Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Wien

: Sagen aus Wien - Kapitel 12
Quellenangabe
titleSagen aus Wien
typelegend
senderharald.aichmayr@netway.at
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der Bärenhäuter

In der unglücklichen Schlacht bei Varna im Jahre 1444 hatten die Türken fast das ganze christliche Heer aufgerieben. Unter den wenigen, die dem blutigen Gemetzel entronnen waren, befand sich auch der Landsknecht Georg Thalhammer. Nur der Schnelligkeit seiner Beine hatte er es zu verdanken, daß ihm die Flucht in einen dichten Wald gelang, wo er sich zunächst vor der Wut seiner Verfolger sicher glaubte. Todmüde hatte er sich hinter ein dichtes Gebüsch geworfen und überdachte seine Lage. Sie war verzweifelt Was sollte er in dieser furchtbaren Wildnis beginnen? Würde er von den blutgierigen Feinden aufgespürt werden, oder sollte es ihm vielleicht doch gelingen, die Heimat wiederzusehen? Wie aber sich Nahrung und Obdach verschaffen ohne Kenntnis der Landessprache, ohne Mittel, fremd und geächtet? Zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankten seine Gedanken hin und her, aber immer aussichtsloser schien ihm schließlich sein Schicksal zu sein.

Da stand plötzlich ein unheimlich aussehender hagerer Mann mit scharfer Hakennase und stechenden Augen vor ihm. Mit raschem Griff faßte der Landsknecht nach seiner Waffe, um sein Leben gegen den vermeintlichen Angreifer mit der Schärfe des Schwertes zu verteidigen Der Fremde aber rief ihm zu: »Nur ruhig Blut, Geselle! Laß dein Schwert in der Scheide. Du hast vor mir nichts zu befürchten. Ich will dir im Gegenteil dazu verhelfen, ungefährdet in deine Heimat zu entkommen, und dich dort so reich mit Geld und Gut bedenken, daß du in Zukunft ein sorgloses, bequemes leben führen kannst. Dafür will ich nur einen geringen Gegendienst: nach deinem Tod soll deine Seele mir gehören.«

Neue Hoffnung regte sich im Herzen des biederen Landsknechts, als er die ersten Worte des Bösen vernahm; aber die letzte Bedingung seines unheimlichen Helfers erfühlte ihn mit so tiefem Schrecken, daß er ausrief »Nein, nein, meine Seele verkaufe ich dir nicht; lieber will ich alle Not ertragen, ja hier elend zugrunde gehen als einen solchen Pakt abschließen.« Vergebens suchte ihm der Teufel die Heimkehr ins Vaterland und das schöne Leben, das ihm dort winkte, in den lebhaftesten Farben auszumahlen. Der Landsknecht blieb hartnäckig bei seiner Weigerung. Da beschloß der Teufel, gelindere Saiten aufzuziehen. Du wirst mir aber trotzdem nicht entgehen, dachte er und sagte zu Thalhammer: »Du sollst sehen, daß man mich zu Unrecht den Bösen nennt Ich will dir einen andern Vorschlag machen, der dir besser gefallen wird.« – »Und das wäre?« fragte der andere. »Du darfst dich zum Dank für meine Hilfe durch drei Jahre weder waschen noch kämmen, noch vom Schmutz reinigen, auch nicht Haare und Nägel beschneiden, darfst auch nie die Kleidung wechseln, sonst ist deine Seele mein. Im übrigen aber kannst du essen und trinken, tun und lassen, was zu willst, die Mittel dazu werde ich dir reichlich zur Verfügung stellen.«

Dieser Vorschlag dünkte Georg weit annehmbarer. Denn, dachte er, habe ich während des ganzen Krieges oftmals ungepflegt in Schmutz und Nässe viele Wochen und Monate verbracht, so werde ich dieses leben auch noch weitere drei Jahre zu führen imstande sein.

Mit Handschlag wurde der Pakt besiegelt, und im Augenblick sah sich Thalhammer nach Wien versetzt, nachdem der Teufel noch rasch einen Bären gefangen und den Landsknecht in die abgezogene Haut des Tieres gesteckt hatte. Sodann übergab er ihm einen Beutel voll Gold mit dem Bedeuten, er könne davon so viel verbrauchen, als er wolle, der Beutel werde niemals leer werden. Schließlich ermahnte er seinen Schützling noch, den Vertrag in allen Punkten getreulich zu erfüllen, und verschwand.

