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Sagen aus Westfalen

: Sagen aus Westfalen - Kapitel 37
Quellenangabe
titleSagen aus Westfalen
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Der Kirchturm in Gildehaus

In dem westfälischen Ochtrup hat man eine Kirche gebaut, konnte aber die Kosten für einen Turm nicht mehr aufbringen. Man hätte jedoch gar zu gern einen Turm gehabt und war daher eines Tages versammelt, um zu beratschlagen, wie das Geld zusammengebracht werden könne. Lange hatte man hin und her beraten, da trat der Teufel in die Versammlung. Als er den Verhandlungen eine Zeitlang zugehört hatte, sagte er: »Ich will euch in kürzester Frist einen Turm verschaffen, wenn ihr euch wieder gefällig zeigt.« Hocherfreut nahmen die Ochtruper das Anerbieten an und fragten nach den Wünschen. Der Böse erwiderte: »Ihr müßt mir mit Hand und Siegel versprechen, nächstens, wenn die Pfarrer- und Küsterstelle erledigt werden, die von mir empfohlenen Kandidaten zu wählen. Dann soll noch morgen früh vor dem ersten Hahnenschrei der Turm fertig stehen.« Die leichtsinnigen Ochtruper gingen auf die Bedingung ein und drückten den Wunsch aus, einen Turm zu haben wie den in Gildehaus.

In der folgenden Nacht erfaßte der Teufel den Gildehäuser Kirchturm mit seinen Armen und schob ihn in der Richtung nach Ochtrup den Berg hinauf. Doch kaum war er etwa vierzig Schritt weit mit ihm gekommen, da fiel das geweihte Kreuz herunter, und zwar nach der Richtung, in der der Turm fortgeschoben werden mußte. Über das Kreuz weg konnte der Teufel trotz aller Anstrengungen mit seiner Last nicht weiterkommen. Die Zeit war unterdessen vergangen; schon graute der Morgen, und der erste Hahnenschrei ertönte. Da riß der Teufel in seinem Grimm die Spitze von dem Turm herunter und schleuderte sie fort nach Ochtrup zu.

Noch heute steht der Turm der Kirche in Gildehaus dort, wohin der Teufel ihn geschoben hat, abseits von dem Gotteshause; an die Stelle der abgebrochenen, festgefügten Spitze wurde eine neue gesetzt, die nur mit Holz und Schiefer gedeckt ist, aber das alte Kreuz wieder trägt.

 


 

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