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Sagen aus Westfalen

: Sagen aus Westfalen - Kapitel 34
Quellenangabe
titleSagen aus Westfalen
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Eine Hexenverbrennung

Es war zu der Zeit, als bei den Rittern im Lande Sitte und Recht nicht mehr galten. Da ereignete es sich, daß das Pferd eines Nienborger Ritters auf der Weide eine Wunde am Bein davontrug. Der Ritter wußte noch nichts davon. Sein Diener jedoch hatte beobachtet, wie eine Bauersfrau durch die Weide ging. Da glaubte er denn, das Weib müßte das dem Pferde wohl angetan haben, und er meldete es seinem Herrn. Dieser sandte seine Knechte sofort aus, damit sie die Frau ergriffen und herbeiholten. Da drangen denn die Söldner in das Bauernhaus ein und schleppten das Weib vor den Ritter, der über sie zu Gerichte saß. Man erkannte auf Verbrennung. Alles Unschuldbeteuern half der Frau nichts. Auf der Kusenborg im Esch schichteten die Soldatenknechte einen großen Holzstoß auf, um die Verurteilte darauf zu verbrennen. Das Urteil jedoch mußte zunächst durch den Landrichter in Münster bestätigt werden. Also sandten sie einen Boten nach Münster ab. Der Ritter brauchte indes nur eine bestimmte Zeit auf die Rückkehr zu warten. Wie diese sich ihrem Ende zu nahte und der Bote noch immer nicht erschien, ließ der Ritter den Scheiterhaufen anzünden, und dann befahl er: »Werft sie hinein, die alte Hexe, die Zeit ist verstrichen!« Da ergriffen nun die Knechte das Weib und schleuderten es in die Flammen. Alsbald wurden seine Kleider von dem Feuer ergriffen, und Rauch hüllte die vermeintliche Hexe ein. Inzwischen kehrte auch der Bote von Münster heim. In den Bülten am Esch schwang er seinen Hut auf einem langen Stabe, um sich noch rechtzeitig bemerkbar machen zu können. Aber es war schon zu spät. Die Bauersfrau hatte bereits ausgelitten. Dem Ritter tat das nichts. Auf seiner Burg ließ er ein großes Festessen zubereiten und lud die übrigen Ritter dazu ein. Da klangen nun die Gläser und eilten die Diener. Bis der Taumel sie ergriffen. Der aber das Mahl gegeben, war vom Tische aufgestanden. Keiner hatte das bemerkt. Als sie den Zechgenossen vermißten, suchten sie ihn in der ganzen Burg, ohne ihn zu finden. Endlich jedoch fanden sie ihn, auf dem »Hüsken« sitzend, tot, das Gesicht im Nacken. So ereilte den Übeltäter die gerechte Strafe. An der Stelle aber, wo dem Raubritter der Hals umgedreht wurde, erhob sich später ein frommes Steinbild, Johannes von Nepomuk darstellend.

 


 

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