Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen der Chassidim

: Sagen der Chassidim - Kapitel 28
Quellenangabe
pfad/antholog/chassidi/chassidi.xml
typelegend
authorVerschiedene
titleSagen der Chassidim
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Buch
volume2781
editorAlexander Eliasberg
year1970
firstpub1970
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080313
projectida0ee281a
Schließen

Navigation:

28. Die ausgeschüttete Suppe

Als der heilige Rabbi Menachem-Mendel bei seinem Lehrer, dem heiligen Rabbi Elimelech, studierte, war er noch niemandem als Wundertäter und Mann des heiligen Geistes bekannt. An einem Sabbat saß er mit den übrigen Jüngern an der Tafel des Meisters. Als der Diener die Suppe auftrug, nahm Rabbi Elimelech die Schüssel und schüttete die ganze Suppe aus. Rabbi Menachem-Mendel erschrak und rief aus: »O wehe, mein Rabbi, jetzt wird man uns alle in den Kerker werfen!« Die Jünger, die dabeisaßen, wären beinahe in ein schallendes Gelächter ausgebrochen, und nur die Ehrfurcht vor dem Meister hielt sie davon ab. Rabbi Elimelech antwortete aber: »Sei unbesorgt, mein Sohn, habe keine Angst: wir sind ja alle hier beisammen!«

Rabbi Elimelech erzählte nun, was vorgefallen war: »Einer der kaiserlichen Beamten hatte böse Absichten gegen die Juden des ganzen Landes. Er hatte schon einigemal Denunziationen und Erlasse gegen die Juden verfaßt, um sie seinem Kaiser vorzulegen, damit er sie mit einem Siegel versehe. Doch jedesmal passierte ihm dabei ein Schreibfehler oder sonst irgendein Unglück, und das Papier fiel so aus, daß es dem Kaiser gar nicht vorgelegt werden konnte. Heute gelang es ihm aber, ein Schriftstück anzufertigen, das ganz ohne Fehl war, so daß er es dem Kaiser hätte vorlegen können. Als er mit dem Schreiben fertig war, ergriff er das Sandfaß, um auf das Papier Sand zu streuen. In diesem Augenblick kehrte ich die Suppenschüssel um, damit er dasselbe tue. Und er vergriff sich und nahm statt des Sandfasses das Tintenfaß und schüttete die Tinte auf das Papier aus. Menachem-Mendel hat das alles gleich mir im Geiste gesehen. Es kam ihm vor, als ob ich es gewesen wäre, der die Tinte ausgeschüttet hatte. Darum erschrak er so sehr und glaubte, daß man uns alle ins Gefängnis werfen würde.«

An jenem Tage begriffen alle, daß der junge Menachem-Mendel im Geiste Dinge sehen konnte, die sonst niemand sah.

 << Kapitel 27  Kapitel 29 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.