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Sagen der Chassidim

: Sagen der Chassidim - Kapitel 9
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene
titleSagen der Chassidim
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Buch
volume2781
editorAlexander Eliasberg
year1970
firstpub1970
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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9. Noch eine Reise ins Heilige Land

Rabbi Wolf Kizes, ein Schüler des heiligen Baal-Schem, wollte einmal ins Heilige Land reisen. Er ging zu seinem Meister, um von ihm Abschied zu nehmen. Der Baal-Schem gab ihm seinen Segen für die Reise und sagte ihm folgende Worte: »Reb Wolf, seid vorsichtig in Eurer Rede und überlegt Euch, was ihr antwortet.«

Reb Wolf Kizes machte sich auf den Weg und ging auf ein Schiff. Das Schiff landete bei einer Insel und blieb da für einige Stunden liegen. Die Leute gingen an Land, kauften sich Speisen und Getränke und kehrten bald wieder aufs Schiff zurück. Auch Reb Wolf Kizes ging an Land, um dort sein Gebet in aller Andacht zu verrichten. Und er betete so lange und mit solcher Inbrunst, daß er alles in der Welt vergaß und das Schiff ohne ihn seine Reise fortsetzte. Reb Wolf blieb allein auf der Insel zurück. Als er mit seinen Gebeten zu Ende war, sah er sich um und merkte, daß er allein zurückgeblieben war. Er sah einen schmalen Fußpfad und ging ihm nach. Und der Pfad führte ihn zu einem Hause. Er trat ein und traf in der Stube einen alten Juden. Der Greis begrüßte ihn und wandte sich an ihn mit diesen Worten: »Reb Wolf, warum seid Ihr so bekümmert?« Reb Wolf Kizes antwortete: »Wie soll ich nicht bekümmert sein, wenn mein Schiff weggegangen ist und ich allein auf der Insel zurückgeblieben bin?!« Und der Greis tröstete ihn und sprach: »Reb Wolf, seid unbesorgt! Ihr werdet hier den Sabbat verbringen. Nach dem Sabbat wird ein anderes Schiff kommen und Euch mitnehmen. Ein Bad und eine Betstube werdet Ihr bei mir finden.« Und so war es auch. Reb Wolf Kizes verbrachte dort den Sabbat, und am Sonntag kam ein anderes Schiff und hielt vor der Insel. Reb Wolf Kizes ging zum Hafen, und der Greis begleitete ihn. Reb Wolf fürchtete, daß das Schiff wieder ohne ihn weggehen würde. Der Greis sagte ihm: »Reb Wolf, ich vergaß Euch zu fragen: wie geht es den Juden in Eurem Lande?« Und Reb Wolf, der noch immer wegen des Schiffes besorgt war, antwortete dem Greise kurz: »Gott verläßt sie nicht!« Und mit diesen Worten ging er aufs Schiff, und das Schiff stach in See.

Als das Schiff schon eine Strecke gefahren war, bekam Reb Wolf Gewissensbisse, daß er dem Greis eine so unbedachte Antwort gegeben hatte, und er erinnerte sich der Worte, die ihm sein Meister Baal-Schem auf den Weg gegeben hatte: »Warum erzählte ich ihm nicht vom großen Elend, in dem die Juden in meinem Lande leben? Doch geschehen ist geschehen.« Und Reb Wolf Kizes beschloß, seine Reise ins Heilige Land nicht fortzusetzen, sondern zum Baal-Schem zurückzukehren. Er reiste zurück und kam zum Baal-Schem. Der heilige Rabbi begrüßte ihn und sagte ihm: »Der Greis, den du sahst, war unser Vater Abraham. Der heilige Erzvater tritt jeden Tag vor den Herrn und fragt ihn: &›Schöpfer der Welt, wie geht es meinen Kindern?‹ Und der Schöpfer antwortet ihm: &›Ich verlasse sie nicht. Und wenn du eine Bestätigung haben willst, so wisse, daß Reb Wolf Kizes bald ins Heilige Land reist. Er ist ein ehrlicher Mann, und ihn kannst du fragen.‹ Wenn du dem Vater Abraham von den großen Leiden seiner Kinder in der Verbannung erzählt hättest, so wäre allen Juden die Rettung gekommen. Du hast aber meinen Rat vergessen, und darum werden die Leiden der Verbannung noch fortdauern.« Der Herr, gelobt sei sein Name, möchte sich unser bald erbarmen. Amen.

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