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Sagen des klassischen Altertums

Gustav Schwab: Sagen des klassischen Altertums - Kapitel 82
Quellenangabe
typelegend
booktitleSagen des klassischen Altertums
authorGustav Schwab
year1982
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31827-5
titleSagen des klassischen Altertums
pages3-972
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1838
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Antigone und Kreon

Kreon erkannte in der Täterin seine Nichte Antigone. »Törin«, rief er ihr entgegen, »die du die Stirne zur Erde senkst, gestehst oder leugnest du dieses Werk?« »Ich gestehe es«, erwiderte die Jungfrau und richtete ihr Haupt in die Höhe. »Und kanntest du«, fragte der König weiter, »das Gesetz, das du so ohne Scheu übertratest?« »Wohl kannte ich es«, sprach Antigone fest und ruhig, »aber von keinem der unsterblichen Götter stammt diese Satzung. Auch kenne ich andere Gesetze, die nicht von gestern und heute sind, die in Ewigkeit gelten und von denen niemand weiß, von wannen sie kommen. Kein Sterblicher darf diese übertreten, ohne dem Zorn der Götter anheimzufallen; ein solches Gesetz hat mir befohlen, den toten Sohn meiner Mutter nicht unbegraben zu lassen. Erscheint dir diese Handlungsweise töricht, so ist es ein Tor, der mich der Torheit beschuldigt.« »Meinst du«, sprach Kreon, noch mehr erbittert durch den Widerspruch der Jungfrau, »deine starre Sinnesart sei nicht zu beugen? Zerspringt doch auch der sprödeste Stahl am ersten. Wer in eines andern Gewalt ist, der soll nicht trotzen!« Darauf antwortete Antigone: »Du kannst mir doch nicht mehr antun als den Tod; wozu darum Aufschub? Mein Name wird nicht ruhmlos dadurch werden, daß ich sterbe; auch weiß ich, daß deinen Bürgern hier nur die Furcht den Mund verschließt und daß alle meine Tat im Herzen billigen; denn den Bruder lieben ist die erste Schwesterpflicht.« »Nun so liebe denn im Hades«, rief der König immer erbitterter, »wenn du lieben mußt!« Und schon hieß er die Diener sie ergreifen, als Ismene, die vom Los ihrer Schwester vernommen hatte, herbeigestürmt kam. Sie schien ihre weibliche Schwäche und ihre Menschenfurcht ganz abgeschüttelt zu haben. Mutig trat sie vor den grausamen Oheim, bekannte sich als Mitwisserin und verlangte mit der Schwester in den Tod zu gehen. Zugleich erinnerte sie den König daran, daß Antigone nicht nur seiner Schwester Tochter, daß sie auch die verlobte Braut seines eigenen Sohnes Haimon sei und er durch ihren Tod seinem eigenen Sprößling die Ehe wegmorde. Statt aller Antwort ließ Kreon auch die Schwester fassen und beide durch seine Schergen in das Innere des Palastes führen.

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