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Sagen aus Westfalen

: Sagen aus Westfalen - Kapitel 32
Quellenangabe
titleSagen aus Westfalen
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Spuk in der Brennerei

Wiegenkinder, herangewachsene Mädchen und Frauen hatten unter den Hexenkünsten zu leiden, ja selbst die stärkeren Männer wurden ihre Opfer. Die Sage erzählt uns von einer Brennerei in Ohne, auf der ging es nicht mit rechten Dingen zu. Der Betrieb brachte es mit sich, daß der Brenner hin und wieder auch des Nachts heizen mußte. Jedesmal aber, wenn das der Fall gewesen war, lag der Brenner vor dem Kessel tot. Die rätselhaften Vorfälle sprachen sich so weit herum, daß sich in der Umgebung kaum noch ein Brauknecht fand, und der Besitzer mußte es schon in die Zeitung setzen lassen, wenn er noch auf Erfolg rechnen wollte. Da kam nun endlich ein Brenner, der hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Wie er in der Nacht heizen mußte und es schon reichlich spät war, sah der Unerschrockene eine Katze durch das Mauerloch herbeischleichen. Sogleich ging er darauf zu und sagte: »Miesken, kum hier un wiäme di!« Dabei hob er sie auf und setzte sie vor den warmen Kessel. Wie nun der Brenner das Tier fragte, ob noch mehr Katzen kämen, blickte es nach dem Mauerloch und sagte: »Mau, mau«, was soviel heißen sollte, ja es kämen noch welche. Es war gerade zwölf Uhr nachts. In kleinen Abständen folgte eine Katze nach der anderen durch das Mauerloch in die Brennerei, und immer hatte der Brenner sie an den Kessel gesetzt, sagend: »Miesken, kum hier un wiäme di!« Und auf seine Frage, ob noch mehr kämen, hatte die zuletzt hereingekommene Katze stets die Antwort gegeben: »Mau, mau« und hatte dabei nach dem Loch geschaut. Zuletzt kam dann auch noch die siebte Katze. Die war so dick, daß sie kaum durch die Öffnung in der Mauer hindurch konnte. Auch diese brachte der Knecht mit der gewohnten Redensart nach dem Kessel. Wie die sieben Katzen nun alle in der Reihe vor dem Kessel saßen und der Brenner noch gefragt hatte, ob jetzt alle da seien, stieg er die Treppe hinauf, füllte den »Schepper« mit brennendheißem Wasser und schüttete dieses über die Katzen aus. Diese spritzten auseinander und rannten durch das Loch davon. Die dicke Katze aber blieb noch was vor dem Loch stecken, und so bekam sie einen zweiten »Schepper« kochenden Wassers auf den Rücken. Dann blieb alles still in der Brennerei. Den Morgen darauf fragte der Besitzer den Knecht, wie es ihm ergangen sei. Oh, mit dem nächtlichen Spuk sei er schon fertig geworden, wo denn aber seine Frau wäre. Die läge noch zu Bett, hat drauf der Besitzer erwidert. Ja, dann sollte er sie doch mal umdrehen, und da hat es sich gezeigt, daß der Hausfrau der ganze Rücken verbrannt war. Die die Brauknechte einen nach dem andern umgebracht hatte, war niemand anders als des Brennereibesitzers Frau selbst gewesen, die sich dazu in eine Katze verwandelt hatte.

 


 

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