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Sagen der Chassidim

: Sagen der Chassidim - Kapitel 47
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene
titleSagen der Chassidim
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Buch
volume2781
editorAlexander Eliasberg
year1970
firstpub1970
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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47. Die gestohlenen Brautkleider

Unter den nächsten Anhängern des heiligen Rabbi Levi-Jizchok von Berditschew war ein Mann, der in einem Dorfe bei Berditschew wohnte. Dieser Mann wollte einmal seine Tochter verheiraten und besuchte natürlich zuvor Rabbi Levi-Jizchok, daß er ihn segne. In der Nacht von Sonntag auf Montag gruben Diebe einen unterirdischen Gang in sein Haus und stahlen die ganze Aussteuer der Braut. Am Montag früh fand man die Brauttruhe leer stehen, und alle waren darüber sehr betrübt. Der Brautvater begab sich sofort zum Rabbi Levi-Jizchok und klagte ihm sein Leid. Er sagte ihm, daß die Hochzeit noch in dieser Woche sein müsse und daß daher keine Zeit bleibe, neue Brautkleider anzufertigen. Der Rabbi tröstete ihn und sagte, daß der Herr, gelobt sei sein Name, ihm sicher helfen werde, die gestohlenen Sachen wiederzufinden. Der Brautvater fuhr heim und hoffte den ganzen Montag, die Sachen wiederzubekommen. Am Dienstag fuhr er wieder zum Rabbi und sagte, daß er die Sachen noch immer nicht gefunden habe und daß die Hochzeit morgen oder übermorgen stattfinden müsse.

Der Rabbi schickte ihn zu seinen Gehilfen, den Beisitzern des geistlichen Gerichts. Der Brautvater erzählte ihnen seinen Fall, doch die Richter sagten, die Sache sei doch nicht so, daß sie irgendein Urteil fällen könnten. Er ging wieder zum Rabbi und sagte ihm, daß die Richter in dieser Sache kein Urteil fällen könnten. Rabbi Levi-Jizchok ließ sich nun einen Bogen Papier geben und schrieb in jede der vier Ecken: »Du sollst nicht stehlen!« Er faltete das Papier zusammen, gab es dem Mann und sagte: »Fahre nach Hause und sei unbesorgt. Mit Gottes Hilfe wirst du nun das Gestohlene finden.«

Der Mann nahm das Papier und fuhr nach Hause. Doch er verstand nicht, wie ihm die Hilfe kommen sollte. Sein Haus stand neben einem Walde, und wie er in die Nähe seines Hauses kam, sah er, wie man durch den Wald etwas trug und wie etwas Weißes zwischen den Bäumen schimmerte. Der Mann eilte in den Wald und fand alle gestohlenen Brautkleider, in ein weißes Laken gehüllt, im Walde liegen, und es fehlte gar nichts. Er brachte alle die Kleider nach Hause und feierte mit großer Freude die Hochzeit seiner Tochter, doch er begriff noch immer nicht, warum ihn der Rabbi zu den Richtern geschickt und warum er auf allen vier Ecken des Papiers »Du sollst nicht stehlen!« geschrieben hatte und wieso ihm die Hilfe gekommen war.

Bald darauf fuhr er nach Berditschew zum heiligen Rabbi Levi-Jizchok, um ihm zu melden, daß er das Gestohlene wiedergefunden habe, und ihm zu danken. Er fragte den Rabbi, wie sich alles zugetragen hatte, und der Rabbi sagte ihm folgendes:

»Ich wußte, daß die Diebe die Kleider in ein Laken eingewickelt und in die Erde vergraben hatten, um sie später wieder auszugraben. Ich schickte dich zu den Richtern in der geheimen Hoffnung, sie würden ein Urteil fällen, daß die Erde das gestohlene Gut nicht annehmen solle. Und wenn es die Diebe noch so tief vergraben hätten, müßte die Erde auf einen solchen Beschluß hin das Gestohlene wieder herausgeben. Doch die Richter verstanden meine Absicht nicht. Darum nahm ich den Bogen Papier und schrieb mein eigenes Urteil, das ich über die Erde verhängte: Du sollst nicht stehlen! Und die Erde mußte sich mir fügen und spie die vergrabenen Sachen wieder aus. Als die Diebe zu der Stelle kamen, wo sie die Sachen vergraben hatten, fanden sie sie oben auf dem Erdboden liegen. Die Diebe vergruben nun die Sachen an einer anderen Stelle und fanden sie dann wieder oben auf der Erde liegen. Du sahst sie gerade, wie sie die Sachen trugen, um sie an einer dritten Stelle zu vergraben. Und so wurde dir geholfen. Es ist gar kein Wunder, sondern nur die Wirkung eines auf Grund der Thora erlassenen rechtmäßigen Beschlusses, denn die ganze Schöpfung und auch die Erde unterliegt den Gesetzen der Thora.«

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