Thalhammer hielt das Abkommen mit dem Bösen genau ein; er wusch und kämmte sich nicht, ließ Haar und Bart wachsen und ging stets in seine Bärenhaut gehüllt umher. Es war daher auch kein Wunder, daß er nach wenigen Wochen so schmutzig und verwildert aussah, daß fast nichts Menschliches mehr an dieser langhaarigen, schmutzstarrenden Gestalt zu erkennen war. Die Erwachsenen machten einen weiten Bogen um diesen üblen, bärenhäutigen Gesellen, der jedermann mit Furcht und Grauen erfüllte, und die Kinder wurden durch den Ruf: »Der Bärenhäuter kommt« in Angst und Schrecken versetzt, so daß sie schreiend flüchteten.

Wiewohl Thalhammer von seinen Feldzügen her an vieles gewöhnt war, schien ihm sein Zustand anfangs unerträglich. Doch mit der Zeit gewöhnte er sich an die Unreinlichkeit und an das Aufsehen, das er mit seiner Bärenhaut überall erregte. Da er mit Geldmitteln zur Genüge versehen war, ließ er sich an Speise und Trank nichts abgehen, nahm in einer alten Hütte in der Vorstadt Quartier und ließ auch seinen Quartiergeber an seinem guten leben teilhaben.

Seine seltsame Lebensweise, deren Grund die Leute nicht kannten, brachte ihn bald in den Geruch eines Zauberers und Wahrsagers; von allen Seiten strömten Menschen herbei, um sich von ihm über allerlei Dinge Rat zu holen. Da er sich bei seinen Ratschlägen auf seinen gesunden Menschenverstand verließ, hatte er manche Erfolge aufzuweisen, was zur Hebung seine. Rufes noch beitrug.

So lebte Georg Thalhammer getreu seiner Abmachung mit dem Satan, und dieser mußte erkennen, daß er ein schlechtes Geschäft mit dem Landsknecht abgeschlossen hatte. Aber er hoffte, durch ihn auf andere Weise einen Profit zu machen. Als das dritte Jahr zur Hälfte vergangen war, erschien er eines Tages unvermutet bei dem Bärenhäuter und erklärte, er wolle ihm den Rest der bedungenen Frist erlassen. »In kurzer Zeit«, sagte er, »wird ein reicher Wiener Bürger bei dir vorsprechen. um sich deinen Rat in einer Hausstreitigkeit zu holen. Du darfst ihm aber deine Hilfe nur unter der Bedingung zusagen, daß er dir eine seiner drei Töchter zur Frau gibt.«

Der Böse unterrichtete ihn sodann über das, was er dem Bürger zu sagen habe, und gab ihm neuerlich viel Geld, damit er die Habgier des Bürgers reizen könne, wenn dieser vielleicht an dem wüsten Aussehen des Bewerbers Anstoß nehmen sollte. »Du kannst ihm getrost hunderttausend Dukaten zusichern«, meinte der Höllenfürst, »sie werden dir zur Verfügung stehen.«

Als nun am nächsten Tag der in Aussicht gestellte Besuch wirklich erschien und gegen Geld und gute Worte den Rat des Bärenhäuters erbat, ging dieser ganz nach den Weisungen seines teuflischen Ratgebers vor und erklärte: »Ich kann dich wohl beraten, doch tue ich dies nicht gegen Geld; denn davon habe ich selbst genug. Wenn du willst, kann ich dir mit etlichen tausend Dukaten noch aushelfen, mir kommt es nicht darauf an. Meinen Rat aber kann ich dir nur unter der Bedingung geben, daß du mir eine deiner Töchter zur Frau gibst. Wenn dich aber etwa mein übles Aussehen stören sollte, so laß dir gesagt sein, daß dies nur ein kleiner Nachteil ist, der reichlich dadurch aufgewogen wird, daß ich deine Tochter zur reichsten Frau im Lande machen kann.«

Der Bürger war durch diesen Antrag aufs höchste überrascht, auch stieß ihn die Häßlichkeit des Bewerbers ab; aber sein Geiz trug schließlich über alle Bedenken den Sieg davon, und er sagte dem Bärenhäuter die Hand jener Tochter zu, die ihn freiwillig wählen würde.

Nachdem sie so handelseins geworden waren, erhielt der Bürger die gewünschte Auskunft und entfernte sich wieder. Thalhammer aber erschien schon am nächsten Tag in der ganzen Scheußlichkeit seines Aufzuges im Haus des Bürgers, um eines der Mädchen zu freien. Seine schmutzstarrende Häßlichkeit erregte bei allen drei Töchtern des Hausherrn tiefe, ungeteilte Abscheu; die beiden älteren weigerten sich entschieden, eine Verbindung mit diesem unflätigen Ungetüm einzugehen. Nur die jüngste Tochter gab endlich, durch vieles Zureden ihres Vaters bewogen, ihre Zustimmung zur Ehe mit dem Bärenhäuter. Die Hochzeit sollte innerhalb Monatsfrist stattfinden.

