropfen Bluts darauf. Da fühlte sie, daß die Ihrigen umgekommen und sie in der Nacht bei ihr gewesen seien.

Herr Hansen auf Sylt. Lorenzen in Camerers Nachrichten I. Herr Dr. Clement. – Zum ersten Absatz vgl. Mones Anzeiger VII, 473. Thiele, Damm. Folkes. II, 135.

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287. Die Male des Mütterchens.

Auf dieselbe Weise wird ein Edelmann, der wegen seiner Sünden seit 400 Jahren bei Hoptrup umgeht, erlöst; das Mädchen findet am neunten Tage einen Dankbrief des Erlösten; die Spuren seines Händedrucks trägt sie noch viele Jahre: Kristensen 3, 157. 158. Vgl. das. 1251. Fischer, Slesv. Folkes. 212.

In einem Wäldchen bei Hadersleben lebte vor nicht gar vielen Jahren ein altes Mütterchen, das an beiden Handgelenken ein paar dunkelrote Reife hatte. Wenige hatten diese unnatürlichen Male gesehen, aber man erzählte davon diese Geschichte.

In ihrer Jugend diente sie auf einem Bauernhofe zwischen Tondern und Hadersleben. Einmal war sie, als es schon spät war, erst zum Melken hinaus aufs Feld gegangen. Da hörte sie mitten in der Arbeit im nahen Gebüsch ein Geräusch; in dem Glauben aber, es sei ihr Bräutigam, blieb sie ruhig und melkte fort, ohne umzusehen. Plötzlich fühlte sie sich von zwei kalten knöchernen Händen an beiden Armen gefaßt und eine hohle Stimme rief: »Bete ein Vaterunser!« Mit bebenden Lippen stammelte sie das Gebet; als sie geendigt, stand ein kleines Männchen in altmodischer Tracht vor ihr und sprach mit derselben Stimme wie vorher: »Du sollst Dank haben; denn nun kann ich Ruhe finden. Ich war verflucht, so lange umher zu irren, bis das Gebet einer reinen Jungfrau mich erlöste. Komm morgen wieder, und dem Lohn soll dir werden.« Damit verschwand die Erscheinung. Voller Schrecken kam das Mädchen in das Haus ihres Brotherrn und erzählte, was ihr begegnet sei. Die Furcht vor dem Kleinen war bei ihr so groß, daß sie erklärte, sie werde um keinen Preis wieder dahin gehen. Da unternahm der Herr am andern Abend an ihrer Statt den Gang. Was ihm aber da begegnet und was er gesehen und gehört, hat er nachher niemand erzählen wollen; aber sichtlich ruhte seit jenem Abend ein ganz besonderer Segen auf seinem Besitze.

Durch Fräulein D. Tamsen in Tondern.

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288. Der Bröddehoogmann.

Auf Fehmarn will man bei Puttgarden nächtlicher Weile einen geldzählenden Mann gesehen haben, der seinen Kopf unter dem Arm trug: Voß und Jessel, Die Insel Fehmarn (1898) S. 67. – Vgl. Kristensen 3, 785. – Vgl. zu Nr. 277 und 281.

Auf dem Bröddehoog, einem alten Grabhügel zwischen Braderup und Kampen, haben viele Leute, oft bei hellem Tage, einen Mann von mittlerer Höhe, grau gekleidet, mit einer altmodischen Mütze auf dem Kopfe stehen sehen. Den Kopf hatte er gesenkt und mit nachdenklicher, schwermutsvoller Miene schaute er vor sich nieder. Er hieß der Bröddehoogmann.

Einst wohnte er in einem der nördlichern Dörfer Sylts und erwarb sich durch See- und Strandraub ein großes Vermögen. Die von ihm ausgeplünderten und ermordeten Schiffbrüchigen verscharrte er in der Gegend des Bröddehügels. Vor den Augen der Leute und seiner eigenen leichtsinnigen Söhne verbarg der geizige Mann seine Schätze sorgfältig in dem geräumigen Gewölbe jenes Hügels. Während der Nacht aber schlich er oft dahin, zählte sein Geld, und saß stundenlang in seiner unterirdischen Schatzkammer auf seinen Säcken. Er brütete auf seinen Goldeiern, wie man sagte, und davon bekam der Hügel den Namen Brütehügel.

Der Mann starb, ohne seinen Söhnen Nachricht von seinem Reichtum zu geben. Aber ob diese eine Ahnung davon hatten, oder dem Vater einmal nachgegangen waren, sie stellten wenigstens gleich in jenem Hügel eine Nachsuchung an. Aber unrecht Gut kommt nicht an den dritten Mann. Während sie im Steinkeller arbeiteten, stürzte er ein und begrub die habgierigen Söhne des geizigen Mannes, der hinfort auf dem Grabe seiner Kinder und zugleich der ermordeten Schiffbrüchigen als Gespenst umgehen muß.

Durch Herrn Schullehrer Hansen auf Sylt. – Es wird auch so erzählt, daß ein Mädchen aus Braderup an einen Kampener verheiratet diesem ein großes Heidefeld bei dem Bröddehoog (also meint man Briddhoog, Brauthügel Nr. 147 f.) zugebracht habe. Nach ihrem Tode haben die Kamper es nicht, wie es Gesetz gewesen wäre, an die Verwandten der Frau zurückgeliefert. Ihr (meineidiger?) Ratgeber in dieser Sache soll nun jenes Gespenst sein. – Der Hügel ist vor einiger Zeit abgetragen und man fand den gewöhnlichen Inhalt solcher Gräber. Rendsb. Wochenbl., Febr. 1845.

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289. Hark Olufs.

Wer auch nur vier Schillinge versteckt hat, von denen niemand weiß, muß wiedergehen. (Urqu. 4, 122, vgl. Kristensen 3, 972. 1040.) Eine Frau findet keine Ruhe, weil sie drei ihrem Manne entwendete Schillinge unter den »Oken« versteckt hat (Urdsbr. 3, 136). Im Wilden Moor bei Vaale liegt ein Schatz, und der ihn dort versteckt hat, geht als Feuerkopf (vgl. Nr. 292) um und sucht ihn: Voß und Schröder, Wacken S. 52. – In Lindholm (Nordfriesl.) erscheint ein Verstorbener wieder und gibt durch Zeichen zu erkennen, daß in seinem Rockärmel Wertpapiere eingenäht sind: Urqu. 4, 122.

Hark Olufs, ein Amringer von Geburt, ward auf dem mittelländischen Meer von Seeräubern gefangen genommen, in Algier als Sklave verkauft und kam so in die Dienste des Bei Assin von Constantine. Dem diente er treulich zwölf Jahre, ward sein Schatzmeister und General und schlug den Bei von Tunis in einer großen Schlacht. Da erhielt er endlich Erlaubnis, in seine Heimat zurückzukehren, und lebte nun die übrige Zeit seines Lebens auf Amrum von seinen Schätzen, die er im Türkenlande gesammelt hatte. Nach seinem Tode aber hatte er keine Ruhe im Grabe. Allnächtlich wanderte er in seinem Sterbekleide auf Hochstiän (Hochstein), einer Anhöhe zwischen dem Kirchdorf Nebel und dem Süddorfe, wo er gewohnt hatte, umher, und lange Zeit wagte es keiner, den Geist zu fragen, was ihm fehle. Endlich unternahm es einer. Da gab er zur Antwort, daß er in seinen letzten Jahren die meisten seiner Schätze, die er aus dem Türkenlande mitgebracht, unter der Türschwelle seines Hauses zu Süddorf vergraben hätte, ohne seinen Erben davon zu sagen: das ließe ihm nun keine Ruhe. Als man darauf unter der Türschwelle nachgrub, fand man einen großen, ganz mit Geld gefüllten Topf, der Schatz ward gehoben und alles unter die Erben verteilt. Und von da an hatte der Geist Ruhe und man sah ihn nicht wieder.

Durch Herrn Johannsen von Amrum.

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290. Der vergrabene Schatz.

Licht zeigt Schatz an: zu Nr. 134. Hufeisen in die Tür gebrannt: vgl. Heim. 3, 95 (Brandmale des Bades an der Haustur). – Tobler (s. zu Nr. 204) S. 85.

Nicht weit von Otersen liegt das Dorf Heist. Hier lebte vor Jahren ein alter Mann, der viel zur See gereist war und sich viele Reichtümer erworben hatte. Denn so mußte man im Dorfe glauben, obwohl er nur zur Miete wohnte, weil er den Armen immer reichlich gab und immer Geld vollauf hatte. Doch nach seinem Tode fand man zur Verwunderung der Leute nichts in seiner Wohnung. Aber seit der Zeit zeigte sich auf der Loge, der Meente des Dorfes, ein großes Helles Licht in dunkeln Nächten, viel größer als ein gewöhnliches Irrlicht und auch flackerte es nicht umher wie diese, sondern stand unbeweglich auf einer Stelle. Ein paar junge Bauern beschlossen endlich, es einmal näher zu untersuchen. An einem Abend, als das Licht sich wieder zeigte, gingen sie hinaus auf die Loge, und als sie in seine Nähe kamen, stießen beide nach Verabredung einen tüchtigen Fluch aus, weil sie wußten, daß ein gewöhnliches Irrlicht davor wegliefe; aber dies Licht blieb stehen. Sie fluchten zum zweiten Male und zum dritten Male; da fuhr das Licht zischend empor und floh nicht, sondern kam gerade auf sie los. Voll Schreck ergriffen sie die Flucht und erreichten eben noch das Wirtshaus, als es ihnen ganz nahe auf den Fersen war; und da sie eben die Tür zugeschottet hatten, fiel ein so furchtbarer Schlag dagegen, daß sie vor Schreck niederfielen. Am andern Morgen fand man ein großes Hufeisen darauf eingebrannt, und so oft der Tischler das Brett auch herausnahm, immer war es am andern Morgen wieder zu sehen. Nach längerer Zeit wollte der eine Bauer auf der Loge einen Feldstein mit Pulver sprengen. Als man nun eine Grube aufwarf, um den Stein dahinein zu legen, traf man auf etwas hartes und fand bald einen eisernen Kasten, der, als man ihn mit vieler Mühe öffnete, eine große Menge der allerblanksten Geldstücke enthielt. Nun erkannte man, daß sie zufällig die Stelle getroffen hätten, wo sich immer das Licht zeigte, und auf dem Deckel des Kastens war ein eben solches Hufeisen zu sehen wie an der Wirtstür. Der Bauer war so klug, das Geld nicht allein für sich zu behalten, sondern teilte es mit dem ganzen Dorfe, weil es auf der Gemeindewiese gefunden war. Seit der Zeit ist das Licht verschwunden und auch das Hufeisen an der Wirtstür blieb weg, als man ein neues Stück einsetzte. Die Loge ist jetzt seit Jahren auch aufgeteilt.

Mündlich. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 439 f.

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291. Dat lütje Tümmeldink.

Zwischen Himmel und Hölle schweben: Nr. 283. – Zu Absatz 2: »dat Füer brenn as en Bund Stroh« vgl. Nr. 411: Schwertmann geht wie ein großer hellbrennender Schoof um und Nr. 293 Anm. 296. – Tobler a. a. O. S. 82.

Et weer hier inne Marsch mal en riken, riken Buer. De weer so stolt un so hochmödig op sinen Riekdom un wenn de armen Lüd kemen un em um en Stück Brood beden, un se ehr »Vêl dusent Gottsloon« säen, so antwoord he: »Ik bruuk din Gottsloon ni; ik heff all noog«, un lach se darto noch ut. Darfœr muß he, as he storwen weer, ewig twischen Himmel un Höll swêwen un muß so lang noch op Eerden wandeln, bet he sik en »Gottsloon« verdeent harr.

Nu kunn man nachs ümmer en Füer seen, dat brenn as en Bund Stroh un leep ümmer hen un her un wenn noch laat dar wull wanken däd (spät da jemand ging), so keem dat Füer op se to, un so gau (schnell) se uk lepen, et leep ümmer so bi se her, bet se to Huus weren. De Lüd worden eerst ümmer bang darvœr; awer toletz worden se dat gans gewennt un worden gans vertruut damit. Wenn't enmal rech düster weer un ener sä: »Kumm, lüch mi ins«, gliek weer dat lütje Tümmeldink da (denn so nömen se dat Füer) un wenn ener sik verlopen harr un he sä man: »Wenn dat lütj' Tümmeldink doch man hier weer!« so weer et uk glieks dar un broch em na Huus. So ging dat nu vêle, vêle Johr un dat lütje Tümmeldink harr mennig een holpen, awer noch kenen Dank verdeent.

Enmal bi Nach wull en bedrunken Mann na Huus. Sien Weg weer noch wied un de Nach weer düster; et weer bi Harvsttiden un de Gröben weeren allerwegens vull Water. He verfêhl en Stêg un full in en depe Gröf un weer neeg daran to verdrinken; do reep he in sien Hartensangst: »Och, weer doch man dat lütj' Tümmeldink hier!« Glieks word et gans hell bi em, lütj' Tümmeldink weer bi de Hand, holp em herut, un broch em to Huus. Vœr Küld un Mödigheit kunn de Mann nich wider un do he de Dœr opmaak, sackt he daal un sä: »Du schast vel dusent Gottsloon hebben!« Do sprung dat lütj' Tümmeldink hoch op un reep: »Gottlof! nu bin ik frie!« un siet de Tied hett et sik ni wedder seen laten.

Mündlich aus Marne in Süderdithmarschen. – Kuhns, Märk. Sagen Nr. 93; Bechstein, Fränk. Sagen S. 128.

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292. Der verwünschte Prinz.

Gespenst mit brennendem Kopf f. zu Nr. 289; vgl. 291. 296. zu 298.

Unweit der Horstmühle auf dem Bödenteich zwischen Elmshorn und Horst geht ein verwünschter Prinz um, und zwar zur Zeit des Neumonds. Es ist eine große lange feurige Gestalt mit brennendem Kopfe und trägt ein Spinnrad unterm Arm. Diese Strafe leidet er, weil er einst einen falschen Schwur getan hat, nun schon seit vielen hundert Jahren.

Durch Mommsen.

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293. Die Mäher.

Dieselbe Sage aus Uk in Schleswig. Jb. f. Ldk. 4, 152. Vgl. Frahm S. 87. Kristensen 2 J, 186: Streit wegen eines Mädchens; die Feuer haben die Gestalt von Sensen. – Auf dem Hünengrab zwischen Sprenge und Birkenmoor im Dänischen Wohld soll sich alljährlich zur Zeit des Umschlags ein Licht gezeigt haben. (Mündlich.) Auf einem Kreuzweg bei Westerdeich (Eiderstedt) sehen nächtliche Wanderer häufig eine glühende sprühende Kngel herumfliegen. (Mündlich.) Vgl. noch Carstens, Wanderungen durch Dithm. S. 8. – Zur Anm. vgl. »Braurup Tratteild« bei Fischer, Slesv. Sagn S. 78 ff.

Die Brorkenkoogswisch in der Tonderschen Marsch bei dem Kanzleihof Fresmark hat ihren Namen von einem reichen Bauer, namens Brork, der vor seinem Tode all sein Vermögen unter seine drei Söhne teilte, bis auf diese schöne Wiese, über die sie sich brüderlich vereinbaren sollten. Als nun der Vater gestorben war, machten die drei unter sich aus, daß dem die Wiese gehören solle, der bei der ersten Mahd auf ihr die meisten Schwaden schlüge. Beim Mähen aber wurden sie eifersüchtig aufeinander und erschlugen sich zuletzt einer den andern mit den Sensen.

Seit der Zeit tanzen auf der Brorkenkoogswisch allnächtlich drei Irrlichter herum und machen das Wettmähen und den Bruderzwist nach; dann verlöschen sie eins nach dem andern.

Volksbuch 1844 S. 90. – Nördlich von Tiislund, Amts Hadersleben, gingen einmal zwei Brüder auf ihr Roggenfeld und mähten. Sie gerieten bald in einen heftigen Streit (Trœtte) und erschlugen sich mit ihren Sensen. Davon heißt der Acker Trœdblok; denn Block bedeutet in Nordschleswig wie in Dithmarschen einen kurzen Acker. – Zwischen Nägen und Fiefharrie, Amt Bordesholm, eine Koppel Streithorst; zwischen Owschlag und Sorgwohld, bei Schleswig, gehen drei Männer als brennende Strohbündel, weil sie die Grenzen beider Dörfer einst falsch beschwuren. – Vgl. Mones Anzeiger VIII, 223.

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294. Die Irrlichter bei Ullenbierge.

Bei Ladelund zeigen sich vier große Lichter an der Stelle, wo ein Vater mit seinen drei Söhnen in einen Streit geriet, in dem sich alle erschlugen: Kristensen 2, J 184.

Bei Ullenbierge, so heißt es in Tondern, arbeitete einst ein Vater mit seinen beiden Söhnen auf dem Felde. Beide Brüder waren sich längst todfeind. Bald gerieten sie auch miteinander in Streit; der Vater, um sie auseinander zu bringen, mischte sich hinein; da übermannte sie der Zorn und einer erschlug den andern. Man fand alle drei in ihrem Blute schwimmend. Nun sieht man seit der Zeit nachts auf jenem Felde bei Ullenbierge drei Irrlichter und das mittelste hüpft immer zwischen den beiden andern, als wollte es sie auseinander halten. Das ist der Vater mit seinen beiden Söhnen.

Durch Herrn Tamsen in Tondern.

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295. Die Irrlichter bei Jordkirch.

Von Jordkirch aus sieht man in den Monaten August und September, scheinbar an der Ostseite der Drawitter Hölzung, die wohl drei Meilen entfernt sein mag, nach Sonnenuntergang zwei Feuer oder Lichter, deren eines größer ist als das andre.

Ein armer Schneider in Höist hatte nämlich ein böses, trunkfälliges Weib; die verbitterte ihm das Leben so, daß er keine frohe Stunde mehr hatte; alles was er verdiente, das vergeudete und vertrank sie. Eines Tages hatte er kein Bißchen Brot mehr im Hause. Da kam sein kleiner Sohn und bat weinend um etwas; denn ihn hungerte so. »Komm mit«, sagte der Vater, »ich will dir Brot geben, daß du nie mehr Hunger leiden sollst«, und damit ging er mit ihm nach der Drawitter Hölzung, die nicht weit vom Dorfe liegt. Als sie nun dahin kamen, da ermordete der Vater in seiner Verzweiflung erst seinen Sohn und verscharrte ihn im Sande, und dann erhängte er sich selbst. Seit der Zeit sieht man dort jene Lichter wandeln.

Durch Herrn Pastor Hansen in Jordkirch bei Apenrade.

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296. Der Scheidevogt.

Kristensen 6, 109 (aus Broacker). 115. Feilberg 301 (aus Handewitt). Zwölf Bauern im Dorfe Husum bei Scherrebek gewannen auf dieselbe Weise viel Land; sie ertranken sämtlich bei einer Sturmflut: »Tolv vi bœr, elleve vi svœr, alle til Helvede vi fœr: Kristensen 4, 1296. Fischer, Slesv. Sagn S. 78 ff. – Nach Urdsbr. 4, 47 geht der Feuermann im Tal der Giselau um. Vgl. Nr. 569 und zu Nr. 291 u. 292. Teufel als Last schleppen: zu Nr. 231.

Zur Zeit der Austeilung und EinKoppelung entstanden zwischen den Dörfern Albersdorf und Röst in Süderdithmarschen Grenzstreitigkeiten. Die Scheide konnte nicht ermittelt werden, bis ein Mann aus Albersdorf erklärte, daß er sie genau wisse und mit einem Eide seine Aussage bekräftigen wolle. Zu dem Ende begab er sich an die Grenze der Albersdorfer Feldmark, füllte bei der Tensbüttler Furt, wo es durch die Gieselau geht, seine Schuhe mit Sand, ging dann nahe vor Röst und tat da seinen Eid, daß er auf Albersdorfer Grund und Boden stehe. Er glaubte den Meineid vermieden zu haben. Aber nach seinem Tode mußte er als Feuerkerl auf der Scheide umgehn (scheelgaan). Eine Flamme von Mannshöhe hat da gerade auf der Scheide in dunkeln Nächten lange umher gehüpft, bis das Moor trocken gelegt ward. Wenn sie recht hoch aufflackerte, erkannten sie die Leute und riefen: »Dat is de Scheelvaagt!« An der Stelle, wo er den Sand einfüllte, mußte jeder, der nachts da hindurch ging und kein reines Herz hatte, eine ziemliche Strecke weit den Teufel wie eine zentnerschwere Last auf seinem Rücken fortschleppen.

Auch zwischen dem Gute Röest und dem Dorfe Rabenkirchen in Angeln war einmal Streit um eine Hölzung. Der Edelmann füllte an einem Morgen Erde aus seinem Garten in die Schuhe, steckte Zweige von den Bäumen auf seinem Hofe auf den Hut, und tat nun im Gehölze, das den Rabenkirchnern eigentlich gehörte, den Schwur, daß er auf seiner Erde stünde und die Zweige über seinem Haupte sein wären.

Drei Männer aus Spandet im nördlichen Schleswig haben dem Dorfe Fjersted einmal die schöne Wiese Elkjœr abgeschworen; dafür erhielt Fjersted die schlechtere, Sepkjœr. Sie hatten auch Erde in die Holzschuhe genommen und büßten ihre Schuld, indem man sie nach ihrem Tode lange händeringend auf der Wiese umhergehn sah und sie ausriefen:

Med Ret og Skjel (Fug),
Det ved vi vel,
Elkjœr ligger til Fjersted Bye,
Sepkjœr ligger til Spandet.

Mündlich. – Jensen, Angeln S. 232. – Herr Dr. Reimers auf Gramm. – Bei Jordkirch, Propstei Apenrade, sieht man mitunter zwei oder drei Lichter, die Braurup Trœdeeld die Brauruper Prozeßfeuer heißen, weil drei Bauern durch einen Meineid, indem sie Erde in ihre Schuhe nahmen, ihren Nachbaren Land abgeschworen und nun dafür brennen. – Kuhn, Märk. Sagen Nr. 52. Thiele, Danm. Folkes. II, 126.

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297. Die Grenze verrückt.

Zu Nr. 283. 305, 4. Kristensen 5, 2113. Fischer, Slesv. Folkes. S. 414 f. Dem Gespenst wird statt der Hand der Stock hingehalten: Heim. 4, 21 aus Hohenwestedt; 4, 74 aus der Gegend von Apenrade.

In Barkau erschien einem Bauern der verstorbene frühere Besitzer seiner Hufe und forderte ihn auf, einen Teil seines Landes, dessen Grenze er verrückt habe, wieder abzugeben; in der künftigen Nacht solle er an Ort und Stelle kommen, um sich alles näher bezeichnen zu lassen. Als der Bauer nicht erschien, stellte der Geist sich wieder an seinem Fenster ein, machte ihm Vorwürfe und verlangte seinen Handschlag. Der Bauer wagte nicht ihm die Hand zu reichen, sondern hielt ihm einen Stock hin. Doch der Geist griff zu weit und erfaßte das Ende des Daumen, das danach ganz schwarz ward und bald abstarb.

Durch Dr. Klander in Plön. – Bei Husum erschien die verstorbene böse Hausfrau immer dem Mädchen, wenn dieses beim Melken war. Sie redete jene endlich an und sollte ihr die Hand reichen. Da hielt sie ihr einen Zipfel ihrer Schürze hin, der ganz verbrannte. Man schärft überhaupt die Regel ein, einen unruhigen Geist ja anzureden, aber ihm nie die Hand zu geben, sonst verbrennt sie.

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298. Das Gespenst mit dem Grenzpfahl.

Die häufigste Form der Grenzgänger sind in Schl.-H. die Scheiderufer, die sich, meist mehrere zugleich, mit dem Ruf: »Hier is de Scheed!« oder »Hier schall de Steen staan!« nächtlich an der Grenze tummeln: Urqu. 2, 202 f. (aus Stormarn u. Lauenburg). Urdsbr. 6, 109 (aus Stormarn). Frahm, Stormarn S. 221. Heim. 13, 228. Die Pferde wittern sie schon von fern und schlagen einen andern Weg ein: Urqu. 2, 203 (aus Lauenburg). In Dithmarschen bringt man die Scheiderufer gern mit den Landesteilungen zusammen; vgl.Kl. Groth Ges.Werke 1, 189. 2, 171. 4, 18 und Nd. Jahrb. 28, 114. Heim. 6, 159 (aus Weddingstedt). Oft erscheinen sie kopflos (wie auch sonst die Wiedergänger, s. zu Nr. 274): Urqu. 4, 146. Voß u. Jessel, Fehmarn S. 67. Auf der »Strietkoppel« bei Oldesloe rollt der Scheiderufer seinen feuerglühenden Kopf die Grenze entlang: Heim. 13, 228. – Auf der Scheide zwischen Husby und Schuby steigt um Mitternacht aus einem Brunnenschacht ein feuriger Mann hervor und ruft: »Hier ist die Grenze!« Auf diese Weise wird die Grenzlinie nie verwischt: Heim. 6, S. XV.

In den niedrigen Fennen zwischen Lindholm und Maasbüll, Amt Tondern, die im Winter meist unter Wasser stehen, tobte allnächtlich ein Gespenst. Es war ein Mann mit einem großen Pfahl auf dem Nacken, und indem es umherstürmte, schrie es beständig: »Wo schall ik den Paal daalschlaan? wo schall ik den Paal daalschlaan?« Die ältesten Leute hatten davon schon von ihren Eltern gehört und immer ging das Gespenst noch umher. Es tat keinem etwas zu Leide und jeder ging still vorüber; es bekümmerte sich niemand weiter darum. Einmal aber kamen zwei Nachbarn miteinander vom Markte zurück, und der eine war etwas betrunken. Als sie nun an die Stelle kamen und das Gespenst rief, fragte er: »Wat seggt de Kêrl?« »Um Gottes Willen, so schwieg doch«, sagte der andre, »he deit di niks.« »Ik will awer wêten, wat he seggt«, erwiderte der andre mürrisch und rief das Gespenst an: »Wat seggst du?« Gleich stand es vor ihnen und schrie: »Wo schall ik den Paal daalschlaan? wo schall ik den Paal daalschlaan?« Vor Schreck plötzlich nüchtern faltete der Mann die Hände und antwortete: »In Gottes Namen schlaag em daal, wo he fröer staan hett.« Unter lautem Danke, weil es auf dieses Wort schon über hundert Jahr gehofft hatte, rannte das Gespenst nach einer Stelle, schlug den Pfahl da hinunter, so daß das Wasser weit über seinen Kopf und über den Pfahl hinweg stob, und war zugleich verschwunden.

Der Mann hatte nämlich bei Lebzeiten den Grenzpfahl verrückt und hatte damit umgehen müssen, bis jemand ihn anredete und dadurch erlöste.

Schriftliche Mitteilung. – Zwischen Maugstrup und Kjeftrup, Amt Hadersleben, hat der Prediger, Herr Jacob, auch den Grenzstein verrückt; dafür muß er umgehen. Ähnliche Sagen werden sich überall finden. – Bechstein, Thüringische Sagen IV, 431. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 428. Mones Anzeiger VIII, 223.

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299. Der nächtliche Pflüger.

In der Breder Gemeinde hatte ein Mann seinem Nachbarn ein Stück Land betrügerischer Weise abgenommen. Nach seinem Tode konnte er darum keine Ruhe finden. Jeden Abend, wenn es dunkel zu werden anfing, sah man ihn mit Pflug und Pferden und dem Knecht, der ihm früher geholfen hatte, auf den Acker ziehen und pflügen. So oft er die Wende hinunter gekommen war, hörte man ihn seinem Knecht zurufen: »Willads vend!« (Wilhadus kehre um!) Gegen Mitternacht zog er auf einem schmalen Wege wieder zum Kirchhof hinauf, um noch zur rechten Zeit im Grabe zu sein. Da dachten einige mutwillige Burschen einmal den Pflüger zu fangen. Sie kauften ein neues ungebrauchtes Hanfseil, bespickten es mit ungebrauchten Nähnadeln und spannten es über den Weg. Dann stellten sie sich daneben, um zu sehen, wie es abliefe. Aber je näher die Zeit der Heimkehr des Pflügers kam, je schwüler ward ihnen ums Herz und endlich eilten sie furchtsam davon. Bald darauf hörten sie einen durchdringenden Schrei, dann war alles wieder still. Am Morgen fand man das Seil zerrissen; der Nachtwandler kam aber später nicht wieder.

Durch Herrn Petersen in Soes. – Kuhns Märk. Sagen Nr. 27. Haupts Zeitschr. IV, 391.

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300. Schwarze Hunde.

1.

Die beiden Sagers (Nr. 305, 1) sind bei ihrer Bannung »as en Paar swarte Pudels antoseen«: Biernatzki, Volksbuch 1849 S. 122. – In Nordschleswig ist die Sage vom Nachtraben bekannt; er ist das Gespenst eines vornehmen Mannes, das jede Nacht als Rabe auffliegt, um das heilige Grab zu erreichen; das gelingt nie, da es vor dem Hahnenschrei wieder in Hagensholm sein muß: Jb. f. Ldk. 10, 47. Vgl. Kristensen 2 C, 105. H, 190. – Der Teufel erscheint als großer schwarzer Pudel: Nr. 320. 552, 1. 3; vgl. 328. Urqu. 4, 168 aus Maasbüll. – In Süderdithmarschen erzählt man: Wer sich unsichtbar machen will, muß in der Johannisnacht (vgl. Nr. 352) zwischen 12 und 1 Uhr aus drei Kirchspielen eine Roggenähre holen. Ein Knecht versucht es bei Achterhörn, wo drei Kirchspiele zusammenstoßen. Zwei Ähren bekommt er; um die dritte zu bekommen, muß er über einen Steg. Da aber sitzt ein großer schwarzer Hund mit feurigen Augen und sieht immerzu in den Mond. Als der Knecht den Steg betritt, blickt er ihn glühend an, fletscht mit den Zähnen und knurrt. Vergebens versucht es der Knecht ein paar Mal, da schlägt es eins, der Hund verschwindet, aber damit auch die Stunde, in der die dritte Ähre gepflückt werden muß (Mündl. u. Modersprak 1916 S. 41).

Von Elmshorn nach seinem kombinierten Anteil Vormstegen hin führt ein langer hölzerner Steg über die Wiesen. Es war gefährlich abends hinüber zu gehen. Denn ein wegen einer großen Übeltat verwünschter Ritter mußte in der Gestalt eines ungeheuren Hundes nach einem Hügel bei Bormstegen, dem Krögersberg, wo einst sein Schloß gestanden, jeden Abend zwischen zehn und elf Uhr wandern und zwischen elf und zwölf mußte er von dort wieder zurückkommen, weil eine jede Stunde längeren Verweilens ihm ein Jahr Strafe mehr gebracht hätte; zugleich durfte er nicht trockenen Fußes gehen. Wenn daher die Wiesen nicht feucht genug waren, so ging er in dem Graben entlang, der die alte Aue heißt. Weil nun aber sein Kopf so groß war wie der eines Ochsen, sein Schwanz wie ein Windelbaum, und seine Haare länger als das längste Gras, so mußte sich der Steg auseinander tun, wenn er herzukam, daß er frei durchgehen konnte. Kamen dann gerade Leute, so fielen sie hinab in die feuchte Wiese oder ins Wasser. Aber noch schlimmer war's, wenn einer auf den Hund zu reiten kam. Dann ging's her und hin die ganze Nacht hindurch bis zum ersten Hahnkrat; sobald der gehört ward, fiel der Reiter ab und fand sich weit unten hinunter an der Krückaue bei den Pfahlbuchten. Jetzt geht die Eisenbahn über die Wiesen und der Hund soll verschwunden sein.

Mündlich. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 500. Reusch, Samland Nr. 18. 19.

2.

Vgl. Nr. 536. Voigt, Aus Flensburgs Sag. u. Gesch. S. 11 ff. Pommerening soll im »Graben« neben einem jungen Mädchen eingescharrt sein, das auf sein Zeugnis hin hier schuldlos lebendig begraben wurde: Holdt, Flensburg früher und jetzt (1884) S. 359.

Der böse Bürgermeister Peter Pommerening in Flensburg ward abgesetzt und erhielt kein ehrliches Begräbnis. Er ward nur hinter seinem Hause eingescharrt, und in der Dämmerung sieht man ihn nun als großen schwarzen Hund im Stadtgraben umgehen. So lange die Sonne scheint, rufen die Knaben keck:

Peter Pommerening,
Plaag di de Röring! (der Schlag.)

Aber wenn die Dämmerung anbricht und ein schwarzer Hund sich zeigt, fliehen sie furchtsam.

Durch Herrn Pastor Dr. Jensen.

3.

Schwarze Hunde mit glühenden Augen auch auf der Grenze zwischen Seth und Drage in Stapelholm (Heim. 8, 114), in Dithmarschen bei Feddringen (Carstens, Wanderungen S. 11) und Weddingstedt (Heim. 6, 158). Vgl. Kristensen 5, 80.

Von nächtlichen Umtreibern und Ruhestörern hatte man in Albersdorf früher nichts zu fürchten. Denn mitten im Dorfe zeigte sich um Mitternacht ein großer schwarzer Hund mit glühenden Augen und hielt die Unfugtreiber in Respekt. Wenn junge Leute spät von der Jort Ein zweifelsohne aus dem Norden eingewanderter Ausdruck, auch in Eidelstedt gebräuchlich. Auf der Dithmarscher Geest bezeichnet man damit die sonntäglichen Zusammenkünfte und Tänze junger Leute, wozu nicht eingeladen wird wie zu Bieren und Hochzeiten. Vgl. Falcks Abhandlungen aus Schlesw.-Holst. Anzeigen. kamen, gingen sie darum still und ohne Geräusch nach Hause. – Am Marnerdeich und anderswo schreckt ein solcher Hund jeden, der abends in böser Absicht ausgeht, namentlich Strandläufer. Ein Mann kam einmal spät über den Deich, als ihm der Hund begegnete. Darüber erschrak er so, daß er krank ward und in drei Tagen starb.

Mündlich.

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301. Cyprianus.

Buch Cyprianus Nr. 309. Biernatzki, Volksbuch 1849 S. 122 (aus Angeln). Kristensen 6, 239 ff. aus Angeln, Alfen, Osterlinnet. 6, 226. 4, 1874 u. ö.

In alter Zeit lebte auf einer dänischen Insel ein Mann namens Cyprianus; der war schlechter als der Teufel. Deshalb ward er, als er gestorben und zur Hölle gefahren war, vom Teufel wieder hinausgeworfen und aus seine Insel zurück versetzt. Hier schrieb er neun Bücher in altdänischer Sprache mit Hexereien und Zaubersprüchen. Wer diese Bücher alle neun durchliest, ist dem Teufel verfallen. Von diesem Original sollen drei (oder neun) Exemplare von einem Mönche abgeschrieben und dann zerstückelt über die ganze Welt verbreitet worden sein. Ein vollständiges Exemplar soll von einem Grafen, der auf dem Plöner Schloß wohnte S. Nr. 86., in Ketten geschmiedet und unter das Schloß vergraben sein, weil ihm nach Durchlesung der ersten acht Bücher so angst ward, daß er sie vor den Augen der Welt zu verbergen beschloß. – Eins dieser Bücher existiert noch in Flensburg. Einzelne Zaubereien aus den neun Büchern sind noch vielen alten Leuten bekannt. Will man aber darin eingeweiht werden, muß man zuerst das Christentum verschwören.

