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Sagen der Chassidim

Alexander Eliasberg: Sagen der Chassidim - Kapitel 32
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene
titleSagen der Chassidim
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Buch
volume2781
editorAlexander Eliasberg
year1970
firstpub1970
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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32. Die wunderbare Lichtanzündung

Rabbi Jehoschua-Heschel von Opatow kam einmal auf einer Reise in die Nähe der Stadt Mohilew. Und er sagte zu seinen Begleitern: »Wollen wir in die Stadt hineinfahren, um die fromme Frau Mirjam, die Schwester der heiligen Brüder Rabbi Schmelke und Rabbi Pinchos, zu begrüßen.« Die Begleiter des Rabbi eilten voraus und kamen ins Haus zu der frommen Frau. Als sie den Lärm hörte, fragte sie, was los sei, und die Leute antworteten ihr: »Der Rabbi von Opatow kommt her.«

Als der Rabbi ankam, empfing ihn Frau Mirjam mit großen Ehren und bot ihm einen Ehrensitz an. Rabbi Jehoschua-Heschel bat sie, daß sie etwas von ihren heiligen Brüdern erzähle, und sie erzählte den Gästen eine prächtige Geschichte. Die Geschichte war so:

»Es ist jedermann bekannt, daß mein Bruder Rabbi Schmelke niemals schlief. Er studierte Tag und Nacht göttliche Wissenschaft. Wenn er viele Wochen lang nicht geschlafen hatte, spürte er große Müdigkeit, doch er fürchtete, sich aufs Bett zu legen, um nicht einzuschlafen. Er hatte auf dem Tische vor sich ein Glas Wasser stehen und pflegte seine Stirne auf das Glas zu stützen, um sich wach zu halten.

Und wie er einmal an seinem Tische saß und studierte, wurde er so müde, daß er nicht mehr studieren konnte. Und er stützte seine Stirne auf das Glas Wasser, wie er es immer zu tun pflegte. Da ging plötzlich sein Licht aus. Er sprang sofort auf und sah, daß das Licht erloschen war. Das machte ihm großen Kummer. Das Zimmer, in dem er studierte, befand sich im Obergeschoß und hatte eine Altane. Rabbi Schmelke war darüber, daß das Licht ausgegangen war und er nicht weiterstudieren konnte, so sehr betrübt, daß er gar nicht wußte, was er tat. Er nahm den Leuchter in die Hand und lief auf die Altane hinaus, um von dort hinunterzugehen und Feuer zu holen. Als er auf die Altane hinaustrat, reichte ihm jemand von unten ein brennendes Licht hinauf und sagte ihm, er solle daran sein Licht anzünden. Er tat so, kehrte in sein Zimmer zurück und studierte weiter.

Als er sich etwas beruhigt hatte, sagte er sich: &›Die Altane ist doch sehr hoch, viel höher als ein Mensch. Wie konnte mir der Mann das Licht hinaufreichen?‹ Der Rabbi wunderte sich sehr und sagte sich, daß das wohl kein gewöhnlicher Mensch gewesen sei. Und er verrichtete Andachtsübungen und betete, daß man ihn vom Himmel benachrichtige, wer das gewesen sei.

Und man sagte ihm vom Himmel: Als sein Licht ausgegangen war, entstand im Himmel eine große Unruhe, weil Rabbi Schmelke nicht mehr studieren konnte und es plötzlich an wahrer göttlicher Wissenschaft fehlte. Darum schickte man vom Himmel den Propheten Elias herab, damit er ihm Licht bringe.

Als mein Bruder das hörte, fing er zu weinen an. Und er tat lange Zeit Buße, weil man seinetwegen den Propheten Elias bemüht hatte.«

So erzählte Rabbi Schmelkes Schwester dem Rabbi von Opatow in Gegenwart von vielen Männern, Frauen und Kindern, die die ganze Stube füllten. Der Rabbi von Opatow stand weinend auf und rief aus: »Habt ihr gehört von der großen Sünde des Rabbi Schmelke? Er hielt es für Sünde, daß man wegen seines göttlichen Studiums den Propheten Elias bemüht hatte!« Und der Rabbi von Opatow warf sich zu Boden, weinte sehr bitter und sagte: »Wenn Rabbi Schmelke sich wegen einer solchen Sünde so sehr kasteit hat, wie sollen dann wir unsere Sünden büßen?« Und fast alle Leute, die dabei waren, weinten mit ihm. Seine Verdienste mögen uns beistehen. Amen.

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