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Sagen aus Westfalen

: Sagen aus Westfalen - Kapitel 42
Quellenangabe
titleSagen aus Westfalen
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Spukgeschichten aus Wildeshausen

An Spukgeschichten der lächerlichsten Art glaubt man hier noch sehr häufig. Man behauptet zum Beispiel, daß hier auf der Straße nahe an dem Staket unsres Gartens ein nacktes Füllen geht und graset. Nicht weit von diesem sitzt auf einem Zaun ein altes Weib mit einem Butterfaß und buttert. In einem kleinen Gehölze nahe hier am Dorfe fährt alle Abende eine Kutsche mit sechs weißen Schimmeln. An einem gewissen Platze hier nahe am Dorfe, welchen man das Schichtsfeld nennt, steht der Teufel mit einer Wanne, worin man Korn von der Spreu zu reinigen pflegt und stäubt oder reiniget statt dessen Geld darin. Nicht weit von diesem sieht man des Nachts ein Feuer brennen; in einer kleinen Entfernung von diesem soll auf einem Acker zur Nachtzeit immer jemand pflügen. In dem Dorfe Döhlen, eine halbe Stunde von hier, wälzt sich zur Abendzeit vor einem gewissen Bauernhofe ein eiserner Topf quer über den Weg. Von eben diesem Dorfe wandelt alle Abende ein Gespenst hierher, von dessen Gestalt man jedoch nichts weiter sagen kann, als daß es in der Ferne einem Schafe ähnlich sieht, und daß es einen klappernden Holzschuh trägt; diese Gestalt kommt hier ins Dorf, ruht sich ungefähr mitten in demselben hinter einer Scheune etwas aus, dann geht es weiter, hier unserm Hof vorbei, sieht auf den Kirchhof, von da geht es auf den Hof eines Bauern, kommt von demselben wieder zurück und geht endlich nach dem Dorfe Alhorn, eine Stunde von hier. Dieses Gespenst nennt man das Schut.

In einem Dorfe nahe an der Hunte, anderthalb Stunden von hier, starb in einem Bauernhause vor ungefähr 40 Jahren eine alte Frau; bei ihrem Leichenbegängnisse sah man ihre Gestalt mit einer Forke auf dem Nacken nahe hinter dem Leichenwagen herwandeln. Als die Leute von dem Begräbnisse zurückkamen, saß sie hinter dem Feuerherd und spann; man ließ sie von da durch einen Pater wegbannen in eine Vertiefung nicht weit von dem Dorfe, wo sie sich noch jetzt zeigen soll. In einem Bauernhause auf jener Seite der Hunte bindet man alle Abend Flachs in einen Spinnrocken und findet es jeden Morgen gesponnen. Zwei Stunden von hier, eine halbe Stunde vor der Stadt Wildeshausen, liegt ein einzelner Bauernhof, Spasche genannt, wo in alten Zeiten ein Schloß gestanden hat. Hier soll bei Nachtzeit eine Chaise mit sechs Hirschen fahren. Nicht weit davon wälzen sich zwei ungeheuer große Tiere, deren Gestalt man nicht genau beschreiben kann, über den Weg. Auf einem Kamp in dem Dorfe Sage pflügt des Nachts jemand mit einem glühenden Pfluge. Auf dem Wege von hier nach dem Dorfe Döhlen wird den Leuten zur Nachtzeit der Hut abgeschlagen von einer unsichtbaren Hand. In dem Dorfe Alhorn geht in einer kleinen Straße ein Gespenst, in der Gestalt eines rauhen Hundes.

Eine halbe Stunde von Wildeshausen soll an einem kleinen Dorngesträuch am Wege eine Jungfrau sitzen, welche auf der Zitter spielt. Nicht weit von Wildeshausen, nahe bei Spasche, wo ehemals ein altes Schloß gestanden hat, liegt ein kleiner Garten; an dessen Eingang zeigt sich in der Abenddämmerung eine lange männliche Figur in einem grauen Habit. Dieses ist von mehreren glaubwürdigen Leuten vor ungefähr 18 Jahren noch gesehen worden.

 


 

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