Herr Storm in Husum. – In Flensburg soll man noch mehr vom Cyprianus zu erzählen wissen. – Thiele, Damit. Folkes. II, 92.

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302. Die schwarze Schule.

Zum Festmachen vgl. Nr. 312; sonst zu Nr. 86. Kristensen 6, 70. 240. 242. Ein Pastor in Ries durfte nur einen Handschuh tragen, einer in Stepping nur einen ungewaschenen Warmbiertopf benutzen; das. 6, 71.

Von der schwarzen Schule weiß man in Nordfriesland und im Dänischen besonders viel zu erzählen. Der Teufel ist selber darin Lehrmeister und namentlich angehende Prediger werden unterrichtet. Fast jeder Pastor versteht etwas von der Kunst; andre sind dagegen ganz ausgelernt und haben dafür dem Teufel ihre Seele verschreiben müssen, jedoch nur unter Bedingungen. Einer mußte z. B. sein Leben lang eine und dieselbe wollene Unterjacke tragen; ein andrer durfte sich nur Sonnabends rasieren, ein dritter nur ein Strumpfband tragen, ein vierter verpflichtete sich, nie in die Kirche zu gehen oder nie eine Minute länger als eine oder eine halbe Stunde darin zu bleiben; hätten sie nur einmal aus Versehen die Bedingung übertreten, wäre ihre Seele ewig verloren gewesen. Jeder, der in der schwarzen Schule gewesen ist, hat Macht über die Geister, und versteht sich besonders auf das Bannen der Wiedergänger und Gespenster. Durch ein Wort können sie sich von einem Ort nach dem andern wünschen, und wissen alles was in ihrer Abwesenheit in ihrem Hause passiert. Ein Pastor Fabricius in Medelbye, Amt Tondern, war besonders geschickt; einmal als er auf einer Kindtaufe in Holt war, zwang er einen Jungen, der einen Apfelbaum im Pastoratgarten plündern wollte, so lange sitzen zu bleiben, bis er zurückkam und ihn befreite. Ein andermal schlug er mitten in der Predigt nur auf das Kissen der Kanzel und rief: Halt! da stand, als die Leute nachher aus der Kirche kamen, ein Mann mit einem Sack voll frisch geschnittenen Grases unbeweglich da, das er während der Predigt vom Kirchhof hatte stehlen wollen. Er hatte auch sehr viele Zauberbücher. Sein Dienstmädchen machte einmal während der Predigt seine Studierstube rein und neugierig fing sie in einem kleinen Buche an zu lesen. Plötzlich ward es in der Stube lebendig und eine Menge der scheußlichsten Gestalten und Geister ließen sich sehen und es kamen immer mehr und mehr und immer näher kamen sie auf das Mädchen los, das vor Angst fast gestorben wäre. Der Pastor merkte in der Kirche gleich was in seinem Hause vorging; plötzlich sagte er mitten in der Predigt Amen, lief nach Hause und brachte die Geister wieder zur Ruhe, die sonst das Mädchen umgebracht hätten.

Der Teufel stellt aber allen, die mit ihm einen Kontrakt gemacht haben, nach, und hätte der Pastor Fabricius je mehr als ein Strumpfband umgelegt, hätte er ihn mitgenommen. Aber Fabricius war klüger als der Teufel; er nahm sich in acht, wenn er am Morgen zwei Strumpfbänder vor seinem Bette liegen sah. Der Teufel hat auch oft das Mädchen, das die Strümpfe für den Pastoren strickte, als Floh geplagt und sie so im Zählen der Maschen irre gemacht. Gewöhnlich war der Strumpf dann zu weit geworden und schlotterte dem Pastoren um die Ferse; woraus dieser sich jedoch nichts machte. Der Teufel hat ihm nie was anhaben können.

Schriftliche Mitteilung, vgl. Nr. 86. – Der Verfasser eines dithmarsischen Idiotikons, Pastor Ziegler, trug auch nur ein Strumpfband; die Leute erzählen, daß er mit dem Teufel einen Kontrakt gehabt. Als dieser abgelaufen, sei der Teufel früh morgens gekommen, um ihn abzuholen. Der Pastor will sich erst ordentlich ankleiden, zögert und zieht die Strümpfe verkehrt an. Ärgerlich sagt endlich der Teufel, als er das letzte Strumpfband anlegt, zu ihm, daß er nicht länger warten wolle, als bis er damit fertig. »So leg ich das Band in meinem Leben nicht an«, sagte Ziegler und legte sich wieder schlafen; der Teufel mußte abziehen. – Vgl. Thiele, Danm. Folkes. I, 337 f. Johannes Borchers, Prediger zu Nordhackstedt, im Amt Flensburg, war auch Schwarzkünstler. Sem Knecht fing einmal in einem Buche an zu lesen, während der Prediger in der Kirche war. Da kamen viele Mäuse. Der Prediger merkt's, läuft nach Hause und befiehlt dem Knecht, eine Tonne Hafer vom Boden zu holen und den Mäusen vorzuschütten. Darauf verschwinden sie. Der Pastor liegt vor dem Altar begraben, aber keiner seiner Nachfolger hat neben ihm ruhen wollen. Vgl. Nr. 86, 2 und Mones Anzeiger VI, 309.

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303. Der Mann ohne Schatten.

Viele Prediger und Küster haben in früheren Zeiten (und noch jetzt) die schwarze Schule besucht und da vom Teufel die schwarze Kunst gelernt, womit sie dann die Gespenster, Wiedergänger, ja den Teufel selbst bannen können. Der Teufel gibt den Unterricht aber nicht umsonst. Es ist nämlich die Bedingung, daß, wer beim Schlüsse des Unterrichts, wenn der Kursus beendigt ist, von allen Schülern, die die Schule besuchten, Zuletzt aus der Tür geht dieser ihm gehören soll. Da haben viele, die klüger als der Lehrmeister geworden waren, diesen überlistet, unter andern auch einmal der Küster in Bröns, im westlichen Teil des Amts Hadersleben. Der war der letzte von allen, die die Schule verließen, aber er half sich, als der Teufel ihn behalten wollte. Denn weil die Schule gegen Süden ausging und es sich gerade traf, daß sie bei hellem Sonnenschein um Mittag geschlossen ward, so sagte der Küster, daß er nicht der letzte sei, der herausginge, sondern sein Schatten; den möchte der Teufel behalten. Der Teufel konnte nichts dawider machen und ließ den Mann gehen, behielt aber den Schatten. Der Küster ist sein Leben lang ohne Schatten geblieben, und das haben viele Leute gesehen, die ihn noch gekannt haben, daß auch bei hellem Sonnenschein nicht das geringste von einem Schatten bei ihm zu erblicken war.

Nach schriftlicher Mitteilung. – Auf einer ähnlichen Sage beruht wohl Chamissos Schlemihl. Es ist der Teufel vielleicht auch hier wieder an die Stelle eines Zwerges getreten. Man sehe außer der spanischen und schottischen Sage in Grimms Mythol. S. 976 die dänische in Winthers Folkeeventyr. S. 18. Übrigens über die alte Schattenbuße Grimms deutsche Rechtsaltertümer S. 677.

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304. Der Teufel muß den Wagen tragen.

Vgl. zu Nr. 279 und 305, 1. Kristensen 4, 993 aus Ulderup.

Eenmal föhr ik mit mien Tæte (Vater, Brotherr) na Flensborg, erzählte ein alter Mann; ik weer do noch en jungen Kerl. Wi harrn elkeen (jeder von uns) veer Pær vör den Wagen un de Tæte föhr vörup. Mit eens holt he still; ik heel mien Pær an un froog: »Wat is der?« Do seggt de Tæte niks un wenk man mitte Handen. Ik steeg vunnen Wagen, un froog em noch eenmal. »Jung, süchst du ni«, sä de Tæte un seeg ganz verfeert ut: »süchst du nich, dat de Düwel to merren innen Weg sitt?« Do ik niks seen kunn, seggt he to mi, ik schull op dat Leidpêrd stigen un em twischen de Ohren dörchseen. Do seeg ik den Düwel merren innen Weg sitten un he harr waraftig! en rode Hüll (Mütze, Kapuze) oppen Kopp. »Jung«, sä nu de Tæte, »nu stieg man gau raff un smiet een vunne achtersten Rœd oppen Wagen, dat wi wider kaamt.« Do muß de Düwel de Achs ansaten un det to Flensborg hrinn dregen, un wi jagen aardig. Man mutt em man wat anners to doon gêwen, so hett man Rau vœr em.

Mündlich. Vgl. Nr. 291. Wird auch von Pastor Fabricius und andern erzählt. – Thiele, Danm. Folkes. I, 332; II, 165 f. – Christina von Hagen, Otto Ranzaus Witwe, ging zu Lübeck vor dem Burgtor mit andern fürnehmen Frauen spazieren. Von welchen sie aber von einem Geiste aufgenommen und weggeführt ward, daß man sie nimmer hat wiederfinden können. Ihre Magd hat nachmals berichtet, daß ihre Frau mit der schwarzen Kunst umgegangen und ein Zauberbuch bei sich gehabt hatte. Ex Coronaei Epitaph. nobil. c. 3. ms. in Majors Collectan. Ms. fol. 22b. – Ein Prediger, Herr Peter, in Hygom, Amt Hadersleben, hatte einen Bund mit dem Teufel gehabt. Davon gab's ein Lied. Denn ein Bauer in Harreby sang:

Hygoms Bjerg gik Peder omkring
Og med den Trold han kiörte i Ring.
Men Biblen Herr Peder mistede
Og Peder fra Trolden sig listede.

Rhode, Haderslev-Amt S. 446.

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305. Geister gebannt.

1.

Ausführlich plattd. erzählt mit einigen neuen Zügen: Biernatzki, Volksbuch 1849 S. 121 f. Ähnlich aus Ornum bei Kock, Schwansen2 S. 158. Nach der Fassung im Volksbuch wird die Sagerfrau schließlich in eine große Eiche auf der »Kösterwiesch« hingemahnt; seitdem ist es dort nicht geheuer; vor heiligen Zeiten hört man Heulen und Schreien; hängen die Mäher ihre »Mattpasen« in den Baum, so liegen sie gleich darauf über die ganze Wiese zerstreut; Kühe, die dort gehen, müssen vor Sonnenaufgang gemolken werden; nachher sind sie nicht mehr zu finden. – Einzelne Züge kehren beim Geisterbannen immer wieder: das Wegschlagen des Buches (Nr. 303, 1 u. 4. Kock a. a. O. 158. Biernatzki a. a. O. 122. Kristensen 5, 710; vgl. Nr. 234, 2; 410), das Zwiegespräch zwischen Geist und Beschwörer (Biernatzki 122. Nr. 410. 411. 234, 2 Anm.; vgl. Fischer, Slesv. Folkes. S. 194), der Wunsch des Geistes nach einem bestimmten Bannort (Nr. 305, 1: Brücke; Biernatzki 122: Treppe – Hundehaus – Brücke; Nr. 410. 411). – Zum Tragen des Wagens durch den Geist: zu Nr. 279. – Mißlungene Geisterbannung durch falsche Beschwörung: Jb. f. Ldk. 10, 46. Kristensen 4, 950. 5, 753. Eine Frau in Kogsbøl sinkt beim Beschwören bis zum Gürtel in die Erde; eine Tonne wird über sie gestülpt und eine Mauer darum gezogen; wenn die Hirtenjungen mit ihren Stecken gegen die Mauer schlagen, tönt es von drinnen: Slå Hardt. Der Geist hofft, daß die Mauer fällt: Kristensen 4, 793. Vgl. Fischer, Slesv. Folkes. S. 195. – Austreiben eines bösen Geistes aus einem Leichnam: Jb. f. Ldk. 4, 153 f. (aus Nordstrand). – Zur Anmerkung: Raben und Krähen vgl. Nr. 317 Abs. 3. 334 Anm. 568. Kristensen 6, 239 ff. (beim Lesen im Cyprianus füllt sich die ganze Stube mit Krähen), Urdsbr. 2, 99 aus Lunden: Eine Krähe beschwert einen Torfwagen so stark, daß die Pferde ihn nicht mehr ziehen können (vgl. Nr. 279). Krähen sind verwünschte Mädchen oder Nonnen: S.-Holst. gemeinnütz. Almanach 1812 S. 36. – Gespenst mit einem Pfahl in den Grund gebannt: Nr. 305, 2. Kristensen 5, 794. 1041. Kamp, Danske Folkeminder (1877) S. 142. Jb. f. Ldk. 4, 154; 10, 46; vgl. Nr. 563, 1.

Der Herr von Zago auf Satrupholm war nicht weniger grausam gegen seine Dienstboten und Gutsuntergehörigen als seine Frau, die böse Frau von Zago. Gleich nach seinem Tode ging ein Rumoren und Poltern im Schlosse an; sein unseliger Geist tobte umher, schlug und quälte die Schlafenden und drang endlich ins Schlafzimmer der Frau. Da ward ein damals besonders berühmter Prediger aus Adelbye bei Flensburg, dem früher schon mehrere Male es geglückt war Geister zu bannen, herbeigerufen. Er versprach mit Zuversicht auch hier Ruhe zu schaffen. Gegen zwölf Uhr ging er mit der Bibel unter dem Arm in das Zimmer, wo sich der Spuk immer zuerst zeigte. Als die Uhr geschlagen, ließ sich sogleich ein schallendes Gelächter vernehmen und der Geist trat ein. Der Prediger öffnete die Bibel und las die Stellen laut her, die sonst von Erfolg gewesen waren. Aber der Geist kam auf ihn zu und schlug ihm das Buch aus der Hand und der Geistliche konnte froh sein noch mit heiler Haut davon zu kommen. Der Spuk im Schlosse ward darnach noch doppelt so arg; man war nahe daran das Schloß ganz zu verlassen, als noch eben zur rechten Zeit Hilfe kam.

An einem Abend kam ein von der Universität relegierter Student der Theologie im Wirtshause in Satrup an und bat um Nachtquartier. Nach langem Weigern gewährte der Wirt es ihm. Unter den übrigen Gästen kam bald die Rede auf den Spuk und einer erzählte alles genau; der Student hatte aufmerksam zugehört und er erbot sich nun sogleich, den Spuk zu bannen. Er ward in dasselbe Zimmer geführt, wo der Prediger seinen Besuch gemacht hatte. Bald kam der Geist. Der Student hielt ihm erst eine lange Strafpredigt und stellte ihm alle seine Schandtaten vor. Darauf erwiderte der Geist, wer sich zum Strafprediger aufwerfe, müsse erst selbst rein sein; er, der Student, habe einmal beim Bäcker Semmeln gekauft, sei aber ohne bezahlt zu haben davon gegangen. Der Student griff sogleich in die Tasche und warf dem Geist den schuldigen Schilling zu; darauf mußte dieser schweigen. Nun hielt der Student ihm das hellige Buch hin und forderte ihn auf, es ihm aus der Hand zu schlagen; aber der Geist konnte es nicht und mußte sich für überwunden erklären; nur eine Bitte hatte er noch, daß er unter der Zugbrücke seinen Platz nehmen dürfe. Allein die Bitte fand kein Gehör: der Geist hätte da sicherlich die Vorübergehenden nicht in Ruhe gelassen, und schon war eine große hohle Buche, nördlich vom Schlosse, als Verbannungsort ausersehen. Der Kutscher war schon bereit, Geist und Geisterbanner dahin zu fahren, als dieser ihm erst befahl, das Hinterrad abzuziehn und in den Wagen zu werfen. In vollem Galopp ging's nun zum hohlen Baum und der unglückliche Geist mußte bis dahin die Achse tragen; dann mahnte ihn der Student schnell hinein. Seit der Zeit war Ruhe im Schloß. Viele Jahre später wollte ein neuer Besitzer, alles Widerratens ungeachtet, den gefährlichen Baum fällen lassen. Aber die Knechte kamen bald wieder zurück und meldeten, daß keine ihrer Äxte gegen den steinharten Baum hielte. Da erbot sich der Schmied in Ausacker, der was von der Kunst verstand, die Beile zu schärfen. Es gelang nun den Baum zu fällen; aber kaum stürzte er, als eine ungeheure Schar von Uhus und Eulen herbeigezogen kam und mit entsetzlichem Geheul lange die Luft erfüllte.

Herr Organist Schmidt in Fahrentoft in Angeln. Vgl. Nr. 60. – Ähnlich wird erzählt, daß einmal ein Herr die unterirdischen Gänge bei Puttlos, siehe Nr. 37, 2. habe öffnen lassen, dabei der Kutscher vor Schreck sogleich starb, der Schmied und Vogt bald nachher. Als man eine große eiserne Tür gesprengt, sei ein großer Schuhu herausgeflogen und habe sich aufs Herrenhaus gesetzt. Man habe einen katholischen Priester aus Wien holen müssen, der erst, aus einem kleinen Katechismus lesend, den Vogel wieder habe zur Ruhe bringen können. – Auch als man in Nübel in Sundewitt einen dicken Eichenstmnm auf dem Hofe eines Vohlmanns herausnahm, ward Hofraum, Scheune und Haus voll von Krähen und Raben. Erst als man den Pfahl, unter den ein Gespenst gebannt war, wieder einsteckte, wurden sie ruhig. Dritter Bericht der Gesellschaft für Altertümer S. 23. – In dem Schlosse Nütschau im östlichen Holstein hängt ein großes Schloß an starken Ketten im Schornstein. Herunternehmen darf man es nicht; sonst entsteht ein furchtbares Gerappel und Gepolter in allen Zimmern, daß man nirgends aushalten kann. Mündlich.

2.

Kristensen 5, 794 von Alsen.

Der Besitzer von Südergaard hatte sich ungerechter Weise ein Torfmoor zugeeignet, das zum Gute Küxbüll gehörte. Darum hatte er im Grabe keine Ruhe. Man fragte endlich den Toten, was ihn beunruhige? Er antwortete, solange das Moor an den Besitzer von Küxbüll nicht zurückgegeben sei, werde er umgchen müssen. Als die Antwort der Familie des Gestorbenen bekannt ward, sagte der, dem nun der Hof gehörte: »Lieber eine Seele verdammt, als die ganze Familie beschämt!« und behielt das Moor. Das Gespenst ward endlich an der Tür des Schafstalles zu Südergaard mit einem Pfahl in den Grund gebannt. Der Pfahl aber stand bei dem Öffnen der Tür nicht wenig im Wege; er bekam deswegen oft einen Stoß und fing an sich zu lösen. Einst hatte eine Magd ihm einen kräftigen Stoß gegeben; da rief es unter dem Pfahl: »Noch einen Ruck!« Erschrocken lief sie zu ihrer Herrschaft und erzählte was sie gehört. Da ließ man den Pfahl vollends in den Grund rammen, und seit der Zeit ist das Gespenst gefesselt. Man zeigt in der Wiedingharde in der Gegend bei Tondern und auch im Dänischen viele Pfähle, worunter Wiedergänger gebannt sind; so auch einen in der Scheune des Pastorats zu Medelbye. Man hütet sich sie anzurühren.

Durch Herrn Schullehrer Hansen auf Sylt etc. – Thiele, Danm. Folkes. II, 99. 169 f.

3.

Auf dem Heiligenhafener Felde war ein Loch oder eine Wiese; darinnen befanden sich zwei verwünschte Leute, und machten nachts so viele Unruhe und ängstigten die Vorübergehenden, daß die Heiligenhafener endlich einen Mann aus Oldenburg beriefen, der das Geisterbannen verstand. Es war am hellen Mittage. Ein Mädchen hütete auf dem Sulsdorfer Felde die Schafe und stand eben am Heiligenhafener Weg, als der Mann in scharfem Trabe angeritten kam und ihr sagte, es würden gleich zwei Menschen kommen; sie sollte sich aber hüten auf ihre Fragen zu antworten. Darauf jagte er eilig weiter, und bald kamen zwei ganz nackte Menschen angelaufen, deren Haare zusammengeknotet waren. Da erschrak die Dirne und lief davon so schnell sie konnte, und die nackten Menschen mußten dem Geisterbanner nacheilen, der sie nach dem Oldenburger Brook brachte, oben auf den Bungsberg, wohin früher selten jemand kam. Da sollen noch sonst manche Verbannte gewesen sein.

Herr Schullehrer Knees in Neumünster.

4.

s. zu Nr. 298.

In Ringsberg, Kirchspiel Munkbrarup, hatte ein Bauer den Grenzstein verrückt. Als er gestorben war, mußte er immer um den Stein herum wandeln oder ganze Nächte darauf sitzen, und ward von vielen gesehen. Das war den Verwandten unangenehm, und sie wollten gerne, daß er zur Ruhe käme. Sie baten daher einen Prediger in der Nachbarschaft, der als Geisterbanner berühmt war, dem Geist zur Ruhe zu verhelfen. Der Prediger versprach's. Als es Abend geworden war, sagte er zu seinem Knechte, er solle anspannen, setzte sich dann zu ihm auf den Wagen und ließ ihn nach dem Moore fahren, aber gebot ihm, doch ja nicht sich umzusehen, es passiere auch, was da wolle. Der Knecht fuhr los und merkte bald, daß der Wagen sehr schwer ging und die Pferde viel zu ziehen hatten, doch sah er sich nicht um. Auf dem Moore stieg der Prediger ab, zog ein Buch aus der Tasche und fing an darin zu lesen. Sogleich kamen viele Geister herbei, auch der wandelnde Geist des Bauern; einer schlug dem Prediger das Buch aus der Hand. Gleich griff dieser in den Busen und zog ein zweites heraus, das ward ihm auch aus der Hand geschlagen. Er nahm ein drittes und das mußten sie ihm lassen. Da sah der Knecht, der auf dem Wagen saß, wie nun, während der Prediger las, der Geist des Bauern immer kleiner und kleiner ward und zuletzt ganz versank und verschwand. Die andern Geister aber tummelten gar gewaltig durcheinander, solange bis auch sie verschwanden. Da stieg der Prediger wieder auf den Wagen, ließ den Knecht umwenden und nach Hause fahren, gebot ihm aber nochmals, nicht zurückzusehen. Anfangs ging's auch gut; sie waren aber noch nicht weit gefahren, als der Knecht merkte, daß es hinten hell ward, als wenn der Wagen voll Feuer wäre. Unwillkürlich sah er sich um, dafür aber blieb ihm Zeitlebens der Kopf verdreht auf dem Rumpfe sitzen.

Durch Herrn Schullehrer Boysen in Bistensee. – Bei Rödding, Amt Hadersleben, ging ein Adliger spuken, wo jetzt Röddingkroe liegt. Aber der Prediger mahnte ihn hinunter. Man sagt, daß ebendaselbst jährlich ein Unglück geschieht an Menschen oder Vieh. Rhode, Haderslev-Amt Beskrivelse S. 450.

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306. Der Ziegenbock.

Ein gespenstiger Ziegenbock spukt in dem Holz bei Raustorf in Lauenburg: Nd. Jahrb. 1, 102 f.

Als der Pastor Moldenhauer in Albersdorf gestorben war, entstand im Pastorate ein entsetzliches Gepolter in jeder Nacht und der unruhige Geist plagte besonders die Dienstboten sehr, so daß zuletzt niemand mehr im Hause dienen wollte. Ein vertriebener Student kam endlich dahin und überwand den Geist, band ihn in ein Schnupftuch und brachte ihn nach dem Hademarscher Gehege. Seit der Zeit sah man das Gespenst lange da in Gestalt eines Ziegenbocks, und oft hat es Reisende, die den Weg durch das Gehölz bei Nacht kamen, irregeführt und geprellt.

Mündlich aus Dithmarschen.

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307. Der gebannte Knecht.

Vgl. Nr. 267. Lorenzen S. 20. Von einem Prediger in Düppel, der sich aufs Bannen verstand, allerlei Geschichten bei Kristensen 4, 1103.

In H. lebte einst ein Prediger, der sich aufs Bannen verstand. Er hatte die Gewohnheit jeden Abend in die Kirche zu gehen, um nachzusehen, ob es da auch richtig zuginge. Seine Frau konnte sich nicht darin finden, und brachte den Knecht dazu sich in eine Pferdehaut zu hüllen, um einmal ihrem Manne, wenn er wieder aus der Kirche käme, einen Schreck einzujagen. Der Knecht mußte sich ihm so in den Weg stellen. Aber die Frau irrte sich, denn der Prediger erschrak nicht, sondern sprach: »Bist du ein Mensch, so rede! Bist du der Teufel, so weiche!« Der Knecht blieb stille; da bannte der Prediger ihn in die Erde hinunter, und erst als der Knecht bis an die Knie hineingesunken war, rief er: »Ich bin's ja, Vater!« aber da war es zu spät und keine Rettung mehr; der Knecht ward in die Erde hinuntergebannt.

Aus Sundewitt. – Zeile 1 soll wohl der Pastor Kühl in Ulderup sein. Dieselbe Sage in Jütland. Thiele, Danm. Folkes. I, 336.

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308. Der Teufel und der Schüler.

Dieselbe Sage aus Stapelholm und Hohenwestedt: Heim. 9, 65; dort ist es ein Schmied, der sich dem Teufel verschreibt, um geschickt zu werden. Vgl. Wisser S. 171. Bolte 2, 329. – Zum Bund mit dem Teufel vgl. zu Nr. 87. – Teufel im Priesterrock vgl. Nr. 345.

Ein Bauer war einst in Armut geraten ohne seine Schuld. Nun war er ganz trostlos und ging umher in tiefen Gedanken. Da kam ein Mann des Weges daher, der hatte einen Menschenfuß und einen Pferdefuß; der fragte ihn, was ihm fehle. Der Bauer erzählte, daß er so bitterlich arm und elend wäre und seine Frau schwanger daheim läge und zu keinem Dinge Rat wäre. Da bot ihm der fremde Mann seine Hilfe an; aber wenn der Sohn, den seine Frau gebären werde, zwanzig Jahr alt wäre, sollte er ihm gehören, dafür sollte er nachts um zwölf seine Tür aufmachen und so viel Geld empfangen, als er nur wollte. Der Bauer wußte selbst nicht, was er tat, als er das einging, so traurig war er. Bald aber tat es ihm leid und er sagte seiner Frau nichts davon. Als es zwölf schlug, klopfte es an die Tür, und ob es ihm gleich unheimlich war, so stand er doch auf und brachte dem Pferdefüßigen seine Kornsäcke, die dieser nun einen nach dem andern voll lauter blanker Speziestaler schaufelte, während der Bauer sie aufhielt. Danach baute der Mann sich ein stattliches Haus, richtete große Scheunen auf und lebte glücklich und zufrieden. Er wollte auch, daß sein Sohn lernen sollte alles was nur zu lernen wäre, schickte ihn in die Schule, und dann auch auf die hohe Schule, und keinen Wunsch hatte der Sohn, den der Vater ihm nicht erfüllte. Als aber die Zeit herankam, wo der Sohn des Teufels sein sollte, ward der Vater betrübt und sagte es seiner Frau. Sie strafte ihn darum und sagte, daß sie ihm das nimmermehr verzeihen könnte, und daß sie viel lieber ganz arm oder tot sein wollte, als ihren einzigen Sohn ewig verlieren. Als sie es dem Sohn erzählten, war dem aber gar nicht bange und er meinte, er sei all seine Tage gottesfürchtig gewesen; so könnte der Böse ihm auch nichts anhaben. Doch ging er mit seinem Vater zu einem Prediger, der ein frommer und gelehrter Mann war, und sie zeigten ihm an, was für einen Verbund der Bauer mit dem Teufel gemacht hätte. Der Prediger schalt freilich den Alten, aber dem Jungen versprach er zu helfen. Sie nannten ihm den Tag, und der Prediger befahl dem Schüler am Abend zu ihm zu kommen. Da ward er vom Pastoren in die Kirche geführt und erhielt ein ganz schönes Buch zum Lesen. Der Prediger machte einen Kreis um ihn mit der Kunst und sagte, den solle er nicht verlassen, es möge kommen was da wolle. Darauf verließ er den Jüngling, der nun aus dem Buch mit klarer Stimme zu lesen anfing. Da schlug die Uhr zwölf; zugleich klopfte es ganz leise an die Tür. Der Jüngling kehrte sich an nichts. Nach einiger Zeit klopfte es wieder an, ein Pastor trat herein und sagte: »Es ist nun vorbei, komm nur!« Der Jüngling kehrte sich an nichts; und das war gut, denn es war der Teufel. Danach klopfte es zum dritten Male: Die Tür sprang auf und der Teufel kam herein wie ein Pastor und fuhr mit einer Kutsche in der Kirche herum, darin hatte er sechs splinternackte Frauenzimmer. Er fuhr immer ganz dicht um den Kreis herum. Der Jüngling aber kehrte sich an nichts, sondern fuhr fort zu lesen. Da verschwand die Kutsche, und der Teufel kam ganz nahe heran, grub mit seinen Krallen ein Grab auf dicht neben dem Schüler, und mit den halbverwesten Leichen trieb er ein gräßlich Spiel, zerriß sie und zog ihnen die Haut ab. Der Jüngling blieb ruhig; als aber ein Fetzen dicht neben den Kreis fiel, streckte er seinen Stecken aus und zog den Fetzen zu sich in den Kreis. Den konnte der Böse nun nicht wieder erlangen und ward mit einem Male demütig und versprach dem Schüler, ihn nicht wieder zu belästigen und ihm gänzlich zu entsagen, wenn er ihm nur den Fetzen wieder geben wollte. Denn vor dem Hahnenschrei mußten die Leichen wieder ganz sein. Der Jüngling kehrte sich an nichts. Als aber der Teufel immer erbärmlicher bat, warf er ihm den Fetzen endlich hinaus. Da machte der Teufel den Toten wieder heil, begrub ihn und verschwand mit einem Gestank. Da kam auch der Pastor. Aber der Jüngling wollte es nicht glauben, sondern sagte: »Ich habe nun so viel den Satan in Priesterkleidern gesehen, daß ich's nicht glauben will.« Das lobte der Pastor, daß er so vorsichtig wäre, löste den Kreis mit der Kunst und der Jüngling war nun gerettet.

Aus Schleswig durch Kandidat Arndt. – Ähnlich werden andre Rettungen vom Teufel erzählt; z. B. die des bösen Amtmanns in Apenrade durch seinen treuen Diener; sein Sarg ward in die Kirche gebracht etc. So auch eine Beschwörung des Teufels durch Schatzgräber in der Koseler Kirche etc. Der mitgeteilten fast gleich ist eine Erzählung aus der Herrschaft Breitenburg, vgl. Nr. 484 Anm.

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309. Das bezauberte Wirtshaus.

Buch Cyprianus: Nr. 301.

Zu Guckelsby, Kirchspiel Sieseby, lebte vor Jahren ein Wirt, zu dem kam ein Tischler, Namens Wiese, der sich auf die Schwarzkunst verstand; denn er hatte das Buch Cyprianus gut durchstudiert. Nachdem Wiese sich eine Zeitlang bei dem Wirt aufgehalten, entzweite er sich mit ihm und ward aus dem Hause gewiesen. Dafür aber bezauberte er nun das Haus. Es fing bald darin, besonders in der Gaststube, ein Werfen mit Kartoffeln an, nicht von außen, sondern unter dem Bett heraus. Trat ein Gast ein, ward er jedesmal mit Kartoffelwürfen empfangen. Ließ er sich dadurch nicht abschrecken, sondern setzte sich und forderte was zu trinken, so tanzte ihm das Glas auf dem Tische. Überhaupt war alles in der Stube, Tische, Stühle, Schränke, in steter Bewegung. Anfangs kamen viele Leute aus Neugier, allein nach und nach ward das Haus von Fremden gemieden. Wollte der Wirt nun nicht ganz verarmen, so mußte er sich mit Wiese vertragen. Er ging daher nach Eckernförde, wo dieser sich damals aufhielt, vertrug sich mit ihm und gleich darnach ward alles wieder so in seinem Hause, wie es zuvor gewesen war. Die Sache war ganz landkundig geworden, und man sagt, daß sogar Professoren aus Kiel verkleidet dagewesen waren und sie untersucht und ganz so befunden hatten, wie sie hier erzählt ist.

Durch Herrn Schullehrer Boysen in Bistensee.

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310. Ogen verschœlen.

beruht auf dem Aberglauben: wer vierblättriges Kleeblatt, ohne es zu wissen, bei sich trägt, kann »Augenverblenden« erkennen. Vollständiger und verständlicher Urqu. 2, 185 (aus Dithmarschen), wo der Zauberer das Mädchen in ein Flachsfeld führt, das es nun für Wasser hält. Kamp, Danske Folkeminder (1877) S. 143. Bolte 3, 202. Vgl. Kl. Groth Ges. Werke 1, 190.

Vœr den Borgduer in Olenborg, wo nu de nie Reeg Hüser steit, legen fröer heel vêl grote Steen annen Weg. Nu köum dar mal en Kunstmaker, de kröup dörch den gröttsten ümmer hin un hêr, un all de Lüer köumen un söugen dat an. Se verwunnern sik darœwer, wo dat angaan kunn. Da köum ok en lütt Diern van Feld un harr Gras un Kruut in ehrn Schoot plückt. Se fröug de Lüer, wat dar denn los wier. »Sühst du denn nich«, säen se, »dat de Mann ümmer hin un hêr dörch en Steen krüpp?« Da sä de Diern: »Nä, wat schull he woll, he krüpp dar ja ümmer herüm.« Dar sprüng de Kunstmaker op, un as he êhr Schürt vull Gras un Kruut seeg, dach he, »dar hett se en Klewervier twischen; dat maakt, dat ik êhr de Ogen ni verschreien kann.« He sä: »De de Kunst versteit, verraad den Meister ni«, un nöum de Fuust un slöug êhr den Schölt uten Hand, dat êhr Gras un Kruut all an de Ir fallen dä. »Huch!« sä de Diern, nöum êhr Röck op un güng nu so hochbenig dar enlank, as wenn se innen Water waden dä. Dar lachen de Lüer êhr all wat ut un säen: »Dat hestu dafœr.«

Aus dem Lande Oldenburg durch Herrn Schullehrer Knees in Neumünster. – Vgl. Grimms Kinder- und Hausmärchen Nr. 149.

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311. Festlesen.

Vgl. zu Nr. 86.

Ein Mann kam in eine der Kirchen Hamburgs und fand hinter dem Altar ein Buch. Er fing an darin zu lesen, und las und las und hatte sich endlich festgelesen. – Er bemühte sich umsonst, los zu kommen und seine Gedanken auf etwas andres zu bringen; er konnte es nicht, er mußte stehen und immerfort lesen, der kalte Schweiß trat ihm auf die Stirne und er zitterte an allen Gliedern; er wäre des Todes gewesen, wenn nicht ein alter Mann, es soll der katholische Priester gewesen sein, ihn gesehen und seine Not erraten hätte. Der gab ihm den Rat, alles wieder zurück zu lesen, bis dahin, wo er angefangen hätte; das sei das einzige Mittel, um los zu kommen. Der Mann tat es und kam nun glücklich frei.

Aus der Elbmarsch durch Kandidat Rejahl.

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312. Festschreiben.