Während im Hause der nicht gerade glücklichen Braut alle Vorbereitungen zur Feier getroffen wurden, änderte Thalhammer nichts an seinem Aussehen und bot mit seinem schmierigen Äußeren, dem verfilzten Haar und Bart und dem schmutzigen Bärenfell alles eher als das Bild eines festlichen Bräutigams.

Da stellte sich in der Morgenfrühe des Vermählungstages Meister Urian bei ihm ein und sagte: »Nun ist es aber höchste Zeit, daß du dich deiner Braut in einem andern Aufzug als bisher präsentierst.«

Er führte ihn zu einem Bach, wusch ihn gründlich ab und rieb ihn mit wohlriechenden Essenzen ein. Dann befahl er ihm, in die Stadt zu eilen und sich einen neuen Anzug sowie Wagen und Pferde zu kaufen, Dienerschaft aufzunehmen und in höchstem Staat beim Haus der Braut vorzufahren, um sie zur Hochzeit abzuholen. Thalhammer führte alles aus, was ihm der Teufel aufgetragen hatte. Höchstes Aufsehen entstand, als plötzlich am Haus der Braut eine prächtige Karosse vorfuhr, der ein feingekleideter vornehmer Herr entstieg, in dem kein Mensch den Bärenhäuter erkannt hätte.

Je mehr sich die Braut über diese unvermutete Verwandlung ihres Bräutigams freute, desto größer wurden der Arger und die Betrübnis der beiden andern Schwestern. Sie verwünschten ihre Verblendung und verfielen schließlich in Trübsinn, der unter den bösen Einflüsterungen des Teufels mit dem Selbstmord der beiden endete. So hatte der Satan zuletzt doch noch ein gutes Geschäft gemacht.

Georg Thalhammer aber lebte mit seiner schönen Frau noch lange Jahre in Glück und Zufriedenheit in dem Haus am Lugeck, das seit dieser Zeit »Zum schwarzen Bären« genannt wurde.

In der unglücklichen Schlacht bei Varna im Jahre 1444 hatten die Türken fast das ganze christliche Heer aufgerieben. Unter den wenigen, die dem blutigen Gemetzel entronnen waren, befand sich auch der Landsknecht Georg Thalhammer. Nur der Schnelligkeit seiner Beine hatte er es zu verdanken, daß ihm die Flucht in einen dichten Wald gelang, wo er sich zunächst vor der Wut seiner Verfolger sicher glaubte. Todmüde hatte er sich hinter ein dichtes Gebüsch geworfen und überdachte seine Lage. Sie war verzweifelt Was sollte er in dieser furchtbaren Wildnis beginnen? Würde er von den blutgierigen Feinden aufgespürt werden, oder sollte es ihm vielleicht doch gelingen, die Heimat wiederzusehen? Wie aber sich Nahrung und Obdach verschaffen ohne Kenntnis der Landessprache, ohne Mittel, fremd und geächtet? Zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankten seine Gedanken hin und her, aber immer aussichtsloser schien ihm schließlich sein Schicksal zu sein.

Da stand plötzlich ein unheimlich aussehender hagerer Mann mit scharfer Hakennase und stechenden Augen vor ihm. Mit raschem Griff faßte der Landsknecht nach seiner Waffe, um sein Leben gegen den vermeintlichen Angreifer mit der Schärfe des Schwertes zu verteidigen Der Fremde aber rief ihm zu: »Nur ruhig Blut, Geselle! Laß dein Schwert in der Scheide. Du hast vor mir nichts zu befürchten. Ich will dir im Gegenteil dazu verhelfen, ungefährdet in deine Heimat zu entkommen, und dich dort so reich mit Geld und Gut bedenken, daß du in Zukunft ein sorgloses, bequemes leben führen kannst. Dafür will ich nur einen geringen Gegendienst: nach deinem Tod soll deine Seele mir gehören.«

