Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Gustav Schwab >

Sagen des klassischen Altertums

Gustav Schwab: Sagen des klassischen Altertums - Kapitel 104
Quellenangabe
typelegend
booktitleSagen des klassischen Altertums
authorGustav Schwab
year1982
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-31827-5
titleSagen des klassischen Altertums
pages3-972
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1838
Schließen

Navigation:

Paris zurückgekehrt

Obgleich in Troja noch nichts von der Abfahrt der großen griechischen Flotte bekannt war, herrschte doch seit der Abreise der griechischen Gesandten Schrecken und Furcht vor dem bevorstehenden Kriege in dieser Stadt. Paris war inzwischen mit der geraubten Fürstin, der herrlichen Beute und seiner ganzen Flotte zurückgekommen. Der König Priamos sah die unerbetene Schwiegertochter nicht mit Freuden in seinen Palast eintreten und versammelte auf der Stelle seine zahlreichen Söhne zu einer Fürstenversammlung. Diese ließen sich durch den Glanz der Schätze, die ihr Bruder unter sie zu verteilen bereit war, und die Schönheit der Griechinnen aus den edelsten Fürstengeschlechtern, welche er im Gefolge Helenas mitgebracht und denjenigen seiner Brüder, die noch keine Frauen hatten, zur Ehe zu geben bereit war, leicht betören; und weil ihrer viele noch jung und alle kampflustig waren, so fiel die Beratung dahin aus, daß die Fremde in den Schutz des Königshauses aufgenommen und den Griechen nicht ausgeliefert werden sollte. Ganz anders hatte freilich das Volk der Stadt, dem vor einem feindlichen Angriff und einer Belagerung gar bange war, die Ankunft des Königssohnes und seinen schönen Raub aufgenommen; mancher Fluch hatte ihn durch die Straßen verfolgt, und hier und da war selbst ein Stein nach ihm geflogen, als er die erbeutete Gemahlin in des Vaters Palast geleitete. Doch hielt die Ehrfurcht vor dem alten König und seinem Willen die Trojaner ab, sich der Aufnahme der neuen Bürgerin ernstlich zu widersetzen.

Als nun im Rate des Priamos der Beschluß gefaßt war, die Fürstin nicht zu verstoßen, sandte der König seine eigene Gemahlin zu ihr in das Frauengemach, um sich zu überzeugen, daß sie freiwillig mit Paris nach Troja gekommen sei. Da erklärte Helena, daß sie durch ihre eigene Abstammung den Trojanern ebensosehr angehöre als den Griechen: denn Danaos und Agenor seien ebensowohl ihre eigenen Stammväter als die Stammhalter des trojanischen Königshauses. Unfreiwillig geraubt, sei sie jetzt doch durch langen Besitz und innige Liebe an ihren neuen Gemahl gefesselt und freiwillig die Seinige. Nach dem, was geschehen, könne sie von ihrem vorigen Gatten und ihrem Volke keine Verzeihung erwarten; nur Schande und Tod stände ihr bevor, wenn sie ausgeliefert würde.

So sprach sie mit einem Strom von Tränen und warf sich der Königin Hekabe zu Füßen, welche die Schutzflehende liebreich aufrichtete und ihr den Willen des Königes und seiner Söhne verkündete, sie gegen jeden Angriff zu schirmen.

 << Kapitel 103  Kapitel 105 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.