Kristensen 4, 1103. 1022: Ein Priester in Ries sagte mitten in der Predigt: »Stå!«, als er merkte, daß ein Dieb die Äpfel in seinem Garten stahl, und der mußte stehen, bis der Priester heimkam; ähnlich aus Medelby: Feilberg 300. Biernatzki Volksbuch 1849, S. 123: Dieb muß mit gestohlenem Bock auf dem Nacken die ganze Nacht stehen. Vgl. Nr. 302. 598 (S. 420 f). Ein Dieb in Broaker steht die ganze Nacht mit einem Bündel Brennholz auf dem Rücken: Kristensen 4, 1100. In Ostholstein bezeichnet man das Festschreiben als »Aubinnen«; s. Modersprak 7, 108 f. Mittel dem Festmachen zu entgehen: rückwärts in den gezogenen Kreis treten, vorwärts wieder heraus: Heim. 9, 67 aus Stapelholm.

In Wilster verstanden sich manche aufs Festschreiben. Bei einem reichen Mann brachen Nachts zwei Diebe ein und verlangten ungestüm die Schlüssel. Er bedeutete ihnen, sie sollten nur sein ruhig sein, er würde ihnen alles herausgeben und sie sollten alles friedlich untereinander teilen; er möchte gerne, daß es in Ruh und Ordnung abginge. Nachdem die Diebe das Geld erhalten, setzten sie sich an den Tisch und teilten. Als sie damit fertig waren, wollten sie aufstehen; da konnten sie aber nicht die Hand vom Gelde und das Geld nicht vom Tische nehmen. Unterdes waren die Hausleute zusammengekommen: »Si so«, sagte der Hauswirt, »laat uns man wedder to Bedde gaan, de hebbt good sidden!« Am andern Morgen ließ er die Polizeidiener holen und machte die Diebe los.

Ein anderer, dem immer der Kohl aus dem Garten gestohlen ward, schrieb den Dieb in der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag fest, da er eben mit der vollen Kohlhucke auf dem Nacken über die Planke steigen wollte. Da mußte er oben fitzen und auf der Planke reiten, bis die Leute zur Kirche gingen und wieder aus der Kirche kamen und ihn alle gesehen hatten. Dann machte er ihn los und ließ ihn gehen.

Schriftliche Mitteilung. – Rhode, Haderslev-Amt S. 516. Der Propst Petrus Aegidii in Bröns war ein Zauberer. Ein Junge, der einen Gang nach Ripen tun sollte, nahm des Pröpsten Pferd von der Weide. Aber das Pferd ging nicht vorwärts und er konnte auch nicht herunter kommen, selbst als ihm ein paar Müllerburschen helfen wollten. Da mußte er hinauf zum Prediger reiten. »Bist du da?« sagte der, »geh' und bring' das Pferd wieder auf die Weide und mache mir solche Kunststücke nicht wieder.« – Vgl. Bechstein, Frank. Sagen S. 296 f. Thiele I, 337.

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313. Siebdrehen.

Dieb im Wasser oder im Hexenspiegel gesehen: Urqu. 3, 325 aus Dithmarschen. Modersprak 7, 109 aus Ostholstein. Ebenso werden Hexen erkannt; vgl. Nr. 317 (S. 215) und die Schachtel der Hexe Nr. 598 Anm. Bilder aus d. Volksleben des Ratzeburger Landes (1920) S. 97. Kristensen 7, 1093; das. 1412 sieht der Geschädigte die Hexe durch ein winziges Loch, das in die Tür zu einer dunkeln Stube geschnitten wird. Diebe können auch dadurch erkannt werden, daß man ihre Fußspuren in den Rauch hängt; der Dieb bekommt dann einen schlimmen Fuß: Urqu. 6, 129 aus Sehestedt; vgl. Detlefsen, Gesch. d. Elbmarschen 2, 444.

Zur Zeit eines Krieges hatte ein Schlachter auf Amrum zuviel zu tun, um allein damit fertig werden zu können; er nahm daher den Sohn seines Nachbarn zum Gehilfen und hatte zu diesem so viel Zutrauen, daß er ihm sogar einen Ort zeigte, wo er ein paar hundert Taler aufbewahrt hätte. Der Sohn erzählte das seiner Mutter und beiden kam eine große Lust nach dem Gelde. Als am nächsten Nachmittage auf der Diele des Nachbarn eine Kuh geschlachtet ward, kam die Mutter ans Fenster, um ein paar Pfund Fleisch zu holen, die bereits für sie abgewogen waren; der Sohn ging hin und reichte ihr den Korb hinaus mit dem Fleisch und dem Geldbeutel, den er zuvor auf den Boden des Korbs gelegt hatte. Nach einigen Tagen entdeckte der Schlachter seinen Verlust. Er warf sogleich Verdacht auf seinen Gehilfen und gab ihm solches zu verstehen. Mein dieser verfluchte sich und beteuerte seine Unschuld bei allem, was heilig ist.

Zu dieser Zeit war in Morsum auf Sylt ein berühmter Hexenmeister, der die Diebe herausbringen und sie zwingen konnte, das Gestohlene wieder zu bringen. Der Schlachter ließ daher seine Frau zu ihm hinüber reisen und der Hexenmeister traf sogleich seine Anstalten. Er ließ sich ein Mehlsieb bringen, legte einen Schlüssel und eine Schere hinein und setzte das Sieb auf ein großes mit Wasser angefülltes Gefäß. Darauf sprach er seine Zauberformeln und die Frau mußte nun die Namen aller verdächtigen Personen mehrmals nennen. So oft sie nun die Namen ihrer Nachbarn nannte, tanzten Schlüssel und Schere herum; und als der Hexenmeister die Frau ins Wasser schauen ließ, sah sie deutlich, wie der Gehilfe ihres Mannes seiner Mutter das Geld reichte. Der Hexenmeister erklärte aber, daß es ihm unmöglich sei, ihr das Geld zurück zu liefern, weil die Diebe schon damit über Wasser gereist wären, übrigens ist nachher im Hause der diebischen Nachbarn doch kein Segen gewesen, sondern die Betttüren haben da beständig offen gestanden, weil immer einer krank gelegen.

Durch Herrn Schullehrer Hansen auf Sylt. In Dithmarschen braucht man zum Sieblaufen eine Erbbibel und einen Erdschlüssel. Dieser wird erst einige Augenblicke in jene gelegt, um geheiligt zu werden; dann nimmt ihn der kluge Mann, läßt das Sieb darauf herumkreiseln, nennt dabei die Namen, und der ist der Dieb, bei dessen Namen das Sieb herunterfällt.

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314. Diebe bringen das Gestohlene wieder.

Einst waren in einem zum Gute Nöer gehörigen Walde viele Arbeiter mit Holzfällen beschäftigt. Wenn Feierabend gekommen war, verbargen die meisten von ihnen ihre Gerätschaften sorgsam oder nahmen sie mit nach Hause; nur drei Mecklenburger ließen sie offen und frei liegen. Geraume Zeit ging das gut. Aber als sie eines Morgens kamen und zu arbeiten anfangen wollten, waren die Sachen weg. Ganz ruhig, als wenn nichts geschehen sei, machten nun die drei ein Feuer an und setzten sich um dasselbe. Wenn die andern sie neckten und sagten, sie hätten ihre Sachen verwahren sollen, antworteten sie: »Man soll uns das Gestohlene wohl wieder bringen.« So machten sie es drei Tage. Da am Abend des dritten Tages, als alle eben wieder nach Hause gehen wollten, kamen zwei Männer und brachten die Gerätschaften, legten sie beim Feuer nieder und gingen wieder fort, ohne ein Wort zu sagen. Die Diebe hatten sich aber nicht früher einstellen können, weil sie nach Schwansen gehörten und wegen eines Sturmes nicht über den Eckernförder Hafen hatten kommen können.

Durch Herrn Schullehrer Boysen in Bistensee.

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315. Mörder zitiert.

Kartenspielen während der Kirche: Nr. 234, 1. 3. 181.

In einem Wirtshause in Tondern saßen gottlose Leute während der Kirchzeit beim Kartenspiel. Das Spiel ward immer leidenschaftlicher und im Streit erstach endlich einer einen andern mit seinem Messer. Der Mörder floh. Als der Tote begraben werden sollte, ward der Sarg auf den Marktplatz niedergesetzt und mit einem Hammer auf den Deckel geschlagen und der Mörder zitiert. Dieser war damals in Riga und entdeckte sich später einem dorthin kommenden Freunde, und gab die Stunde an, als jene Hammerschläge fielen, die in sein Herz geschlagen.

Durch Herrn Pastor Karstens in Tondern.

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316. Der Zauberkessel.

Jakob »in de Niebye« schafft einer Frau ihren Sohn, der in einem Wirtshaus in Paris sitzt, in wenigen Stunden herbei; der kommt ganz »vertummelt« an, so geschwind hat ihn der Teufel gejagt: Biernatzki, Volksbuch 1849, S. 123 aus Angeln.

Eine alte Frau aus Schönkirchen in der Propstei erzählte:

Da weer mal in Oppendörp en Knecht, en heel düchtigen Kêrl. Nu harr in de Tied sik dat all verluden laten, as wenn de Liefegnen frie gêben warrn schulln. De jungen Kêrls de freien sik gewaltig darup un kunnen den Dag nich astöwen (abwarten), dat se frie weeren. Unsen lewen Knecht worr dat ok to lang un eenmal des Morgens, as he plögen schull, weer he œwer alle Bargen. De Herr arger sik, dat he sien besten Knecht missen schull un he kreeg up an Lüd, wat he upkrigen kunn, um em werder intofangen. Keen Minsch aber kreeg den Knecht to seen. Enige säen man, dat se vun en jungen Kêrl hört harrn, wat na de Beschribung de rechte weer, de œwer de Elv sik wegmaakt harr.

Na de Tied keem maal en Juud up den Hoff, den se de Geschichte verteilen däen. Do sä de Juud: »Den wüllt wi wull werder krigen.« De Lud säen dat to den Herrn un de Herr leet den Juud to sik kamen un froog em, ob dat wahr weer. De Juud sä, ja, wenn se harrn, wat he darto bruuk un se em dat good betalen wullen. Öwer de Betalung wörren se licht enig un de Juud versprök den Knecht werder to schaffen, wenn se en Stück Tüch harrn, wat de Knecht en Johr lank dragen harr. De Herr leet nasöken un se brächen em en ole Unnerjack. Do leet de Juud sik eerst en smarten Hahn, naasten en swarten Kater fangen, flach de as un söch sik darup noch annere Saken; dat höll he awer ganz geheem. In de Nacht kreeg he en groten Kêtel to Füer un um Mitternacht da he den Knecht sien Jack, den swarten Kater, den swarten Hahn un sien annere geheemen Saken dar herin un sung an to kaken. Un he kaak un kaak de ganze Nacht dœr un den Dag un so kaak he noch tweemal veeruntwintig Stünn. As awer de Abend int Land keem, do keem en Minsch up den Hoff lopen, vun ünnen bit baben vull Dreck, de ganz uter Aten weer un voer de Huusdœr hinfull un ahn Besinnung liggen bleef. Dat weer de weglopen Knecht. As he werder to sik keem, do weer sien eerstes Woord: »Gottlof, dat ik werder in Oppendörp bin!« He verteil nu, dat he in Amsterdam west weer, as he mit eenmal in de Nacht upwaken dä, un so schnaaksch to Mood weer, as he dat sien Lêben nicht west weer. He harr sik antrecken müßt, he harr sülwen nicht wüßt worüm, un denn harr he jümmers lopen müßt. Dag un Nacht un Nacht un Dag jümmers liek ut. Wodennig he vewer dat Water kamen weer, dat muß he sülwer nich; he weer so möd un so hungrig west, dat harr aber all niks holpen, he harr jümmer tolopen müßt un so geern he ok wullt harr, so harr he doch nich still staan kunnt.

Mien Mutter êhr Swester, sagte die alte Frau, de deen in de Tied up Oppendörp un hett den Knecht recht good kennt, un mien Mutter hett mi de Geschichte sülwen verteilt, as ik noch en Litt Deern weer.

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317. Teufel über Teufel.

Einl. S. XIV. Beim Abendmahl entwendete Oblate: Nr. 235. 568. – Nicht abbuttern können: Nr. 335. 355. Urqu. 5, 192. 6, 100 f. 194. – Raben: zu Nr. 305, 1. – Umgekehrte Pantoffeln (Hacke nach dem Bett) schützen auch gegen die Nachtmähr: Heim. 6, 159. Jb. f. Ldk. 5, 191; vgl. das verkehrt getragene Hemd Nr. 402, die verkehrten Westen zu Nr. 67; das verkehrt aufgesteckte Wagenrad Nr. 326; das verkehrte Handeln, das das Schweigen der Unterirdischen bricht: Nr. 493. 494; das verkehrte Pflügen des Ackers: Kristensen 5, 984. – Hexe im Spiegel erkannt: zu Nr. 313.

Ein Kreuz an die große Haustür gemalt, sichert gegen die Hexen; auch ist es gut, eine beim Abendmahl entwendete Oblate im Hause zu haben. Ist das Vieh behext und kann man nicht abbuttern, so müssen Kühe, Karnen und Stappen abends stillschweigend geräuchert werden. Gewöhnlich kommt dann die Hexe und begehrt Einlaß, aber man muß dann überhaupt keinen herein lassen, wenn auch noch so stark an die Tür gepocht wird. Bringt man einen Topf mit Milch zum Kochen, so muß, wenn die Milch überkocht und ins Feuer läuft, die Hexe verbrennen.

In einem Hause in Wilster war ein Kind krank. Eine kluge Frau sagte, es wären Schelmstücke dabei, man müsse es ausräuchern, nachts um zwölf Uhr, bei verschlossenen Türen. Dann würde der kommen, der's ihm angetan, und sich irgendein Gewerbe machen; man müsse aber Blut von ihm aus ein Tuch zu bekommen suchen und das verbrennen. Zur richtigen Zeit verschloß man die Tür, verhing auch die Fenster bis fast oben hinauf mit Laken, dann räucherte man das Kind, alles, wie es die kluge Frau befohlen hatte. Das Haus hatte aber noch nach alter Art Fensterladen, die heraufgeklappt wurden; unter jedem Fenster also hing eine große Klappe, darauf man stehen und oben ins Fenster sehen konnte, wenn sie nicht aufgeschlagen waren. So war es gerade hier. Als sie das Kind räucherten und die Uhr war noch nicht zwölf, da plötzlich schaute die Hexe oben übers Laken weg in die Stube, der Mann springt hinaus, schlägt der Hexe ins Gesicht und fing mit einem Tuch das Blut auf. Als man das verbrannt hatte, war das Kind gesund.

In der Nähe von Büsum wohnte ein reicher Bauer, der hatte eine einzige Tochter, die er über alles liebte. Aber seine alte Schwiegermutter war eine Hexe; die Leute wußten, daß sie sich schon zu verschiedenen Malen in Katzen oder andre Tiere verwandelt hatte, sie hatte es auch bei Gesellschaften gemacht, daß die ganze Stube voll von Raben kam und die Gäste es verlaufen mußten. Tieren und Menschen tat sie Böses an; wenn jemand in ihrem Hause übernachtete und die Pantoffeln umgekehrt vorm Bette standen, so kam sie gleich, wenn sie meinte, die Leute schliefen, herein und setzte die Pantoffeln um. Das ist ein sicheres Zeichen, daß sie eine Hexe war. Denn die tun das immer, weil sie sonst keine Gewalt über den Schlafenden haben. Nun müssen alle Hexen aber immer einen aus ihrer Familie quälen. Die alte Schwiegermutter gönnte dem Bauern nicht sein Glück und tat endlich seiner Tochter das Schlimmste an. Sie schenkte ihr auf eine Zeit ein neues schönes Kleid. Die Tochter, an nichts Arges denkend, wollte es zum nächsten Sonntag zur Kirche anhaben. Aber kaum hatte sie es überm Leibe, so stiegen ihr die Haare zu Berge, sie wurde ganz wild aus den Augen sehen und wußte sich vor innerlichem Brand nicht mehr zu lassen. Sie ging gegen Fenster und Türen an, wie eine wilde Katze, raste und wütete gegen jeden, ohne einen zu kennen, und nur mit Mühe gelang es den Leuten endlich, sie zu Bett zu bringen und zu entkleiden. Da ging die Wut zwar vorüber, aber die größte Schwäche und Ermattung trat ein. Und so lag sie lange Zeit und schwand immer mehr hin; kein Arzt konnte helfen, denn alle gestanden, daß sie die Krankheit nicht verstünden. Darüber waren die Eltern ganz untröstlich. Kluge Leute, an die sie sich wandten, sagten ihnen zuletzt, daß ein altes Weib ihre Tochter unterhätte, aber sie vermochten auch nichts gegen sie. Nur in Hamburg wäre ein Mann, wenn der nicht helfen könnte, so wäre alles vergeblich. Der Bauer wollte nichts unversucht lassen; er fuhr sogleich von Büsum aus nach Hamburg, sprach mit dem Mann, und nachdem er ihm den ganzen Hergang der Sache erzählt, schlug der sein großes Buch auf, das mit Buchstaben geschrieben war, die kein Mensch außer ihm verstand. Nach einer Viertelstunde sagte er dem Bauern, seine Tochter hätten allerdings die Hexen unter, er wollte ihm aber eine Kruke Medizin mitgeben, die wohl helfen sollte, wenn er sie nur heil nach Hause brächte; der böse Feind werde aber alles tun, sie entzwei zu machen. Der Bauer erhielt am andern Tage von dem Wunderdoktor die Kruke, wohl verpackt, setzte sich wieder zu Schiff und kam ohne ein Hindernis bald und glücklich nach Büsum. Aber nun mußte es doch noch verkehrt gehen. Der Schiffsjunge sollte den Korb mit der Kruke ans Land und in das Haus des Bauern bringen, kaum aber kam er damit auf festen Boden, so erhob sich der Sand wie eine Wasserhose, warf den Jungen nieder und schleudert ihm den Korb aus der Hand, daß die Kruke in tausend Scherben ging. Die Reise war also umsonst. Aber ohne sich lange aufzuhalten, machte der Bauer sich gleich wieder auf den Weg zum Wunderdoktor und klagte ihm sein Unglück. Der Mann sagte, daß es ihm nun schon viel schwerer geworden sei, er sollte aber nur nach zwei Tagen einmal wieder kommen. Da hatte der Wunderdoktor unterdes alles in Ordnung gebracht, die Kruke eingepackt und empfahl dem Bauern nochmals die größte Behutsamkeit; es bliebe immer zwar noch ein Mittel, seine Tochter zu retten, aber dazu entschlösse er sich selber ungern, noch würde der Bauer es gerne tun. Der Bauer machte diesmal die Reise zu Lande, den Korb mit der Kruke hatte er in dem Kasten unter seinem Wagenstuhl stehen, so kam er auch ganz glücklich wieder in die Nähe seines Hauses. Schon war er auf eignem Grund und Boden, als der Wagen auf ebner Erde plötzlich umschlug, und wenn der Bauer auch keinen Schaden nahm, so war die Kruke doch wieder entzwei. Dem Bauern lag die Rettung seiner armen Tochter sehr am Herzen; er ließ sich keine Ruhe. Zwar wollte sein Frau, und noch mehr seine alte Schwiegermutter, ihn diesmal zurückhalten, er sollte von der großen Anstrengung erst ausruhen, aber es half nichts, er setzte sich auf sein Pferd und in zwölf Stunden war er wieder oben in Hamburg. Er ritt gleich bei dem Wunderdoktor vor und erzählte ihm alles. Der Mann sagte, daß ihnen nun also nichts anderes übrig bliebe, als die alte Hexe in Öl zu Tode zu kochen. Ehe sie aber dies Mittel ergriffen, sagte er zu dem Bauern, wollte er ihm doch erst die zeigen, die seine Tochter unterhätte. Er ging darauf in die Stube nebenan, murmelte mit allerlei Hokuspokus da seine unverständlichen Sprüche her und kam dann nach einer Viertelstunde wieder herein mit einem großen Spiegel unterm Arm. Den stellte er auf den Tisch und forderte den Bauern auf hinein zu sehen. Das tat dieser und erkannte sogleich seine alte Schwiegermutter darin. Er ward ganz traurig darüber, als er es aber bedachte, was seine Tochter zu leiden hätte und wenn das so fortginge, in kurzer Zeit es mit ihr vorbei sein würde, da entschloß er sich und sagte zum Wunderdoktor, er sollte seine Sache nur machen, käme auch darnach, was da wollte. Der Wunderdoktor bestellte ihn nun auf den andern Mittag wieder zu sich. Zur rechten Zeit fand sich der Bauer ein, der Doktor brachte ihn in ein besonderes Zimmer und entfernte sich darauf. Nach einer Stunde aber rief er ihn hinaus in die Küche. Da hatte er einen großen Kessel zu Feuer, tat Öl und andre Sachen unter allerlei Sprüchen und Zeremonien hinein und verschloß ihn dann dicht mit einem schweren Deckel. Bald fing es in dem Kessel an zu arbeiten, es ward immer lauter und lauter darin und der Bauer glaubte einen Menschen jammern zu hören. Dann wollte es nicht länger darin bleiben und durchaus Lust haben und arbeitete mit aller Macht gegen den Deckel an. »Nun gilt's«, sagte der Doktor, sprang hinzu und hielt ihn mit aller Gewalt nieder. Bald rief er auch noch den Bauern zu Hilfe, und nur mit der größten Mühe gelang es den beiden zu verhüten, daß nichts überlief. Als es ausgekocht hatte, ward es immer stiller und stiller, und als es am Ende ganz ruhig war, sagte der Wunderdoktor: »Nun ist eure Tochter gerettet und die Alte ist gewesen.« Dem Bauern ward unheimlich, und obgleich ihn die Nachricht freute, kam's ihm doch bei dem Arzt gar nicht mehr so recht geheuer vor. Er machte schnell seine Rechnung und eilte in seine Herberge, und mit dem frühsten am andern Tage setzte er sich zu Pferde und ritt nach Hause. Als er ins Haus trat, da kam ihm schon seine Tochter gesund und munter entgegen und nun erzählten sie ihm, daß die alte Großmutter am vorigen Tage eines fürchterlichen Todes gestorben sei. Um Mittag hätte sie ein innerer Brand ergriffen, der von Minute zu Minute zugenommen. Im Bette hätte sie nicht ausgehalten; Fenster und Türen aufgerissen, die Kleider abgeworfen und sich auf dem Boden gewälzt und gekrümmt, und dabei geschrien und gejammert, daß man es weit habe hören können. Erst hoch am Nachmittage sei sie allmählich immer stiller geworden und habe zuletzt keinen Laut mehr hören lassen. Es hätte bis dahin niemand bei ihr dauern können; nun gingen sie hinein und fanden an der Stelle, wo sie gelegen, ein Häuflein Asche und einige verbrannte Knochen. Von Stund an aber war die Tochter gesund geworden und die hat nachher noch viele Jahre gelebt.

Aus Schwansen, aus Wilster und aus Dithmarschen. – Die Ausdrücke verschieren, beswögen, d. h. durch böse Künste, Blick, Berührung, Besprechen in »Undägt« (wörtlich Ungedeihen) bringen, führt Schütze Idiot. IV, 43 an. – Umgewandte Pantoffeln hindern auch den Alp ins Bett zum Schlafenden zu kommen. Ebendas. IV, 286. Vgl. Thiele, Danm. Folkes. II, 109

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318. Der Liebestrank.

Bei Aitrup im Amte Hadersleben sieht man noch die Überreste des Schlosses Fromhave. Dahin kam einmal ein elender Krüppel und wußte der Frau vom Schlosse einen Liebestrank beizubringen, darauf sie sich so in ihn verliebte, daß sie Haus und Hof und ihren Mann verließ und ihm nachlief. Aber der Mann eilte nach, schlug den Krüppel tot und nahm seine Frau wieder mit zurück. Er schenkte später dem Prediger in Biert ein großes Stück Land.

Danske Atlas VII, 151. Rhode, Haderslev-Amt S. 361.

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319. Die Windmühlen.

Einer hatte einen Verbund mit dem Teufel. Er besuchte den Schulmeister und lud ihn zu sich ein, er wolle ihm auch viel Geld geben, wenn er mit ginge. Der Schullehrer ging mit. Sie kamen an einer Windmühle vorüber. »Was ist das?« fragte der Schulmeister. »Eine Windmühle«, sagte der andre. Darnach kam eine andre Windmühle. »Was ist das?« fragte der Schulmeister. »Eine Windmühle«, war die Antwort. Darnach kam eine dritte. »Was ist das?« fragte der Schulmeister. »Was sollte es wohl sein, als eine Windmühle?«

Als sie nun in das Haus traten, sah der Schulmeister da viel Geld. Er erhielt eine ganze Hand voll. Allein als er das Haus wieder verließ, hörte er einen Knall, und alsbald kam der Teufel und brach jenem den Hals. Da warf der Schulmeister das Teufelsgeld von sich und entfloh in großer Eile.

Aus Lauenburg durch Kandidat Arndt.

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320. Der leibhaftige Teufel.

Teufel als Pudel zu Nr. 300. Vgl. Kristensen 5, 22.

Ein Fischer aus Groß-Wittensee ging mit einem Damendorfer Bauern, der als Vieharzt berühmt war, von Bünstorf nach Groß-Wittensee. Von dem Bauern erzählte man aber auch, er stünde mit dem Teufel in Verkehr. Sie waren noch nicht weit gegangen, erst bei der sogenannten Kollstätte angekommen, als das Gespräch auf den Teufel kam. Der Bauer fragte den Fischer: »Willst du ihn sehen?« »Ja«, sagte der. Als sie nun noch ein paar Schritte vorwärts gegangen, so geht der Teufel leibhaftig vor ihnen vorüber. »Hast du ihn gesehen?« fragte der Bauer. »Nicht recht«, sagte der Fischer, und damit gingen sie weiter.

Ein andermal kommt nun der Fischer allein den Weg von Bünstorf nach Groß-Wittensee, und als er wieder bei der Kollstätte ist, kommt ein großer schwarzer Pudel zu ihm und glotzt ihn mit feurigen Augen an und läuft immer neben ihm her bis Sande. Hier kehrte der Fischer voller Angst ein, in der Hoffnung, der Pudel werde zurück bleiben, sagte aber nichts von dem, was ihm passiert war. Nachdem er einige Zeit da verweilt hatte, machte er sich wieder auf den Weg, aber der Pudel begleitete ihn nun bis nach Klein-Wittensee, wo er abermals einkehrte. Die Leute sahen ihm seine Angst an und wollten ihn bis Groß-Wittensee begleiten, aber der Fischer lehnte das ab und ging allein wieder fort. Kaum war er aus dem Dorf, als der Pudel sich abermals einstellte und nun ihn erst kurz vor Groß-Wittensee verließ. Man hat überhaupt ganz oft den großen Pudel zwischen Klein- und Groß-Wittensee bemerkt. Da hatte er seinen Aufenthalt und Versteck in einem alten Dornbusch am Wege.

Durch Herrn Schullehrer Boysen in Bistensee.

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321. Der schwarz und weiße Bock.

Lauscher beim Schatzvergraben vgl. Nd. Jahrb. 1, 102 (»Da sünd twe Lichter to vêl«) aus Lauenburg. Urqu. 6, 194 aus Hetlingen.

Ein reicher Bauer schickte einmal Sonntags alle seine Kinder und Leute aus dem Hause, teils in die Kirche, teils aufs Feld. Darauf grub er im Pferdestalle ein Loch, setzte einen Koffer hinein und schüttete sein Geld muldenweise darin auf. Darnach verschloß er den Koffer, machte das Loch wieder zu und versiegelte es mit den Worten: »Na, Düwel, nu verwahr dat so lang, bet se di en schwart un Witten Segenbock bringt.« Ohne Wissen des Geizigen hatten aber seine Kinder einen armen alten Mann die Nacht beherbergt. Er hatte auf dem Heuboden geschlafen und stand gerade auf, wie der Bauer all sein Geld vergrub; so hatte er alles mit angesehen. Der Teufel bemerkte ihn gleich und sagte: »Twee Ogen seet! schal'k de utpußen?« Der Bauer dachte, das könnte nur eine Katze sein und sagte: »Laat seen, wat süht!« In aller Stille verließ der alte Mann das Haus.

Der Bauer starb und seine Kinder bewirtschafteten nun schon seit einiger Zeit die Stelle; da kam der alte Mann einmal wieder dahin und bat um Aufnahme. Sie wiesen ihn anfangs ab; bald aber, als sie sich erinnerten, daß sie ihn schon einmal wider Willen ihres Vaters beherbergt hätten, ließen sie ihn da bleiben. Das Gespräch kam bald auf die schlechte Zeit und die Kinder klagten. Der Alte fragte, ob denn ihr Vater ihnen nicht reichlich Geld hinterlassen hätte? »Ach nein«, sagten sie, »nichts als Schuld und Ungeduld.« Da versprach er ihnen Geld genug zu verschaffen, wenn sie ihn lebenslänglich versorgen wollten und einen schwarz und weißen Ziegenbock schaffen könnten. Die Leute waren damit gerne zufrieden; aber es kostete Mühe, einen solchen Ziegenbock zu finden, weil damals hier im Lande die Ziegen noch viel seltener waren. Als man ihn endlich fand, brachte der Sohn des Bauern ihn in den Pferdestall und sagte, wie der alte Mann ihm vorgeschrieben hatte:

Dar, Düwel, dar hest dien:
Nu gif du mi mien.

Sogleich zerriß der Teufel wütend den Bock, die Leute aber holten sich den reichen Schatz, mit dem sich sonst der Teufel wohl manche Seele erkauft hatte.

Durch Dr. Klander in Plön. – Nach Kandidat Arndts Mitteilung aus Kurburg bei Schleswig: Ein Prediger vergräbt sein Geld unter einem Apfelbaum, der Knecht sitzt in den Zweigen; der Teufel soll es nur wieder losgeben, wenn der Prediger selbst geritten käme zc. – In Wilster vergräbt ein Reicher sein Geld unter einer alten Linde. Der Teufel soll es nur für einen pechschwarzen Hahn mit weißem Kamm austun. Des Reichen armer Nachbar hat gelauscht und findet endlich einen solchen Hahn. – Vgl. die ganz übereinstimmende süddeutsche Sage in Mones Anzeiger VI, 304 und Wolf, Deutsche Sagen Nr. 462.

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322. Die Schatzgräber.

Frahm S. 246. Zum Auswettern des Schatzes: Nr. 445, 1. 552, 3. Urqu. 3, 162 f. Urdsbr. 3, 136. – Schatz durch Bruch des Schweigens verloren: Nr. 134. 324. 538. Zu 543. Mündlich aus Husum: Der Teufel gräbt neben den Schatzgräbern ein tiefes Loch und fragt: »Wer schall nu toerst darin?«, worauf jene rufen: »Ik nich!«. Urqu. 3, 162 und Heim. 8, 202 aus Drage (»nu hebbt wi em bald!«). Urdsbr. 3, 136 aus Dithmarschen: Ein mit Mäusen bespanntes Fuhrwerk erscheint – »wat kann de Düwel fœr Künst!« Voß und Schröder, Wacken S. 51: Der Teufel verführt in Gestalt eines Hahns zum Sprechen. Vgl. v. Hedemann Gesch. von Deutsch-Nienhof 1, 15. Kristensen 3, 2299 (»fy for Fanden, hvor han fiser!«). Urqu. 6, 196 aus Hohenwestedt (»nu hölpt bald!«). Vgl. Urqu. 3, 163 und die Mittel, mit denen Heim. 10, 146 der Bruch des Schweigens erzwungen werden soll. Philippsen Sag. von Föhr S. 59. Zs. f. s.-h. Gesch. 15, 310. 11, 233. 4, 26. 5, 150. Frahm, Nordd. Sag. S. 248 f. Fischer, Slesv. Folkes. 372 ff. – Zur Anmerkung: Brand als Augenverblendung zu Nr. 448. 545. Kristensen 3, 2263. Johansen, nordfries. Sprache S. 253.

1.

Das Dorf Groß-Meinsdorf bei Eutin gehörte vor 1426 der adligen Familie von Meinsdorf. Einer der Edelleute führte ein arges Räuberleben und beraubte besonders die Lübecker Kaufleute, die durch die Gegend zogen. Als endlich die Lübecker Soldaten gegen ihn ausschickten, vergrub er sein Geld in der Nähe seines Schlosses und bestellte den Teufel zum Wächter darüber. Er hält treulich Wache und glüht alle sieben Jahr den Schatz in der Nacht aus. Das Schloß ist längst abgebrochen und die adlige Familie ausgestorben. An der Stelle, wo der Schatz vergraben liegt, stand das Wohnhaus eines Hufners und gerade in der Küche war der rechte Ort. Man hatte öfter das Ausglühen des Schatzes beobachtet. Da kam einst ein Mann mit einer Wünschelrute zu dem vorigen Besitzer der Hufe und versprach den Schatz zu heben, wenn der Hufner erst eine Schrift unterschreiben wollte, die er ihm vorlegte. Weil der Hufner aber keine geschriebene Schrift lesen konnte, so rief er seine Frau; aber der Fremde weigerte sich nun die Schrift zu zeigen. Darüber entstand Streit und sie warfen den Kerl zuletzt aus dem Hause. Der Fremde hatte aber die Wünschelrute im Beisein des Bauern schlagen lassen. Da sie nun die Stelle genau wußten, fingen der Hufner und seine Frau in einer Nacht, nachdem sie alle Türen des Hauses sorgfältig verschlossen, stillschweigend an zu graben. Ihre einzige Tochter war nur noch mit dabei. Während sie gruben, rannte eine ungeheure große Sau mit wildem Geheul ums Haus; sie winkten der Tochter, das Tier zu verjagen, allein diese konnte seiner nicht ansichtig werden. Endlich fühlte der Bauer mit seiner Stange einen eisernen Kasten. Voller Freude rief er seiner Frau zu: »Ick hefft!« aber sogleich konnten sie nichts mehr fühlen, und sie fanden nichts, so tief sie auch gruben. Später ist das Haus abgebrochen und der Schatz liegt jetzt im Lambrechtschen Garten. Im Jahre 1787 hat man zum letzten Male gesehen, daß er ausgeglüht ward.

(Eine Wünschelrute bekommt man auf diese Weise: Man sucht einen einjährigen Stock mit zwei Armen und schneidet ihn zu einer gewissen Zeit unter den Worten: »Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes«; dann faßt man den Stock an den beiden Armen und leitet ihn über die Erde hin. Sobald sich die Spitze neigt, liegt da ein Schatz.)