Neue Hoffnung regte sich im Herzen des biederen Landsknechts, als er die ersten Worte des Bösen vernahm; aber die letzte Bedingung seines unheimlichen Helfers erfühlte ihn mit so tiefem Schrecken, daß er ausrief »Nein, nein, meine Seele verkaufe ich dir nicht; lieber will ich alle Not ertragen, ja hier elend zugrunde gehen als einen solchen Pakt abschließen.« Vergebens suchte ihm der Teufel die Heimkehr ins Vaterland und das schöne Leben, das ihm dort winkte, in den lebhaftesten Farben auszumahlen. Der Landsknecht blieb hartnäckig bei seiner Weigerung. Da beschloß der Teufel, gelindere Saiten aufzuziehen. Du wirst mir aber trotzdem nicht entgehen, dachte er und sagte zu Thalhammer: »Du sollst sehen, daß man mich zu Unrecht den Bösen nennt Ich will dir einen andern Vorschlag machen, der dir besser gefallen wird.« – »Und das wäre?« fragte der andere. »Du darfst dich zum Dank für meine Hilfe durch drei Jahre weder waschen noch kämmen, noch vom Schmutz reinigen, auch nicht Haare und Nägel beschneiden, darfst auch nie die Kleidung wechseln, sonst ist deine Seele mein. Im übrigen aber kannst du essen und trinken, tun und lassen, was zu willst, die Mittel dazu werde ich dir reichlich zur Verfügung stellen.«

Dieser Vorschlag dünkte Georg weit annehmbarer. Denn, dachte er, habe ich während des ganzen Krieges oftmals ungepflegt in Schmutz und Nässe viele Wochen und Monate verbracht, so werde ich dieses leben auch noch weitere drei Jahre zu führen imstande sein.

Mit Handschlag wurde der Pakt besiegelt, und im Augenblick sah sich Thalhammer nach Wien versetzt, nachdem der Teufel noch rasch einen Bären gefangen und den Landsknecht in die abgezogene Haut des Tieres gesteckt hatte. Sodann übergab er ihm einen Beutel voll Gold mit dem Bedeuten, er könne davon so viel verbrauchen, als er wolle, der Beutel werde niemals leer werden. Schließlich ermahnte er seinen Schützling noch, den Vertrag in allen Punkten getreulich zu erfüllen, und verschwand.

Thalhammer hielt das Abkommen mit dem Bösen genau ein; er wusch und kämmte sich nicht, ließ Haar und Bart wachsen und ging stets in seine Bärenhaut gehüllt umher. Es war daher auch kein Wunder, daß er nach wenigen Wochen so schmutzig und verwildert aussah, daß fast nichts Menschliches mehr an dieser langhaarigen, schmutzstarrenden Gestalt zu erkennen war. Die Erwachsenen machten einen weiten Bogen um diesen üblen, bärenhäutigen Gesellen, der jedermann mit Furcht und Grauen erfüllte, und die Kinder wurden durch den Ruf: »Der Bärenhäuter kommt« in Angst und Schrecken versetzt, so daß sie schreiend flüchteten.

Wiewohl Thalhammer von seinen Feldzügen her an vieles gewöhnt war, schien ihm sein Zustand anfangs unerträglich. Doch mit der Zeit gewöhnte er sich an die Unreinlichkeit und an das Aufsehen, das er mit seiner Bärenhaut überall erregte. Da er mit Geldmitteln zur Genüge versehen war, ließ er sich an Speise und Trank nichts abgehen, nahm in einer alten Hütte in der Vorstadt Quartier und ließ auch seinen Quartiergeber an seinem guten leben teilhaben.

Seine seltsame Lebensweise, deren Grund die Leute nicht kannten, brachte ihn bald in den Geruch eines Zauberers und Wahrsagers; von allen Seiten strömten Menschen herbei, um sich von ihm über allerlei Dinge Rat zu holen. Da er sich bei seinen Ratschlägen auf seinen gesunden Menschenverstand verließ, hatte er manche Erfolge aufzuweisen, was zur Hebung seine. Rufes noch beitrug.

So lebte Georg Thalhammer getreu seiner Abmachung mit dem Satan, und dieser mußte erkennen, daß er ein schlechtes Geschäft mit dem Landsknecht abgeschlossen hatte. Aber er hoffte, durch ihn auf andere Weise einen Profit zu machen. Als das dritte Jahr zur Hälfte vergangen war, erschien er eines Tages unvermutet bei dem Bärenhäuter und erklärte, er wolle ihm den Rest der bedungenen Frist erlassen. »In kurzer Zeit«, sagte er, »wird ein reicher Wiener Bürger bei dir vorsprechen. um sich deinen Rat in einer Hausstreitigkeit zu holen. Du darfst ihm aber deine Hilfe nur unter der Bedingung zusagen, daß er dir eine seiner drei Töchter zur Frau gibt.«

