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Sagen des Preußischen Samlandes

Rudolf Friedrich Reusch: Sagen des Preußischen Samlandes - Kapitel 2
Quellenangabe
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typelegend
authorRudolf F. Reusch
titleSagen des Preußischen Samlandes
publisherVerlag der Hartung'schen Buchdruckerei
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volume
printrun
editor
year1863
firstpub1863
correctorreuters@abc.de
sendergebler.dresden@yahoo.de
created20100809
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Vorworte

Vorwort zur ersten Auflage.

Wenn die Meinung vorherrscht, dass unser Samland Der Teil Ostpreußens, welcher von der Ostsee, dem Kurischen und Frischen Haff, dem Pregel und der Deine eingeschlossen wird. arm an Sagen sei, so mag sie ihren Grund in den Schwierigkeiten finden, welche unsere Landsleute dem Forscher entgegensetzen.

Seit einer Reihe von Jahren verlebe ich gewöhnlich einige Wochen des Sommers in dem an der Ostsee gelegenen Badeorte Rauschen. Die jungen Fischer sind meine Spielkameraden gewesen und unter den Augen der alten bin ich, wie sie sich ausdrücken, groß geworden. An Vertrauen konnte es mir also dort nicht fehlen, und doch hatte ich nie eine Spur lokaler Sagen zu entdecken vermocht,

meinen Fragen ward vielmehr stets ein verlegenes Lächeln oder ein trockenes »Ich weiß nicht« zur Antwort. Wie kann auch da, dachte ich oft, Volkspoesie gepflegt und fortgepflanzt werden, wo die Kräfte der armseligen Bewohner nicht hinreichen, um sich auch nur ein leidliches Dasein zu sichern!

Im verwichenen Sommer erzählte ich indes zufällig den Fischern einige deutsche Sagen aus Grimms Sammlung. Sie hörten zuerst argwöhnisch, dann immer wohlgefälliger zu, und gaben endlich, da sie sahen, dass ich in das Reich der Geister eingeweiht war und ihm die schuldige Achtung nicht versagte, Gegenerzählungen in den Kauf. Fast bei jeder deutschen Sage fand sich ein Anknüpfungspunkt, und ich hatte Gelegenheit eine nie geahnte Beredsamkeit der Fischer zu bewundern, die aber augenblicklich erstarb, sobald ein fremder Badegast in unfern Kreis trat oder gar durch ein verächtliches Lächeln seinen Unglauben bekundete.

Diese s. g. Großvatersgeschichten werden noch jetzt für wahr gehalten, obwohl man zugibt, dass sie sich nicht mehr wiederholen. Vorzügliches Interesse hatten sie für mich schon deshalb, weil ich die Erzähler so genau kannte, und die bezüglichen Gegenden so oft durchwandert habe. Noch mehr Vergnügen machte mir ihre Vergleichung mit deutschen Sagen, ihre sichtbare Übereinstimmung, ihre eigentümliche Abweichung, und endlich glaubte ich in ihnen die Erklärung einiger sprichwörtlichen Redensarten z. B.: »Der Tod ist vor der Tür; das Leben hängt am seidenen Faden; ein Haar drin finden; wo der hintritt, wächst kein Gras u. s. w.« zu finden.

Da sie sämtlich noch unbekannt und selbst in der neuern Sammlung preußischer Sagen von Temme und v. Tettau nicht berücksichtigt sind, so habe ich sie in einfachem Hochdeutsch dem Inhalte und der Form nach getreu wiederzugeben versucht

Königsberg, Februar 1838.
F. Reusch

Vorwort zur zweiten Auflage.

Von dem literarischen Kränzchen zu Königsberg, welches 1858 zusammentrat, sind bereits die Jahrgänge des preußischen Almanachs für 1861 und 1863 herausgegeben, deren Redaktion durch eine Kommission von fünf Mitgliedern unter dem Vorsitze des Professors Dr. E. Hagen besorgt wurde. Neuerdings sind noch zwei Kommissionen zur Sammlung und Bearbeitung des ostpreußischen Volkstums ernannt, die eine unter dem Vorsitze des Prof. Dr. Nesselmann für das litauische, und die unterzeichnete für das deutsche Element.

Die letztere beginnt ihre Tätigkeit mit der vorliegenden neuen Ausgabe der samländischen Sagen und hat sich dabei an folgende Beschlüsse gehalten.

1. Ausgeschlossen bei der neuen Ausgabe bleiben diejenigen Sagen der ältern Sammlung, welche sich auf die zum Samlande gehörigen Anteile der Landratskreise Labiau und Wehlau beziehen, weil in diesen Sagen schon das litauische Element hervortritt.

2. Neu aufgenommen werden die in den preußischen Provinzialblättern, namentlich in den Jahrgängen 1846 – 1851 niedergelegten, sowie andere nach mündlicher Überlieferung mitgeteilte Sagen.

3. Nicht aufgenommen werden solche Sagen, die nicht nach dem Volksmunde aufgezeichnet sind, sondern nur aus urkundlichen Quellen zu entnehmen wären; ebensowenig diejenigen, welche zwar aus mündlicher Überlieferung stammen, aber bereits – wie in Temme und v. Tettau Preußische Sagen – handgerecht gesammelt sind.

4. Die Sagen werden nach den Kapiteln der deutschen Mythologie von Jacob Grimm geordnet, um eine fortlaufende Beispielsammlung zu derselben zu liefern, und mit kurzen Anmerkungen versehen, vornehmlich um den Rückgang auf jenes Werk zu erleichtern.

5. Den Sagen wird eine Reihe Volkstümer, welche sich füglicher hier, als in den später zu veranstaltenden Sammlungen der preußischen Volksmärchen, des Aberglaubens und der Gebräuche, der Volkslieder und Reime unterbringen lassen, insbesondere der Volkswitz und die Tondeutung, angeschlossen.

6. Die Widmung, mit welcher der an allen provinziellen Bestrebungen rege teilnehmende Oberregierungsrat und Universitätskurator, Dr. Christian Friedrich Reusch (den 25. April 1848) die frühere Ausgabe einleitete, sowie das erste Vorwort, welches über die Entstehung der Sammlung nähern Aufschluss gibt, wird beibehalten.

7. Ein Inhaltsverzeichnis, ein vollständiges Sachregister und ein Verzeichnis; der Orte, auf welche sich die Sagen beziehen, soll beigegeben werden.

8. In dem Inhaltsverzeichnisse werden die Nummern, welche die Sagen in der ersten Ausgabe führten, weil Jacob Grimm, Müllenhof, Kuhn und Schwarz, Wolf u. s. w. darnach zitieren, eingeklammert beigesetzt.

Königsberg, Juni 1863.

Die Kommission des literarischen Kränzchens für deutsches Volkstum.
Dr. F. Reusch. O. Rosenkranz. H. Krischbiex. Ed. Hubaczek. G. Hilder.

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