Durch Herrn Schullehrer Kirchmann in Eutin. (Aus Dithmarschen.) Die gewöhnliche Weise der zahlreichen Erzählungen von Schatzgräbereien ist Nr. 134 mitgeteilt. Bekannt find mir fast gleichlautende Versionen aus Föhr von Klaas Lembeks Burg Nr. 28; aus Hattstede von dem Schatz in der Kirche, den man einmal so weit herausbrachte, daß ein kleiner vergoldeter Löwe erbeutet ward, der noch in Thoms Jensens des Deichgrafen Haus in Horrsted über der Peseltür sitzt; aus Elpersbüttel bei Meldorf; ans Liensfeld bei Eutin (der Teufel ruft einem Krüppel zu, der dabei war: »Hinkelbeen is mien!« worauf dieser ärgerlich antwortet); vom Schatz in der Wittorfer Burg bei Neumünster; von der goldenen Wiege im lübeckischen Dorfe Pöggendorf; vom Goldberg bei Bloxdorf im Kirchspiel Westensee (ein Flämmchen hatte den Schatz gezeigt; eine Frau fängt an zu sprechen, als sie sieht, daß ganz Bloxdorf brennt; das war aber nur Spuk gewesen); von der Kriegskasse auf dem Espersdorfer Felde Nr. 6; einer fängt an zu sprechen, als der Teufel ihm seine alte Großmutter am Galgen hängend zeigte; ein paar Ringe wurden von der Kiste erbeutet, die sich noch an der Tür der Eggebeker Kirche befinden; – auch vom Schatz in den Gräbern bei Schwansen Majors Collectan. Mskr. Fol. 938 b. – Als man die goldne Wiege im Koberger Moor in Lauenburg haben wollte, ritt ein Ritter auf einem dreibeinigen Pferde immer um die Arbeiter herum; einer rief endlich: Gott Help! Da verschwand alles. – (Über die Wünschelrute Cimbrisch-Holstein. Antiquitäten- Remarques S. 55.) Vgl. Nr. 323. Kuhn, Märk. Sagen Nr. 32. 91. 111. 134. Reusch, Samland Nr. 41. 42. Bechstein, Thüring. Sagen III, 176. Mones Anzeiger IV, 174. 394. V, 414. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 295. Thiele, Dann,. Folkes. I, 170. 341 fg. II, 182.

2.

Anm. Die bösen Geister verlieren die Macht über den Schatz, wenn er mit Stahl in Berührung kommt: Nr. 543. 545. Urdsbr. 3, 136 aus Christiansholm; zu Nr. 326. Bilder aus dem Volksleben des Ratzeburger Landes (1920) S. 94 (»Arwstahl«).

Zwischen den Dörfern Alsleben und Mellerup liegt ein Schatz. Drei oder vier Männer aus Ries, die Nachbarn waren, begaben sich auf den Weg und langten um Mitternacht am bezeichneten Orte an. Da es aber kalt und stürmisch war, legte der eine sich unter einen Wall, um, während die andern gruben, sich gegen den Wind zu schützen. Schon trafen sie auf einen großen Kessel. Da hörte der, der sich nieder gelegt hatte, ganz deutlich wie wenn kleine Kinder weinten; und doch war das Dorf weit entfernt. Er stand darum auf und sagte zu seinen Gefährten: »Ich höre Kinder weinen; wenn aber meine oder eure Kinder über unser Werk weinen sollen, so will ich keinen Teil daran haben.« Da verschwand der Schatz und sie mußten nach Hause zurückkehren.

Durch Herrn H. Petersen in Soes. – Bei den Erzählungen wird öfter bemerkt, daß man versäumt habe Stahl auf den Schatz zu werfen. Das hindert die Macht der bösen Geister.

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323. De Zigeunerin.

Licht zeigt Schatz an: zu Nr. 134.

Da est mal ne Zigeunerin. De kommt na Hitzhusen bi Bramstêd in dat Weertshuus und geef sik fœ'n Schatzgräberin ut. De Fro segg, dat bi Hitzhusen op den Bag en Schatz est, da geit immer en Lecht. No geit se an en Abend mal met dree Buurn dahen. Ünnerwegs ward se möd und de ene Buur mott se no ganz hendrêgen, dafœ' schall he denn ok en golden Spennrad vœrut hemm. As se dahen kaamt, hemm se aber de Kalen vergeten. De ene leppt torügg, brengt aber Kool onn so geit de Geisterstunn vœrœber. No (nun) seit de Zigeunerin Lien (Leinsamen) op den Bag und segg to de Buurn, wenn dat Lien opkaam est, so well se weller kaam. Dat Lien und de Schatzgräberin sönt abers beid' utblêben.

Durch Herrn Schullehrer Lohse in Stellau. – Auf den Hügeln und an Orten, wo man nachts ein Licht oder Feuer brennen sieht, liegt ein Schatz oder hausen Geister. So auf dem Rugenberge im Kirchspiel Grömitz bei Neustadt; daneben ist ein Hügel, der Dreifußberg. S. Nr. 336. 445 etc.

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324. Der Schatz des Räubers.

Schnur über den Weg vgl. Nr. 37, 2 Anm. Kristensen 4, 1412. 1523. – Über Alf: zu Nr. 40, 3.

In alten Zeiten war bei Gravenstein eine Räuberhöhle. Zwölf Räuber waren darin, und gebrauchten die List eine Schnur über den Weg zu spannen, so daß, wenn Reisende vorüber kamen, die Glocken in der Höhle angezogen wurden. Aber da sie alle wohl verborgen waren, so geschah es, daß sie einer nach dem andern eines gewöhnlichen Todes starben und zuletzt allein der zwölfte nachblieb. Der war schon hochbejahrt und hatte einen langen grauen Bart. Als er in seinen letzten Tagen einmal allein im Walde umherging, begegnete ihm ein Mann; dem versprach er einen großen Kasten mit Gold und manchen Kostbarkeiten zu geben, wenn er ihn begraben wollte, sobald der Augenblick käme. Doch bedang er dabei aus, daß die Kiste nicht geöffnet werden, noch etwas heraus genommen werden dürfte, bevor sie auf der andern Seite des Wassers wäre.

Als nun der alte Räuber tot war und der Mann ihn begraben hatte, war es just Winterzeit, so daß die Kiste übers Eis gezogen werden mußte. Es ward, wie es gebräuchlich ist und geschehen muß, denen die den Schatz zogen, befohlen, mausestill zu sein und kein Wort zu reden, bevor sie die Kiste am Lande hätten. Aber da sie aufs beste zogen, vergaß einer die Vorschrift und der Schatz brach sogleich ein und sank durchs Eis. Untersucht man aber mit einer Stange die Stelle, so kann man die Kiste noch genau fühlen.

Dieser Räuber hieß Alf, und von ihm hat Alnoer bei Gravenstein seinen Namen. Wenn er die Schiffe in der Ostsee beraubt hatte, schlüpfte er geschwind durch den schmalen Eckerumsund in das von Wäldern rings umgebene Nübeler Noer. Man hat später noch den Ort wieder aufgefunden, wo dieser Alf seine Wohnung von großen Feldsteinen in der Erde gehabt hatte.

Thiele I, 383. Gude, Bericht von Sundewitt S. 82 (aus Jonas Hoyer Bericht vom Herzogtum Schleswig S. 8 in Oleus Henrik Mollers Beiträgen zur Geschichte der Stadt Flensburg). Kuhns Märk. Sagen Nr. 150. – 1298 soll Alf hingerichtet sein. Ihn meinen zweifelsohne Alb. Kranz und Heinr. Ranzau mit dem Alf und Alvilda des Saxo. S. Nr. 53. Anm.

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325. Der geträumte Schatz.

Kristensen 3, 2452 (aus Tönning).

Einem Bäckerknechte in Lübeck träumte einmal, er werde einen Schatz auf der Brücke finden. Als er nun darauf immer hin- und herging, redete ihn ein Bettler an und fragte nach der Ursache, und hernach sagte er ihm, ihm habe auch geträumt, daß auf dem Kirchhofe zu Möllen unter einer Linde ein Schatz liege, aber er wolle den Weg nicht daran wenden. Der Bäckerknecht antwortete: »Ja es träumt einem oft närrisch Ding, ich will mich meines Traums begeben und euch meinen Brückenschatz vermachen«; ging aber hin und hob den Schatz unter der Linde.

Grimm, Deutsche Sagen I, 291. – Ähnlich erzählt Thiele, Danm. Folkes. I, 257 von einem Mann aus Tanslet auf Alsen, der nach Flensburg geht, um einen Schatz zu finden. Einer, der ihm da begegnet, erzählt ihm, daß ihm geträumt habe, er werde in Tanslet einen finden. Der Mann eilt nach Hause und findet nun den Schatz. Vgl. Thiele I, 246. 356.

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326. Der Drache.

Vgl. Nr. 406 (S. 273). 504. Jb. f. Ldk. 4. 155. Frahm 260 ff. Detlefsen, Gesch. der Elbmarschen 2, 431 f. Vgl. Danm. Folkem. 17, 106 ff. Wenn man mit einem Feuerstahl über den Drachen hinwirft, gibt er die von ihm behüteten Schätze heraus: Urqu. 5, 79 aus Krempel bei Lunden; Nieders. 12, 156. Feilberg 300. – Der Drache bringt auch das Mittagessen für den ganzen Hausstand; es darf aber kein Dritter dabei zusehen: Nd. Jahrb. 1, 102 aus Dassendorf im Sachsenwalde. – Wem die Arbeit gedeiht, von dem sagt man: Der Drache ist ihm durch den Schornstein geflogen und hat ihm Geld und Speck gebracht. – Hintern zukehren: Nr. 430. Wisser S. 281.

Der Drache ist ein großes feuriges Tier mit einem langen Schweif, von der Größe eines Bese- oder Windelbaumes. Bald zieht er hoch, bald ganz niedrig eben über der Erde hin und schlüpft mitunter in ein Haus. Wenn zwei Brüder, indem sie miteinander fahren, einen solchen Besuch sehen, und nehmen sie dann ein Wagenrad ab, stecken es aber verkehrt wieder auf und fahren weiter, so kann der Drache nicht wieder zurück und das Haus muß verbrennen. Wenn einer ihn niedrig und in dunkelrotem Feuer glühend hinziehen sieht, so muß er sich unter ein Dach stellen, den Hintern entblößen und die blanke Scheibe dem Drachen zukehren; dann entsetzt er sich, platzt und die schwere Geldladung, die er, wenn er so aussieht, immer mit sich führt, fällt heraus und macht den Finder zum reichen Mann. Er muß es aber ja nicht auf freiem Felde tun; denn dann bewirft ihn der Drache mit Unrat. Der Drache kommt zu den Leuten, die mit ihm in Verbund sind, gewöhnlich durch den Schornstein oder das Eulenloch. Er bringt ihnen nicht nur Geld, sondern auch Geldeswert. So sah einer aus dem Gute Neversdorf einmal, daß der Drache mit schöner Leinwand angezogen kam, die er einem reichen Bauern bringen wollte. Er stellte sich unter den Vorsprung des Daches, erschreckte den Drachen auf die angegebene Weise und erhielt so ein schön Stück Leinwand, weil der Drache damit nach ihm warf, aber ihn nicht treffen konnte. An demselben Orte sah ein andrer auch, wie der Drache bei einem reichen Bauern in die Eulenflucht hineinschlüpfte. Weil er dem Bauern nicht gut war, steckte er ein Wagenrad verkehrt wieder auf und das Haus mußte verbrennen. Die Sarauer Fischer sahen auch nachts den Drachen in das Haus des reichen Bauern Bartelmann ziehen, und alsbald stand das ganze Dach in Flammen. Vor zwei oder drei Jahren sah man in Pogetz, Sarau, Buchholz und Einhaus am Ratzeburger See in einer und derselben Nacht viele feurige Drachen in der Luft schweben.

Aus Lauenburg durch Herrn Kandidat Arndt, aus dem Gute Jersbek und der Gegend von Lütjenburg. – Neusch, Samland Nr. 37.

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327. Die Teufelskatze.

Es war mal ein Bauer, der hatte drei schöne große Katzen. Sein Nachbar kam und bat ihn um eine. Er erhielt sie und setzte sie auf den Boden, um sie anzugewöhnen. Nachts steckte die Katze den Kopf durch die Bodenluke und fragte: »Was soll ich bringen über Nacht?« »Mäuse sollst du bringen«, antwortete der Bauer. Da fing die Katze Mäuse und warf sie alle auf die Diele. Am andern Morgen lag die Diele so voll, daß man die Tür gar nicht öffnen konnte und der Bauer fuhr den ganzen Tag die Mäuse fuderweise weg. Nachts steckte die Katze den Kopf wieder durchs Bodenloch und fragte: »Was soll ich bringen über Nacht?« »Roggen sollst du bringen«, antwortete der Bauer. Da schüttete die Katze die ganze Nacht Roggen hinab, daß man morgens wieder die Tür nicht öffnen konnte. Da merkte der Bauer, daß die Katze eine Hexe sei, und brachte sie wieder zum Nachbar. Und daran hat er klug getan; denn hätte er ihr zum drittenmal Arbeit gegeben, so hätte er sie niemals wieder los werden können. Aber daran tat er nicht klug, daß er nicht das zweite Mal sagte: »Geld sollst du bringen!« Dann hätte er soviel Geld gehabt, als nun Roggen.

Aus Kurburg bei Schleswig durch Herrn Kandidat Arndt. – Kuhn, Märk. Sagen Nr. 128. Thiele, Danm. Folkes. II, 187.

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328. Der Zauberhund.

Bei Nübel in Angeln auf Pushof wohnte ein blinder Bauer mit zwei blinden Söhnen. Er war darum doch nicht so hilflos; denn er hatte einen Verbund mit dem Teufel gemacht, der ihm einen schwarzen Hund gegeben hatte. Der sorgte für alles, fegte die Kühe und fütterte die Pferde bei Nachtzeiten. Wenn der Bauer aus war, erzählte ihm der Hund alles, was seine Diensten getan und gesagt hatten, und er wußte alles, als wenn er dabei gewesen war, wenn einer auch nur eine Flocke Wolle genommen hatte. Er pflegte still vor der Scheunentür auf einem alten Pflugrad zu liegen und wenn der Bauer dann in den Hof kam, erzählte er ihm alles. Oft sind die Leute bei dem Bauern gewesen und wollten wissen, wie es mit dem Hund wäre. Dann führte der Herr sie auf die Wiese; da stand ein kleiner weißer Stock. Wenn sie dann herankamen, sprang der schwarze Hund aus dem kleinen Stock heraus.

Aus Kurburg am Dannewerk durch Kandidat Arndt.

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329. Der Verteufelte Stock.

Kl. Groth, Ges. Werke 1, 124 f. »Der Pukerstock«. Nieders. 5, 274. 289. Auch das Zauberbuch Cyprianus (Nr. 301) kehrt immer wieder zu seinem Besitzer zurück: Kristensen 6, 226.

Auf einem Hofe in Süderdeich, Kirchspiel Wesselburen, diente ein Knecht der mit einer Magd in einem benachbarten Dorfe eine Liebschaft hatte. Einmal an einem Sonntagabend, als er sie besucht hatte, war das Wetter so schlimm geworden, und die Nacht so dunkel, daß er seine Braut um einen Stock bat, darauf er sich beim zu Hause gehen stützen könne. Das Mädchen gab ihm einen alten Stock, den sie neulich beim Fegen unter einem Schrank gefunden und in die Uhrverkleidung gestellt hatte. Damit geht der Knecht fort; das Wetter wird immer ärger und die Nacht immer dunkler: »Ach! wärst du doch nur zu Hause!« sagte er bei sich und er war mit einem Male da, ehe er sich's versah. Er achtete anfangs nicht weiter darauf, aber es ward ihm doch angst, wenn er später oft bei einer Arbeit war und nur dachte, ich wollte, daß ich damit fertig wäre, daß es dann mit einem Male alles getan war. Da erinnerte er sich des Stocks und dachte sich diesen vom Halse zu schaffen. Er zerbrach ihn und warf ihn ins Wasser; allein kam er in seine Kammer, stand der Stock wieder da; ebenso ging's, als er ihn verbrannte. Der Knecht ging endlich zum Prediger und klagte ihm sein Unglück. Der Prediger ließ ihn ungetröstet gehen und sagte, dabei wäre nichts zu machen. Aber der Knecht ging zum zweiten Male zu ihm und bat aufs flehentlichste, ihm zu helfen; denn im Hause könne er es so nicht länger aushalten. Da führte der Prediger ihn in der Nacht um zwölf Uhr in die Kirche; aber was er da gehört und gesehen, wollte der Knecht nachher nicht erzählen; nur ein Dritter sei noch dagewesen. Als sie da fertig waren, befahl der Prediger dem Knecht, den Stock zu nehmen und nach Hause zu gehen; wenn auch noch soviel Ungeziefer ihm auf der Hofstelle entgegenkomme, solle er sich doch durcharbeiten und dann irgendein Loch suchen und den Stock hineinstoßen; zweimal würde er zurückkommen, aber wenn er zum dritten Male ihn hineinstoße und dabei sage: »In Gottes Namen«, werde der Stock weg bleiben. So ist es auch wirklich alles nachher geschehen. Der Knecht steckte den Stock ins Hundeloch und erst beim dritten Male blieb er weg.

Mündlich. Vgl. Grimm, Mythol., 2. Ausgabe, S. 928.

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330. Mönöloke.

Vollständiger bei Detleffen Gesch. d. Elbmarschen 2, 427 ff. Vgl. Einl. XLII.

Es hat kurz vor dem kaiserlichen Kriege sich allhier durchgehends im Lande begeben, daß ein Gespenst unter den Leuten ausgekommen, so daß, wenn einer stillschweigends reich geworden, man von ihm gesaget: »Es sieht ihm die Mönöloke aus dem Schubsack.« Es ist aber die Mönöloke gewesen eine Teufelspoppe, so ohn allen Zweifel die Besitzer dieser Poppe in des Teufels Namen verfertiget. Es ist diese Poppe gemacht gewesen von weißem Wachs und ist gekleidet gewesen in blauen Taft, und davon hat es einen Rock angehabt um die Lenden, auch ein schwarz Sammetwams am Leibe, die Beine aber und Füße sind nackt und bloß gewesen. Sie hat unter dasjenige, worinnen man die Hilfe verlanget, wohl müssen verwahret und reinlich gehalten werden.

Hieronymus Sauckes Hardeshornische Chronik S. 434.

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331. Das Allerürken.

Vgl. Nr. 355, 2. Frahm S. 225.

Die Frau eines Bauern hatte ein Allerürken im Hause. Das machte, daß wenn sie auch nur ein bißchen Teig anrührte, doch immer der ganze Kessel voll Klöße ward. Die Dienstmagd kam einmal mit andern Mägden vom Felde, mit dem Milcheimer auf dem Kopf. Da fragten sie die andern, ob sie denn nicht wüßte, daß ihre Frau ein Allerürken habe. »Nein«, sagte das Mädchen, daß erst kürzlich da in den Dienst gekommen, »wo hat sie es denn liegen?« Die andern bezeichneten ihr den Koffer; der wäre immer sorgfältig verschlossen. Eines Sonntags ging der Bauer und die Bäuerin in die Kirche und die Frau hatte in der Eile die Schlüssel zu Hause gelassen. Das neugierige Mädchen öffnete nun den Koffer und fand eine kleine Puppe darin. Als sie diese anfaßte, guckte sich die Puppe ein paarmal um und machte allerlei Bewegungen. Erschreckt schlug das Mädchen die Lade wieder zu. Mittags rührte sie Klöße an und nahm so viel Teig, als für die Leute im Hause nötig war. Aber nun kamen davon im Grapen so viel Klöße, daß er über und über voll ward und wohl das ganze Dorf genug gehabt hätte. Als die Frau zu Hause kam und die vielen Klöße sah, sagte sie: »Was, hast du so viel gekocht? Bist du nicht klug?« Das Mädchen antwortete: »Ich hab' nicht mehr Teig genommen als nötig war.« »So geh' hin und wasch' dir die Hände!« sagte die Frau und von der Zeit an hatte das Mädchen die Kraft des Allerürken verloren.

Durch Erdmann Bruhn in Elpersbüttel bei Meldorf. Das Allerürken ist in Dithmarschen allgemein bekannt; der Name ist vielleicht nur Korruption von dem gleichbedeutenden Alraun (Galgenmännlein).

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332. Von der Frau, die's Raten lernte.

Zs. f. s.-h. Gesch. 11, 233.

Ein reicher Mann hatte eine Frau lange bei sich in Arbeit. Da sie nun alt und schwach ward und nichts mehr verdienen konnte, riet er ihr einmal scherzweise sich aufs Raten zu legen. Sie antworte, das verstünde sie nicht. »Ei«, sagte der Herr, »sie kann ja nur sagen:

Hislepis,
Wenn't nich bêter ward. So blifft as't is.

Dabei muß sie Feuer schlagen und immer pusten.« Die Frau folgte dem Rate, und wenn jemand sich den Fuß verbrannt oder die Rose hatte oder ein böses Auge, ging sie hin und

Hislepis,
Wenn't nich bêter ward,
So blifft as't is,

half einmal, zweimal, dreimal und die Frau kam in Ruf. – Nun traf es sich, daß dem reichen Manne beim Fischessen eine Gräte einmal im Halse stecken blieb und auf keine Weise heraus zu bringen war. Da riet man ihm, doch die kluge Frau kommen zu lassen. Sie kam. Als sie aber hörte, was sie sollte, sagte sie: »Ach Gott, ich kann ja nichts weiter, als was der Herr selber mich gelehret hat.« Das hatte dieser längst vergessen und fragte, was es denn sei? »Ja«, antwortete sie, er wisse wohl: »Hislepis, wenn't nich bêter ward, so blifft as't is.« Darüber mußte der Herr heftig lachen und die Gräte flog ihm aus dem Hals.

Herr Dr. Klander in Plön.

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333. Küster Hans.

Vor einigen hundert Jahren war in Esgrus in Angeln ein Küster, namens Hans. Er war schon bei Jahren, da brachte ihn noch seine Begier nach Geld und Gut auf den Gedanken, mit dem Teufel einen Bund zu schließen. Er erkundigte sich, wie er's anzufangen hätte, und begab sich um Mitternacht mit einer schwarzen Katze unterm Arm nach der Esgruser Kirche, ging dreimal herum und klopfte jedesmal an die Kirchtür. Da beim dritten Male öffnete sich die Tür und eine Gestalt trat heraus, so hoch, daß sie sich bücken mußte. Da ließ Küster Hans die Katze unterm Arm springen und rannte voller Schrecken nach Hause. Ein hitziges Fieber, die Folge der ausgestandenen Angst, brachte ihn dem Tode nahe, doch genas er, aber sein Gewissen drückte ihn nun sehr. Er ging zum Prediger, ließ sich das Abendmahl reichen und beichtete alles. Da hatte er einigermaßen in sich wieder Ruhe gesunden. Aber die Geschichte ward später auf irgendeine Weise in der Gemeinde doch bekannt; sie beschwerte sich und trug darauf an, den Küster abzusetzen. Der Tag kam, das Urteil sollte in Flensburg gesprochen werden. Hans ward vorgeladen, aber er war sehr niedergeschlagen, wagte nicht hinzugehen und blieb zu Hause. Erst am Abend ging er hinaus, den zurückkehrenden Leuten aus der Gemeinde entgegen, da hörte er, daß ihm Amt und Brot verloren sei. Vor Gram erkrankte er sogleich und starb in den Tagen darauf. Man empfand nun allgemein mit ihm Mitleiden und meinte, die Strafe sei doch zu hart gewesen. Darum, damit der Dienst in der Familie bliebe, sollte der neue Küster Hansens Tochter Margarete heiraten. Ein junger Mann aus Schwabstede meldete sich und versprach auch, Margarete zur Frau zu nehmen; daher gab man ihm die Küsterstelle. Nun aber heiratete er seine alte Braut, eine Margareta aus Schwabstede, und sagte, daß er diese in seinem Versprechen gemeint habe und nicht des alten Küsters Margarete. So blieb der Dienst auch nicht einmal in der Familie, und sie mußten den Küster aus Schwabstede behalten. Von dem lebten noch vor etwa vierzig Jahren mehrere Nachkommen.

Durch Herrn Schullehrer Claus Dues.

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334. Gott einmal verschworen, bleibt ewig verloren.

Vgl. Nr. 362. Zu den Raben: zu Nr. 305, 1. Tobler (s. zu Nr. 204) S. 31.

In dem Dorfe Fissau lebte vor vielen Jahren ein alter Hexenmeister; dem war es nicht genug über Menschen und Vieh böse Krankheiten zu bringen, sondern er verführte auch Jünglinge und Jungfrauen zu seiner höllischen Kunst und überlieferte ihre Seelen dem ewigen Verderben. In einer dunklen Nacht begab er sich einmal mit einem jungen Mädchen, ohne daß ein Dritter davon wußte, nach Eutin auf den Kirchhof und das Mädchen mußte den Ring der Kirchentür anfassen und ihm die Worte nachsprechen:

Hier saat ik an den Karkenrink,
Un schwöre Gott af un sien Kind.

Das Mädchen war erst wenige Tage vorher in der Kirche konfirmiert; nun hatte sie seit der Zeit keinen frohen Tag mehr und lebte in tiefer Schwermut. Sie ward nachher an den Schmied des Dorfes verheiratet, ward Mutter mehrerer Kinder; still und fleißig arbeitete sie den Tag über in ihrem Hause, aber die Nächte hindurch lag sie und weinte ihre bittern Tränen. Nichts gab ihr Freude und Ruhe und sie welkte so hin, bis endlich ihr letzter Tag da war. Da ward nach altem Brauch der Prediger zur Sterbenden gerufen; er betete und tröstete sie, sie aber sprach: »Ach, Herr Pastor, bete er nur immer zu; mir hilft doch nichts; denn ich bin eine Hexe«, und erzählte ihm die Geschichte jener Nacht. »Es ist kein Sünder so groß, der sich nicht legt in Christi Schoß«, tröstete sie der Prediger und bat sie, ihm nach ihrem Tode Nachricht zu geben, ob sie die ewige Seligkeit erlangt hätte oder nicht; im ersten Falle sollte sie ihm als Taube, im andern aber als Krähe erscheinen. Als man mitten im Todeskampfe der Sterbenden noch einen Trunk reichte, seufzte sie laut: »O, wie brennt dat na de Höll herin!« und verschied.

Schon war eine längere Zeit seitdem verstrichen, als eines Sonntags nachmittags der Prediger in seiner Laube im Garten saß, und eine Krähe laut schreiend sich darauf niedersetzte. Der Prediger ging hinaus, um das Tier zu verjagen; aber es blieb sitzen und rief immer lauter. Da erinnerte er sich der Frau des Schmieds und fragte: »Also bist du doch nicht zu Gnaden gekommen?« Da antwortet die Krähe: »Gott einmal verschworen, bleibt ewig verloren!«

Herr Schullehrer Kirchmann in Eutin. – Als auf dem Dengelsberg bei Ehlersdorf (am Kanal) einmal drei Hexen verbrannt wurden, flogen zwei Raben über sie hin und riefen auch jene Worte; man kennt sie auch in Dithmarschen. – Der Reim »Gott verschworen, ewig verloren« kehrt in Süddeutschland wieder. Mones Anzeiger VI, 307.

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335. Die Hexen in Friesland.

Jb. f. Ldk. 9, 129 ff. Philippsen, Sag. v. Föhr S. 37 ff. – Zum Flug an den Kirchturm: Nr. 86, 2. 350. – Wachsherz durchstochen: Nr. 353. – Verwandlung in Tiere: Philippsen, Sag. v. Föhr S. 41 ff. (Mäuse, Ochsen, Fliegen, Frösche, Seehunde); 49. Johansen, nordfries. Sprache S. 238 (grüne Vögel). Als Kröten kommen sonst die Unterirdischen ins Haus: zu Nr. 508. – Keine scharfen Werkzeuge leihen: Heim. 9, 64 will der Nachbar, der das Vieh behext hat, eine Sichel leihen. – Zum Abbuttern: zu Nr. 317. Außer den Nr. 335 ff. aufgeführten Hexengeschichten sind noch mancherlei andere bekannt; einiges sei verzeichnet. Man hüte sich, etwas von Hexen loben zu lassen; als eine böse Nachbarin am Brautbettabend das feine Linnen lobte, starb die Braut in der Nacht: Heim. 30, 140 aus Schwansen. – Zahllose Mäuse hervorzuzaubern ist eine besondere Fähigkeit der Hexen: Jb. f. Ldk. 9, 132. »Mutter Grimmsch« in Mözen hatte es schon als Kind von der Mutter gelernt; sie tat es einmal in der Schule, konnte die Tiere dann aber nicht wieder wegbringen; dazu mußte die Mutter geholt werden (Schriftlich aus Mözen). – Auf der Chaussee von Rendsburg nach Hohenwestedt hörte ein nächtlicher Reiter immerfort den Ruf: »Verbiestert!« Auf seinen derben Fluch sitzt plötzlich ein altes Weib hinter ihm auf dem Pferd und zwingt ihn, in ihr grinsendes Gesicht zu sehen; beim Hersagen frommer Lieder verschwindet sie: Heim. 4, 21. Urdsbr. 6, 144. – Eine alte reiche Frau wird von ihrem Dienstmädchen belauscht, wie sie nachts in der Kellerstube mit einem jungen Mann, der einen Pferdefuß hat, tanzt und mit ihm aus knöchernen Gefäßen trinkt (Mündlich aus Schwansen). – »Die Schobüllgaarder Hexe« wird vor ihrer Verbrennung vom Teufel durch den Schornstein entführt und mit zerbrochenem Hals auf die Erde geworfen: Jb. f. Ldk. 4, 155 f.; vgl. Heim. 30, 142. – Nach einer Stapelholmer Erzählung konnte eine Hexe nicht hingerichtet werden, weil immer ein neuer Kopf da war: Heim. 9, 64. – Eine Hexe spinnt an Herbst- und Winterabenden vor einem Hecktor sitzend Schuhnägel (Mündl. aus Mözen?). – Eine Hexe wird von einem Hexenmeister festgemacht: Urqu. 6, 100 (vgl. Nr. 312). – Seltener sind Geschichten von männlichen Hexen. Sie verwandeln sich in Hunde: Heim. 9, 63. Sie behexen das Vieh und werden gelegentlich entlarvt: Heim. 9, 64. Ein Mädchen muß einem Hexenmeister immer nachlaufen, bis sie den linken Strumpf verkehrt anzieht: Heim. 30, 140; vgl. zu Nr. 317.

Die Leute in Donsum auf Föhr gelten für Zauberer und besonders sollen die Frauen alle Hexen sein. Es verkehrt darum niemand gerne mit ihnen und keiner freit aus dem Dorfe. Freitags findet man keine Frauensperson zu Hause. Denn an diesem Tage haben sie ihre Zusammenkünfte und Tänze auf einer öden Heide. Abends reiten sie auf Pferden dahin, gewöhnlich aber haben sie Flügel an den Schultern und fliegen. Dann sind sie oft so in der Fahrt, daß sie nicht zu rechter Zeit einhalten können, wenn ein Kirchturm kommt, sondern dagegen anfliegen müssen. Von den Wunden des Falles liegen sie nachher am andern Tage krank. Da, wo sie ihre Tänze gehalten haben, findet man am andern Tage Lumpen von allerlei Art und Farbe, Fetzen und Bandstücke, Nadeln, womit sie in Zauberwachs manchem das Herz durchstochen, Blut und Eiter. Sie können sich in Katzen und Pferde, in Schwäne und Adler verwandeln. Ein junger Mensch wollte einmal seine Braut besuchen; als er in das Haus wollte, lag ein weißes Pferd in der Tür. Da erkannte er, daß seine Braut eine Hexe sei. Es war gerade Freitagabend. – Ein Mann, der von den Hexen viel geplagt ward, ging einmal auf die Jagd; da sah er einen Vogel mit wunderschönen Federn. Er legte an und schoß; da ward aus dem Vogel ein Weib. – Bei einem Wasser in der Nähe von Donsum kam ein Brautpaar vorbei. Auf dem Wasser segelten Schwäne. Da sprach die Braut: »Ich will einen Augenblick zu den Schwänen gehn«, und sie ging hin und fand ihre Schwestern, das waren die Schwäne. Da ward auch sie zu einem Schwan und alle flatterten und schlugen mit den Flügeln. Der Bräutigam mußte alleine nach Hause gehn. – Oft verwandeln sich die Hexen auch in Salhunde und verfolgen die Schiffer und Fischer. Oft kommen sie als Kröten in die Häuser. Kleine Kinder hütet man vor ihrem Blick. Wenn man ein Band oder kleines Tau mit einem Knoten darin am Wege liegen findet, rühre man es nicht an; denn die Hexen haben es hingelegt. Man darf den Zauberinnen keine scharfe Instrumente, Scheren, Messer, am wenigsten Nadeln leihen. – Einem Manne starb seine Kuh; er setzte das Herz mit andern Eingeweiden aufs Feuer, kochte es und die Hexe mußte kommen. Wenn keine Butter kommen will, steckt man Messer um den Deckel des Butterfasses. Das erste Weib, das dann in die Tür kommt, ist die Hexe. Man kann Häuser und Ställe dadurch gegen Hexen verwahren, wenn man über die Tür einen Pferdefuß nagelt oder eine lebendige Eidechse unter der Schwelle vergräbt. Auch gebraucht man Teufelsdreck dazu.

Dies gilt aber nicht allein von den Frauen in Donsum, sondern auch auf Sylt, Amrum und den andern Inseln gibt es Hexen. Aus Sylt waren der Öwenhügel am südlichen Ufer der Insel, der Klöwenhügel zwischen Keitum und Tinnum, der Stippstienhügel bei Wenningstede ihre Versammlungsörter. In der Mainacht reiten sie alle nach dem Blocksberg. – Traalbutter (Hexenbutter) heißt auf Sylt der Holzschwamm.

Mündlich und schriftlich.

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336. Die Hexen.

Philippsen, Sag. v. Föhr S. 41. Feilberg 300. Auch auf dem Blocksberg »up Bußholt« (Koppel auf dem Gute Damp in Schwansen) und auf dem Blocksberg im Kirchsp. Wacken tanzen in der Johannisnacht die Hexen. (Mündlich.)

Wer eine Hexe werden will, ergibt sich dem Teufel und schwört Gott ab mit diesen Worten:

Hier trete ich in dieses Nest,
und verlasse unsern Herrn Jesu Christ!

Dann gelingt die Zauberei, worin sie sich einander unterrichten und die sie von dem Teufel lernen, der zu ihnen kommt. In der Johannisnacht, auch in der Mainacht, halten sie ihre Zusammenkünfte und Tänze. Das geschah bei Schleswig auf der Kropperheide und auf dem Priserfelde oder Priserberge. Bei Schuby zeigt man auf der sogenannten Brutkoppel noch den kleinen Pisberg, wo auch die Hexentänze geschahen. In Holstein versammelten sie sich auf dem Blumenberge bei Finzier, nicht weit von Oldesloe oder dem bei Süsel. Von da kommen sie immer todkrank nach Hause. Die aber, welche auf dem Rugenberge bei Heiligenhafen, auf dem Lütjenbroder Felde an der Ostsee, einem großen Grabhügel, sich versammelten, spürten keine Müdigkeit darnach und niemand konnte ihnen am andern Morgen was anmerken. Es wird aber auch von allen Hexen erzählt, daß sie am Wolbersabend nach dem Blocksberge geritten seien. Niemand darf sie an dem Abend hindern und wer ein Kreuz über die Tür macht, durch die sie abfahren müssen, erfährt nachher ihre Rache und wird durchgeprügelt. Sie fahren zu den Schornsteinen und den Eulenlöchern hinaus, und reiten auf Besen, Ziegenböcken, Katzen, Hähnen, alten Säuen, Eseln und bunten Hunden, die der Teufel ihnen oft schickt. –

Von dem Fest auf dem Rugenberg wird nun so erzählt: Sobald die Hexen jede auf ihre Weise da angelangt sind, bereiten sie sich eine Mahlzeit, entweder aus Gänse- oder aus grünem (frischgekochtem) Ochsenfleisch und besprengen es mit Senf. Dazu essen sie Grapenbrote und trinken Bier aus hölzernen oder zinnernen Schalen. Den Kessel bringt der Teufel mit aus Lütjenbrode. Dann beginnt der Tanz, jede Hexe tanzt mit ihrem Teufel, ein altes Weib singt dazu und zwei Kessel werden geschlagen: auf den Bergen umher leuchten die Feuer dazu. Wer in die Nähe kommt, wird mit in den Kreis hineingezogen und so lange herumgeschwenkt, bis er atemlos niedersinkt. Sobald es Tag wird, verschwindet alles. Am andern Morgen findet man auf dem Berge Spuren von Federvieh, von Pferde- und Ziegenfüßen und in der Mitte liegt ein Häuflein Asche.