Der Böse unterrichtete ihn sodann über das, was er dem Bürger zu sagen habe, und gab ihm neuerlich viel Geld, damit er die Habgier des Bürgers reizen könne, wenn dieser vielleicht an dem wüsten Aussehen des Bewerbers Anstoß nehmen sollte. »Du kannst ihm getrost hunderttausend Dukaten zusichern«, meinte der Höllenfürst, »sie werden dir zur Verfügung stehen.«

Als nun am nächsten Tag der in Aussicht gestellte Besuch wirklich erschien und gegen Geld und gute Worte den Rat des Bärenhäuters erbat, ging dieser ganz nach den Weisungen seines teuflischen Ratgebers vor und erklärte: »Ich kann dich wohl beraten, doch tue ich dies nicht gegen Geld; denn davon habe ich selbst genug. Wenn du willst, kann ich dir mit etlichen tausend Dukaten noch aushelfen, mir kommt es nicht darauf an. Meinen Rat aber kann ich dir nur unter der Bedingung geben, daß du mir eine deiner Töchter zur Frau gibst. Wenn dich aber etwa mein übles Aussehen stören sollte, so laß dir gesagt sein, daß dies nur ein kleiner Nachteil ist, der reichlich dadurch aufgewogen wird, daß ich deine Tochter zur reichsten Frau im Lande machen kann.«

Der Bürger war durch diesen Antrag aufs höchste überrascht, auch stieß ihn die Häßlichkeit des Bewerbers ab; aber sein Geiz trug schließlich über alle Bedenken den Sieg davon, und er sagte dem Bärenhäuter die Hand jener Tochter zu, die ihn freiwillig wählen würde.

Nachdem sie so handelseins geworden waren, erhielt der Bürger die gewünschte Auskunft und entfernte sich wieder. Thalhammer aber erschien schon am nächsten Tag in der ganzen Scheußlichkeit seines Aufzuges im Haus des Bürgers, um eines der Mädchen zu freien. Seine schmutzstarrende Häßlichkeit erregte bei allen drei Töchtern des Hausherrn tiefe, ungeteilte Abscheu; die beiden älteren weigerten sich entschieden, eine Verbindung mit diesem unflätigen Ungetüm einzugehen. Nur die jüngste Tochter gab endlich, durch vieles Zureden ihres Vaters bewogen, ihre Zustimmung zur Ehe mit dem Bärenhäuter. Die Hochzeit sollte innerhalb Monatsfrist stattfinden.

Während im Hause der nicht gerade glücklichen Braut alle Vorbereitungen zur Feier getroffen wurden, änderte Thalhammer nichts an seinem Aussehen und bot mit seinem schmierigen Äußeren, dem verfilzten Haar und Bart und dem schmutzigen Bärenfell alles eher als das Bild eines festlichen Bräutigams.

Da stellte sich in der Morgenfrühe des Vermählungstages Meister Urian bei ihm ein und sagte: »Nun ist es aber höchste Zeit, daß du dich deiner Braut in einem andern Aufzug als bisher präsentierst.«

Er führte ihn zu einem Bach, wusch ihn gründlich ab und rieb ihn mit wohlriechenden Essenzen ein. Dann befahl er ihm, in die Stadt zu eilen und sich einen neuen Anzug sowie Wagen und Pferde zu kaufen, Dienerschaft aufzunehmen und in höchstem Staat beim Haus der Braut vorzufahren, um sie zur Hochzeit abzuholen. Thalhammer führte alles aus, was ihm der Teufel aufgetragen hatte. Höchstes Aufsehen entstand, als plötzlich am Haus der Braut eine prächtige Karosse vorfuhr, der ein feingekleideter vornehmer Herr entstieg, in dem kein Mensch den Bärenhäuter erkannt hätte.

Je mehr sich die Braut über diese unvermutete Verwandlung ihres Bräutigams freute, desto größer wurden der Arger und die Betrübnis der beiden andern Schwestern. Sie verwünschten ihre Verblendung und verfielen schließlich in Trübsinn, der unter den bösen Einflüsterungen des Teufels mit dem Selbstmord der beiden endete. So hatte der Satan zuletzt doch noch ein gutes Geschäft gemacht.

Georg Thalhammer aber lebte mit seiner schönen Frau noch lange Jahre in Glück und Zufriedenheit in dem Haus am Lugeck, das seit dieser Zeit »Zum schwarzen Bären« genannt wurde.

 


 

 << Kapitel 11  Kapitel 13 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.