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Sagen der Chassidim

: Sagen der Chassidim - Kapitel 14
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene
titleSagen der Chassidim
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Buch
volume2781
editorAlexander Eliasberg
year1970
firstpub1970
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080313
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14. Der gefährliche Geburtstag

In Alt-Konstantinow lebte ein Mann, der keine Kinder hatte. Er gehörte zu den Anhängern des heiligen Israel Baal-Schem und bat ihn mehrmals, daß er ihm einen Sohn vom Himmel erflehe. Einmal sagte ihm der Heilige, daß er ein Kind haben werde, und er möchte ihn sofort nach der Geburt davon benachrichtigen. Als das Kind zur Welt kam, begab sich der Mann zum Baal-Schem, um es ihm zu melden; er glaubte, der heilige Rabbi würde sehr erfreut sein, weil sein Wort sich erfüllt hatte. Aber der Baal-Schem fing zu weinen an. Der Vater erschrak und fragte: »Was weint Ihr?« Und der heilige Baal-Schem antwortete: »Ich sehe, daß dein Sohn an seinem dreizehnten Geburtstage ertrinken wird. Es gibt aber noch ein Mittel, dies abzuwenden: man soll auf ihn an diesem Tage gut aufpassen und ihn von jedem Wasser fernhalten. Wenn dieser Tag glücklich vorübergeht, ist er errettet; ich habe aber Angst, daß du bis zu seinem dreizehnten Geburtstage meine Warnung vergißt. Darum will ich dir ein Zeichen geben: er wird an diesem Tage zwei Strümpfe auf einen Fuß anziehen und den Strumpf für den andern Fuß suchen. Das soll dich daran erinnern, daß du ihn diesen ganzen Tag vom Wasser fernhalten sollst. Das sollst du auch deinem Weib und deinem Hausgesinde einschärfen, damit sie sich daran erinnern.«

Es vergingen dreizehn Jahre, und der Vater und das ganze Hausgesinde hatten die Warnung vergessen. Am dreizehnten Geburtstage des Jungen begab sich der Vater frühmorgens, als der Sohn noch schlief, ins Bethaus. Und als er vom Beten heimkam, sah er, daß der Knabe etwas in allen Winkeln suchte. Er fragte ihn: »Was suchst du?« Und der Sohn antwortete: »Einen Strumpf! Ich weiß gar nicht, wo er hingekommen ist.« Der Vater sah, daß der Sohn zwei Strümpfe auf einen Fuß angezogen hatte. Da fielen ihm die Worte des heiligen Baal-Schem ein, und er gab von nun an acht, daß der Sohn nicht zum Wasser ginge. Es war aber ein sehr heißer Tag, und alle Leute gingen zum Fluß baden. Der Junge stahl sich aus dem Hause und lief gleichfalls zum Fluß. Man merkte das aber noch zur rechten Zeit, fing ihn ein und brachte ihn nach Hause zurück. Der Vater sah, daß der Knabe durchaus zum Wasser wollte. Darum sperrte er ihn in eine Kammer und nahm den Schlüssel zu sich. Der Knabe schrie den ganzen Tag: »Vater, hab Erbarmen! Mir ist so heiß, laß mich baden gehen!« Später flehte er: »Ich habe solchen Durst!« Der Vater fürchtete aber, ihm auch einen Schluck Wasser zu geben, damit er nicht beim Trinken ersticke.

Am Nachmittag gingen die Leute wieder zum Fluß baden, denn die Hitze war sehr groß. Und alle sahen, wie sich aus dem Flusse ein Kopf mit zwei Armen erhob. Die Gestalt schlug mit den Armen auf das Wasser und rief: »Meiner ist nicht gekommen!« Und alle haben das gesehen und gehört. Und gleich darauf verging dem Knaben die Lust, zum Wasser zu laufen; er beruhigte sich und schlief ein. Als der Tag zur Neige gegangen war, war auch das böse Schicksal abgewendet, wie es der Baal-Schem prophezeit hatte. Und der Knabe wuchs auf und erlebte viel Gutes, und es ist ihm kein Haar gekrümmt worden.

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