Die alte Wiebke Thams in Lägerdorf, Herrschast Breitenburg, erzählte: Vorzeiten wären da bei dem Dorfe die Hexen in der Johannisnacht auf freiem Felde verbrannt. Das wäre nun freilich nicht eigentlich geschehen, sondern auf diese Weise. Auf einer Koppel machte man ein großes Feuer an; darüber hängte man an einem Querbaum zwischen zwei großen Seitenpfählen einen Braukessel mit Bier auf. Daraus schöpfte man mit Bierkannen und trank das warme Bier. Alt und Jung, das ganze Dorf nahm an diesem Feste teil. Dann und wann ging eine gewisse Frau etwas vom Feuer weg und rief: »Kummt hêr jü ole Hexen 'rint Füer!« Und das hätte man das Verbrennen der Hexen genannt.

Nach mündlichen und schriftlichen Mitteilungen. Hexenprozeßakten in Mskr.; gedruckt in (Niemann) Blätter für Polizei und Kultur 1799, I, 64. Provinzialberichte 1812, 303 1817, 174. Staatsbürgerl. Magazin IV, 475. VI, 703. VII, 745. X, 608. 1004. Schlesw.-Holst. Anzeigen 1841, Nr. 32 ff.

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337. Die Seele vor dem Schafstall.

Vgl. Tobler, D. Epiphanie der Seele. Kiel. Diss. 1911 S. 38.

»Deine Frau ist eine Hexe«, sagte ein Nachbar zum andern. Das wollte dieser zwar nicht glauben, doch wurden sie sich einig, es in der nächsten Mainacht näher zu untersuchen; denn dann müssen die Hexen zum Blocksberg. Abends ging der Mann, wie gewöhnlich, mit seiner Frau ruhig zu Bette, aber in der Nacht kam der Nachbar verabredetermaßen zu ihm. Der Mann ließ ihn ein und da lag die Frau steif und starr im Bett, als wenn sie tot wäre. So trugen sie sie in den Schafftall und verriegelten ihn fest. Gegen Morgen kam die Seele zurück und ließ sich vor dem Stall hören durch ein gar klägliches Piepen, aber sie konnte nicht eher hineinkommen, als bis sie ihn geöffnet hatten. Und gleich darnach kam die Frau wieder heraus, und als sie fragten, wo sie herkomme, antwortete sie, sie habe nur nach den Schafen sehen wollen. Da hatte der Mann die Gewißheit daß seine Frau eine Hexe sei.

Aus Ludwigsburg in Schwansen durch Herrn Schullehrer Hessen. – Wie in Mecklenburg und anderswo, gibt es bei uns mehrere Orte, Hügel, einzelne Hufen etc., die den Namen Blocksberg führen, so bei Braak, Tungendorf (bei Neumünster), Hörnerkirchen (Grafschaft Ranzau), Mehlbek (bei Itzehoe), Kembs (bei Segeberg), Spechserholz (bei Arensbök), Harmsdorf (bei Lübek), bei Kauslund (Amt Flensburg), Kotzenbüll (Landschaft Eiderstede). S. Schröders Topographien unter den Namen.

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338. Hexen erkannt und belauscht.

Versteck unter Eggen: Heim. 9, 64. 10, 146. Andere Mittel zur Entlarvung der Hexen: Nr. 317. Urqu. 6, 194. Philippsen, Sag. v. Föhr S. 48.

Wenn man ein altes Weib für eine Hexe hält, so braucht man nur eine Hand voll Salz ihr nach zu werfen, um sie zu erkennen. Denn ist sie eine Hexe, so muß sie sich umsehen; oder will eine, die man in Verdacht hat, in die Tür treten, so braucht man ihr nur einen Besen verkehrt in den Weg zu legen und sie kann nicht eintreten, wenn sie eine Hexe ist. Man kanns aber auch so machen, wie einmal ein paar junge Knechte taten. Die gingen in der Johannisnacht hinaus auf eine Wiese und wälzten sich nackend im Tau. Sonntags darauf gingen sie in die Hüttener Kirche, sie dienten da in der Nähe, und sahen nun, daß jede Frau, die eine Hexe war, eine Milchbütte auf dem Kopfe trug, und das waren damals sehr viele Frauen und Mädchen.

Ein paar junge Bauern beschlossen einmal in einer Johannisnacht die Hexen zu belauschen. Sie spannten ihre Pferde vor ein paar Erbeggen, und zogen damit auf der einen Seite des Dorfs hinaus, der eine rechts, der andere links. Sie fuhren um das Dorf herum, bis sie auf der andern Seite wieder zusammen kamen. Den Kreis, der nun ums Dorf gezogen war, durften die Hexen nicht überschreiten. Nur ließen sie einen schmalen Ausgang; da erwarteten sie die Hexen, indem sie die beiden Erbeggen schräge gegeneinander stellten und sich darunter legten. Um Mitternacht flogen die Hexen zu allen Schornsteinen hinaus, auf Besenstielen und Forken. Sie kamen alle an ihnen vorüber; da erkannte der eine seine eigne Frau: »Kummst du ok, mien ole Möm?« sagte er und war verraten. Da stürzten die Hexen auf ihn los und drückten ihm die spitzen Eggennägel in den Leib, weil er so unbesonnen gewesen war, die Zinken nach innen zu kehren. Er kam nicht mit dem Leben dovon.

Wenn man die Hexen tanzen sehen will, so muß man ein altes Brett von einem Sargdeckel nehmen, aus dem ein Knast herausgestoßen ist, und durch das Loch schauen.

Aus Niederselk durch Kandidat Arndt. – Dieselbe Erzählung kennt man an mehreren Orten, in der Herrschaft Breitenburg, Dithmarschen etc.

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339. Salzstreuen.

Urqu. 6, 101 aus der Gegend von Segeberg. – Ein Seemann, der eine Hexe barsch abfertigte, ward voll von Ungeziefer, das er nicht wieder los wurde, solange die Frau lebte: Philippsen, Sag. v. Föhr S. 52.

Eine alte Frau kam oft in das Haus eines Bauern, sie war aber eine Hexe und man hatte Lust sie anzuführen. Ein Junge wagte es endlich. Man lud sie zum Essen ein und er bekam einen Platz neben ihr. Er erzählte ihr allerlei, klopfte ihr dabei vertraulich die Schulter, warf ihr aber zuletzt unvermerkt eine Handvoll Salz in den Nacken. Da konnte sie nicht aufstehen, weil sie zu schwer geworden. Das gab nun allerlei Kurzweil, weil sich die Hexe ihre Not nicht merken lassen wollte. Aber erst als der Junge sie wieder vom Salz frei machte, kam sie los. Bald mußte er für seinen Mutwillen büßen. Er bekam so viel Läuse, daß er sie gar nicht los zu werden wußte. Nur auf sein flehentliches Bitten befreite ihn die Hexe selbst endlich von der Plage und gab ihm dabei den Rat, künftig alte Leute nicht mehr zum besten zu haben.

Aus Plön durch Dr. Klander.

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340. Die Hexenfahrt.

Philippsen, Sag. v. Föhr S. 38 (»Skostien ap, en nogh huren rag«). Kristensen 7, 425 aus Stubbek (»op gjennem rog og sod, men ingensteds imod«; der Knecht singt: alle steds). Jb. f. Ldk. 4, 133. Rahlf u. Ziese, Gesch. Ahrensburgs S. 188. – Frahm 212. Nach einer Stapelholmer Erzählung darf der Knecht hinten auf dem Besenstiel mitreiten; als er aber bei einem heftigen Sprung über ein breites Wasser das Stillschweigen bricht, fällt er auf die Erde: Heim. 9, 64.

Ein Knecht war in der Johannisnacht nicht fest eingeschlafen. Da sah er, wie seine Wirtin und ihre Tochter aufstanden und aus dem Schrank einen Topf mit Hexensalbe hervorlangten. Damit bestrichen sie sich, setzten sich dann rittlings auf einen Besen und sagten:

Fleeg Up, fleeg ut!
Fleeg narms an!

So flogen sie zum Kapploch hinaus. Als der Knecht das sah, wollte er's ihnen nachtun. Er nahm von der Salbe, beschritt eine Forke und sagte:

Fleeg up, fleeg ut!
Fleeg allerwêgens an!

Er stieß nun überall mit dem Kopf an die Balken, gelangte aber doch endlich hinaus und kam nach dem Blocksberg, wo er fast die ganze Nacht hindurch mit vielen andern Hexen und seiner Wirtin und ihrer Tochter tanzte. Am andern Morgen, als sie aufstanden, lachte die Tochter ihn aus und sragte: »Na, Mars (Marx), deit di ok de Kopp noch weh?« Er hat's nachher nicht wieder getan; sie drohten ihm auch.

Aus Niederselk bei Schleswig durch Kandidat Arndt; auch in Lauenburg. – Ebenso erzählt man in Husby: Ein junges Mädchen sah die alten Weiber auf dem Besenstiel davon reiten unter den Worten:

Wolup un wol ut!
Tom Kapplock henut!

Sie wollte es ihnen nachmachen und sagte:

Wolup un wolan!
Tom Kapplock henan!

Da fuhr sie gegen die Decke und blieb da schweben, bis die Hexen wiederkamen und sie befreiten. – Dannewirke 1844, Nr. 53: Ein Knecht sieht, daß seine Herrin in der Johannisnacht sich auf den Besenstiel setzte, den sie vorher mit einer Salbe bestrichen. Er machte es ihr nach und flog über Berg und Tal hinterdrein; endlich kam er über ein großes Wasser; da rief er verwundert: »Das ist doch des Satans!« und augenblicklich stürzte er hinunter. Dasselbe widerfuhr nach einer dithmarschen Erzählung einem, den eine Hexe mit auf ihren Ziegenbock genommen hatte, oder nach einer Breitenburger Erzählung einer Magd, die ihre Herrin mit auf ihren Kater nahm; als sie das Stillschweigen brachen, fielen sie in die Elbe. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 335. 536. Thiele, Danm. Folkes. II, 90. 208.

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341. Die drei Haare.

Ähnlich aus Putlos in Ostholstein bei Frahm S. 211 f.

Eine Frau lag krank. Da trat ihr Mann ans Bett und sprach: »Was fehlt dir? Sage mir, was du wünschest; ich will alles tun.« »Wenn mir geholfen werden soll«, sagte die Frau, »so mußt du den Fuchs nehmen, der in unserm Stall steht und dich diese Nacht zwischen zwölf und eins darauf setzen und sprechen:

Fahre hin,
nach dem Blocksberg steht mein Sinn!

und wenn du dahin kommst, so nimm drei Haare vom Kopfe einer alten schwarzen Frau, die zu dir kommen wird.« Der Mann schlug ein Kreuz und sprach: »Ich denke, du hast doch wohl nichts mit Hexen zu tun.« »Nein«, antwortete sie, »reite nur schnell aus, sonst sterbe ich.« Der Mann stieg in der Nacht auf den Fuchs und sagte:

Fahre hin,
nach dem Blocksberg steht mein Sinn!

Da sauste er durch die Luft und gleich ritt er den Blocksberg hinan. Da kamen ihm viele Hexen entgegen, einige ritten auf Haspeln, andre auf Katzenschwänzen: zuletzt kam eine alte schwarze Hexe, die ging ganz krumm, hatte feuerrote Augen und einen Strohwisch zum Schwanz. Er ritt auf sie zu und wollte ihr die drei Haare ausreißen; aber sie widersetzte und wehrte sich sehr. Ach, dachte er, was soll ich viel Umstände machen! faßte seinen Stock, schlug die Alte tot und nahm, was er wollte. Als er seiner Frau nun das brachte, was sie gewünscht hatte und er erzählte, er habe die alte Hexe darum totschlagen müssen, schrie sie auf: »So hast du meine Großmutter totgeschlagen!« Darüber erschrak der Mann, daß seine Frau von Hexen herstammte; und er ging hin und verklagte sie. Nach einigen Tagen wurde sie verbrannt.

Aus Puttgarden auf Fehmarn.

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342. Das Geschenk der Hexen.

Zur Verwandlung von Wertvollem in Wertloses vgl. Nr. 411 (Aale zu Poggen). 458 (Butterbrod in Grassode). 563, 2. Verwandlung in Pferdedreck ist häufig; vgl. zu 462. 552.

Spätabends ging ein Mann, der ein Musikant war, von Todendorf nach Puttgarden. Auf der Mitte des Weges begegneten ihm eine Menge Hexen, die ihn sogleich umringten und sagten: »Spiel uns was vor.« Vor Angst konnte er nicht reden, brachte es aber doch endlich heraus und sagte, daß er keine Violine hätte. »Tut auch nicht nötig«, antworteten die Hexen, »wir haben eine«. Als er nun zu spielen begann, tanzten sie wild um ihn her und sprangen haushoch. Endlich waren sie müde und gaben dem Manne zum Lohne eine Schürze voll Kröbeln (eine Art Apfelkuchen). Als er zu Hause kam, legte er die Violine und die Kröbeln auf die Essigbank (den Ofenschrank), und ging zu Bette. Am andern Morgen aber, als er seine Hexengeschenke besehen wollte, war die Violine zu einer alten Katze, der Bogen zu einem Schwanz und die Kröbeln zu Pferdedreck geworden.

Aus Puttgarden auf Fehmarn.

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343. Die Hexen in Wilster.

Jb. f. Ldk. 1, 135. Detlefsen, Gesch. der Elbmarschen 2, 433. Über, das alte Wilster vgl. zu Nr. 192.

In Wilster gab es ehedem viele Hexen und böse Leute; das ist aber schon lange her. Die Altermutter meiner Großmutter hat es dieser als Kind erzählt und die Geschichte immer angefangen: »Dat weer all lang vœr mien Tied.«

Es war in Wilster ein junger Mann, ein Sonntagskind, der die Hexen vorzüglich sehen und kennen konnte. Eines Tages stand er auf einem Platz in der Stadt, wo eine Menge Bauholz gelagert war, vor einem alten Hause und schimpfte zum Giebelfenster hinaus: »Wat sittst du dar all wedder un spinnst, du ole verfluchte Hex?« Da rief die Hexe herunter: »Sönken, Sönken, laat mi doch mien Faden spinnen!« und augenblicklich saß der junge Mensch unter dem Bauholz, wo die Leute ihn mit Mühe hervorzogen.

In einer Nacht ward derselbe junge Mann durch einen fürchterlichen Lärm aus dem Schlafe geweckt. Gleich mußte er aus den Federn und da sah er einen ewig langen Zug von Weibern auf Besenstielen und Ofengabeln reiten, die mit Feuerzangen an blanke Kessel schlugen, und so ging's fort; er mußte hinterdrein. Als sie auf den Kreuzweg kamen, hielten sie einen großen Tanz, er mußte mit allen rund tanzen. Auch hatten sie einen großen silbernen Becher; der ging von Hand zu Hand und sie tranken dem jungen Mann daraus zu und hielten einen Ringeltanz um ihn. Aber gerade als er den Becher in die Hand bekam, schlug die Uhr eins, die Hexen verschwanden und er blieb allein nach mit dem Becher in der Hand. Als er sich besonnen hatte und den Becher betrachtete, fand er die Namen aller Hexen darauf ausgegraben; obenan stand die Frau Bürgermeisterin. Da ging er am andern Morgen zum Bürgermeister und meldete ihm alles, wie schändlich es in der Stadt hergehe, und wie seine eigne Frau eine Hexe sei. Da gab ihm der Bürgermeister viel Geld, damit er nicht weiter davon rede.

Zu dieser Zeit stand die Stadt noch nicht, wo sie jetzt steht, sondern weiter nach Norden zu an einem Arm der Wilsterau, der die alte Wilster heißt. Die Leute taten alles, um die Hexen auszurotten und ihrer los zu werden. Als sie aber sich daran machten die mächtigste und bedeutendste unter ihnen zu vertreiben, versank plötzlich an einem Sonntagvormittag während der Kirchzeit die ganze Stadt, so daß nur die oberste Spitze des Turmes sichtbar blieb. Vor fünfzig Iahren konnte man diese noch immer sehen, und nachts um zwölf Uhr hat man die Hexen darauf tanzen sehen und gehört, wie sie jubelten und frohlockten über den Sieg, den sie über ihre Gegner errungen.

Schriftlich und mündlich. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 246. 383.

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344. Das Geistermahl.

Als König Friedrich der Dritte von Dänemark eine öffentliche Zusammenkunst nach Flensburg ausgeschrieben, trug es sich zu, daß ein dazu herbeigereister Edelmann, weil er spät am Abend anlangte, in dem Gasthaus keinen Platz finden konnte. Der Wirt sagte ihm, alle Zimmer wären besetzt bis auf ein einziges großes; darin aber die Nacht zuzubringen, wolle er ihm nicht raten, weil es nicht geheuer und Geister darin ihr Wesen trieben. Der Edelmann gab seinen unerschrockenen Mut lächelnd zu erkennen und sagte, er fürchte keine Gespenster und begehre nur ein Licht, damit er, was sich etwa zeige, besser sehen könne. Der Wirt brachte ihm das Licht, welches der Edelmann auf den Tisch setzte und sich mit wachenden Augen versichern wollte, daß Geister nicht zu sehen wären. Die Nacht war noch nicht halb herum, als es anfing im Zimmer hier und dort sich zu regen und zu rühren und bald ein Rascheln über das andre sich hören ließ. Er hatte anfangs Mut, sich wider den anschauernden Schrecken festzuhalten, bald aber, als das Geräusch immer wuchs, ward die Furcht Meister, so daß er zu zittern anfing, er mochte widerstreben, wie er wollte. Nach diesem Vorspiel von Getöse und Getümmel kam durch ein Kamin, welcher im Zimmer war, das Bein eines Menschen herabgefallen, bald auch ein Arm, dann Leib, Brust und alle Glieder, zuletzt, wie nichts mehr fehlte, der Kopf. Alsbald setzten sich die Teile mach ihrer Ordnung zusammen, und ein ganz menschlicher Leib, einem Hofdiener ähnlich, hob sich auf. Jetzt fielen immer mehr und mehr Glieder herab, die sich schnell zu menschlicher Gestalt vereinigten, bis endlich die Türe des Zimmers aufging und der helle Haufen eines völligen königlichen Hofstaats eintrat.

Der Edelmann, der bisher wie erstarrt am Tisch gestanden, als er sah, daß der Zug sich näherte, eilte zitternd in einen Winkel des Zimmers; zur Tür hinaus konnte er vor dem Zuge nicht.

Er sah nun, wie mit ganz unglaublicher Behendigkeit die Geister eine Tafel deckten, alsbald köstliche Gerichte herbeitrugen und silberne und goldene Becher aufsetzten. Wie das geschehen war, kam einer zu ihm gegangen und begehrte, er solle sich als ein Gast und Fremdling zu ihnen mit an die Tafel setzen und mit ihrer Bewirtung vorlieb nehmen. Als er sich weigerte, ward ihm ein großer silberner Becher dargereicht, daraus Bescheid zu tun. Der Edelmann, der vor Bestürzung sich nicht zu fassen wußte, nahm den Becher und es schien auch, als würde man ihn sonst dazu nötigen; aber als er ihn ansetzte, kam ihn ein so innerliches, Mark und Bein durchdringendes Grausen an, daß er Gott um Schutz und Schirm laut anrief. Kaum hatte er dies Gebet gesprochen, so war in einem Augenblick alle Pracht, Lärm und das ganze glänzende Mahl mit den herrlich scheinenden stolzen Geistern verschwunden.

Indessen blieb der silberne Becher in seiner Hand und wenn auch alle Speisen verschwunden waren, blieb doch das silberne Geschirr auf der Tafel stehen, auch das eine Licht, daß der Wirt ihm gebracht. Der Edelmann freute sich und glaubte, das alles sei ihm gewonnenes Eigentum, allein der Wirt tat Einspruch, bis es dem König zu Ohren kam, welcher erklärte, daß das Silber ihm heimgefallen wäre und es zu seinen Händen nehmen ließ. Woher es gekommen, hat man nicht erfahren können, indem auch nicht, wie gewöhnlich, Wappen und Namen eingegraben war.

Aus Bräuers Kuriositäten S. 336 f. und Erasmi Francisci Höll. Proteus S. 426, in der Brüder Grimm Deutschen Sagen I, S. 257. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 382.

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345. In der Haddebyer Gemeinde gibt's keine Hexen.

Pastor unter den Hexen vgl. Nr. 308 (Teufel im Priesterrock). Nach Saucke bei Detlefsen, Gesch. d. Elbmarschen 2, 434 darf der Teufel in des Priesters Gestalt tanzen, weil dessen Samar an einem Sonntag gefertigt ist.

Einmal ging einer aus Haddebye bei dem Hexenberg vorbei. Da sah er alle Hexen tanzen und springen und der Pastor war auch dabei in seinem Priesterrock auf einem Besenstiel. Das ward dem Prediger angesagt daß man ihn unter den Hexen gesehen habe. Da ließ er den Teufel zu sich kommen und fragte ihn, wie er sich unterstehen könne, seine geistliche Tracht und Gestalt auf solche Weise zu mißbrauchen. Da antwortete der Teufel, daß es ihm zum Schabernack geschehen sei; denn das wäre ihm ärgerlich, daß er aus seiner Gemeinde nimmer keine Hexen noch bekommen habe.

Aus Kurborg am Dannewerk durch Kandidat Arndt.

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346. Noch einen Stich.

Vollständiger aus Föhr bei Philippsen, Sag. aus Föhr S. 75. Johansen, nordfries. Sprache S. 240 f.

Einer freite mit einem Mädchen aus einem andern Dorfe. Nachts kam er daher und auf der Hälfte des Weges begegneten ihm eine Schar Zauberinnen mit fliegendem Haar und pfiffen greulich. Als er eben vorbei war, sprang eine ihm von hinten auf die Schultern, das war seine Braut, die er eben verlassen hatte. Sie saß fest und drückte ihm die Arme zusammen, daß er sein Messer nicht aus der Tasche ziehen konnte. Endlich ward er dessen habhaft, stach zu und traf die Zauberin. Da mußte sie ihn verlassen, sagte aber: »Noch an Pui!« (Noch einen Stich!) »Davor will ich mich schon hüten«, erwiderte er. Am folgenden Tage zeigte es sich, daß es seine Braut gewesen war. Der zweite Stich hätte sie wieder heil gemacht.

Aus Amrum durch Herrn Dr. Clement.

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347. Mutter Potsaksch.

Urqu. 3, 325 und Heim. 9, 63 f. aus Stapelholm. »Mutter Pottsaksch« bei Th. Storm Ges. Werke 5, 4 (Renate).

Bei Hollingstede an der Treene war vor nicht langer Zeit eine alte Frau, die man nur Mutter Potsaksch nannte, weil sie niemals Schuhe trug, sondern immer barfuß oder in Socken ging. Sie konnte hexen und Wetter machen (böten). Ihre Tochter hatte sie in allen ihren Künsten unterrichtet. Sie vermietete diese endlich bei einem reichen Bauern als Kindermädchen. Einmal als Wirt und Wirtin ausgegangen waren und die Knechte und Mägde in der Stube saßen und sich allerlei erzählten, kam die Dirne, die das Kind wiegen sollte, herein und setzte sich zu ihnen. Die alte Magd hieß sie hinausgehen und wiegen. »Ei was«, antwortete das Mädchen, »die Wiege geht schon von selbst.« Da riefen alle, daß sie das doch einmal sehen möchten. »Dann könnt ihr noch ganz andre Dinge zu sehen bekommen«, sagte das Mädchen und ließ die Wiege zur Stube herein- und wieder hinauswiegen. »Und das ist noch gar nichts«, fuhr die Dirne fort; »wenn ihr wollt, so will ich euch eine von den Kühen tot melken, die da auf der Koppel gehen.« Alle wünschten es einmal zu sehen, und nun nahm sie ein Messer, steckte es in einen Stender und verlangte, daß man ihr ein Wahrzeichen gäbe, welche Kuh es sein sollte. Man zeigte ihr eine bunte Kuh. Nun fing sie an auf dem Heft des Messers zu melken und die Kuh stand, als wenn sie im Stalle gemolken würde. Als das Mädchen aufhörte, fiel die Kuh tot nieder. »Da habt ihr's«, sagte sie; »nun will ich euch noch mehr zeigen, was ich kann. Ich will juchhe! rufen und ein dreimastiges Schiff soll auf der Mistpfütze schwimmen.« Alle meinten, daß es unmöglich sei; als sie aber nur einmal juchte, sahen alle das Schiff. Darauf juchte sie zum zweiten Male und eine große Musikbande war auf dem Schiff und spielte lustige Stückchen.

Unterdes kamen Wirt und Wirtin wieder nach Hause und die Knechte und Mägde erzählten, was geschehen sei. Da ließen sie die alte Potsaksch holen und verlangten von ihr, daß sie ihr Kind wieder wegnehmen sollte; und die Kuh sollte sie wieder lebendig machen. »Nichts leichter, als das«, rief die Alte, steckte drei Gabeln mit den Stielen in die Erde, daß die Zinken in die Höhe standen, stellte sich darüber und alsbald stand die Kuh auf und graste wie vorher.

Diese Geschichte ward ruchbar und bei der Obrigkeit angezeigt. Nun sollte die alte Hexe verbrannt werden. Auf der Koppel, wo die Kuh tot gemolken ward, wurden drei Faden Holz mit vielem Stroh geschichtet, und man ließ darin einen Raum wie eine kleine Stube. Als die alte Hexe dahin geführt ward, eine unzählige Menge Volks war zugegen, ging der Zug an des Bauervogts Hause vorbei. Da bat Mutter Potsaksch die Frau des Bauervogts, die in der Tür stand, um einen Tropfen Milch. Die stieß sie aber fort und sagte, sie solle ja doch gleich brennen, sie brauche keine Milch. Da sagte die alte Potsaksch: »Das hat mir schon heut nacht geträumt.« Man brachte sie nun in die kleine Stube und zündete das Feuer an. Als es niedergebrannt war, und man in der Asche nach den Knochen suchte, da kam Mutter Potsaksch über die Koppeln dahergegangen und sagte: »Was habt ihr nun getan! Ihr habt des Bauervogts Frau verbrannt!« Alle erschraken; des Bauervogts Frau war nirgend zu finden und niemand wagte sich mehr an die alte Hexe.

Der Amtmann wußte nicht, was er aus der Sache machen sollte, und berichtete darüber an den König. Da bot der König ewig viel Geld aus dem, der die Hexe umbrächte. Aber keiner wollte sich daran machen. Endlich fing ein Schmiedgesell damit an, daß er der Alten viele schöne Worte und Schmeicheleien sagte und sie zuletzt ganz verliebt machte; sie wollte ihn heiraten. Der Hochzeitstag kam und sie sollten zur Kirche. Auf dem Wege dahin mußten sie über ein breites Wasser. Da hatte der Schmiedgesell überall Netze hin und her aufstellen lassen und Fischer lauerten hinter den Büschen am Ufer. Als sie nun im Kahn saßen, sagte er zu ihr: »Potsaksch, kann sie die Kirche schon sehen?« »Nein«, sagte sie, »dann muß ich mich erst umkehren.« Als sie sich nun umwandte, stieß er sie ins Wasser und rief den Fischern, daß sie die Netze zuzögen. So mußte die Alte umkommen.

Aus Kurborg bei Schleswig durch Kandidat Arndt. – Reusch, Samland Nr. 65.

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348. Eine Hexe fliegt davon.

Garn um die Finger gewickelt macht Hexe fliegen, vgl. Nieders. 25, 369.

Auf dem Husbyer Felde, an der Stelle, wo noch jetzt der Überrest eines Galgens steht, sollte einst eine Hexe verbrannt werden. Zu diesem Schauspiele hatte sich eine große Menschenmenge versammelt. Schon brannte der Scheiterhaufen in hellen Flammen und die Hexe sollte hineingeworfen werden, da gewahrte sie im Volkshaufen eine Frau, welche strickte. Sie bat sie um ihr Garnknäuel. Die Frau reichte es ihr. Da wickelte die Hexe, indem sie einige Worte hermurmelte, es um ihre Finger, und wie sie das getan, flog sie vor aller Leute sichtlichen Augen in die Lust und man hat sie nachher nicht wieder gesehen.

Aus Angeln durch Herrn Landmesser Nissen in Löstrup.

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349. Die Schürze der Hexe.

Über die Rolle der Schürze s. zu Nr. 548.

In Störkathen wohnte einst eine Frau, die ihre beiden Kälber auf einer Weide nahe bei der Stör graste. Oft aber schwammen sie durch den Fluß und gingen jenseits einem Bauern ins Heugras. Darüber schalt dieser immer gewaltig. Einmal kam die Frau gerade darüber zu, als die Kälber wieder hinübergeschwommen waren und der Bauer hinter ihnen jagte, fluchte und schalt. Da nahm sie ihre Schürze ab, breitete sie auf der Stör auseinander, setzte sich darauf und segelte hinüber. An der andern Seite angekommen rief sie: »Kaamt her, mien olen Schäkers, kaamt her; de Lüd schöllt œwer ju ni meer schelln.« Darauf liefen die Kälber schreiend zu ihr; sie aber nahm sie mit auf ihre Schürze und fuhr wieder über die Stör.

Durch Herrn Schullehrer Jahrstorf in Lägerdorf.

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350. Der Hexenschiffer.

Fahrt an den Kirchturm vgl. Nr. 36, 2. 335. 360. Grundtvig, Gamle danske Minder 3, 131.

In Erfde an der Eider wohnte ein Schiffer, der, wenn er ausfuhr und ein Sturm kam, immer zu seinem Knechte sagte: »Gah du man to Koje!« und dann segelte er ganz allein durch Wasser, Luft und Land. Einmal steckte der Knecht seinen Kopf heraus und sah, wie sie eben einem Kirchturm vorbeikamen. »Dat güng êbenmist Ein Schifferausdruck: mit genauer Not.«, rief er und der Schiffer antwortete:

Wenn dat nich gaan harr êbenmist,
So weer't de Blixdorper Toorn gewis.

Aus Kurborg am Dannewerk durch Herrn Kandidat Arndt.

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351. Die Windknoten.

Vgl. Nr. 360.

In Siseby an der Schlei wohnte ein Weib, das Zauberei verstand und den Wind drehen konnte. Die Schleswiger Heringsfischer pflegten oft da zu landen. Einst wollten sie nach Schleswig zurück; da war Westwind; darum baten sie das Weib den Wind zu drehen. Sie sagte es zu für ein Gericht Fische und die Fischer boten ihr Heringe, Brassen, Barse und Hechte; andre Fische hätten sie nicht. Darauf gab sie ihnen ein Tuch mit drei Knoten und sagte, daß sie den ersten und den zweiten öffnen könnten, den dritten aber nicht eher, als bis sie Land hätten. Die Fischer spannten die Segel auf, obgleich noch Westwind war; als aber der älteste der Gilde den einen Knoten öffnete, kam alsbald ein schöner Fahrwind aus Osten. Er öffnete den zweiten; da hatten sie Sturm und kamen mit der größten Schnelligkeit nach der Stadt. Nun waren sie neugierig, was es wohl werden würde, wenn sie auch den dritten öffneten. Kaum geschah das, als ein fürchterlicher Orkan aus Westen über sie herfiel, daß sie eilig ins Wasser springen mußten, um ihre Schiffe ans Land zu ziehen.

Aus Fahrdorf bei Schleswig durch Kandidat Arndt. Aeolus' Schlauch. – Thiele, Danm. Folkes. II, 52. Grimms Mythol. S. 606.

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352. Das Johannisblut.

Zu Klostersande bei Elmshorn lag früher zwischen dem Pilzer- und dem Kuppelberg die sogenannte Hexenkuhle. Man sieht hier oft an gewissen Tagen, namentlich am Johannistage, mittags zwischen zwölf und ein Uhr, alte Frauen wandeln, die auf den Pilzerberg wollen, um in dieser Stunde ein Kraut zu pflücken, das allein da wächst. Dies Kraut hat in seiner Wurzel Körner mit einem purpurroten Saft, der das Johannisblut heißt. Die alten Frauen sammeln dies in blecherne Büchsen und bewahren es sorgsam auf; aber nur, wenn es in der Mittagsstunde gepflückt wird, kann es Wunder tun. Mit dem Schlage eins ist seine Kraft vorbei.

Schriftliche Mitteilung. – Vgl. Schütze, Holst. Idiotik. I, 117.

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353. Das Wachsbild.

Vgl zu 335.

Ein Mann auf Amrum lag lange schwer krank und ihm konnte gar nicht geholfen werden. Da sah ein Müller, während jener noch krank lag, von seiner Mühle aus tagtäglich ein Weib in den Vordünen (un Dönk'am). Er verfolgte einst ihre Spur, grub und fand im Sande das wächserne Bild eines Männchens mit einer Stecknadel im Herzen. Er zog die Nadel aus, nahm das Bild mit nach Hause und verbrannte es. Darnach ward der Mann alsbald gesund. Aber nach seinem Tode, als seine Güter geteilt wurden, ging die Teilung ungerecht und er mußte wiedergehn.

Durch Herrn Dr. Clement. Grimm, Mythol. S. 1045.

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354. Die Hexen stopfen Unfrieden.

Johansen, nordfries. Sprache 239 über den »Traalkrans«.

Man nehme sich ja in acht, wenn ein Brautbett gestopft wird; denn Hexen stopfen Frieden und Unfrieden hinein, je nachdem sie's gut oder böse mit dem Brautpaar meinen. Einem jungen Paar, das sich herzlich lieb hatte, dem aber die alten Weiber aus irgendeiner Ursache gram waren, stopften sie Unfrieden hinein. Braut und Bräutigam hatten den Hochzeitstag in Freuden verlebt. Als sie aber kaum im Bette waren, fingen sie an sich zu zanken, und vom Zanken kam's zum Streit und vom Streit zum Prügeln. Die Eltern des Bräutigams, die im Bett daneben schliefen, hörten den Lärm und konnten sie nicht zu Ruhe bringen. Da rieten sie den jungen Leuten endlich sich in ihr Bett zu legen, und nun vertrugen sie sich für die Nacht ganz gut. Aber als die beiden Alten sich ins andre Bett legten, ging unter ihnen gleich das Streiten los, obgleich sie ihr Lebelang nicht uneins gewesen waren, und das dauerte bis an den lichten Morgen. Da untersuchte man das Bett und schnitt die Decken auf; als man die Federn herausnahm, fand man alle in Kränze und Ringe zusammengeflochten mit seidenen Fäden von allerlei Farben. Da wußte man, daß die alten Weiber, die das Bett gestopft hätten, Hexen müßten gewesen sein und »Streit hineingeflochten« hatten.

Mündlich aus Marne. – Auf Amrum ward ein Mann krank und endlich tot gezaubert (duad traalat). Sein Bein fiel ihm ab, als man ihn in den Sarg legte. Als man aber sein Kopfkissen öffnete, fand man einen Hexenkranz von Federn aller Art und Farbe darin. Der Kranz ward im Ofen verbrannt. Herr Dr. Clement. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 269.

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355. Die Hexen nehmen die Butter.

1.

Anm. Auch ein glühendes Hufeisen unter dem Butterfaß hält die Hexen fern: Philippsen, Sag. v. Föhr S. 46; andere Schutzmittel das. S. 48.

Es war einmal eine Zeit, wo die Hexen ihr Unwesen überaus stark trieben. Damals war es für jede Hausfrau notwendig, einen Stiel vom Holz des Vogelbeerbaums an der Butterscheibe zu haben; sonst konnte man sicher sein, niemals Butter zu kriegen. Einmal ging ein Mann beizeiten von Jägerup nach Hadersleben. Als er bei Woiensgaard vorbeiging, hörte er, daß man da auf dem Hofe butterte; aber zugleich bemerkte er, daß eine ihm bekannte Frau an dem vorbeilaufenden Bache stand und mit einem Stock im Wasser karnte. Später sah er sie an demselben Tage in Hadersleben ein großes Stück Butter verkaufen. Als er abends wieder bei Woiens vorbei kam, karnte man da noch; da ging der Mann auf den Hof und versicherte, daß das unnütze Arbeit sei, die Butter sei schon in Hadersleben verkauft.

Herr J. F. Lorenzen in Kiestrup. – Sonst bindet man bei uns auch um die Butterkarne einen Zwirnsfaden; denn wenn eine Hexe vorübergeht und die Reifen des Gefäßes zählen kann, so kann man nicht abbuttern. – Wolf, Niederl. Sagen Nr. 406.

2.

Urqu. 3, 324 u. Heim. 9. 64 aus Stapelholm; vgl. auch Nr. 331. Detlefsen, Gesch. der Elbmarschen 2, 438. Kristensen 7, 602. Von einer Butterhexe, der der Teufel die Butter durchs Eulenloch zubrachte, erzählt man in Hetlingen: Urq. 6, 194.

Maimorgen muß es getaut haben, dann gibt es ein gut Butterjahr. An einem solchen Morgen ging eine Hexe vor Sonnenaufgang auf die Felder ihrer Nachbarn, nahm den Tau mit großen Leinenlaken auf, wrang dann die Tücher aus und sammelte ihn so in eine Kruke. Davon nahm sie jedesmal einen Löffel voll, wenn sie buttern wollte, und goß ihn ins Faß, indem sie dabei sprach: »Ut elk Huus en Lêpel vull!« Damit nahm sie den Leuten, denen die Felder gehörten, jedesmal so viel von ihrer Butter. Ihr Knecht aber mußte karnen. Da nahm er einmal auch etwas aus der Kruke, sagte aber, weil er's nicht recht verstanden hatte: »Ut elk Huus en Schêpel vull!« Dann fing er an zu karnen und da gab es so viel Butter, daß sie durch das ganze Haus lief und die Leute nichts damit anzufangen wußten.

Mündlich aus Marne. – Der Name Daustriker für Hexen beruht wohl auf diesem Aberglauben. Grimms Mythol. 1027. Vgl. Nr. 331 und Grimms Kinder- und Hausmärchen Nr. 103.

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356. Vieh behext.

Philippsen, Sag. v. Föhr S. 45 f. – Vergraben unter der Schwelle: Nr. 335. 283. 289. Ein Mörder vergräbt das Haupt des Ermordeten unter der Türschwelle, um den Geist vom Hause fernzuhalten: Fischer, Slesv. Folkes. 203 ff.

Das Dienstmädchen auf einem Hofe in der Krempermarsch mußte nachts bei dem Leinen wachen, das auf der Bleiche lag. Dabei besuchte sie immer ein Knecht aus der Nachbarschaft. Um sich davon zu überzeugen, stellte sich der Knecht vom Hofe eines Abends auf die Lauer. Wie er nun so da stand, sah er, daß die Nachbarin, eine alte Frau, von ihrem Hofe kam und in den Garten seines Herrn ging. Vorsichtig sah sie sich um und schlich dann längs der Wand des Hauses zum Kuhstall, nahm dort einen Stein unter der Schwelle weg und vergrub da etwas. Sobald sie sich entfernt hatte, ging der Knecht hin und fand nun unter dem Stein ein kleines in Leinen gewickeltes Päckchen. Er nahm's heraus und trug's hinüber zu der Nachbarin und vergrub es auf dieselbe Weise unter ihrem Kuhstall. Am andern Tage erzählte er, was vorgefallen, seinem Brotherrn; der war zwar anfangs unwillig, aber gab doch nach, um das Weitere abzuwarten. Als nun bald darauf das Vieh auf die Weide gebracht ward, wollte das Vieh der Nachbarin nicht fressen, sondern war unruhig, brüllte, lärmte und jagte umher solange, bis ein Stück nach dem andern tot hinfiel. Da sah man, was die alte Hexe dem Bauern hatte antun wollen.

Aus Elmshorn durch Herrn Schullehrer Münster. – In unsern Hexenprozeßakten sagen die Zauberinnen oft aus, daß sie allerlei Haare von wilden Tieren und Totengebeine in schwarzen Töpfen unter die Ställe vergraben hätten, um das Vieh zu verderben.

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357. Kälber behext.

Ein Marschbauer konnte kein Kalb aufziehen; so oft er's versuchte, ward das Tier krank und konnte nicht leben, aber auch nicht sterben, so daß man es töten mußte. In der Not wandte er sich an einen klugen Mann um Rat. Der sprach: »Wenn es noch einmal wieder so geht, so zieh' das kranke Tier hinaus auf deine Hofstelle und schieße nur darnach. Totschießen wirst du es nicht können, aber lade nur immer von neuem und schieß, so wird schon jemand kommen und die Sache wird sich finden.« Nach einiger Zeit kalbte wieder eine Kuh. Der Bauer behielt das Kalb zum Aufziehen, aber es ging damit wie vorher. Da tat er, wie ihm der Mann gesagt hatte, führte das Kalb auf die Hofstelle und schoß fortwährend darnach. Nachdem er nun mehrere Schüsse getan und das Kalb starb nicht, kam die Nachbarin in großer Eile gelaufen und rief: »Halt doch auf zu schießen, du schießst mir ja alle meine Ochsen auf der Weide tot.« Da hatte jeder Schuß einen Ochsen getötet. Der Mann aber stellte das Schießen ein und konnte nachher seine Kälber aufziehen.

Durch Herrn Schullehrer Münster in Elmshorn.

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358. Der Dünenstrauch.

Ein Bauer auf Amrum war einmal abends bei schlechtem Wetter noch in Merum, um Torf zu holen. Da kam ein Dünenstrauch (Dünrabel) herangefallen, als er schon auf seinem Fuder saß. Den kannst du mitnehmen, sagte er bei sich selbst. stieg also ab und warf ihn auf den Wagen. Eine Weile hernach auf dem Wege sah er sich um und sieh da, der Dünenstrauch war nun der alte Peter.

Aus Amrum durch Herrn Dr. Clement.

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359. Hexen als Sturzwellen.

Drei Männer von einer nordfriesischen Insel waren auf einem und demselben Schiffe zur See. In ihrer Abwesenheit ergaben sich ihre Frauen der Hexerei. Weil sie mißtrauisch gegen ihre Männer waren, folgten sie ihnen in allerlei Gestalten überall hin und bald entdeckten sie die Untreue der Männer. Voll Zorn beschlossen sie bei nächster Gelegenheit das Schiff zu versenken, und der Tag ward festgesetzt. Sie hatten aber den Plan eines Abends auf dem Schiffe abgeredet, als sie meinten, daß alle ans Land gegangen wären; allein der Schiffsjunge hatte alles mit angehört. Eine der Hexen äußerte noch die Furcht, daß sie selbst dabei zu Schaden kommen möchten, eine andre aber antwortete: »Nur wenn ein Reiner mit reinen (ungebrauchten) Waffen uns abwehrt, haben wir zu fürchten.« Der Schiffsjunge wußte sich eine neue Waffe zu verschaffen, und als bald darauf das Schiff den fremden Hafen verließ und das Wetter in einer Nacht stürmisch ward, ging er mit dem Degen unter dem Arm immer an der Luvseite auf und nieder und wartete. Bald kamen drei turmhohe, schneeweiße Sturzwellen auf das Schiff los und es wäre gewiß verloren gewesen, wenn nicht der Junge ihnen den Degen entgegen gehalten. Augenblicklich sanken sie zusammen und an der Stelle, wo die Spitze sie berührte, färbten sie sich mit Blut. Als das Schiff nun glücklich in Hamburg ankam, erfuhren der Kapitän und die beiden Steuermänner, daß ihre Frauen plötzlich alle drei krank geworden seien, und als sie sich näher erkundigten, fanden sie, daß dies in derselben Nacht geschehen sei, als die drei Sturzwellen auf das Schiff los gekommen wären. Nun glaubten sie den Worten des Schiffsjungen. Weil sie aber sahen, daß ihre Frauen Hexen wären, beschlossen sie ihr Leben für die Zukunft zu ändern, wenn sie sich nicht neuen Gefahren aussetzen wollten.

Durch Herrn Hansen auf Sylt.

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360. Die Wasserhose.

Vgl. Nr. 351. Zur Fahrt an den Kirchturm: zu Nr. 350.

An einem heißen Sommertage setzte ein Mann aus Nieblum auf Föhr, der in der Wohlmende mit Grasmähen beschäftigt war, sich nieder, um ein Stück Brot in Ruhe zu verzehren. Aber da kam eine große Wasserhose in gerader Richtung auf ihn los. Der Mann, der wohl wußte, daß diese von Hexen herrühren, warf beherzt sein Brotmesser hinein, um die Hexe zu verwunden. Da im Nu ward er gefaßt und wirbelnd durch die Luft getragen, bis er endlich wohlbehalten auf einer kleinen Insel am Ende der Welt wieder den Boden berührte. Er sah den elendesten Tod voraus, denn die Insel war ganz wüst und durchaus unbewohnt, und von einem wilden stürmischen Meere umgeben. In seiner Angst und Not schrie er um Hilfe und bat die Hexe um Verzeihung. Da ward ein Stuhl vor ihm niedergelassen, an dem ein Strick mit drei Knoten befestigt war. Er setzte sich darauf und es kam eine Stimme aus der Luft, die ihm zurief, wenn er wieder nach Hause wolle, solle er den einen Knoten öffnen; ginge dann die Fahrt nicht schnell genug, könne er auch den zweiten lösen; vor dem dritten aber solle er sich hüten. Sogleich ging seine Reise durch die Luft vor sich, als er den ersten Knoten löste. Bald machte er auch den zweiten los, und er fuhr nun so geschwind wie eine Kanonenkugel dahin. Bald lag Föhr wieder vor seinen Augen; da konnte er nicht der Versuchung widerstehen, auch den dritten Knoten zu öffnen. Mit ungeheurer Schnelligkeit ging's nun fort und hätte er nicht auf den Kirchturm zu St. Johannis getroffen, wäre er über die Insel hingeflogen. Bei dem Zusammentreffen mit dem Turmhahn aber verlor der unglückliche Mann beide Beine und hatte nun die traurige Erfahrung gemacht, wie gefährlich es sei, sich mit Hexen abzugeben.

Durch Herrn Arfsten auf Föhr.

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361. Eine Hexe als Pferd.

Mannhardt, Feld- und Waldkulte2 S. 120. Vgl. zu Nr. 363.

Ein junger Mann befand sich nachts auf dem Wege nach Hause, als er bemerkte, daß ein weißes Pferd schnell hinter ihm her kam und ihn einzuholen suchte, indem es über Stege und Tore wegschritt. Sobald es bei ihm war, zog er aber sein Messer und stieß es ihm in den Leib. Da stand stark blutend ein altes Weib vor ihm, das er kürzlich beleidigt hatte, und bat ihn inständig, ihrer doch zu schonen, sie habe ihn ins Wasser stürzen wollen, aber nun müsse sie bald sterben. Der junge Mann ließ sie laufen und bald erfuhr er, daß sie wirklich gestorben sei.

Durch Herrn Heinreich.

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362. Die Hexe mit dem Zaum.

Jb. f. Ldk. 1, 135 (Nachtrag dazu vor Bd. 2).

Die Frau eines Predigers war eine Hexe. Nachts stand sie auf, legte ihrem Knecht einen Zaum an und sogleich war er in ein Pferd verwandelt. Dann setzte sie sich auf ihn und ritt zu einem Gastgebot. Kam sie an den bestimmten Ort, so band sie das Pferd an einen Baum und ging als Mann verwandelt hinein zum Gelage. Das tat sie fast jede Nacht und quälte die Knechte so, daß sie krank und elend wurden und bald aus dem Dienste liefen. Einmal hatte sie einen neuen, jungen Knecht angenommen und gleich in der ersten Nacht ritt sie wieder auf ihm aus. Er hatte schon von der Zauberei der Frau Pastorin gehört und gleich gedacht, daß der Zaum gewiß die Kraft hätte. Sobald sie daher ins Haus gegangen war, riß er sich vom Baume los und machte sich vom Zaume frei. Sogleich war er wieder ein Mensch. Als nun gegen Morgen die Frau wieder zurückkam, stellte er sich hinter den Baum und warf ihr den Zaum über. Da ward sie zu einem Pferde, und er ritt zu einer Schmiede und ließ es vorne und hinten beschlagen. Darnach ritt er nach Hause und band das Pferd im Stalle an. Der Prediger wußte gar nicht, wo seine Frau geblieben war, und als es Mittag ward, klagte er es dem Knecht. Da zeigte der Knecht ihm das Pferd und als er den Zaum herunternahm, lag die Frau auf der Streu und hatte Hufeisen an Händen und Füßen. Bald darnach starb sie. Da ihr Mann ihr viele Vorstellungen wegen ihres gottlosen Lebens gemacht und sie zuletzt auch aufrichtige Reue gezeigt hatte, so hatte er sie gebeten, ihm ein Zeichen zu geben, ob sie selig geworden sei. Nach einigen Tagen kam ihm eine kleine weiße Taube ins Fenster geflogen und rief:

Gott einmal verschworen
Ist ewig verloren.

Durch Erdmann Bruhn aus Elpersbüttel bei Meldorf. Bgl. Nr. 334. – Eine auch sonst hier bekannte Sage. – Wolf, Deutsche Sagen Nr. 141; Niederl. Sagen Nr. 389. Mones Anzeiger VIII, 185. Thiele, Danm. Folkes. II, 101 f. 284 f.

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363. Die abgehauene Pfote.

Zum Anfang vgl. Nr. 407. – Daß Hexen sich in Tiere (Katzen, Hasen, Pferde) verwandeln, als solche verwundet werden und dann in ihrer wahren Gestalt die unheilbare Wunde aufweisen, ist ein verbreiteter, in mannigfachen Erzählungen überlieferter Glaube; vgl. Nr. 361. 365. 368. 369. 370. Urdsbr. 1, 9, 15 (aus Dithm.). Heim. 14, 64 (aus Schenefeld). Voß u. Schröder, Wacken S. 53. Tobler (s. zu Nr. 204) S. 43. Aus Etz bei Pinneberg mündlich: Ein Junge schießt mit Erbsilber, das er seiner Großmutter gestohlen hat, auf einen Hasen; am andern Morgen findet er die Großmutter mit einem »legen Been« im Bett; sie fährt ihn an: »Verdammte Aas, wo kann's mi wull int Been scheten, wenn ik mi s'nachs 'n beten verpedden do.«

In Eiderstede war ein Müller, der hatte das Unglück, daß ihm alle Weihnachtsabend seine Mühle abbrannte. Einmal hatte er einen dreisten Knecht, der übernahm es in der gefährlichen Nacht Wache zu halten in der Mühle. Er legte ein großes Feuer an und kochte sich einen Kessel voll Brei, den er mit einem großen Schleef umrührte. Einen alten Säbel hatte er neben sich liegen. Bald kam eine ganze Schar Katzen in die Mühle. Da hörte er, wie eine leise zu der andern sagte: »Mäuselein! setze dich zu Hänselein!« und eine schöne schneeweiße Katze kam darauf herbeigeschlichen und wollte sich zu ihm setzen. Da langte er in den Kessel und warf ihr einen Schleef voll heißen Brei ins Gesicht, und sogleich ergriff er seinen Säbel und hieb ihr eine Pfote ab. Da verschwanden die Katzen; als er aber genauer zusah, fand er statt der Pfote eine schöne Frauenhand mit einem goldenen Ringe, und auf dem Ringe stand seines Herren Zeichen. Am andern Morgen lag die Müllerin im Bette und wollte nicht aufstehn. »Gib mir deine Hand, Frau!« sagte der Müller, und obgleich sie sich weigerte, mußte sie zuletzt doch den Arm hervorstrecken; da fehlte die Hand. Als die Obrigkeit das erfuhr, da ward die Müllerin als Hexe verbrannt.

Aus Kurburg bei Schleswig durch Kandidat Arndt, aus Plön, der Störgegend, Dithmarschen und sonst. – Die Sage ist in mannigfachen Variationen allgemein bekannt; auch in Märchen. Wolf, Deutsche Sagen Nr. 148. 149. Niederl. Sagen Nr. 393. Kuhn, Märk. Sagen Nr. 134.

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364. Hexen als Katzen.

Hexen als Katzen auch Nr. 327. 363. 365 f. Heim. 9, 63. 14, 64. Urqu. 1, 34. Nd. Jahrb. 1, 103. Im Gehölz zwischen Wittenborn und Mözen sitzt »Mutter Grimmsch« als Katze und begleitet die Hindurchkommenden bis zum nächsten Ort (Mündlich aus Mözen).

Als mein Vater noch ein Knabe war, passierte hier folgende Geschichte, erzählte eine alte Frau in Kiel. In einem Hause auf dem Walkerdamm, das einem Manne Namens Arp gehörte, war mehrere Tage schon ein gewaltiger Lärm von Katzen auf dem Boden gewesen. Eines Abends will das Dienstmädchen Heu vom Boden für die Kühe herabholen (daaltücken). Da das Geheul der Katzen fortdauerte, sagte sie: »Du verdammte Katt, wat jaulst du so?« und wirft dann mit dem Tückhaken nach der Katze. Wie das eben geschehen ist, fahren alle Katzen auf das Mädchen los, zerreißen und beißen sie, und machen sie ganz zu Schande. Das Mädchen schrie und jammerte, aber es dauerte noch etwas, ehe die Herrschaft es hörte und hinaufkam. Da konnten sie kaum die Katzen von dem Mädchen loskriegen. Das Mädchen war davon sterbenskrank geworden. Es hielt zehn bis elf Wochen an; die Doktors konnten ihr nicht helfen und im Hause war jede Nacht ein schrecklicher Lärm, die Katzen schrien und miauten, auch die Kühe brüllten beständig, keiner wagte sich auf den Boden. Da hörten die Leute endlich, daß ein Mann auf Dorfgaarden wohne, Namens Thöming, der so was verstehe. Sie ließen ihn holen, und als er die Kranke sah, so sagte er, er wolle das bald helfen. Er setzte sich darauf vor das Bett, drückte aus einer Wunde des Mädchens etwas Blut, und fing dann an zu lesen aus einem Buche. Da kamen alle Katzen in die Stube über die Schwelle gepurzelt nacheinander bis vor das Bett, gewiß zehn Stück; dann hat er wieder gelesen und sie eben so wieder hinausgelesen. Am andern Morgen war die nächste Nachbarin ebenso zerrissen, wie das Mädchen; denn sie war eine Hexe gewesen und nun hatte der Mann die Katzen durch das Lesen gezwungen, sie auch so zu zerreißen. Von dieser Zeit an war alles ruhig im Hause, das Mädchen ward wieder gesund, aber hinkte davon. Als ich ein kleines Kind war, habe ich sie noch gekannt, sagte die alte Frau.

Durch Herrn Student Volbehr.

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365. Die beiden Bräute.

Jb. f. Ldk. 9, 132 aus Röm: Ein junger Seemann wird auf dem Wege zu einer seiner beiden Bräute von Mäusen umringt, die die andere gesandt hat.

Ein Knecht pflügte; da kamen immer zwei Katzen an ihn heran und jede suchte sich an ihn zu schmiegen und die andre zu verdrängen. Darüber war des Beißens unter ihnen kein Ende. Der Knecht suchte sie fortzujagen, aber vergebens, sie kamen immer wieder. Endlich nahm er seinen Stœker Ein Stiel, unten mit scharfem Eisen, der beim Pflügen gebraucht wird, zum Reinigen der Pflugschar. und warf damit nach ihnen. Da verwundete er die eine am Fuß und sogleich stand eine seiner Bräute vor ihm, am Fuß blutend. »So, Greet, bist du dat!« sagte der Knecht, »gah man, ik nem di nich.« »Ja«, sagte Greet, »de ander dat weer Trien, de keem good weg.« Da war die andre Katze davon gelaufen, aber der Knecht nahm sich nun fest vor, sich auch nicht mehr mit Trien abzugeben.

Aus dem Gute Ludwigsburg in Schwansen durch Herrn Schullehrer Hessen.

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366. Die weiße Katze.

Vor nicht gar vielen Jahren kam ein Erbpächter zu dem Herrn des Guts Jersbek und suchte Rat wider eine weiße Katze, die täglich in sein Haus schlich, sich auf die Hilgen über den Kühen setzte, und dann miaute und dem Vieh allen Segen nahm. Der Herr wollte seinen Jäger schicken, um die Katze totschießen zu lassen, der Bauer bat aber flehentlich davon abzustehen, lieber wolle er sich dann an einen klugen Mann wenden; sein Nachbar habe einen ähnlichen Fall erlebt, die Katze in einem Sack gefangen, und tüchtig mit einem Dreschflegel drauf losgeschlagen; zu seinem Schrecken hätte er nachher ein totes altes Weib herausgeschüttet.

Der Hexenbanner ward geholt und wandte seine Kunst an. Als er nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau: »Die Hexe ist gebannt, sie rauschte aber, als ich durch den Garten des Erbpächters ging, wie ein böser Gänserich hinter mir her. Wecke mich ja morgen früh vor Sonnenaufgang; sonst behält sie Gewalt über mich und ich verlasse das Bett nicht wieder.« Zur bestimmten Stunde schlief der Mann ruhig und die Frau weckte ihn nicht. Als er erwachte und die Sonne hoch am Himmel sah, erklärte er sich gleich für verloren. Kein Zureden und Wehklagen der verzweifelnden Frau konnte den Mann zum Aufstehn bewegen. Schon vor Mittag hatte er, der kräftig und gesund gewesen war, in schwerem Todeskampf geendet. Dies ist eine wahre Geschichte, die vor etwa sechzig Jahren sich wirklich ereignet hat.

Schriftliche Mitteilung.

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367. Die blanken Hunde.

Eine Frau ward sehr von Zauberei geplagt. Da gab man ihr den Rat, auf den Kirchhof zu gehen und Erde von einem Grabe in die Tasche zu nehmen. Als sie solches getan, erschien das Zauberweib und sprach: »Was hast du vor?« Sie antwortete nicht, weil es dann nicht gut ist, zu antworten. Aber die Zauberin nahm der Frau die Erde wieder ab und machte sie wieder ohnmächtig. Endlich erhielt sie Hilfe vom Arzt und trug beständig Zauberarznei bei sich. Die Zauberin vermochte jetzt nichts. Da kam sie mit ihren Gefährtinnen um Mitternacht vor die Fenstern der Frau, heulend mit den Schürzen über den Kopf, zuletzt aber in Gestalt von vier blankschimmernden Hunden. Die kratzten an der Haustür; doch konnten sie ihr nichts anhaben.

Aus Amrum durch Herrn Dr. Clement.

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368. Hexe als Hase.

Hexen als Hasen auch Jb. f. Ldk. 10, 51. Urdsbr. 1, 9, 15. Urqu. 6, 193. Kristensen 7, 51. – Erbsilber: zu Nr. 363. 369. 370. 371, 2. Urdsbr. 1, 9, 15.

In Bödelsdorf wohnt noch jetzt eine steinalte Frau. Bei der wollten niemals Dienstleute bleiben. Denn wenn sie auf dem Felde waren, so wußte die Alte immer, was sie getan und was sie gesprochen hatten; denn sie war immer bei ihnen. Bald war sie eine Ente und schwamm auf dem Wasser. Dann mochten die Knechte und Dirnen noch soviel mit Steinen nach ihr werfen, so tauchte sie nur unter und kam gleich wieder hervor. Bald war sie ein Hase und lief durch das Korn, wenn gemäht ward, und sie blieb immer unversehrt, wenn die Knechte auch noch soviel nach ihr schossen. Als sie einmal wieder zum Mähen gingen, hatte ein Knecht sich mit einem geerbten silbernen Knopf versehen, den er in seine Flinte lud, und damit schoß er. Abends als sie nach Hause kamen, hatte die Frau ein Loch im Arm, das nimmer zuheilen kann. Mit Erbsilber kann man alles treffen, was mit Zauberei festgemacht ist. Es können freilich auch Flinten und Büchsen behext sein; denn es gibt Leute, die die Kugeln vorbei leiten können. Das beste Mittel dagegen ist, wenn man eine Schlange lebendig in das Gewehr ladet und herausschießt. Dann weicht der Zauber. – Erbsilber ist sonst noch zu vielen Dingen nütz. Schabt man ein wenig ab und gibt das einem Kranken, so weichen die Anfälle. Wenn einer einen geerbten silbernen Ohrring hat und trägt, weichen die heftigsten Zahnschmerzen.

Aus Kurburg und Niederselk bei Schleswig durch Herrn Kandidat Arndt. – Thiele, Danm. Folkes. II, 103; vgl. II, 178.

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369. Hexe als Fuchs.

Urqu. 6, 194: der alte Nachbar sieht einen Fuchsschwanz aus dem Bett hängen; vgl. Nr. 371, 2.

Vor hundert Jahren lauerte in dem Redder Redder ist ja ein von Wällen eingeschlossener Weg mit hohen Zäunen auf beiden Seiten., der von Segeberg nach Kleinrönnau führt, oft ein Fuchs Vorübergehenden auf, biß sie und nahm besonders Kindern die Sachen weg, die sie mit sich führten. Der Weg war zuletzt so verschrien, daß niemand ihn mehr zu passieren wagte; keine Kugel hatte den Fuchs noch erlegen können. Zwei Bauern luden endlich ihre Flinten mit einem ererbten silbernen Knopf; und als der Fuchs bellend auf sie zukam, schoß der eine seine Flinte auf ihn ab und verwundete ihm den einen Vorderfuß. Nun eilte der Fuchs so schnell davon, daß die Jäger nicht folgen konnten; doch sahen sie, daß er in einen runden Backofen in Kleinrönnau schlüpfte. Als sie dahin kamen und die Tür öffneten, um ihm den Rest zu geben, kroch ein altes Weib, dessen Arm stark blutete, heraus und schrie: »Kommt, Hunde, freßt!« – Wenn eine Hexe nämlich verwundet wird, muß sie ihre wahre Gestalt wieder annehmen.

Durch Herrn Heinrich. – Dieses Stück wird auch häufig z. B. im Gute Wensien, in Ellerbek bei Kiel etc. von Hexen erzählt, die sich in Hasen verwandelt haben; verwundet fliehen sie in einen Backofen.

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370. Die Frau mit dem Wolfsriemen.

Da war einmal eine alte Frau in Husby bei Schleswig, die konnte hexen. Ihre Knechte wußten gar nicht, wie es kam, daß sie alle Sonntage frisch Fleisch auf den Tisch kriegten, weil doch niemals etwas gekauft ward. Ein beherzter Dienstjunge versteckte sich endlich einmal auf dem Heuboden, als die andern alle in die Kirche gegangen waren, und da sah er; wie die Frau einen Wolfsriemen hervorlangte und umlegte. Da ward sie ein Wolf und lief aufs Feld und kam bald mit einem Schaf zurück. Wenn sie so leicht zum Fleische kommt, dachte der Junge, so kann sie es uns auch wohl reichlicher geben. Als daher die Frau das Fleisch in den Topf steckte und dabei nach ihrer Gewohnheit seufzte:

»Ach, du lewe Gott; weer ik bi di!«

da stellte der Junge sich als wäre er der Herrgott und antwortet:

»Nun un Ewigkeit, kummst du nich to mi!«
»Worum denn nich, du lewe Gott?«
»Du giffst dien Volk nich noog in Pott.«
»Ei, so will ik bêtern mi.«
»Ja gewis; dat raad ik di!«

und die Frau steckte von nun an ein viel größeres Stück in den Topf.

Der Junge konnte aber nicht schweigen und verriet die Sache im Dorfe. Als die Frau daher an einem Sonntagmorgen wieder ein Schaf holte, paßten ihr die Leute auf; aber keine Kugel schadete ihr, bis man zuletzt eine Flinte mit Erbsilber lud. Seit der Zeit hatte die Frau ihr Lebelang eine offene Wunde, die kein Doktor kurieren konnte.

Durch Herrn Kandidat Arndt.

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371. Werwölfe.

Urdsbr. 6, 46 aus Stormarn. Rahlf u. Ziese, Ahrensburg S. 187 f. Kristensen 2 F, 37. Fischer, Slesv. Folkes. 152 ff., 169 ff. Vgl. Nr. 369. 338 (»ole Möm, büst du dat?«). Wisser S. 269. Groth Ges. W. 1, 126.

1.

An einem heißen Erntetage legten sich einige Knechte auf dem Felde nieder zum Mittagsschlafe. Da bemerkte einer, der nicht einschlafen konnte, wie sein Nachbar leise aufstand und einen Riemen umspannte, worauf er zum Wolfe ward. Auf einer Weide nebenan ging eine Stute mit einem Füllen. Der Wolf lief auf sie zu, kämpfte lange mit der Stute, ergriff zuletzt das Füllen und ruhte nicht eher, als bis er es mit Haut und Haar aufgefressen. Darauf legte er sich wieder nieder zum Schlafen. Bald darauf aber erwachten die andern und es sollte nun wieder an die Arbeit gehn. Aber der Knecht, der den Wolfsriemen hatte, bat, sie möchten ihn noch ein wenig liegen lassen, es sei ihm noch gar nicht recht bequem. »Ja«, sagte der andre, der ihn beobachtet hatte, »das glaub' ich wohl, wenn einer ein ganzes Füllen im Leibe hat.« »Das ist dein Glück, daß du das nicht eine Viertelstunde eher gesagt hast«, antwortete jener und drohte ihm wenn er etwas verraten würde.

Mündlich aus Marne in Dithmarschen, aus Niederselk bei Schleswig durch Kandidat Arndt, aus Osterrade bei Bovenau, aus Kiestrup, Amts Hadersleben, durch Herrn J. F. Lorenzen – Grimm, Deutsche Sagen Nr. 213. Kuhns Mark. Sagen Nr. 243. Harrys Sagen Niedersachsens I, Nr. 34.

2.

Aus einer kleinen Stelle im Dorfe Elmenhorst, Guts Jersbek, an der alten Landstraße von Hamburg nach Oldesloe, wohnte ein Mann, der hatte von Geburt an die Gabe sich in einen Wolf verwandeln zu können. Die Nachbarn hatten ihn längst in Verdacht; aber erst durch Zufall kam man zur Gewißheit darüber. Denn vor Tagesanbruch, an einem Sommermorgen, kamen einmal zwei Hamburger Schlachter des Weges und bemerkten einen Wolf in der Nähe des Dorfes. Sie verfolgten ihn mit ihren großen Peitschen, konnten ihn aber nicht einholen. Als er endlich in das Haus schlüpfte und die Schlachter ihm nach in die Stube gingen, fanden sie zwar Mann und Frau im Bette liegen, doch war der Mann noch nicht ganz wieder verwandelt, sondern der Wolfsschwanz hing noch unter der Decke hervor. Wenn man einen solchen Wolf mit einer Ladung Erbsilber verwundet, muß er augenblicklich seine menschliche Gestalt annehmen.

Schriftliche Mitteilung.

3.

In Owschlag gab es früher viele Hexen und da geschahen wunderbare Dinge. Einst fuhr ein Bauer von da zur Stadt nach Eckernförde. Da sah er zu beiden Seiten des Weges hier einen Wolf und da einen. Sie gingen immer vor ihm her bis nach Kochendorf; da sprangen sie über eine Tür. Als der Bauer ihnen nachging, standen die Bäuerin und ihre Tochter mit Wolfsriemen in der Hand auf der Diele.

Einem andern Bauern begegnete auf dem Felde eine alte Wölfin. Sie sprang immer auf sein Pferd zu, um es am Halse zu packen. Da kam dem Bauern ihre Stimme so bekannt vor und er rief: »Büst du dat, mine olle Möm, odder büst du dat nich?« Da stand seine eigne alte Mutter in leibhaftiger Gestalt vor ihm und konnte kein Glied rühren. Der Bauer lud sie auf den Wagen und brachte sie nach Hause; aber sie lebte nicht mehr lange hernach.

Aus Niederselk bei Schleswig durch Herrn Kandidat Arndt.

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372. Der Werwolf in Ottensen.

In Ottensen bei Altona war ein Bauer, der mit dem Bösen einen Kontrakt machte. Von nun an lebte er in Saus und Braus, und das Geld fehlte ihm nicht, obwohl er vorher so arm gewesen war, wie nur einer. Dafür aber mußte er an dem letzten Tage jedes Monats sich in einen Werwolf verwandeln und jedesmal einen Menschen umbringen. Lange gelang es ihm auch. Aber als er einmal eine alte Frau, die hinter der Tür stand, anfallen wollte, schlug diese schnell den obern Teil zu und klemmte so lange seinen Kopf dazwischen, bis er sich nicht mehr rührte. Da ließ sie los und er fiel zurück, war aber noch nicht tot, sondern hatte sich nur so gestellt und lief voll Angst fort. Als er aber in der folgenden Nacht im Bette lag, kam der Teufel, um ihn zu holen, weil er seinen Kontrakt nicht gehalten habe. Doch kam der Bauer diesmal noch frei; denn er versprach seine eigne kleine Tochter aufzufressen.

Ungefähr ein Jahr darauf war der Bauer mit seiner Magd allein auf dem Feld beim Heu, als es Mittag schlug und er sich erinnerte, daß es der letzte des Monats sei. Sogleich spannte er seinen Riemen um, den er immer bei sich trug und stürzte sich plötzlich als Wolf auf die arme Magd. Glücklicherweise erinnerte die sich gleich seines Taufnamen, und als sie ihn dreimal dabei gerufen hatte, stand er wieder verwandelt vor ihr; denn das allein kann helfen. Da lief die Magd eilig nach dem Dorfe, holte ihre Sachen und ging, ohne einem Menschen etwas zu sagen, nach Hamburg. Denn sie wollte vor Furcht nicht länger in seinem Hause bleiben, das er sich prächtig am Graswege erbaut hatte. In der Nacht kam der Böse wieder zu ihm und nur durch den Tod seines zweiten, einzig noch übrigen Kindes konnte er sich retten. Da erkannte seine fromme Frau, daß ihr Mann ein Werwolf sei, und ging von ihm in ein Kloster (Pflegehaus) und alle Leute verließen ihn und niemand wollte mehr in seinem Hause bleiben. So mußte auch er es zuletzt verkaufen und ging nach Hamburg, wo er in einem Wirtshaus sich einmietete und seine Schandtaten ungestört und unerkannt zu vollbringen dachte. Aber seine frühere Magd diente zu seinem Unglück jetzt in dem Hause und sie hatte ihn gleich erkannt. Als daher der letzte Tag des Monats kam und der Bauer sich eben auf seinem Zimmer eingeschlossen und verwandelt hatte, holte sie die Wache, nannte dreimal seinen Namen, und da er nun sogleich wieder zu einem Menschen wurde, ergriff man ihn und führte ihn ins Gefängnis.

Sagenbibliothek. Hamburg bei Menck 1833. Heft II. Und III.

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373. Werwölfe kommen in kein Roggenfeld.

Ein junger Mann aus Jägerup kam eines Abends spät von Billund. Da er schon in die Nähe von Jägerup gekommen war, stürzten ihm drei Werwölfe entgegen, und hätten ihn wahrscheinlich zerrissen, wenn er nicht durch einen Sprung sich in des Schmieds Roggenfeld gerettet hätte. Da hatten sie keine Macht mehr über ihn. Die drei Werwölfe sollen drei Frauen und Schwestern aus Jägerup gewesen sein, die sich an dem jungen Mann rächen wollten, weil er die Tochter der einen nicht hatte heiraten wollen.

Herr J. F. Lorenzen in Mestrup.

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374. Das lange Pferd.

Kristensen 2 D, 72 f., 88.

Die jungen Leute des Dorfes Kassöe bei Apenrade wollten einst an einem Sonntagabend nach Hüdewad zum Tanz. Als sie aber an den zwischen beiden Dörfern fließenden Bach kamen, konnten sie nicht hinüberkommen, weil er durch den kurz vorher gefallenen Regen bedeutend angeschwollen war. Indem sie umherschauten, wurden sie eines alten Pferdes gewahr, das in der Nähe stand. Da beschlossen sie aufzusteigen und hindurch zu reiten. Als aber ein Paar aufstiegen, bemerkten sie, daß für einen noch Platz sei. Es stieg also noch einer auf und abermals war wieder Platz für noch einen da. So saßen sie endlich alle auf dem Pferde. Da sie aber mitten im Bache waren, blickte einmal einer der vordersten zurück, und wie er die vielen Leute auf dem Pferde sitzen sah, brach er voller Verwunderung in die Worte aus: »Jesu Christi Kreuz, welch eine lange Mähre!« Kaum hatte er das Wort gesprochen, brach dem gespenstigen Pferde der Rücken, die Reiter fielen insgesamt ins Wasser und das Pferd verschwand mit fürchterlichem Geheul. Die jungen Leute aber eilten erschrocken nach Hause: denn die Lust zum Tanze war ihnen vergangen.

Durch Herrn Petersen in Soes.

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375. Das Teufelspferd.

Dreibeiniges Pferd s. zu Nr. 41. »Gah du na Europa« vgl. zu Nr. 383.

1.

Ein Bauer aus Husby bei Schleswig hatte sich ein Fuder Heu von der Bünge geholt, einem großen Torfmoor; ein andrer begleitete ihn. Als sie nun von Silberstede herkamen bei Kappesbroe, wurden die Pferde lahm und das eine fing an zu hinken, daß sie nur langsam vorwärts kamen. Da sahen sie neben dem Wagen ein loses Pferd herlaufen. Der eine von ihnen wollte es einspannen; aber der andre sagte: »Laat du dat tom Deuwel lopen!« Bald aber ward ihr Pferd noch viel lahmer und der eine sagte wieder: »Laat uns dat schöne grote Pêrd doch inspannen;« doch der andre sagte: »Laat du dat to alle Deuwel lopen!« Der Wagen stand endlich still und das fremde Pferd kam ganz nahe, als wollte es sich freiwillig einspannen lassen. Da nahm der Bauer seine Peitsche und schlug so arg darauf los, als er konnte und rief: »Gah du na Europa un da herüm!« Da bäumte sich das Pferd, ließ einen Furz, schnob Dampf und Feuer und stob durch die Luft davon. Da sahen sie, daß es nur drei Beine hatte. Das geschah, als ich noch die Gänse hütete, sagte ein alter Mann.

Vgl. Nr. 376. – Wolf, Deutsche Sagen Nr. 469.

2.

Der Küster in Siebeneichen in Lauenburg erzählt jedermann, der es hören will, daß in der Franzosenzeit einst der Pächter in Lanken ihm ein Pferd zuschickte, auf dem er zum Hochzeitsschmause reiten sollte. Er machte sich auf den Weg. Bald kam er an einen Ort, wo der böse Geist sein Wesen hatte; das Pferd bäumte und warf ihn ab. Nachdem er es lange gejagt und mit Gras gelockt hatte, gelang es ihm endlich sich wieder in den Sattel zu schwingen. Nun aber begann das Tier seinen Lauf hoch über Wiesen und Büsche, über Wälder, Häuser und Höhen hin und brachte ihn im Nu vor die Tür des Hochzeitshauses.

3.

Ein Bauer in Siebeneichen wollte des Nachts ein junges Pferd von der Weide holen. Er rief: »Pagen, Pagen!« Das Pferd kam auf ihn zu, erhub sich aber plötzlich von der Erde und nahm seinen Lauf durch die Luft auf einen Eichbaum zu, der in einem kleinen Eichwald stand, wo es überhaupt nicht geheuer war. Da blieb es in den Zweigen hangen. Der Bauer sagte ruhig zu seinem Knechte: »Nun wollen wir nach Hause gehn, da oben ist es gut aufgehoben.« Als er nun aber in das Dorf kam, rannte der Pagen auf ihn zu und ließ sich geduldig einspannen.

Durch Herrn Kandidat Arndt. – Ganz ähnliche Sagen im preußischen Samland. Reusch Nr. 22.

4.

Ein gespenstischer Schimmel zwischen Tremsbüttel und Fischbek sucht seinen Herrn, der dort in der Schlacht seinen Tod fand: Urdsbr. 6, 46 und Frahm, Stormarn S. 221. Auf der Gjenner Feldmark geht ein Pferd, das sich durch Psalmensingen vertreiben läßt: Jb. f. Ldk. 10, 47. Bei der Propstenwehle in Lehe bei Lunden geht ein Schimmel um; schwingt einer sich ans ihn, so stürzt er sich mit dem Reiter in die Tiefe der Wehle: Urdsbr. 4, 80. Vgl. Heim. 8, 113 aus Drage. – Lorenzen 27 ff. erzählt aus dem Sundewitt von einem kohlschwarzen Pferd, das mit einem Musikanten, der es herbei wünscht, davon rast und erst bei dem Fluch: »nu for Fanden, staa dog!« stehen bleibt.

Nicht weit von Pinneberg geht ein Weg durch ein Moor, der heißt der schwarze Weg. Da sieht man um Mitternacht oft ein schneeweißes Pferd in wildem Laufe hin und her rennen. In einem Busch nicht weit davon fährt eine Häcksellade bei Nacht immer auf und nieder und man hört deutlich, wie sie schneidet. – Auch auf der Schmilower Heide bei Ratzeburg, wo einst eine große Schlacht gegen die Wenden ist geliefert worden, läuft ein weißes Pferd immer hin und her.

Mündlich.

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376. Weiße Pferde.

1.

Einmal hatte ein Bauer in Lägerdorf ein wunderbares weißes Pferd. Es war sonst ein zahmes, ruhiges Tier, ein tüchtiger Arbeiter und der Bauer hielt viel darauf. Aber im Anfang konnte er doch gar nicht klug daraus werden. Jedesmal mittags um zwölf Uhr ließ es sich aus keine Weise vor dem Pfluge, dem Wagen oder im Stalle halten; es zerriß Stränge und Stricke und rumorte so lange, bis es frei kam, und sprengte dann wiehernd davon, und zwar jedesmal der Lägerdorfer Tannenkoppel zu. Hier rannte es immer auf einer Stelle im Holze mit unglaublicher Schnelligkeit eine Stunde lang im Kreise rund herum, bis es endlich atemlos und schweißtriefend stille stand. Dann verschnaufte es sich und ging darnach ruhig wieder nach Hause, als wenn nichts vorgefallen. Man ließ das Tier gewähren, aber niemand wußte seine sonderbare Eigenschaft zu erklären. Ein Junge war endlich tollkühn genug, sich auf das Pferd zu setzen und den Ritt in der Tannenkoppel mitzumachen, wobei ihm Hören und Sehen verging. Er behauptete aber, daß sich ein altes häßliches Weib vor ihm auf den Hals des Pferdes gesetzt und immer Hopp! Hopp! gerufen und dadurch das Pferd angetrieben hätte. Das alte Weib sei auch die ganze Zeit in der Tannenkoppel auf dem Pferde gewesen. Die meisten Leute leugneten das, aber einige andre wollen das Weib auch dort gesehen haben.

Durch Herrn Ketelsen auf Breitenburg. Vgl. Nr. 153. – In einem Hause in Malkwitz, wo früher ein Räuber gewohnt hatte, rumorte es jede Nacht, und oft ist ein Schimmel in der Bodenluke gesehen worden und andrer Hokuspokus mehr.

2.

Vgl. Nr. 528. Ein weißes Pferd, das beständig wuchs, bis es über die höchsten Bäume ragte, schreckte auch die Holzdiebe im Sachsenwalde: Nd. Jahrb. 1, 103. In Drage erzählt man, daß ein Krupschütze, der aus einen Hasen anlegte, sah, wie dieser immer größer wurde, bis er so groß war wie ein Kalb. Heim. 8, 114. Vgl. die wachsenden Männer in Nr. 418. 446.

Daß es beim Sulstorfer Galgenberg an der Landstraße von Oldenburg nach Heiligenhafen nicht immer ganz richtig ist, hat schon mancher bei Nacht erfahren müssen. In alten Zeiten ging einmal spät abends ein Mann von Heiligenhafen nach Oldenburg. Er dachte so bei sich selbst: »Wenn du nur ein Pferd zu fassen hättest, so wolltest du bald nach Oldenburg kommen.« Als er nun in der Gegend des Galgenbergs war, bemerkte er in der Dämmerung der Nacht einen alten Schimmel, der sich zu ihm gesellte und nicht von seiner Seite wich. »Du kommst mir eben recht«, dachte der Mann, faßte den Schimmel, der das auch schon erwartet zu haben schien, und schwang sich hinauf und trabte davon. Aber schon nach ein paar Schritten fing der Schimmel unter ihm an immer größer und größer zu werden, und wäre der Reiter nicht herabgesprungen, der Schimmel wäre mit ihm wer weiß wohin gegangen. Denn der Schimmel, das war der Teufel selber.

Aus Oldenburg durch Herrn Schullehrer Kruse in Eutin. – Vgl. Nr. 374.

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377. Das Riesenschiff Mannigfual.

Philippsen, Sag. v. Föhr S. 5 f. Johansen, nordfries. Sprache S. 244 ff.

Die nordfriesischen Seefahrer erzählen von einem Riesenschiff, de Mannigfual. Das ist so groß, daß der Kommandant immer zu Pferde auf dem Verdeck herumreist um seine Befehle zu erteilen. Die Matrosen, die jung in die Takelage hinaufklettern, kommen bejahrt, mit grauem Bart und Haar, wieder herunter; unterdes fristen sie ihr Leben dadurch, daß sie fleißig in die Blöcke des Tauwerks, die Wirtsstuben enthalten, einkehren.

Einmal steuerte das Ungeheuer aus dem Atlantischen Meere in den Britischen Kanal hinein: konnte jedoch zwischen Dover und Calais des schmalen Fahrwassers wegen nicht durchkommen. Da hatte der Kapitän den glücklichen Einfall die ganze Backbordseite, die gegen die Ufer von Dover stieß, mit weißer Seife bestreichen zu lassen. Das half. Der Mannigfual drängte sich glücklich hindurch und gelangte in die Nordsee. Die Felsen bei Dover behielten aber bis aus den heutigen Tag von der Masse der abgescheuerten Seife und dem abgeflogenen Schaum ihre weiße seifenartige Farbe.

Einst war das Riesenschiff, Gott weiß wie, in die Ostsee hineingeraten. Die Schiffsmannschaft fand aber bald das Wasser zu seicht. Um wieder flott zu werden, mußte der Ballast samt den Schlacken und der Asche der Kabüse in die See geworfen werden. Aus dem Ballast entstand nun die Insel Bornholm und aus dem Unrat der Kabüse die nahe dabei liegende kleine Christiansöe.

Durch Herrn Hansen auf Sylt.

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378. Unheimliche Orte.

1.

Auf einer Blume schwebendes Mädchen: vgl. Nr. 523.

Die Buchholzer Fischer sehen auf dem Ratzeburger See oft bei Nachtzeit Fischerböte und Netze, die sie nicht kennen. Es ist gefährlich sich heran zu wagen. Denn plötzlich schweben sie herbei und die Vorwitzigen empfangen Stöße und Schläge.

Auf dem Plötschensee, eine Stunde von Ratzeburg, erscheint zuzeiten die Gestalt eines Mönches, der dort ertrunken ist, und die eines Mädchens, das auf einer Blume schwebt. – In dem Verließ der alten Lauenburg wandelt nachts ein Eremit.

Durch Herrn cand. phil. Arndt ans Ratzeburg. Vgl. Nr. 523.

2.

Vgl. zu Nr. 33. Urdsbr. K, 175. Nd. Jahrb. 33, 48.

Vor der Reformation hatten die Bordesholmer Mönche Besitzungen in Breitenberg. Sie kamen öfter dahin, und zwar gingen sie vom rechten Störufer, unweit von dem Orte, wo jetzt die Kirche steht, über die Stör und fingen Fische in dem Teiche, wo jetzt Wiesenland ist, das aber noch die Mönkwiese heißt. Auch die Stelle, wo sie durch die Stör gingen, heißt noch heute Münkenfort. Sie gingen zu Fuß hinüber, obwohl die Stör jetzt da ein breiter, schiffbarer Fluß ist. Nur wenn ganz hohes Wasser war, legten die Fischer, die hier wohnten, ein Garstelbrett, ein Brett worauf das Brot gegarstelt wird, über und dies genügte. Bei Nacht kommen sie noch zuweilen, nicht größer als kleine Unterirdische, zwei Spannen hoch, übers Wasser, und hüpfen auf dem hohen Acker herum, der nahe bei der Stör liegt; dann sagt man: »Da danst de Münche!«

Durch Herrn Pastor Rehquate in Breitenberg.

3.

Am Kreuzweg zwischen Büsum und Westerdeichstrich springt dem Wanderer ein buntes Kalb auf den Nacken (Mündlich). Bei der Propstenwehle in Lehe sieht man bald einen Pudel mit großen glühenden Augen (s. Nr. 300), bald einen gespenstischen Schimmel (zu Nr. 375); hier soll einst ein Schloß gestanden haben mit kupfernen Pforten, deren Getöse beim Schließen man über eine Meile weit hören konnte: Urdsbr. 4, 80. Von dem Gehöft Westermählen bei Offenbüttel singen die Kinder: »In de Westermœhler Sandkuul sitt de Düwel un hett Hörn Up« (Mündlich).

Auf dem Wege von Friedrichstadt nach Stapelholm in einer Allee, die nach der Eider hinuntergeht, springt den Leuten, die nachts des Weges kommen, ein Wolf auf den Nacken und läßt sich bis ans Ende der Allee tragen. Dort geht auch zwischen zwei Mühlen immer eine weiße Frau umher.

Mündlich.

4.

vgl. C. P. Hansen, Beitr. zu d. Sagen der Nordfriesen S. 9.

Drittehalb Meilen erstreckt sich von Sylt aus die schmale Halbinsel Hörnum ins offne Meer. Die ganze Landstrecke ist von wüsten flüchtigen Sandbergen bedeckt, unaufhörlich tobt die Brandung der See an ihren Seiten. Nur wilde Seevögel und einige Hasen hausen in den Schluchten; einzelne Hütten allein für Fischer findet man an der Ostseite. Früher waren hier Wiesen, Äcker, Dörfer und Kirchen, aber Sand- und Wasserfluten haben alles in die traurige Einöde verwandelt. Man hat in diesen Jahren noch Trümmer der Kirchen, Brunnenplätze, einen Kirchhof, allerlei Gerät und alte Münzen gefunden. Es gibt nichts Unheimlicheres als diese Gegend. Hier wimmelts von Geistern der Mörder und Ermordeten, von Wiedergängern und Unholden. Es spuken hier der Dikjendälmann, der Geist des Strandvogts, das Stademwüske (das Dünenweibchen), eine kleine weißlich dunstige Gestalt, die auf den Stavenplätzen des alten untergegangenen Rantums umherstreift, und die Meerweiber (Mearwüffen), das Talkalb (Dälkekualf) und die Flödkualver, die eine nahe Überschwemmung anzeigen, werden hier am häufigsten gesehen. Auch die Unterirdischen hausen hier am ärgsten. Vorspukende Flammen und Jammertöne der Strandenden gehören gleichsam zur Ordnung jeder Nacht; Hexen und Tröler haben auch hier vorzüglich früher oft Stürme und Schiffbrüche veranlaßt. Große schwarze Schattenvögel erschrecken nachts den Wanderer.

Durch Herrn Schullehrer Hansen auf Sylt. Vgl. Nr. 273. 277.

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379. Der Basilisk.

Jb. f. Ldk. 4, 157 f. und zu Nr. 519. Zs. f. s.-h. Gesch. 9, 198. 10, 65.

Wenn ein Hahn sieben oder, wie andere meinen, zwanzig Jahre alt wird, so legt er ein Ei, und aus diesem Ei kommt ein Tier, das ist der Basilisk. Alles Lebende, das er mit seinem Blicke trifft, muß sogleich sterben und Steine selbst zerspringen davor. Es hat Leute gegeben, die ein solches Tier in einem dunkeln Keller lange Jahre gehabt haben. Man durfte den Keller nicht öffnen, damit kein Licht hinein kam. Wenn man aber dem Basilisken einen Spiegel vorhält und er sich selbst zu sehen bekommt, muß er sterben wie ein andres Wesen.

Aus der Bielenberger Marsch. – Thiele, Danm. Folkes. II, 300.

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380. Der Lindwurm in Eckwadt.

Kalb mit Milch und Semmeln gefüttert, vgl. Nr. 75. In Ries legte sich der Lindwurm vor die Kirchentür; man mußte einen andern Ausgang bauen: Kristensen 2 E, 53.

Vorzeiten hatte hinter der Eckwadter Kirche ein Lindwurm seine Höhle oder sein Lager. Er war ein übler Gast und Nachbar; er raubte in der ganzen Umgegend so viel Vieh vom Felde, als er nur immer wollte; kaum verschonte er die Menschen. Doch wagte niemand sich ihm zu widersetzen. Endlich aber verschworen sich zwei Männer, das Ungeheuer zu töten, wenn es auch ihr Leben kosten sollte. Sie ließen sich dazu eine Sense machen, die nicht im Winkel, sondern grab aus am Stiele stand. Damit gingen sie auf den Lindwurm los. Mitten im Kampfe aber verlor der eine von ihnen den Mut und lief weg; der andre im Stich gelassene setzte jedoch mutig den Kampf fort und erlegte den Wurm. Darauf aber erstach er seinen feigen eidbrüchigen Kameraden, der ihn in der Gefahr verlassen hatte.

Andre aber erzählen, daß den Eckwadter Bauern in ihrer Not geraten sei, ein Stierkalb drei Jahre lang mit neugemolkener Milch und Semmelbrot zu füttern und aufzuziehn. Dann sollten sie es auf den Kirchhof führen und da loslassen. Das geschah. Als nun der starke Stier auf dem Kirchhofe allein war, kam der Lindwurm, um ihn als Beute mitzunehmen. Aber der Stier ließ sich nicht so leicht fangen, sondern fiel den Wurm mit seinen Hörnern wütend an und ward nach einem langen fürchterlichen Kampfe Sieger; doch starb er bald hernach an den im Kampfe empfangenen Wunden.

Durch Herrn Pastor Hansen in Jordkirch bei Apenrade. Vgl. Nr. 406. Grimms Deutsche Sagen Nr. 142. Thiele, Danm. Folkes. I, 125 f.

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381. Das Viehsterben.

Heering, Bäume u. Wälder Schl.-H.'s S. 13.

Einst wütete in unserm Lande eine furchtbare Seuche unter dem Vieh, und fraß die Ställe mancher Dörfer leer. Damals wohnte ein Mädchen in Ratjendorf in der Propstei, mit Namen Elsbeth; die verdiente ihr tägliches Brot mit ihrer Hände Arbeit und war geliebt und geachtet von allen; man nannte sie nur die fromme Elsbeth. Als die Seuche sich Natjendorf näherte, flehte sie zu Gott, doch ihre kleine Habe und ihr Dorf zu behüten, und tat ein groß Gelübde in dieser Not: sie wolle drei Jahre trauern; in diesen drei Jahren niemals tanzen, noch ihren Bräutigam sehen. In der Nacht kam ein Engel und gab ihr im Schlafe ein Weidenreis und sagte, sie solle das erste gefallene Vieh auf dem Hügel vor dem Dorfe in aller Frühe verscharren und das Reis darauf pflanzen. Als der Engel verschwand, erwachte sie; eilends stand sie auf und ging zum Stalle: da lag ihr Kalb tot neben seiner Mutter. Nun tat sie wie der Engel ihr befohlen hatte, begrub das Kalb und pflanzte das Reis darauf. Sie hielt ihr Gelübde volle drei Jahre, und das Dorf und ihr Haus blieben allein verschont; die Weide aber gedieh und ist größer und schöner geworden als irgendeine andere im ganzen Lande. Man sieht sie heute noch.

Bei Schleswig haben die Bauern in einer schlimmen Zeit des Viehsterbens einer zweijährigen Quien lebendig den Kopf abgeschnitten und haben diesen, die Augen nach Osten gekehrt, oben im Kapploch angebunden. Darnach ist das Sterben nicht ins Haus gekommen. Um das Sterben der Kälber zu verhüten, muß man das Herz eines Kalbes in eine bestimmte Wand des Feuerherds einmauern. Das hilft.

Rethwisch, Ernst und Laune S. 53. – Mündlich. – Samuel Meigerius (weil. Pastor in Nortorf) schreibt in seinem Buche de Panurg. lamiarBuch II. c. I.: Men vindet hen unde wedder hyr im Lande up den Tünen steken Perde edder Ossenköppe, daran se ungetwivelt Byloven hebben, welkes ick nicht hebbe ervaren könen. – Man findet an den Giebeln alter Bauernhäuser, namentlich noch im Lauenburgischen, zwei aus Holz geschnitzte Pferdeköpfe. (S. Mythol.) Als man seit dreißig Jahren anfing, den Brettern eine andre Gestalt zu geben, waren die alten Leute darüber sehr ungehalten.

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382. De Mözer Gloof.

Vœr velen Johren weer mal en grote Vehsük in Mözen. Do segg en ole Fru, de Mözener schulln mal en dode Koh, de an de Vehsük storben weer, œwer de Feldmark schlepen. Do trock de Buurvaagt un all de Mözener schwartes Tüg an un schlepen de dode Koh na de Kremser Feldmark. Ob nu de Sük weggaan is, kann ek nich mal seggen. Awer man seggt darvan noch jümmer: »Dat is en Mözer Gloof.«

Herr Heinrich.

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383. Der Kuhtod.

Vgl. 375, 1. Auch Jb. f. Ldk. 10, 49 rät der Bauer in Havnslund dem Hel, lieber nach den größeren Orten Lott und Wilstrup zu ziehen. – Dreibeiniger Stier s. zu Nr. 41.

Der Kuhtod ist ein großer ungeheurer Stier mit langen Hörnern. Sein Brüllen ist viel dumpfer und hohler, als das andrer Stiere und so fürchterlich, daß jeder sich davor entsetzen muß. Er geht von Dorf zu Dorf und wo er sich sehen oder hören läßt, kommt ein Sterben unters Vieh und alles fällt.

Es ist nicht so ganz lange her, da zeigte er sich in der Gegend von Schleswig. In ganz Husby waren damals nur sieben Stück Vieh noch am Leben. Ein Mann aus dem Dorfe ging einmal mit einem Kalbe zu Felde und einer war bei ihm und trieb eine Kuh. Plötzlich sahen sie einen ungeheuren Stier vor sich; sie meinten, es wäre der Bulle von Schuby. Da sahen sie aber, wie das Tier die Kuh kaum anrührte, als sie auch gleich niederstürzte und starb. »Nun helf uns Gott«, sagte der Mann mit dem Kalbe, »der Kuhtod ist bei uns«, und schlug mit seinem Stock auf ihn los; da war er so hart wie Eichenholz und hatte auch nur drei Beine. »Wo willst du hin?« fragte ihn der Mann. » Na Husby«, antwortete das Ungetüm mit hohler Stimme. »Gah du na Reid' un na Sluxhard' un da herüm«, sagte der Mann und schlug so auf den Kuhtod los, daß er umkehrte und seit der Zeit in Husby nicht wieder gewesen ist.

Zu derselben Zeit oder früher ging einmal der Bauer Klaas Ramm auf einen Berg, den Kohlhof, als ihm der Kuhtod begegnete, der wie ein Riese aussah. »Wo willst du hin?« fragte der Bauer. »Ich will nach Fahrdorf zu einem Bauern und will ihm alle seine schönen blauen Kühe totschlagen«, antwortete der Riese. Da fiel der Bauer vor ihm nieder und bat, er möge ihn doch verschonen; denn er sei es selbst, der die schönen blauen Kühe habe. »Aber was versprichst du mir?« fragte der Riese. Der Bauer versprach alles zu tun, was er nur haben wolle. Da verlangte der Riese, daß er geloben solle, niemals am Sonnabend wieder Mist zu fahren; denn das tauge nichts und störe die Leute, die Sonnabends zur Beichte gingen. Klaas Ramm gelobte das und nun sollte er auch noch versprechen, daß auch die andern im Dorfe das Düngerfahren unterließen. Auch das sagte er zu, und er wollte alles tun, was er nur könnte. Darauf verlangte der Kuhtod seinen Handschlag. Als Klaas Ramm sich dessen weigerte, wollte der Kuhtod an ihm vorbei nach Fahrdorf. Da hub Klaas Ramm seine Axt auf und hieb sie ihm tief in seinen Kopf; und so fest saß sie da, daß er mit aller Macht sie nicht herausreißen konnte. Klaas Ramm lief nun nach Fahrdorf und rief die Bauern zusammen; sie beschlossen einmütig, am Sonnabend keinen Mist zu fahren, nicht aus Furcht sondern weil das ohnehin Unrecht sei. Als Klaas Ramm nun wieder hinging, um nach seiner Axt zu sehen, fand er sie fest eingekeilt in einem Holzapfelbaum. Klaas Ramms Erben leben noch in Fahrdorf und zeigen auf ihrer Koppel noch den Baum. Der Kuhtod ist nie nach Fahrdorf gekommen und die Fahrdorfer fahren am Sonnabend auch keinen Mist. Nur einige jüngere und solche, die sich da eingeheiratet haben, fangen jetzt an die alte Sitte zu übertreten.

Als der Kuhtod bei Esprehm sein Brüllen hören ließ, machte das ganze Dorf sich auf, um ihn zu töten. Aber auch das schärfste Eisen verwundete ihn nicht, und alle Kugeln prallten ab. Die Obrigkeit bot endlich die Mannschaft aus den drei Dörfern Fahrdorf, Stexwig und Esprehm auf. Nachdem das Tier den ganzen Tag hin und her gejagt war, stutzte es und fragte: »An welchem Tage wollt ihr versprechen, künftig keinen Dünger zu fahren?« »Am Sonnabend«, riefen alle und von einer Kugel getroffen, sank das Untier augenblicklich um und starb. An der Stelle, wo es gestorben, fand man eine große Menge Teer, darin sich die drei Dörfer teilten.

Man hat trotz aller Nachforschung es nicht herausgebracht, wo das Ungeheuer eigentlich hergekommen sei; aber die haben wohl recht, welche meinen, daß es aus dem Wasser, aus der Schlei, ans Land gekommen sei.

Durch Herrn cand. phil. Arndt aus Ratzeburg und Herrn Koch. – Die Sage vom Bauern in Fahrdorf wird auch so erzählt, daß nur von einem Niesen und nicht vom Kuhtod die Rede ist; und dies ist wohl eine ältere Form derselben.

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384. Der schwarze Tod.

Frahm 120. Jb. f. Ldk. 10, 48 aus Törninglehn. Vgl. Danm. Folkem. 21, 59. Kristensen 4, 1712. Zur Zeit des schwarzen Todes sollen durch den Pestnebel die großen Heiden auf dem Mittelrücken unseres Landes entstanden sein.

1.

In der Gegend von Oldenburg hat man das Sprichwort: He wennt davœr üm, as Gott vœr Grammdörp. Man sagt, das Sprichwort komme daher, weil in alten Zeiten einmal die Grammdorfer sich Gottes Mißfallen in hohem Grade zugezogen hätten. Die Grammdorfer selbst erzählen aber so:

As in olen Tiden in uns Land de swarte Dood vêl Minschen ümt Leben bröch un ok in unse Gegend vêle Hüs un ganße Dörper utstarwen dên, do seeg man enmal enen swarten Nêwel ut't Norosten baam in de Luft op Grammdörp tokam'n. Darœwer wörren de Lüd ganß bestört un helen düt allgemeen fœr en böses Wahrteken. Damals lev hier en ole Fru, de heet Stien Wietsch (Christine Witt). De sê to de Lud: »Dat is niks as de swarte Dood, de op uns Dörp to kömmt: hier hölpt niks anners, as wi mœt all to unsen Herrgott bêden, dat he uns verschonen mag.« Do güngen all de olen gottsfürchtigen Manns un Fruens ut dat Dörp darhin, wo de swarte Dood hêr köum, bet op den Barg, wo de Weg afgeit na Meischenstörp in de Eutiner Landstraat; se rungen de Hänn un bêden to unsen Herrgott. Do sweng sik de swarte Dood, un uns Herrgott leet em nich in dat Dörp kamen, söndern güng mit em bi Grammdörp üm, siedwarts na de Gegend von Karlshof, na en Dörp, dat Geneni heten hett; man kunn den swarten Dood noch lang in de Luft seen. Dat Dörp Geneni störf ganß ut un is gänßlich sleift un ingaan, êbenso dat Dörp Stoof in uns Gaud, dat in den Stoover Diek bi Charlottenhof lêgen hett. Von de Tied hêr, dat unse Herrgott den swarten Dood vœr Grammdörp umwenden leet, seggt man noch ümmer: He wennt darvœr üm, oder: Wi wüllt darvœr umwenden as Gott vœr Grammdörp.

Durch Herrn Schullehrer Jensen in Grammdorf, Gut Farve bei Oldenburg. – Des schwarzen Todes erinnert man sich wohl allgemein; aus Friesland, Schleswig, dem östlichen Holstein sind mir Zeugnisse bekannt. Man zeigt Pestkuhlen, wo haufenweise die Toten begraben seien. Die Häuser seien leer geworden und Diebe hätten gestohlen, was sie wollten.

2.

Als mein Großvater in Blans auf Sundewitt noch lebte, sagte ein Mann, erzählte er mir oft von dem schwarzen Tod, von dem sein Urgroßvater ihm gesagt hatte. Zu der Zeit seien die Toten wie Garben auf Wagen geladen und so in eine Hölzung zum Begraben, oder aus dem Wege in eine große Grube geschafft worden. Auf einem solchen Totenwagen sei auch einmal ein Mädchen gewesen, die sei unterwegs wieder lebendig geworden, habe mit den Armen hervorgelangt, einen von einem Baume herabhangenden Zweig ergriffen und so sich von den Toten gerettet: darauf sei sie wieder ins Dorf zurückgegangen. Und diese wäre nachher seines Urgroßvaters Frau geworden.

Durch Herrn Schullehrer Dues. – Dieselbe Sage auch in Holstein und anderswo.

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385. Die Teurung.

Als man den mittelsten Deich auf Büsum, das damals noch Insel war, legte, war es eine geschwinde teure Zeit. Die Kühe brauchte man bei der Arbeit und trieb sie des Tages vor dem Wagen, die man am Abend melken sollte; was sie dann gaben, verzehrte man sogleich. Manche, die gar nichts hatten, ließen sich wenigstens zum Scheine des Mittags die leeren Körbe nachbringen. Als sich das Korn nur eben auf den Halmen sehen ließ, hat man es in Milch zerrieben und gegessen. – Da die Leute ihre Kinder nicht erhalten und doch es nicht übers Herz bringen konnten, ihren Tod anzusehen, haben sie dieselben auf die wüste Insel Helmsand gebracht und da ausgesetzt. Doch durch Gottes Gnade erhielten sie wunderbar ihr Leben durch das runde süße Gras, das da wächst und vom Vieh so gerne gefressen wird. Als man sie in besserer Zeit wiederholte und ihnen ordentliche Speise reichte, starben sie alle nacheinander.

Neocorus I, 219. – Chronicon Eidorastad. im Staatsbürgerl. Magazin 9, 700 erzählt von großem Hunger und teurer Zeit, die durch anhaltenden Regen entstanden sei. Man hätte einen Gerstenschoof auf ein Mühlensegel gebunden nnd ließ die Mühle leer damit herumgehn vierzig Tage und Nächte, und doch hätte der Schoof nicht trocken werden können.

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386. Das vergrabene Kind.

Ähnlich Urqu. 2, 25 aus Schwienhusen, wo ein Deichbruch nahe der Eider durch Kindesopfer geschloffen wird; an der Oberfläche erscheint ein Ungeheuer, das das Kind im Arm hat und es grinsend dem Wirt zeigt, der den Rat gegeben hat; ihn holt später der Teufel. Carstens, Wanderungen durch Dithm. S. 21. Heim. 8, 203. Zs. f. s.-h. Gesch. 11, 233. Detlefsen, Gesch. der Elbmarschen 2, 432. Kristensen 3, 329. Vgl. die Sage vom »Schimmelreiter« (zu Nr. 281); als der Deichgraf mit seinem Pferde sich in den Bruch stürzt, setzen sich Eisblöcke vor die Öffnung, der Sturm hört auf usw. Der Schimmelreiter läßt sich immer sehen, wenn dem Lande ein Unglück droht.

Bei Heiligensteden war am Stördeich ein großes Loch, das man auf keine Weise ausfüllen konnte, soviel Erde und Steine man auch hineinwarf. Weil aber der ganze Deich sonst weggerissen und viel Land überschwemmt wäre, mußte das Loch doch auf jeden Fall ausgefüllt werden. Da fragte man in der Not eine alte kluge Frau: die sagte, es gäbe keinen andern Rat, als ein lebendiges Kind da zu vergraben, es müsse aber freiwillig hinein gehn. Da war da nun eine Zigeunermutter, der man taufend Taler für ihr Kind bot und die es dafür austat. Nun legte man ein Weißbrot auf das eine Ende eines Brettes und schob dieses so über das Loch, daß es bis in die Mitte reichte. Da nun das Kind hungrig darauf entlang lief und nach dem Brote griff, schlug das Brett über und das Kind sank unter. Doch tauchte es noch ein paarmal wieder auf und rief beim erstenmal: »Ist nichts so weich als Mutters Schoß?« und beim zweiten Male: »Ist nichts so süß als Mutters Lieb?« und zuletzt: »Ist nichts so fest als Mutters Treu?« Da aber waren die Leute herbeigeeilt und schütteten viel Erde aus, daß das Loch bald voll ward und die Gefahr für immer abgewandt ist. Doch sieht man bis auf den heutigen Tag noch eine Vertiefung, die immer mit Seegras bewachsen ist.

Mündlich. – Bechstein, Thüring. Sagen IV, 157; Fränk. Sagen S. 294. Grimm, Mythol. 1095 f. Thiele, Danm. Folkes. I, 147. 198. 295.

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387. Die Nachtmähr.

Jb. f. Ldk. 4, 156 f. 5, 191. Heim. 6, 159. Urqu. 1, 69. Frahm 231. Vgl. Danm. Folkem. 5, 88. Lorenzen 22 f. (Pferd von Nachtmahr befallen). Rahlf u. Ziese, Ahrensburg S. 182 f. (plattd.): Die gefangene Nachtmahr bleibt im Dorf; wenn der Kuhhirte bläst, singt sie immer: »Dor blaast de He'er von Amsteldamm – Och! wer melkt nu mien Vadder sien Köh?« – Mittel gegen Nachtmahr dasselbe wie gegen Hexen: Pantoffeln so stellen, daß die Hacken dem Bett zugekehrt sind; s. zu Nr. 317.

1.

Wenn sieben Knaben oder sieben Mädchen nacheinander geboren werden, so ist eins darunter eine Nachtmähr, die sich zu den Schlafenden begibt und sich auf ihre Brust setzt, sie ängstigt und quält. Ein Mann hatte eine solche Nachtmähr zur Frau bekommen, ohne daß er davon wußte. Aber es fiel ihm bald auf, daß in mehreren Nächten seine Frau aus seinem Bette verschwunden war. Darum hielt er sich einmal wach, um sie zu beobachten, und da sah er, wie sie sich aus dem Bette erhub und, da die Tür fest verriegelt war, durch das Loch des Riemen schlüpfte, mit dem die Klinke aufgezogen wird. Auf dieselbe Weise kam sie auch nach einiger Zeit wieder zurück. Der Mann verstopfte am andern Morgen die Öffnung in der Tür aufs sorgfältigste und er fand von nun an seine Frau immer neben sich. Ms er aber nach längerer Zeit meinte, sie hätte nun wohl ihre Unart abgelegt und vergessen, so zog er den Pflock heraus, um die Klinke wieder gebrauchen zu können. Da fehlte gleich in der folgenden Nacht die Frau und kam nun gar nicht wieder zurück, wie sie sonst getan. Nur an jedem Sonntagmorgen fand der Mann von ihr reine Wäsche für ihn hingelegt.

Mündlich aus Dithmarschen.

2.

Zu einem jungen Manne kam jede Nacht die Nachtmähr und plagte ihn so entsetzlich, daß er es zuletzt seinen Freunden klagte. Nun wußte einer von diesen, daß die Nachtmähr nur durch ein Loch kommen könnte, das mit einem Harkenbohrer gemacht sei. Sie suchten nach und fanden wirklich in der Tür ein solches Loch. Nachts paßten sie auf und verschlossen es mit einem Pflock, als die Mähr drinnen war. Am hellen Morgen fanden sie nun eine schöne Frau bei ihrem Freunde im Bette liegen. Da ließen sie Hochzeit anrichten und beide lebten zwei Jahre ganz glücklich miteinander. Sie gebar ihm in der Zeit ein paar Zwillinge. Endlich aber geriet der Mann mit seiner Frau einmal in Streit und fragte sie ärgerlich, wo sie denn eigentlich her sei. »Das weiß ich gar nicht«, antwortete die Frau, und der Mann nahm sie bei der Hand, führte sie zur Stubentür und sagte: »So will ich es dir zeigen!« und damit zog er den Pflock heraus. Da verschwand die Frau mit einem kläglichen Ton; nur an jedem Sonntagmorgen kam sie und brachte ihren Kindern schneeweiße Wäsche.

Wer von der Mähr geplagt wird, dem sei die Mistel, ein Gewächs, das auf allen Eichen wächst, empfohlen. Man nennt es darum auch Marentaken oder Alfranken. Auch die Donnersteine, die man auch Hucksteine nennt, sind Mittel dagegen.

Aus Esprehm bei Schleswig durch cand. phil. Arndt. – Westphalen Mon. ined. IV, 224 praef, – Bechstein, Thüring. Sagen I, 116. Kuhn, Märk. Sagen Nr. 48. 185. Thiele, Danm. Folkes. II, 280 f. – In Dithmarschen sagt man Nachtmahr, sonst Nachtmoor, Nachtmahrt, Nachtmähr, auch Alp. Schütze Idiotik. 1, 81.

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388. Sewenrand.

An dat will Water (der Ostsee) hörr (hütete) en stuur Diern dat Veh. Wenn se sik nu to slapen leggen dö, so köum ümmer de Nachmahr un drück êhr. As enmal êhr Brauder bi êhr wier, sê se tau em: »Ik will mi daal tau slapen leggen; wenn ik awers an tau jammern fang'n dau, so weck mi op.« De Brauder lê sik bi ehr daal, un dat wier nonne lang, dar füng sien Süster an tau stœnen. He reet'n Kopp inne Hög: dar söug he'n Sêwenrand (Siebrand) un wider niks. He steek sien Arm dar dörch un dach, wo schull dat wol aflopen. Kuum awers harr he dat daan, so füng de Sêwenrand an tau tucksen un wull fik losriten, kunn awers ne. Op enmal hür de Brauder sprêken:

Och Sêwenrand, och Sêwenrand,
Wannier kaamt wi na Engelland?

Da verfier (entsetzte) he sik un leet loos; un ihr he sik dat nu noch versöug, wier de Sêwenrand tau Water, swömm weg un wier em bald uten Ogen. Vun de Tied an köum de Nachmahr ne weller.

Aus der Gegend von Oldenburg durch Herrn Knees in Neumünster.

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389. Der Sargfisch.

Vgl. zu Nr. 499.

In den Brüchen oder Welen am Marnerdeich hält sich ein Fisch aus, der ist so groß wie ein Kalb und trägt einen Sarg auf dem Rücken. Darum heißt er der Sargfisch. Fischer und überhaupt jeder, der ihn zu Gesichte bekommt, muß bald darnach ertrinken. Darum warnen die Mütter immer ihre Kinder vor dem Sargfisch, wenn sie abends noch spät an den Welen spielen wollen.

Mündlich. Übereinstimmend Wolf, Deutsche Sagen Nr. 97. 202.

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390. Hel.

Jb. f. Ldk. 10, 49 (s. zu Nr. 383). Philippsen, Sag. v. Föhr 10 f. – Dreibeiniges Pferd s. zu Nr. 41. – In der Propstei erzählt man von einem Tod oder Krankheit verkündenden Dämon, den man » dat Oog« nennt: »Dat weer en lütten Kêrl mit 'n blauen Rock an; he harr man een Oog wirren vœrn Kopp; he güng in de Grootdœr rin int Huus un ut de Blangdœr we'r rut. Wo he keem, geef dat 'n Doden orer Vehkrankheit in't Huus« (Mündlich).

Der Hel ist der Tod selber und reitet bei Pestzeiten auf einem dreibeinigen Pferde umher und erwürgt die Menschen. Daher sagt man, wenn eine Seuche wütet, der Hel geht umher, oder wenn nachts die Hunde ungewöhnlich bellen und heulen, der Hel ist bei den Hunden; wenn die Seuche an einem Orte anfangt, der Hel ist angekommen, oder wenn sie aufhört, der Hel ist verjagt. Man kann nämlich den Hel von einem Orte zum andern verjagen; man weiß Geschichten davon zu erzählen und gewisse Leute zu nennen, die aus dieser oder jener Stadt und Dorfschaft den Hel vertrieben. Wenn jemand todkrank liegt, sagt man, er hat seine Helsoot; kommt ein solcher wieder auf, heißt es, er hat sich mit dem Hel abgefunden (han har for denne Gang kjöbt af med ä Hel). Man sagt dann auch, er hat sich mit ihm versöhnt, ihm was geopfert, ihm einen Scheffel Hafer gegeben, sein Pferd damit zu füttern. Wenn jemand in einem eiligen Gewerbe ausgesendet wird und dann zu lange wegbleibt, sagt man noch heute: »Du er god ad skikke ester ä Hel« (Du bist gut nach dem Hel zu schicken).

Bei Jordkirch in der Nähe von Apenrade ging das böse Wesen früher oft auf einem abgelegenen Wege, der Langfort hieß, umher, und machte ein Geräusch wie ein an allen vier Hufen wohlbeschlagenes Pferd auf dem Steinpflaster. Es soll kopflos sein. – In Tondern trabt noch jede Nacht um Mitternacht ein altes dreibeiniges, graues (oder weißes) blindes Pferd klappernd durch die Straßen. Vor welchem Hause es stehen bleibt und wo es hineinguckt, muß jemand sterben. Alte Leute haben das oft erlebt und den Tod dann bestimmt vorhergesagt. Man nennt auch da das Pferd Hel, und es sei herrenlos, sagen einige; doch behaupten andre, daß eine schwarzgekleidete alte Frau darauf sitze. Nachts fährt in Tondern auch oft ein feuriger Rollwagen durch die Osterstraße zum Westertore hinaus.

Arnkiel, Cimbr. Heidenrel. I, 55. 125. – Herr Pastor Hansen in Jordkirch. Mehrere Mitteilungen aus Tondern. – Grimm, Mythol. S. 804. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 443 nebst der Anmerkung. Thiele, Danm. Folkes. II, 58. 293 f.

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391. Eins, zwei, drei.

Eine alte Frau, die 1744 in Stenderup auf Sundewitt verheiratet ward, erzählte einst, daß einige Jahre, nachdem sie nach Stenderup gekommen sei, ihr Vater aus Rackebüll sie und ihren Mann einmal besucht habe. Es seien noch mehrere da gewesen und ihr Vater sei erst spät gegen elf Uhr nach Hause gegangen. Als er nun dahin gekommen, wo der Weg, der von Düppel nach Rackebüll führt, mit dem von Stenderup sich vereinigt, da habe es ihm geschienen, als ob drei weiße Bettlaken, die an den Ecken miteinander verbunden gewesen, nacheinander von der Düppeler Kirche her angeflogen kämen, und daß sie gesprochen hätten: ein, zwei, drei, worauf er, der gutes Muts gewesen, gesagt habe: vier, fünf. Als er nach Hause gekommen, habe er es erzählt und beinahe bereut, daß er etwas gesagt. Nun starben in dem kleinen Dorfe, das nur sieben Hufen hat, in demselben Jahre noch, erst drei Bauern und bald darauf noch zwei, so daß nur zwei Bauern am Leben blieben. Der fünfte und letzte der Gestorbenen war der Mann selber, der die Laken hatte fliegen sehen.

Aus Sundewitt.

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392. Flämmchen im Wasser.

Vgl. Nr. 15. Das Wasser fordert sein Opfer: In Nordschleswig hörten Feldarbeiter eine laute Stimme aus der Luft: »Die Zeit ist gekommen; aber der Mann ist nicht gekommen.« Gleich darauf läuft ein Mann herbei, stürzt sich in das tiefe Wasser und verschwindet: Jb. f. Ldk. 10, 363. Ebenso von der Propstenwehle bei Lehe: »Tied un Stunn is dor, awer dat Kind is noch nich hier«: Urdsbr. 4, 80. – Warnung vor dem Jal: zu Nr. 499.

Fischer erzählen, daß sich oft an einer Brücke in Rendsburg ein Wimmern im Wasser hören lasse, wie das eines kleinen Kindes. Zuweilen auch schlagen da kleine Flämmchen auf, und immer sind das Zeichen, daß einer umkommen wird. Die Eider ist überhaupt ein böses Wasser; jedes Jahr fordert sie ihr Opfer. Dasselbe nehmen sich alljährlich z. B. auch der Kieler Hafen und vor allen der Plöner See.

Am südlichen Ende des Ratzeburger Sees nahe bei der alten Burg Vorhau liegt der Düwelsdiek. Da ist es nicht geheuer; er ist unergründlich. Geister hausen darin und ziehen Vorübergehende hinein. Man sieht da oft auch jene Lichter.

Solche kleine Flammen heißen auf Sylt Lickschnücken, auch wohl Lochtermaner. Ein Mann aus Tinnum sah eines Abends eine kleine Flamme aus dem südlichen Haff herauftauchen, bei Wadens, dem südlichen User, ans Land steigen und sich darauf längs dem Tinnumer Damm und dem Tinnumer Kirchwege nach dem Keitumer Kirchhofe bewegen. Bald darauf kam ein Sylter bei Hörnum ums Leben und seine Leiche wurde auf demselben Wege heraufgebracht.

Das Lauffeuer zeigte sich auf Helgoland gewöhnlich am Rande des Felsens, oft auch an Misthaufen oder bei der großen Wassergosse an der Nordseite am Abhange der Klippe. Hatte es sich blicken lassen, warnten Mütter ihre Kinder. Heute, wenn es von Zank und Streit zu Tätlichkeiten kommt, heißt es noch: »Diar hatt en Jal lippen.« (Da hat sich ein Lauffeuer gezeigt.) Es kündigte überhaupt Unglück an. Wenn auf der See jemand verunglücken sollte, so entstieg dem Meere ein schwarzes Ungeheuer, det bisterk Ding met Telliarogen, und lagerte sich vor der Treppe, ja ließ sich zu verschiedenen Zeiten selbst auf dem Oberlande bei Nacht sehen, in den Winkeln von Ställen und Scheunen.

Mündlich. Herr Kandidat Arndt. Herr Hansen auf Sylt. Herr Heikens auf Helgoland. Vgl. Nr. 10. 378, 4. Kuhns Mark. Sagen Nr. 82. – »Wenn ein gefährliches Ungewitter entstehen will, so läßt sich zuvor am Strande von Helgoland ein erbärmliches Heulen und jämmerliches Schreien aus der Erden hören, gleich als wenn ein Mensch in die größte Not versetzt wäre.« Laß, Helgoland S. 22.

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393. Feuer vom Himmel.

Anno 1345 regnete es Feuer vom Himmel über das Meer, gleich wie Schneewolken; das war so hitzig und verzehrend, daß es Stein und Holz verzehrte. Und es war zu verwundern, alle Leute, die den Rauch sahen, lebten nur einen halben Tag, die Leute aber, die berührt (beleidet) waren auf dem Meer, wo die hinkamen, da starb alles Volk und alle, die sie sahen.

Neocorus I, 375. Aus Karsten Schröder.

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394. Wildes Feuer.

Am 28. Januar im Jahre 1598 in der Nachmitternacht zwischen Freitag und Sonnabend ward ein großes Feuer, ungleich größer als ein Haus, gesehen, daß es aus Heide herauswandelte und daraus nach Norden zu den Weg nach Lunden vor sich hinfuhr. Dreien Leuten, einem bei Heide, darnach gegen Stelle, endlich bei den Bergen, ist es begegnet, die alle glaubwürdige, auch glaubwürdig erzählen, daß sie nicht allein in solchem Feuer gewesen, sondern auch seine Wärme empfanden.

In demselben Jahre aus Maria Verkündigung erblickte man in Archsum auf Sylt ein Feuer, das wilde Feuer genannt. Es zeigte sich an jedem Tage, begann, wenn die Sonne im Osten war, und brannte fort, bis die Sonne unterging. Es blieb übrigens nicht an einem Fleck, sondern flackerte hin und her, und obgleich es oft zu verlöschen schien, so begann es doch bald wieder sich zu zeigen. Viele Menschen haben es gesehen, es dauerte bis Jakobi selbigen Jahrs. – Von Westerland und Wenningstede aus, ist südwestlich von Braderup aus dem Fröddenhoog noch heute das Braderuper Licht sichtbar. Es verliert sich, sobald man sich nähert. Was es aber bedeutet, weiß man nicht.

Neocorus II, 342. Herr Hansen auf Sylt.

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395. Der feurige Mann.

In der Weddingstedter Kirche wird jeden Sonntag besonders für die Dörfer Weddingstedt und Ostrohe gebetet, damit der Ausspruch eines sterbenden Zigeuners nicht in Erfüllung gehe: »So gewiß mein Leichenwagen niederbrechen wird, so gewiß werden beide Dörfer verbrennen.« Man nahm den stärksten Wagen; aber er zerbrach: Urdsbr. 4, 80 aus Norderdithmarschen.

In Bergenhusen sahen die Mägde, wenn sie frühmorgens in der Dämmerung zum Melken gingen, einen großen feurigen Mann auf einem der größern Häuser des Dorfs stehen; von da trat er mit einem großen Schritt auf ein kleineres daneben stehendes. Da verschwand er. Das sahen sie drei Tage nacheinander, und in der dritten Nacht brannte zuerst das große, dann das kleine Haus auf.

Durch Storm. – Auf den friesischen Inseln brennt fast kein Haus ab, von dem man es nicht durch ähnliche Zeichen will vorher gesehen haben. Solches »Vorbrennen« glaubte man früher dadurch erfolglos machen zu können, wenn man in einer Kirche jenseit des Wassers, z. B. in Hoyer, bitten ließ.

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396. Feuer vorgewarnt.

Ein Dornbusch in der Nähe von Dingholz in Angeln darf nicht weggehauen werden; sonst wird das Dorf Löstrup in Flammen aufgehen: Heim. 17, S. V. Ähnlich von einer Eiche beim Dorfe Esmark (Heim. 6, S. XV), auf dem Kirchhof zu Sommerstedt (Kristensen 2 J, 288), bei Rödding (Marcussen, Optegnelser fra Rodding, Haderslev 1912, S. 58). Über andere »Brandbäume« (fast nur im Schleswigschen, ganz selten in Holstein) vgl. Heering, Bäume u. Wälder Sch.-H.'s S. 18. Kristensen 2 J, 229. 253. 282. 287. 288 u. ö. – Die Steinkammer von Erteberg auf Alfen darf nicht abgebrochen werden; sonst brennt der Hof des Besitzers ab; man sagt: »in die Kammer ist Brand gesetzt.« (Schriftl. Mitt. aus Alfen). – Urdsbr. 4, 80, Nr. 7. Zf. f. s.-h. Gesch. 11, 235. Kristensen 2 J, 239. 281. Feilberg 309 ff.

Ein Bauer in Nordballig beherbergte eine Nacht über einen armen Mann. Am andern Morgen sagte dieser zu seinem Wirt: »Nimm den Stender da aus deinem Hause und leg' ihn aufs freie Feld.« Der Bauer wollte ungerne daran; aber der arme Mann behauptete hartnäckig: »Tu das, es wird zu deinem eignen Vorteil sein.« Da nahm der Bauer endlich das Holz weg und legte es als Steg über eine Aue. Und als nun nach einiger Zeit die Leute aus der Kirche nach Hause gingen, war der Steg verbrannt. Da sah der Bauer ein, daß, hätte er nicht den Stender aus dem Hause genommen, dieses ihm über dem Kopf abgebrannt wäre.

So wollte auch einmal ein Zimmermann einen Balken zu einem Hause behauen, da flogen bei dem ersten Hieb Funken heraus. Der Zimmermann besah die Stelle, ob auch ein Stein oder Nagel im Holz wäre, doch er fand nichts. Dennoch flogen bei jedem Hiebe wieder Funken heraus. Da riet er dem Bauherrn, den Balken ganz beiseite zu legen, aber der wollte das durchaus nicht und der Balken kam ins Haus. Kaum war es nun fertig, so brannte es ab und das Feuer fing gerade in dem Balken an.

Durch Herrn Landmesser Nissen in Löstrup.

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397. Vorbrennen.

In Felsted steht eine uralte Eiche. Wie sie nun nach und nach verfault, so kommen jetzt darin oft Pfropfen und dahinter Überreste von Werg und dergleichen zum Vorschein. Damit sind nämlich früher Feuer hineingebannt, wenn es vorgebrannt hatte. Fällt ein Zweig vom Baum, so läßt man ihn liegen und verfaulen, verbrennt ihn aber nicht.

Hat einer es an einem Hause vorbrennen sehen, und sagt zu dem Eigentümer: »Dein Haus hat vorgebrannt«, so muß der antworten: »Nein, es war nicht meines, sondern deines«, oder er nennt einen andern. Dann ist das schlimme Zeichen abgewandt und übertragen. – Meint nun einer, das würde dann wohl jeder sagen, so sagt man ihm: »Nein, das tut niemand.«

Durch Dr. Ch. Jessen in Flensburg.

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398. Das Hornblasen in der Nacht.

In einem Winter hörte man in jeder Nacht in Büsum ein Horn blasen und das ging so im Dorfe herum, als wenn ein Hirte das Vieh sammelte. Ms darauf der Herbst kam und mit ihm einmal bei einem Sturm ein eiliges hohes Wasser, sind der Bauernschaft Nortorf (Büsum) hundert Schafe ertrunken.

Neocorus II, 319.

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399. Der Friedensberg.

Statt »Sundewitt« lies »Handewitt«.

Nicht weit von Flensburg westlich nach Sundewitt zu liegt ein Hügel, der heißt der Friedensberg. Dort wurde einst eine große Schlacht geliefert und der Hügel zum Andenken aufgeworfen. Ein Stein steht darauf; der fällt jedesmal herunter, wenn Krieg bevorsteht.

Vierter Bericht der Gesellschaft für vaterländische Altertümer. 1839. S. 33. Vgl. Nr. 15 nebst Anm.

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400. Kämpfe in der Luft.

Zwietracht unter den Störchen bedeutet Krieg: Jb. f. Ldk. 10, 363 aus Südschleswig. – Zwei Ritter, die im Leben Todfeinde waren, setzen den Kampf zur Nachtzeit in der Luft fort: Danm. Folkem. 21, 76. Kristensen 4, 498 (Arrild).

Im Jahre vor dem, da der König Johann und der Herzog von Holstein hereinkamen, um Dithmarschen einzunehmen, geschahen wunderbare Zeichen. Denn in dem Sommer, als die Arbeitsleute die Graben neben dem Wege am Dusentdüwelswarf kleieten, erhub sich jeden Abend, sobald die Sonne sich geneigt hatte und es dunkel werden wollte, ja auch bei hellem Tage, jedesmal ein gräßliches Getöse und Geprassel, allerlei Erscheinungen ließen sich sehen und hören, daß sich die Arbeiter nie verspäten oder bei Abendzeit dahin wagen durften. Sie mußten oft ihre Arbeit stehen lassen und nach Hause gehen. Nie war der Ort recht geheuer gewesen; aber niemals war der Spuk so furchtbar gewesen, als zu dieser Zeit. Es war der Ort, an dem im folgenden Jahre der König mit all seinem Volke erliegen mußte.

Imgleichen sah man in einer Nacht des Jahres 1560 nach der Eroberung des Landes den ganzen Himmel von Feuer brennen und zwei Heere rannten gegeneinander und kämpften. Da sind die Leute erschrocken und einer hat den andern geweckt und meinten nicht anders, als sei der jüngste Tag gekommen und alles werde vergehen. Sie warfen sich alle auf die Knie und flehten Gott an. – Heutzutage sagen die Leute, weil sie klüger geworden sind: It is dat Norderslüß oder en Nordbleus! und soll eine Veränderung des Wetters bedeuten.

Neocorus I, 483. II, 243. Vgl. Happel relat. curios. III, 509. IV, 571 bis 580. – Wolf, Niederl. und Deutsche Sagen.

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401. Untergang der Schackenburg.

Im Gute Schackenburg geht die Sage, es solle dasselbe durch Feuer zugrunde gehen, wenn dort zwei goldne Hörner und ein Tisch mit einem goldnen Service gefunden werden. Die ersten sind schon gefunden; ein Kind stolperte auf dem Schulwege über etwas Hartes, das aus der Erde hervorragte; als man nachgrub, fanden sich zwei goldene Trinkhörner, die auf die Kunstkammer in Kopenhagen gebracht sind. Wenn nun aber der Tisch gefunden wird, wird das Schloß untergehn.

Herr Storm.

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402. Vorhersehen.

An »Vöröwen« wird noch viel geglaubt; zahllos sind die Geschichten davon, besonders von gespenstigen Leichenzügen, namentlich dem eigenen. Vgl. Urqu. 1, 49 f. M. Busch, Deutscher Volksglaube (1877) S. 314 ff. Heim. 27, 235. Detlefsen, Gesch. der Elbmarschen 2, 445 ff. Kristensen 2 unter H und J. Lorenzen S. 17 ff. Feilberg 305. – Hemd verkehrt anziehen: zu Nr. 317.

In Owschlag bei Schleswig gab es vorzeiten merkwürdige Männer. So gab es da auch einen, der konnte alles voraussehen und vorhersagen, Leichen, Bräute usw. Er mußte, wenn das des Nachts an seinem Hause vorüberzog, aufstehen und zusehen; blieb er zu lange liegen und der Wagen war schon vorüber, so mußte er so schnell und so lange nachlaufen, bis er ihn zu Gesicht bekam. Die Ursache davon war, daß er früher einmal einem heulenden Hund auf den Schwanz getreten war und zwischen den Ohren durchgesehen hatte. Anfangs machte ihm die wunderbare Eigenschaft vielen Spaß und er hat vielen Leuten alles aufs genaueste vorhergesagt. Als er aber älter ward, schlug's ihm zum Verdruß. Er ward aber nicht eher frei davon und konnte nicht eher wieder ruhig schlafen, als bis er ein ganzes Jahr hindurch sein Hemd verkehrt getragen hatte.

Durch Herrn Schullehrer Boysen in Bistensee. – Man erzählt sonst auch überall im Lande sehr häufig Beispiele von Hellsehenden, einsame Wanderer geraten nachts selbst ins Gedränge durch einen großen Leichenzug, marschierende Truppen und was mehr der stets einander ähnlichen wiederkehrenden Visionen sind.

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403. Die weise Frau Hertje.

S. 267 Z. 7 von oben lies Herde statt Horde. – Weissagungen auf den »Weltkrieg« f. Heim. 9, 66 (aus Stapelholm); vgl. Heim. 25, 283 f.; 26, S. XLIII. – Zur Anm. s. Neok. 2, 421 f.

Anno 1400 is een Frauwensperson in Wiedingharde gewesen, mit Namen Hertje, ut Moder Liefe gesneden. Etlike willen seggen, se sy in Großharde gebaren, da fe den ock entlich hen gerücket to Bredsted und allda gestorven, welke nachfolgende Dinge gewiessaget hef.

It wart een gülden Rink umme Wiedingharde kamen, de wart nene Bestant hebben.

Darna werden twe Dämme geschlagen, de enne van Tundern, de ander van Rüttebüll na Brunsot. Dar wert man söven Jaer an macken und wert vel kosten, aber nicht lange bestaen. Na de Tyt wert vel Schande und Laster int Lant kamen und neen Ere meer geachtet werden.

Darna wert een Diek ut Goßharde int Moer geschlagen, und na etliken Jaren en andern Diek ut dem Moer in Wiedingharde. De warden beide bestaen!

Wehe den Minschen, de den leven, wen de Lüde veer Arme kriegen und twe Paar Schö över de Vote dragen, und twe Höde up den Kop hebben, und wenn de Wörme ut de Kleder krupen!

Wehe den Minschen, de dar leven, wenn de grote Penninge kamen; wente wenn de grote Penninge gekamen, so wart dat grote Arge ock kamen.

Wehe den, de da leven, wen Geld von Geld geschlagen wert. De Tyt wart kamen, dat wenn einer Geld des Avents upnimt, so schal he it des Morgens nicht wedder ut geven konnen.

De Tyt nahet, dat Blomen vor allemans Düer kamen werden.

De Tyt wart kamen, dat de Prester wert sine Platte bedecken und seggen, he sy neen Prester.

Und de Ridder wart syn Schwert vornemen und syn Finger up holden, he sy neen Edelman.

Und de Herren wert syn egen Mente versacken. De Tyt wart kamen, dat man de Minschen nich wart by eren Namen nömen, sondern beestwys nömen wart.

It wart de Koe den Buren afgeschattet warden, und wenn de Koe hinweg ist, wart he dat Kalf sülvest verbidden und wart neen Herde syn, de em verdädiget.

It wart enn Boem ut Niekarken ut den harden Steen wassen, darup wart een schwart Vagel witte Jungen toen (teen?).

Na de Tyt wart een grote Schlachtung gescheen by Flensburg in Harsledael, dat man bet över de Enkel im Blode wart gaen.

(Item Nynkarken wart een Vöerhues warden.

Item Nynkarken wart midden int Lant kamen.) It werden Frembde int Lant kamen in Wiedingharde und de Man dar int Haff jagen; so warden se na dem Huse lopen, de to plündern. So wart en olt Man mit en Bleß op den Kop seggen: »It is beter eerlich to fechten, als so schändlich to verdränken«, und wart ropen: »Holdet an, wi willen eerlich winnen.« So warden de Wiedingharder wedder um keren und verschlaen, alle de verstreuet sint.

De Tyt wart kamen, wenn de Buer syn Quick schall börnen, und wart sehen enen Man in bunten Kledern, so wart he von sinen Quick lopen to syn Naber un ropen »Kom und help my den Haveman to Dode schlaen.« Ach, Wiedingharde wart noch vergaen vor Verschwaor. Wehe den jenen, de da leven, wenn Winter und Sommer sich vermengen.

De Tyt wart kamen, dat en wohl gekledeter Edelman wart lopende kamen to enen Buren by de Plog, mit enen grauen Rock, und bidden, dat he wolde mit ehm syn Rock verböten. Wenn de Bargen daelgaen und Missteden upgaen, so wart et övel in de Welt staen.

It wart ock Detzbüll und Risum von den solten Water vergaen, und een Prester dat ganze Moer regeren. Als Lindholm de erste Karke is gewesen, also wart se ok de leste bliven.

It werden tom lesten alle disse Länder dorch Water vergaen und de Schipper wart to syn Stüermann seggen: »Höde di vor Holmer Sant!«

Hertje heft eenmael een holten Beker voll duppelt Schillings gehat. Densülven heft se Agatha, Godber Nissens Grotmoder, to verwaren gedaen. Als se densüloen weddergekregen, heft se gsegt: O Trön, und abermael gesegt, ik weet, dat du von dissen Gelde nicht meer geröret als dissen enen Penning, welken du heft umgekeret!«

Hertje is eenmael up Gottorp gefordert damit man ehre Wahrseggungen ens möchte versöken. Als man se hät neddersitten heten, – und waren heemliken Eier under den Küssen –heft se geantwortet, se möchte nicht Eier utsitten.

Hertje is eenmael von enen Dotschläger gefraget worden, eft he synes Fiendes Toern und List entgaen möchte. »Ga he«, segt se, »unverzagt, recht entjegen und see he nicht torügge.« Und ist geschehen, dat he also unverletzt ist davon gekamen.

Heimreich ed. Falck II, 341. Vgl. I, 271. 180, II, 55. Es scheinen im 16. Jahrhundert ähnliche Prophezeiungen namentlich an den Nordseeküsten verbreitet gewesen zu sein. Neocorus kennt einige davon und die ostfriesischen Prophezeiungen in Haupts Zeitschrift für deutsches Altert. III, 457 haben viel verwandtes. In der Elbmarsch soll man heute noch ganz ähnliches, z. B. das Eiersitzen, von einer weisen Frau erzählen. – Eine Sylter Prophezeiung lautet: Wan fif Fögeds (Landvögte) ön grä Rokker kum, da skell Söld fuargung fuar Fuarspreek (aus Mangel an Vertretung dem Untergang nahe kommen). Man da kumt en Föged ön en blö Rok, di skell dit Länd reddi me Help san en Man üp Keidem Kleff. Durch Herrn Hansen. Über Stapelholm s. Bolten, Beschreibung S. 266 etc. – Vgl. Nr. 587.

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404. Vor dem jüngsten Gericht.

Ene dögetsame Fruwe, de by erem Wocken sat und gesponnen, heft my vertelt von enen Mann, genömet Kundt Alten, de er vermelt und gesegt, wat vor dem jüngsten Gericht noch scholde geschehen. Vererlei Geloven, also erstlik heidensche, de allrede gehat, tom andern papistische, darna das Evangelium up Latine gelesen wart, tom drüdden, so schall dat Evangelium up düdscher Sprake gelesen werden mank den Lüden, welkes man nömen wert de düdsche Misse, und tom veerden und letzten, wenn alle Avericheit hen und wedder mit enander werden anfangen mit Kriege und Upror, und de Eidum Karke to tween Malen is ostert von der See und Sande in gesettet worden, welkes unrede eenmael geschehen, so wart een seltsame und wunderlike Glove upkamen mank den Lüden, dat de ene Naber wart striden mit den andern um den Gloven, und de rechten Dener Godes und der Aposteln werden ut dem Lande wiken möten, und weh, weh denen, de disse Tyt werden beleven! Wente se werden ut ere egen Lande, von eren Oldern in fernen Landen reisen und nümmer wedder to den erigen kamen. Averst doch scholen dar etlike Bekannten een den andern bejegnen und seggen: »Wor kömpst du her?« edder: »Wor heff du dy so lange verborgen, dat du nich bist dod geschlagen edder gestorven?« und wenn solkes is geschehen, so is gewislik dat Ende und jüngste Gericht nicht wyt. Darumme alle Minschen olde und junge wol bidden mögen um een seliges Ende ut dissen Jammerdale.

Hans Kielholts Sylter Antiquitäten in Falcks Heimreich II, 346 aus dem 15. Jahrhundert??

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405. Die Walnüsse.

In einer Neujahrsnacht trat ein Engel zu dem Nachtwächter eines Dorfes bei St. Margarethen und führte ihn zu einer großen Kiste mit zwei Schiebladen. Beide waren voll von Walnüssen, und der Engel befahl dem Nachtwächter aus jeder einige zu nehmen. Der Nachtwächter nahm welche, aber da fand er, als er sie öffnete, daß die Nüsse aus der obern Lade alle taub waren, die aus der untern aber den schönsten Kern enthielten. Verwundert fragte er den Engel nach der Ursache und der Engel antwortete: »Bald kommt das Ende der Welt! Von außen sehen sich alle Menschen gleich, aber wenn der jüngste Tag da ist, werden alle Schalen zerbrochen und jedermann wird erkennen, warum der Richter die Nüsse in zwei Schiebladen gebracht.«

Mündlich. – Ähnliche Erzählungen häufig, in Lübek, Berlin etc.

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